Gipfelsturm - Zum langen Wochenende auf die Zugspitze

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*Doreen & Andreas

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Mit einem kurzen Bericht unserer kleinen Zugspitz-Expedition vom Sommer 1998 möchte ich die Rubrik der Deutschland-Berichte stärken.
Bilder sind leider Mangelware, da ich selbst keine Kamera dabei hatte. Einige wenige Scans der Abzüge von Freunden sind aber zumindest halbwegs brauchbar.
Wenn Ihr gut zu Fuß seid, ein klein wenig im Training und nichts gegen ein paar hundert Höhenmeter auf und ab habt, dann könnt Ihr mich gern auf diesem kleinen Trip begleiten...



Wie alles begann...

Im Juni 1998 hatte ich bei meiner neuen Arbeitsstelle ich Leipzig angefangen. Nach ein paar Tagen kamen einige meiner neuen Kollegen auf mich zu und fragten, ob ich Lust zu einer Bergtour im Juli hätte. Da das mitten in meiner Probezeit lag, brauchte ich mir auf ein paar Tage Urlaub natürlich keine Hoffnung zu machen. Daher zweifelte ich schwer daran, ob ich wirklich mitfahren könnte.
Für die Kollegen stellte das kein Problem dar, sie ermunterten mich, doch schnellstens ein paar Überstunden anzusammeln, die ich nach Antrag beim Chef dann für ein verlängertes Wochenende in Anspruch nehmen könnte.
Gesagt - getan, nach ein paar Wochen war es so weit. Als die halbe Abteilung Freizeit für Freitag Nachmittag und den gesamten Montag danach einreichte, schaute unser Chef zwar schwer verwundert, genehmigte den Urlaub der Kollegen aber und auch mein Antrag wurde mit einem Augenzwinkern bewilligt. In der Zwischenzeit hatten wir auch über den Alpenverein Matratzenlager für die Übernachtungen in den Hütten vorreserviert, was sich letztlich als kluge Vorsorgemaßnahme herausstellen sollte...
Viele Grüße,
Andreas
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*Doreen & Andreas

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Re: Gipfelsturm - Zum langen Wochenende auf die Zugspitze
« Antwort #1 am: 10.12.2008, 13:01 Uhr »
Freitag:

Es war am Mittag, so gegen 13 Uhr, als wir die Firma verließen. Das Wetter war großartig, nach sehr viel Regen in den letzten Tagen wurde es genau zu unserer, seit Wochen geplanten, kleinen Expedition endlich wieder sonnig. Wir hatten uns einen Mini-Van gemietet und waren mit dem Ford Galaxy, den wir bekommen hatten, sehr zufrieden. Besonders die Klimaanlage wußten wir sehr zu schätzen, denn es sollte in den nächsten Tagen noch heißer werden...

Wir machten noch zwei kleine Stops, da zwei von uns noch ihr Gepäck holen mußten, dann verließen wir Leipzig gegen 14 Uhr. Bevor wir zur Autobahn fuhren, hielten wir jedoch noch an einem Getränke-Shop. Nachdem es am Morgen noch einigen Streß gegeben hatte, waren wir der Meinung, uns ein Feierabend-Bier redlich verdient zu haben, mit dem wir dann im Auto auf die kommenden Tage anstießen.
Die Fahrt war recht kurzweilig. Wir ließen uns abwechselnd von Hard Rock und etwas sanfteren Klängen zum Schmunzeln beschallen und hatten jede Menge Spaß dabei, A-Klasse-Fahrer zu ärgern, indem wir ihnen einen "Elch" zeigten  :frech:(wenige Wochen zuvor war ja bekannt geworden, daß der neue Kompakte von Mercedes beim Elch-Ausweichtest umgekippt ist).
Nach einer kurzen Rast in Höhe Nürnberg sowie einem Fahrerwechsel kamen wir gegen 20 Uhr in Farchant, einem kleinen Ort kurz vor Garmisch-Partenkirchen, an. Wir hatten hier, beim "Alten Wirt" für diese Nacht Quartier gebucht. Bevor wir unsere Zimmer bezogen, setzten wir uns erst einmal in die Gaststube, um ein Bier zu trinken. Dann gingen wir kurz hinauf, um uns frisch zu machen und trafen uns etwa um 21 Uhr wieder in der Gaststube zum Abendessen. Die bayrische Küche war gut und reichlich und nach einigen Bier sowie einem Obstler zur Verdauung gingen wir gegen 23.30 Uhr zu Bett.
Viele Grüße,
Andreas
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Re: Gipfelsturm - Zum langen Wochenende auf die Zugspitze
« Antwort #2 am: 10.12.2008, 13:14 Uhr »
Sonnabend:

