Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

*wolfi

  • Diamond Member
  • Registriert: 17.05.2010
    Ort: Teils am Neckar, teils am Balaton
  • 3.272
Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #45 am: 17.06.2016, 14:30 Uhr »
Stimmt, Antje!

Zu jeder dieser Städte gibt es eine Hintergrundgeschichte - mein Verwandter hat sich damit beschäftigt, und wenn der mal ins Erzählen kommt ...   :roll:

Manche der Maharadschahs leben ja heute noch in fast unvorstellbarem Reichtum, manche tun auch was für "ihre" Leute, aber die Armut ist auch erschreckend - gestern haben wir uns wieder 500 Bilder angeschaut, das Land oder besser gesagt der Subkontinent Indien ist schon beeindruckend in seiner Vielfalt.

Da hat sich in den letzten 1000 Jahren viel abgespielt, die Einflüsse aus Persien, der Islam usw.

*MisterB

  • Silver Member
  • Registriert: 11.01.2005
  • 578
Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #46 am: 20.06.2016, 10:16 Uhr »
20.03.2016 - Spaß in der Ubahn und Resteverwertung beim Sightseeing

Nun ist es passiert. Die große Radjasthan Rundtour im kleinen Tata Indigo is nun vorbei. Heute stand nur die Rückreise nach Delhi auf dem Programm. Damit ich in Delhi aber heute noch was machen kann, hatte ich mich mit Anil für heute schon für 8 Uhr verabredet.

Eigentlich wollte ich ja heute auch nur nen Kaffee und hatte dem Mensch von gestern auch direkt gedeutet, heute bitte nur ein little little breakfast zu machen. Er hat freundlich genickt und yes yes gesagt um später wieder genausoviele Teller und Schüsseln aufzufahren als gestern. So voll sollte ich jetzt die Fahrt nach Delhi antreten ? Ok. Wenns denn sein muss.

Beim Checkout hieß es auf einmal "Cash Only". Das traf mich jetzt eher unvorbereitet, da die Herren vorgestern auf meine Frage nach Karte noch nett zustimmend genickt hatten. Da musste ich wohl oder übel die Scheine, die ich schon für Ashok abgezählt hatte, nochmal anbrechen und Anil sagen, das er direkt gleich an dem Geldautomat von gestern nochmal stoppen muss.
 

Laut Anil wären wir mit der frühen Losfahrt auf der sicheren Seite und spätestens nach Mittag in Delhi. Leider zog sich die Fahrt aber heute wie Kaugummi. Im Einzugsgebiet Mandawa waren die Straßen so schlecht, das wir nicht wirklich fortan kamen. Als man dann hätte fahren können, war ein Heidenbetrieb überall. Es war ja heute Sonntag. Anil meinte auch mehrmals, er könne nicht begreifen warum heute am Sonntag Morgen so ein Betrieb überall sei.

Einmal mussten wir an einem Bahnübergang halten und bestimmt ne viertel Stunde warten bis ganz gemächlich ein voll besetzter Zug vorbeischlich. Kein Wunder das Zugfahrten in Indien immer in recht hohen Stundenzahlen angegeben werden, wenn der Zug so vor sich hin schleicht. Als der Zug endlich durch war kam der Stationsvorsteher aus seinem Kabuff hervor und hat mit genau der gleichen Geschwindigkeit wie eben der Zug an der Kurbel für die Schranken gedreht. Und dann musste sich auch erst mal der Megastau der kreuz und quer und sich gegenseitig im Weg stehenden Autos an der Schranke sich auflösen. Die ganze Geschichte hat uns bestimmt fast ne dreiviertel Stunde gekostet.

Beim Zug hat übrigens keiner aufm Dach gesessen. Das habe ich nur auf Überlandbussen gesehen (ohne Scherz!).

Später irgendwann im Einzugsgebiet Delhi, wo es dann auf sowas wie die Stadtautobahn ging, war auch so viel Betrieb wie morgens am Kreuz Köln Ost. Puh. Lange Rede kurzer Sinn. Wir sind so gegen 14 Uhr beim Hotel angekommen.

Da ich ja morgen nach Varanasi weiterfliegen will, hatte ich für den heutigen Abend das Holiday Inn Airport direkt am ...... ja .... Airport gebucht. Wow. Internationales Hotel, internationaler Standard. So ein kleinwenig habe ich das ja schon vermisst.


Tja. Jetzt war endgültig die Tour zu Ende. Anil bestand darauf, die ausstehenden Geschäfte draußen im Taxi abzuwickeln, mit mir reingehen und sich bequem hinsetzen wollte er aus irgendeinem Grund nicht. Ich habe dann das ausstehende Geld für Mr. Ashok bezahlt und Anil ein Trinkgeld von 4.000 Rupien (irgendwie knapp 50 Euro die ich angemessen fand) gegeben. Wir haben dann garkeine großen Abschiedsszenen gemacht. Einmal fester Händedruck und Danke für die Zeit sagen muss da reichen.

Kurz bevor wir am Hotel ankamen hatte mich noch Mr. Ashok aufm Handy angerufen um zu fragen ob denn alles OK war und ob er mich bitten dürfe, wenn ich wieder zuhause sei, ob ich dann auch eine Bewertung in seinem Gästebuch und auf Tripadvisor abgeben würde. Habe ich auch später zu Hause direkt gemacht.

Das Hotel war echt klasse. Beim Checkin wurde von irgendwo her "richtige" Pop Musik gespielt. Wenn ich mich recht erinnere, dann wars Paul McCartney. Sofort musste ich mitpfeifen und habe gemerkt wie ich das die letzten drei Wochen vermisst habe. Musik, ohne das einem die Ohren bluten (und ne Frau mit vielen Pötten aufm Kopf rumwackelt). Die Frau an der Rezeption hat mich auch ganz verwundert angeschaut, als ich beim Ausfüllen der Formulare laut das Lied mitgepfiffen habe.

Ich habe meinen Kram ins Zimmer verfrachtet. Wow. Riesiges Zimmer und riesiges Bad. Alles pikobello. Und ein riesiges weiches Bett. Klasse. Nach den letzten zig Tagen "Heritage Havelis" war das hier echt das Paradies.

Ich musste mich richtiggehend aufraffen um wieder auf die Beine zu kommen. Ich wollte ja noch die Reste beim Sightseeing zusammenkehren. Ich bin also wieder raus und zur nahen U-Bahn-Station gegangen. Die Automaten habe ich nicht kapiert, ich hatte auch kein passendes Kleingeld dabei. Zum Glück gabs einen besetzten Schalter, wo man wir Auskunft gab. Die Station "Aero City" ist nur über eine spezielle Airport Linie mit der Stadt verbunden. Diese Linie kostet immer extra und ist nicht mit ner Tageskarte oder sowas abgedeckt.

 

Was die Fahrt mit der Airportlinie gekostet hat weiß ich jetzt garnicht mehr. Ich habe zwei sog. Tokens bekommen. Eines für die Airport Linie und dann noch einen für die Anschlussfahrt in der Stadt. Die Fahrten im Stadtgebiet mit der "normalen" Metro kosten zwischen 8 Rupien (1 Cent(!)) und 50 Rupien (70 Cent). Betritt man die Station muss man den Token über ein Sensorfeld drüberziehen, verlässt man die Station muss man den Token an der Schranke einwerfen. So gebrieft konnte es nun losgehen.

Als erste Station wollte ich zum Askhardham Tempel fahren. Danach hatte ich Anil auch schon gefragt, da aber nur sein übliches "ist zu weit weg, lohnt nicht" gehört. Diese Aussage musste ich jetzt mal selbst verifizieren. Dazu musste ich nur zur Station New Delhi fahren, von dort die hellblaue Linie nach Rajiv Chowk und von dort mit der knallblauen Linie nach Ashardham. Das hatte mir der Mann am Schalter eben auch alles in Windeseile runtergebetet. Zum Glück hatte ich, so gründlich wie ich bin, zu Hause den Plan der Metro ausgedruckt.

Eigentlich war das Fahren recht einfach. Bei den Linienwechseln gab es farbige Streifen auf dem Boden denen man nur folgen musste. Zur gelben Linie einfach nur auf dem gelben Strich laufen und man kommt an. Die Ubahn ist sichtbar auf große Massen ausgelegt. Große breite Treppen, große breite Durchgänge, sehr breite Gänge. Die Stationen sind sehr weitläufig.

Allerdings war die Hölle los. Die Bahnsteige brechend voll und in den Zügen stand man dicht an dicht. Der Inder hat da auch garkeine Skrupel ohne einen Mindest-Anstands-Abstand im Zug zu stehen. Eigentlich stand man ohne Abstand Rücken an Rücken, Bauch an Bauch. Zumindest hatte ich noch den entscheidenden Vorteil, ich war größer als 90 % der Mitfahrer, mein Kopf ragte raus, während mein Gegenüber das Gesicht in meiner Achselhöhle hatte.

 

Anständig Ein- und Aussteigen war auch nicht möglich. Hielt der Zug und die Türen gingen auf sind sofort alle in den Wagen reingestürmt, diejenigen die raus wollten sind dem Ansturm entgegengeströmt. Man musste sich seinen Weg manchmal ziemlich unsanft mit den Ellbogen freiräumen. Da von den Indern keiner Rücksicht genommen hat, habe ich das auch nicht. Um dahin zu kommen wo ich hin musste, haben diverse Kontrahenten einen Bodycheck oder einen Ellbogen aushalten müssen. In der Ubahn ist Krieg !

Zumindest bin ich irgendwann heil in Askhardham angekommen. Schon von der Station aus sieht man den Tempel. Allerdings ist es doch ein Stück weg. Zuerst habe ich draußen versucht mal grob in die Richtung zu gehen, aber dann standen ein paar Marktbuden und ne breite Straße im Weg. Also habe ich mir vor der Station eine Rikscha geschnappt. Fahrradrikscha. Nur 30 Rupien. Der kleine Kerl ist in die Pedale gestiegen das es nur so geknirscht hat. Während der Tour ist mehrmals die Kette abgesprungen, so das er erst einmal bremsen musste und unter dem Gefährt die Kette wieder auflegen musste. Als wir dann auf den Tempel zugefahren sind, konnte ich auch sehen, das ich eben einfach nur an den Marktständen vorbei ein kleines Stück am Straßenrand hätte gehen müssen und ich wäre auf der Zufahrt zum Tempel gewesen. Das konnte man aber nur aus der Richtung sehen, aus der ich gerade kam. Von der Station aus sah es wirklich so aus, als ob da kein Durchgang gewesen wäre.

Auf dem Parkplatz vom Tempel habe ich dem Fahrer statt der vereinbarten 30 Rupien dann 50 gegeben (ich hatte nix mehr klein). Er war sehr glücklich darüber. Sollte sich davon mal nen Kettenspanner kaufen :)

Am Tempel angelangt stand ich nun in einer Art indischer Warteschlangen-Hölle. So wie im Phantasialand an der Wildwasserbahn. Ab hier noch 3 Stunden. Nein, das muss nun wirklich nicht sein. Nebenbei habe ich dann die großen Schilder gesehen, das man alle elektronischen Geräte und Fotoapparate einschließen muss und nicht mit reinnehmen darf. Doof. Was macht das für einen Sinn wenn ich da drinnen nicht fotografieren darf ?

Ich habe mich mal ein wenig an der Schlange vorbeigemogelt und nach ganz vorne gepeilt. Keine Chance für den Fotoapparat. Es waren eifrige uniformierte Leute mit Flughafenscannern jede einzelne Person am kontrollieren.

Da habe ich mir gedacht, das mache ich nicht mit. Vor allem, bei den Schließfächern war nochmal so ne lange Warteschlange, da man seine Sachen nicht einfach einschließen konnte. Nein, man musste noch zusätzlich im Beisein eines uniformierten Herren irgendwelche Formulare ausfüllen ! Indien - Formulare, Formulare von der Wiege bis zur Bahre.

Kurzum. Ich habe mich rumgedreht und bin wieder zurück zur Bahnstation gegangen. Vom erhöhten Standpunkt an der Station habe ich noch ein paar Fotos vom großen Tempel geschossen, mich dann aber wieder auf den Weg zurück gemacht.


Jetzt hatte ich ja noch Zeit. Also konnte ich ja doch noch die Moschee, die ich beim ersten Delhi Besuch ausgelassen hatte, noch anschauen. Dafür hätte ich jetzt eigentlich fast genauso zurückfahren müssen und eine Station weiter bei Chandni Chowk aussteigen. Leider bin ich dann aber bei einer Station ausgestiegen die Rajiv Chowk hieß. Da hatte ich mich mal eben fett vertan. Als ich draußen mittels google Maps meinen Standort bestimmt hatte, wusste ich, ich war eindeutig falsch. Ich stand nämlich am großen Connaugh Circle und habe nebenbei noch  einen großen Park mit riesiger Indien Flagge gesehen. Zuerst wollte ich "mal um den Connaugh Circle herumgehen", habe dann nach einem Viertel ca. festgestellt, das das eine blöde Idee war. Das ist nämlich so riesig, das ich da bestimmt ne Stunde rumgestapft wäre durch den Verkehr. Da es zur Moschee nicht mehr so weit sein konnte (eigentlich war ich nur zwei Stationen zu früh ausgestiegen) habe ich mir dann ein Tuktuk angehalten. Ich musste dem Mann auch erst mit Händen und Füßen begreiflich machen was ich wollte. Als er das dann verstanden hatte, meinte er, er könne da nicht hinfahren. Es wäre Sonntag und alles sei gesperrt, er käme da nicht hin. Ich solle doch wieder in die UBahn und damit dorthin fahren.

