Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik

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*ireula

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Antw:Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« Antwort #15 am: 25.09.2017, 21:47 Uhr »
Herzlich willkommen, mrh400,

pardon, aber es ist auch etwas tröstlich, dass nicht nur wir hier und da Probleme mit den Öffnungszeiten der Museen gehabt haben.

Gruß Irene





*ireula

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Antw:Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« Antwort #16 am: 25.09.2017, 22:12 Uhr »
Sensationen unter Tage

Mittwoch, 24. Mai

Wir verlassen die Hauptstadt und streben dem ländlichen Virginia zu. Vorher bummeln wir noch durch das morgendlich ruhige Georgetown. Abends ist hier geselliges Kneipenleben angesagt, tagsüber ist es ruhig. Kurze Stippvisite in der ehemals eigenständigen Stadt, die nun Teil der Hauptstadt geworden ist und eine Vielzahl von Botschaften beheimatet.







Das älteste Haus Washingtons, gebaut 1765. 



Blick von Georgetown auf und über den Potomac River.


Dann rollt der Dodge durch welliges Farmland und bewaldete Hügel. Fast wie zu Hause und doch ganz anders. Das erste Stück des Skyline Drive im Shenandoah National Park versinkt allerdings im dichten Nebel.





Dann klart es zunehmend auf.

Wir machen Station bei den Luray Caverns, der größten Höhle im Osten der Staaten. Sie ist nicht nur groß, sondern von außerordentlicher Vielfalt und Schönheit. Überwältigende Formationen machen die einstündige Führung zu einem fortwährenden Ah- und Oh-Erlebnis, das Dieter sogar mit einem Discount genießen kann: 62 plus!












Weil wir nicht nur in Hotels absteigen, sondern auch ein bisschen Campground-Feeling schnuppern wollen, haben wir für die kommenden beiden Nächte eine Cabin am KOA-Campground in Broadway gebucht. Die Cabin ist komfortabel, das Bett bezogen, Handtücher hängen bereit. Einen Herd gibt es allerdings nicht, nur Microwave Cooking ist angesagt. Wir finden es urig und machen uns auf den Weg zu einem Walmart-Einkauf. Kühlbox, Haushaltsutensilien, Getränke, ein paar Lebensmittel summieren sich auf 180 Dollar. Nachdem sie in Washington im Dodge bleiben musste, hält am Abend auch Dieters Gitarre Einzug in die Cabin, und es gibt auf dieser Reise das erste kleine Indoor-Konzert - Beethoven und Cohen.




*ireula

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Antw:Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« Antwort #17 am: 25.09.2017, 22:23 Uhr »
Nachtrag:

Unsere Unterkunft  im Shenandoah National Park:


KOA Shenandoah Valley
Ort: Broadway, Harrisonburg

Beschreibung: Campground KOA, Pool, Fischteich, Horseshoe, Minigolf
Cabin: Wohnzimmer, zwei Schlafzimmer (eins mit Doppelbett, eins mit Stockwerkbetten), Betten bezogen, Handtücher vorhanden. Bad mit Sitzwanne, Küche mit Kühlschrank und Mikrowelle, kein Herd. Große Holzveranda mit Sitzplätzen, Fireplace und Gasgrill.






*gecko1a

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Antw:Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« Antwort #18 am: 26.09.2017, 07:54 Uhr »
Seit ihr den Skylinedrive nur bis zur Höhle gefahren und dann direkt nach Harrisonburg gefahren oder nach den Höhlen wieder zurück auf den Skylinedrive?
Lohnt sich der Skylinedrive?

Wir finden auch die Öffnungszeiten immer sehr eingeschränkt, meist so, dass man an einem Tag nicht an zwei Orten (mit ein Bisschen fahren) sich zwei Sachen anschauen kann.
Ich hab eh den Eindruck, dass die Amerikaner später am Tag losziehen, als wir es machen :-)

Viele Grüße
Frank

*NatureLover

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Antw:Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« Antwort #19 am: 26.09.2017, 13:00 Uhr »
Ich liebe solche urigen Hütten. Würde ich jederzeit einem Hotel vorziehen.
“I am not the same having seen the moon shine on the other side of the world.”

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- USA: 3x (FL, IL, IN, MI, NY, NC, TN)

*ireula

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Antw:Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« Antwort #20 am: 26.09.2017, 18:42 Uhr »
Seit ihr den Skylinedrive nur bis zur Höhle gefahren und dann direkt nach Harrisonburg gefahren oder nach den Höhlen wieder zurück auf den Skylinedrive?
Lohnt sich der Skylinedrive?


