Pintxos und Sterne – Spanien Mai/Juni 2017

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*MacClaus

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Pintxos und Sterne – Spanien Mai/Juni 2017
« am: 09.06.2017, 18:11 Uhr »



Prolog
Urlaubsziele 2017 sind die iberische Halbinsel und Frankreich. Spanien im Frühjahr und Herbst, dazwischen eine Woche in Paris. Der erste Teil führt durch Nordspanien, von Bilbao über Burgos, Ayerbe bis nach Getxo. Spanien Teil 2 folgt im Oktober, von Madrid über Segovia, San Vicente de la Barquera bis nach Santiago de Compostela. Spaniens unberührte Strände, schroffe Klippen und tiefe Schluchten sind das Ziel. Die beste Reisezeit ist m.E. von Mai bis Mitte Juni und im Oktober. Diese Jahreszeit ist mir lieber, als die heißen und wolkenlosen Sommermonate.
Übernachtungsorte sind: Bilbao - Santillana del Mar - Orbaneja de Castillo - Burgos - Elciego - Logroño - Tafalla - Tudela - Ayerbe - Pamplona - Hondaribbia - San Sebastían - Getxo. Je nach Highlights bin ich 2-4 Tage an einem Ort. Die Gesamtstrecke inkl. Tagesausflüge beträgt ca. 1600 km.

Es gibt nichts schöneres als Reisen mit exquisiten Restaurants zu verbinden. Die spanische Küche hat sich innerhalb weniger Jahre an die Spitze katapultiert. Aus der traditionellen spanischen Küche entwickelte sich eine moderne und innovative Küche, welche Qualität der Produkte und Kreativität der Köche im Vordergrund stellt. Alleine im Baskenland (Provinzen: Gipuzkoa, Biskaya und Álava) gibt es 37 Sterne-Restaurants, darunter 4x 3-Sterne. Ich werde 10 Restaurants davon besuchen – für diese kulinarischen Glücksmomente gibt es kein Limit. Ein Blick auf die Speisekarte macht die Vorfreude nur noch größer. Reiseführer sind España Fascinantes, Eusko Guide, Michelin und div. Food-Blogs.
Ich bin nicht nur wegen der Sterne-Küche nach hierher gekommen, sondern auch wegen dem exquisiten Fingerfood. Pintxos, wie sie in der baskischen Sprache heißen, sind verwandt mit den klassischen Tapas. Im Baskenland, vor allem in San Sebastián, das Seebad und Feinschmecker-Paradies an der Atlantikküste, hat die kleine Vorspeise ihren Ursprung. Es gibt aber einige Besonderheiten, durch die sich die baskische Variante von Tapas unterscheidet. Die Pintxos sind aufwändiger zubereitet, Brotscheiben oder Tortillas bilden die Grundlage und die köstlichen Zutaten stecken auf einem Holzspieß. Die Einheimischen lieben es von einer Bar zur nächsten zu ziehen – Treffpunkt um zu futtern, Wein zu trinken und sich zu unterhalten.

Elf Hotels bzw. Paradores sind über iPrefer und booking.com reserviert. Wem Paradores nichts sagen... Paradores sind exklusive Unterkünfte in Burgen, Klöstern und Stadtpalästen. Als ich vier Wochen vor Abflug die Hotelpreise in Bilbao nochmals studiere, gibt es das 3-Tage-Special 300 € günstiger! Also wird die Reservierung storniert und neu gebucht. In der Pampa kann man günstig übernachten, durchschnittlich 60 bis 80 € kostet die gehobene Mittelklasse. Selbst in Bilbao oder San Sebastián sind 5-Sterne-Schuppen preiswerter als hierzulande. Es ist keine (!) Fototour wie sonst auf meinen vierwöchigen Reisen, daher gibt es mehr Foodie- als Landschaftsbilder! Zwei DSLRs und drei Linsen sind im Rucksack.
Tipp: PhotoPills ist eine nützliche App für Architektur- und Landschaftsfotografie. Damit lassen sich Sonnenaufgang, Sonnenuntergang, Blaue Stunde, Milchstraße etc. vorab berechnen. Sogar natürliche Hindernisse wie Berge oder Häuser lassen sich miteinbeziehen. Mit Augmented Reality kann man in Echtzeit sehen, wann, wie und wo Sonne/Mond stehen. Wie es der Zufall so will, wurde diese App von einem Spanier entwickelt.


to be continued...