Ich hatte zwar nicht begriffen was er mit "ist alles gesperrt" meinte, dachte aber, wenn er sich die Fahrt entgehen lässt, muss es ja wohl stimmen. Ich bin also wieder in die Ubahn ins Getümmel und noch die zwei Stationen weiter gefahren.

Jetzt trennte mich nur noch eine lange Basarstraße von der Moschee. Aus der Richtung aus der ich kam, kommt man quasi von der Rückseite an, muss also noch links oder rechts herumgehen zum Eingang. Der Basar war wieder so chaotisch und interessant, wie am ersten Tag in Delhi. Man musste sich auch wieder durch Menschen, Rikschas und Mopeds seinen Weg bahnen. Nur die Kühe fehlten hier noch. 

An der Moschee wurde ich auf der Treppe erst einmal aufgehalten. Stop. Es ist noch Gebet. Du musst bis 17:30 Uhr warten. OK. Das waren jetzt knapp 20 Minuten, das war zu verschmerzen. Um halb habe ich meine Schuhe abgegeben und bin rein gegangen. Drinnen war jemand der von mir noch 200 oder 300 Rupien für irgendwas wollte. Eintritt kanns nicht gewesen sein. Ich habe mich nur gewundert, warum aus der ganzen Menge genau ich rausgepickt wurde zum Bezahlen. Egal. Ich habe mir keinen Kopf gemacht, für irgendwas wars bestimmt gut. Jetzt später denke ich, das das die Gebühr fürs Hochsteigen auf das Minarett war, das der Typ kassiert hat.

Ja, die Moschee ist groß. Kann ich bestätigen. Und mit den Proportionen und den Türmen und dem großen Platz davor auch wirklich sehenswert. Von hier oben konnte man auch das Rote Fort sehen. Mannomann, ist es schon drei Wochen her, das ich da war ? Wow.


Nach ausgiebigem Umsehen bin ich dann wieder gegangen und zurück zur Station Chandni Chowk gewandert. Auf dem Weg zurück sind mir jetzt ganz viele Leute aufgefallen, die auf ihren Marktkarren oder Rikschas gesessen sind und dort gekocht haben oder geschlafen. Scheinbar haben die da an der Straße gewohnt.

An der Bahnstation mussten jetzt Entscheidungen getroffen werden. Eigentlich wollte ich ja noch ins Hard Rock Cafe. Dafür hätte ich jetzt aber nochmal ein paar Stationen inkl. Umsteigen meistern müssen. Am Ziel hätte ich noch ne Rikscha nehmen müssen. Es war jetzt halb Sieben. Vermutete Ankunft im Hard Rock Cafe wäre bestenfalls viertel nach Sieben gewesen. Dann hätte ich am Abend wieder zurück gemusst zur Station New Delhi. Und dabei muss man wissen das die Airportlinie nur bis 23 Uhr fährt.

Irgendwie wurde mir das jetzt gerade alles zu mühselig und zu kompliziert. Also habe ich die Entscheidung getroffen : Es geht zurück zum Hotel. Schließlich warens auch weit nach Sieben Uhr als ich beim Hotel angekommen bin. Ich habe mich nun nur noch beraten lassen, welches Restaurant ich am besten nehmen könnte. Meine Wahl fiel dann auf sowas wie ne Sportsbar. Die hatten ne Pizzakarte und noch andere Kleinigkeiten.

Die Pizza konnte man selbst zusammenbauen und die hatten auch Zutaten wie Salami, Würstchen, Bacon oder Schinken. Man, was war die Megamix-Allesdrauf-Pizza gut. Die hat echt geschmeckt. Die hat so gut geschmeckt, das ich später direkt noch eine gegessen habe. Noch ein oder zwei Bierchen dabei und ich war bettfertig.

Morgen gehts weiter zur ersten Stadt-Station. Varanasi. Bin mal gespannt. Gute Nacht.


Meine kleine Reiseseite mit meinen Reiseberichten
http://www.berndsteinke.de


*MisterB

  • Silver Member
  • Registriert: 11.01.2005
  • 578
Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #47 am: 21.06.2016, 10:21 Uhr »
21.03.2016 - Varanasi, Einmal heilige Stadt, bitte
 
Eigentlich eine Schande schon wieder auszuchecken und aufzubrechen. Ich habe mich hier echt wohl gefühlt. Zumindest hatte ich meinen Flug auf nach den Mittag gelegt und konnte noch länger im Bett bleiben. Das Holiday Inn bietet einen kostenfreien Transfer zum Flughafen an. Daher konnte ich stressfrei mit der Limousine zum nahen Flughafen anreisen.

Beim Terminal muss man schon vor dem Betreten den dort postierten Soldaten die Buchungsbestätigung, Reservierungsnummer und Ausweis vorzeigen um reingelassen werden. Dann muss man direkt im Eingangsbereich das Gepäck durch einen dort aufgebauten Scanner schicken. Die Tasche, bzw. die Reissverschlüsse werden mir ner Art Kabelbinder verschlossen und es kommt ein Tag dran, das die Tasche durch die erste Kontrolle gekommen ist. Jetzt kann man zum Schalter zum Check In.

Bei Inlandsflügen gibt’s mit IndiGo Air ein Limit von 15 Kilo. Das wurde in meinem Fall auch recht penibel eingehalten. Ich musste nämlich für knapp 3 Kilo „Übergewicht“ extra zahlen.

Das ging aber nicht am Checkin Schalter. Nein. Der gedruckte Boarding Pass wurde nun von einem Mitarbeiter zu einem anderen Schalter befördert. Jetzt musste ich mich dort am Schalter anstellen und durfte meinen Obolus entrichten und bekam dann nach erfolgter Zahlung den Boarding Pass ausgehändigt. Auch hier wieder Verwaltung Verwaltung Verwaltung.

 

 

Im Terminal dann ein eher gewohntes Bild. All die gängigen Ketten, die man so kennt waren vertreten und ich habe noch nen guten Kaffee und Croissants bei Starbucks zu mir genommen.

Das Gate habe ich dann auch schnell gefunden. Als dann die Boarding-Zeit dran war haben sich auch ganz viele Leute angestellt, es stand aber weit und breit keinerlei Info über Varanasi an irgendeinem der Schalter. Nach Scannen der Bordkarte wurden alle in bereitstehende Busse verfrachtet. Vor jeden Gate standen Busse. Am Bus stand aber auch nicht Varanasi dran. Ich bin einfach mit der Meute eingestiegen und habe einfach mal gehofft, das gleich mal jemand sagt „Willkommen im Bus nach Varanasi“ oder so. Also irgendwie war das alles ein klein wenig undurchsichtig und halb chaotisch. Dazu passte, das nun zwei Busse losfuhren, die Hälfte der Leute aber noch draußen stand und nicht mitgenommen wurde. Kurios kurios.

Das ich im richtigen Flieger war habe daran erkannt, dass der Pilot später beim Start was von Varanasi gefaselt hat. Durchsagen waren eigentlich auf Hindi. Auch das Englisch hörte sich an wie Hindi. Viel hab ich nicht verstanden. Bei einer der Durchsagen der Crew, die mehrmals hintereinander immer Dabuuu Dabuuu Dabuuu sagte, habe ich recht lange gebraucht bis der Groschen gefallen ist und ich wusste, dass die Frau eine Internetadresse durchgesagt hat und das eigentlich WWW heißen sollte.

 

 

Der Flug hat nicht lange gedauert und hat mich ereignislos nach Varanasi befördert. Von Varanasi wusste ich bisher nur, das im Lonely Planet stand, das Varanasi die wohl interessanteste Stadt in Indien sei, die einem „alle Sinne abverlangt“. Eigentlich habe ich die Stadt auch nur wegen dieser Aufmerksamkeit heischenden Formulierung mit in den Reiseplan aufgenommen.

Der Flughafen ist recht überschaubar. Linke Tür Abflug, rechte Tür Ankunft. So in etwa.

Das Hotel „Shree Ganesha Palace“ bot auf der Webseite einen Transport vom Flughafen an. Ich hatte die angeschrieben mit den Flugdaten und darum gebeten mich abzuholen. Ich habe auch eine Antwort bekommen, das der Fahrer zur angegebenen Zeit da sein wird. Auf meine Rückfrage wo denn der Fahrer sein wird und wie ich ihn erkenne, habe ich dann keine Antwort mehr erhalten. Vor Ort hat sich dann aber alles von selbst geklärt. Es gab nur einen Ausgang und dahinter stand schon ein Mann mit einen „Mr. Steinke“ – Schild. Vorbildlich. Und hui. Hier hatte es ein paar Grad mehr als in Delhi. War kuschelig warm.

Der Flughafen ist recht weit von der Stadt entfernt und wir sind die meiste Zeit über Land durch eine Baustelle gefahren. Offenbar wird die Straße gerade von 2-Spurige Landstraße zu 4-Spurige Landstraße heraufgestuft.

 

 

Auf dem Weg durchs Stadtgebiet habe ich auch das eine oder andere der Hotels gesehen, die ich bei Booking gefunden hatte. Hatten alle eines gemein. Sie sind weit weg vom Trubel am Wasser und den Ghats. Bis dahin sind wir nämlich noch längere Zeit auf verschlungenen Wegen durch die Stadt gekurvt. Plötzlich standen wir mit dem Auto mitten Basarchaos. Die nächsten hundert Meter ging es in Schleichgeschwindigkeit zusammen mit Menschen, Mopeds, Fahrrädern, Rikschas und noch mehr Menschen und Hupen und Schimpfen vorwärts. Plötzlich ist der Fahrer mitten im Betrieb an die Seite gerollt und meinte : Wir sind da. Und siehe da, durch einen schmalen Durchgang hindurch konnte man die Unterkunft sehen.

Das war jetzt insofern garnicht schlecht, als dadurch, das das Haus zurückgesetzt von der Main Road war, hier auch kein Lärm war. Das Shree Ganesha Palace wird von Zwillingsbrüdern geführt. Chiraq und den Namen des anderen habe ich vergessen. Ist aber auch egal, ich habe die beiden eh immer verwechselt. Beim Check In gabs nun einen offenbar oft geprobten Ablauf. Anhand von einer Checkliste, auf der alle Infos zum Hotel, zum Zimmer, wie man warmes Wasser kriegt, wo das Hotel liegt, welche WLANs mit welchen Logins es gibt und was es für Sehenswürdigkeiten gibt, verzeichnet waren, bekam man alles in Windeseile erklärt. War fast ein richtiges Briefing. Es blieben eigentlich keine Fragen offen.

 

 

Das Zimmer hatte ich mir jetzt größer vorgestellt. Großes Bett und Schrank und Kühlschrank passten zwar rein, aber es war fast kein Platz mehr für das Gepäck. Das Bad war dafür groß und OK.

Jetzt war es schon fast spät am Nachmittag und ich bin wieder raus auf die Straße um mich ins Getümmel zu werfen. Um von hier zum Main Ghat (mit dem schwierigen Namen Dashashwamegh Ghat) zu kommen, musste man nur ganz einfach mit der Menge mitschwimmen und sich zweihundert Meter geradeaus treiben lassen. Unfassbar was hier los war. In einem unendlichen Strom aus Menschen, Mopeds, Rikschas und wasweissichnoch habe ich versucht vorwärts zu kommen. Das ist mir auch nur ganz langsam gelungen. Für eine genaue Begutachtung der Gegend hatte ich ja noch morgen Zeit. Also bin ich jetzt direkt zum Haupt Ghat weitergeschlichen. Erst ein paar Meter vor den Treppen zum Ghat hinunter wurde der Betrieb weniger. Unten am Wasser hat es sich dann eher im Rahmen gehalten.

Ich habe mich mal genauer umgesehen und alle möglichen komischen Vögel, Heilige, Priester, Kitschverläufer, Ausgeflippte mit langen Bärten und den ein oder anderen weißen Rastaträger beobachtet. Ein unerschöpflicher Quell der Kuriositäten.

Am Wasser waren ein paar niedrige Plattformen aufgebaut. Hier fand dann wohl die abendliche Zeremonie statt.

 

 

Zuerst bin ich aber mal ein wenig flussaufwärts gegangen und nach Umschiffung von herumliegenden Gestalten mit wilder Haarmähne und roten Kitteln und herumliegenden Kühen und deren Kuhfladen dann beim Verbrennungsghat angekommen. Das müsste das Marnikarnika Ghat gewesen sein. Hier werden Leichen verbrannt. An ein paar Stellen waren auch Feuer am brennen. Die waren aber meiner Meinung nach zu klein für „echte“ Scheiterhaufen. Aber wer weiß. Als ich näher kam standen diverse Leute herum, die mich direkt mit „No Photo, No Photo“ anblafften. Is ja gut. Ich war von der ganzen Szenerie so dermaßen fasziniert, das ich sowieso gerade nicht auf die Idee kam Bilder zu machen.

Nach den No-Photo-Mahnern kamen dann diverse Priester (?) die einen einluden, doch gerne näher zu kommen und sich die Feuer doch gerne von Nahem anzusehen. Dazu hatte ich aber jetzt gerade überhaupt keine Lust. Ich habe einen Respektabstand gehalten.

Gelesen habe ich, das die Feuer 24 Stunden brennen, die Verbrennungen aber immer erst nach Sonnenuntergang stattfinden. Die Dämmerung hatte gerade begonnen und ich konnte nun sehen, wie eine Leiche auf einer Trage herbeigetragen wurde und in den Ganges getaucht wurde. Dann wurde diese Person vorbereitet und anschließend um die Ecke zu einem großen Feuer getragen.