Am nächsten Morgen fuhren wir nach Garmisch und stellten unser Auto vor dem Eingang zur Partnachklamm ab. Im Rucksack alle benötigten Dinge für die nächsten Tage zogen wir los. Ein paar Klamotten ließen wir im Auto, damit hier, sollten wir den Abstieg bei Regen machen müssen, einige trockene Sachen zum Wechsel auf uns warteten.
Der Eintritt in die Klamm kostete damals 3,-DM, die Tickets sollte man aufbewahren, denn sonst werden, wenn man wieder zurückkommt, nochmals 3,-DM fällig.´
Der Weg durch die enge Schlucht, durch die sich die Partnach mit lautem Getöse zwängt ist wunderschön. Teils geht man auf einem schmalen Weg oberhalb des tosendes Wassers, teils führt der Weg durch Tunnel, die in den Fels gehauen wurden. Nachdem wir die Klamm passiert hatten, ging es auf einem stetig ansteigenden Weg, immer entlang der Partnach, durch den Wald weiter.



Nach ca. Zwei Stunden erreichten wir die Bockhütte, wo wir bei einem Radler eine erste Rast einlegten. Nach kurzer Pause gingen wir weiter. Der Weg wurde allmählich steiniger und man konnte mehr und mehr mächtige Felswände sehen, die aus den Wäldern emporstiegen. Von Zeit zu Zeit überholten uns einige Mountainbiker, die jedoch oftmals absteigen und ihr Rad schieben mußten und so auch nicht viel schneller vorankamen als wir. Nach einer Weile kamen wir am Partnach-Fall vorbei, der bereits inmitten eines wundervollen Alpen-Panoramas liegt. Etwa zwei Stunden, nachdem wir an der Bockhütte wieder aufgebrochen waren, erreichten wir die Reintalangerhütte, welche bereits auf etwa 1350 Metern Höhe liegt.
Hier legten wir eine längere Rast ein, aßen zu Mittag und glichen mit einigen Radlern unseren Flüssigkeitshaushalt wieder aus. Wie sich herausstellte, war einer der jungen Leute, die uns bedienten ein Leipziger, der hier jobbte und nebenbei etwas Urlaub machte (oder war´s umgekehrt??).
Gegen 14 Uhr brachen wir wieder auf, immerhin standen uns in den nächsten zwei Stunden noch ca. 600 Höhenmeter bevor. Der Weg führte uns über eine Alm, auf der eine Menge Schafe grasten. Durch die Glöckchen, die sie um den Hals trugen, hatten wir sie bereits von weitem gehört.
Auf einmal war der Weg zu Ende und wir standen vor einem steil ansteigenden Geröllfeld, in welchem sich ein kaum sichtbarer Pfad langsam nach oben schraubte. Während der Weg bisher eher ein gemütlicher Spaziergang war, wurde es ab hier richtig anstrengend, denn in den großen und kleineren Steinen man fand nicht immer einen optimalen Tritt. Dennoch kamen wir recht zügig voran und erreichten nach nur 1 ½ Stunden die auf etwa 2050 m Höhe gelegene Knorrhütte, unser heutiges Etappenziel. Wir waren ziemlich geschafft vom Aufstieg, daher ließen wir uns einfach erst mal auf den Stühle auf der Terrasse nieder und tranken das eine oder andere Radler. Nach und nach kamen immer mehr Leute und so beschlossen wir, erst einmal unsere Schlafstätte zu reservieren. Dabei erfuhren wir, daß in dieser Nacht wohl sehr viele Leute hier erwartet werden, man sich also eine Matratze zu zweit teilen müsse. Eigentlich war das ja kein Wunder, schließlich war es Wochenende und das Wetter lud zum Wandern nur so ein. Jedenfalls zahlte es sich jetzt wirklich aus, daß wir lang im Voraus unsere Schlafstatt reserviert hatten...

