Off the Beaten Path... in the City of Light

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*wolfi

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Antw:Off the Beaten Path... in the City of Light
« Antwort #15 am: 26.10.2017, 15:13 Uhr »
Ach Claus, das La Charonne sieht ja wirklich aus wie vor 100 (oder gar 200?) Jahren - sehr schön.

Als wir bei Jim Morrison's Grab waren, da war die Hölle los - wie war jetzt der Besucheransturm?

Ein bisschen nur OT - re Preise für Getränke:
Ich war mal  vor etwa 25 Jahren geschäftlich mit einem Kollegen unterwegs im La Defense - nahe dieses "Triumphbogens" wo er sich eine Terrasse aussuchte für ein Bier und zum Leute anschauen.
Ich meinte noch, wir sollten an die Bar gehen, weil dort die Preise niedriger sind, aber er wollte bei dem schönen Wetter draußen sitzen und meinte, er würde mich einladen.

Wir tranken also jeder eine Halbe (war gar nicht schlecht ...) und als dann der Kellner kam schaute er auf den Beleg und meinte:

40 Francs ist doch nicht so schlimm ...
Worauf ich erwiderte:
Herr Dr. XXX - Sie haben zwei Belege in der Hand ...
Da war er als Münchner (und Siemensianer) doch etwas geschockt.

An der Bar hätte die Halbe etwa 15 Francs gekostet (nicht viel teurer als in der Münchner Innenstadt), am Tisch drinnen 20 und auf der Terrasse eben 40, das war schon extrem!

Entschuldige bitte, Claus, diese Abschweifung - aber das ist mir so von Paris in Erinnerung geblieben, diese extreme Relation bzw Ungleichgewicht zwischen Preis und Leistung ...
Ich mag deswegen gar nicht mehr hin!

*MacClaus

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Antw:Off the Beaten Path... in the City of Light
« Antwort #16 am: 26.10.2017, 15:31 Uhr »
Als wir bei Jim Morrison's Grab waren, da war die Hölle los - wie war jetzt der Besucheransturm?

Ich habe sein Grab nicht besucht. Ich kenne es bereits und ein zweites Mal muss ich es nicht sehen.  ;)


Entschuldige bitte, Claus, diese Abschweifung - aber das ist mir so von Paris in Erinnerung geblieben, diese extreme Relation bzw Ungleichgewicht zwischen Preis und Leistung ...

Da muss ich dich leider deine Erinnerung enttäuschen! In den letzten 10 Jahren ist ein Wandel durch die Pariser Gastronomie gegangen. Ich habe dort ein besseres Preis-Leistung-Verhältnis vorgefunden als in meiner Heimatstadt oder x-beliebiger deutschen Gourmet-Kneipe. Beispiel das kleine Bistro Juveniles.... ein Mittagsgericht, Glas Wein und Kaffee für 16,50 €.  http://parisbymouth.com/juveniles/
 Wo gibt es so etwas hierzulande?

Ein weiteres Beispiel davon später... im zweiten Teil von Charonne.

*BigDADDY

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Antw:Off the Beaten Path... in the City of Light
« Antwort #17 am: 26.10.2017, 17:12 Uhr »
Mh, Claus,

das ist ja extrem food porn, Du hättest uns vorwarnen sollen! -
Da fällt die Currywurst für 4,60 € aus unserer Kombinats-Kantine ein wenig zurück (1,5/2).
Ich frage mich, wie Du Dir die Namen der ganzen Gerichte merken kannst? Oder schreibst Du mit?
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*MacClaus

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Antw:Off the Beaten Path... in the City of Light
« Antwort #18 am: 26.10.2017, 17:52 Uhr »
Ich frage mich, wie Du Dir die Namen der ganzen Gerichte merken kannst? Oder schreibst Du mit?
mit?

Die Karte studiere ich vorher online und copy & paste.

*wolfi

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Antw:Off the Beaten Path... in the City of Light
« Antwort #19 am: 26.10.2017, 18:46 Uhr »
Claus, gut zu hören, dass das Preis/Leistungsverhältnis jetzt so gut ist - aber vermutlich auch nur in "insider locations", nicht dort wo sich die Touristenmassen rum drücken ...

