Off the Beaten Path... in the City of Light

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*MacClaus

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Off the Beaten Path... in the City of Light
« Antwort #30 am: 30.10.2017, 07:33 Uhr »
5. Tag: Belleville
Belleville ist das Einwanderungsviertel, hier leben Asiaten, Afrikaner, Griechen, Juden, Osteuropäer und zig andere Nationen miteinander. Diese Multikultur macht den besonderen Charme von Belleville aus. Die vielen chinesischen und vietnamesischen Restaurants und Geschäfte sorgen zudem für ein Chinatown-Feeling. Noch satt vom gestrigen Abend gibt es nur einen Café im Szene-Café Aux Folies.






Straßenkunst sucht man in der Innenstadt von Paris vergeblich, hier findet man sie. Die von Graffiti übersäte Rue Dénoyez gehört zu den coolsten Straßen, weitere Graffiti sind den Seitenstraßen zu finden. Viele Graffiti sind auf Rollläden aufgesprüht. Daher ist die beste Zeit am Morgen, wenn die Rollläden noch geschlossen sind. Verhungern muss man auch nicht, unzählige asiatische und orientalische Imbissläden gibt es in dem Viertel. Ich komme an der 72 Rue de Belleville vorbei. In diesem unscheinbaren Haus wurde die Chanson-Sängerin Edith Piaf geboren.














Es geht den Hügel hinauf zum terrassenförmig angelegten Parc de Belleville. Oben angekommen bietet sich eine schöne Panoramaaussicht auf Paris. Ganz nett sind sie Skulpturen Les Kaléidophones, die im Park verteilt sind. Ich spaziere anschließend durch den Wochenmarkt, eine Stimmung wie auf einem orientalischen Basar. Hier in einem der ärmsten Viertel von Paris verirrt sich (fast) kein Tourist. Anschließend sehe ich mir noch die mit Künstler-Ateliers gesäumte Gasse Cité Durmar an.








Erwähnenswert ist noch La Mouzaïa aka Quartier d’Amérique, nördlich von Belleville. Eine „Insel” mit hübschen Häusern, Blumengärten, gepflasterten Straßen. Wenn man der Hektik einer Großstadt entkommen will, eine Ruheoase inmitten von Paris. Einige der schönsten Straßen habe ich bereits erwähnt. Auch wenn ich Montmartre dieses mal nicht besuche, der Vollständigkeit halber meine Favoriten: Rue de l'Abreuvoir, Rue du Calvaire (Treppe), Rue du Chevalier de la Barre (Treppe), Rue Foyatier (Treppe), Rue Lamarck, Rue Maurice Utrillo (Treppe), Rue Lepic und Villa Léandre. Leider ist das einst charmante Montmartre schon lange zu einem Freilichtmuseum verkommen. Daher ist die beste Zeit für einen Besuch am frühen Morgen, bevor die Tagestouristen einfallen oder abends, wenn die meisten wieder verschwunden sind.


to be continued

*wolfi

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Antw:Off the Beaten Path... in the City of Light
« Antwort #31 am: 30.10.2017, 08:11 Uhr »
Die Graffiti -  einfach traumhaft!
Und das feeling auf dem Markt muss schon toll sein.

Bei unserem letzten Besuch in Paris vor 20 Jahren haben wir in einem kleinen Hotel an einer Straße (die in einer Treppe endet ...) zum Montmartre übernachtet - abends auf dem Zimmer eine Flasche Rotwein (bin ja sparsamer Schwabe ...) im kleinen Laden gegenüber besorgt (und dort auch öffnen lassen!) und dann aus dem Fenster das Treiben auf der Straße und auf den Balkonen der gegenüberliegenden Häuser beobachtet ...  :lol:

Weit weg vom Tourismus!  :wink:

*MacClaus

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Antw:Off the Beaten Path... in the City of Light
« Antwort #32 am: 30.10.2017, 08:24 Uhr »
Die Graffiti -  einfach traumhaft!

Eine tolle Location ist "Le Mur"... eine Wand, die alle zwei Wochen ein neues Gesicht bekommt. Weltweit einzigartig!
http://www.lemur.fr/realisations/


Weit weg vom Tourismus!