Hallo Frank,
wir sind den Skyline Drive von Front Royal bis zum Abzweig Luray gefahren und dann weiter zu unserer Cabin in Broadway. Nach dem Aufenthalt in Broadway sind wir über Luray wieder auf den Skyline Drive. Wegen des aufkommenden Nebels und aus Zeitgründen haben wir aber das letzte Drittel ausgelassen. Man braucht eben Zeit für den Drive. Schließlich will man ja kein Schwarzbär-Junges als Galionsfigur auf der Haube sehen. Kurzum: Der Skyline-Drive ist spektakulär, man muss aber auch Zeit haben, um hier und da anzuhalten, und man braucht vor allem vor allem gutes Wetter. Im Nebel macht es keinen Spaß. Ich empfehle, nach der Lage vor Ort zu entscheiden, wie weit man ihn fährt. Ich glaube, im Herbst ist er noch ein Stück weit spektakulärer als im Frühjahr. Wohl aber auch stärker befahren. Wir waren fast allein unterwegs.

Gruß Dieter

*ireula

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Antw:Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« Antwort #21 am: 26.09.2017, 19:17 Uhr »
Trail-Traum Appalachian

Donnerstag, 25. Mai

Die Nacht in unserer Hütte ist komfortabel - der Preis von rund 280 Dollar für zwei Nächte lohnt sich. Es schüttet die ganze Nacht, aber nach dem Frühstück können wir trockenen Fußes mit unseren Wanderschuhen ins Auto steigen. Wir fahren zurück zum Skyline Drive und halten dort am Little Stone Man Parking. Hier verwirklicht sich vor allem Irene einen Traum, mit dem sie Dieter angesteckt hat: Wir wandern auf dem Appalachian Trail - hiker sagen kurz "AT". Seit Irene das Buch "Laufen, essen, schlafen" von Christine Thürmer gelesen hat, die die drei großen US-Wanderwege - AT, Pacific Crest Trail und Continental Divide Trail - gelaufen ist, rumort dieser Wandertraum in des Weibes Herz. Klar ist, dass es ein Traum bleiben wird, aber die drei bis vier Meilen, die wir heute auf dem AT wandern, sind ein echtes Highlight, wir fühlen uns ein Stück weit mit denen verbunden, die das Wagnis des Schaffens oder Scheiterns eingegangen sind, und die sich aus dem beschaulichen Alltagsleben ausgeklinkt und mehr über sich selbst erfahren haben.
 


Endlich: der "AT" ist erreicht, und ein kleiner Traum geht in Erfüllung.



Herrliche Ausblicke: Am besten erlebt man diese beeindruckende Waldlandschaft immer noch zu Fuß.

Gleich nach den ersten Metern treffen wir auf eine Frauenwandergruppe, die Rast macht. Die Frauen wandern 35 Meilen in fünf Tagen, sind also in aller Ruhe unterwegs. Abends bringt ein Shuttle sie ins komfortable Hotel. Sie erzählen von deutschen Vorfahren und vom Vater, der bei der Landung in Omaha Beach dabei war und jahrelang jede Nacht schreiend aufwachte. Die Frauen lassen uns kaum gehen. Auch Dieter fällt der Abschied von der rund 20-köpfigen Damenriege schwer.





Unser Trail gleicht zunächst einem Bachbett, das Wasser kommt überall aus dem Berg. Durch wunderschönen Wald steigen wir hinauf. Der Weg ist steinig, aber in gutem Zustand, ungefähr eineinhalb Meter breit. Uns kommt ein Wanderer entgegen, der uns empfiehlt, oben auf dem Pfad zu bleiben (das hatten wir ohnehin vor), dort treibe sich ein Bär herum! Irene ist begeistert - leider sehen wir den Bären nicht. Dafür begegnen wir zwei jungen Männern mit schnellem Schritt, zotteligen Bärten und leichtem Gepäck, die Irene anhand ihrer "Insiderkenntnisse" aus Christine Thürmers Buch als "thruhiker" identifiziert, also als Leute, die den kompletten AT von Süd nach Nord wandern (wollen). Weil die Hiker nicht gern Zeit verlieren, traut sie sich nicht zu fragen, fotografiert die zünftigen Jungs aber immerhin von hinten.



Der "AT" ist keine Wüste, es gibt reichlich Wasser. Auch auf dem Weg.



