4 Wochen Südstaaten mit Swamps, Plantagen und Musik im Frühjahr 2018

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*partybombe

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3 $ sind doch nichts, wenn man die Unterkunftspreise sieht

Ja, hier im BB King Blues Club war der Eintritt tatsächlich günstig, das war nicht immer so.

Aber mal ehrlich - findest du 88 Euro pro Nacht viel Geld für eine Wohnung über den Dächern von Memphis ?

Nein, die 88 € überhaupt nicht! Aber die 600€ pro Nacht in Nashville!

*vanbasten

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Donnerstag, 01.03.2018

Heute Nacht haben wir nicht ganz so gut geschlafen, weil die Matratze etwas klein und unbequem war. Gefrühstückt haben wir in unserer Condo damit wir rechtzeitig nach Graceland abfahren konnten. Darauf habe ich mich mit am meisten gefreut und nach längerer Recherche im Netz habe ich für uns VIP-Tickets besorgt. Kurz vor 10 Uhr waren wir am VIP Schalter zur Anmeldung für die Tour.





Dort wurden wir empfangen von einer freundlichen Mitarbeiterin und ausgestattet mit einem VIP Ausweis und einem iPad mit deutschem Audio Guide. Danach haben wir uns nett unterhalten mit einem freundlichen Angestellten am Shuttlestand und wurden pünktlich in einen VIP Shuttle gesetzt, der uns vom Entertainment Center quer über den Elvis Presley Boulevard hinauf zu Graceland Mansion fuhr. Wir wurden aber nicht direkt vor das Haupthaus gefahren, sondern zu einem Hintereingang, wo wir ganz alleine in einen Vorführraum gesetzt wurden und wir einen Einführungsfilm über Elvis und Graceland im speziellen sahen. Danach wurden wir vor die Eingangstüre gebracht wo wir unsere Tour in Elvis Wohnhaus ganz alleine begannen. Direkt hinter der Eingangstüre standen wir schon direkt im Wohn- und Esszimmer. Rechts lag das Wohnzimmer mit einer langen, weissen Couch und dahinter das Musikzimmer mit einem weissen Flügel.








Wohnzimmer


Wohnzimmer



Links war das Esszimmer. Geradeaus ging die Treppe nach oben zu den Privaträumen mit Schlafzimmer und Badezimmer, wo der King starb. Das Obergeschoss war aber nicht zugänglich. Neben der Treppe ging es zum Schlafzimmer von seinen Eltern, wo noch die originalen Kleider seiner Mutter im Kleiderschrank zu sehen waren. Das kleine Badezimmer war mit einer Tapete mit kleinen Pudel bedruckt, die Elvis Mutter Gladys selbst mitentworfen hatte.


Hallway


Hallway


Esszimmer


Eltern Schlafzimmer


Eltern Badezimmer

Neben dem Esszimmer gelangte man durch eine Türe in die Küche, die immer der Mittelpunkt des Lebens im Haus war.


Küche

Gleich dahinter ging es über eine steile, rechts und links verspiegelte Treppe nach unten in das Fernsehzimmer mit einer Hausbar. Elvis hatte gleich drei Fernseher (alles für damalige Verhältnisse auf den neuesten Stand der Technik) damit er alle drei Nachrichtensender parallel schauen konnte. Das hatte er sich anscheinend bei Präsidenten Richard Nixon abgeschaut.


Fernsehzimmer


Bar


Spielezimmer

Gegenüber vom Fernsehzimmer war das Spielezimmer mit einem grossen Billardtisch in der Raummitte und durch eine weitere Türe rechts gelangte man in den berühmten Jungle Room, wo Elvis der guten Akustik wegen 1976 eine ganze Langspielplatte aufnahm. Der Raum war eingerichtet mit jeder Menge Accessoires (inklusive einem kleinen Wasserfall), die er von überall her zugekauft hatte.