Den Rest habe ich mir nicht mehr angeschaut und bin stattdessen ein wenig konsterniert ob dem, dessen ich gerade Zeuge geworden bin, wieder Richtung Main Ghat (das Ding mit dem schwierigen Namen) zurückgegangen.

 


Jetzt mittlerweile dunkel hatte hier schon die abendliche Zeremonie begonnen. Mehrere Leute vollführen auf den Plattformen an den Ufertreppen diverse Verrenkungen und nebeln alles mit Feuer und Rauch ein. Dabei spielt laute Musik mit vielen Glocken und Schellen. Alles ist irgendwie goldig. Ich habe mich hier erst einmal ein wenig aufgehalten und zugeschaut. Unglaublich viele Leute waren hier. Und auf dem Wasser drängelten sich die Boote dicht an dicht. Alle Boote waren picke packe voll mit Touristen.

Ich bin dann ein Ghat weiter runter gegangen. Dort war die gleiche Zeremonie im Gange, allerdings offenbar weiter fortgeschritten. Und es war weniger Betrieb hier.  Später bin ich wieder zurück zum Main Ghat und habe da, jetzt eher im Hintergrund, noch lange Leute beobachtet. Vielen war die Zeremonie offenbar wirklich wichtig. Die haben teilweise ganz inbrünstig gefeiert und getanzt.

Als dann die Zeremonie zu Ende war, hat sich der ganze Betrieb verzogen und ich bin über die Main Market Road mit gefühlt noch viel mehr Menschen und Motoren dicht an dicht zum Hotel zurück geströmt. War schon ein wirklich krasser Unterschied. Kaum war man von der Straße aus dem Höllenlärm mit Hupe abgebogen in den Durchgang zum Hotel, war beim Hotel fast himmlische Stille.

 

Beim Restaurant im Innenhof brauchte man eine Engelsgeduld. Karte ist vegetarisch. Ich habe mal zwei Sachen ausprobiert. Beide nicht so sehr dolle. Für morgen muss ich mal was anderes suchen. Wenn alle halbe Stunde mal einer vorbeigeschlichen ist und man den angehalten hat, konnte man auch ein Bier bestellen. Insgesamt hatte ich den Eindruck, das wohl nicht ganz klar war, wer für das Restaurant, bzw. die wartenden Gäste, zuständig war. Man musste immer jemanden anhalten der zufällig vorbei kam. Irgendeiner, der konkret mal gefragt hat obs noch was ein darf, ist da den ganzen Abend nicht vorstellig geworden.

Gute Nacht.
Meine kleine Reiseseite mit meinen Reiseberichten
http://www.berndsteinke.de


*MisterB

  • Silver Member
  • Registriert: 11.01.2005
  • 578
Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #48 am: 22.06.2016, 09:44 Uhr »
22.03.2016 - Gahts, Ghats und nochmal Ghats

Holi Festival. Davon hatte gestern beim Checkin schon einer der Zwillinge (Chiraq oder Nicht-Chiraq) irgendwas gesagt. Nach ein wenig Google habe ich dann auch herausgefunden, das sich an Holi die Inder teilweise verkleiden und vor allen Dingen mit Farbbeuteln um sich werfen. Ist wohl eine ziemlich ausgelassene Sache. Der Höhepunkt des Holi wäre eigentlich morgen. Allerdings waren wohl heute auch schon die Feierlichkeiten im Gange.

Draußen auf der Straße war davon allerdings nicht unbedingt etwas zu sehen. Da war der normale brüllende Basar-Betrieb.

Nachdem ich heute ausgiebig lange gepennt hatte bin ich nun erst mal die Marktstraße links hoch. Da hatte Google Maps Geldautomaten eingezeichnet. Und zumindest den ATM der „Induslandbank“ habe ich sogar gefunden. Gestern beim Checkin stand nämlich eines auch auf dem Laufzettel : Bezahlen Cash only. Und daher war der Gang zum Automaten dringend nötig.

Die nächste Zeit habe ich dann damit verbracht, die Marktstraße wieder in Richtung Ghat und Wasser zu erkunden. Ich bin immer mal wieder in die kleinen Gassen und Gässchen abgebogen die überall abgehen. Ich hatte noch ne kleine Karte ausgedruckt, wo laut Lonely Planet Restaurants sein sollten. Eines habe ich sogar gefunden. Die anderen Sachen habe ich vergeblich gesucht. Ich glaube ja garnicht, das die Ecken da überhaupt irgendwelche Straßennamen haben. Ich habe mich zumindest nur mit Abzählen der Abzweigungen oder einmündenden Nebengassen ein kleinwenig zurecht gefunden.
 
 

 

Wie gesagt, ein Restaurant habe ich sogar gefunden. Das war aber schon ein Ghat vor dem Hauptghat und die Ecken waren ein wenig besser begehbar. Lustig waren die überall auf dem Boden frei herumliegenden Wasserleitungen. Die Kupferrohre waren fachmännisch auf dem Lehmboden in den Gassen verlegt und dann notdürftig mit weiterem Lehm oder Sand bedeckt. Eigentlich lagen sie offen da. Interessante Installation.

In den Gassen stand ich auf einmal auch vor dem Entry Gate für den Vishwanath Temple. Den hatte einer der Brüder im Hotel auch empfohlen. Leider war ich hier aber an einem Eingang gelandet, der nicht für Ausländer gedacht war. Dunkel erinnerte ich mich, das im Lonely Planet stand, das es mehrere Eingänge gäbe und nur einer davon für Ausländer wäre. Dumm gelaufen. Hier war ich falsch. Ehrlich war es mir aber jetzt in dem Gassengewirr ein wenig zu aufwändig noch andere Eingänge zu suchen und zu finden. Ich bin wieder zur Main Road und von dort zum Main Ghat gegangen.

Dort habe ich mich nochmal ein wenig umgesehen und dann beschlossen, an den ganzen Ghats entlang bis zum fernen Ende zum letzten Ghat, dem Assi Ghat zu gehen. Ich bin nicht ganz sicher, aber am Wasser entlang ist das ca. 2 Kilometer. Zumindest, wenn man vom Main Ghat aus schaut, dann liegt das Assi Ghat schon weit entfernt milchig im Dunst der dreckigen Luft.

Als ich gerade losgegangen bin wurde ich plötzlich Opfer eines feigen, hinterrücks ausgeführten Farbanschlages. Was war passiert ? Irgendwelche Kids hatten sich einen Spaß daraus gemacht, mir von hinten einen Holi-Farbbeutel mit blauer Farbe in den Nacken zu hauen. Platsch. Da stand ich erst mal. Gerade in dem Moment war ich ziemlich verdattert und wusste auch nicht so ganz was da gerade passiert war. Als ich mich dann einmal richtig geschüttelt hatte und mir die Farbe den Rücken runterlief, kamen die ersten Leute an mir vorbei, die lauthals „Happy Holi“ riefen. Ein paar der Männer meinten dann auch noch „Nice Colours“. Hahaha. Auf jeden Fall war ich erst mal die Attraktion und alle faul in der Sonne liegenden Männer ringsum haben sich köstlich amüsiert.

Ganz spontan wollte ich ja direkt mal Baan Ki-Moon anrufen und die UNO-Blauhelm-Friedenstruppen bestellen. Dann habe ich mir aber gedacht, ach was, Happy Holi. Die lachen alle garnicht über dich, die lachen mit dir. Und so habe ich den restlichen Weg ein wenig hellblau eingeschlumpft zurückgelegt.

 

 

Einen Nachteil hatte die Strecke am Wasser entlang über die Treppen der Ghats ja. Es gab keinen Schatten. Ich bin die ganze Zeit in der fetten Sonne gelaufen und als ich dann irgendwann am Assi Ghat angekommen bin, hatte ich die Sonnendosis für heute definitiv überschritten.

Ich habe im Schatten noch ein wenig Rast gemacht. Weil aber irgendwer seine Diskolautsprecher unbedingt unweit von mir ausprobieren musste (hat wahrscheinlich schon für Holi warmlaufen lassen) habe ich mir um die Ecke ein Tuktuk geschnappt und bin in Richtung Hotel zurückgefahren. Der liebe Herr meinte dann, er müsse einfach mal mehr Geld fordern als wie vorher ausgemacht. Ich hatte beim Besteigen der Karre gefragt was es kosten würde zum Main Ghat zurück. 100 Rupien. Gut, ist fair. Später wollte er 150 Rupien haben. Ich habe 150 gesagt. Nein hast du nicht, wir hatten 100 ausgemacht. Nein 150. Nein 100. ……….. ich habe ihm dann letztendlich 120 gegeben. Damit war er auch zufrieden.

Im Hotel angekommen, habe ich mich erst einmal grundgereinigt. Das Zeug ist auch noch so schwer abgegangen. Musste mit warmem Wasser und Seife gut schrubben bis ich nicht mehr blau war. Ein wenig habe ich noch im Zimmer und in der Sitzecke im Innenhof rumgetrödelt, dann bin ich aber wieder raus auf die Straße. Obs ne gute Idee war, wieder ein frisches weißes TShirt angezogen zu haben ? Irgendwie wurde das Treiben jetzt gegen Abend immer wilder.

Am Main Ghat bin ich nun wieder zum Verbrennungsghat gegangen. Dort aber heute mal weiter und habe mich genau umgeschaut. Es war noch hell, an einem Fleck wurde aber ein richtig großes Feuer geschürt. Ich bin die Treppen hoch und in den Straßen dahinter noch herumgegangen. Überall sind riesige Holzstapel und Holzhaufen, die wohl alle für den baldigen Einsatz vorgesehen waren.

Von einem etwas erhöhten Punkt habe ich noch längere Zeit dem Schüren des großen Feuers zugeschaut. Dabei bin ich nur knapp dem nächsten Farbenattentat entkommen. Ich hatte schon die ganze Zeit auch eine Truppe Leute beobachtet, die von oben bis unten eingesaut eine totale Freude daran hatten, sich immer noch mehr Farbe überzukippen. Als die dann auf mich zu kamen, stellte sich heraus, das da unter den Indern auch etliche Spanier waren. Mit denen konnte ich verhandeln. Ich konnte glaubhaft darlegen, das ich eben schon einmal gefärbt war und ich eben erst die Grundreinigung hinter mich gebracht hätte. Puh. Mein Shirt ist weiß geblieben. Wir haben noch ein paar Worte gewechselt, dann ist die Farbtruppe aber weiter gezogen.

 


Und ich hab meinen Standort auch nochmal gewechselt. Weil jetzt wurde es interessant. Es tat sich offensichtlich was beim Feuer. Jetzt kamen ein paar Leute zwischen den Häusern hervor und brachten auf einer Trage einen in viele Tücher eingewickelten Leichnam runter zu Fluss. Der ganze Körper wurde jetzt in den Fluss getaucht und jeder schaufelte, sicher ist sicher, noch mit den Händen Wasser darüber.

Dann wurde der Körper aus dem Wasser heraus unweit des Feuers abgelegt. Jetzt kamen noch mehr Leute hinzu und es wurde offenbar gebetet. Unterdessen waren andere fleißig dabei noch mehr Holz herbeizutragen und den Haufen nun zu einem richtigen Höllenfeuer anzufachen.

Den Rest habe ich mir nicht mehr angeschaut. Ich wusste was jetzt als nächstes kam und das wollte ich mir nicht live ansehen. Ja, es ist sehr interessant, jetzt hatte ich aber lange genug am Feuer und im Rauch rumgestanden. Jetzt hatte ich Hunger.

Ich bin zu meinem Fund von heute früher gegangen. Das Dolphin Restaurant im Rashmi Guest House war im Lonely Planet gut beschrieben. Um hin zu kommen muss man vom Wasser aus erst mal eine lange steile Treppe erklimmen und dann im Haus selbst (es ist eigentlich ein Hotel) noch gefühlt 10 Stockwerke Treppen nach oben zum Rooftop Restaurant. Wenn man dann wieder bei Puste ist, kann man aus einer umfangreichen Karte von non-vegetarian Gerichten auswählen. Hat wirklich gut geschmeckt. Die Lage ist zudem sehr gut. Von oben hat man einen tollen Blick auf den Fluss und die vielen Boote, die sich zur Zeremonie ansammeln. Von der Zeremonie selbst kann man nichts sehen, da stehen noch ein anderes Haus und eine riesige Baumkrone im Weg. Aber hören kann man sehr gut.

 

Ich bin so um 8, als auch die Zeremonie so langsam vorbei war, gegangen. Der Betrieb war genauso wie gestern überwältigend. Beim Hotel habe ich mich noch ein wenig in den Hof gesetzt, ein Bierchen getrunken und das WLAN genutzt. Hier im Hotel hätte es heute nur ein abgespecktes Holi Menu gegeben. Ein Gericht und zwei Sorten Brot oder sowas. Gut das ich extern essen war.

Morgen geht’s weiter nach Kalkutta. Aber eigentlich habe ich morgen nochmal nen ganzen Tag Varanasi, weil der Flug erst um 19:30 Uhr geht.
Meine kleine Reiseseite mit meinen Reiseberichten
http://www.berndsteinke.de


*wolfi

  • Diamond Member
  • Registriert: 17.05.2010
    Ort: Teils am Neckar, teils am Balaton
  • 3.272
Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #49 am: 22.06.2016, 16:56 Uhr »
Bernd, ich bin schwer beeindruckt von dem, was Du so alles alleine unternommen hast!

