Amerikanische "Freundlichkeit"

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*Andre

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Re: Amerikanische "Freundlichkeit"
« Antwort #15 am: 25.08.2004, 20:43 Uhr »
Zitat von: Scooby Doo
Nein, ich verlange nicht, dass sie mir ihren Lebenslauf bis ins kleinste Deatil präsentieren, doch wundert es mich sehr, dass ich, egal von welcher Person, die ich drüben treffe, immer wieder die selben Dinge gefragt werde. Es scheint also schon fast zu einer Art Floskelei zu werden, also etwas, was man mit mäßigem Interesse so dahin sagt.

Das hast du richtig erkannt. Nur du willst es immer noch falsch interpretieren.
Es IST eine "Floskelei". Und ja, das Interesse an deiner Person ist zu diesem Zeitpunkt des Kontakts "maessig" bzw. verschwindend gering.
Der Unterschied (z.B. zu Deutschland) ist aber, dass du TROTZ dieses geringen Interesses angesprochen und freundlich mit dieser Floskel gegruesst wirst. Niemand bricht sich dabei einen Zacken aus der Krone und dir wird ein wenig das Gefuehl vermittelt, willkommen zu sein.
Alles, was darueber hinausgeht, interpretierst du irrtuemlich hinein.
Es KANN aber durchaus ein etwas tieferes Gespraech daraus entstehen, wenn gegenseitig Interessiertheit geweckt wird. Vielfach scheitert das aber, gerade bei Touristen, an sprachlichen Barrieren oder einfach fehlenden Gemeinsamkeiten, ueber die man diskutieren koennte.

*eubank

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Re: Amerikanische "Freundlichkeit"
« Antwort #16 am: 26.08.2004, 04:52 Uhr »
Empfindet ihr einen Unterschied zwischen (e.g.) New York City u. (e.g.) San Franzisko?
:)
Lynn

*queeny123

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Re: Amerikanische "Freundlichkeit"
« Antwort #17 am: 26.08.2004, 06:27 Uhr »
Am Anfang fand ich das staendige "How are you" nicht nur oberflaechlich sondern sogar unangenehm, weil ich es einfach nicht gewoehnt war.  Dann begann ich zu verstehen, dass die ersten Fragen oft sozusagen eine Eisbrecher-Funktion haben.  Ist man sich sympathisch, wird die Unterhaltung oft fortgesetzt, abhaengig natuerlich von der Willigkeit der Beteiligten.

Ich habe als ich zuerst hier ankam, eine Zeitlang als Bartender(in) gearbeitet und nach ein paar Monaten hatte ich die Nase voll von der ewig gleichen Serienfragerei. Abfolge: "where are you from?  How long have you been here? What brought you to New York? Do you like it here? How often do you go back to Germany?", etc.  Irgendwann habe ich dann als Witz mal alle Fragen und Antworten auf einen Zettel betitelt "Frequently Asked Questions" geschrieben, photokopiert und jedem der bei Frage 3 anlangte unter die Nase gehalten.  Und viele waren erstaunt, dass mich das wirklich jeder fragt.  Die hatten das ganz ernst gemeint - wiederum zu meinem Erstaunen!  Dazu ergaben sich dann gerade daraus oft lustige, interessante, und ganz und gar un-oberflaecliche Gespraeche.

Es gibt meines Erachtens nach tatsaechlich eine Menge oberflaechlicher Amerikaner (08/15 Meinungen und politisches Desinteresse, die "zum Gluecklichsein brauche ich nur ein Bier und einen grossen Fernseher" -Einstellung).  Aber auch der tiefsinnigste Amerikaner wird einen in aller Wahrscheinlichkeit mit "How are You" und "Where are you from" begruessen.  Alles in allem finde ich die Amerikaner offener und freundlicher und die Freundlichkeit tatsaechlich nicht vorgetaeuscht.  Und wie gesagt - nach dem Schnupper-talk von "How are you" etc. haengt es von einem selbst ab, wie das Gespraech weiter verlaeuft.  Einfach mal ausprobieren.  Wenn man sich nichts mehr zu sagen hat, gibt's ja immer die Rettungsfloskel "it was very nice talking to you; hey, I'll see you later!