Jungle Room


Jungle Room

Auffallend war, dass das Haus relativ verschachtelt war, immer wieder gab es Türen und Treppen und die Räume waren eher klein geraten. Überhaupt gab es in fast jedem Zimmer Spiegel an der Wand damit diese wohl grösser erschienen. Insgesamt kam mir das Haus eher klein und bescheiden vor (was die Grösse betrifft) für einen Superstar dieser Zeit, mit heutigen Verhältnissen sicher nicht zu vergleichen. Danach ging es nach draussen hinter das Haupthaus, vorbei am ehemaligen Parkplatz für seine Autosammlung, die später im Entertainment Komplex zu besichtigen waren. Hinter dem Parkplatz stand ein Nebenhaus, in dem ein Büro eingerichtet war, das sein Vater führte. Aus diesem Büro wurde übrigens 1960 das erste Interview nach seiner Rückkehr aus dem Wehrdienst in Deutschland übertragen.




Büro

Von dem Bereich hinter dem Haupthaus hatte man auch einen schönen Überblick über das grosse Grundstück mit Pferden und einer grossen Scheune.


Grundstück


Grundstück


Rückansicht von Graceland

In einem weiteren Nebengebäude war eine Ausstellung mit vielen persönlichen Stücken der gesamten Familie Presley und Smith (Mädchenname seiner Mutter) untergebracht, wie Verträge, Führerscheine, Geschenke oder Urkunden. Von dort gelangte man über einen kleinen Swimmingpool weiter in das Racketball-Haus, wo auch Spielautomaten und ein Klavier standen, an dem er am Nachmittag vor seinem Tod noch zwei Lieder spielte.


Trophy House


Elvis‘ Geburtsurkunde




Racketball-Haus


Racketball-Platz


Pool

Als letztes kamen wir in den Meditationsgarten mit den Gräbern von Elvis, seinen Eltern und seiner Grossmutter, die übrigens die anderen drei überlebte. Nun konnte man noch ein paar Fotos vom Haus machen bevor wir (wieder alleine) mit dem für uns bereit gestellten Shuttle zurück zum Hauptkomplex gebracht wurden.







Der Vorteil von diesem VIP-Ticket war, dass wir ohne weitere Besucher ins Haus gelassen wurden und so den ersten Teil alleine und in Ruhe besichtigen konnten. Erst mit der Zeit kamen weitere Besucher dazu oder wir holten die Vor-Besucher ein. Insgesamt war aber nicht zu viel Betrieb, so dass wir alles in Ruhe anschauen konnten.
Im Entertainment Komplex konnten wir einen Teil seiner vielen Autos besichtigen, darunter den berühmten rosafarbenen 1955er Cadillac, den er seiner Mutter schenkte. Alleine in diesen Räumen haben wir uns über eine Stunde aufgehalten bis wir alles durch hatten. Interessant waren hier für mich vor allem Stücke aus seiner Anfangszeit ab 1953 und die Anzüge aus der 68er Session und den Konzerten in der Zeit danach. Am Ende des Komplexes gab es noch eine Sonderausstellung mit Sam Philips vom SUN Studio zu sehen. Bevor wir wieder zum Parkplatz zurück kehrten besichtigten wir noch die zwei Flugzeuge von Elvis, die auf einem Aussengelände stehen. Die Besichtigung von Graceland war für mich ein echtes Highlight, ehrlich gesagt noch besser wie erwartet.


Elvis‘ Pink Cadillac




Elvis kauft einen Papierkorb


Besuch in Paris


Elvis‘ erster Vertrag mit seinem Manager, abgeschlossen im Peabody Hotel Memphis


Anzug aus 68er Bühnencomeback






Privatjet



Diese Sonderausstellung über das SUN Studio in Graceland war nur der Vorgeschmack, denn wir wollen uns das Studio, wo in den 50ern Elvis und weitere Künstler wie Johnny Cash, Jerry Lee Lewis, Roy Orbison, B.B. King oder Carl Perkins entdeckt wurden, natürlich im Original ansehen. Von Graceland fuhren wir also direkt zur Union Avenue für die Besichtigung vom SUN Studio (hiess früher Memphis Recording Service).