Auf jeden Fall ist Dein Bericht wieder einsame Spitze - bin schon gespannt auf die nächsten gourmet/gourmand highlights!  :wink:

Und die Fotos sind besser als die üblichen arrangierten in den culinarischen Zeitschriften - obwohl Du ja reales Essen fotografierst und nicht gestyltes/speziell präpariertes Zeug.

*MacClaus

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« Antwort #20 am: 26.10.2017, 20:11 Uhr »



Charonne, Fortsetzung
Das Septime ist eins von 80 Pariser Restaurants, die 2017 mit einem Michelin Stern ausgezeichnet wurden. Das Septime in der 80 Rue de Charonne wurde im Mai 2011 eröffnet und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Bereits ein Jahr später bekam es einen Stern vom Guide Michelin. Heute gehört das Septime zu den angesagtesten Pariser Restaurants. Ein spontaner Besuch ist zwecklos, weil die 44 Sitzplätze, mittags wie abends, immer ausgebucht sind. Tischreservierungen können zu einem Geduldsspiel ausarten. Wer einen Tisch reservieren möchte, muss exakt 21 Tage im Voraus um 10 Uhr anrufen und hoffen nicht in der Warteschleife zu verhungern.

Zwei Foodies treffen sich....



Im Septime dominieren rustikale Holztische ohne Tischdecken, Glas und Metall. Die enge Bestuhlung sorgt für eine lebendige Bistro-Atmosphäre. Dank Einheitsmenü ist die Preisgestaltung sehr gastfreundlich. Mittags gibt es ein 4-Gänge-Menü für 42 Euro und abends ein 7-Gänge-Menü für 80 Euro. Bertrand Grébaut, Schüler von Sternekoch Alain Passard, steht für die „neue” französische Bistroküche, die auch als Bistronomie bezeichnet wird. Ganz im Stil von Passard setzt Grébaut auf innovative Finesse und regionale Produktqualität. Die einzelnen Gänge bestehen aus wenigen Komponenten, schmecken aber doch erstaunlich komplex.






Die hohen Bewertungen... Paris by Mouth (Rang 1, Menüs unter 100 €), OAD (Rang 14, Europa Gourmet Casual), The World’s 50 Best Restaurants (Rang 35) spiegeln die innovative Kochkunst von Bertrand Grébaut wieder. Das Septime zeigt das sehr gute Sterne-Küche nicht teuer sein muss. Ich bezahle knapp 60 € für vier Gänge, Limonade, Wein und Café – ein hervorragendes Preis-Leistung-Verhältnis. Witzige Randnotiz: Das Septime ist nach dem Gourmet Tempel in Louis de Funès’ Filmkomödie „Le Grand Restaurant” benannt.













Speisen: 8,5
Service: 8
Ambiente: 7,5

*MacClaus

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« Antwort #21 am: 26.10.2017, 20:20 Uhr »
Patisserie
Nach diesem feinen Mittagsmahl spaziere ich zur Passage Lhomme. Eine grüne und ruhige Oase inmitten von Paris. Hier verirren sich keine Touristen, genauso wenig wie in der Passage du Chantier.








Die Patisserie Blé Sucré ist auch gleich um die Ecke. Ein kleiner Laden mit vielen süßen Leckereien. Ich versuche mich an einem Mont Blanc und Religieuse. Zwei Bissen davon und ich muss aufhören. Das ist mir alles viel zu süß.






Im Maison Aleph trifft französische Patisserie auf den Orient. Ich probiere drei Nids Pâtissiers (Sumac mit dunkler Schokolade, Karamell mit Tahiti Vanille, Zitrone Cardamom) und Les 1001 Feuilles (Walnuss aus dem Périgord mit Zimt). Sehr gut ist auch die Joghurt/Rosen-Eiskreme. Ich unterhalte mich mit Inhaberin Myriam Sabet über die Patisserien in Paris und wir sind uns eing, dass das Blé Sucre stark nachgelassen hat.








Nicht weit davon entfernt befindet sich Pierre Hermé. Hier gibt es die besten Macarons zu kaufen. Wer mit dem Namen Macaron nichts anfangen kann – ein Feingebäck aus Mandeln, Eiweiß und Zucker, dazwischen liegt eine fruchtige oder cremige Füllung. Insgesamt gibt es 18 verschiedene Sorten zur Auswahl, darunter sind Kreationen wie Mogador, Jardin des Mousses, Montobello oder Infiniment Vanille de Madagaskar.