*gecko1a

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Antw:Pintxos und Sterne – Spanien Mai/Juni 2017
« Antwort #1 am: 09.06.2017, 18:20 Uhr »
schön wieder etwas von Dir zu lesen.
Ich bin sehr gespannt.

viele Grüße

Frank

*MacClaus

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Antw:Pintxos und Sterne – Spanien Mai/Juni 2017
« Antwort #2 am: 09.06.2017, 18:55 Uhr »

Abflug über Nürnberg und Frankfurt. Nein der Jumbo fliegt Bilbao nicht an!



Ankunft...

...in Bilbao bei sonnigen 26 Grad. Auf dem Parkdeck steht ein Peugeot 2008 mit 3820 km. Ein übersichtlicher City-SUV mit genügend Stauraum für einen Reisenden. Das 5-Sterne Gran Hotel Domine Bilbao direkt neben dem Guggenheim Museum ist die Unterkunft für ersten drei Nächte. Ein Blickfang ist die Hotellobby mit einer markanten Steinsäule. Die 52 m2 große Deluxe Suite ist modern und komfortabel eingerichtet. Von der schrägen Fensterfront kann man direkt auf das Museum sehen. Noch schöner ist die Aussicht von der Dachterrasse in der 7. Etage, wo es das Frühstücksbuffet gibt.





Lobby im Gran Hotel Domine Bilbao




Am Spätnachmittag besuche ich das Guggenheim Museum. Neben der Walt Disney Concert Hall mein Lieblingsgebäude von Architekt Frank Gehry. Beeindruckend ist der abstrakte Expressionismus von Jackson Pollock und die sieben Stahlskulpturen von Richard Serra. Das Guggenheim Museum ohne Menschen zu fotografieren ist schwierig. Bis spät in die Nacht flanieren und joggen Menschen am Museum vorbei. Aber mit einer Langzeitbelichtung werden alle bewegende Personen „unsichtbar” – sonstige unerwünschte Elemente entfernt Photoshop. Die 9 m hohe Spinne „Maman” ist die größte Skulptur aus der Spinnen-Serie von Künstlerin Louise Bourgeois. Die Spinnen sind eine Hommage an ihre Mutter, die als Weberin beschäftigt war.

"Tulips" von Künstler Jeff Koons




"Tall Tree & The Eye" des indischen Künstlers Anish Kapoor








Nur ein paar Schritte vom Museum entfernt, befindet sich das Restaurant Porrue. Ich habe einen Tisch für 22.30 Uhr reserviert. Chef David de Jorge verwöhnt seine Gäste mit baskischer Fusionsküche. Ich bestelle Vorspeise, Hauptgang und Dessert. Als Amuse-Bouche gibt es Pimientos de Padrón oder auf gut deutsch Bratpaprika. Diese schmecken so gut, dass ich eine Extraportion nachbestelle. Das Tartar von der Jakobsmuschel ist gut, ebenso der Seehecht. Die Zubereitung eines Mango-Mousse ist Show. Das Resultat eher ernüchternd, schmeckt nicht anders als gefrorene Sahne.

Scallop Tartare with Gazpacho

Hake on Garlic, Parsley and White Wine Sauce with Tears of Peas

Nitromousse at -196 degrees Centigrade








to be continued...