Der Eingang ist neben dem ursprünglichen Studio und heute ein kleines aber feines Cafe mit vielen Devotionalien an den Wänden. Die Führung startet dann im Obergeschoss wo ein kleines Museum untergebracht ist. Dort wird mit Musik-Untermalung aus der Zeit von 1952 bis in die 60er die Studiogeschichte erzählt. Ausgestellt ist auch die DJ-Station vom damals bekanntesten Radiosender WHBQ, von wo der populäre DJ Dewey Philips die erste Single von Elvis, die er hier aufgenommen hat, spielte was den Durchbruch für den damals völlig unbekannten 19 jährigen Elvis bedeutete.






DJ-Radio Station



Über eine steile Treppe geht es dann hinunter ins eigentliche Studio mit dem Vorzimmer, wo die Sekretärin vom Inhaber Sam Philips Elvis den Termin für die Probeaufnahmen besorgte. Der junge Guide hatte natürlich viel Interessantes über die Begebenheiten in diesem Studio zu erzählen, z.B. über den berühmten Gitarrenriff in Cash’s I walk the line, die Rattle and Hum Session von U2 oder die per Zufall mitgeschnittene Session vom Million Dollar Quartet im Dezember 1956 und spielte natürlich auch einige Songs an. Übrigens stand das Original Studio-Schlagzeug von U2 an diesem Tag im Studioraum, aber auch das Original-Piano, an dem Jerry Lee Lewis Great Balls of Fire und das Mikrofon mit dem schon Elvis 1953 aufnahm. Besonders gut fand ich, dass das Studio quasi noch ursprünglich in der Zeit von 1950 belassen wurde und somit das Feeling aus der Zeit der Geburt vom Rock & Roll gut rüberkam.


Anmeldung






Berühmtes Klavier mit Million Dollar Quartet


U2 Schlagzeug





Nach der Führung schauten wir uns noch die vielen Erinnerungsstück an den Wänden an und gingen zurück zum Auto, das wir hinter dem Studio geparkt hatten. Als wir noch beratschlagten wohin wir als nächstes fahren, kam ein älterer Herr zum Auto und sprach uns an, wir waren bestimmt im SUN Studio und ob wir Lust hätten kurz in sein Büro zu kommen. Es stellte sich heraus, dass er Inhaber einer Autowerkstatt neben dem SUN ist und er einige Fotografien von Elvis an der Wand hängen hat. Wir wollten nicht unfreundlich sein und gingen mit ihm mit. Die beiden Sachbearbeiterinnen am Schreibtisch begrüssten uns freundlich und es machte nicht den Eindruck, dass wir die ersten „Gäste“ hier sind. Aber das ist Amerika, sowas würde bei uns normalerweise nicht passieren.

Wir fuhren danach zurück nach Downtown, parkten das Auto wieder an der Strasse beim Exchange-Building und sind den kurzen Weg zum Peabody Hotel gelaufen.


Das Peabody Hotel



Ich glaube, es ist das älteste Hotel in Memphis, auf jeden Fall ist es ein beeindruckendes Gebäude. Ausserdem gibt hier eine Besonderheit, denn im Foyer steht ein Brunnen, in dem tagsüber mehrere Enten schwimmen, die eigentlich auf dem Dach des Hotels leben. In einer speziellen Zeremonie werden die Enten jeden Nachmittag um 17 Uhr verabschiedet. Wir haben die Show von der Balustrade über dem Foyer beobachtet und einige der Gäste sassen anscheinend schon seit 14 Uhr an ihren Tischen und Lounge-Sessel um möglichst gute Plätze zu haben. Kurz vor 17 Uhr erschien der Conférencier, der eine gestenreiche Einführung sprach und Punkt 5 Uhr wurden die Enten vom Brunnen über den roten Teppich zum Aufzug geleitet, der sie wieder nach oben aufs Dach brachte. Eine total witzige Show jedenfalls.


Die Enten verlassen den „Pool“

Nach der Entenshow beschlossen wir Arkansas einen kleinen Besuch abzustatten. Wir parkten das Auto in einem Industriegebiet und machten einen kleinen Spaziergang über die Mississippi-Eisenbahn-Harahan-Brücke nach Arkansas.







