Call of the wild - Yukon und Alaska

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*finge42

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Call of the wild - Yukon und Alaska
« am: 31.12.2018, 15:43 Uhr »
Domine, quo vadis? – Johannes 13, 36

Wie um Himmels willen kommt man nur auf die Idee, seinen Sommerurlaub in Alaska und im Yukon zu verbringen? Diese Frage stellte sich uns schon seit Jahren und besonders nach dem letzten Urlaub, den wir im Südwesten und Nordwesten der USA verbrachten. Das Wetter kann in Alaska schon mal aus dem Ruder laufen, die Temperaturspanne kann gewaltig sein. Und was ist mit der Einsamkeit und den wilden Tieren, vor allem den Mücken? Dies waren die vielen Argumente dagegen. Gute Gründe also, etwas nicht zu tun, was man nicht will. Wenn da nicht trotzdem bei allen Beteiligten diese Neugier gewesen wäre…

Alaska und Yukon, allein die Worte wecken bei jedem, der irgendwie mit Jack Londons Werken aufgewachsen ist, eine gewisse Abenteuerlust und den Wunsch, einmal dort hinzufahren. Frank jedenfalls hatte schon lange den Traum, sich dort irgendwann mal umzuschauen. Also stellten wir uns weitere Fragen: Wie ist es eigentlich, in einem so dünn besiedelten Land umherzureisen, wenn einem kaum jemand außerhalb der „großen“ Städte entgegen kommt, fast niemand durchreisen muss und nur wenige Menschen außerhalb der Ortschaften wohnen. Heute ist eine Rundreise dort viel leichter zu planen und durchzuführen als vor 20 Jahren.

Und siehe da, die Reiseleiterin, die gleichzeitig auch den weiblichen Teil der Zweierreisegruppe repräsentiert, wurde dadurch weichgekocht, dass der Spätsommer mit geringster Mückenwahrscheinlichkeit als Reisezeit ausgewählt wurde. Die anschließenden Detailplanungen unterschieden sich allerdings erheblich von den bisherigen Planungen der Urlaube im Südwesten der USA. Zunächst wurde aufgrund der besonderen politischen Lage im Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten der Startpunkt Whitehorse im Yukon gewählt. Zur Not hätten wir also auch in Kanada bleiben können. Passenderweise wird Whitehorse einmal wöchentlich von Condor ab Frankfurt direkt angeflogen – also nur 9 Stunden Flugzeit. Wir hatten uns für eine Tour mit einem 4x4 SUV und vorgebuchten Hotels entschieden. Das Auto wurde über DER Tour gebucht, der Partner vor Ort war Driving Force. Ein anderer Anbieter kam eigentlich nicht in Betracht, da die üblichen Mietwagenanbieter (Alamo, National pp.) das Befahren vieler Straßen im Yukon und in Alaska ausschließen. Driving Force erlaubt auch das Befahren von Gravel Roads. Wenn man den Dempster Highway fahren möchte, muss man das vorher anmelden und bestätigen lassen. Bei uns war das problemlos möglich. Go North wäre als Mietwagenbieter wohl auch in Betracht gekommen, erschien uns aber im Vergleich zu Driving Force als zu teuer. Bei der weiteren Streckenplanung war „The bible of the North Country travel! - The Milepost“ besonders hilfreich, durch die sich Inge an langen Nachmittagen und Abenden las. Sie hat dabei sehr viel gelernt über die Fischvorkommen in den Seen und Flüssen Alaskas und des Yukons sowie wann und wie man welchen Fisch am besten fängt bzw. fangen darf. Außerdem sind in der Milepost tatsächlich viele (wenn nicht alle) wichtigen und unwichtigen Sehenswürdigkeiten und sonstige Unwürdigkeiten mit einem Meilenstein (genaue Meilenangabe) verzeichnet. Die Route konnte damit wirklich gut festgelegt werden. Der einfachste Teil waren die zu befahrenden Highways, die oft- in Ermangelung weiterer größerer Straßen gewählt werden mussten. Weitere Details wurden dreifarbig markiert, nach wichtig, weniger wichtig und Toiletten! Die Notwendigkeit, Letzteres zu wissen, sollte in der Einsamkeit nicht unterschätzt werden.

Nach Monaten der Vorbereitung stand dem Urlaub mit folgender Streckenführung nun nichts mehr im Weg:
12.08.: Ankunft in Whitehorse, Yukon
13.08.: Whitehorse und Umgebung
14.08.: Fahrt nach Haines Junction
15.08.: Haines Junction und Kluane National Park
16.08.: Fahrt nach Tok, Alaska (Grenzübertritt)
17.08.: Fahrt nach Glenallen (Nelchina) über Wrangell St. Elias National Park
18.08.: Fahrt nach Anchorage über Matanuska Glacier
19.08.: Anchorage
20.08.: Fahrt nach Homer (Kenai Halbinsel – westlicher Teil)
21.08.: Homer
22.08.: Fahrt nach Seward (Kenai Halbinsel – östlicher Teil)
23.08.: Seward und Kenai Fjords National Park
24.08.: Fahrt nach Palmer über Whittier (mit Schiffstour)
25.08.: Fahrt zum Denali National Park über Hatcher Pass Road
26.08.: Denali National Park (Healy)
27.08.: Denali National Park und Fahrt nach Fairbanks
28.08.: Fairbanks und Fahrt zum Dalton Highway
29.08.: Fahrt nach Tok über North Pole
30.08.: Fahrt nach Dawson City, Yukon über Top of the World Highway
31.08.: Dawson City und Dempster Highway bis Tombstone Territorial Park
01.09.: Fahrt nach Whitehorse über Carmacks
02.09.: Rückflug

Beim Packen fanden neben der üblichen Funktionskleidung, Jeans und T-Shirts auch Warnwesten und ein Warnblinklicht den Weg in den Koffer. Man will ja gut vorbereitet sein! Wir haben beides zum Glück nicht gebraucht – hätte aber durchaus passieren können.