Recht wagemutig, aber ist ja alles gut verlaufen.

Dein Bericht ist wirklich toll, nochmals danke!

*MisterB

  • Silver Member
  • Registriert: 11.01.2005
  • 578
Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #50 am: 24.06.2016, 13:37 Uhr »
Es geht noch weiter.

23.03.2016 - Happy Holi ! ..... und dann mal schnell nach Kalkutta
 
Chaos und Anarchie, bzw. in Indien auch Holi Festival genannt. Ich war heute noch länger liegen geblieben. Als ich dann so gegen Mittag im Innenhof der Unterkunft auftauchte, gabs da statt Kaffee nur diverse Personen und Gäste, die sich gegenseitig mit Farbe verschönerten. Denen bin ich gerade noch entkommen.   

Als ich dann auf die Hauptstraße trat da sah ich …… nichts. Wo waren die ganzen Leute ? Die Mopeds und Tuktuks ? So langsam ging mir ein Licht auf. Als die im Hotel was von Public Holiday gesagt haben, haben die wirklich nen Feiertag gemeint, wo alle frei haben. Keine Ahnung warum mir das so außergewöhnlich vorkam. Wahrscheinlich hatte ich nach dem bisher erlebten 24-Stunden-Basar-Gewühl es nicht für möglich gehalten, das der Inder auch mal frei macht.

Eine Kreuzung weit bin ich gekommen, da war es, das Schicksal ist blau, auch um mein Shirt geschehen. Ich hatte nur ca. 30 Meter benötigt um erneut Farbopfer zu werden.

Diejenigen, die noch auf der Straße unterwegs waren, waren fahrende Farbbeutel-Abschussmaschinen. Viele von den Leuten die noch zu Fuß oder per Moped unterwegs waren, waren ein wenig verkleidet mit bunten Perücken und sowas. Aber eindeutig die meisten waren mehr oder weniger eingefärbt.

Eigentlich hatte ich als Plan für heute die Gegenden etwas außerhalb, etwas entfernt der Ghats, im Blick gehabt. Das wäre auch grundsätzlich immer noch eine tolle Idee gewesen, wenn denn auch mal ein Tuktuk zu finden gewesen wäre. Die waren, genauso wie Taxis auch, nämlich irgendwie heute nicht existent.
 
 

Noch eine Kreuzung weiter habe ich dann einen einsamen Mann mit seinem Tuktuk gesehen. Und er war auch grundsätzlich bereit, mich zu fahren. Allerdings musste ich heute doch schon tief in die Tasche greifen. Heute gabs scheinbar nur den Feiertagstarif. 

Ich glaube die erste Ansage, die der Fahrer machte, waren 500 R. Für 500 sollte er aber dann auch nicht mit einer kleinen Fahrt davon kommen. Ich habe dann sehr zäh, mit vielen Gesten und Handzeichen (er konnte so gut wie kein Englisch) vereinbart, dass er mich zuerst zur Hindu Universität zum Tempel fährt, dort auf mich wartet und anschließend weiter fährt auf die andere Seite zum Fort und dort wartet und dann zurück führt. Letztlich habe ich das ganze Paket dann für 800 gekriegt. Die 10 Euro umgerechnet waren jetzt für Tuktuk fahren zwar unverschämt viel Geld, aber wer der einzige Anbieter ist, der sagt auch die Preise an.

Die Fahrt zum Univiertel und dann weiter zum Tempel war recht zügig absolviert. Während wir so fuhren, haben immer Leute von außen Farbbeutel in das Tuktuk reingeschmissen. Spätestens nach dem zweiten Treffer habe ich mich von der Vorstellung von sauberen Klamotten verabschiedet. Ich konnte mich später wohl nur noch notdürftig sauber machen und musste dann wohl oder übel etwas eingefärbt zum Flughafen. Und dem Fahrer wars auch irgendwie egal. Der hat sich garnicht gekümmert, das sein Vehikel innendrin immer blauer wurde.

Das Univiertel ist riesig groß und sehr weitläufig angelegt. Breite Straßen mit viel Grün und (auf den ersten Blick) großen alten Gebäuden. Der Tempel war auch recht nett. Allerdings zu. Happy Holi. Als ich zurück zum Tuktuk kam, hatte unsere Anwesenheit im Uniumfeld am Feiertag schon irgendeinen Wachmann auf den Plan gerufen, der gerade scheinbar meinen Fahrer des Geländes verweisen wollte, oder so. So habe ich zumindest das Gestikulieren verstanden.  Aber ich wollte ja eh gerade fahren.

 

Nun wollte ich zum Fort von Varanasi. Das liegt auf der anderen Seite des Flusses. Weiter am Horizont gibt’s zwar ne Autobrücke, hier in der Gegend der Ghats gibt’s aber nur eine Behelfs-Ponton-Brücke. Offenbar hat man irgendwann mal angefangen, so etwas wie eine Brücke zu bauen. Alleine ein paar Pfeiler und zwei aufgesetzte Brückensegmente zeigen an, das man irgendwann mal wild entschlossen war, hier eine Brücke hinzukriegen. Schaut man sich alte Google-Earth Bilder an von den vergangenen Jahren, so sieht das nun schon eine ganze lange Zeit angefangen und einfach aufgehört aus.

Und hier kommt die Ponton-Brücke ins Spiel. Ursprünglich als Behelf für die kurze (!!) Zeit der Bauarbeiten, wurde die Ponton-Querung aus Holzplanken und Metallplatten dort installiert. 

Und mittlerweile ist das die Hauptverbindung auf die andere Seite, über die sich Fußgänger, Mopeds und Tuktuks bewegen.

Die Zufahrt zu diesem Ding war auf beiden Seiten eigentlich nur mit 4WD Auto zu befahren. Aber der Tuktukmann ist da tapfer durch. Die Brücke selbst besteht aus rohen Holzplanken, die teilweise kaputt sind und teilweise mit so viel Abstand gelegt sind, das da locker ein Tuktukreifen drin verschwunden wäre. Zur Verstärkung hat man lose (!!) lauter Stahlplatten draufgelegt, die, mittlerweile krumm, beim Befahren abenteuerlich in der Gegend rumwippen.

Die Fahrt hinüber war so abenteuerlich, das ich mich mit beiden Händen konzentriert festhalten musste, um nicht aus dem Gefährt zu fallen. Fotos waren so gut wie unmöglich.

Drüben angekommen sind wir noch ein wenig dort herumgefahren. War nix los. Beim Fort dann Ernüchterung. Zu. Happy Holi. Da standen zwar ein paar Wachleute, die haben mich aber wieder weggeschickt. Heute wäre wegen Holi zu. Schade.

 

Als mein Fahrer merkte das zu ist, kam er auf die glorreiche Idee, mich zu einem „Market“ zu fahren, der garantiert offen hätte. Hier muss ich ganz selbst eingestehen, dass ich jetzt unter „Market“ was ganz falsches verstanden habe und mir ne fette Mall vorgestellt habe und daher den Braten nicht gerochen habe.

Die nächste halbe Stunde ist der Mann dann mit mir durch die Stadt gekurvt. Zwischendurch immer wieder irgendwelche Holi-Feierer auf der Straße, die alles und jedes mit Farbbeuteln bewarfen. Einmal hat der Fahrer irgendwen gesehen den er wohl kannte. Der ist dann aufgesprungen und vorne ein Stück mitgefahren. Alles in Allem sehr abenteuerlich. Iiiirgendwann sind wir dann in ein Viertel abgebogen, das erst einmal aussah wie ein Abbruchviertel. Dort hat er dann den Karren abgestellt und hat mich mit vielen Gesten und „come come come“ in ein Haus gelotst. Und schwupps war ich in den Fängen der Seiden-, Schal- und Teppichhändler gefangen, welche jetzt herbeikamen. Ich war beim „Market“ angekommen. Einem offenbar Provisionsshop für Seidenschals, Pashmina Schals und wasweissich, wo mich der Fahrer nun freudestrahlend ablieferte.

Jetzt wars mir auch passiert. Ich war mit einem Fahrer in einem Provisionsladen gelandet. Ich habe mich garnicht groß drauf eingelassen. Habe die Schuhe nicht ausgezogen und mich nicht gesetzt. Ich habe dem ersten direkt freundlich erklärt, das ich kein Interesse hätte zum Shopping. Da hat der Tuktukfahrer erst mal einen auf den Deckel gekriegt. Leider konnte ich es nicht verstehen, ich denke aber, das das Gespräch in etwa zum Thema hatte, was er denn da für einen abgeliefert hätte an dem man garnix verdienen könne.

 

Als wir wieder draußen waren habe ich nur gesagt, dass er mich jetzt wieder sofort zurück fahren solle, wo wir heute früher die Fahrt begonnen hätten. Naja. Zumindest hatte ich über diese Tour noch eine Stunde Tuktuk Fahrt durchs Holi Chaos in Varanasi bekommen. Ich war ihm eigentlich garnicht böse über den versuchten Shoppinganschlag. Es gab da eine kleine sprachliche Barriere zwischen uns. Dieser Barriere laste ich das jetzt mal an. Was jetzt nicht so dolle war, das er am Ende noch nachverhandeln wollte. Ich habe ihm die vereinbarten 800 gegeben und er wollte noch mehr. Da habe ich mich aber direkt auf dem Absatz rumgedreht und hab ihn stehen lassen. 

Im Hotel hatte man mir am Mittag noch gesagt, dass ich das Zimmer ruhig bis zum Nachmittag 15 Uhr belegen dürfe. So hatte ich jetzt auch noch die Gelegenheit mich ein wenig sauber zu machen. Zumindest die sichtbarsten Spuren der Farbe wollte ich aus dem Gesicht schon noch rauskriegen. 

Nachdem ich geduscht hatte und noch ein wenig im Innenhof in der Sonne geruht hatte, war es Zeit. Der Checkout ging recht fix, war aber leider etwas intransparent. Ich bekam eine Endsumme genannt, die ich jetzt doch bitte bezahlen solle.  Auf meine Frage, was bitte genau ich denn jetzt bezahlen würde, wurde widerwillig ein zusammengehefteter Stoß Belege hervorgeholt, die mir kurz vor der Nase hergeschwenkt wurden. Ich fand, für die wenigen Geschäftsvorgänge hier waren das verdammt viele Belege. Ich habe es aber letztendlich bezahlt. Auf dem Weg zum Flughafen habe ich im Kopf versucht alles selbst noch einmal nachzuvollziehen. Irgendwie kam ich aber partout nie auf den Rechnungsbetrag. Irgendwie fehlten da immer ein paar hundert Rupien (zu meinen Ungunsten natürlich). So groß war der vermeintliche Schaden zwar jetzt nicht (max. 10 Euro oder so), aber die schnelle Abfertigung und husch husch, jetzt mal schnell bezahlen hier, trübt doch ein kleinwenig den ansonsten soliden Eindruck vom Shree Ganesha Palace.

Am Flughafen wieder das gleiche Spiel wie in Delhi. Vorkontrolle am Eingang, Vorröntgen an der Eingangstüre, Checkin am Schalter. Aus irgendeinem Grund hatte ich bei Buchung des Fluges schon ein Übergewicht von 5 Kilo mitgekauft. Der Mitarbeiter am Schalter sah ganz enttäuscht aus, das er mir jetzt nicht Geld für meine schwere Tasche abknöpfen konnte.

Der Rest vom Airport war erschreckend unspektakulär. Zwei „Snackbuden“ standen herum. Die eine hatte nur Pringels Chips zu verkaufen, die andere nur Ritter Sport Schokolade und Fanta. Komische Vorstellung von Snack. Und so kam es, das mein Mittagessen/Abendessen heute aus einer Tafel Ritter Sport und ner Fanta bestand. 

Der Flieger sollte 19:30 gehen. Um viertel nach sieben immer noch keine Spur davon. Das wäre in Deutschland spätestens der Zeitpunkt gewesen, an dem alle in Panik verfallen. Nicht so in Indien. Um 19 Uhr 20 dockte der Flieger an und die Passagiere stiegen aus. Nun sollten sich alle in 6 Reihen ABC und DEF aufstellen. Nach den ABCDEF-Buchstaben der Sitzplätze. Und als der Flieger leer war (einmal durchsaugen oder feucht durchwischen wird überschätzt) hieß es dann, das jetzt bitte von außen nach innen die Reihen einsteigen sollten. Also zuerst die beiden Fensterreihen links und rechts, dann die Mittelplätze und dann die Gangplätze. Das hat erstaunlich gut und vor allem effizient funktioniert. Es gab zumindest kein Rumgenöle, das der Gangplatz wieder aufstehen muss, weil der Fensterplatz später kommt und so etwas.

 

Also irgendwas können wir doch von den Indern lernen. Und wenn es nur effizientes Einsteigen ins Flugzeug ist.

Letztendlich hatte die Maschine garnicht viel Verspätung. Wir sind noch vor 8 weggekommen. Und in Kalkutta war dann letztendlich bis auf ein paar Minuten die Verspätung fast rausgeflogen.

Der Flughafen in Kalkutta sah recht neu bzw. modern aus. Man konnte sich gut zurecht finden. Pickup von Gepäck ging recht fix. Jetzt musste ich irgendwie in die Stadt kommen. Im Vorfeld hatte ich schon gelesen, das man sich tunlichst, vor allem Abends und Nachts, am Schalter im Flughafen ein Prepaid Taxi in die Stadt nehmen solle und nicht irgendeines der illegalen Taxen draußen besteigen solle.