Zu Abend gegessen haben wir im ältesten noch existierenden Cafe-Restaurant, im Arcade, wohin wir heute mit dem Trolleybus für $1 pro Person hingefahren sind. Hier gingen in den 40er und 50er die grossen Musiker aus Memphis ein und aus, Bilder an der Wand bezeugen das.



Wow, ein grossartiger Tag geht (leider schon) zu Ende.

Unterkunft wie 28.02.

*partybombe

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Nicht nur schöne Bilder sondern auch interessante Geschichtsschreibung

*Simone_JJ

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Welchen Studio-Besuch fandest du besser? Wenn ich mich (als nicht sonderlich großer Musikfan) für eines entscheiden muss, welches empfiehlst du mir? Memphis oder Nashville?

*vanbasten

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Welchen Studio-Besuch fandest du besser? Wenn ich mich (als nicht sonderlich großer Musikfan) für eines entscheiden muss, welches empfiehlst du mir? Memphis oder Nashville?

Ui, das ist schwer zu sagen.
Ich persönlich fand das SUN Studio in Memphis einen Tick interessanter, weil älter, ursprünglicher und am geschichtsträchtigsten. Hier ist die Wiege des Rock and Roll. Dir als nicht sonderlich grosser Musikfan wird die Führung in dem verwinkelten Gebäude mit den interessanten Stories und original Devotionalien gefallen. Und die Musikeinspielungen machen die Führung noch lebendiger.

Das Studio B in Nashville ist etwas jünger bzw. merklich moderner und war schon mehr kommerziell ausgerichtet. Für Country-Fans ist dieses wahrscheinlich interessanter. Auch diese Führung war sehr lebendig durch die Musikeinspielungen und Lichteffekte. Nashville hat halt insgesamt eine grössere Studio-Landschaft mit seiner Musik Row und deutlich mehr Musikkneipen mit Live-Musik.

*Simone_JJ

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Ok  :dankeschoen:

*vanbasten

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Freitag, 02.03.2018

Nachdem Frühstück haben wir gepackt und den Schlüssel in der Lobby abgegeben. Der Kontakt und die Abwicklung für die Wohnung hat wieder sehr unproblematisch funktioniert. Aber auch hier war nicht alles perfekt, denn der Vormieter hatte seinen Müll unter der Spüle zurückgelassen und die Spülmaschinentubs waren leer. Nachdem wir das gemeldet hatten, hat uns der Vermieter aber gleich einige Tubs zur Abholung an der Rezeption hinterlegt. Alles in allem aber eine schöne Wohnung. 

Da wir heute keinen so langen Fahrweg hatten, fuhren zunächst durch die Stadt und schöne Wohnviertel in die Audubon Drive zum Haus, welches Elvis 1956 vom Geld aus seinem Erfolg mit Heartbreak Hotel für sich und seine Eltern kaufte, bevor er dann schon ein Jahr später Graceland erstand.





Danach hatten wir noch Lust zum Forest Hill Cemetery zu fahren und suchten nach dem Grab vom Bassisten Bill Black aus Elvis Anfangszeiten. Leider fanden wir das Grab nicht, der Friedhof war einfach zu gross und es gab auch keine Wegweiser oder so. Elvis war hier übrigens anfangs auch beigesetzt bis man versuchte sein Grab zu öffnen.



Dann machten wir uns auf den Weg nach Tupelo zum Geburtshaus von Elvis. Es handelt sich noch um das originale Haus (natürlich restauriert), jedoch wurde es örtlich verlegt und die Umgebung als Besuchszentrum mit Stationenweg umgestaltet, wodurch das Ursprüngliche leider verloren geht.







Auch wurde die kleine Kapelle, wo die Presleys regelmässig den Gottesdienst besuchten neben das Haus umgezogen. Für den Betrag von $18 kann man das Haus von innen und das Museum besichtigen, was wir aber nicht gemacht haben.