Lässt sich in einer Großstadt nicht vermeiden, egal ob Paris oder NYC. Montmartre muss am schönsten gewesen sein, als es noch ein Künstlerviertel war... als vor gut 100 Jahren  ;)

*wolfi

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Antw:Off the Beaten Path... in the City of Light
« Antwort #33 am: 30.10.2017, 09:19 Uhr »
Zum Glück gibt es ja überall noch Ecken, die relativ "touristisch unbelastet" sind, die hast Du ja auch gefunden.

OK, wir sind auch Touristen - aber wir versuchen es, uns den Einheimischen anzupassen und treten auch nicht in Massen auf.

ich denke oft, dass die Idee von Disneyland gar nicht schlecht ist, einfach so destinations nachzustellen - machen ja die Chinesen auch, sogar mit Rothenburg o. T., Paris etc weiß ich nicht, vermute es aber auch.

Manche Ecken (bestimmte Kirchen etwa) muss man wohl unter Denkmalschutz stellen und sperren ...
Die Alternative: Die Leute im Sekundentakt etwa an der Mona Lisa vorbei schicken - das hat mich auch abgestoßen, wir sind deswegen gar nicht in den Louvre!

*MacClaus

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Antw:Off the Beaten Path... in the City of Light
« Antwort #34 am: 30.10.2017, 09:50 Uhr »
ich denke oft, dass die Idee von Disneyland gar nicht schlecht ist, einfach so destinations nachzustellen - machen ja die Chinesen auch, sogar mit Rothenburg o. T., Paris etc weiß ich nicht, vermute es aber auch.

Fehlplanung  :roll:

Das chinesische Paris ist eine künstlich angelegte Stadt für bis zu 100.000 Bewohner. Auch wenn die Chinesen Paris lieben und mit Vorliebe ihre Flitterwochen in der Stadt verbringen, ist das Konzept, Paris nach China zu holen, nicht ganz aufgegangen. Denn Tianducheng hat heute den Ruf einer Geisterstadt, nur rund 2000 Menschen leben hier......

https://www.welt.de/finanzen/immobilien/article147906970/So-kopiert-China-ganze-europaeische-Staedte.html

*BigDADDY

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Antw:Off the Beaten Path... in the City of Light
« Antwort #35 am: 30.10.2017, 14:50 Uhr »
Mh,

schnell wieder hinterhrgehechelt!
Völlig außer Atem, vor allem aber wegen der Preise, ich weiß, es ist eine Frage des Wertes...
Reducing Truck Traffic since 2007!

*MacClaus

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« Antwort #36 am: 30.10.2017, 18:53 Uhr »
Métro Paris
Die Pariser Metro ist mit 220 km Länge eine der größten U-Bahnnetze der Welt. Über 300 Metro-Stationen gibt es in Paris, sie gehören zum Stadtbild wie Bistros und Cafés. Wenn man das Metro-Netz ausgiebig nutzt, kommt man zwangsläufig an einigen kunstvoll gestalteten Stationen vorbei. Arts et Métiers ist ohne Zweifel eine der schönsten U-Bahn-Stationen der Welt. Ganz nett sind die alten U-Bahnzüge, wo die Türen noch mit einem Handhebel geöffnet werden müssen. Metro-Hopping macht jedenfalls Spaß, nur nicht zur Rush Hour.


Meine Top 8 der schönsten Metro-Stationen in Paris:

Arts et Métiers (Linie 11). Die Wände sind mit Kupferplatten verkleidet und an den Seiten sind Bullaugen eingelassen. Das Design soll an das U-Boot Nautilus aus Jules Vernes’ Roman „20.000 Meilen unter dem Meer” erinnern. An der Decke hängen riesige Räder, die eine Verbindung zum nahe gelegenen Wissenschaft- und Technik Museum darstellen.

Cité (4). Die Station liegt zwanzig Meter unter der Erde, da der Bahntunnel unterhalb der Seine verläuft. Die Bahnsteige werden von kugelförmigen Lampen beleuchtet, eine Reminiszenz an die historische Straßenbeleuchtung von Paris.