Wir setzten uns wieder auf die Terrasse und genossen den Ausblick auf die umliegenden Berge. Bis zum Abend fanden noch derart viele Leute den Weg zur Hütte, daß wir wirklich zweifelten, ob alle einen Schlafplatz bekommen würden. In der Hütte waren alle Tische besetzt, so daß wir, trotzdem es sich merklich abkühlte, draußen sitzenblieben. Nach dem Abendessen gesellte sich ein junger Sachse mit an unseren Tisch und erzählte uns von seiner bisherigen Tour. Er hatte die letzte Nacht nur mit Schlafsack und Isomatte unter freiem Himmel verbracht und war heute über den Jubiläumsgrat, der die Alpspitze mit der Zugspitze verbindet, zur Zugspitze gelaufen und soeben von dort herabgestiegen.
Wir tranken noch einige Bier und Radler und jeder am Tisch gab eine Runde Obstler aus. Später gesellte sich noch ein weiterer Ex-Sachse zu uns und so wurde es ein recht lustiger Abend. Um 22 Uhr war allerdings Hüttenruhe und so mußten auch wir schließlich zu Bett gehen. Unser Schlafraum war, wie die anderen auch, sehr voll. Wir schliefen in einem Doppelstockbett von ca. 4 Metern Breite; je Etage etwa 10 Personen. In einer Sardinendose geht es sicher nicht enger zu.
Viele Grüße,
Andreas
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Re: Gipfelsturm - Zum langen Wochenende auf die Zugspitze
« Antwort #3 am: 10.12.2008, 13:42 Uhr »
Sonntag:

Die Nacht war ziemlich unruhig. Immer wieder wurde man wach, wenn sich mal einer auf die andere Seite drehte oder wegen eines dringenden Bedürfnisses aufstand und so schnell konnte man nicht wieder einschlafen, weil irgendjemand von einem Job als Holzfäller zu träumen schien...
Wir standen gegen 6.30 Uhr auf und nahmen ein kleines Frühstück zu uns. Das Wetter war prächtig, daher entschieden wir, daß wir auf Regenjacke etc. verzichten und die Rucksäcke daher in der Hütte stehenlassen konnten. Auf dem Rückweg wollten wir sie dann hier wieder aufnehmen.
Also brachen wir ohne Gepäck auf, um die letzten 900 Höhenmeter in Angriff zu nehmen. Das war ziemlich leitsinnig, wie wir noch merken sollten. Im Gebirge kann das Wetter sehr schnell umschlagen, deshalb sollte man stets gegen alle Eventualitäten gerüstet sein.
Von der Hütte bis zur Talstation der Seilbahn markierten 40 Zeichen den Weg, den wir in etwa zwei Stunden bewältigten. Als wir uns dem Sattel in Höhe des Skiliftes näherten, zog von der anderen Flanke her -für uns noch unsichtbar- auf einmal eine pechschwarze "Wand" auf. Als wir gewahr wurden, was da auf uns zu kam, begann es auch schon, heftiggst zu regnen. Wir flüchteten rasch unter ein Wellblechdach, wo ein Raupenfahrzeug und diverses Schneeräumgerät bis zur nächsten Wintersaison untergestellt waren und warteten hier das Ende des Regens ab; die Regenjacken hatten wir ja in der Hütte zurückgelassen. Der Wind peitschte den Regen weit in unseren Unterschlupf und binnen weniger Minutenhatte es sich dramatisch abgekühlt. Aber wir hatten großes Glück, der Wetterumschwung war nicht von langer Dauer und wir konnten nach etwa 10 Minuten weitergehen.
Die letzten 400 Höhenmeter gingen steil nach oben. Zuerst mußten wir ein steiles Geröllfeld durchqueren, wo man schwer einen guten Tritt fand; irgendwie war es, als würde man versuchen auf einer abwärtsfahrenden Rolltreppe nach oben zu laufen. Als wir dies bewältigt hatten, ging es auf einem schmalen Pfad direkt am Felsen weiter. An einigen schwierigen Stellen waren am Felsen befestigte Drahtseile der einzige Halt.