Die echt harten Jungs...


Wir verlassen den AT und wandern in einem großen Bogen weitere drei Meilen zurück zum Parkplatz. Rund drei Stunden sind wir unterwegs, und das Wetter hält, die Sonne wagt sich sogar durch die Wolken.



Auf dem Parkplatz ist Umziehen angesagt. Und wenn man
schon nicht mit einem Bären kämpfen darf,
tut es zur Not auch ein Pullover.




Auf der Rückfahrt machen wir Station in dem Städtchen Harrisonburg, das sich durch große Gebäude und durch sonst nichts auszeichnet. Aber wir wollen Harrisonburg nicht unrecht tun. Es gibt ein Discovery museum für Kinder und ein Quilt-Museum. Wir besuchen weder das eine noch das andere. Abends schaffen wir es auf unserem Campground in Broadway zehn Sekunden vor einem heftigen Gewitter, unser Steak vom Gasgrill zu holen.

*ireula

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« Antwort #22 am: 27.09.2017, 20:38 Uhr »
Swingen auf der Bridge

Freitag, 26. Mai

Zum ersten Mal packen wir morgens unsere Kühlbox. Für die Kälte sorgen die beiden aus Deutschland mitgebrachten Eisbeutel (eigentlich gegen Sportverletzungen), die wir mit Wasser gefüllt und ins Gefrierfach des Kühlschranks gelegt haben. Wir versuchen, auch die Koffer einigermaßen intelligent zu packen, weil wir im nächsten Hotel natürlich nicht unser ganzes Gepäck aufs Zimmer schleppen wollen. Es klappt - so leidlich.

Wir schenken uns heute Morgen das letzte Drittel des wolkenverhangenen Skyline Drive und steuern stattdessen direkt Harrisonburg und von dort den Blue Ridge Parkway an. Der Himmel reißt auf, und auf dieser traumhaften Straße begleitet uns die Sonne. Neidlos erkennen wir an: Diese Wälder sind riesig und wunderschön. Wir sind zu Hause im waldreichsten Kreis Deutschlands, aber was wir heute sehen, stellt unsere fichtendominierten Wirtschaftswälder weit in den Schatten. Die Ansicht, dass sich der Blue Ridge Parkway nur im Herbst zur Laubfärbung lohnt, teilen wir nicht, denn das frische Mai-Grün der vielen unterschiedlichen Laubbäume hat einen besonderen Reiz. Wie es dort im Herbst aussieht, können wir allerdings nur erahnen. Es könnte überwältigend sein. 



Bei Sonnenschein und blau-weißem Himmel ist der Blue Ridge Parkway traumhaft schön.



Der matschgraue Dodge in saftigem Grün.



Man kann nicht überall anhalten, aber der Blick auf und über diese Waldlandschaft unterscheidet sich von stark von unserer Fichten-Kultur.


Der Sheronda Lake ist uns einen 6-Dollar-Abstecher in den George Washington National Forest wert. Hier haben die Angler ihr Paradies, Forellen tummeln sich im See. Wir umwandern ihn auf einem guten Halbstunden-Loop.





Überrascht hat uns die Vielzahl von Azaleen rund um den See.




Wasserfälle gibt es auf unserer Tour reichlich, auch am kleinen Sheronda Lake.

Als sich der mittägliche Appetit einstellt, machen wir Halt in dem kleinen Nest Buchanan am James River. Im Swinging Bridge Cafe essen wir Turkey Toast (Dieter) und Chicken Wings (Irene). Außerdem erfahren wir einiges über die Reiseerlebnisse der Chefin, die uns eindringlich einen Besuch in Lynchburg empfiehlt. Aber diesen Umweg wollen wir nicht machen. Unsere nächste Station liegt schließlich in Blacksburg, viel weiter im Westen. Aber die Swinging Bridge lassen wir uns nicht entgehen. Sie schwankt tatsächlich gefährlich über dem Hochwasser führenden, braun schäumenden River. Maximal drei Personen dürfen gleichzeitig die Brücke betreten.



Die Swinging Bridge in Buchanan. Wenn man durchkommt: anhalten, falls...



...man sehr gut schwimmen kann.