Bastille (1). Die Station wurde 1989 anlässlich des 200. Jahrestag der Französischen Revolution neu gestaltet. Die dekorativen Keramikfliesen zeigen Szenen der Revolution. Die Malereien stammen von den Keramikkünstlern Liliane Belembert und Odile Jacquot.

Concorde (12). Die Wände sind mit kleinen weißen Keramikkacheln verkleidet, auf denen jeweils ein blauer Buchstabe steht. Zusammengefügt ergibt es die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, die im August 1789 von der Nationalversammlung ausgerufen wurde.

Bir-Hakeim (2). Oberirdisch und mit einem filigranen Stahlgerüst und Glasdach versehen. Nicht nur die Station ist sehenswert, sondern auch die Brücke Bir-Hakeim. Die Brücke mit ihren markanten Säulen ist ein beliebtes Ziel von echten und falschen Hochzeitspaare.

Cluny-La-Sorbonne (10). Das gewölbte Dach ist mit lila und blaue Mosaikfliesen bestückt. Die Mosaiken zeigen fliegende Vögel sowie die Unterschriften berühmter französischer Persönlichkeiten.

Pont Neuf (7). Das Thema dieser Metro-Station sind Münzen. Die staatliche Münzprägeanstalt Monnaie de Paris befindet sich in ummittelbarer Nähe. Auf den Wänden und der Decke sind große Repliken französischer Münzen zu sehen.

Ebenfalls sehenswert sind die Metro-Zugänge im Art-Noveau-Stil. Architekt und Designer Hector Guimard gestaltete zwischen 1900 und 1912 insgesamt 141 Zugänge in Paris. Nur noch 86 Originale sind erhalten geblieben. Von seinen glasüberdachten Zugängen existieren sogar nur noch zwei Originale – Abbesses und Porte Dauphine. Die Station Châtelet hat auch einen glasüberdachten Zugang, es ist aber kein Original, sondern eine Kopie zum 100. Geburtstag der Pariser Metro. Palais Royal-Musée du Louvre besitzt fünf Zugänge, wobei vier noch im ursprünglichen Art-Nouveau-Stil vorhanden sind. Der fünfte Zugang wurde durch die extravagante Skulptur „Le Kiosque des Noctambules” ersetzt, was soviel bedeutet wie „Kiosk der Nachtschwärmer.” Neben den genannten Zugängen gefallen mir noch Cité, Monceau, Saint-Michel und Ternes.


Die Bilder wurden im Laufe der sechs Tage gemacht.... bei manchen Bildausschnitt wäre ein Superweitwinkel vorteilhaft gewesen.

Arts et Métiers





Cluny-La-Sorbonne




Le Kiosque des Noctambules


Hôtel de Ville


Franklin D. Roosevelt


Bastille


Châtelet


Concorde


La Bourse



Hat leider zeitlich nicht geklappt...



to be continued

*MacClaus

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« Antwort #37 am: 31.10.2017, 09:57 Uhr »
Musée de l'Armée
Am Nachmittag besuche ich wieder einmal das Armee-Museum. Der Anblick der unzähligen Ritterrüstungen und Waffen ist immer wieder sehenswert.




Verzierung auf einer Kanone




Verzierung auf einer Kanone




Verzierung auf einem Schild





Für einen kurzen Abstecher zu Napoleon reicht es auch noch.



Sarkophag von Napoleon

*MacClaus

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« Antwort #38 am: 31.10.2017, 10:03 Uhr »



Irving Penn
Im Grand Palais sehe ich mir die Werke des amerikanischen Fotografen Irving Penn (1917-2009) an. Berühmt sind vor allem seine Schwarzweiß-Porträts von Pablo Picasso, Truman Capote, Georgia O‘Keeffe, Miles Davis oder Salvador Dali. Bilder abzufotografieren macht wenig Sinn, dann schon lieber seine Online-Galerie ansehen:  https://www.irvingpenn.org


Seine Rollei-Kamera




Seine Hasselblad 503CW mit Zeiss 150 mm Linse.