Kurz bevor wir das Plateau erreichten, ging es noch ein Stück über den Grat, kaum einen Meter breit und zu beiden Seiten ging es einige hundert Meter abwärts. Dafür gab es jedoch bereits eine wundervolle Aussicht.
Oben angekommen beglückwünschten wir uns gegenseitig zum bewältigten Aufstieg und setzten uns erst einmal in die Münchener Hütte, um bei einem Bier zu verschnaufen. Nachdem wir wieder etwas zu Atem gekommen waren, mischten wir uns unter die vielen Touristen, die mit den Seilbahnen hinaufgekommen waren und genossen den herrlichen Rundblick. Im Tal konnte man den Eibsee mit seinem herrlich grün schimmernden Wasser sehen, in der Ferne erblickten wir viele andere, teils schneebedeckte Alpengipfel, wie den Ortler und den Großglockner.
Der Blick ins Höllental belehrte uns, daß dieser Weg, den ein paar von uns als alternative Aufstiegsroute in Betracht gezogen hatten, ganz offensichtlich doch eine Nummer zu hoch für uns gewesen wäre.



Die Entscheidung für das Reintal war also ganz sicher die richtige.
Dann verließen wir die Plattform, um noch zum Gipfelkreuz zu laufen, wo wir natürlich noch entsprechende Fotos machten. Zum Mittagessen setzten wir uns in das Restaurant, um uns für den Abstieg zu stärken. Etwa gegen 12.30 Uhr machten wir uns dann wieder auf den Weg.
Abwärts ging es zwar wesentlich schneller, jedoch war der Abstieg keineswegs weniger Anstrengend als der Aufstieg. Man mußte sehr aufpassen, einen festen Tritt zu finden; meist rutschten einem lose Steine unter den Füßen weg und man mußte auch auf eventuell von oben herabrollende Steine achten.



Immerhin sahen wir, wie sich bei einer anderen Gruppe ein größerer Brocken aus dem Geröll löste und einige, schon weiter unten kletternde Wanderer nur knapp verfehlte. Nach ca. einer halben Stunde kamen wir wieder in Höhe des Skiliftes auf Sonn-Alpin an. Von hier aus brauchten wir noch etwa 1 ½ Stunden bis zur Knorrhütte. Hier setzten wir uns bei einem Radler auf die Terrasse und wollten eigentlich eine längere Rast machen, machte sich doch der Abstieg schon mächtig in den Knien, Waden und Oberschenkeln bemerkbar.
Nach einer Weile kam jedoch die Hüttenwirtin heraus und meinte, daß bei dem Wind, der inzwischen aufgekommen war, das Wetter leicht umschlagen könne.
Und tatsächlich kam über den Bergen eine bedrohlich schwarze "Wand" heran und so beschlossen wir, unsere Rucksäcke wieder aufzunehmen und weiter bis zur Reintalangerhütte zu laufen. Wir wählten eine etwas andere Route als beim Aufstieg; diese war zwar kaum weniger steil, aber es lag nicht so viel loses Geröll herum. Das letzte Stück des Weges entpuppte sich immer wieder als wesentlich länger, als wir es in Erinnerung hatten und so ließen wir uns, als wir bei der Hütte ankamen, einfach auf die Stühle fallen, von denen wir sobald nicht wieder aufstanden. Wir saßen den Rest des Nachmittags auf der Terrasse vor der Hütte und gönnten uns einige Radler und Bier. Irgendwann begannen der Hüttenwirt und seine Tochter mit Zither und Gitarre etwas zu musizieren. Gegen Abend gingen wir dann gestaffelt Duschen und setzten uns zum Abendessen wieder auf die Terrasse.
Als es dann allmählich dunkel wurde, ging einer von uns in den Gastraum, holte die Gitarre und begann ein wenig zu spielen. Es wurde noch ein wundervoller Abend; gegen 22 Uhr war eigentlich wieder Hüttenruhe, wir gingen in die Hütte, wo wir aber immer noch bis fast 23 Uhr saßen, bevor wir uns zur Ruhe begaben. Diese Nacht wurde wesentlich ruhiger als die Vergangene, schließlich waren nicht so viele Leute in der Hütte unterzubringen. So hatten wir diesmal jeder eine Matratze und je Etage schliefen nur drei Personen.
Viele Grüße,
Andreas
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Re: Gipfelsturm - Zum langen Wochenende auf die Zugspitze
« Antwort #4 am: 10.12.2008, 13:45 Uhr »
Montag:

Am Morgen, so gegen 6.30 Uhr, wurden die Türen aller Schlafsäle geöffnet und es wurde mit Zithermusik und Gitarrenbegleitung geweckt. Wir frühstückten auf der Terrasse, verabschiedeten uns gegen 8 Uhr und traten dann den Heimweg an. Auch dieser erschien uns wesentlich länger, als wir ihn vom Aufstieg her in Erinnerung hatten.
An einem kleinen See machten wir eine kurze Rast und dann, nach etwa zwei Stunden, an der Bockhütte wieder. Hier blieben wir bei einem Glas Radler etwas länger sitzen und je länger wir saßen, umso schwerer fiel uns das Aufstehen. Man merkte den Abstieg des Vortages doch ganz gewaltig in den Beinen. Irgendwann gingen wir dann doch weiter und erreichten gegen Mittag Garmisch-Partenkirchen. Wir zogen uns am Auto um, packten unsere Sachen ein und führen los.
In Farchant machten wir noch einmal Stop zum Mittagessen und brachen etwa 13.30 Uhr wieder auf in Richtung Heimat. Die Fahrt ging recht zügig voran (wir überholten auch wieder eine A-Klasse, und hatten einen Riesenspaß, den Fahrer zu ärgern, indem wir ihm einen "Elch" zeigten  :frech:), und so erreichten wir, trotz eines größeren Staus und einer kurzen Rast gegen 18.30 Uhr bereits wieder Leipzig.


Fazit: Die kleine Wochenend-Trekkingtour hat unheimlich Spaß gemacht. Irgendwie ist es ein völlig anderes Gefühl, wenn man auf dem höchsten Berg Deutschlands steht und ihn selbst erklommen hat, statt bequem die Seilbahn zu nehmen. Die Stimmung in unserer Gruppe war fast immer bestens und für mich war es der ideale Einstieg in den Kreis der neuen Kollegen.
Im Nachhinein hat es sich als unheimlich wichtig herausgestellt, daß wir uns vorab um die Übernachtungen gekümmert hatten. Bei so einem Wetter, noch dazu am Wochenende, war ein unglaublicher Betrieb auf den Wanderwegen und ein entsprechender Ansturm auf die Hütten. Mag sein, daß es auf etwas schwierigeren Routen anders aussieht als im doch recht leicht zugängigen Reintal. Aber letztlich waren wir froh, nicht den Weg durchs Höllental genommen zu haben...
Überhaupt hatten wir mit dem Wetter unheimliches Glück. Bei einem Wiederholungsversuch im Jahr darauf war in Höhe der Knorrhütte einfach kein Weiterkommen mehr. Einerseits hat es gestürmt und geschneit, andererseits waren einige Leute nur in leichter Sommerjacke und Turnschuhen unterwegs  :shock: :zuberge: :doh:
Und weil ich gerade beim Thema Ausrüstung bin: Das blinde Vertrauen in das sonnige Wetter, was uns dazu bewog, Rucksäcke und Wetterkleidung in der Hütte zurückzulassen, war einfach nur purer Leichtsinn. Wie schnell das Wetter in den Bergen umschlagen kann ist eigentlich hinlänglich bekannt und wir haben es schließlich selbst erfahren müssen. Wenn es uns nur eine halbe Stunde später ´erwischt´ oder ein paar Stunden angehalten hätte... wer weiß, ob wir so glimpflich davon gekommen wären.