Da ich keinerlei Lust auf irgendwelche Experimente mit nächtlichen Betrügereien hatte, bin ich auch ganz brav zum Taxi-Prepaid-Schalter gegangen.

Die Idee hatten noch ganz viele andere Leute und so stand ich erst einmal in einer langen Schlange. Und stand und stand. Es war nicht wirklich ein Fortkommen zu bemerken. Zwischendurch wurde der Stand in Ermangelung von Taxis mal ne ganze Zeit zu gemacht. Dann waren wohl wieder eine Handvoll Fahrer angekommen und verfügbar und es wurden wieder ein paar Leute abgefertigt. Ein Geduldsspiel. Während des Wartens konnte man den ganzen Luftdüsen der riesigen Klimageräte nicht entgehen und ich wusste schon was mir morgen blühte. Die Erkältung war vorprogrammiert.

Lange Rede kurzer Sinn. Oder wie der Engländer sagt : To tell a long story short  : Ankunft des Fliegers in Kalkutta war 20:50 Uhr. Um 23 Uhr stand ich vorne am Taxistand und konnte das Taxi ergattern. 

Man sagt dem Mann am Tresen sein Ziel und der füllt irgendein Formular aus und kassiert. Das Formular muss man später dem Taximann zeigen, weil da steht das Ziel drauf. Erst wenn man am Ziel angekommen ist soll man dem Fahrer den Zettel dann übergeben. Wenn ich das System richtig verstanden habe, kann sich der Fahrer dann später mittels Vorlage des Scheines dann das Geld für die Fahrt erstatten lassen. Der Taxifahrer geht also im Prinzip in Vorleistung und rechnet später dann einen ganzen Haufen Quittungen in einem Rutsch bei der Taxizentrale (?) ab.

Mir ist ja mehrmals in den 2 Stunden in der Warteschlange der Gedanke gekommen, jetzt einfach rauszugehen und doch ein illegales Taxi zu nehmen. Aber da alle anderen, auch die Inder (vor allem die), ebenfalls so lange und ausdauernd in der Schlange ausgeharrt haben, dachte ich mir, die wissen schon warum sie hier stehen bleiben. 

Draußen stand ich dann erst auch mal wieder an. Kam mal ein Taxi wurde einem das dann zugewiesen. Die ganze Zeit rannten irgendwelche zerzausten Gestalten um einen herum, um ans Gepäck zu kommen. Angeblich wollten sie das ja nur ins Taxi laden. Vor mir war ein Inder in der Schlange, der sich direkt zu mir rumdrehte und mich eindringlich warnte, gut auf meine Taschen aufzupassen und den Typen auf garkeinen Fall mein Gepäck zu geben. „They run away with it!“. OK. Danke für den Rat, ich pass dann lieber mal gut auf.

Ich bekomme natürlich das älteste und schrottreifste Taxi zugewiesen das es gibt und der Fahrer grinst mich nur mit schwarz fauligen Zähnen an und versteht kein Wort. Er ist offensichtlich keiner Sprache mächtig, die wir beide zusammen kennen.

 

Und natürlich weiß er auch nicht, was ich von ihm will, als ich mein Ziel „The Oberoi Grand“ nenne. Eigentlich eines der besten Häuser in Kalkutta, hatte ich ja doch gedacht das dies bekannt wäre. Ich soll aber erst mal einsteigen und wir fahren los. Bei der Ausfahrt vom Flughafengelände muss man an ner Schranke vorbei. Er hält ein und fragt den Schrankenwärter nach Oberoi Grand. Es wird irgendwas gesprochen und ich höre immer nur „Grand Hotel“ „Grand Hotel“. Ich bestehe darauf, das in dem Namen aber „Oberoi“ vorkommt. Dies wird nicht so wirklich zur Kenntnis genommen.

Ein Stück weiter stehen an der Straße irgendwelche Leute rum (Taxifahrer??) und die werden nochmal gefragt. Die Hinweise verdichten sich, das wir jetzt zum „Grand Hotel“ fahren werden. 

Mir wars jetzt auch fast egal. Wie sagte der Fahrer Ützwurst bei der Comedy auf SWR3 immer … „Fahre Memphis!“. Ja, bitte, von mir aus.

Offenbar ist der Mann noch immer nicht sicher. Ich habe eine Karte ausgedruckt dabei. Die halte ich ihm hin. Er verschmäht sie. Er fragt nach Telefonnummer. Ja. Auf der Karte ist auch ne Telefonnummer drauf. Er hält an, gibt mir sein altes Handy und ich soll nun die Nummern eintippen. Da ich nicht weiß, was ich vorwählen soll und ob ich was vorwählen muss, tippe ich die Nummer international mit + - irgendwas ein. Das versteht das Telefon aber nicht und wir sind nicht weiter wie eben.

Er fährt weiter. Irgendwo in der Stadt läuft mitten auf der Straße ein Mann herum. Neben dem hält das Taxi mit quietschenden Reifen und der Mann wird auch befragt. Auch hier höre ich verdammt oft „Grand Hotel“.

Als ich den restlichen Weg auf dem Handy per GPS mitverfolge, werde ich dann doch ein wenig ruhiger. Die Richtung stimmt. Und schwupps sind wir in der richtigen Straße und schwupps stehen wir dann in der Vorfahrt vom Oberoi Grand Hotel. Warum habe ich nur gezweifelt ? Der Mann lacht mich freudestrahlend mit seinen verfaulten Zähnen an und ist offenbar noch viel glücklicher als ich selbst, das er das Hotel richtig gefunden hat.

Und ab jetzt begrüßt mich die Herzlichkeit auf Schritt und Tritt. Das Hotel ist echt klasse. Eine Oase, eine unwirkliche Luftblase die man durch die Drehtüre betritt. Jeder ist freundlich und Wünsche werden erfüllt, bevor man sie sich überhaupt ausgedacht hat. Der Checkin war (jetzt auch schon nach Mitternacht!) erfreulich einfach. Die Frau ist dann anschließend mit mir mitgekommen und hat mich aufs Zimmer begleitet. Auf dem Weg hat sie vom Hotel erzählt, von seiner Geschichte und hat mir schon mal ein paar Restaurants gezeigt. Leider hatte die Bar schon zu.

Im Zimmer habe ich erst mal alles von mir geworfen und habe mich aufs Bett geschmissen. Als ich kurz drauf den Puls wieder in normalen Regionen hatte, habe ich gesehen, das es noch einen Obstteller mit frischem Zeugs gab. Zusammen mit nem kleinen Bier aus der Minibar habe ich mich über das Obst hergemacht. Mein bisheriges Essen für heute war bis eben eine Tafel Ritter Sport gewesen.

Nach dem Stress bei der Anreise wird morgen aber mal richtig lange geschlafen. Gute Nacht.
Meine kleine Reiseseite mit meinen Reiseberichten
http://www.berndsteinke.de


*MisterB

  • Silver Member
  • Registriert: 11.01.2005
  • 578
Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #51 am: 25.06.2016, 18:07 Uhr »
24.03.2016 - Kalkutta liegt am Ganges .....
 
Wunderbar geschlafen. Das Oberoi ist ein Hort der Ruhe und Entspannung. Nein, ich kriege kein Geld vom Management, ich bin einfach begeistert. Der Service im Hotel ist ebenfalls Extraklasse. Ab dem Moment, in dem ich beim Frühstücksrestaurant vorstellig wurde und dabei nach meiner Zimmernummer gefragt wurde, wurde ich mit Namen angesprochen und ich hatte wirklich das Gefühl das ich nur jemanden ansehen musste und der wusste genau was ich wollte.

Beim Frühstück hab ich dann noch einen persönlichen Glücksmoment erlebt. Es gab doch tatsächlich richtige Brötchen und Brot und auch noch frische Schokoladencroissants. Man merkt erst wie man etwas vermisst, wenn man nach jetzt fast 4 Wochen irgendetwas das erste Mal wieder bekommt.

Der persönliche Eierbrater hat dann die Eggs wie gewünscht zubereitet und ich habe ungefragt noch einen Pott Ketchup dabei bekommen. Ich sage ja, die haben gewusst was ich wollte ohne dass ich es sagen musste (und das es zum Bratei wie es sich gehört Ketchup dabei gibt, ist garnicht mal so selbstverständlich).
 
 

 

Einer der (Ober-?) Kellner stellte sich dann noch vor und hat sich tapfer an der Aussprache meines Namens versucht. Muss sagen, er hat es am besten gemacht von allen die es vor ihm in Indien versucht haben. Wir haben uns noch ein wenig unterhalten und als er erfuhr, das ich anschließend noch nach Bombay fliege, war er hin und weg. Er selbst sei aus Bombay und wenn ich iiiirgendeinen Tipp von ihm benötigen würde, solle ich nur fragen. Anschließend meinte er, auch wenn ich nicht im Oberoi in Mumbay wohnen würde, er würde dem Concierge dort Bescheid sagen und der könne dann ja für mich Touren und sonstwas organisieren. Wow. Die haben mich da ja fast nicht mehr weggelassen. So lange habe ich noch nie für ein Frühstück benötigt.

Um es direkt zu sagen : Jaaaa. Es hatte seinen Preis. Für das Frühstück sind schon viele Scheine über den Tisch gewandert (bzw. auf mein Zimmerkonto) und auch sonst gab es nix, für das man im Hotel nicht extra zahlen musste. Internet gabs nur pro Tag für 30 Minuten. Ansonsten musste man dafür bezahlen. Und ein Bier in der Bar hat soviel gekostet wie in Rajasthan 3 Stück. Vom Abendessen im Restaurant will ich jetzt garnicht sprechen.

Also lernen wir. Verwöhnt werden kostet auch in Indien Geld.

Aber zurück zu Kalkutta. Tritt man aus dem Hotel heraus, steht man auch direkt wieder im brutalen Leben. Das Hotel liegt an einer der großen Hauptstraßen der Stadt und wird von dieser von einem breiten Arkadengang getrennt. In diesem Arkadengang hat sich ein Basar angesiedelt und jeder Quadratzentimeter ist mit Buden und Ständen mit Nippes, Klamotten, gefälschten Ray Ban Brillen oder Plastikuhren vollgestopft. Es ist so dicht gepackt mit Leuten, das man schon richtig Schwierigkeiten hat, hier zügig fortanzukommen.

 

 

Auf der Karte sieht es so aus, als ob das Hotel direkt gegenüber einer riesigen Grünanlage mit Central Park Ausmaßen liegt. In Wirklichkeit war das zwar grün, aber zumindest im oberen Bereich Höhe Hotel nicht gepflegt und auch abgeschlossen. Wenn man durch die ganzen Marktbuden einen Durchgang gefunden hätte, man hätte vor verrammelten Gittern gestanden. So viel also zum „mal gemütlich durch den Park spazieren“. Als ich lebend die breite Straße überquert hatte (was eigentlich garnicht mal so schwer war) bin ich auf der anderen Seite rechts hoch gegangen, bis ich am Busbahnhof angekommen bin. Busbahnhof sage ich nur, weil hier alle möglichen Busse kreuz und quer rumstanden. Hier waren sowohl Stadtbusse wie auch Überlandbusse (wo das Gepäck hoch aufs Dach aufgetürmt wurde) zu finden. Ein System habe ich dabei nicht erkannt. Ich hatte mir vorher aus dem Lonely Planet zwei bis drei Ziele etwas weiter weg rausgesucht, zu denen allen ein Bus hier von Esplanade hinfahren sollte. Nur, ich habe keinerlei Angaben zu Linien oder Busnummern oder Fahrpläne gesehen und gefunden. Ich habe also meine Idee, noch mit dem Bus irgendwo hin zu fahren, erst mal aufgegeben.

Nächster Test : die Metro. Auch hier war der Erfolg sehr überschaubar. Die Metrostation bei Esplanade sah erst einmal aus, als ob man sie gerade bei Ausgrabungen irgendwo gefunden hätte und darüberhinaus war sie zu und verrammelt. Eine Frage bei Google brachte auch interessante Ergebnisse. Je nach Fundstelle spricht man in Kalkutta von einer bis hin zu vier Ubahn Linien. Wieviele jetzt wirklich davon existieren ist offensichtlich weitestgehend unklar. Fakt ist wohl, das es genau eine Linie gibt und alles andere sich eher nur auf dem Papier oder in den Köpfen der Planer findet.

Gegenüber an der Kreuzung steht ein schön erhaltenes Gebäude mit vielen Türmchen und Erkern und Schnörkeln. Steht nur Big Bazaar dran, was es früher mal war konnte ich nicht direkt herausfinden. Ich bin der Straße noch ein wenig weiter hoch bis zur Tipu Sultan Moschee gefolgt und auf der anderen Straßenseite wieder runter. Die Metro Station Esplanade war auf dieser Straßenseite sogar geöffnet. Aber irgendwie sowohl äußeres Aussehen und auch das Aussehen des Eingangs und der Treppen machten einen nicht wirklich vertrauenserweckenden Eindruck. Ich habe das UBahn fahren erst mal vertagt.

 

 

Beim Hotel eine Straße weiter biegt man ab zum New Market. Ein wenig bin ich durch die alte Markthalle gewandert und noch bis zum alten Uhrenturm gekommen. Hier gabs jetzt auch wieder viele aufdringliche Herren, die mich in ihre Shops schleifen wollten. Von Seide über Pashmina Zeugs und Anzüge und auch sonst alles was ich nie wollte war alles vertreten. Manche von denen sind mir echt penetrant recht weit hinterhergelaufen. Das sollte auch die nächsten Tage immer wieder so sein.