Und jetzt geht es los: Es erwarten Euch viel Natur, ein paar Fotos und hoffentlich auch ein paar Anregungen.
In unserem 4x4 ist genug Platz vorhanden, wer fährt mit?
Wir freuen uns auf Euch und Eure Fragen und Anmerkungen - nur keine Scheu.


*NähkreisSteffi

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #1 am: 31.12.2018, 17:38 Uhr »
Hört sich spannend an, ich bin gerne dabei!  :D :

Viele Grüße

Steffi

*Raigro

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #2 am: 31.12.2018, 19:38 Uhr »
Da ich im August/September 2017 in Alaska unterwegs war, lese ich doch mal interessiert mit.
Gruß aus München

Rainer

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*partybombe

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #3 am: 01.01.2019, 12:11 Uhr »

Ich bin dabei!

*U2LS

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #4 am: 01.01.2019, 13:53 Uhr »
Da Alaska der letzte State ist, der mir in meiner Sammlung noch fehlt, komme ich gerne mit.
Gruß
Lothar

I work bloody hard at work so that I can get home early

http://www.traumzielamiland.de/


*finge42

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska 2018
« Antwort #5 am: 01.01.2019, 17:27 Uhr »
Ein frohes neues Jahr wünschen wir allen aktiven und passiven Lesern unseres Berichtes und ebenfalls auch allen anderen. Die Mitfahrer mögen sich bitte anschnallen, denn es geht gleich los.

Wir freuen uns auf eure Fragen und Anmerkungen.

Inge und Frank

*finge42

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #6 am: 01.01.2019, 17:39 Uhr »
1. Tag: 12.08.2018

NRW – Frankfurt/Main – Whitehorse, Yukon

„Wir haben die Spieler ausgepresst wie Zitronen. Nach so einer Saison brauchen sie eine etwas längere Auszeit“ – Markus Gisdol

Die letzten Vorbereitungen sind erledigt, es wird Abschied genommen von den Lieben und schon geht es los. Eine ereignislose Fahrt zum Flughafen bringt uns nach Frankfurt, zum vorgebuchten Parkplatz. Aber, der Platz ist verschlossen, das Wartehäuschen nicht besetzt. Nach gefühlten 10 Minuten Wartezeit, wahrscheinlich waren es nur 2 Minuten, rufen wir die angegebene Nummer an und tatsächlich kommt kurze Zeit später der Shuttlebus. Das Tor wird geöffnet, wir parken und sind kurz danach am Terminal - geht doch!

Beim Gang durch die Halle sehen wir den ehemaligen Trainer des Hamburger SV, Markus Gisdol, am Condor-Business-Schalter und fragen uns, wohin er mit seiner Familie wohl fliegt? Bestimmt in die Wärme. Für uns geht es zu einem anderen Schalter, dort checken wir mit dem Fußvolk ein. Kurze Zeit später sehen wir Herrn Gisdol auch dort – so ein Zufall. Wir reisen aus und warten am angegebenen Gate. Da passiert irgendwie gar nichts. Tatsächlich versammelt sich eine größere Menschenmenge auf der schräg gegenüber liegenden Seite und dort sehen wir auch unseren Flug angeschlagen. Also die Rucksäcke auf und den Wartebereich wechseln. Dabei dreht sich Inge so schwungvoll, dass sie sich eine Zerrung in der rechten Wade zuzieht und nur noch humpelnd vorwärts kommt. Was soll`s, bis das erste Mal gewandert werden muss, ist ja noch etwas Zeit. Am richtigen Gate geht trotz dreißigminütiger Verspätung der Maschine alles sehr schnell: Wir steigen ins Flugzeug und wen treffen wir dort wieder – Familie Gisdol. Das hatten wir nicht erwartet. Außerdem stellen wir fest, dass wir unsere Fleecejacken im Wartebereich vergessen haben. Nicht sehr praktisch, wenn man nach Alaska will. Zum Glück lässt die nette Flugbegleiterin Frank nochmal nach draußen und er findet die Jacken sofort. Jetzt müssen die Sachen nur noch verstaut werden und wir heben ab.

Der Flug ist relativ ereignislos, erst als wir uns Grönland nähern, werden die Fotoapparate gezückt, weil die Sicht einfach großartig ist.
















Gegen 17:00 Uhr landen wir in Whitehorse. Obwohl nur zwei Personen die Einreise durchführen, geht es sehr schnell und wir werden sehr freundlich empfangen. Bei Driving Force müssen wir etwas warten, dann haben wir unseren 4x4, einen schwarzen GMC Terrain.





Wir checken kurz, ob alles drin ist – ja, auch der Reservereifen. Die gefühlten 500 m bis zum Hotel reichen kaum, um sich mit dem Auto vertraut zu machen. Das Einchecken im Hotel ist problemlos. Wir machen uns kurz frisch und erkunden dann nach einer weiteren kurzen Fahrt den örtlichen Walmart. Die Kühlbox finden wir sofort, das Essensangebot ist aber etwas dürftig, deshalb gehen wir noch in den „Save on Foods“-Laden nebenan. Dort gibt es alles, was wir wollen, auch ein gebratenes Hähnchen aus der Wärmetheke, Bier und Wasser. Das Abendessen im Hotel ist gesichert und wir fallen schon bald nach dem Essen in tiefe Bewusstlosigkeit.