*MacClaus

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Antw:Pintxos und Sterne – Spanien Mai/Juni 2017
« Antwort #3 am: 10.06.2017, 10:34 Uhr »

Frühstück
Das Buffet im Gran Hotel Domino Bilbao ist doppelt so groß wie auf dem Bild links oben. Da dürfte jeder was finden....




Casco Viejo
Casco Viejo ist die Altstadt von Bilbao. Den Kern bilden die sogenannten 7 Straßen (Las 7 Callas) am rechten Ufer des Ria de Bilbao. Aus diesen 7 Straßen (Pilota Kalea bis Goeinkale) bestand ursprünglich der älteste Teil von Bilbao. Mein erster Stop ist die Plaza Nueva. In den Arkaden des neoklassischen Gebäudekomplex befinden sich Geschäfte, Bars und Restaurants. Anschließend sehe ich mir die Basílica de Begoña an. Von der Plaza Unamuno geht es die 200 Stufen der Calzadas de Mallona hoch zur Basilika. Oben angekommen, hat man Aussicht auf die Dächer der Altstadt. Wieder unten angekommen, sehe ich mir die Catedral de Santiago, Mercado de la Ribera (Europas größte überdachte Markthalle) und die Iglesia de San Antón an.






Pintxos im Mercado de la Ribera








Es ist 14.00 Uhr, genau die richtige Zeit zum Mittagessen im La Viña del Ensanche. Es wird ein 6-Gänge Menü für € 50 angeboten. Als Amuse Bouche gibt es Bao-Brot, gefüllt mit Hähnchen, Pilze und Schalotten. Es folgt gegrilltes Gemüse. Perfekt zubereitet mit feinen Texturen, geschmacklich top. Das Risotto mit Flusskrebs ist leider versalzen und fällt somit durch. Als Hauptgang folgen Seeteufel in Weißweinsoße und Schwein mit Mango-Chutney. Der Fisch ist gut, das Fleisch ebenfalls. Das leichte Dessert Apfelsorbet mit Joghurtschaum sogar sehr gut. Den Abschluss macht Karottenkuchen mit Karotten-Mandarinen-Sorbet und Pekannüsse. Der versalzene Gang verhindert leider eine bessere Bewertung als eine 6/10. Dennoch ein empfehlenswertes Restaurant.




Ein Abstecher zum nahegelegenen Bahnhof Estación de la Concordia aus dem Jahr 1902 lohnt sich ebenfalls – die riesige Glasmalerei sowie die Fassade aus bunten Keramikkacheln gefallen mir. Unweit davon befindet sich das Café Iruña, eines der letzten traditionellen Kaffeehäuser in Bilbao. Alleine die urige Inneneinrichtung ist einen Besuch wert.

Im Kuma, ein japanisches Restaurant, endet der zweite Abend in Bilbao. Die Öffnungszeiten sind kurz – mittags von 13.30 bis 15.00 Uhr und abends von 21.30 bis 23.00 Uhr. Chef Daniel Lomana offeriert japanische Küche mit spanischer Avantgarde. Etwas weniger Avantgarde und mehr Konzentration auf das Produkt wäre besser. Die Sushi und Sashimi sind größtenteils auf zu große Platten angerichtet. Das mag trendig aussehen, mir gefällt es nicht. Zudem vergeht teilweise zu viel Zeit bis die fertig angerichteten Teller serviert werden. Auch wenn die Bewertungen in Food Blogs und tripadvisor durchweg hervorragend sind, ich vergebe maximal eine 5,5/10. Wer Sushi oder Sashimi in Perfektion genießen möchte, muss nach Tokio fliegen!








To be continued...