Vom New Market bin ich dann in der Sutter Street gelandet. Hier waren im Lonely Planet ein paar Restaurants gelistet. War aber bei genauer Begutachtung alles nicht wirklich mein Fall. Direkt hier bei der Sutter Street ist das große Indian Museum. Laut Lonely Planet soll das sogar recht gut sein. Allerdings hatte ich jetzt und hier verdammt garkeine Lust den horrenden Eintritt zu zahlen. 500 wollten sie haben. Und irgendwie hatte ich jetzt und hier nicht wirklich Lust auf ein Museum. Also weiter.

Interessant war, das jetzt kurz hinter dem Museum noch ne Metro Station kam, die auf keinem der Pläne die ich gesehen hatte draufstand. Auch mal was neues.

Der weitere Weg bis zur Station Maidan zog sich dafür jetzt aber gewaltig in die Länge. Von Maidan musste ich noch zwei Blocks weiter. Dort bin ich die Shakespeare Sarani Road reingegangen, weil dort noch im Lonely Planet "Aurobindo Bhawan", die "mondäne Villa eines Gurus", eingezeichnet war. Das entpuppte sich aber jetzt nur als „normales“ Haus wo mal gerade garnix zu sehen war. Der Weg war jetzt echt für die Katz. Also wieder zurück und über die Kreuzung in den Park und dort direkt wieder links zur St. Pauls Cathedral. Vor der Kathedrale wäre noch das Planetarium gekommen, das war aber abgesperrt und (wie so vieles hier in der Stadt) verrammelt.

Die Kathedrale war jetzt nicht allzu spektakulär. Aber zumindest mal ne christliche Kirche nach 4 Wochen Tempel. Ich nutze Kirchen ja immer um mich mal in Ruhe hinzusetzen und ne Rast zu machen. Das ging auch hier ganz gut. An den Außenwänden war so etwas wie eine Art Umgang, wo diverse Gräber von bestimmt wichtigen und verdienten Bürgern Kalkuttas lagen. Alle natürlich recht alt. An den Wänden waren diverse Platten mit Inschriften befestigt, die jeweils eine kleine Geschichte über den hier Liegenden erzählte. Eine war in etwa so : Hier liegt Mr. Soundso, der am Abend des soundsovielten auf seinem treuen Pferd nach einem Besuch bei seinem Freund nach Hause ritt und bei diesem Ritt von einem Gewitter eingeholt wurde. Er wurde auf seinem Pferd vom Blitz erschlagen. Coole Story.

 

 

Leider stellte sich dann auch heraus, das ich zu meinem nächsten Ziel, dem Victoria Memorial, jetzt erst mal quasi außen einmal rumgehen musste, um das Gelände beim Kreisel am Queens Way zu entern. Direkt von der Kathedrale in den Park ging nicht. Da standen leider hohe Zäune.

Hier oben beim Queens Way – Kreisel sind auch die Ticketkassen. Das Memorial ist ein ziemlich imposanter Bau, der irgendwie spontan an einen Baumix von Capitol in Washington und Taj Mahal erinnert. Die gute Victoria war wohl nicht wirklich die beliebteste Herrscherin hier in Indien. Die Präsentation wird ein wenig stiefmütterlich behandelt. Wäre das Gebäude irgendeinem Inder oder Inderin gewidmet, das wär bestimmt ne fette Touristenattraktion in Kalkutta. So stehts irgendwie einfach nur rum.

Die Inder haben auch mit dem Bau dieses Dings so lange gebraucht, das es erst 20 Jahre nach dem Tod der Victoria fertig wurde. Indische Art der Rache  :)

Im Gebäude ist nicht so sehr viel los. Es stehen noch ein paar Statuen rum und ein paar Vitrinen mit Zeugs. Aber ansonsten ist schon eher das Gebäude selbst die Attraktion. Aus irgendeinem mir unerfindlichen Grund darf man drinnen nicht fotografieren. Wenn man sich aber mal unauffällig in eine Ecke stellt und die Kuppel oder sonstwas knipst, kriegt das eher keiner mit.

Auf der Rückseite geht’s raus und man kann schön durch den Park spazieren.

 

 

Mein nächster Stopp sollte der South Park Street Cemetery sein. Dazu musste ich wieder zurück in Richtung Kathedrale und wieder in die Shakespeare Sarani Road rein. Hier habe ich ein wenig dumm geplant. Wenn ich gewusst hätte, das ich die Straße eh durchgehen muss, hätte ich mir eben den Weg zu dem Aurobindo Dings sparen können. Da bin ich nämlich jetzt nochmal vorbeigekommen.

Eines muss ich mir mal fürs nächste mal merken. Wenn hier in der Stadt ein Weg auf der Karte lang aussieht, dann isser es garantiert auch. Die Maßstäbe sind hier doch eher etwas größer. Will damit sagen, die Straße weiter hoch und nochmal abgebogen bis zur Park Street habe ich mir auf einem recht langen Weg die Füße plattgelatscht.

Dafür hat der Cemetery dann entschädigt. Ein christlicher Friedhof mit echten Gräbern und Grabsteinen und Grabmalen. Habe ich in ganz Indien bisher noch keinen gesehen. Keine Ahnung ob dieser South Park Street Cemetery noch genutzt wird. Eigentlich alle Gräber die ich gesehen habe, waren von 1800-tobak. Und auch hier wieder auf den Grabsteinen teilweise ganze Geschichten über das Leben des hier liegenden Lt. Col. Seargent Irgendwas von der hochherrschaftlichen englischen East India Company.

Ich fands interessant. Eigentlich hatte ich jetzt zwar schon genug Meter auf dem Buckel für heute. Aber meine Karte sagte mir, das ich jetzt nur noch die Straße an der ich gerade stand ein kleinwenig durchgehen müsse, dann wäre ich beim Mutter Teresa House. Das kleine Stück entpuppte sich zwar dann auch wieder als unglaublich langes Stück, aber angekommen bin ich durchaus. In dem Mother Teresa House ist auch das Grabmal. Sie ist hier beigesetzt. In der Mission sind die Frauen mit der von Mutter Teresa bekannten Bekleidung unterwegs. Überall sind Tafeln mit Stationen des Lebens von „the Mother“. Leider nicht auf englisch. Es ist recht friedvoll und man wird auch ziemlich in Ruhe gelassen. Hier ist definitiv niemand, der einem penetrant was aufschwatzen will oder eine Führung anbieten will oder so etwas.

 

 

Jetzt war aber das Besichtigungsprogramm endgültig zu Ende. Ich habe jetzt nur noch gesehen, das ich durchs Viertel quer hindurch auf möglichst direktem Wege wieder zurück in die Nähe des Hotels kam. Zuerst durch die Ripon Street an Märkten und viel Leben auf dem Bürgersteig und etlichen Straßen-Essbuden vorbei und am Ende wieder auf die Park Street bis zur Chowringhee Road. Es hat sich ziemlich gezogen und am Ende war ich doch heilfroh zum Hotel abbiegen zu können und sobald ich die Lobby betreten hatte mich auf ein weiches Sofa werfen zu können. Puh. Als ich etwas zerstört durch die Hitze und die Luftfeuchtigkeit auf das Sofa gesunken bin, stand quasi direkt jemand neben mir, der mir eine Flasche Wasser überreichte. Sehr nett, Danke. Schon wieder ein nicht ausgesprochener Wunsch geahnt und erfüllt. Das Wasser war sogar kostenlos. War so ziemlich das einzige was ich im Hotel kostenlos bekommen habe  :)

Nach einer kleinen Rast auf dem Zimmer bin ich dann zum Abendessen runter ins Restaurant. Ich habe mir heute Abend nochmal nen Burger mit Pommes gegönnt. Der lachte mich so dolle an auf der Karte, der musste einfach sein. Über den Preis rede ich jetzt nicht, da deckt man am besten den Mantel des Schweigens drüber.

Jetzt aber ins Bett. Für Morgen hatte ich ein ähnliches Pensum diesmal in die andere Richtung hoch geplant.

Meine kleine Reiseseite mit meinen Reiseberichten
http://www.berndsteinke.de


*wolfi

  • Diamond Member
  • Registriert: 17.05.2010
    Ort: Teils am Neckar, teils am Balaton
  • 3.272
Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #52 am: 25.06.2016, 18:33 Uhr »
Super Bericht, weiter so!

Zwei Anmerkungen von mir (aus der Diskussion mit meinem Schwager, der aber nur in Rajastan war ...):

Der hat jetzt erzählt, dass sie für ein Kingfisher Bier immer so etwa 4€ bezahlt haben - ist ja für Indien ziemlich viel Geld, oder?

Zum Taj Mahal (wusste ich vorher auch nicht):

Der Erbauer hatte das ja als Grabmal für seine Frau und sich selbst geplant, wurde aber wohl von seinem Sohn entmachtet und in der Nähe eingesperrt - von dort konnte er auf das Grabmal schauen, welches aber keinen Hinweis auf ihn enthält - mindestens 8 jahre lang ...

Die anderen infos habe ich schon wieder alle vergessen, Indien hat eine tolle Historie! Von der East India Corp habe ich sogar eine Münze ...


*MisterB

  • Silver Member
  • Registriert: 11.01.2005
  • 578
Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #53 am: 26.06.2016, 00:54 Uhr »
Hallo.
Also zum taj mahal kenne ich auch nur die "offizielle" Version die auch bei Wikipedia zu finden ist.
Zitat
[Der Taj Mahal (deutsch: Tadsch Mahal, Perso-Arabisch: تاج محل, DMG tāǧ maḥall / Devanagari: ताजमहल tāj mahal, „Krone des Ortes“ bzw. „Kronen-Palast“) ist ein 58 Meter hohes und 56 Meter breites Mausoleum (Grabgebäude), das in Agra im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh auf einer 100 × 100 Meter großen Marmorplattform in der Form einer Moschee errichtet wurde. Der Großmogul Shah Jahan ließ ihn zum Gedenken an seine im Jahre 1631 verstorbene große Liebe Mumtaz Mahal (Arjumand Bano Begum) erbauen.

Bierpreis Rajasthan. Ja die 4 Euro sind aktuell ja um die 300 Rupien. Ich habe immer so um 250 Rupien herum bezahlt. Allerdings dann für große 560 ml Kannen. Kann man jetzt teuer nennen. Aber in Kalkutta oder Bombay habe ich teilweise das dreifache bezahlt ;) aslso daher wars in Rajasthan schon eher billig.

Gruß
Bernd
Meine kleine Reiseseite mit meinen Reiseberichten
http://www.berndsteinke.de


*Palo

  • Diamond Member
  • Registriert: 24.03.2006
  • 15.087
Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #54 am: 26.06.2016, 03:04 Uhr »
In 1658, Shah Jahan became very ill and, not unpredictably, a violent battle for succession broke out between his four sons, Dara Shikoh, Murad, Aurangzeb and Shuja. Though Shah Jahan favored the liberal Dara Shikoh, who championed a syncretistic Hindu-Muslim culture, it was Aurangzeb who eventually triumphed in the succession struggle by methodically eliminating his brothers. Aurangzeb captured Shah Jahan on 8 June 1658, and had him jailed at the Agra Fort, from where the old emperor could look wistfully at the glorious Taj. Shah Jahan died in captivity.

http://www.sscnet.ucla.edu/southasia/History/Mughals/Shahjahan.html

It was in 1657 that Shah Jahan fell ill, and Dara, Mumtaz Mahal's eldest son assumed responsibility of his father's throne. His other son, Aurangzeb, accompanied by his younger brothers Shuja and Murad marched upon Agra to in order to claim their share. They defeated Dara's armies and declared their father Shah Jahan incompetent to rule and put him under house arrest in Agra Fort. After Shah Jahan died in 1666 in captivity, his body was taken quietly by two men and was laid beside Mumtaz. Apart from the Taj Mahal, one of the Seven Wonders of the World,

 http://www.tajmahal.org.uk/shah-jahan.html


https://de.wikipedia.org/wiki/Shah_Jahan

Gruß

Palo

*MisterB

  • Silver Member
  • Registriert: 11.01.2005
  • 578
Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #55 am: 26.06.2016, 16:17 Uhr »
25.03.2016 - Kalkutta Sightseeing, Part 2

Heute hab ichs sehr gemütlich angehen lassen. Nach dem Aufstehen bin ich zum Frühstück gegangen. Auch heute wieder inklusive nettem Talk mit dem Bombay’er Kellner. Nach dem Frühstück bin ich wieder aufs Zimmer und hab mich noch ein wenig hingelegt. Mittags bin ich dann raus um den Rest von Kalkutta zu begehen.

Vom Hotel aus gings heute in nördliche Richtung durch den Betrieb des „Hausbasars“ wieder mit nem ganzen Gefolge von netten Leuten, die mir etwas verkaufen wollten. An der Kreuzung beim Esplanade Busbahnhof bin ich dann abgebogen zum Raj Bhawan. Das ist der Sitz des Gouverneurs von Bengalen und liegt inmitten einer recht amtlich großen Grünfläche. Leider kommt man nicht wirklich nahe dran. Ist alles hoch vergittert. Ich konnte auch nur ein Foto durchs Gitter bei der Haupteinfahrt machen ohne die Aufmerksamkeit der auch hier bewaffneten Wachen auf mich zu ziehen.