Die Schokoladenmanufaktur von Alain Ducasse ist ebenfalls in der Nähe. Hier in der Rue de la Roquette wird die Schokolade für alle fünf Läden in Paris hergestellt. Wie man Schokolade richtig präsentiert, davon haben die Franzosen vieeeel Ahnung.





Hier noch ein Bild vom ersten Tag, als ich am Centre Pompidou vorbei gelaufen bin.... stundenlang anstellen....not my cup of tea!




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*MacClaus

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« Antwort #22 am: 27.10.2017, 19:31 Uhr »
Passagen
Ich komme an der Galerie Véro-Dodat vorbei. Die Passage im neoklassischen Stil wurde 1826 erbaut. Schwarze und weiße diagonal angeordnete Marmorfliesen sorgen für optische Tiefe. Diese Passage zähle ich zu meinen Favoriten, genauso wie die Passage du Grand Cerf, Passage des Panoramas, Passage Brady, Passage Jouffroy, Passage Verdeau, Galerie Colbert. Die allerschönste Passage ist aber zweifelsohne die Galerie Vivienne. Die Torbögen und Mosaiksteinboden fallen einem zuerst ins Auge. Im Odette & Zoé lege ich eine Teepause ein. Diese überdachte Passagen mit ihren prunkvollen Glasdächern haben ihren malerischen Charme weitgehend erhalten.

Galerie Véro-Dodat


Tea Time


Galerie Vivienne


Galerie Vivienne


Galerie Colbert

*MacClaus

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« Antwort #23 am: 27.10.2017, 19:34 Uhr »
La Bourse et La Vie
Heute ist Erstbesuch im La Bourse et La Vie, die Nummer eins von Paris by Mouth. Auch in diesem Bistro gilt, ohne Reservierung hat man keine Chance einen Platz zu ergattern. Ich finde es sehr gemütlich in dem kleinen Bistro mit seinen 29 Sitzplätzen. Küchenchef Daniel Rose, ein US-Amerikaner, steht für die Cuisine Bourgeoise. Sie unterscheidet sich von der rustikalen Bistro-Küche durch eine raffiniertere Zubereitung und hohe Produktqualität. Alles wird frisch zubereitet, nichts kommt aus der Mikrowelle oder Tiefkühltüte. 




Fünf Vorspeisen, fünf Hauptgänge und drei Nachspeisen stehen auf der Karte. Ich bestelle drei Gänge. Die Vorspeise Lauch mit Haselnüssen  sieht nicht nur lecker aus, sondern schmeckt auch gut (7/10). Das Hauptgericht Pot-au-feu ist ein klassisch französischer Eintopf und wird in einem Kupfertopf serviert. In der fein duftenden Fleischbrühe liegen (zum auslöffeln) Rindermarkknochen, Kalb- und Rindfeisch, Rosenkohl, Karotten, Lauch, Sellerie, Kartoffel und frische Kräuter. Dazu gibt es auf einem Teller noch einen wunderbar knusprigen Kalbskopf mit Sauce Gibriche. Geschmacklich sehr gut (8/10). Das beste Pot-au-feu, dass mir je untergekommen ist. Das Dessert Karamellcreme (7,5/10) ist der feine Abschluss im La Bourse et La Vie. Très bon!   Das La Bourse et La Vie ist eines der besten Bistros in Paris, aber meine Nummer eins ist weiterhin das Bistro Juveniles.












Kein billiges Bistro, aber eines der besten!



Speisen: 7,5
Service: 7
Ambiente: 6,5


Mit der Metro geht es auch nicht schneller und ich mache mich zu Fuß auf dem Weg zurück ins Hotel.


to be continued

*MacClaus

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« Antwort #24 am: 28.10.2017, 15:53 Uhr »
4. Tag: Quartier Latin
Ich fahre bis zur Station Cité auf das linke Seine-Ufer. Die originalen Metalltreppen und die Beleuchtung der Metro-Station sind sehr fotogen. Am Square René-Viviani befindet sich der „älteste“ Baum von Paris. Eine Robinie, die 1601 von Jean Robin, dem Hofgärtner von König Henri IV, gepflanzt wurde.







Die Rue de la Huchette und Rue Xavier Privas sind typische Touristenpfade. Wer sich nicht daran stört nur unter Touristen zu sein, wird diese mit miserablen Bistros und Restaurants gesäumten Gassen lieben. Einheimische wird man an diesem Ort kaum finden. Fotogen sind die Gassen nur am frühen Morgen.








