Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik

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*ireula

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Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« am: 21.09.2017, 19:28 Uhr »
Die Nische im Südosten

Reisepläne haben Farben, Gerüche, Geräusche. Und zwar schon, bevor man überhaupt Genaueres über die Gegend weiß, in die man reisen will. In unserem Fall klang der Begriff „Old South“ schon verheißungsvoll nach Hitze, nach „vom Winde verweht“, nach scharfer Karibikküche. Uns war klar, dass spektakuläre rote Felslandschaften oder Grizzlys diesmal nicht zu erwarten waren. Dafür hofften wir auf heile Welt à la Waltons kleiner Farm, auf hübsche Städte mit mehr als einer Hauptstraße und auf andere Wälder als den Wildwuchs von Reklametafeln an den Einfallstraßen.

Natürlich studierten wir Reiseführer und allerlei andere Informationsquellen. Nicht zuletzt das USA-Forum mit seinen wertvollen Beiträgen. Aber ganz so üppig wie für unsere anderen US-Touren sprudelten sie nicht. Der Südosten oberhalb von Florida ist offenkundig ein Nischenziel. Gerade richtig für uns!

Für Mitreisende wird es auf dieser Tour etwas enger, wir hatten uns diesmal gegen ein RV entschieden und sind ein paar Nummern kleiner unterwegs. Aber Platz bleibt dennoch. Die Türen sind geöffnet, und Gäste sind auf unserer Reise im Mai/Juni 2017 herzlich willkommen. Also: fasten seatbelts (it`s the law)

Irene und Dieter, und wir stellen uns gleich mal vor

Irene schmal ...



... Dieter breit.

*NatureLover

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Antw:Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« Antwort #1 am: 21.09.2017, 21:06 Uhr »
Irene und Dieter, wie schön!  :) Mir gefällt eure wunderschön geschriebene Einleitung richtig gut und ich sicher mir direkt einen Platz zum Mitreisen.
“I am not the same having seen the moon shine on the other side of the world.”

- 4 continents, 16 countries
- USA: 3x (FL, IL, IN, MI, NY, NC, TN)

*dschlei

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Antw:Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« Antwort #2 am: 22.09.2017, 13:50 Uhr »
Ich hoffe, dass ihr eine schoene Tour im Deep South hattet.  Aber Walton's Kleine Farm werdet ihr wohl vergeblich gesucht haben, denn die war in der Prairie von Minnesota.  Und Country Musik wird auch nicht viel gewesen sein, eher Blue Grass  und Cajun Style Musik.
With kind regards from the south bank of the Caloosahatchee River

*wolfmark

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Antw:Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« Antwort #3 am: 22.09.2017, 18:00 Uhr »
Ich steige auch noch schnell zu, hört sich nämlich gut an

*ireula

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Antw:Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« Antwort #4 am: 22.09.2017, 20:36 Uhr »
Liebe Amerika-Freunde,

den Mitreisenden und Gästen ein herzliches Willkommen. Wir starten also, und (hoffentlich) zur besseren Orientierung vorab unsere Reiseroute:



Von Washington DC führte unser Weg in die Blue-Ridge-Mountains, bekannt auch aus der US-Familienserie „Die Waltons“, die hier, im Herzen von Virginia, ihre kleine Farm hatten. Weiter ging es nach Tennessee und Nashville, dem vor Country-Music bebenden „Country-Capitol of the World“, durch Georgia nach Savannah und von dort aus über South- und North-Carolina zurück nach Virginia und Washington. Zum Schluss waren es 3334 Meilen oder 5366 abwechslungsreiche Kilometer (kleine Änderung gegenüber dem obigen Plan: Wir sind nicht über Myrtle Beach, sondern über Durham zurück an den Atlantik gefahren. Doch davon später mehr). Jetzt Irenes Reisebericht, anfangs ein bisschen textlastig:

Der Alternativlose in Matschgrau

21. Mai 2017

Vier große Gepäckstücke, eines davon ist wieder Dieters Gitarrenkoffer, zwei Rucksäcke und eine Handtasche - das ist unsere Ausrüstung für die kommenden 26 Tage. Das wirkt überschaubar, ist aber doch alles in allem ziemlich unhandlich. Deshalb sind wir froh, dass wir nicht die kostenlosen Bahntickets von rail & fly nutzen, sondern mit dem Auto zum Flughafen nach Frankfurt fahren. Gebucht haben wir dort Terminal-Parking für 100 Euro.
Knapp zwei Stunden sind es bis dorthin, und diesmal haben wir ein bisschen gemischte Gefühle vor unserem USA-Trip. Es geht nach Washington DC und von dort auf eine Rundtour durch die Südstaaten: Virginia, Tennessee, Georgia, South Carolina und North Carolina. Zum ersten Mal sind wir in den Staaten nicht im Wohnmobil unterwegs, sondern fahren im Mietwagen. Ob uns das gefällt? Aus dem Koffer leben, immer aus- und einpacken, dauernd in einem anderen Bett schlafen, nur noch selten selbst kochen? Wir haben Zweifel. Aber die Entscheidung ist schon vor einem knappen Jahr gefallen, als sich herausstellte, dass Wohnmobile in Washington nur bei Cruise America zu bekommen sind, ein Anbieter, an dessen Vertrauenswürdigkeit uns aufgrund diverser Berichte Zweifel kommen. Vielleicht zu Unrecht, aber wir sind treue und zufriedene Roadbear-Kunden, wären jedoch auch mit El Monte gefahren. Dummerweise haben die aber ihre Mietstation in Washington vor kurzem aufgegeben. Also Mietwagen. Ein Standard-SUV soll es sein, denn auch zu zweit wollen wir genug Platz haben - vor allem fürs Gepäck (s. oben).

Großen Spaß hat uns in den vergangenen Monaten wie immer das Austüfteln der Reiseroute gemacht. Und spannender als sonst war natürlich das Buchen der Unterkünfte, denn ins Blaue fahren wie mit dem Wohnmobil wollten wir nicht. Deshalb haben wir nun eine durchgeplante Reise im Gepäck einschließlich eines dicken Pakets von Buchungsbestätigungen.
In Frankfurt stehen wir vor der ersten Hürde: Der QR-Code für das Parkhaus funktioniert an unserer Einfahrt nicht, die Schranke bleibt unten. Um den Verkehr nicht aufzuhalten, zieht Dieter kurzerhand ein Ticket. Wir hoffen, dass der QR-Code trotzdem bei der Ausfahrt funktioniert. Doch jetzt holen wir erst einmal einen Gepäckwagen zum Parkplatz, denn vier Hände sind einfach zu wenig.



Um 13.15 Uhr rollt das fast vollbesetzte Flugzeug zur Startbahn. Wir haben reichlich Platz auf 25 A und 25 C, Premium Economy. Dank Rückenwind sind wir schneller als geplant und landen schon um 15.10 Uhr in Washington DC. Ein paar technische Probleme beim Andocken und beim Shuttle lassen die gewonnene Zeit wieder verrinnen. Dann kommen wir zur Immigration - das heißt, von Immigration ist vor lauter Menschen nichts zu sehen. Wir reihen uns ein in die Schlange, die sich quälend langsam fortbewegt. Nach einer halben Stunde der Lichtblick: Für Passagiere, die ein Visum oder ESTA haben und die mit ihrem aktuellen Pass schon mindestens einmal in die USA eingereist sind, wird der Zugang zu den Immigration-Automaten geöffnet. Dort sind wir in Nullkommanichts durch, während die Schlange an den Schaltern immer noch zentimeterweise vorrückt. Den Alamo-Shuttle entern wir, und um 5.30 pm haben wir unseren Wagen aus der Choice Line ausgesucht. Einen Dodge Grand Caravan GT, nur 7900 Meilen gelaufen. Dieter, der zu Hause von einem sportlichen SUV geträumt hatte, ist nun auf einmal scharf auf diesen doch sehr biederen Van. Irene ist erstaunt, bringt kurz einen gerade reinkommenden weißen Jeep ins Spiel, aber Dieter hat die Koffer schon im Dodge verstaut. Na ja, Irene ist die Autofrage im Prinzip vollkommen gleichgültig. Auch wenn matschgrau keine Farbe ist ...