Plymouth-Modell mit so einem die Presleys nach Memphis auswanderten

Wir hielten uns nicht sehr lange hier auf, sondern fuhren noch ins Zentrum von Tupelo wo wir den kleinen Gedenkpark besuchten, wo früher das Gelände der Mississippi-Alabama Ausstellung war. Hier hat Elvis 1945 den fünften Preis bei einem Gesangswettbewerb mit dem bekannten Volkslied Old Shep gewonnen. Am 26. September 1956 kam er zurück und gab – bereits Superstar- auf der Messe zwei Shows, die sehr bekannt wurden. Das Gelände existiert heute nicht mehr aber eine Statue von Elvis, wie er von der Bühne Fans berührt, steht heute dort.





Auf dem weiteren Weg nach Clarksdale holten wir uns unterwegs noch einen Kaffee bei Starbucks. Dort angekommen machten wir zuerst einen kurzen Halt an der Kreuzung Devil’s Crossroad, wo sich der Country Star Robert Johnson einer Sage nach an den Teufel verkauft hat um noch besser Guitarre spielen zu können, was anscheinend auch klappte, denn er wurde Vorbild für viele bekannte Musiker nach seiner Zeit.



Nach dem Hotel-Checkin waren wir Essen im Ground Zero Blues Club. Der Laden sieht von aussen und ein bisschen auch innen so herunter gekommen aus, dass wir ohne Empfehlung bestimmt nicht hineingegangen wären. Aber das gehört sich so, denn der Laden scheint Kult zu sein. Weniger wegen der Tatsache, dass Morgan Freeman Miteigentümer ist, sondern vor allem wegen der Blues Livekonzerte, die hier regelmässig stattfinden.





Nach dem Essen, bevor das Konzert begann, wurde von jedem Gast $10 einkassiert. Dann fing eine dreiköpfige Combo pünktlich um 20 Uhr an mit Delta Blues, Mundharmonika inklusive. Alle drei waren ältere Herren und improvisierten viel herum, danach lieferten sie sich tolle Battles mit ihren Instrumenten. Die beste Szene für uns lieferte der (ungefähr 65-jährige) Sänger, der kurz vor einer Pause ein Solo mit seiner Mundharmonika spielte bis er auf die Knie fiel. Dann stand er auf, nahm seinen Gehstock und humpelte von der Bühne. Köstlich!



Unsere Route heute:




Unterkunft   Hampton Inn Clarksdale (MS)
Preis           $110 inkl. Frühstück
Bewertung   *** / grosses Zimmer mit King Bett, ebenso grosses Bad mit ebensolcher Dusche, gutes Wifi, Frühstücksauswahl etwas magerer wie in Birmingham



*vanbasten

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Samstag, 03.03.2018

Nach dem bekannt guten Frühstück im Hampton Inn fuhren wir nach Rosedale wo wir zum Great River Road State Park wollten in dem es einen Aussichtsturm gibt, von wo man einen schönen Blick auf den Mississippi hat. Kurz vor dem State Park Schild fanden wir aber eine total überflutete Zufahrtstrasse vor.



Somit ging es direkt nach Indianola wo das B.B. King Museum steht. Vor dem Museum standen mehrere Harleys, die „Buffalo Soldiers“ waren unterwegs. Im Museum waren wir aber komischerweise (und tollerweise) ganz alleine unterwegs. Nachdem wir den Eintritt bezahlt hatten, wurden wir zum Vorführraum gebracht wo ein gut gemachter Einführungsfilm gezeigt wurde, der uns den Blues-Musiker mit Ausschnitten aus seinen späteren Auftritten und Studioaufnahmen näherbrachte. Das Museum selbst zeigte zunächst seine Anfänge als Arbeiterjunge, der hier ganz in der Nähe von Indianola ohne Vater aufgewachsen ist. Als früh auch seine Mutter und danach seine Oma starben, lebte er sogar mehr als ein Jahr alleine in dem Elternhaus bis er bei Verwandten unterkam.



Natürlich war auch sein künstlerischer Lebensweg mit der Reise zur Bluesstadt Memphis und seinem Durchbruch dort in einem Radiosender Gegenstand. Zu unserer Überraschung befindet sich auch seine Grabstätte neben dem Museum.