Mein Weg führt mich zur Rue Galande. Hübsch ist das im Art-Deco-Stil erbaute Café Odette, das genau zwischen zwei Haushälften eingebettet ist. Das Odette zähle ich wie das Le Consulat und Le Petit Moulin, beide in Montmartre, zu den schönsten Cafés in Paris. Ein hübsches Fotomotiv ist auch das Au Vieux Paris d’Arcile auf der Île de la Cité. Kletterpflanzen ranken sich an der gesamten Vorderseite empor.






Die meisten Menschen gehen achtlos an der Rue du Chat Qui Pêche vorbei. Es ist die engste und kürzeste Straße in Paris mit dem witzigen Namen „Straße der fischenden Katze.”




Das Quartier Latin ist das traditionelle Studentenviertel von Paris. Die meisten Bildungseinrichtungen befinden sich in diesem Viertel, darunter die berühmte Universität Sorbonne in unmittelbarer Nähe zum Pantheon. Die Kapelle Sainte Ursule de la Sorbonne gehört zu meinen Lieblingsmotiven in Paris. Sehr fotogen ist auch der Innenhof der Universität.

*MacClaus

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« Antwort #25 am: 28.10.2017, 15:58 Uhr »
Das Rue Mouffetard aka La Mouffe ist eine der letzten authentischen Marktstraßen in Paris. Zahlreiche Bistros, Cafés und Restaurants reihen sich entlang der 650 m langen Straße. Dazu kommen unzählige Feinkostläden, Chocolaterien, Bäckereien, Käseläden, Metzger, Fischhändler, Obst-, Gemüse- und Blumenverkäufer. Hier gibt es keine beliebig austauschbare Konsumfilialen, wie man sie in Großstädten überall vorfindet.






Ein Besuch in der Patisserie Carl Marletti ist Pflicht. Ich gönne mir eine La Religieuse au Café, Macaron Le Marie-Antoinette und Mont Blanc, und nicht so süß wie zuletzt im Blé Sucre. Nach diesen Kalorienbomben brauche ich auch nichts mehr zum Mittagessen.









Über 300 Chocolaterien gibt es in Paris, weltweit die größte Anzahl in einer Stadt. Im Viertel Saint-Germain-des-Prés sind die meisten Läden ansässig, darunter so berühmte Namen wie Debauve et Gallais oder Patrick Roger. Wunderschön altmodisch eingerichtet sind die Schokoladenläden von 3-Sterne-Koch Alain Ducasse. Die älteste Chocolaterie A la Mère de Famille (1761) ist in der 35 Rue du Faubourg Montmartre zu finden.

Die halbrunden Kugeln sind ein Gedicht.... eine Kugel, Stückpreis 4 €.




Wer anstatt Baguette lieber Brot mag, muss Frankreichs berühmteste Bäckerei besuchen. Poilâne wurde 1932 von Pierre Poilâne gegründet. Im Laden in der 8 Rue du Cherche-Midi steht noch immer der Holzofen im Keller, wo täglich das Brot mit dem cha­rak­te­ris­tischen P auf der Kruste gebacken wird. Mehl, Salz und Wasser sind die einzigen Zutaten für das berühmte Pain Poilâne. Das Weizenkorn wird auf Steinmühlen vermahlen, das Salz kommt aus Guérande in der Bretagne und der Sauerteig enthält keine Triebmittel. Poilâne steht für beste Qualität und das ist trotz Massenproduktion keine Selbstverständlichkeit. Das Brot ist so begehrt, dass Poilâne die Spitzengastronomie in alle Welt beliefert. Man muss aber nicht extra nach Paris reisen, das Brot gibt es hierzulande u.a. im Galeries Lafayette Berlin, Käfer in München und in ausgesuchten Feinkostläden.