Dieter meint: Das kann man natürlich so sehen. Aber auch bei einem Mietwagen sollte man rational denken und emotionslos feststellen: Der Dodge hatte bis auf einen Beifahrerinnen-Schleudersitz die Top-Ausstattung der Modellreihe: versenkbare Sitze, jede Menge an aktiver Personal Safety (PS), er konnte jede Art von Benzin vertragen und war im Öko-Fahrbetrieb besonders spritsparend unterwegs. Auf die elektrisch verstellbaren Ledersitze, die beiden (von uns nicht genutzten) DVD-Player, die Zwei-Klimazonen-Automatik, den Touchscreen mit Sprachsteuerung, die Rückfahrkamera, den 115-Volt-Anschluss in der Mittelkonsole für die schnelle Rasur während der Fahrt inklusive des dafür erforderlichen beleuchteten Spiegels in der Fahrer-Sonnenblende und ein bis drei Dutzend weitere Ausstattungsdetails, die einer allein auf die Farbe eines Autos fixierten Betrachterin zwangsläufig verborgen bleiben müssen, will ich hier gar nicht eingehen. Fakt ist, dass sich Fahrzeuge mit Begriffen wie "bieder" und "matschgrau" nur höchst oberflächlich beschreiben und bewerten lassen. Blendet man derlei optisch gesteuertes Bauchgefühl einmal aus, dann war der Dodge das für unsere Zwecke und Route beste der vorhandenen Fahrzeuge. Was Irene später auch eingeräumt hat – auch wenn sie sich lieber die Zunge abbeißen würde, als dies in ihrem Reisebericht einzugestehen.



Der Matschgraue links, der Silbergraue rechts.

Wir lehnen bei Alamo noch die gewohnt wortreich angepriesene zusätzliche Versicherung für die Road Assistance ab und lassen uns einen Toll-Transponder für die Windschutzscheibe geben (kostet 19,90 Dollar, enthebt uns aber unterwegs der Mautzahlungen. Die Gebühren werden am Ende von der Kreditkarte abgebucht).
Das Navi lotst uns zuverlässig durch den dichten Washingtoner Feierabendverkehr vom Dulles Airport zu unserem Hotel. Das Best Western Georgetown Hotel and Suites liegt in Foggy Bottom, hat aber keine Parkplätze. Noch zuhause hat Dieter gleich nebenan einen Platz in einer Parkgarage gebucht. Hier klappt der QR-Code bei der Einfahrt auf Anhieb.

Das Hotel ist mittelklassig, aber sauber und ordentlich. Wir haben eine Suite mit Queensize-Bett und einer kleinen Teeküche. Außerdem ist ein Frühstück inkludiert - es heißt zwar kontinental, ist aber nach unserem Maßstäben nicht sehr üppig und natürlich zu süß und zu fett.
Am ersten Abend gehen wir nur ein paar Schritte, denn gleich neben dem Hotel sind mehrere Restaurants. Wir entscheiden uns für das urige "Grillfish". Der Name ist Programm. Wir essen leckeren Fisch und köstliche Jakobsmuscheln, trinken Draft beer (Dieter) und Weißwein (Irene).

*nordlicht

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Antw:Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« Antwort #5 am: 22.09.2017, 20:44 Uhr »
Und Country Musik wird auch nicht viel gewesen sein, eher Blue Grass  und Cajun Style Musik.
In Nashville gibt's keine Country Musik, oder was? :lachroll:

*porter

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Antw:Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« Antwort #6 am: 22.09.2017, 21:40 Uhr »
Ich hoffe, dass ihr eine schoene Tour im Deep South hattet.  Aber Walton's Kleine Farm werdet ihr wohl vergeblich gesucht haben, denn die war in der Prairie von Minnesota.

 :oops: Da hat wohl jemand  die Waltons mit der kleinen Farm der Familie Ingalls verwechselt. Kann passieren. Aber die Waltons wohnten nun einmal in Virginia und sollten auch im Forum nicht nach Minnesota umgesiedelt werden. :shock:

*gecko1a

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Antw:Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« Antwort #7 am: 22.09.2017, 22:46 Uhr »
super, wir wollen nächstes Jahr den Blue-Ridge-Parkway fahren und auch nach Nashville.
Ich freue mich auf Euren Bericht und Bilder.

Viele Grüße
Frank

*ireula

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Antw:Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« Antwort #8 am: 22.09.2017, 23:12 Uhr »
super, wir wollen nächstes Jahr den Blue-Ridge-Parkway fahren und auch nach Nashville.
Ich freue mich auf Euren Bericht und Bilder.

Hallo Frank,
eine absolut empfehlenswerte Route, vorab musst Du allerdings ein paar Tage mit uns in Washington, im Shenandaoh Nationalpark und in den Great Smokey Mountains verbringen. Sei unbesorgt: Es gibt Schlimmeres.
Gruß Irene

*gecko1a

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Antw:Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« Antwort #9 am: 22.09.2017, 23:46 Uhr »
super, wir wollen nächstes Jahr den Blue-Ridge-Parkway fahren und auch nach Nashville.
Ich freue mich auf Euren Bericht und Bilder.