to be continued

*MacClaus

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« Antwort #39 am: 31.10.2017, 13:09 Uhr »
FIAC
Im Hauptgebäude des Grand Palais mit seiner grandiosen Kuppel findet die alljährliche FIAC statt. Die viertägige Kunstmesse FIAC (Foire Internationale d'Art Contemporain) ist eine Ausstellung für zeitgenössischer Kunst. Zur 44. FIAC sind 193 Galerien aus 30 Ländern vertreten. Unter dem Motto „Hors les Murs“ (außerhalb der Mauern) werden zudem an verschiedenen Orten in der Stadt verschiedene Kunstobjekte gezeigt. Jeder Sammler kann hier shoppen, wenn er möchte und die Bank mitspielt. Die Preisschilder bewegen sich zwischen 5.000 Euro bis über 4 Millionen Euro. Bei der Pace Gallery aus New York stehe ich vor einer Skulptur des indischen Künstler Raqib Shaw. Mein Favorit in den Ausstellungshallen. Ein Bronzebaum, in dem sich zwischen Tausenden Blütenblättern sündige Menschenleiber winden. Diese Skulptur kostet auch nur 1,5 Millionen Dollar. Nicht alle Kunstobjekte treffen meinen Geschmack, aber es ist dennoch eine überaus interessante Tour durch die überfüllten Gänge.




































Nach dem Museumsbesuch fahre ich zum Hotel Balzac am Arc de Triomphe. Ich habe dort um 21 Uhr einen Tisch im Restaurant Pierre Gagnaire reserviert.

Das nächste mal wieder mit Stativ  :wink:



to be continued

*wolfi

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« Antwort #40 am: 31.10.2017, 15:21 Uhr »
Paris war ja wohl schon immer eine Eldorado für Künstler - und Deine Auswahl hier, Claus, hat auch was zu bieten!

Was es nicht alles gibt ...  :lol:
Danke dafür!

PS und wie immer ein bisschen OT:
Am besten haben mir irgendwie die Avocado-Stückchen gefallen - passt dazu, dass ich heute für meine Gäste und mich meine "Gringo Guacamole" gemacht habe, ist auch die Leibspeise meiner Partnerin - Avocados hat sie zum ersten Mal bei mir gegessen, gab es im Sozialismus in Ungarn natürlich nicht ...

Und jetzt warten wir auf die nächsten kulinarischen Köstlichkeiten!  :wink:

*MacClaus

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« Antwort #41 am: 31.10.2017, 15:51 Uhr »
Und jetzt warten wir auf die nächsten kulinarischen Köstlichkeiten!  ;)

Zwei gibt es noch.... ich werde es Tellerorgie benennen.  ;)

*MacClaus

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« Antwort #42 am: 31.10.2017, 17:47 Uhr »
Bisschen früh fürs Abendessen... wurscht!


Von den Champs Élysées sind es nur wenige Schritte zum Hotel Balzac.




Die Tellerorgie
Pierre Gagnaire, Vorreiter der Fusion Cuisine, ist einer der berühmtesten Köche Frankreichs. Sein Name steht heute für ein Restaurant-Imperium, 14 Restaurants verstreut in der ganzen Welt, u.a. in London, Tokio, Dubai, Hongkong, Las Vegas, Moskau. Aber nur in seinem Pariser Stammrestaurant im Hotel Balzac kocht der Chef noch selbst. Sein Restaurant Les Solistes im Waldorf-Astoria, Berlin, hat er Ende 2016 wieder geschlossen. Seine aufwändige Pariser Küche haben die Berliner wohl nicht verstanden.

Die Küche von Pierre Gagnaire ist schwer einzuordnen – sie ist außergewöhnlich experimentell, komplex und sehr kreativ. Wie kein anderer Küchenchef polarisiert Pierre Gagnaire mit seinem Konzept der vielen Teller. Bevor Pierre Gagnaire die Kochlöffel niederlegt, immerhin ist er bereits 67 Jahre alt, muss ich mir selbst ein Urteil bilden.

Das Procedere einer Tischreservierung ist umständlich. Man reserviert online und erhält per e-mail die Bestätigung. Einen Tag später bekommt man eine weitere e-mail, wo man seine Kreditkartennummer und Unterschrift hinterlegen muss. Schickt man das Dokument nicht zurück, verfällt die Reservierung. Wenn schon eine Kreditkarte hinterlegt werden muss, warum kann man das nicht im Reservierungssystem hinterlegen? Unpraktisch und eines 3-Sterne-Restaurant unwürdig.