Nach dem empfehlenswerten Museumsbesuch fuhren wir nach Greenville, wo wir hofften etwas vom nach wie vor existierenden Baumwoll-Business mitzubekommen, aber wir fanden die Gegend dort irgendwie nicht. Dafür konnten wir einen ersten Blick auf den Mississippi River werfen. Nach einem Kaffee bei McD ging es schliesslich weiter nach Vicksburg über wieder ewig lange, gerade Highways mit 55 Meilen erlaubter Höchstgeschwindigkeit, das zog sich wie Kaugummi. Das einzig Interessante waren Spritzflugzeuge, die immer wieder im Tiefflug die riesigen Felder spritzten.

In Vicksburg angekommen, fuhren wir einen Teil vom beschilderten Scenic Drive ab, bevor wir zu unserer heutigen Unterkunft fuhren, unserem ersten B&B in diesem Urlaub, das Corners Mansion Inn. Dort angekommen wurden wir gleich sehr freundlich von der Besitzerin Macy begrüsst. Unser Tisch zum Abendessen im ausgesuchten Restaurant mit Live Musik wurde auch gleich reserviert und wir konnten unser schönes Bibliothekszimmer beziehen.










Toilette rechts, Dusche links

Hier bei Macy wird Wert gelegt, dass pünktlich um 9 Uhr gemeinsam gefrühstückt wird („Candlelight“-Frühstück), da danach die obligatorische Hausführung stattfindet. Sind schon sehr gespannt.

Pünktlich um 19:30 Uhr waren wir im Beechwood Restaurant, wo Macy für uns einen Tisch reserviert hatte. Unsere Erwartungen wurden nicht ganz erfüllt, denn der Laden war etwas old fashioned ausgestattet aber das Essen war okay, hätten aber für diesen Preis Besseres erwartet. Ich hatte frittierte Jumbo Shrimps mit loaded potato (Kartoffel gefüllt mit Speck, Käse und sour cream) und einen Salat vorne weg. Nach dem Essen zogen wir um in den Nebenraum, wo heute am Samstagabend eine lokale Band spielte. Der Eintritt kostete $10 p.P. und dafür haben wir uns eigentlich eine gute Show versprochen. Leider fing die Band nicht wie angekündigt um 9 Uhr, sondern erst nach 10 Uhr an zu spielen und ausserdem war der Laden voll von Mädels und Damen, die es dann schafften die Band zu übertönen, jedenfalls schien keiner zuzuhören. Irgendwann wurden Aschenbecher verteilt und die Leute fingen an zu rauchen. War mir nicht bewusst, dass das in Amerika erlaubt ist. Für uns war das jedenfalls das Zeichen zum Aufbruch: zu laut und zu rauchig.

Unsere Route heute:


Unterkunft   Corners Mansion Inn B&B in Vicksburg (MS)
Preis           $159 inkl. Frühstück
Bewertung   **** / Haus von 1873, unser Zimmer war der Library Room, kleines Bad und Dusche separat, gutes Wifi, gutes selbst gemachtes Candlelight Frühstück, persönliche Haus-Führung inklusive

*Simone_JJ

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Sehr sehr schöner Bericht. :D

Indianola und Clarksdale sind von „vielleicht“ auf „nehmen wir mit“ gerutscht. Dankeschön. Das B&B gefällt mir auch, bisher ist das Bazsinsky House gebucht, gucke ich mir aber noch mal an.

*vanbasten

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Oh, vielen Dank  :D :D

Das Bazsinski House B&B war ursprünglich auch unsere erste Wahl für Vicksburg und zudem noch günstiger. Aber der Library Room hat dann doch den Ausschlag für das Corners Mansion Inn B&B gegeben. Wir haben es jedenfalls nicht bereut.

*vanbasten

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Sonntag, 04.03.2018

Wie angekündigt wurden wir Punkt 9 Uhr zum Frühstück gerufen. Wir waren die einzigen Gäste und Macy hat mit uns gefrühstückt. Sie war sehr interessiert von wo wir kommen, hat den Ort bei Google Maps auf ihrem Smartphone gesucht und wollte genau wissen wie das Leben in Deutschland ist. So verging die Zeit wie im Fluge. Danach begann die obligatorische Hausführung, sie erklärte wann und wie die Restaurierung von statten ging und die Geschichte der Vor-Besitzer. Sie hatte alles sehr gut recherchiert, viele Unterlagen und alte Zeitungsausschnitte gesammelt und es war sehr interessant. Schließlich war es bereits nach 11 Uhr bis wir starteten.