Hallo Frank,
eine absolut empfehlenswerte Route, vorab musst Du allerdings ein paar Tage mit uns in Washington, im Shenandaoh Nationalpark und in den Great Smokey Mountains verbringen. Sei unbesorgt: Es gibt Schlimmeres.
Gruß Irene

Der fast gemeinsame Teil der Route, den wir planen:
Nashville ,(Chattanooga), Knoxville, Cherokee, Galax, Roanoke, Waynesboro, Washington
Also 6 Tage von Nashville nach Washington. Bin mal gespannt, ob uns das reicht.

Ach ja, nördlich von Nashville sind wir auch unterwegs :-)


Viele Grüße
Frank

*dschlei

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Antw:Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« Antwort #10 am: 23.09.2017, 14:37 Uhr »
Und Country Musik wird auch nicht viel gewesen sein, eher Blue Grass  und Cajun Style Musik.
In Nashville gibt's keine Country Musik, oder was? :lachroll:
Ich sagte "nicht viel", denn ausser dem Loop durch Tennessee von Knoxville bis Chattanooga ging der Trip eher durch Blue Grass Gebiete
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*dschlei

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Antw:Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« Antwort #11 am: 23.09.2017, 14:41 Uhr »
Ich hoffe, dass ihr eine schoene Tour im Deep South hattet.  Aber Walton's Kleine Farm werdet ihr wohl vergeblich gesucht haben, denn die war in der Prairie von Minnesota.

 :oops: Da hat wohl jemand  die Waltons mit der kleinen Farm der Familie Ingalls verwechselt. Kann passieren. Aber die Waltons wohnten nun einmal in Virginia und sollten auch im Forum nicht nach Minnesota umgesiedelt werden. :shock:
Du hast Recht, das habe ich wirklich verwechselt
The Waltons is an American television series created by Earl Hamner, Jr., based on his book Spencer's Mountain, and a 1963 film of the same name, about a family in rural Virginia during the Great Depression and World War II.
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*ireula

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Antw:Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« Antwort #12 am: 23.09.2017, 19:30 Uhr »
Eine Mall voller Gedenken

Montag, 22. Mai

Die Nacht endet erst zu ziviler Zeit gegen 7 Uhr, Jetlag merken wir kaum. Wie vorhergesagt regnet es in Strömen. Wir hatten eigentlich geplant, heute die National Mall zu erkunden, disponieren aber um und steuern per Taxi das Museum of American History an. Ein riesiger Komplex, viele Einzelausstellungen, so kurzweilig und interessant, dass sogar die Kids, die mit ihren Schulklassen da sind, offenbar angetan sind - so jedenfalls unser Eindruck. Es kostet keinen Eintritt, so wie bei allen Museen der Smithsonian Stiftung, aber akribische Taschenkontrollen. Man darf kein Wasser ins Museum mitnehmen.



Das "star spangled banner" gibt es im Museum in Übergröße auch in Metall. Das Original darf man nicht fotografieren.

Wir streifen durch die drei Etagen. Die Ausstellung zum „star spangled banner“ mit der riesigen Originalflagge von 1776 ist sehr patriotisch. Die Münz- und Geldsammlung, gestaltet wie ein Tresorraum, gefällt uns, ebenso die Darstellung der Architektur- und Alltagsgeschichte anhand eines Originalhauses und seiner Entwicklung. Ein Höhepunkt: die Abteilung der Präsidenten im dritten Stock und die Ausstellung über die First Ladies einschließlich ihrer Kleider und des jeweiligen White House-Porzellans.

Als wir mittags das Museum verlassen, hat der Regen aufgehört. Wir spazieren zur Mall und beginnen mit dem Obelisken (George Washington Memorial). Die Aussichtsplattform ist wegen Erdbebenschäden seit 2011 nicht mehr zugänglich. Man kann nur noch um ihn herumwandern und hinaufschauen. Nur ein paar Schritte sind es zum Word War II Memorial. Für unseren Geschmack viel zu viel Pathos, Dieter fühlt sich an Walhalla erinnert.