SZ
Mit gerade mal 19 übernahm Apollonia Poilâne die berühmteste Bäckerei Frankreichs. Heute exportiert sie ihr Brot bis nach Japan, Robert De Niro und Johnny Depp lassen es sich nach Hause schicken. Und Catherine Deneuve schaut sogar manchmal selbst vorbei...     Die wunderbare Geschichte der Apollonia Poilâne







to be continued

*BigDADDY

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Antw:Off the Beaten Path... in the City of Light
« Antwort #26 am: 28.10.2017, 16:09 Uhr »
Mh,

"Strasse der fischenden Katze", war das so etwas wie die "Maiden Lane" in San Francisco?
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*MacClaus

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« Antwort #27 am: 28.10.2017, 16:13 Uhr »
"Strasse der fischenden Katze", war das so etwas wie die "Maiden Lane" in San Francisco?


Nein, die Straße ist einfach nur eng und kurz: https://goo.gl/maps/97W893mwWi52

*MacClaus

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« Antwort #28 am: 28.10.2017, 16:23 Uhr »
Die süße Straße
Ich komme zur Rue du Bac, bekannt auch als die „Süße Straße” von Paris. Nirgendwo sonst findet man so viele Chocolaterien und Patisserien in einer Straße. Zum Ausprobieren gibt es zahlreiche Gelegenheiten… die Mousse-Bar im Chapon, die leckeren Törtchen im Des Gâteaux et du Pain by Claire Damon oder ein Saint-Honoré von Philippe Conticini im La Pâtisserie des Rêves. Die Chocolaterie Jacques Genin ist hier auch zu finden. Ich hole mir ein Zitroneneis von Claire Damon. Ein unglaubliches Aroma, kein Vergleich zum Eis aus der Eisdiele. Claire Damons Stammgeschäft am Boulevard Pasteur ist größer und schicker, als der kleine Laden in der Rue du Bac, aber weit von meiner Route entfernt, als das ich dafür einen Umweg in Kauf nehmen würde.





Das nenne ich eine Verpackung... gesichert! Nennt sich Saint-Honoré, eine der besten Süßigkeiten, die es in ganz Paris gibt.



http://lapatisseriedesreves.com/fr/12-patisseries-de-notre-enfance


Käse bekommt man in Paris fast an jeder Ecke. Marie-Anne Cantin ist ein Maître fromager affineur – auf gut deutsch Käse-Affineur oder Fachmann/frau zum veredeln von Käse. Ihr Laden hat Charme, wie man ihn so wohl nur in Paris findet. Bei Laurent Dubois schaue ich auch immer vorbei, wenn ich durch das Quartier Latin spaziere. Mein Favorit ist aber nicht in Paris, sondern im Elsass, genauer gesagt in Vieux-Ferrette. Bernard Antony gilt unter Feinschmeckern als Frankreichs bester Käse-Affineur. In sieben Reiferäumen werden fast 90 Käsesorten gelagert. Bernard Antony und sein Sohn Jean-François beliefern mittlerweile fast 80 Sterne-Restaurants in Europa. Nicht umsonst kommen Käseliebhaber aus aller Welt zum verkosten und shoppen in das kleine Örtchen Vieux-Ferrette.

Bahnhof Saint-Lazare


Ein berühmter Konsumtempel in Paris



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*MacClaus

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« Antwort #29 am: 28.10.2017, 18:54 Uhr »
Zeit fürs Abendessen  :wink:


Epicure
Heute Abend bin ich zu Gast im Restaurant Epicure. Das 3-Sterne-Restaurant gehört zum Hotel Le Bristol. Das Palasthotel in der 112 Rue du Faubourg Saint Honoré wurde 1925 eröffnet und 2009 für ein dreistelligen Millionenbetrag aufwendig renoviert. Das Hotel mit seinen 188 Zimmer und Suiten schwelgt im Luxus. Das wird einem bewusst, wenn man sich die Übernachtungspreise ansieht – das günstigste Zimmer kostet 990 € pro Nacht, die teuerste Suite 24.000 €. Berühmte Persönlichkeiten haben im Hotel Le Bristol übernachtet, unter anderem Marilyn Monroe, Rita Hayworth, Orson Welles, Grace Kelly, Josephine Baker, Charlie Chaplin, Sophia Loren, Mick Jagger und noch viele mehr. Seit 1978 befindet sich das Hotel Le Bristol im Besitz der Familie Oetker. Zur Oetker-Kollektion gehören neun Luxushotels, darunter das Brenners Park-Hotel in Baden-Baden. Bekannt ist Dr. Oetker u.a. für Backmischungen und Tiefkühlpizza.