Als erstes fuhren wir an den Mississippi runter wo wir uns die Murals (Wandmalereien) vom Leben am Mississippi anschauten. Ich weiss nicht mehr warum, aber davon haben wir keine Fotos gemacht. Dann wollten wir noch ins Visitor Center vom Schlachtfeld, aber schon die Einfahrt in den Park kostete $15, das haben wir uns gespart.

Stattdessen fuhren wir gleich weiter zum Grand Gulf Military State Park bei Port Gibson wohin es über eine schöne Strecke entlang ging, aber erneut standen wir vor einer überschwemmte Strasse. Der Mississippi scheint momentan generell einen sehr hohen Wasserstand zu haben. Hier stehen noch die alten, teils verfallenen Holzhäuser einer lange verlassenen Stadt, die heute längst von Pflanzen überwachsen sind.





Wir fuhren zurück durch Port Gibson entlang der Hauptstrasse mit auffällig vielen Kirchen und wählten dann die schönere Strecke über den Natchez Trace Parkway. Den nächsten Stopp machten wir an einem Farmhaus (Mount Locust), das am ehemaligen Trace liegt, wo vor über 200 Jahren die Händler vom Markt in New Orleans auf ihrem Weg zurück in ihre Heimat vorbeigekommen sind. Nach New Orleans kamen die Händler auf ihren Schiffen flussabwärts auf dem Mississippi und verkauften ihre Ware dort auf den Märkten. Ihre Boote verkauften sie dort als Brennholz. Hier im Farmhaus konnten sie sich ausruhen und versorgen. Das Haus kann man kostenlos besichtigen und ist noch so eingerichtet wie damals.












Gravesite der Betreiberfamilie

Nicht weit entfernt befindet sich noch ein Indianer Erdhügel (Emerald Mound), der den Indianer als religiöse Stätte diente und wo wir auch einen kurzen Stopp einlegten.



Bis Natchez war es dann nicht mehr weit. Wir fuhren zu unserem nächsten B&B, in einer schönen Wohnstrasse gelegen, wo wir wieder sehr nett durch die Inhaberin Christine begrüsst wurden. Nachdem wir unser sehr schönes Zimmer im Erdgeschoss bezogen hatten, setzten wir uns auf die Veranda vor dem Haus und liessen uns bei schönem Wetter und 23°C einen frischen Kaffee schmecken mit selbst gemachten Cookies. Das ist das tolle in diesen B&B’s, dass man sich meistens mit sämtlichen Getränken, Cookies oder Granola Bars kostenlos bedienen kann.

Für das Abendessen hatten wir uns das Magnolia Grill in der Silver Street direkt am Mississippi River ausgesucht, wohin wir zu Fuss gingen. Dort ging über dem Fluss total romantisch die Sonne unter. Das Essen war gut, ich hatte einen Burger mit Chicken und Bacon und gutem Brötchen.








Unsere Route heute:



Unterkunft   Bisland Mansion B&B, Natchez (MS)
Preis           $323 für zwei Übernachtungen inkl. Frühstück
Bewertung   **** / zentral gelegen, Haus in sehr gutem Zustand und sehr gepflegt, Danielle‘s Room: grosses Zimmer und Bad, gutes Wifi, exzellentes selbst gemachtes Frühstück











*partybombe

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Es geht interessant weiter  :dankeschoen:

*vanbasten

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Es geht interessant weiter  :dankeschoen:

Vielen Dank auch  :D Ich hoffe, es bleibt so

*vanbasten

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Montag, 05.03.2018

Nachdem wir gestern das schöne Esszimmer gesehen hatten, freuten wir uns schon auf das Frühstück heute früh. Es gab auch hier wieder eine feste Frühstückszeit und ausser uns waren noch zwei amerikanische Rentnerpaare am Tisch. Christine hatte alles selbst gemacht und es war sehr lecker. Es gab Brötchen, Bacon, Waffel mit Erdbeer/Banane, Gelee, Orangensaft. Wir unterhielten uns nett und besonders Christine hat uns sehr routiniert unterhalten, wie eine perfekte Gastgeberin eben.