*EDVM96

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Antw:Pintxos und Sterne – Spanien Mai/Juni 2017
« Antwort #4 am: 10.06.2017, 13:37 Uhr »
Also die kleinen Happen im "Mercado de la Ribera" gefallen mir bislang am besten.
Vermutlich sind sie auch vergleichsweise günstig im Vergleich zu den Preisen für deine Abendessen?  :wink:

Was sind das für Patronen auf den Mini-Burgern?  :burger:

*MacClaus

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Antw:Pintxos und Sterne – Spanien Mai/Juni 2017
« Antwort #5 am: 10.06.2017, 14:17 Uhr »
Ich habe keine Ahnung welche Sauce in den Patronen drin ist, definitiv kein Ketchup. Die besten Pintxos gab es am Ende der Reise... zwei Klassen besser als in Bilbao.

Pintxos bzw. Tapas kosten zwischen 2 und 5 €, je nachdem was oben drauf ist. Allgemein ist essen gehen in Spanien günstiger als in Deutschland und viel (!) günstiger als in USA, wenn ich die Restaurants auf gleichem Level miteinander vergleiche.


Man muss nur seine Essgewohnheiten ändern... mittags ab 14.00 Uhr und abends ab 20.30 Uhr.

*wolfi

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Antw:Pintxos und Sterne – Spanien Mai/Juni 2017
« Antwort #6 am: 10.06.2017, 16:34 Uhr »
Schön, ieder von Dir zu hören/lesen, Klaus!

Das späte Essen hast Du gut vertragen? 20 Uhr ok, aber 22.30 ...  :wink:

Pimientos Tipo Padrone (nach dem Dorf benannt) gibt es inzwischen überall in D und sogar in Ungarn - kann man sehr gut selber machen. Meine Partnerin war auch begeistert.

PS:
Der Bericht ist wieder erste Sahne - und die Fotos! Kann man nur gratulieren.  :D

*NatureLover

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Antw:Pintxos und Sterne – Spanien Mai/Juni 2017
« Antwort #7 am: 10.06.2017, 16:56 Uhr »
Also ich finde es klasse, wie das Sushi angerichtet ist. Und könnte jetzt auch einmal alles von deiner bisherigen Reise essen, alles sieht SO lecker aus!  :essen:

Tolle Bilder, hier reise ich gerne weiter mit.
“I am not the same having seen the moon shine on the other side of the world.”

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*MacClaus

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Antw:Pintxos und Sterne – Spanien Mai/Juni 2017
« Antwort #8 am: 10.06.2017, 17:02 Uhr »
Das späte Essen hast Du gut vertragen? 20 Uhr ok, aber 22.30 ...  ;)

Pimientos Tipo Padrone (nach dem Dorf benannt) gibt es inzwischen überall in D und sogar in Ungarn - kann man sehr gut selber machen. Meine Partnerin war auch begeistert.

Ja, nach zwei, drei Tagen habe ich mich an die späte Essenszeit gewöhnt. Nachteil der Reisezeit im Mai/Juni... Essen u. Sonnenuntergang fallen in Spanien zur gleichen Zeit zusammen. Oder man sucht sich ein anderes Reiseziel aus, wie USA... da gibt's Abendessen schon ab 17.00 Uhr. Die Spanische Kost ist leichter verträglich als deutsche Hausmanskost und es gab auf dieser Tour fast nur Fisch.

Pimientos de Padrón ist ein „Sammelbegriff”, da die Bezeichnung im Gegensatz zu Pimientos de Herbón nicht geschützt ist.

*wolfi

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Antw:Pintxos und Sterne – Spanien Mai/Juni 2017
« Antwort #9 am: 10.06.2017, 17:56 Uhr »
Danke, Klaus - wieder was gelernt!

 Dass Du baskisch sprichst/schreibst überrascht einen ja schon nicht mehr:  :D
Der Begriff der Pintxos war mir übrigens auch nicht bekannt (Tapas natürlich, lieben wir sehr), obwohl wir schon im Baskenland geurlaubt haben ...
Zitat
Der Pincho ['pintʃo] (baskisch: Pintxo) ist eine kleine Mahlzeit, die in Kneipen und Gaststätten zu einem Getränk verzehrt wird.
https://de.wikipedia.org/wiki/Pincho

*MacClaus

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Antw:Pintxos und Sterne – Spanien Mai/Juni 2017
« Antwort #10 am: 10.06.2017, 19:16 Uhr »
Danke, Klaus - wieder was gelernt!