See y'all later :D ,
Q.
All that we see or seem
Is but a dream within a dream
                    - Edgar Allan Poe

*gebse

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Re: Amerikanische "Freundlichkeit"
« Antwort #18 am: 26.08.2004, 07:55 Uhr »
Zitat von: Scooby Doo
Oberflächlich aber auch. Im Smalltalk kommen immer dieselben Inhalte vor. Woher kommst du? Was machst du hier? Was machst du beruflich? Ah, Deutschland ist ein schönes Land.
Aber mehr kommt irgendwie nicht rüber.


Na ja, sind das nicht Fragen, die man selber auch stellen würde, wenn man denn den Kontakt sucht?

Floskeln hin oder her. Ich mag den Umgang der Amis miteinander. Und ich "liebe" dieses excuse me. Denen fällt zumindest auf, dass sie einem im Supermarkt den Weg kreuzen etc. Nach jedem USA-Urlaub ertappe ich mich, dass ich hier in D auch das excuse me benutzen möchte. Lasse es aber sofort sein, wenn ich das erste genervte sture deutsche Gesicht zu sehen bekomme.

Gruss
gebse

*wernerw

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Re: Amerikanische "Freundlichkeit"
« Antwort #19 am: 26.08.2004, 08:52 Uhr »
Ein klein wenig off topic (sorry, mods), aber bei diesen Meinungen zu "how are you" fällt mir ein, dass zur Freundlichkeit von Dienstleistungspersonal immer wieder angeführt wird, dass die das ja nur tun, damit sie mehr Trinkgeld kriegen, weil sie zu einem hohen %-Satz davon abhängig sind.

Na und?
- Erstens kommt es für mich auf dasselbe raus, egal warum die freundlich sind, hauptsächlich sie sind es
- Zweitens würden ja auch Kellner in D/A/CH mehr Trinkgeld kriegen, wenn sie freundlicher wären
- Drittens liegt es sicher eben auch an der allgemeinen Freundlichkeit der Amerikaner.
Bald geht's wieder los. Leider nur kurz: 26.8. bis 27.9.

*Kisimba

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Re: Amerikanische "Freundlichkeit"
« Antwort #20 am: 26.08.2004, 08:57 Uhr »
"Viel Kälte ist unter den Menschen, weil wir nicht wagen, uns so herzlich zu geben wie wir sind." (Albert Schweizer)

... diese Erfahrung habe ich bis jetzt in Deutschland gemacht.

Die Amerikaner - die ich bis jetzt kennengelernt habe - sind dagegen immer  :herz:-lich/freundlich (nicht NUR höflich) und gesprächsbereit. Sie teilen gerne (sogar die Strasse) ... und das gefällt mir besonders gut! Ich tausche sie sofort gegen 'Scheuklappen'-Menschen (ohne jetzt jemandem auf den Schlips treten zu wollen, aber wer sich angesprochen fühlt ...  :zuck: )

Natürlich gibt es auch dort 'Idioten'! Aber wo auf der Welt gibt es die nicht?

Fröhliche Grüße
Wiebke
... mein Herz ist da, wo meine Träume sind!
So, never give up dreaming ...

*Viola

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Re: Amerikanische "Freundlichkeit"
« Antwort #21 am: 26.08.2004, 09:34 Uhr »
Kann der Meinung von Kisimba nur zustimmen.

Habe beides erlebt. Die ständige Floskel, die für mich Freundlichkeit ausdrückt, aber auch schon einige gute Gespräche, z.B. beim Bier.

Die Freundlichkeit der Amerikaner, mag sie auch nur oberflächlich im Vorbeigehen stattfinden, gefällt mir sehr.
Unsere Urlaubsberichte Nova Scotia/New England oder Südstaaten findet ihr hier:
www.enjoynova.com

*Scooby Doo

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Re: Amerikanische "Freundlichkeit"
« Antwort #22 am: 26.08.2004, 09:37 Uhr »
Zitat von: Andre
Der Unterschied (z.B. zu Deutschland) ist aber, dass du TROTZ dieses geringen Interesses angesprochen und freundlich mit dieser Floskel gegruesst wirst. Niemand bricht sich dabei einen Zacken aus der Krone und dir wird ein wenig das Gefuehl vermittelt, willkommen zu sein.

Habe auch IMMER behauptet, dass die Amis FREUNDLICH sind.