Skky Hotel, 282 € für 2 Nächte
Geflogene Strecke 7267km

*Doreen & Andreas

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #7 am: 03.01.2019, 10:02 Uhr »
Der Anfang liest sich schon mal vielversprechend.
Ich suche mir mal noch ein freies Plätzchen auf der Rückbank... :lol:
Viele Grüße,
Andreas
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http://www.neef-online.de

*finge42

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #8 am: 03.01.2019, 18:05 Uhr »
2. Tag: 13.08.2018      

„Change oil soon!“ – Multifunktionsanzeige im GMC Terrain

Whitehorse – Carcross – Whitehorse

Wir wachen gegen 7:00 Uhr auf und fühlen uns gut. Also kurz auf dem Zimmer frühstücken, die Sachen ein wenig umpacken und dann los, um nochmals kurz einzukaufen und dann den Ort zu erkunden. Beim Canadian Tire gibt es – anders als im Walmart gestern – auch Bear Spray. Der freundliche Verkäufer erklärt uns den Unterschied zwischen der gelben und der roten Dose. Bei dem einen muss man warten, bis der Bär auf 5 Meter herangekommen ist, bevor man wirksam sprühen kann, das andere kann man schon sprühen, wenn der Bär noch etwa 8 Meter entfernt ist. Wir entscheiden uns für die teurere Variante, da keiner von uns glaubt, dass er warten will, bis ein Bär auf 5 Meter herangekommen ist. Nach dem Einkauf fahren wir durch den übersichtlichen Ort bis zum Visitor Center; ein Besuch dort steht bei uns auf jeder Sightseeing-Liste. Zum unserem Glück gibt es dort gerade eine Einführung in die Benutzung von Bear Spray. Die Rangerin empfiehlt auch dringend, das Spray unterwegs immer griffbereit zu haben - Angriffe von Bären seien zwar extrem selten, aber nicht auszuschließen. Anschließend besorgen wir noch Karten und Prospekte der Region und machen uns auf den Weg zum ersten Tagesziel: Carcross. Sobald wir Whitehorse verlassen haben, können wir erkennen, wie weitläufig die Gegend ist. Rundherum sieht man nur Berge, Wälder und ab und an den mighty Yukon River. Die Sonne scheint sogar ein bisschen und schon bald erreichen wir den South Klondike Highway, der uns nach Süden zum Emerald Lake führt.




Bald danach sind wir am Carcross Desert, der kleinsten Wüste der Welt (lt. The Milepost). Auch hier – wie am Emerald Lake – sind wir fast allein. Einmal kommen zwei Vans, die offensichtlich Kreuzfahrttouristen aus der etwa 100 km entfernten Küstenstadt Skagway bis zur Wüste fahren.




Weiter geht es nach Carcross, an der Küste des Bennett Lake und Nares Lake. Carcross ist übrigens eine Abkürzung des früheren Namens Caribou Crossing. Der Ort ist klein, aber ein bisschen kann man die Goldgräberstimmung noch spüren. Wir legen eine Essenspause ein, dann geht es weiter Richtung Süden, bis wir British Columbia erreichen.



















Leider können wir die kleine Insel Bove Island im Nares Lake nicht gut erkennen, denn es brennt auf der anderen Seeseite und Rauchschwaden ziehen über den See sowie die Straße und verdunkeln die Sonne.





Diese Aussicht gefällt uns nicht, deshalb fahren wir zurück nach Carcross und von dort über Tagish zum Alaska Highway. Ein weiterer Haltepunkt befindet sich am Ufer des riesigen Marsh Lake. Wenn es nicht so kalt und so windig wäre, könnte man fast glauben, man sei im Sommerurlaub.





Die letzte Station des heutigen Tages ist der Miles Canyon bei Whitehorse. Leider ist es schon relativ spät und die Sonne tief unten. Trotzdem kann man das hier charakteristische grüne Wasser des Yukon noch gut erkennen.











Als wir wieder ins Auto steigen, zeigt das Display zu unserer Verwunderung die Aufforderung: „Chance oil soon“. Nach ca. 150 km und einem Miettag???





Also fahren wir wieder zum Flughafen, dort ist die Mietstation aber verlassen. Es gibt nur ein Schild mit zwei Rufnummern und ein Telefon, das die besten Jahre schon hinter sich hat. Wir rufen Nummer eins an, es nimmt keiner ab. Also wählen wir Nummer zwei, tatsächlich meldet sich jemand. Man kann nur nichts verstehen, da das Telefon extrem leise eingestellt ist und im Hintergrund ein Pfeifton ertönt. Telefonnummern werden ausgetauscht und es geht zurück ins Hotel. Die Hoffnung, dass jemand dort zurückruft, erfüllt sich nicht. Vom Zimmer aus kann man die Rufnummer nicht anwählen, also runter zur Rezeption. Der Angestellte guckt gerade zu Übungszwecken deutsches Fernsehen und ist sehr freundlich. Wir können uns sogar auf Deutsch verständigen. Er wählt die Nummer an und es stellt sich heraus, dass dies die Hotline von GMC in Detroit ist. Das kann ja heiter werden. Wir beschließen, mit dem Auto am nächsten Tag nicht zum Flughafenbüro, sondern zum Büro von Driving Force in Whitehorse zu fahren, das nach Auskunft des Portiers tagsüber besetzt ist. Den Abend beenden wir im Restaurant neben dem Hotel, in dem es entgegen den Bewertungen bei Tripadvisor kein besonders gutes Essen gibt. Dafür lernen wir dort eine sehr nette Kellnerin kennen, die vor vielen Jahren aus Deutschland nach Kanada ausgewandert ist. Wieder im Zimmer sind wir wegen des Jetlags und des Biers aus der Yukon-Brewery zu müde, um uns noch länger aufzuregen. Morgen wird schon alles gut werden.