Klaus mit C  ;)

*MacClaus

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Bilbao, Tag 3: Eine Regenfront zieht über Bilbao hinweg. Ideal für den Besuch der Buchenwälder von Hayedo de Otzarreta. Das Waldgebiet liegt zwischen Bilbao und Vitoria-Gasteiz. An keinem anderen Ort ist mir die Lichtstimmung so schön aufgefallen wie in diesem Wald. Die beste Zeit zum fotografieren ist zur Morgendämmerung – definitiv eine der schönsten Foto-Locations in Nordspanien.


Azurmendi
Am Nachmittag bin ich zu Gast im 3-Sterne-Restaurant Azurmendi. Das Restaurant befindet sich in Larrabetzu, 15 km östlich von Bilbao. Azurmendi wurde erst kürzlich von Elite Traveler als „Bestes Restaurant der Welt” ausgezeichnet, nachdem das Alinea in Chicago viermal hintereinander diese Auszeichnung erhalten hat. Restaurantführer sind subjektiv, aber eine Anregung auf der Suche nach feinen Restaurants. Die Aussicht von den großzügig konzipierten Räumlichkeiten ist ohne Übertreibung atemberaubend. Der ultramoderne Glasbau des gesamten Gebäude setzt vollständig auf Nachhaltigkeit, angefangen von Wasserspeicherung, Erdwärmeheizung bis hin zur Photovoltaikanlage.







Küchenchef Eneko Atxa ist ein Pionier der Spanische Avantgarde. Ich bevorzuge zwar die klassische Produktküche, bin aber sonst für (fast) alles offen. Auf der Karte stehen zwei Menüs zur Auswahl. Der Menüpreis von 180 € ist günstig, 3-Sterne-Lokalitäten in Paris verlangen auch gerne mal das Dreifache. Wenn man den Personalaufwand im Azurmendi sieht, ist es verständlich das Qualität seinen Preis hat. Das Menü ist in vier Themenbereiche gegliedert: Welcoming Picnic - The Kitchen - Our Greenhouse - The Balcony. In der lichten Eingangshalle werde ich zuerst mit einem Aperitif begrüßt und gebeten zu warten. Jemand bringt mir in einem Picknickkorb drei Amuse-Bouches: Käsekuchen, Sandwich und Lollipop. Es folgt der Besuch in der großräumigen Küche – von 30 Köche/Köchinnen lautstark mit einem „Hola“ begrüßt, gibt es hier zwei weitere Amuse-Bouches: Jakobsmuschel und ein Getränk. Im Gewächshaus gibt es dann die letzten vier Amuse-Bouches.



Nach dieser Inszenierung komme ich endlich zu meinem Tisch. Spanische Spitzenköche lieben es eben theatralisch. Wer Erlebnisgastronomie mag, wird begeistert sein. Ich bin nicht unbedingt ein Fan davon und sehe über die „Show” galant hinweg. Es folgen zwölf Kunstwerke. Selbst das Besteck ist für jeden Gang individuell, so liegt zu den Nudeln keine profane Gabel bei, sondern eine Pinzette. Herausragend ist das Eigelb mit Trüffel, eine grandiose Kombination aus heiß und kalt. Ebenfalls ein kulinarisches Gedicht sind die Nudeln und das Erbsen-Gericht. Feinste Geschmacksnoten, die sich wunderbar im Gaumen entfalten. Der auf dem Punkt perfekt zubereitete Hummer schmeckt auch vorzüglich. Seeigel und Rote Früchte fallen dagegen aus dem Rahmen. Nicht misslungen, aber die Konsistenz des Seeigel ist nur zu erahnen und das Dessert Roten Früchte allenfalls 1-Sterne-Niveau. Zum Abschluss des Menü gibt es noch einen Espresso und eine Auswahl von feinen Petit Fours. Das Azurmendi bietet hohe Kochkunst, wenn auch einige Gänge für meinen Geschmack zu verfremdet sind. Ein Wort noch zu Service und Timing... Weltklasse, besser geht es nicht.