*Antje

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Re: Amerikanische "Freundlichkeit"
« Antwort #23 am: 26.08.2004, 10:07 Uhr »
Hallo,

man muß auch sagen - die Leute freuen sich wirklich - sie halten zwar nicht dauernd den Kontakt, aber wenn sie einen wiedersehen, merkt man, sie erinnern sich schon.

Beispiel:

Spielgruppe meines Patenkindes - war das eine Jahr dabei und hab ne Stunde "mitbetreut". Ne nette Amerikanerin, gebürtig aus den Südstaaten, war da und wir haben uns so nebenbei ein bißchen unterhalten.

1 Jahr später - wieder Spielgruppe - ich bin wieder da. Sie kommt auf mich zu, meint, daß wir uns doch kennen und daß sie sich freut, mich wiederzusehen.

Und so ist es oft - ich bin ja 1 x im Jahr dort. solche zufälligen Begegnungen telefonieren einem sicher nicht hinterher, aber es sind nette und freundliche Begegnungen, durchaus mit der Option auf mehr.


Wenn bei uns mehr Menschen so "oberflächlich nett" wären, wär sicher das allgemeine Nettigkeitsklima deutlich besser - ohne daß man jedem gleich persönlich "nahekommen" muß.

Ich mach das eigentlich konsequent so - frag auch mal die Verkäuferin hinter der Wursttheke was, sag ein paar persönliche Worte. Man glaubt gar nicht, wie die Leute drauf ansprechen, die Verkäuferinnen freuen sich, auch als „Mensch“ und nicht nur als Kassen-Tippmaschine wahrgenommen zu werden. Sie fragen mich dann auch mal, wenn ich ne Weile nicht da war, ob ich im Urlaub war, wo usw. Und wir reden hier von einem normalen Supermarkt in der Stadt.

Das klappt also auch hier! Klarer Fall von „wie es in den Wald hineinschallt….“

Grüße

Antje

*Utah

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Re: Amerikanische "Freundlichkeit"
« Antwort #24 am: 26.08.2004, 11:25 Uhr »
Hi!

Ich mag den sprachlichen Umgang der Amerikaner. Höflich, nett, hilfsbereit.
Oberflächlich ? Kann ich nicht beurteilen, kommt mir aber nicht so vor, den so viele Menschen, denen ich begegnet bin, können nicht alle Schauspieler gewesen sein.
Ein Polizist, welchen ich kennenlernte durch einen Unfall in Page, lernte ich auch näher kennen. Er schrieb sogar Briefe umd E-Mails, über seine Familie, Beruf usw.
Und wieder höflich, nett, hilfsbereit.
Daher meine Meinung: Amerikaner sind freundlicher, als z.B. Deutsche und wenn man über die gewöhnliche Floskel hinaus ist auch nicht oberflächlich.
Viele Grüße
Utah



Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl unserer Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben.

*User1211

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Re: Amerikanische "Freundlichkeit"
« Antwort #25 am: 26.08.2004, 11:37 Uhr »
Ich denke, bei den Amis ist es sehr Situationsabhängig, wie sie sich geben. Beispiele aus 1996:

- Mein Onkel (der zählt vielleicht nicht richtig, da in D geboren) versprach uns ein Auto, mit dem wir zu dritt drei Wochen von Wisconsin aus durch den Westen fahren konnten. Super, keine Miete, dachten wir uns, bis wir das Gefährt sahen: Ein PickUp. War ja nicht so schlimm, aber das Gepäck stand für jeden sichtbar auf der offenen Ladefläche, der Tempomat ging nicht, die Klima war defekt, die Rücklichter gingen nur, wenn sie wollten, nach den ersten 1.000 Meilen viel der Endtopf ab, dann ging das Getriebe kaputt. Geendet hat der Urlaub dann im Streit, wobei wir drei Jungs doch ziemlichen Spaß hatten, immerhin zum ersten mal allein im Westen unterwegs. (Wie oben geschrieben, das kann man sicherlich nicht veralgemeinern).