Wegen eines Unfalls bildet sich ein langer Stau auf der Interstate 81. Wir fahren ab und auf kleinen Landstraßen nach Süden. Wunderschöne Hügellandschaft, kleine Farmhäuser, Viehweiden und Wälder wechseln sich ab. Vor manchem Haus flattert die Südstaatenflagge im Wind, ein Farmer tut auf einem Schild kund: "I trust in God and in my guns". Blitzsauber ist es hier. Und ein bisschen spießig. Irene hört es einmal wispern: "Gute Nacht, John-Boy!"

In Blacksburg checken wir im Hilton Garden Hill ein, schwimmen eine entspannende Runde im Indoor-Pool und entscheiden uns nach einem kurzen Walk durch die Nachbarschaft im Restaurant für die Fischempfehlung des Tages: Flunder (Dieter) und Schwertfisch (Irene). Beides ist recht gut. Wir beschließen den Tag mit einem Glas Merlot auf der Hotelterrasse.






Also gut, alles Leugnen macht keinen Sinn mehr: Wir haben im Urlaub auch Wein getrunken – aber nie während der Fahrt.

*ireula

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« Antwort #23 am: 27.09.2017, 20:51 Uhr »
Nachtrag: unsere Unterkunft in Blacksburg

Hilton Garden Inn
Ort: Blacksburg, Virginia

Beschreibung: Ordentliches Hotel, Pool, Bar, Restaurant
Lage: Ruhig, etwa 5 Meilen außerhalb der Stadt
Zimmer: Kingbett, Teeküche, große Dusche
Frühstück: 9,95 $, reichhaltig und gut. Köstliche Eierspeisen werden nach Bestellung zubereitet und an den Tisch gebracht. Es gibt Porridge, frisches Obst und sehr freundlichen Service.






*ireula

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« Antwort #24 am: 28.09.2017, 19:51 Uhr »
Treffpunkt der Ökos

Samstag, 27. Mai

Nach einem Super-Frühstück starten wir auf dem Farmers market in downtown Blacksburg. Ein kleiner, feiner Markt mit vielen Bioprodukten, das Publikum gehört offenkundig zur gebildeten Mittelklasse mit alternativem Touch. Wir kaufen knackige Erbsen zum Naschen, geröstete Mandeln in Honig und eine interessante Schafsmilchseife, die in Schafswolle eingepackt ist. Außerdem decken wir uns mit Ökosnacks für den Tag ein. Dazu gibt's gratis Livemusic von einer Bluegrassband. Für uns der Auftakt zu einer auch musikalischen Reise durch den Süden, die von Country-Songs über Bluegrass bis hin zu Blues und Gospels der in Deutschland wenig bekannten Gullah-Musik tief im Süden von Georgia reicht. 



Die Schafsmilchseife in Schafswolle hat überraschend lang gehalten.



Die Farmer-Märkte in der Region sind meist nicht groß und finden häufig statt, es herrscht aber immer reges Treiben.



In einer Bluegrassband darf das Banjo natürlich nicht fehlen.



Nein, wir haben es nicht gekauft.

Blacksburg ist ein sehr hübsches und aufgeräumtes Städtchen. Die technische Universität bringt Leben in den Ort, uns gefällt es hier.



Die Main Street.



Die Wanderung im Ellett Valley, die wir uns heute vorgenommen haben, entpuppt sich als kürzer als vermutet, aber sie führt durch wunderschönen Wald und ist wegen der Höhenunterschiede ziemlich anspruchsvoll. Informationstafeln am Wegesrand geben interessante Erläuterungen. Wir hatten zum Beispiel keine Ahnung, dass Virginia der Hotspot schlechthin für Salamander ist. Oder dass es in Virginia nur zwei giftige Schlangenarten gibt, nämlich eine Rattlesnake und die Copperhead. Wir geraten beim Wandern richtig ins Schwitzen, denn die Luftfeuchtigkeit ist hoch bei über 80 degrees.



Schön, dass die Amis den Unwissenden immer alles so gut erklären.

Für den Nachmittag steuern wir den Claytor Lake State Park (7 Dollar) an. Es gibt Picknick unter Bäumen, danach erkunden wir den nicht besonders großen State Park auf verschiedenen hiking trails.





Entgegen der Wettervorhersage bleibt es trocken. Nach einer kleinen Siesta im Hotel und einer Runde im Pool gehen wir zum Dinner: Catfish für Dieter und Spinach Salat mit Erdbeeren für Irene. Das Hotel ist mittlerweile zu einem Hauptquartier für Mädchen-Volleyballmannschaften geworden. Wir kommen uns ein bisschen alt vor. Merlot!