Aufzug


Das Epicure hat jeden Tag mittags und abends geöffnet. Der personelle Aufwand mit 40 Köche und 40 Servicekräfte für nur 40 Gäste ist enorm. Es ist verständlich das die Kosten nur mit Hilfe eines finanzstarken Hotels aufgebracht werden können. Letztendlich subventionieren die Hotelgäste das Epicure, auch wenn sie dort nicht speisen. Die hohen Unterhaltskosten sind auch ein Grund, warum viele Pariser 3-Sterne-Restaurants zu Hotels gehören.

Mit einem freundlichen Bonsoir werde ich von der Empfangsdame begrüßt. Im Speisesaal mit Blick in den Innenhof dominieren helle, warme Farben. Die 16 runden Tische sind schlicht eingedeckt. Auf dem Tisch liegt weißes Porzellan, ein Weinglas und ein kleines Rosenbouquet. Kein überflüssiger Kitsch lenkt ab. Sehr elegant. Zur Einstimmung bestelle ich ein Glas Rosé Champagner aus dem Hause Jean-Louis Vergnon. Währenddessen studiere ich die Speise- und Weinkarte. Vorspeisen kosten zwischen 65 und 150 Euro, Hauptgänge zwischen 69 und 290 Euro, Nachspeisen zwischen 32 und 38 Euro.







Beim letzten Besuch hatte ich ein Mittagsmenü, heute wähle ich à-la-carte. Ich bestelle zwei Vorspeisen, zwei Hauptgänge, Käse und zwei Nachspeisen.

Amuse Bouche
Kougelhopf with lard di colonata, preserved tomatoes, black olives, comté cheese, chorizo.

Eggplant caviar perfurmed with sesame oil and anchovies, tomatoes and red pepper coulis.

Foie grad and eel fish with betroth foam.

Fresh nuts stuffed with Porto and a foam of goat cheese with pistachio, fresh nuts and hazelnut.


Artichoke from Provence
roasted with olive oil and white truffle from Alba, egg powder and artichoke crisps with hazelnuts

Stuffed Macaroni
with black truffle, artichoke and duck foie gras, gratinated with mature parmesan cheese


Blue Lobster 
roasted in its shell, sauteed Southern vegetables with olive oil, squids, chorizo, anchovies, sweet peppers and basil

Duck from Challans
roasted with figs, spicy honey and crushed favours, puréed onions with verbana, souffléed potatoes

Our Cheeses

Pre Dessert
pineapple in Caprinhia jelly, coconut sorbet


Lemon from Menton 
frosted with limoncello, with pear and preserved lemon

”Thyme-Lemon” Honey
iced, crispy, and runny honeycomb, refreshed pears with lime





Sterne-Restaurants lassen sich das Brot von ausgesuchten Bäckereien liefern. Nicht so im Epicure. Hier wird das Brot noch selbst zwei Mal täglich gebacken. Acht verschiedene Brotsorten liegen im Brotkorb, dazu gibt es in perfekter Konsistenz gesalzene und ungesalzene Butter aus der Normandie. Kein Frage, der Brotkorb (10/10) im Epicure ist immer noch der Beste.




Vor den Vorspeisen werden zwei Amuse Bouches serviert. Beides sind köstliche Appetitanreger und das Speck-Zwiebel-Brötchen ebenfalls (10/10). Als Weinbegleitung gibt es einen 2011er Gevrey-Chambertin von Bruno Clair.












Der erste Gang ist eine halbe Portion „Artichaut de Provence” (75 €). Das Artischockenherz wird in zerriebene Sardellen geröstet, die Artischockenblätter sind mit Walnussöl und gerösteten Haselnüssen belegt, dazu noch Artischocken-Chips und weißer Trüffel aus Alba. Fantastische Produktküche (9,5/10).




Der zweite Gang ist „Macaronis Farcis” (98 €), Makkaroni, gefüllt mit Trüffeln, Artischocken und Entenleber, gratiniert mit altem Parmesan auf Trüffel-Geflügel-Jus und Sauce Suprême. Ein Signature-Gericht von Eric Frechon im Epicure, dass ich zum ersten Mal probiere. Himmlischer Duft von Trüffeln liegt über dem Teller und auf der Zunge spürt man eine unglaubliche Intensität von Aromen. Ein sensationelles Gericht (10/10).