Wir wandern am Reflecting Pool entlang zum Lincoln Memorial. Grimmig sitzt er da - in seinem Tempel, der offenkundig eine Art Heiligenverehrung inszenieren soll. An die Anweisung auf den Schildern "respect, quiet please" halten sich die Besucher allerdings nicht.





Wir steigen die Stufen herunter und gehen nach rechts zum Korean War Memorial. Die grauen Soldaten mit ihren Umhängen scheinen tatsächlich durch den Regenwald zu pirschen, obwohl sie nur in kniehohem Buschwerk stehen. Die schwarze Granitwand daneben mit den eingeätzten Bildern macht das Ganze noch gespenstischer.





Auf der anderen Seite des Reflecting Pool wartet die Gedenkstätte schlechthin auf uns: das Vietnam Memorial. Das Kontrastprogramm zum schwülstigen Zweite-Weltkriegs-Denkmal. Eine schwarze Mauer aus Granit, in die rund 60 000 Namen der in Vietnam gefallenen Soldaten eingefräst sind. So viele Tote, so viele Schicksale. Eine Rangerin steht bereit, ein dickes Buch unter dem Arm, anhand dessen sie jeden Namen finden kann. Eine junge Frau sucht den Namen eines Angehörigen. Ist es der Vater oder Großvater? Die Rangerin setzt sich auf den Boden und paust mit einem schwarzen Kohlestift den Namen von der Wand auf ein Stück Papier, das die Frau dankbar mit nach Hause nimmt.





Nach einem kleinen Snack an der Mall machen wir uns per U-Bahn auf den Weg zum Hotel. Ein Offizieller erklärt uns am Automaten das System: Man kauft eine Karte und lädt eine beliebige Summe auf. Am Ein- und Ausgang wird die Karte jeweils gescannt, das verbrauchte Geld wird abgebucht. Praktisch!

Nach einer Siesta im Hotel genießen wir den Abend bei chinesischem Essen im Mei Wah Restaurant. Wir sind in Deutschland keine China-Restaurant-Liebhaber - zu viel, zu matschig, zu glutamathaltig. Bei Mei Wah schmeckt es anders, durchaus lecker, aber für uns ein bisschen zu wenig exotisch. Aber der Laden an der New Hampshire Ave ist gut besucht - auch von vielen Chinesen. Also müssen die Köche wohl den Geschmack ihrer Landsleute treffen. Angenehm wie so oft in den USA: Eiswasser wird kostenlos serviert und stetig nachgeschenkt.

Zu jeder Station geben wir Hinweise auf unsere Unterkünfte. Vielleicht sind sie ja dem einen oder anderen hilfreich.

Best Western Georgetown Hotel and Suites
Ort: Washington DC, Foggy Bottom

Beschreibung: City Hotel Mittelklasse, nicht neu, aber sauber und ordentlich
Lage: sehr gut, fünf Minuten zur U- Bahn-Station Foggy Bottom
Zimmer: Suite mit Queensbed, Teeküche, Kühlschrank
Frühstück: inbegriffen, Buffet, relativ vielfältig, kein Aufschnitt und wenig frisches Obst, aber ein Pancake-Automat



Unsere Unterkunft in Washington: das Best Western Georgetown Hotel and Suites - von außen und innen.



*ireula

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Antw:Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« Antwort #13 am: 24.09.2017, 12:48 Uhr »
Werfen, schlagen, rennen: Rätsel Baseball

Dienstag, 23. Mai

Aus zwei Museen, die heute auf unserem Programm stehen, werden unversehens vier. Wir fahren mit der U-Bahn zur Mall und gehen von dort zur National Portrait Gallery. Wir hätten besser vorher in den Reiseführer geschaut, denn leider öffnet das Museum erst um 11.30 Uhr. Das stellen wir fest, als wir um 10 Uhr vor der Tür stehen. Also Plan B: das Museum ¨Women in the Arts¨. Dieses wunderschöne Gebäude haben wir fast für uns allein. Irene hat gewisse Zweifel, ob das Geschlecht der Künstler allein als Klammer für ein ganzes Museum taugt. So verschieden sind doch die Arbeiten, die Frauen während der vergangenen Jahrhunderte geschaffen haben. Andererseits: Die Ausstellung macht deutlich, dass bestimmte Themen tatsächlich von Frauen - und eben nicht von Männern - künstlerisch aufgegriffen worden sind. Ein Beispiel: Haare spielen in der Männerkunst nur selten eine Rolle. Dass das bei Frauen anders ist, kann man im Museum betrachten. Und der Zugang der Frauen zur Alltagskultur ist einfach anders. Kein Mann hätte die witzige Tupper-Installation (wie tupperware eine Küche ins Chaos stürzt ...) erschaffen können.