*ireula

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« Antwort #25 am: 29.09.2017, 19:14 Uhr »
Glaubensstarke Community aus Mähren

Sonntag, 28. Mai

Wir verlassen Blacksburg und überqueren bei unserer Fahrt Richtung Südwesten die Grenze nach North Carolina. Bevor wir unser heutiges Quartier begutachten, besichtigen wir das Museumsdorf Old Salem in Winston Salem. Das Museum konserviert und restauriert die alten Häuser der Community der Moravier, die hier von 1730 bis 1850 heimisch war. Die Moravier sind eine protestantische Glaubensgruppe, die den Lehren von Jan Hus folgte. Sie legten viel Wert auf die Gemeinschaft, Individualität galt weniger als die Gruppe. Die Moravier hatten ihren Ursprung in der Herrnhuther Brüdergemeine (ohne d!). Der bei uns allseits bekannte "Herrnhuther Stern" heißt hier "Moravian star". Der Name "Moravier" ist dann auch wenig geheimnisvoll. Er gibt lediglich die Herkunft der Community wieder: Mähren, heute ein Teil von Tschechien.



Der Stern der Herrnhuther Brüdergemeine heißt hier am Zugang zu Old Salem "Moravian star".

Ungewöhnlich in diesem Museum ist, dass ungefähr zwei Drittel der Häuser zwar historisch sind, aber jetzt von ganz normalen Privatleuten bewohnt werden. Vor den Häusern parken Autos, man kann auch ohne Eintritt durch das Viertel gehen oder fahren. Nur wenn man in die Museumshäuser hinein und dort von den Guides in historischen Trachten herumgeführt werden möchte, zahlt man an einem Sonntag 22 Dollar Eintritt. Pro Kopf.



Old Salem ist teils Museumsdorf, teils lebendiger Stadtteil von Winston Salem.





In den originalgetreu möblierten Häusern erfahren wir allerlei über die fleißigen und geschäftstüchtigen Moravier. Der reiche Uhrmacher erbaute seiner jungen Frau ein repräsentatives Haus, und auch der Doktor lebte recht vornehm. Die unverheirateten jungen Männer und Mädchen aber wurden als Teenager von den Eltern getrennt und kamen schon mit zwölf bzw. 14 Jahren in das "single brother house" bzw. das " single sister house". Dort lebten bis zu 60 Menschen in Gemeinschaft und gingen ihrer Arbeit nach. Werkstätten gehörten zum Haus, aber einige Bewohner gingen auch außerhalb ihrem Tagwerk nach. Was Irene besonders gut gefällt: Alles in allem waren die sisters mit ihrem Business erfolgreicher als ihre männlichen Counterparts auf der anderen Seite der Straße. So steht es im Museum geschrieben.



Diese Dame erläutert uns ihre Stickerei in gebrochenem Deutsch. Nicht wenige, die im Museumsdorf arbeiten, haben deutsche Vorfahren.



Er nicht, seine Vorfahren stammen aus England.



Wie meist in den USA sind die Museen in Darstellung und Vermittlung um Längen besser als in Deutschland. Auch Old Salem ist bei allem touristischen Drumherum einfach super gemacht.

Die Kirche im Dorf ist noch immer Mittelpunkt der Glaubensgemeinschaft. 1200 Mitglieder zählt sie heute noch in der Region um Winston Salem, eine Million auf der ganzen Welt. Am aktivsten ist diese Kirche derzeit in Afrika.





Der Friedhof in Old Salem. Auch im Tod soll niemand vor Gott herausragen.

Als wir nach einer kurzen Fahrt in Greensboro (abweichend von unserem Routenplan zu Beginn des Reiseberichts, sorry) ankommen, wartet ein Schock auf uns. Der Campground liegt direkt neben der vielbefahrenen Interstate, entsprechend laut ist es hier. Und dann die Cabin! Ein Doppelbett und ein Stockwerkbett, jeweils mit blanken Matratzen, dazu ein Schrank. Das war's. Selbst Dieter, der diese Ein-Raum-Cabin gebucht hatte, ist leicht entsetzt. Wobei wir gar nicht genau wissen, was wir erwartet haben.