- Auf der CCR (Bryce Canyon nach Page) mit besagtem PickUp zu flott um eine Kurve. Dahinter eine dicke Querrille!! :shock: Vollbremsung und mit vier stehenden Rädern auf die Rille zu. Kurz vorher die Bremse gelöst und voll durchgeholpert. Nix gemerkt und weitergefahren. Ca. 30 Minuten hinter Page dann ein riesiger Knall und schläge vorne rechts. Anhalten, aussteigen und staunen: Der Reifen hat sich geschält. Der Schlag von der Rinne muss doch zuviel gewesen sein! Wagenheber raus, Rad runter und Ersatzrad drauf. Wagen wieder auf alle viere und erneutes Staunen: Ersatzrat platt :shock:  :shock: !! Also Wagenheber wieder unter das Auto und geschälten aber mit Luft gefüllten Reifen wieder drauf. Da die Lauffläche nicht völlig abgerissen war mit lautem klock-klock-klock weitergefahren. Links in Richtung MV (Kayenta??) abgebogen, da dort nach Aussage einiger Schmuckverkäufer die nächste Tankstelle mit Reifenhandel war. Auf dem Weg dorthin sehen wir eine Frau ziemlich verzweifelt vor der offenen Motorhaube ihres Subaru am Straßenrand stehen. (Zu der Zeit wußten wir nix von getürkten Pannen, um ahnungslose Touris auszurauben). Da der Tag durch die Schleichfahrt eh im Eimer war halten wir an. Gegenseitige Frage: "Wo ist das Problem?" Bei ihr war das Kühlerwasser weggelaufen und sie traut sich nicht den Wasserbehälter aufzuschrauben, da sich ihre Freundin dabei die Woche vorher derbe verbrüht hatte. Frage: "Wie lange stehen sie schon hier?" Antwort: "45 Minuten!" Also Wasserbehälter auf und Wasser rein. Aus Dankbarkeit will sie uns ihren Wagen geben, damit wir damit zur Tanke fahren und die Luft im Erstatzrad auffüllen können. Nebenbei könnten wir ja noch auf die Wassertemperatur in ihrem Auto achten. Das haben wir dann abgelehnt und nur einer von uns ist mit ihr gefahren (entgegen ihrer Fahrtrichtung, sie wollte nach Flagstaff). Zurück kamen die Beiden dann mit Luftgefülltem Ersatzrad und einem Haufen gekühlter Getränke, die sie uns geschenkt hat.

- Ein Tag später auf dem Weg zum MV: Wieder eine Frau mit geöffneter Haube und drei Kindern am Straßenrand. Wir halten an und einer von uns fährt mit ihr zur nächsten Tankstelle, um den Abschleppwagen zu rufen (die Elektronik ihres SUV tat keinen Mux mehr, da konnten wir leider nicht helfen). Als sie wieder zurückkommt bietet sie uns an in ihrem Garten in der Nähe des MV zu zelten! Wir staunen und erhalten ihre Adresse samt Telefonnummer für den Fall, dass im MV der CG voll ist.

Das sind nur drei Beispiele. Sicherlich kann man auch andere positive wie negative aufzählen. Doch das Posting ist jetzt schon zu lang.

Trotzdem bleibe ich dabei, dass die Amis mindestens so oberflächlich sind wie wir Deutschen. Nur wir zeigen es nicht, weil wir niemanden fragen wie es geht. Wir sagen einfach nur Tach und Tschüss und das war dann das Gespräch an der Tankstelle. Stellt sich jetzt die Frage, was wohl die Amis im Germany-Travel.com-Forum zu der Oberflächlichkeit der Deutschen schreiben würden :?:  :?:  :?:
Gruß
Thorsten


*Kirsten G.

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Re: Amerikanische "Freundlichkeit"
« Antwort #26 am: 26.08.2004, 11:39 Uhr »
Also, ich empfinde die amerikanische Freundlichkeit als sehr, sehr angenehm. Mich stört auch die Frage "How are you today" gar nicht, im Gegenteil....
Hier in Deutschland finde ich die Menschen teilweise total unhöflich, fast niemand sagt mehr "danke", zB. wenn jemand die Türe aufgehalten wird oder wenn jemand in einer Schlange vorgelassen wird. In den Geschäften ringt sich kaum einer mal ein freundliches Lächeln ab. Erst am Samstag war ich mit meinem Mann in einem Restaurant, es dauerte ewig, bis wir mal beachtet wurden und einen Tisch bekamen. Es hat eine geschlagene halbe Stunde gedauert, bis wir, nachdem wir um die Rechnung gebeten haben, diese auch bekommen haben - und das Personal war nicht gerade freundlich.