Skky Hotel
Gefahrene Kilometer: 182

*partybombe

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #9 am: 03.01.2019, 18:48 Uhr »
Die ersten Bilder sind schon mal vielversprechend

*finge42

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #10 am: 06.01.2019, 13:51 Uhr »
3. Tag: 13.08.2018      

„Change engine oil soon!“ – Multifunktionsanzeige im GMC Terrain

Whitehorse – Haines Junction

„Neuer Tag – neues Glück“ denken wir beim Aufwachen. Nach einem schnellen Frühstück auf dem Zimmer fahren wir zur Zentrale von Driving Force in Whitehorse. Es ist noch keine 9 Uhr, also ist die Tür noch verschlossen. Wir nutzen die Zwischenzeit und kaufen noch ein bisschen frisches Obst und Brot. Als wir zurückkommen, sind tatsächlich schon mehrere Angestellte vor Ort. Wir erklären unser Problem und die Lösung ist ganz einfach – man gibt uns eine anderen, viel neueren GMC Terrain, sogar mit Navi und Satellitenradio – das ist ja purer Luxus! Auch der Reservereifen ist an Bord und man versichert uns, der neue Wagen habe gerade erst einen Ölwechsel hinter sich.





Zufrieden geht es zurück ins Hotel, dort wird gepackt und schon fahren wir auf dem Alaska Highway Richtung Haines Junction. Nach kurzer Zeit biegen wir zu einem Zwischenstopp Richtung Fish Lake ab. Auf der Seitenstraße ist außer uns niemand unterwegs, nur ein Weißkopfseeadler flattert über uns hinweg.





Das Wetter ist ein wenig bedeckt, es fallen zunächst auch ein paar Tropfen Regen, aber mit jeder Minute klart es auf, bis wir die Sonne sehen. Der Fish Lake liegt friedlich in der Sonne.








Den in der „Milepost“ versprochenen Panoramablick finden wir leider nicht. Oder sollte es dieses Panorama sein?





Also geht es zurück zum Highway und ein ganzes Stück weiter bis zur Historic Canyon Creek Bridge direkt neben dem Highway. Hier hatte die „Milepost“ Recht, die Brücke sowie der Canyon sind wirklich fotogen.








Nach einigen weiteren Kilometern kann man in der Ferne erstmals die beeindruckende Bergkette der Kluane Mountains erkennen. Dort befindet sich das weltweit größte nonpolare Eisfeld. Wir halten mehrfach an, um Fotos zu machen. Das ist aber kein Problem, der Highway ist nämlich total leer.





Nach kurzer Fahrt erreichen wir den Pine Lake, offensichtlich ein beliebter Badesee.





Am Strand sind mehrere Familien, die mit kleinen Kindern in Badekleidung im Sand buddeln, während wir beim Picknick nicht mal unsere Jacken ausziehen. Wir sind wohl noch die deutsche Hitze gewohnt. :lol:

Als wir erneut den Motor anlassen, trauen wir unseren Augen kaum: Auf dem Display erscheint die freundliche Aufforderung „Change engine oil soon“!!! Das ist ja wohl ein schlechter Scherz, oder?  :shock:





Wir überlegen fieberhaft, was zu tun ist. Zurück nach Whitehorse oder weiter nach Haines Junction? Schließlich wollen wir nicht irgendwo im Nirgendwo liegenbleiben. Zurückfahren würde aber bedeuten, dass wir einen ganzen Reisetag verlieren und das bei den Entfernungen, die noch vor uns liegen. Also fällt die Entscheidung auf Risiko und wir fahren weiter bis zur neuen Unterkunft. Dort checken wir ein, verstauen unsere Sachen im recht großzügigen Appartement und rufen dann mal wieder bei Driving Force an. Die Dame am anderen Ende kann sich gar nicht erklären, wieso schon wieder ein Ölwechsel fällig sein soll. Sie versichert uns, dass das Auto einen Ölwechsel hatte und nur der Bordcomputer nicht zurückgesetzt wurde. Wir sollen die Anzeige einfach ignorieren. Okay, wir geben uns mit der Auskunft zufrieden und drücken die Anzeige bei jedem Anlassen des Motors einfach weg („dismiss“). Es hat tatsächlich problemlos in den ganzen drei Wochen geklappt und der Motor lief wie am Schnürchen.  :daumen:

Den Rest des Tages nutzen wir für einen Abstecher auf den Haines Highway, Richtung Kluane Nationalpark. Hier bekommen wir mehr und mehr einen Eindruck davon, warum es den Slogan „Yukon – larger than life“ gibt.





Am Quill Creek halten wir für einige Fotos an.





Lustige Schilder gibt es hier auch.





Am Kathleen Lake wollen wir eigentlich ein bisschen wandern, aber ein extrem heftiger Wind fegt von den Bergen über den See. Selbst Fotos von dem türkisblauen Wasser kann man nur windgeschützt durch ein Gebüsch machen.





Also geht es mit dem Auto weiter bis zu einem der vielen Aussichtspunkte über den Dezadeash Lake.





Langsam werden wir müde und hungrig. Also fahren wir zurück nach Haines Junction. Der Ort ist sehr überschaubar, das Essen im Mile 1016 Pub aber ziemlich lecker. Zum Abschluss sitzen wir noch auf der Terrasse mit Bergblick.





Beim Weg zurück ins Zimmer fällt unser Blick auf ein Fenster der Inhaber: Was ist denn das? Da steht tatsächlich eine Flasche Asbach Uralt!





Wir genehmigen uns lieber noch ein Yukon-Bier und sind dann total erledigt.

Parkside Inn, 205,- € für 2 Nächte
Gefahrene Kilometer: 335

*Ypsi

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #11 am: 06.01.2019, 19:46 Uhr »
Na wie cool, der Bericht kommt ja absolut passend für mich :-)
Ich freue mich auf mehr!