Als Hauptgang gibt es „Homard Bleu” (120 €). Im Vergleich zum nordamerikanischen Hummer bietet der europäische Hummer aus der Bretagne, Norwegen oder Schweden eine höhere Qualität. Das Fleisch ist fester, hat feinere Fasern und der Geschmack ist intensiver. Übrigens, die Weibchen des blauen Hummers schmecken noch delikater als die Männchen. Mein Exemplar ist auf dem Punkt gegart. Es duftet himmlisch und schmeckt vorzüglich (10/10).




Es folgt eine halbe Portion Ente aus Challans (55 €). Der Geschmack ist zart und fein. Die Kartoffelbälle luftig und kross, die Soße himmlisch gut. Besser kann man Ente nicht zubereiten (10/10).




Der Käsewagen wird an dem Tisch geschoben. Das Epicure bezieht seinen französischen Weich- und Hartkäse von Bernard Antony und Marie-Anne Cantin. Eine kleine Auswahl an Ziegenkäse (32 €), dazu gibt es noch Feigen und Früchtebrot. Reife und Temperatur sind perfekt (10/10).






Es folgt das Pre-Dessert, Ananas in einem Caprinhia Gelee und Kokos Sorbet. Fruchtig und erfrischend (9,5/10).






Mein erstes Dessert ist Miel „Thym-Citron” (32 €). Ein Parfait von Honig und Zitronenthymian gefüllt mit Shortbread und Honigschaum, darüber marinierte Birnenwürfel. Die Sauce aus Honig, Ingwer und Zitrone bringt säuerliche Frische und etwas Schärfe ins Spiel. Diese grandiose Komposition stammt von Chef-Patissier Laurent Jeannin, der im Juli 2017 im Alter von nur 49 Jahren verstorben ist. Ein Dessert zum dahinschmelzen (10/10). Weltklasse!




Das zweite Dessert nennt sich „Citron de Menton” (34 €) Der Name nimmt Bezug auf Menton an der Côte d’Azur, wo alljährlich das weltberühmte Zitronenfest stattfindet. Die täuschend echt aussehende Zitrone ist mit einem Zitronen-Limoncello-Gelee überzogen. Innen befindet sich ein kühles Zitronensorbet mit Stückchen von kandierter Zitrone. Das Sorbet schmilzt auf der Zunge und setzt die feinsten Aromen frei. Die milde Säure und Textur passen wunderbar zusammen (9,5/10). Dazu gibt es noch zwei Löffel Tee.








Nach den beiden Desserts frage ich den Service, warum mir kein Käse kein Wein angeboten wurde. Dem Service ist meine Frage sichtlich peinlich. Als Entschuldigung gibt es das zweite Dessert umsonst.

Zum Schluss gibt es noch Friandises bzw. Naschereien. Im Angebot sind Marshmallows, Macarons und Schokolade. Ich mag eigentlich keine Marshmallows, aber diese haben mit der sonst klebrigen Süßware gar nichts zu tun. Die Marshmallows (9/10) überzeugen mit einer wunderbar luftigen Konsistenz und feinem Minzearoma. Das Highlight sind aber die Macarons. Ich habe schon viele Macarons in den letzten Tagen ausprobiert, darunter sehr gute und weniger gute. Die Macarons mit Cassis, Karamell, Zitrone und Kokos sind herausragend. Kurz gesagt, die besten Macarons (10/10), die mir jemals untergekommen sind.






Hübsch angerichtete Teller können viele Sterne-Köche auftischen – höchste Produktqualität mit künstlerischem Handwerk verbinden, können aber nur wenige. Küchenchef Eric Frechon ist einer von ihnen. Seine Produktküche auf wenige Zutaten reduziert, spricht für sich. Noch ein paar Worte zum Service. Immer für einen lockeren Spruch gut und ohne Anzeichen von Hochnäsigkeit, ist das Servicepersonal sehr aufmerksam und zuvorkommend. Man wird auch nicht schief angesehen, wenn man ein Foto vom Brotkorb machen möchte. Das Epicure widerlegt das Klischee, dass es in Sterne-Restaurants mitunter steif zugeht. Unaufdringliche Eleganz, herausragende Kulinarik und (fast) makelloser Service summieren sich zu einem Gesamtkunstwerk.




Speisen: 10
Service: 9,5
Ambiente: 9

Mit dem Taxi geht es zurück ins Hotel. Morgen steht ein volles Programm an.




to be continued