So war es alles in allem aber ein grandioses Wochenende für jeden von uns und ich denke, diese Route kann man auch relativ ungeübten `Flachlandtirolern´ empfehlen.
Viele Grüße,
Andreas
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*Susan26

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Re: Gipfelsturm - Zum langen Wochenende auf die Zugspitze
« Antwort #5 am: 10.12.2008, 16:35 Uhr »
Hallo Andreas,

vielen Dank für deinen Kurzbericht ... das muss ich mir doch noch einmal ganz ausführlich durchlesen (hier im Büro hat man für nichts Zeit ;-) )
Susan
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*Angie

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Re: Gipfelsturm - Zum langen Wochenende auf die Zugspitze
« Antwort #6 am: 10.12.2008, 17:39 Uhr »

Vielen Dank Andreas für diesen schweißtreibenden, Muskelkater-erzeugenden, tollen Wochenend-Bericht!
Eure erste Übernachtung - 10 Leute auf 4 m - war wohl eher eine Nacht der Qualen :wink:


Viele Grüße,
Angie

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*Susan26

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Re: Gipfelsturm - Zum langen Wochenende auf die Zugspitze
« Antwort #7 am: 11.12.2008, 09:54 Uhr »
So, jetzt hab ich endlich komplett gelesen ... das hört soch dann doch ganz schön anstrengend an, wahrscheinlich würde ich mich doch für die Seilbahn entscheiden .....obwohl, so viele Radler, wie es zwischendurch gab ;-)
Ich hoffe, dass euer Chef das Ganze zu schätzen wusste, das klang ja so richtig nach Teamevent und zusammenschweißen  :wink:

Susan
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*Doreen & Andreas

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Re: Gipfelsturm - Zum langen Wochenende auf die Zugspitze
« Antwort #8 am: 11.12.2008, 10:29 Uhr »
Eure erste Übernachtung - 10 Leute auf 4 m - war wohl eher eine Nacht der Qualen :wink:
Naja, man stelle sich vor, man liegt in einem 80cm breiten Doppelstockbett zu zweit auf einer Matratze in seinem Schlafsack ... :? Das ganze fünf mal nebeneinander.
Links und rechts und oben schnarcht es, einer hatte wohl Knoblauch zum Abendessen, der andere Sauerkraut und wieder andere haben einen recht unruhigen Schlaf - warum auch immer.  :knockout:
Zum Glück waren wir an dem Tag so geschafft, daß wir dennoch müde genug waren, um etwas Schlaf zu finden  :schlafend:

Interessanterweise haben weder die vielen Radler bzw. Bier noch die acht(!) Runden Obstler irgendwelche neagtiven Auswirkungen hinterlassen. Wir waren alle am nächsten Morgen topfit und kopfschmerzfrei. Vielleicht liegt es an der Bewegung oder der Höhenluft...

Ich hoffe, dass euer Chef das Ganze zu schätzen wusste, das klang ja so richtig nach Teamevent und zusammenschweißen  :wink:
Absolut! Ich glaube, so ein gutes Arbeitsteam hatte ich vor- und nacher nie wieder. Und da das ganze freiwillig und selbstorganisiert war, war es um Längen besser, als jedwedes Teamfähigkeitsseminar je sein könnte  8) :lol:
Viele Grüße,
Andreas
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*Gipsy

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Re: Gipfelsturm - Zum langen Wochenende auf die Zugspitze
« Antwort #9 am: 11.12.2008, 10:31 Uhr »
Der schöne Bericht hat längst verschüttete Jugenderinnerungen in mir geweckt.  :D
Das muss so Anfang/Mitte der 70er gewesen sein bei einem der letzten Familienurlaube als Teenager, als meine Eltern mit uns Kindern (meine beiden jüngeren Geschwister und ich) von der Zugspitze durchs Reintal nach Garmisch abgestiegen sind.