In USA wird man immer sehr höflich, freundlich und zuvorkommend behandelt, egal, ob es in einem Restaurant, in einem Geschäft oder einfach auf " der Straße" ist. Und ich sehe das ebenso wie viele andere, die hier schon Kommentare geschrieben haben: Das "How are you" lädt einfach zu einer weiteren Kommunikation ein. Entweder man unterhält sich weiter oder man lässt es, je nachdem, wie man Lust und Laune hat. Und durch dieses "How are you" sind wir in unseren USA-Urlauben schon mit so einigen Amerikanern ins Gespräch gekommen!

Ich mag die Freundlichkeit der Amerikaner sehr gerne und freue mich auch jedesmal darauf, wenn ich in USA Urlaub mache. Und hinterher bin ich meistens ganz entgeistert und mir fällt ganz besonders auf, wie unfreundlich doch viele hier in Deutschland sind! Selbst wenn die Freundlichkeit der Amerikaner auf den ersten Blick sicherlich "oberflächlich" erscheint und bei einigen bestimmt auch oberflächlich ist, so habe ich doch lieber diese "oberflächliche Freundlichkeit" als "fast keine Freundlichkeit" bei uns...

Viele Grüße
Kirsten

*Volker G.

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Re: Amerikanische "Freundlichkeit"
« Antwort #27 am: 26.08.2004, 11:47 Uhr »
Hier mal ein Link zum interkulturellen (German-US) Kommunikationsstil, der passt finde ich ganz gut zu diesem Thema:

Peach-Coconut-Modell:

http://www.sietar-europa.org/about_us/Newsletter/Mar04/Peach&CoconutCommunicate.html

Pfirsich (USA): Weiche Schale, harter Kern
Kokosnuss (Deutscher): Harte Schale, weicher Kern

Besonders gut getroffen ist wohl der Abschnitt was die einen über die anderen Denken, das trifft doch den Verlauf dieser Diskussion hier sehr genau.
CU

Volker G.

*Stephan_

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Re: Amerikanische "Freundlichkeit"
« Antwort #28 am: 26.08.2004, 13:54 Uhr »
Zum Thema Oberflächlichkeit: ich hatte bisher nicht den Eindruck, dass das genetisch oder regional abhängig ist, so wie es ernsthafte und heitere Menschen gibt, gibt es meiner Ansicht nach halt auch oberflächliche Menschen überall auf der Welt (wie schön, dass wir alle nicht oberflächlich sind  :wink: )

Die Freundlichkeit im Umgang miteinander in den USA empfinde ich als sehr angenehm. Ich habe den Eindruck, dass die Amis damit zeigen wollen, dass Ihnen alle Menschen unabhängig von sozialen Unterschieden gleich angenehm sind und dass sie keine Berührungsängste haben. Amis wollen als nette Kerle rüberkommen und bevorzugen den Weg des easy goings. Die Freundlichkeit ist das Werkzeug dafür.

Gelegentlich habe ich es auch schon erlebt, dass diese Freundlichkeit nicht gegenüber von Hispanics gilt, die lässt man teilweise über abfahren.

 stephan
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*Stephan_

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Re: Amerikanische "Freundlichkeit"
« Antwort #29 am: 26.08.2004, 14:03 Uhr »
Zum Thema Freundlichkeit fällt mir noch was ein: Amerikaner sparen nicht mit Lob, alles was gemacht wird ist toll. Da wird für Dinge gelobt, bei denen ich am Anfang immer gedacht habe die wollten mich verarschen  :D

Jeder Angestellte, der es morgens schafft seinen Arbeitsplatz ohne Unfall zu erreichen und womöglich sogar gestempelt hat, wird von den anderen mit frenetischen Beifall empfangen - sicherlich etwas übertrieben, aber im Kern sehe ich es so.

Ist für einen Schwaben, für den gilt nicht geschumpfen ist gelobt genug, für den ein "nicht schlecht" als höchtes Lob gilt, nicht leicht zu verstehen.

Ich bin mir sicher dass die Amis sich mit Ihrer freundlichen Art gleich haufenweise Probleme vom Hals schaffen. Wie es in den Wald hineinruft...

Jemand, der einen freundlich angrinst, kann man eigentlich nur genauso freundlich zurück angrinsen.

stephan
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