Direkt neben dem Park liegt das große Ranji Stadion. Es standen noch viele Barrieren und Absperrungen herum und viel Werbung für ein Cricket Match. So langsam dämmerte es mir, dass das WM-Spiel, welches ich gestern teilweise in der Bar im TV gesehen hatte, mal gerade Luftlinie 500 Meter neben mir live stattgefunden hat.

Vom Stadion aus geht’s die Straße hoch zur Town Hall und hier abgebogen steht man nach kurzer Zeit vor dem „Calcutta High Court“. Die Town Hall ist ein großes Säulengebäude, der High Court sehr sehenswert fast wie eine kleine Ritterburg. Hat mich entfernt an Gebäude in London wie Bahnhof Kings Cross oder Naturkundemuseum erinnert.
 
 

 

 


Auf den Bürgersteigen entlang der Town Hall bis hin zum Gericht „wohnten“ überall Leute. Unter notdürftig aufgespannten Planen steigt man über dort liegende Menschen drüber und an spielenden Kindern vorbei. Diese Personen werden von niemandem zur Kenntnis genommen. Die Inder die hier unterwegs waren haben diese Leute einfach ignoriert, als wenn die garnicht da wären. Ob diese Leute der Unberührbaren-Kaste angehören ? Da habe ich ja schon gelesen, das diese Leute für andere Inder quasi nicht existent sind.

Am Gerichtsgebäude bin ich mal an den ganzen vielen Eingängen vorbei gegangen. Für jede Berufsgruppe gibt’s hier gesonderte Eingänge. Es gibt die Eingänge für die Richter, für die Anwälte, für die Anwaltsgehilfen und diverse andere Angestelltengruppen. Jede Tür fein säuberlich mit Schildchen drüber, für wen dieser Eingang jetzt gedacht ist. Schon ein bisschen skurril.

Am Gericht entlang weiter hoch stößt man dann unweigerlich auf die St. John’s Church. Hier kostet es einen kleinen Eintritt. Ich glaube 20 R waren es. Von irgendwo hatte ich als Wechselgeld zwei 10er Scheine zurück gewechselt bekommen, die stellenweise eingerissen waren. Bei einem fehlte an einer Knickstelle ein klitzekleines Stück. Bei mehreren Gelegenheiten wurde die Annahme dieser Scheine verweigert. Nein, kaputte Scheine nehmen wir nicht. Auch hier an der Kirche wurde ich die zwei Zehner nicht los. Prompt habe ich die beiden Lappen mit einem entschiedenen NO wieder zurückbekommen.

Ich habe die beiden Scheine dann in der Kirche in die Spendenbox geworfen. Also in Indien aufpassen. Wenn man Geld gewechselt bekommt, keine optisch auffällig kaputten Scheine annehmen. Die kriegt man nie wieder los.

An der Kirche weiter geradeaus steht man nach kurzer Strecke dann vor dem imposanten General Post Office. Gegenüber auf der anderen Straßenseite liegt der sog. BBD Bag. Ein großes Wasserbasin. Das war wohl mal vor sehr vielen Jahren tatsächlich für die Wasserversorgung der Stadt zuständig. Das wird offenbar mit BBD Bag bezeichnet. Rund um das Basin saßen etliche Leutchen unter Sonnenschirmen und waren am Angeln. Offenbar hat sich das trotz der Drecksbrühe gelohnt.

 

 

 

Vom Post Office aus bin ich der Straße noch ein wenig weiter gefolgt. Hier sah es dann aber nach kurzer Strecke nicht mehr so toll aus. Die Häuser waren offenbar nicht mehr bewohnt (zumindest sah es so aus) und zerfielen langsam. Vor einer ziemlich verkommen aussehenden (ehemaligen) Standard Chartered Bank wuchs ein riesiger Baum mit langen Luftwurzeln aus dem Bürgersteig.

Ich bin dann wieder zurück zum Wasserbasin und um dieses einmal herum. An der einen Längsseite sind noch die „Writers Buildings“ sehenswert. Alte historische Gebäude, die auch noch in Schuss gehalten werden. An der von mir aus gesehen äußeren Nordwest-Ecke gab die St. Andrews Church noch einen schönen weißen Kontrast.

Einmal um das BBD Bag herum (an der entgegengesetzten Längsseite kurzerhand über die Tramgleise) stand ich wieder gegenüber dem Post Office. Hier gabs auf den bequemen Bänken unter Bäumen noch eine gute Gelegenheit für eine Rast. Dabei habe ich mal Google Maps konsultiert und dabei festgestellt, das ich eigentlich nur ungefähr einen langen Block vom Wasser entfernt war. Der „Hugli“ (oder Hoogly oder Hooghly) war direkt um die Ecke. Und unweit der Höhe vom Post Office sollte laut Google auch ein Fähranleger sein.

Ich wollte mit der Fähre auf die andere Seite. Einmal Hugli-Fähre fahren. Zwischen mir und dem Wasser wäre dann nur noch die Bahnlinie und die zerfallenen Ruinen eines wohl ehemaligen Bahnhofs zu überwinden. Ein wenig habe ich beim Anblick der Gleise und riesigen Schutthafen ja gezweifelt, das hier irgendwo ne Fähre sein soll. Weiter die Straße hoch habe ich aber dann noch weitere Gebäude gesehen und dort auch Fußgängerverkehr. Ich bin da mal hin und konnte dann sehen, das man hier tatsächlich über die Gleise gehen konnte und jenseits der Gleise ans Wasser drankam.

Auf der anderen Seite des Flusses liegt der alte Howra Bahnhof von 1910. Bei der ersten Holzbude wo jemand drinsaß habe ich mal zaghaft nach „Ferry to Howra, Return“ gefragt. Der Mann vom „Howra-Fairly-Ferry-Service“ gab mir dann zwei Tickets (Hin und Rück) für schlappe 5 (!!) Rupien. Das nenn ich mal ne günstige Art zu reisen. Am Fähranleger war ich alleine und habe die Wartezeit bis zur Ankunft eines der Rostkähne damit verbracht, den ganzen Kindern hier beim Angeln zuzuschauen.

 

 

 

Nach einer ganzen Zeit kam dann eine etwas ältliche Fähre. Diese hat eigentlich garnicht richtig festgemacht. Als das Schiff parallel zum Anleger war und noch Fahrt drauf hatte sind die Leute schon rübergesprungen. Und im fliegenden Wechsel bin ich anschließend auch dann rübergehüpft. Eigentlich hat die Fähre nicht richtig angehalten. Sofort gings dann zurück auf die Howra Seite. Hier geht’s sehr effizient zu, was „Umsteigezeiten“ angeht  :)

Drüben auf der anderen Seite steht man, von der Fähre runter, direkt im Verkehrschaos. Vor dem Bahnhof kommt man vor lauter Autos, Tuktuks, Taxis und Menschen fast garnicht vorwärts. Beim Bahnhof gibt’s einen alten und einen neuen Teil. Ich bin zum alten Teil. In der Vorhalle steht ein fast antik anmutender Ticketschalter aus Holz. Sehr süß. Bei den Bahnsteigen dann Menschen Menschen Menschen. Ein einziges Gewusel von vielen Ameisen, die offenbar alle irgendein Ziel und eine Aufgabe hatten.

Lustig fand ich, was da nebenbei auf dem Kopf für ein Gepäck rumgeschleppt wurde. Was die ganzen Leute mit den riesigen Bergen an Blechkanistern auf dem Kopf wollten würde ich ja wirklich gerne mal wissen.

Ich habe mich noch ne Zeit lang im Bahnhof aufgehalten und mich dann später wieder zur Fähre verkrümelt. Da musste ich auch nicht allzulange warten um wieder auf das vorbeischwimmende Schiff aufzuspringen. Ein paar gute Bilder von der markanten Konstruktion der Howra-Brücke konnte ich auch noch machen. Der Lonely Planet schreibt, das es offiziell verboten sei, Bilder der Brücke zu schießen. Keine Ahnung warum es das sollte und ob das wirklich so ist.

Zurück bin ich dann auf Höhe des Fähranleger quer durchs Viertel entlang diverser Street-Food Buden und Bürgersteig-Frittier-Küchen (die alle besetzt waren mit Leuten die Reis und irgendwelche andere Sachen in sich reinschaufelten, natürlich nur mit der rechten Hand) etwa eine Straße oberhalb vom Post Office rausgekommen.

Der Straße an den Writers Buildings gefolgt und bei der Bentinck Street abgebogen, geht’s geradeaus weiter zur Hauptstraße und dem Esplanade Busbahnhof. Hier war auch wieder viel Betrieb. Vor den vielen kleinen Läden wurden Transportkarren und Fahrräder turmhoch mit Waren voll geladen und abtransportiert. Diese ganze Ecke war wieder ein wenig mehr richtiges Leben. Hier gabs keine schönen historischen Gebäude, das war eine dreckige Straße wo gearbeitet wurde.

 

 

 

Der Trip heute war eigentlich ganz angenehm. Die Strecke war letztendlich nicht zu lang heute (auf jeden Fall kürzer als gestern) und ich hatte das Gefühl das ich gestern und heute viel von Kalkutta gesehen hatte, obwohl es von der Fläche bzw. Distanz her nur ein kleiner Bruchteil von Kalkutta war.

Durch den Basar vorm Hotel durchgekämpft bin ich dann wieder in meiner Luftblase entschwunden. An der Rezeption habe ich noch nach einem Transport zum Flughafen für morgen gefragt. Als ich sagte, dass es bitte nicht der teure Hotel-Transport sein solle, meinte die Frau wie selbstverständlich, dass dies kein Problem sei, sie würden gerne ein normales Taxi besorgen. Na bitte, geht doch auch günstig.

Später bin ich dann nochmal im Hotel im Restaurant essen gegangen. Ich war einfach zu faul um mich jetzt am Abend nochmal in der Sutter Road umzuschauen. Im Restaurant wurde ich jetzt am zweiten Tag wie selbstverständlich namentlich begrüßt.  Ich mag sowas ja  :)
Meine kleine Reiseseite mit meinen Reiseberichten
http://www.berndsteinke.de


*MisterB

  • Silver Member
  • Registriert: 11.01.2005
  • 578
Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #56 am: 28.06.2016, 10:27 Uhr »
26.03.2016 - Ankunft Bombay und ein wenig ums Hotel herum
 
Der Flug heute nach Bombay ging am frühen Nachmittag, so dass ich noch Zeit für ein langes Schläfchen und ein ausgedehntes Frühstückchen hatte. Beim Checkout konnte ich dann feststellen, das die „Nebenkosten“ hier im Oberoi (also Bier an der Bar, Frühstück, Abendessen, Steuern doppelt und dreifach auf alles...) sich ganz schön geläppert haben. Irgendwie hatte ich es geschafft, fast nochmal so viel für das „Drumherum“ zu zahlen, wie für die drei Übernachtungen. Die Dame am Tresen hat mir auch direkt wie bestellt das Taxi organisiert. Mein Wunsch wurde durch die Meldekette bis draußen vor die Türe weitergetragen und ein bärtiger Turbanträger ist direkt auf die Straße gespurtet und hat ein Taxi hereingewunken.

Beim Einsteigen raunte er mir noch zu „250 is enough for the ride“. Gut zu wissen. Zumindest war ich damit davon ausgegangen, dass er dies mit dem Fahrer auch offiziell ausgemacht hatte.

Die Fahrt war wieder einmal recht abenteuerlich. Der ist so wild gefahren, das ich mich zwischendurch mal gefragt habe, ob ich überhaupt lebend am Flughafen ankommen würde. Mittendrin dreht der Typ dann noch das Fenster runter und steckt sich nen Stengel mit irgendeinem Gras an. So wie der gefahren ist, muss das echt guter Stoff gewesen sein.

Nun ja. Wir sind angekommen. Beim Zahlen waren seine Vorstellungen und das was beim Hotel gesagt wurde natürlich zwei ganz verschiedene Dinge. Nach dem ganzen Lamentieren habe ich großzügig aufgerundet. Ein paar Scheine Bargeld musste ich aber noch für die nächsten Tage in Mumbai behalten.

Flughafen, zumindest Domestic Terminal, ist nix wildes. Allerdings hat sich hier mal ausnahmsweise keiner um die schwere Tasche gekümmert. Musste diesmal nix extra zahlen. Und einen Platz am Notausgang mit viel Beinfreiheit habe ich auch bekommen für lau. Da will man mal nicht meckern. Da hat mir AirIndiGO mal noch ein schönes Abschiedsgeschenk für den letzten Flug gemacht.

Der Flug war jetzt schon ein wenig länger aber auch ereignislos. Pünktlich in Bombay habe ich erst mal etwas länger am Gepäckband verbracht. Als dann endlich was kam, sind alle hingestürmt ohne Rücksicht auf Verluste. Das da bei der Stampede keiner totgetrampelt wurde war auch nur ein Zufall. Ich muss nochmal feststellen, das in Indien Anstellen und ggf. etwas Rücksicht nehmen und einem nicht seinen Koffer vor den Latz knallen weil man mit dem Riesending mitten durch die Menschentraube will nicht wirklich vorkommt.

Zumindest am Prepaid Taxi Schalter gings diesmal zivilisiert zu. Nur zwei Leute vor. Das Ziel (das Taj Mahal Palace Hotel) war bekannt. Hätte mich auch gewundert, wenn das jemand nicht gekannt hätte. Draußen bekam ich wieder mal einen alten verbeulten Minibus zugewiesen. Der Fahrer war auch nicht unbedingt ein fleißiger Englisch-Sprecher. Nach Nennung meines Zieles hat er mich noch etwas gefragt. Nach mehrmaligem Nachfragen konnte ich dann irgendwann daraus deuten, das er fragte, ob er den „langen Weg“ oder den „kürzeren Weg über die Toll-Bridge“ fahren solle. Die hundert Rupien Toll habe ich investiert.
 