Egal: Jetzt muss ein Abendessen herbei. Wir fahren sofort zu einem Walmart, denn wir brauchen auch noch Kopfkissen und eine Decke. Dünne und besonders leichte Stoffschlafsäcke haben wir aus Deutschland mitgebracht.
Nachdem wir ein gebratenes Hähnchen und Makkaronisalat im Magen haben, sieht die Cabin schon viel netter aus. Dieter entert noch den Pool, dann gibt es einen gemütlichen Abend vor der Cabin mit Gitarrenspiel und Boggle. Wir schlafen tatsächlich gar nicht so schlecht in unseren Baumwollschlafsäcken, eine Decke brauchen wir nicht. Es ist warm.



Hier gibt es nichts zu beschönigen: Trotz der großen Ladefläche im Dodge ist der ständige Wechsel zwischen Cabin und Hotel gepäcktechnisch eine logistische Herausforderung, die sich wegen der unterschiedlichen Bewertung der Präferenzen in der von Spannungen nicht völlig freien Gemeinschaft von Mann und Frau  nicht immer befriedigend lösen läßt.

*gecko1a

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« Antwort #26 am: 29.09.2017, 21:21 Uhr »
Wir waren bei den letzten 4 Malen ähnlich mit dem Gepäck unterwegs. Was sich am Anfang noch in den Koffern und der Kühlbox verstauen ließ, wandert in immer mehr Taschen und Beuteln aus. Vor allem hat man ja nach kurzer Zeit duzende davon.

Gruß Frank

*ireula

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« Antwort #27 am: 30.09.2017, 08:05 Uhr »
Nachtrag: Unsere Cabin in Greensboro, NC:

KOA Greensboro

Beschreibung: Campground mit vielen Wohnmobilplätzen, sieben Cabins, Restrooms und Duschen zentral im Officebuilding, kleiner Store, Pool

Lage: Direkt an der Interstate 40, laut,

Cabin: one room cabin mit Doppelbett und Stockwerkbett, nur Matratzen vorhanden, Fernseher, AC, kleine überdachte Veranda, Picknicktable, Schaukelbank für zwei. Könnte wie viele Cabins auf dem KOA gut einen neuen Anstrich vertragen.





*Simone_JJ

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Antw:Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« Antwort #28 am: 30.09.2017, 10:12 Uhr »
Hallo Irene, hallo Dieter  :winke:

vielen lieben Dank fürs mitnehmen in diese schöne, grüne Gegend.

Zitat
Hier gibt es nichts zu beschönigen: Trotz der großen Ladefläche im Dodge ist der ständige Wechsel zwischen Cabin und Hotel gepäcktechnisch eine logistische Herausforderung, die sich wegen der unterschiedlichen Bewertung der Präferenzen in der von Spannungen nicht völlig freien Gemeinschaft von Mann und Frau  nicht immer befriedigend lösen läßt.
Habt ihr zwei eingefleischten WoMo-Urlauber mal daran gedacht, einfach nicht ständig umzupacken? 
Bei uns läuft es so, dass wir fast alles was wir besitzen in den Koffern mit ins Hotel nehmen. Kleinkram (Kekse, Tempos, Reiseführer) wandern morgens aus Handtasche/Rucksack ins Handschuhfach und abends zurück. Ausnahme sind nur Wasserflaschen und 1 Paar (Wander-)Schuhe, die bleiben dauerhaft im Auto. Bei Ankunft im Hotel/Cabin werden die Koffer aufgeklappt und bei Abfahrt wieder zugeklappt. Für das was sich so im Auto ansammelt, nutze ich die Tankstops. Mein Mann tankt und ich schaffe 3 Minuten lang Ordnung.
Da ich die Annehmlichkeiten eines WoMos nicht kenne, habe ich noch nie vermisst, tagsüber nicht ständig alles griffbereit zu haben, aber ihr habt in D tagsüber doch auch nicht euren Hausstand dabei. Vielleicht eine streßfreie  :zwinker: Alternative?

*ireula

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Antw:Tief im Süden - Countrymusic und Plantagenromantik
« Antwort #29 am: 30.09.2017, 12:37 Uhr »
Hallo Simone, das haben wir nicht ausprobiert. Klingt plausibel, wie du es schilderst. Aber zum einen hatten wir drei große Koffer - das ist echt lästig zu schleppen. Und zum anderen diente viel von dem Kram im Auto der Selbstversorgung in den Cabins. Dieses Zeug  ins Hotel mitzunehmen, macht ja keinen Sinn. Irgendwie war alles ein bisschen kompliziert.

Eigentlich ist die Logistikfrage für uns ein weiteres Argument, künftig den Hotels wieder weitgehend zu entsagen. Wohnmobil, Cabin oder Ferienhaus ist einfach eher unsers.