Das Museum "Women in the Arts" hatte beim Innenausbau
offenkundig nicht unter Geldmangel zu leiden.




Es beherbergt auch das: den Arbeitsplatz von Simone de Beauvoir.



Die U-Bahn fährt in dichtem Takt, die Preisgestaltung hängt von der Uhrzeit ab, aber die Tickets
können notfalls auch noch nach Verlassen der Bahn aufgeladen werden. Sonst müsste man über
die Absperrung klettern.




Immer wieder Orientierungsphasen



und Schnappschüsse im Vorbeigehen.



Kurz nach Öffnung der Portrait Gallery, die zusammen mit dem American Art Museum in einem Gebäude untergebracht ist, stehen wir dort auf der Matte. Der Hauptgrund unseres Besuchs ist die Ausstellung ¨Presidents¨, die die gemalten Portraits US-amerikanischer Präsidenten zeigt. Aber wir nehmen auch noch andere Teile der Portrait Gallery (z.B. die sehr interessanten Indianer-Porträts) und auch des Kunstmuseums (beeindruckend: die Kennedy-Fotoausstellung) mit. Alles wieder kostenlos.



Die Präsidenten-Portraits sollte man sich möglichst nicht entgehen lassen.

Nach einem kleinen Imbiss bei ¨Jetties¨ machen wir uns auf zum ¨Newseum¨, einem Museum, das sich dem Nachrichtenwesen und dem Journalismus widmet. Mit uns sind Dutzende von Schulklassen unterwegs, in den Aufzügen geht es mitunter etwas wild zu, aber das Haus ist so weitläufig, dass man dennoch gut alle Ausstellungen besichtigen kann. Titelseiten des aktuellen Tages aus der ganzen Welt sind hier aufgehängt - man kann genau sehen, welche Zeitung den Terroranschlag in Manchester vom Vorabend noch verarbeiten konnte und bei welchen der Redaktionsschluss die aktuelle Berichterstattung verhindert hat.



Titelseiten nach 9/11.

Am beeindruckendsten für uns: die Fotos der Pulitzerpreisträger. Diese Ausstellung bildet eine Art Brennglas für das Problem des journalistischen Ethos. Darf man Tote und Sterbende fotografieren und zur Schau stellen? Dieter sagt nein, Irene findet ja, wenn die Nachricht nur so Aufmerksamkeit findet. Sie sieht sich bestätigt durch ein junges Mädchen, das weinend vor einem Foto steht, das Bootsflüchtlinge zeigt. Aber die geballte Macht grausamer Fotos ist kaum zu verkraften.



Das Newseum beleuchtet so viele Aspekte der Medienarbeit, dass auch Profis nicht alles aufnehmen können. Ein schöner Schlusspunkt: die Dachterrasse, von der aus man die Pennsylvania Avenue bis zum Capitol überblicken kann.



Im Museum ist auch ein Mobilfunkmast des World-Trade-Centers zu sehen - oder eher das, was nach 9/11 davon übrig geblieben ist.



Wir machen uns per U-Bahn auf zum Nationals' Park, wo wir uns zum ersten Mal ein Baseballspiel ansehen wollen. Die Nationals aus Washington treten gegen die Mariners aus Seattle an. Der Trubel ist ähnlich wie in den Football-Stadien. Allerdings beginnt es eine Stunde vor dem Spiel zu regnen. Das Tröpfeln wächst sich zu einem durchdringenden Landregen aus, und nach einer Stunde verlassen wir unsere Sitze in Row M. Die Nationals führen 2 zu 0, und wir haben die Spielzüge immer noch nicht wirklich begriffen.



*mrh400

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  • work is the curse of the drinking classes -O.Wilde
Antw:Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« Antwort #14 am: 25.09.2017, 18:39 Uhr »
Hallo,

da fahre ich doch gerne mit. Auch erste Erinnerungen sind schon da:
Wir hätten besser vorher in den Reiseführer geschaut, denn leider öffnet das Museum erst um 11.30 Uhr. Das stellen wir fest, als wir um 10 Uhr vor der Tür stehen.

dafür sind nicht zuletzt die Öffnungszeiten verantwortlich...
Gruß
mrh400