*Ypsi

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #12 am: 11.01.2019, 20:23 Uhr »
Wann geht's denn hier weiter?
Bin doch schon so gespannt!


*finge42

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #14 am: 12.01.2019, 15:06 Uhr »
4. Tag: 14.08.2018      

„Yukon – Larger than life“ – Slogan im Yukon Territory

Haines Junction – Kluane Nationalpark – Haines Junction

Scheinbar haben wir den Jetlag überwunden, denn wir können durchschlafen und fühlen uns erholt! Trotzdem sind wir noch relativ früh wach – das mach aber nichts, denn so können wir einen wunderschönen Sonnenaufgang über den Ausläufern des Kluane Nationalparks miterleben. Dieses schöne Bild direkt vor unserer Tür wird durch einige Oberleitungen getrübt, so dass Frank sich entschließt, einige Meter zu laufen. Dort wird er mit einen fast freien Blick auf die Berge im Morgenlicht belohnt.





Die nette Vermieterin hat uns viele leckere Dinge fürs Frühstück in den Kühlschrank gelegt, so dass ausgiebig gefrühstückt werden kann. Danach geht es gestärkt in das schöne Visitor Center vor Ort, um unsere Optionen zu checken und sich mal kurz ins Internet einzuloggen.
In einigen Privatunterkünften auf unserer Reise hatten wir weder W-LAN noch LAN. Dafür gab es in den Orten immer andere Möglichkeiten, kostenlos ins Netz zu gehen, z.B. in den Visitor Centern oder der jeweiligen Public Library. Auch hierzu hatte die „Milepost“ übrigens immer einen guten Hinweis parat.
Das Visitor Center bietet ein schönes Ambiente mit herrlichem Blick auf die Berge.





Wir interessieren uns neben dem W-LAN auch für die beeindruckende Darstellung des Kluane Eisfeldes.





Sollen wir vielleicht einen Besichtigungsflug übers Eisfeld wagen sollen? Der wäre nämlich vom Haines Junction Airport aus möglich. Also fahren wir den kurzen Weg zum Flugplatz, der allerdings noch kleiner ist, als der bei uns Zuhause. Das Büro für die Rundflüge ist verschlossen, doch es geht gerade eine kleine Gruppe über das Rollfeld zu einem einmotorigen Flieger. Wir sprechen den Piloten über den Zaun an: Leider sind schon alle Flüge für den Tag belegt. Das wird also nichts. Wir hätten vermutlich besser bereits von Deutschland aus gebucht, aber wer konnte schon wissen, dass das Wetter an diesem einen Tag so gut sein würde.

Also ändern wir den Plan und fahren über den Alaska Highway bis zum Beginn des riesigen Kluane Lakes. Auf dem Weg bieten sich rechts, links und geradeaus die schönsten Bilder urwüchsiger und unberührter Natur. Richtung Südwesten kommen hinter den Bergen nur noch das riesige Eisfeld, dann der Pazifik und irgendwann Hawaii. Yukon ist wirklich „larger than life“ und mit Worten nur schwer zu beschreiben.








Direkt vor dem Kluane Lake gibt es tatsächlich noch einen Flughafen, an dem Aussichtsflüge angeboten werden. Besonders schön ist hier das Verkehrszeichen.





Leider sind ebenfalls alle Flüge ausgebucht, aber wir können beobachten, wie eine Maschine abhebt und – jedenfalls aus unserer Sicht – ziemlich nah am Bergmassiv vorbei und dann über einen Gletscher in Richtung Eisfeld fliegt. Ob wir überhaupt genug Mut für den Flug gehabt hätten – wer weiß?
Wir bleiben lieber am Boden und beobachten vom nahegelegenen Tachal Dhal Visitor Center aus einige Dall Schafe hoch am Berg.







Dann entschließen wir uns, selbst ein bisschen zu wandern. Inge hatte vorab den Sheep Creek Trail ausgesucht. Auf diesem Trail soll man nicht erst am Ende eine gute Aussicht haben. Das sollte man in Kanada beachten, denn anders als in den Nationalparks der USA bieten selbst ausgewiesene Aussichtspunkte oft eine ziemlich zugewachsene Aussicht; vielleicht ist das ja ein volkstümlicher Brauch?  :wink:




Vom Trailhead aus geht es schon bald relativ steil bergan.





Aber wir sind wenigstens nicht ganz allein unterwegs, so dass wir nicht dauernd „Hey Bär, ho Bär“ rufen müssen. Das soll angeblich für Bären abschreckender sein, als Bärenglöckchen. Wahrscheinlich haben sich die Bären vor Lachen über uns auf dem Boden gekringelt. Nachdem wir den gefühlt tausendsten Fluch über den steilen Weg ausgestoßen haben, erreichen wir nach ca. 1 Stunde den ersten Aussichtspunkt. Hier stellen wir fest, dass sich jeder Meter gelohnt hat.











Wir machen eine ausgiebige Ausruh- und Fotopause und genießen die Landschaft. Der Blick geht über das riesige Delta des Slim`s River bis zum Kaskawulch Glacier und die umliegenden Berge.








Irgendwann reißen wir uns los und gehen zurück zum Auto. Unterwegs können wir tatsächlich Bärenspuren am Wegesrand entdecken. Einen Bären oder andere Tiere – außer Raben – sehen wir nicht. Aber warum sollten die in dieser riesigen Landschaft auch über den einzigen kleinen Weg laufen?

Auf dem Rückweg zur Unterkunft nehmen wir uns Zeit, den ruhig in der Sonne liegenden Kluane Lake zu fotografieren.