Den ersten Teil über das Grat habe ich wohl aufgrund meiner Höhenangst total verdrängt oder wir fanden einen anderen Weg von der Station der Zugspitzbahn zur Knorrhütte. Aber an diese abschüssige Geröllhalde(n) erinnere ich mich auch noch sehr gut. Wir haben dort immer versucht, in Serpentinen abwärts zu gehen. Und wir sind auch öfter auf Schafe gestoßen und haben uns gefragt, was sie in dieser Steinwüste wohl essen.

In der Knorrhütte gab es ein richtiges Festessen zur Stärkung: Erbsensuppe mit Würstchen. Übernachtet haben wir wie Ihr in der Reintalangerhütte. Aber nachdem meine Mutter einen Blick in das Matrazenlager geworfen und die zum Trocknen aufgehängten miefenden Klamotten anderer Wanderer gesehen hatte, hat sie meinen Vater zur Luxusübernachtung in 2 Zimmern überredet.

Erinnern kann ich mich auch noch gut an den improvisierten Kühlschrank meines Vaters für Butter, Wurst und Käse: Die wurden direkt aus dem Kühlschrank in Plastikdosen gefüllt, um die ein mit kaltem Wasser getränktes, noch tropfendes Geschirrtuch gewickelt wurde. Das Ganze kam dann in eine Plastiktüte. Wenn bei der Mittagsrast ein Bach oder Brunnen in der Nähe war, wurden die Dosen bis zum Aufbruch im Wasser eingelagert. Kurz vor dem Aufbruch wurden die Tücher wieder gut nass gemacht und wieder um die Dosen gewickelt.
Mit dieser Methode war die Butter auch bei unserer Rückkehr nach der 2-Tages-Tour von der Zugspitze im heißen August noch kalt und einwandfrei.

Danke Andreas für das Wecken dieser schönen Erinnerungen.
Bis später
Gipsy

*Angie

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Re: Gipfelsturm - Zum langen Wochenende auf die Zugspitze
« Antwort #10 am: 11.12.2008, 23:10 Uhr »
Eure erste Übernachtung - 10 Leute auf 4 m - war wohl eher eine Nacht der Qualen :wink:
Naja, man stelle sich vor, man liegt in einem 80cm breiten Doppelstockbett zu zweit auf einer Matratze in seinem Schlafsack ... :? Das ganze fünf mal nebeneinander.

Andreas, mich erinnert diese Art der Übernachtung an meine Kindheit. Ich war 10 J. alt und es waren die Leichtathletik-Staatsmeisterschaften, an denen ich teilnahm. Die Übernachtung war seinerzeit im Wiener Station, unter dem sich u. a. solch ähnliche Stockbetten, wie ihr sie hattet, befanden. Wir lagen auch wie die Sardinen in der Dose. Ich lag irgendwo in der Mitte von vielen anderen und konnte nicht schlafen. Mitten in der Nacht ging ich raus, aber meinen Bettanteil konnte ich nur am Fußende verlassen. Draußen, am obersten Ende des Stadions hockend, guckte ich ewig lange die Sterne an - es war wunderschön!

Links und rechts und oben schnarcht es, einer hatte wohl Knoblauch zum Abendessen, der andere Sauerkraut und wieder andere haben einen recht unruhigen Schlaf - warum auch immer.  :knockout:

Davon fiel das meiste bei uns weg - bis auf den unruhigen bzw. nicht vorhandenen Schlaf :lol:

Zum Glück waren wir an dem Tag so geschafft, daß wir dennoch müde genug waren, um etwas Schlaf zu finden  :schlafend:

Das war ja auch kein Wunder bei dem, was ihr an diesem Tag geleistet hattet!

Interessanterweise haben weder die vielen Radler bzw. Bier noch die acht(!) Runden Obstler irgendwelche neagtiven Auswirkungen hinterlassen. Wir waren alle am nächsten Morgen topfit und kopfschmerzfrei. Vielleicht liegt es an der Bewegung oder der Höhenluft...