Nach dem Frühstück brachen wir beide auf zu Fuss zuerst zum Visitor Center und dann machten wir die Walking Tour durch das historische Städtchen, vorbei an vielen, sehr vielen prächtigen Herrenhäusern. Natchez ist kleiner als Charleston in South Carolina, kann aber mithalten was den einzigartigen Charme einer gut erhaltenen Südstaatenstadt betrifft.








Magnolia Hall

Besonders gut hat uns von aussen das Magnolia Hall gefallen und auch das Dunleith, das wir dann auch innen besichtigten.





Im Dunleith kann (leider) nur das Erdgeschoss besichtigt werden, im Obergeschoss sind Privaträume, denn es befindet sich noch in Privatbesitz. Es wird auch als Restaurant und Nobelherberge betrieben. Unser Guide war ein älterer Herr (wir waren die einzigen Gäste), der sehr interessant erzählte, besonders die Geschichte der Motivtapete im Esszimmer, die im Elsass in Rixheim hergestellt wurde. Die Tapete wurde gedruckt und die Druckvorlagen aus Holz, sowie ein zweiter Tapetensatz mussten im ersten Weltkrieg vor den Deutschen versteckt werden. Nach dem Einmarsch der Deutschen in Rixheim fanden diese die Druckvorlagen doch und verheizten sie im Winter im Kamin. Die gedruckten Tapeten aber wurden erst nach dem zweiten Weltkrieg durch Zufall in einem Stollen versteckt gefunden und später dann in Dunleith tapeziert. Sie zeigt alle Klimazonen der Erde. Als wir erzählten, dass wir ganz in der Nähe von Rixheim zuhause sind, war er natürlich total in seinem Element.


Klimazonen-Tapete

Nach dem Dunleith liefen wir zurück zum B&B und haben uns dort wieder einen Kaffee genehmigt mit einem leckeren Cookie, bevor wir mit dem Auto zum Museum der Natives Natchez Indianer aufbrachen. Im Museum wurde uns erst ein Film über das Volk und deren Aufenthalt in dieser Gegend vorgeführt. Später haben wir uns noch das Gelände angesehen, das reproduzierte Indianerhaus war leider kaputt und soll bald wiederhergerichtet werden, schade. Wir interessieren uns total für die Indianervölker und ihre unterschiedlichen Lebensweisen und Religionen.




Indianerhügel der Natchez

Anschliessend beschlossen wir, uns (auf Empfehlung der Frühstücksgäste heute früh) noch das Herrenhaus Longwood in der Nähe anzusehen. Man erreicht das Haus über eine wunderschöne Anfahrt durch ein parkartiges Gelände. Auf einem Hügel steht die interessante 8-eckige, aus Backsteinen gebaute Villa. Wir wussten zwar bereits, dass sie nie ganz fertiggestellt wurde, aber was wir im Rahmen der Führung innen sahen war – nichts! Innen war alles im Rohbau. Als der Rohbau fertig war, begann nämlich gerade der amerikanische Bürgerkrieg. Der Hausherr wurde in den Krieg eingezogen und fiel zwei Jahre später. Nach dem Krieg war die Familie arm und der Bau konnte nie mehr weiter gebaut werden. Architektonisch ist die Villa bis heute einzigartig.











Zum Abendessen sind wir abends zu Applebee’s. Das Essen war soweit okay, nur hatten wir eine junge Kellnerin, die wohl erst frisch angefangen hatte. Sie war etwas durch den Wind, hatte mir zwischendurch das falsche Essen gebracht und musste es zurück gehen lassen und das Bezahlen war auch eine grosse Herausforderung für sie. Als wir zum Parkplatz kamen, hatte gerade ein starkes Gewitter begonnen und es regnete die ganze Nacht.

Unterkunft wie 04.03.

*partybombe

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Ein superschönes Esszimmer bei Christine