Unterwegs sehen wir außerdem zwei bemerkenswerte Autokennzeichen.








Nahe Haines Junction liegen die Berge wunderbar in der Sonne.





Wieder in der Unterkunft schlagen wir uns den Staub aus den Klamotten und gehen wie am Vortrag im 1016 Pub essen. Den Tag beschließen wir am Dezadeash River und mit einem Bier im Zimmer.





Bis jetzt hat es uns im Yukon sehr gut gefallen.


Parkside Inn
Gefahrene Kilometer: 169

*Ypsi

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #15 am: 12.01.2019, 16:02 Uhr »
Ihr habt immer so ein Glück mit dem Wetter!
Hammer Bilder!
So kann es bitte weiter gehen ;-)

*wanderratte

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #16 am: 12.01.2019, 18:35 Uhr »
Vielen Dank für den Bericht und die Bilder!!! Allerdings sollte der Kluane in diesem Forum am besten total verschwiegen werden. :)

Die Aussicht sieht echt toll aus, haben wir leider verpasst!

Slims West war der Höhepunkt unseres Urlaubs, allerdings haben wir uns unterwegs schon ab den ersten paar km in den Mile1016 Pub geträumt :)

*finge42

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #17 am: 13.01.2019, 11:04 Uhr »
Ihr habt immer so ein Glück mit dem Wetter!
Hammer Bilder!
So kann es bitte weiter gehen ;-)

Das schlechte Wetter kommt noch....

*finge42

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*finge42

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #19 am: 14.01.2019, 20:38 Uhr »
5. Tag: 15.08.2018      

„Dunkler Tannenwald dräute finster zu beiden Seiten des Wasserlaufs. Der Wind hatte kürzlich die weiße Schneedecke von den Bäumen gestreift, sodass sie aussahen, als drängten sie sich unheimlich finster in dem schwindenden Tageslicht aneinander. Tiefes Schweigen lag über dem Lande, das eine Wildnis war, ohne Leben, ohne Bewegung, so einsam, so kalt, dass die Stimmung darin nicht einmal traurig zu sein schien. Vielmehr lag ein Lachen darüber, ein Lachen schrecklicher als jede Traurigkeit, freudlos wie das Lächeln der Sphinx, kalt wie der Frost und grimmig wie die Notwendigkeit. Die unerbittliche, unerforschliche Weisheit des Lebens und seiner Anstrengungen. Es war die echte Wildnis, die ungezähmte, kaltherzige Wildnis des Nordens“
– aus „The Call Of The Wild“,  Jack London

Haines Junction, Yukon – Tok, Alaska

Am frühen Morgen versucht Frank nochmals sein Foto-Glück am Dezadeash River. Obwohl mehr Wolken am Himmel sind, kann die Ausbeute sich sehen lassen.











Nach einem üppigen Frühstück in der Unterkunft wird frühzeitig ausgecheckt. Zum Abschied machen wir noch ein Foto der örtlichen Kirche.





Bevor wir uns endgültig auf den langen Weg nach Alaska machen, loggen wir nochmals in das Internet im Visitor Center ein. Außerdem wird vollgetankt; im Yukon und in Alaska sollte man darauf achten, dass der Tank nicht zu leer wird. Zwischen einigen Tankstellen liegen ganz schöne Entfernungen.

Heute gibt es einen reinen Fahrtag, den wir nur für kurze Fotostopps unterbrechen. Die Fahrt verläuft sehr ruhig, es sind erneut nicht viele Autos auf dem Alaska Highway unterwegs.





Es geht vorbei am Kluane Lake, den wir schon gestern besucht hatten. Relativ schnell erreichen wir den kleinen Ort Burwash Landing, in dem man an der Straße die weltgrößte Goldpfanne bewundern kann.





Am Kluane River Overlook halten wir vergeblich nach Tieren Ausschau. Die „Milepost“ hatte uns was das angeht mehr versprochen. Was wir tatsächlich sehen, sind eine Menge Wolken, die in Fahrtrichtung Alaska immer dichter werden.





Als nächstes halten wir im wirklich gigantischen Donjek River Valley nahe am Fluss. Es ist nicht übermäßig viel Wasser vorhanden, vermutlich sieht es hier im Frühsommer ganz anders aus.











Einige Zeit später erreichen wir den netten Pickhandle Lake; jetzt ist auch die Sonne zurückgekehrt.














Außerdem gibt es Wildlife: Zwei Enten! Wir sind schon etwas enttäuscht, dass das alles ist. Dafür ist es aber menschenleer. Wir sind total allein.





Ein paar Kilometer weiter kommen wir zum White River, der in der „Milepost“ als sehr gefährlich und für Boote ungeeignet beschrieben wird. Wir wollen ja auch nur vom Ufer aus fotografieren.





Bevor wir die Grenze erreichen, halten wir in Beaver Creek bei Buckshot Betty`s und stärken uns mit wirklich leckerem Kuchen und viel Kaffee. Die guten „Frank`s“ Saucen probieren wir nicht, müssen sie aber auf Fotos verewigen.








Außerdem bewundern wir die kleine „Our Lady of Grace mission“, die aus einer alten Nissenhütte entstanden ist. Nissenhütten sind nach dem Ingenieur Nissen benannt. Im Ruhrgebiet haben sie eine leicht abweichende Wortherkunft  :D.





Gut gestärkt erreichen wir das Grenzgebiet. Die echte Grenze ist durch eine schnurgerade Schneise im Wald gekennzeichnet.





Wir fotografieren schon mal das „Welcome to Alaska“- Schild, sind aber noch nicht eingereist.