Diese Frage nach eurem Wohlbefinden nach ein paar Radler, Bier und - wie ich jetzt lesen muss - 8 !! Runden Obstler hatte ich nicht gewagt, zu stellen :wink: :lol:

Viele Grüße,
Angie

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Re: Gipfelsturm - Zum langen Wochenende auf die Zugspitze
« Antwort #11 am: 12.12.2008, 09:44 Uhr »
Mitten in der Nacht ging ich raus, aber meinen Bettanteil konnte ich nur am Fußende verlassen. Draußen, am obersten Ende des Stadions hockend, guckte ich ewig lange die Sterne an - es war wunderschön!

Das hat einer von uns auch versucht. Als er es schließlich geschafft hatte, in stockfinsterer Nacht das Bett zu verlassen und nur eine einstellige Anzahl anderer Leute dabei zu wecken, wollte er gen Ausgang schleichen, stieß dabei mit dem Kopf aber an einen der sehr tief verlaufenden, massiven Holzbalken der Decke. Man hörte nur ein: Doing... "Auäää.... menno".

Angie, je mehr ich darüber schreibe, desto mehr Details fallen wir wieder ein... vielleicht lohnt es ja, den gesamten Bericht nochmal zu überarbeiten  :?

Diese Frage nach eurem Wohlbefinden nach ein paar Radler, Bier und - wie ich jetzt lesen muss - 8 !! Runden Obstler hatte ich nicht gewagt, zu stellen :wink: :lol:
Das war wirklich verblüffend. Einerseits hat man natürlich beim Wandern viel an Flüssigkeit verloren, so daß von den ersten Gläsern gar nicht viel im Magen ankam sondern schon auf dem Weg dahin irgendwo anders versickerte  :wink:
Andererseits hätte ich schon erwartet, daß zumindest die vielen Obstler-Runden am Abend für entsprechende Kopfschmerzen sorgen. Aber nichts dergleichen, wir waren alle topfit.
Vielleicht lag es ja auch an unserem guten Trainingszustand. Immerhin war es damals bei uns Tradition, jeden Mittwoch Abend zusammen nach der Arbeit noch in eine Kneipe zu gehen... Aber vielleicht sollte ich an dieser Stelle besser aufhören Details auszuplaudern.
Viele Grüße,
Andreas
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Re: Gipfelsturm - Zum langen Wochenende auf die Zugspitze
« Antwort #12 am: 12.12.2008, 10:05 Uhr »
Vielleicht lag es ja auch an unserem guten Trainingszustand. Immerhin war es damals bei uns Tradition, jeden Mittwoch Abend zusammen nach der Arbeit noch in eine Kneipe zu gehen... Aber vielleicht sollte ich an dieser Stelle besser aufhören Details auszuplaudern.

Ich finde die Details immer am spannendsten ;-) ... also lass dich nicht aufhalten ....
Susan
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Re: Gipfelsturm - Zum langen Wochenende auf die Zugspitze
« Antwort #13 am: 12.12.2008, 10:10 Uhr »
Vielleicht lag es ja auch an unserem guten Trainingszustand. Immerhin war es damals bei uns Tradition, jeden Mittwoch Abend zusammen nach der Arbeit noch in eine Kneipe zu gehen... Aber vielleicht sollte ich an dieser Stelle besser aufhören Details auszuplaudern.

Ich finde die Details immer am spannendsten ;-) ... also lass dich nicht aufhalten ....
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Komisch, Susan. Warum überrascht es mich jetzt nicht, daß dieser Kommentar ausgerechnet von Dir kommt  :think: :zuck: :zwinker:
Viele Grüße,
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Re: Gipfelsturm - Zum langen Wochenende auf die Zugspitze
« Antwort #14 am: 12.12.2008, 10:22 Uhr »
War zu erwarten, oder?  :lol:  :lol:  :lol:
Naja, das sind eben immer die spannendsten Details ... ;-) und das ist auch der Grund, warum ich so manche Reisebeschreibung meiner Urlaub hier besser nicht veröffentliche  :oops:
Susan
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