Ich sehe mir die Speisekarte an. Es gibt ein 7-Gänge-Menü, sowie à-la-carte vier Vorspeisen, sechs Hauptgänge und vier Desserts. 310 Euro ist ein stolzer Preis für ein Menü, aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Im Restaurant Guy Savoy kostet das Menü fast 400 Euro und in seinem Restaurant im Caesars Palace (Las Vegas) ist es sogar noch teurer, wenn man die 20% Service hinzurechnet. Das Wort Vernunft sollte man diesen Summen ad acta legen. Jemand, der nur essen geht um satt zu werden, wird unwissend den Kopf schütteln. Wenn man die Kochkunst von Pierre Gagnaire nicht zu schätzen weiß, ist man hier völlig fehl am Platz.

Bei Pierre Gagnaire besteht ein Thema aus mehreren Tellern. Hinter diesem Konzept steht, dass der Gast alle Teller vermischen kann, wie er möchte. Diese individuelle Tellerorgie mag manchen Gast überfordern, ich finde es außerordentlich spannend. Ich entscheide mich für die Vorspeise Automne (146 €), Hauptgang Langoustine (188 €), eine halbe Portion Käse (30 €) und das Grand Dessert Pierre Gagnaire (75 €). Nach einem Glas Champagner gibt es im Haus gebackene Brotauswahl: Baguette, Brioche, Vollkorn- und Früchte-Nussbrot. Dazu gibt es gesalzene Butter aus La Pellerie, sowie hausgemachte Braune Butter und Zitronenbutter.




Die Speisekarte ist sehr ausführlich aufgeschlüsselt.

Amuse Bouche
Cocktail de poche

Farm mussels and small onions flavoured with Sanbaizu vinegar, sea fennel

Infusion Tiné: lacquered sardine, salted mackerel, a hint of rhubarb and enoki mushrooms

Small perched from the Geneva lake, watercress and oreille de judas mushrooms


Automne
Soufflleed biscuit parmesan cheese | rocket salad, daïkon turnip – sweet green pepper ice cream served with Cremona mustard, carrot juice flavoured with Grappa

Fresh walnuts transparent pannequet, water of sunchoke artichoke perfumed with yellow wine from the Jura region

Nettle Royale and blue poppy seeds, cucumber mousse

Herbs oreiller from the Geneva lake, home-smoked char fish; bouillon Zezette

Kohlrabi | coppa sausage, pumpkin gnocchi flavoured with coffee, vegetable Violine sauce


Langoustine
Crunchy large langoustine 1982 – seasoning Dundee-Peeky

Souffleed potatoes with sumac powder

Small ones seared in a spicy butter, flamed with aged rum; farm cider jelly on a buckwheat crêpe

Crème prise, miltomate berries

Raviola with herbs, diced langoustine spiced with green curry

Raw | frosted lighlty smoked, turnip Buren; honey from the corsican maquis and Iranian black lemon


Cheese
Trays of six cheeses by Bernard Antony

Christine Ferber’s jam

Caramel spiced with cumin

A glass of Madère Bual (10 years old), domaine Henriques-Henriques


Le Grand Dessert
Crumble of end of the summer fruits, red sweet pepper bavaroise flavoured with peppermint

Unctuous citrus fruits infusion, fresh dates soaked in Kirsch; Patron tequila granita

Frozen croquant flavoured with verbena from Le Velay, lemon paste

Biscuit flavoured with ginger, nougatine spiced with cumin. Passion fruits syrup

Warm Muscat wine from Corsica, fresh grapes and blond raisins flavoured with Macvin; cube parfait praliné parfait coated with semi-salted caramel

Fig shortbread, frangipane cream made with bitter almond; red Port juice

Preserved pink grapefruit | thai grapefruit, Amarelli licorice ice cream; gavotte with muscovado sugar

Whipped cream flavoured with poppy, coconut milk, ewe milk yogurt; wiliams pear, aloe-vera

Cocoa water perfumed with coffee: Melissa chocolate mousse, slice of Caraïbes chocolate ganache, leaf of Cuba chocolate



Am Nebentisch sitzt ein wohl vermögender älterer Amerikaner. In seiner Begleitung zwei hübsche Escort-Damen. Für amerikanische Bedürfnisse entsprechend mit Silikon ausgepolstert. Die Damen schauen entgeistert als die Vorspeisen serviert werden und tun mir jetzt schon leid um ihre schlanke Figur.




