Die verzauberten Inseln - Galapagos im Mai 2019

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

*partybombe

  • Platin Member
  • Registriert: 27.03.2008
    Ort: Hessen
  • 1.851
Antw: Die verzauberten Inseln - Galapagos im Mai 2019
« Antwort #15 am: 12.09.2019, 13:08 Uhr »
Hoffentlich ist kein Koffer vom Dach der Fähre gefallen - vielleicht gab es auch keinen Seegang

*Flicka

  • Platin Member
  • Registriert: 04.03.2007
  • 2.911
Antw: Die verzauberten Inseln - Galapagos im Mai 2019
« Antwort #16 am: 12.09.2019, 17:59 Uhr »
Hoffentlich ist kein Koffer vom Dach der Fähre gefallen - vielleicht gab es auch keinen Seegang

Zumindest an diesem Tag war das Wasser ziemlich glatt und es ging wohl alles gut. Wie schon geschrieben war ich etwas beruhigt, dass "meine" Fähre wenigstens einen kleinen Rand rund ums Dach hatte. Bei der Fähre davor gabs sowas nicht.

Es war allerdings nicht das einzige mal, dass mein Gepäck auf dieser Reise etwas fragwürdige Transporte auf dem Wasser überstehen musste.  :zuberge:

*Flicka

  • Platin Member
  • Registriert: 04.03.2007
  • 2.911
Antw: Die verzauberten Inseln - Galapagos im Mai 2019
« Antwort #17 am: 13.09.2019, 15:56 Uhr »
Donnerstag, 2. Mai 2019

Um halb vier ist die Nacht mal wieder rum. Neben dem Jetlag ist es auch ein ohne Unterbrechung bellender Hund, der mich weckt und der verhindert, dass ich wieder einschlafe. Als ich aufstehe und mir im Badezimmerspiegel mein Gesicht anschaue, muss ich feststellen, dass das linke Auge leicht verklebt ist. Mist. Ich hatte schon die letzten Tage immer wieder das Gefühl, dass ich mir irgendeine Infektion eingefangen habe, und jetzt eitert das Auge anscheinend. Die Bindehäute sind rot, nicht schön. Ich nutze also die Zeit bis zum Frühstück mit Recherchen im Internet zu Konjunktivitis und suche nach Apotheken in Puerto Ayora. Nur für den Fall.

Frühstücken gehe ich um kurz nach sechs, da sitzen schon vier andere Gäste an den Tischen. Weil ich kein Ei mag, beschränkt sich mein Frühstück auf Obst und ein Hörnchen, dazu nehme ich mir einen Saft. Davon gibt es mehrere offenbar frisch gepresste zur Auswahl. Zwischendurch kommen immer wieder ein paar kleine Darwin-Finken angeflogen und laben sich an den Frühstücksresten auf den Tischen. Jahrmillionen Evolution haben sie offenbar gezielt auf das vorbereitet, was ihnen jetzt geboten wird: Hörnchen und Rührei.  :wink:

Kurz vor sieben gehe ich los, erst mal zum Fischmarkt. Da wird gerade von den Booten ausgeladen und sortiert.






Und mit dabei sind Seelöwen, Pelikane, Möwen und Reiher, die anscheinend genau wissen, dass hier etwas für sie abfallen könnte. Während Touristen versuchen, Fotos von dem Treiben zu machen, filetiert einer der Händler völlig ungerührt Fisch und wirft den Seelöwen die Reste zu. Einer bettelt von vor der Theke, der andere hockt dicht neben ihm und zieht vorsichtig die Fischhaut von der Theke. Für mich absolute Exotik, für die örtliche Bevölkerung offenbar Business as ususal. Die amüsieren sich eher über die aufgeregten Touristen.








Die Pelikane versuchen zwischendurch mal, sich an dem Fisch in dem Kisten auf dem Boden zu vergreifen und bekommen auch ab und an einen Happen zu geworfen, um den dann wildes Gezänk ausbricht. Einer der Pelikane legt sich sogar mit einem der Seelöwen an. Eine kleine Meerechse ist auch da, und ein Reiher guckt in die Ferne als wollte er sagen: Zum Glück habe ich mit dem Pack hier nix zu tun.










Nach einer Weile reiße ich mich dann doch los. Jetzt geht’s erst mal zur Bahia Tortuga, der Schildkrötenbucht. Um viertel nach acht erreiche ich den Startpunkt am westlichen Rand von Puerto Ayora, an dem man sich mit Namen und Uhrzeit einschreiben muss. Bis zur Bucht sind es 2,5 km durch einen Opuntienwald, also durch die hier heimischen Kakteen. Der Weg ist gepflastert und man kommt eigentlich gut voran, es fliegen mir aber immer wieder kleine Darwinfinken und andere Vögel über den Weg. Ab und zu huschen Eidechsen über die Steine. Ich nehme mir Zeit und schaffe es wenigstens, ein paar der kleinen flinken Tiere halbwegs abzulichten.




Galapagos-Spottdrossel


Großgrundfink (?)