Die echte Grenzstation erreichen wir etwa 500 Meter nach dem Schild. Wie immer steht vor der Einreise die Einreiseformalität. Wir hatten gedacht, eine Einreise in die USA auf dem Landweg sei ohne ESTA gut machbar. Ist sie grundsätzlich auch, dauert nur etwas länger, weil man aussteigen und einige Formulare ausfüllen muss. Die Grenzbeamten sind jedoch sehr freundlich und helfen, damit es schneller geht. Schließlich sind die Formalitäten erledigt und wir dürfen einreisen. Trotzdem sind wir uns anschließend im Auto mal wieder sicher, dass wir unser Europa ohne Grenzen auf jeden Fall behalten wollen.

Es geht weiter durch unendlich erscheinende Wälder. Sturmschäden werden hier offensichtlich nicht immer sofort behoben.





Unser nächster Anlaufpunkt ist das Tetlin National Wildlife Refuge. Dort gibt es eine herrliche Aussicht und im Visitor Center W-LAN, dass wir ausgiebig nutzen. Da wir relativ weit oben sind, kann man auch weit gucken. Bis zum Horizont erstreckt sich unberührte Natur.





Während der letzten Kilometer bis zu unserem Ziel, Tok, halten wir noch einmal kurz am Tanana River.





Tok selbst ist ein übersichtlicher und nicht sehr ansprechender Ort, liegt aber sehr verkehrsgünstig, da sich hier der Alaska Highway und der Glenn Highway kreuzen. Angeblich gibt es in Tok die größte Entzugsklinik in Alaska, wir sprechen aber lieber niemanden darauf an. Trotzdem oder gerade deshalb gibt es im Ort einen Liquor Store, in dem wir Alaskan Kölsch kaufen. Frank muss sogar seine ID an der Kasse vorlegen. Als er diese Aufforderung mit eine freundlichen „thank you“ erwidert, wirkt die Verkäuferin für einen kurzen Moment sogar amüsiert. Ansonsten lächelt sie eher wie bei uns in Westfalen üblich nach innen. Im Grocery Store decken wir uns anschließend mit einigen Lebensmitteln ein.





Heute haben wir eine Cabin im Garten einer Familie gebucht. Das schöne, große Grundstück liegt etwas außerhalb, lässt sich aber gut finden. Leider sind die Vermieter nicht da, aber es hängt eine freundliche Karte an der Haustür, also tun wir wie geheißen und belegen die Cabin.








Es gefällt uns alles wirklich sehr gut und wir fühlen uns sofort wohl.





Das Bad ist zum Glück nicht draußen im Wald.





Nach einiger Zeit fährt ein Auto vor, aus dem der etwa sechzehnjährige Sohn der Vermieter mit seinem Gewehr aussteigt. Er kümmert sich so gar nicht darum, dass wir vor der Cabin sitzen. Gut so, denn wir hatten schon ein bisschen Angst  :wink:. Kurz danach erscheint Debbie, die Vermieterin, und bringt uns zur Begrüßung zusätzlich zu den Lebensmitteln im Kühlschrank sehr leckere Pfannkuchen. Sie ist die erste wirklich freundliche Begegnung, die wir in Alaska haben. Da wir von der langen Fahrt total erledigt sind, sind wir sehr dankbar, dass wir genügend Essen haben und nicht mehr ausgehen müssen. Dass kein W-LAN und kein Fernseher vorhanden sind, ist uns völlig egal. Nach den gefühlt abertausenden Bäumen, Bergen, Flüssen und Seen hätten weitere Eindrücken in unserem Kopf keinen Platz mehr gefunden. Die Naturbeschreibungen Jack Londons stimmen offensichtlich heutzutage immer noch. Wir schaffen es gerade noch, einiges aufzuschreiben, um die Fotos besser zuordnen zu können und schlafen bereits kurz nach Sonnenuntergang zufrieden ein.


Cloudberry Cabin, 117 €
Gefahrene Kilometer: 491

*Ypsi

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #20 am: 14.01.2019, 21:12 Uhr »
Der Sonnenaufgang hat sich wirklich gelohnt!

Bei den Bildern mag man gar nicht glauben, dass das Wetter schlechter wird.

Aber irgendwann muss es ja auch wieder besser geworden sein, schließlich hast du Nordlichter versprochen!

Ich bin schon sooooo gespannt!

*finge42

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #21 am: 18.01.2019, 20:26 Uhr »
Der Sonnenaufgang hat sich wirklich gelohnt!

Bei den Bildern mag man gar nicht glauben, dass das Wetter schlechter wird.

Aber irgendwann muss es ja auch wieder besser geworden sein, schließlich hast du Nordlichter versprochen!

Ich bin schon sooooo gespannt!

Schön, dass es Dir gefällt, aber wir wollen doch nicht vorgreifen :pssst:

Morgen geht es weiter, versprochen!

*Ypsi

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #22 am: 18.01.2019, 22:38 Uhr »
Huch, sorry! Dachte, du hättest das hier im Thread geschrieben  :roll: :oops:

Bitte nicht so lange warten lassen!

:-)

*finge42

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #23 am: 19.01.2019, 21:14 Uhr »
6. Tag: 17.08.2018      

Watch for (no) moose

Tok - Nelchina

Zunächst gönnen wir uns ein üppiges Frühstück aus den im Kühlschrank bereitgestellten Lebensmitteln. Ein paar nehmen wir als Souvenir mit.








Dieses B+B ist wirklich das Tollste, in dem wir jemals übernachtet haben. Trotzdem müssen wir zusammen packen und uns auf den Weg machen. Als wir das Auto beladen, sehen wir gerade noch, wie der etwa zwölfjährige Sohn der Familie auf ein Quad (das hier übrigens ATV heißt) steigt und damit schwungvoll losfährt, obwohl das Quad so groß ist, dass er im Stehen fahren muss. Hier gehen die Uhren tatsächlich etwas anders.