Als erstes Amuse Bouche gibt es Knabbereien (Feuilletés), dass meine kulinarischen Sinne noch nicht erweckt (8/10). Das zweite Amuse Bouche ist da schon viel besser (9,5/10). Besonders die Sardinen und Muscheln begeistern.










Die aus zehn Tellern (!) bestehende Vorspeise setzt ein kulinarisches Ausrufezeichen. Intensive Kontraste und eine ungewöhnlich hohe Aroma-Intensität. Eine Weltklasse-Kreation (10/10).

Erste Runde




Zweite Runde



*MacClaus

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« Antwort #43 am: 31.10.2017, 17:53 Uhr »
Bevor der Hauptgang serviert wird, darf ich einen Blick in die kleine Küche werfen. Zwölf Köche sind hier am kochen, weitere sechs Köche sind eine Etage tiefer für Brot, Gebäck und die Patisserie zuständig. Pierre Gagnaire ist nicht da, sondern irgendwo in Asien um ein neues Restaurant zu eröffnen. Ein kurzer Plausch mit Küchenchef Thierry Mechinaud bevor es mit dem Hauptgang weitergeht. Am Nebentisch gibt es Blauen Hummer. Im Gegensatz zum Epicure bekommt der Gast das Prachtexemplar zu sehen, bevor der Hummer zubereitet wird.






Der Hauptgang Langoustine wird ebenfalls in zwei Gänge serviert. Eine Explosion unzähliger Aromen (10/10).






Beim Käse reicht die halbe Portion für 30 €. Hier ist alles perfekt, Reife, Temperatur und Geschmack (10/10).






Vor dem Dessert wird ein zweiteiliges Pre Dessert (9/10) serviert. Zweites Pre Dessert nicht im Bild.




Zum Schluss kommt noch das GRAND DESSERT PIERRE GAGNAIRE. Das Dessert besteht aus neun Tellern, aufgeteilt in zwei Gänge. Ein Dessert mit Champignons garnieren, traut sich wohl nur Pierre Gagnaire. Ohne jetzt auf jedes einzelne Dessert eingehen zu wollen, alle sind durchweg hervorragend (10/10).





Nach vier Stunden im kulinarischen Himmel wieder zurück in die Realität. Auf der Rechnung stehen 487 € für das Abendessen inklusive Aperitif, Wein und Wasser. Champagner und Wein sind für Pariser Verhältnisse überaus preiswert. Der Service von Gianluca Modafferi war perfekt und dafür gibt es auch entsprechend Trinkgeld. Dieses Feuerwerk von Hunderten von Aromen war ein unvergessliches Erlebnis. Zwar nicht das teuerste, aber das beste 3-Sterne-Erlebnis auf dieser Paris-Reise. Merci beaucoup Pierre Gagnaire.



Speisen: 10
Service: 10
Ambiente: 8,5


to be continued

*wolfi

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« Antwort #44 am: 31.10.2017, 19:09 Uhr »
Faszinierend!
Danke, Claus!

Als Normalsterblicher wäre ich da überwältigt - ging mir schon bei meinen wenigen Exkursionen in die Sterne-Küche so.

Hundert (oder mehr?) verschiedene Geschmackseindrücke an einem Abend ...

Vermutlich muss man sich an so was auch erst herantasten, vielleicht mit 1-Sterne-Küche beginnen und dann ausloten. Aber dazu bin ich auf meinen business trips vielleicht einmal jährlich gekommen - reicht natürlich nicht um in diese Welt einzutauchen, das können wohl nur wenige Auserwählte.

Von den vielen Unbekannten hat mich eines besonders verwirrt:
"sweet green pepper ice cream"

Claus, weißt Du noch wie das war? Kann mir gar nix darunter vorstellen.