Galapagos-Lavaechsen


Um viertel nach neun erreiche ich dann die Bucht und den sagenhaft weißen Strand. Wow! Wenn das kein Karibik-Feeling ist! Ich hänge die Schuhe an den Rucksack und spaziere mit nackten Füßen auf dem wunderbar federnden Sand die Bucht entlang.






Amerikanischer Austernfischer


Am Ende der Bucht beginnen die Mangroven, und hier tummeln sich ein paar Meerechsen. Charles Darwin konnte sie nicht leiden, er beschreibt sie in seinem Tagebuch nicht sehr vorteilhaft, eher als Ausgeburt der Hölle. Besonders hübsch sehen sie tatsächlich nicht aus.









Meerechsen


Auf einem kleinen Pfad laufen mir noch mehr Meerechsen über den Weg. Eine spaziert seelenruhig zwanzig Zentimeter an mir vorbei, da muss ich jetzt hoffentlich nicht zur Seite springen, um die 2-Meter-Abstand-Regel einzuhalten. ;-)

Der Weg durch die Mangroven mündet dann in eine wunderschöne Badebucht, in der Leute Kanu fahren, schwimmen und schnorcheln. Fast bedauere ich, dass ich keine Badesachen mitgenommen habe, aber inzwischen ist es schon so heiß und die Sonne brennt mir derart auf der Haut, dass ich sowieso nicht lange hier bleiben würde. Ich ruhe mich ein wenig im Schatten aus und mache mich schließlich auf den Rückweg.






Um viertel nach elf erreiche ich den Checkpoint am Beginn des Weges und gönne mir dort erst mal eine eiskalte Cola. Dann schleppe ich mich bis zur ersten Bar in Puerto Ayora. Das erste Bier des Tages ist fällig. Der Wirt sagt schon fragend „beer?“ bevor ich überhaupt das Wort cerveza aussprechen kann, also ist er es wohl gewöhnt, dass hier abgekämpfte Gringos und Gringas einfallen und ihren Elektrolythaushalt auffrischen.




Nach der flüssigen Stärkung kaufe ich mir in dem Laden, den Byron mir gestern auf meine Nachfrage genannt hat, noch die Fährtickets, die ich am 7. Mai und 12. Mai brauche, um die anderen Inseln zu erreichen. Man bekommt keine Tickets, sondern trägt sich in einem Heft in eine Passagierliste ein und erhält für die Zahlung eine Quittung, auf der auch notiert wird, wann und wo man sich an den jeweiligen Fährtagen einzufinden hat. 80 Dollar zahle ich für 3 Fährfahrten, anscheinend je 25 Dollar für die Fahrten zwischen Santa Cruz und Isabela und 30 Dollar für die Fahrt nach San Cristobal.

Danach kehre ich für eine Mittagsrast ins Hotel zurück, wo ich nicht anders kann als die klimaschädliche Klimaanlage einzuschalten, denn ich habe das Gefühl kurz vor einem Hitzschlag zu stehen. Mein Auge ist leider immer noch gerötet. Ansonsten stelle ich fest, dass es höchste Zeit war, aus der Sonne zu kommen, denn am Dekollete und am linken Arm habe ich schon einen leichten Sonnenbrand abbekommen. Trotz LSF 50, du liebe Güte! Sonnencreme werde ich mir wohl nachkaufen müssen, wenn ich mir so anschaue, was ich täglich verbrauche. Nach diesem medizinischen Check halte ich erst mal eine ausgedehnte Siesta.

Gegen halb vier will ich eigentlich der Charles Darwin Station einen zweiten Besuch abstatten, denn gestern war ich kaum noch in der Lage, mich auf das Gebotene einzulassen. Aber nach einem erneuten Blick auf meinen Sonnenbrand lasse ich es lieber mal für heute gut sein. Ich habe ja noch freie Zeit auf Santa Cruz, da läuft die Station mir nicht weg. Stattdessen steuere ich das Grillrestaurant von gestern an und gönne mir heute mal Weißwein statt Bier und statt Burger eine Art „Surf und Turf“. Lecker. Der Kellner kennt mich noch von gestern und verabschiedet mich schließlich mit einem Hasta manana, bis morgen. Ja, da könnte er recht haben.

Ich schlendere noch durch ein paar Geschäfte, schaue mir Schmuck an und suche nach halbwegs schönen Postkarten. Am Fischmarkt wird immer noch verkauft. Ob das wohl der Fisch ist, der schon seit heute morgen hier liegt? Ich glaube nicht, dass ich den noch wollte, aber ich mag ja sowieso keinen Fisch, und die Einheimischen wissen sicher, was sie tun. Danach schlendere ich zurück zum Hotel, suche mir die Sachen heraus, die ich für morgen brauche und beschließe den Tag mit einem Leseabend.

Heute war ein toller Tag, und morgen werde ich die erste Tagestour auf eine der unbewohnten Inseln unternehmen, nämlich nach North Seymour. Ich bin gespannt, was mich dort erwartet.

Gute Nacht!