Bei leichtem Regen fahren wir los. Als ersten halten wir an der Public Library – dort gibt es freies W-LAN. Dann geht es in den Souvenirshop gegenüber, um ein T-Shirt für die Daheimgebliebenen zu kaufen. An der Kasse kommen wir mit einer Auswanderin aus Deutschland ins Gespräch, die nie wieder dorthin zurück will. Im Visitor Center nebenan sehen wir endlich Wildlife.





Kurze Zeit später fahren wir auf dem Glenn Highway (Tok Cutoff) Richtung Wrangell-St. Elias Nationalpark, dem Gegenstück zum Kluane Nationalpark. Wir wollen ab Slana die Nabesna Road befahren. Unser erster Halt ist am Slana River, leider spielt das Wetter gar nicht mit - die in der „Milepost“ versprochene Sicht auf die Wrangell Mountains geht in den Wolken unter.





Also fahren wir weiter bis zur Slana Ranger Station.






Hier regnet es noch mehr, so dass wir erst mal im Auto abwarten, ob es besser wird und wir uns überhaupt auf die Nabesna Road wagen sollen. Wir haben tatsächlich Glück und es klart auf. Also nichts wie los. Die ersten 16 Meilen sind geteert bzw. haben einen verdichteten Untergrund, dann beginnt eine Gravelroad, die ziemlich durchnässt ist. Trotzdem kann man gut fahren. Wir halten immer wieder für Fotos.

















Die so gepriesene Toilette ist nicht empfehlenswert.





Nach etwa 20 Meilen kehren wir um und zum Highway zurück. Das Wetter wird immer besser und die Cobb Lakes liegen schon in der Sonne.





Der Chistochina River wird ebenfalls bewundert.





Im Valley of Gakona kreist ein Seeadler über dem Copper River. Frank schafft es, ihn einige Male gut aufzunehmen.













Größeres Wildlife sehen wir erneut nicht. Es gibt vermutlich gar nicht so viele Elche in Alaska, obwohl die „Milepost“ andauernd die Warnung `watch for moose next to the road` ausgibt. Was das angeht, sind wir inzwischen etwas enttäuscht.

Nach und nach tauchen auch Mount Drum und Mount Sanford aus den Wolken auf.





Weiter geht es auf den Richardson Highway zum Visitor Center des Wrangell-St. Elias Nationalparks nahe Copper Center. Dort sehen wir erstmals einen Reisbus, äh Reisebus, mit asiatischen Touristen. Die sind in Alaska eher selten anzutreffen. Am Center kann man Mount Drum und sogar Mount Wrangell wunderbar erkennen – ein unvergesslicher Anblick.





Wir müssen aber weiter, zurück zum Tok Cutoff. In Glennallen suchen wir das auf Tripadvisor beschriebene Restaurant, das es leider nicht mehr gibt. Damit bliebe uns nur ein anderes, mexikanisches Restaurant. Danach steht uns gar nicht der Sinn. Wir lassen uns deshalb im einzigen Supermarkt eine Pizza zum Mitnehmen backen. Die ist sogar noch teurer, als ein Glas Gurken für 8,- $. Der Supermarkt ist wirklich völlig überteuert. Hätten wir mal lieber in Copper Center gegessen.
Als wir Glennallen verlassen, sehen wir plötzlich im Rückspiegel Mount Drum direkt über dem Highway. Dieses Bild müssen wir am höchsten Punkt der Straße einfangen. Also rechts ran fahren und mal eben mitten auf dem Highway stehend das eine oder andere Foto machen. Das hört sich gefährlicher an, als es ist, da kaum Autos unterwegs sind. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen.





Irgendwann reißen wir uns von dem beeindruckenden Anblick los. Kurz vor unserer Unterkunft in Nelchina (mitten im nirgendwo) machen wir noch schnell ein Foto vom in der Ferne liegenden Tazlina Glacier.





Das Einchecken in unserer "5-Sterne Unterkunft", die allerdings sehr sauber ist, geht schnell und wir freuen uns schon aufs Essen. Leider schmeckt die teure Pizza so gar nicht. Egal, wir besänftigen damit den größten Hunger und machen uns daran, die Bilder des Tages zu sortieren und zu sichern. Das Internet läuft allerdings nur mit der Geschwindigkeit der Kontinentaldrift. Kurze Zeit später fällt auch noch der Strom aus. Zum Glück gibt es einen Generator, der schnell angeworfen wird, aber auch nur 5 Minuten läuft. Da schlafen wir doch lieber und träumen von Mount Drum.





Nelchina Lodge, 92,- €
Gefahrene Meilen: 253

*Ypsi

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #24 am: 19.01.2019, 22:33 Uhr »
Gurken für 8 Dollar?!
Wie teuer war denn dann die Pizza?!

*partybombe

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #25 am: 20.01.2019, 07:08 Uhr »
Schöne Bilder, ein interessanter Bericht und nun wohl kein „Change engine oil soon“ mehr

*finge42

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #26 am: 20.01.2019, 10:34 Uhr »
Gurken für 8 Dollar?!
Wie teuer war denn dann die Pizza?!

Wir wissen es nicht mehr ganz genau, aber dieser Supermarkt war auch mit Abstand der teuerste auf unserer Reise.

*finge42

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Antw:Call of the wild - Yukon und Alaska
« Antwort #27 am: 20.01.2019, 10:39 Uhr »
Schöne Bilder, ein interessanter Bericht und nun wohl kein „Change engine oil soon“ mehr

Vielen Dank. Jedes Mal beim Umdrehen des Schlüssels im Zündschloss. Allerdings haben wir die Meldung, wie vom Vermieter mitgeteilt, ignoriert.