Das Menü und dahinter meine Bewertung.

WELCOMING PICNIC
Etxano cheese cake  8,5/10
Smoked eel sandwich  9/10
Frozen Tomato Lollipop  8,5/10
 
THE KITCHEN
Roasted and marinated scallop with herbs emulsion  9/10
Sea Txakoli  8/10
 
OUR GREENHOUSE
Fermented apple juice  8,5/10
World’s spices cornetto  8/10
Herbs leaf  6,5/10
Kaipiritxa  8/10
 
THE BALCONY
“LIMÓN GRASS” AND VERMOUTH  9,5/10
Farm’s EGG cooked inside out and truffled  10/10
Natural SEA URCHIN, emulsion, air and citric hints  7/10
BEETROOT Tartar  8,5/10
GREEN TEAR PEAS, ham gel and sponge cake  10/10
Garlic MUSHROOMS  9,5/10
Roasted LOBSTER, Iberian stew and whipped butter  9/10
RED MULLET, wheat, pepper and parsley potatoes  9/10
Iberian pork glazed CASTAÑETA with asparagus  8/10
 
RED FRUITS, mint cake, yogurt and wine ice  7/10
BLACK OLIVE, sheep milk and cocoa  8,5/10
CHOCOLATE, peanuts and liquorice  8,5/10
Petits fours  9/10

Menü: 9/10
Service: 10/10
Ambiente: 10/10

*MacClaus

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Zurück in Bilbao scheint auch wieder die Sonne. Das Azkuna Zentroa, ehemals ein Weinlager beherbergt das Kulturzentrum der Stadt. Das prächtige Jugendstil-Gebäude wurde 2010 von dem französischen Designer Philippe Starck neu gestaltet. Ein Eye-Catcher sind die 43 Säulen, jede davon hat ein individuelles Design. Nicht einfach zu fotografieren, da das es innen dunkel ist. Das Bild wurde entsprechend aufgehellt.




Close-up einer Säule.




Den letzten Abend in Bilbao beende ich mit einem Spaziergang durch die Altstadt. Es gibt paar Teller Pintxos in der Bar Bilbao und Gure-Toki. Von all den besuchten Pintxos-Bars in Bilbao die beiden besten.






To be continued...

*mrh400

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Antw:Pintxos und Sterne – Spanien Mai/Juni 2017
« Antwort #13 am: 12.06.2017, 08:53 Uhr »
Hallo Claus,

schön, daß Du uns nicht vergessen hast.

Bilbao finde ich schon deshalb spannend, weil ich gerade die Koffer für dort packe - allerdings sind wir eine größere Freundesgruppe, so daß für kulinarische Extravaganzen wenig Raum sein dürfte. Aber die Pintxos-Bars habe ich mir notiert!

Wann gibt es was aus Hondarribia und Pamplona?
Gruß
mrh400

*MacClaus

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Antw:Pintxos und Sterne – Spanien Mai/Juni 2017
« Antwort #14 am: 12.06.2017, 09:09 Uhr »
Pamplona und Hondarribia kommen erst in der 3. Woche in dem Reisebericht. Jetzt bin ich erst bei Tag 3.

Was die Pintxos Bars betrifft... die besten kommen zum Schluss. Bei hervorragenden Bars trennt sich Spreu von Weizen. Hat mich einige Stunden Recherche gekostet, die Besten auszusuchen. Das Ranking hat sich auch mit meiner Auswahl gedeckt. Vorab so viel.... die besten Pintxos Bars sind m.E. in San Sebastián, Hondarrabia und Pamplona.