 

 

Leider hatte ich es versäumt ein Taxi mit Klimaanlage zu ordern. So blieb mir nur, alle Fenster derer ich habhaft werden konnte, runterzukurbeln oder abzuklappen. Trotzdem habe ich nach sehr kurzer Zeit schon geölt wie Hölle. Mitten auf dem Weg meinte dann der Fahrer, er müsse tanken. Dieses Taxi war ein Gasfahrzeug und offenbar hatte er keinen Druck mehr aufm Kessel, bzw. Tank, so dass er eine Gastankstelle angesteuert hat um voll zu machen.

Irgendwann sind wir dann auch beim Taj Mahal Palace angekommen und er hat sogar den richtigen Abzweig gefunden für die direkte Vorfahrt zum Hotel. Mittlerweile war ich fast durch nass und wirklich heilfroh angekommen zu sein. Um beim Hotel reinzukommen muss man erst einmal seine Siebensachen abgeben und durch einen Flughafenscanner gehen. Allgemein war am Hotel und rundherum sehr viel Polizei, Militär und sonstiges Sicherheitspersonal unterwegs.

Beim Checkin dann wieder bester Service. Auch heute ist eine der Damen mit mir mitgegangen zum Zimmer und hat mir währenddessen viel über die Geschichte des Hotels erzählt.  Vom Zimmer allerdings hatte ich mir doch etwas mehr erwartet. Es war nicht schlecht, aber Schnitt und Ausstattung kamen doch etwas altbacken daher. Das Bad war jedoch top, mit viel Marmor und ebenerdiger Dusche. Trotzdem hat mir im direkten Vergleich das Oberoi in Kalkutta besser gefallen.

Hier im Taj Mahal Palace zahlt man einen gehörigen Batzen für den Namen und für die Geschichte. Irgendwo auf dem Flur war sowas wie eine Hall Of Fame aufgebaut, wo von jedem Staatsgast und Präsidenten der hier war (Obama, Clinton, die Queen etc. sind hier Stammgäste) Bilder hingen. Wahrscheinlich wird es mit jedem Präsidentenbesuch teurer hier.

Nun ja. Jetzt schon deutlich am späten Nachmittag angekommen bin ich wieder raus, um mir das India Gateway (bzw. Gateway of India), welches quasi direkt vor der Tür steht, anzuschauen. Da kommt man vom Hotel aber auch nicht direkt hin. Alles abgesperrt. Man muss weiträumig drumherum und durch ein paar Sicherheitskontrollen durch. Rund um das India Gateway war ein ziemlicher Betrieb jetzt am Abend. Ganze Heerscharen von Indern wollten Fotos von sich und dem Gateway machen.

Später bin ich dann an der Uferpromenade weiter bis zum Ende (da steht irgendein Bombay Sonstwas Club im Weg) gegangen. War jetzt am Abend ganz nett.

Im Lonely Planet standen hier noch zwei Restaurants drin. Einmal das Koyla. Das Haus habe ich gefunden. Und obendrauf gabs offenbar auch das Dachrestaurant. Allerdings habe ich keinerlei Hinweis darauf entdecken können, ob der Laden geöffnet hatte und wo bitteschön der Eingang dafür war. Ich bin wie blöd um das Haus rumgetigert aber ich habe nichts gefunden was der Eingang hätte sein können.

 

 

Auf der anderen Straßenseite gabs dann noch das Cafe Basilico. Ebenfalls eine Lonely Planet Empfehlung. Dort wurde extra hervorgehoben, dass die „ausgefallene Steak-Kreationen“ hätten. Irgendwie hatte ich den Eindruck, das die etwas überrascht waren, das sie nen Gast hatten. Es saßen auch nur an einem anderen Tisch Gäste. Die Vorspeise, ein paar Chicken Spieße, war wirklich OK. Das Main, bestehend aus einem Steak auf Spaghetti mit Sambal Olek Soße, war allerdings nicht wirklich schmackhaft. Das Fleisch war, wenn es denn wirklich Rind war, wohl noch von der letzten Straßenkuh übrig die mal hier gesehen wurde. Ne. Das hat nicht geschmeckt.

Als ich fertig war und wieder draußen, war gegenüber vom Dach des vermeintlichen Koyla immer noch kein Licht zu sehen. Ich hätte ja doch gerne mal gewusst ob die zu hatten oder ob der Laden überhaupt noch existiert.

Auf dem Rückweg habe ich dann quer durch das Viertel abgekürzt und bin damit, ganz zufällig und unbeabsichtigt, ich schwöre, beim Cafe Leopold herausgekommen. Beim Bier und ner großen Schale Nüsse habe ich hier dann noch Leute beobachtet. War sehr interessant.

Jetzt wars auch schon spät und Zeit fürs Bettchen. Beim Hotel konnte ich nur noch sehen, das das India Gateway offenbar nachts nicht beleuchtet wird. So gabs dann auch keine Fotos mehr davon.
Meine kleine Reiseseite mit meinen Reiseberichten
http://www.berndsteinke.de


*MisterB

  • Silver Member
  • Registriert: 11.01.2005
  • 578
Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #57 am: 29.06.2016, 10:19 Uhr »
27.03.2016 - Rundgang zwischen alten Gemäuern
 
Die Nacht im „Palace“ war ruhig. Jetzt erst mal Frühstück. Das war hier sogar im Preis inbegriffen (musste allerdings später beim Checkout trotzdem nochmal extra Steuern für den „Meal Plan“ latzen). Eingenommen wird das Frühstück im Restaurant mit Blick aufs India Gateway. Netter Ausblick, das kann man sich gefallen lassen. 

Die üblichen Bestandteile des Frühstücks konnte man sich in Buffetform selbst nehmen. Nur bei Eier und Toast bestand man auf Bestellung und Lieferung durch einen der vielen uniformierten Herren. Ach so und der Kaffee wurde auch streng durch das Personal rationiert.

Gut gestärkt konnte ich dann zu meinem geplanten Mumbai-Architektur-Spaziergang starten. Ich hatte mir eine kleine Strecke zusammengebaut, die mich an den schönen alten Gebäuden der Stadt vorbeiführen sollte. Natürlich nicht der ganzen Stadt, dafür ist Bombay ein klitzekleinwenig zu groß, zum Glück gibt’s aber hier „unten“ in der Nähe vom Stadtteil Colaba genug, was sich in Laufweite befindet.

Aus dem Hotel raus steht man ja schon direkt vor dem India Gateway. Daneben ist der alte Bombay Yacht Club. Folgt man nun der Straße bis zum riesigen Kreisverkehr mit der Wellington Fountain drauf, kommt man auch noch am Regal Cinema vorbei.

Direkt gerade über den Kreisel drüber sieht man schon die Grünanlagen vom großen Prince Of Wales Museum. Der neue Name für das Museum ist übrigens  „Chhatrapati Shivaji Maharaj Vastu Sangrahalaya“. Diesen Zungenbrecher benötigt der normale Tourist aber garnicht, alle Fahrer kennen das Museum wohl immer noch unter dem alten Namen.    Im Zuge der Tilgung allzu offensichtlicher Britischer Hinterlassenschaften wurden auch viele der größeren Straßen umbenannt. Im Lonely Planet steht, das selbst die Taxifahrer die neuen Namen nicht kennen und man im Taxi daher immer die alten englischen Namen nehmen soll. Im Museum bin auch drin gewesen. Das Gelände ist sehr schön. Viele Palmen und grün. Es gibt eine „Naturkunde-Ausstellung“, die ist von der Präsentation aber eher altbacken. Da stehen nur ausgestopfte Tiere herum. Hier dürfte gerne mal ein moderner Hauch durchziehen. Der Rest des Museums ist der indischen Kunst gewidmet. Bilder, Schriften, Skulpturen, Statuen …. . So wirklich hats mich nicht faszinieren können, ich war hier eher schnell fertig.
 
 

 


Die Mahadma Ghandi Road weiter hoch geht’s an diversen Collegegebäuden vorbei. Eine Bibliothek ist da glaube ich noch bei. Man kommt auch an der Uni und dem Gericht vorbei, allerdings hier nur auf der Rückseite. An der Kreuzung mit der Flora Fountain steht ein nicht näher bezeichnetes Gebäude, welches irgendwie an eine Ritterburg oder so etwas erinnert. Sehr schön anzusehen. Hier bin ich rechts abgebogen und durch die Straßen bis zum Horniman Circle Garden (tätsächlich ist dieser kleine Park das Innenleben eines riesigen Kreisverkehres). Hier in der Straße war jetzt nicht so viel los. Hier spielten Kinder mit Stöcken und Tennisbällen Cricket. Im Park konnte ich eine schöne Rast machen und danach die Town Hall sehen. Ein tempelartiges Gebäude mit vielen Säulen vor der Türe.

Zurück und zur Vorderseite des Bombay High Court abgebogen geht man eine ganze Zeit an dem großen Komplex entlang. Es stehen oft riesige Palmen im Weg, aber man kann viel vom Detail des Gebäudes mitnehmen. Stellenweise hatte ich ein wenig das Harry Potter Hogwarts Schloss im Kopf wenn ich mir die Ecken, Erker und Türmchen so angeschaut habe. In das Gericht soll man auch rein können und die Arbeit der indischen Justizmaschine hautnah miterleben. Leider war aber heute Sonntag. Und auch in Indien arbeiten Gerichte nicht Sonntags. Daher lagen die ganzen bewaffneten Wächter auch nur faul im Schatten und schauten mir nur träge hinterher, wenn ich mal wieder meinen Kopf durch den Zaun steckte.

Geht man weiter und steht vor einem hohen und verzierten Uhrenturm, dann ist man bei der Uni angekommen. Auch hier sind die alten Gebäude in der großen Grünanlage sehr sehenswert.

 

 

Auf der ganzen Länge ab dem High Court bis noch ein riesiges Stück weiter jenseits der Uni liegt auf der anderen Straßenseite eine riesige Grünfläche, der Maidan. In Höhe der Uni gibt es Gelegenheit, den Park zu durchqueren. Hier war sehr viel los. Wer nicht unter Schirmen beim Picknick saß, war garantiert mit mehr oder weniger professioneller Ausrüstung am Cricket spielen.

Jenseits des Parks geht es die Straße wieder hoch am alten Eros Cinema mit dem markanten Turm zur Churchgate Bahnstation. Interessanter als der Betonklotz der Bahnstation ist jenseits der Kreuzung das Verwaltungsgebäude „Western Railway Head Office“. Ein schönes altes Gebäude inklusive Dampflok vor der Türe.

Bisher hatte ich die Strecke aus dem Kopf gemacht. Um zu meiner nächsten Station, dem Victoria Bahnhof, zu kommen, wollte ich nun mal kurz auf der Karte spicken, welche Richtung ich genau musste. Extra für die Karten hatte ich heute das IPhone wieder eingepackt, nur um festzustellen, das das leider leer war. Grrr. Also musste ich jetzt von hier aus ein wenig frei fliegen. Ich wusste noch ganz grob, das es von Churchgate aus grob schräg hoch in nordöstlicher Richtung gehen müsste. Also habe ich mich grob in diese Richtung vorgearbeitet.

Im wesentlichen habe ich mich an zwei größeren und breiteren Straßen orientiert. Das war auch garnicht falsch. Als ich dann irgendwann, weil mir der Weg nun so langsam ein wenig weit vorkam, mal einen Straßenhändler gefragt habe, meinte der nur, ich solle ein kleines Stück die Straße weiter hoch. Und tatsächlich, ich stand direkt an der großen Kreuzung mit dem imposanten Terminus direkt vor mir.

 

 

 

Direkt im Dreieck von zwei abzweigenden Straßen ein Stück weiter steht noch ein anderes imposantes Gebäude, auch im Stil des Bahnhofes. Meiner Meinung müsste das irgendwas mit Goverment zu tun haben. Genau weiß ichs aber nicht.

Aber zurück zum Bahnhof. Mittlerweile heißt er „Chhatrapati Shivaji Terminus“, der alte Name „Queen Victoria Terminus“ ist aber allgegenwärtig.  Das Gebäude ist sehr sehenswert mit all den Türmen, Türmchen, Wasserspeiern, Tierfiguren und und und. Es ist fast schon verschwenderisch opulent verziert. Ich habe eine ganze Zeit damit verbracht, mir alle Einzelheiten des Gebäudes anzusehen. 

Dann bin ich mal reingegangen. Ja. Das war jetzt schon nicht mehr so interessant. Da ja heute Sonntag war sah es aus, wie in Köln im Hauptbahnhof mit normalem Betrieb. Also nichts spektakuläres. Bestimmt ist das während der Woche ganz anders.

Unweit des Bahnhof ist noch das General Post Office. Kann man bei der Gelegenheit auch noch schnell mitnehmen.

Für den Rückweg habe ich ganz kurz überlegt, ob ich mir ein Taxi schnappen soll. Da war ich aber spontan zu geizig für und daher habe ich die Beine in die Hand genommen. Der Rückweg war eigentlich fast die gleiche Strecke wie hin, nur ein paar Schlenker habe ich vermieden. Irgendwann stand ich dann an der Kreuzung mit der Flora Fountain, die ich am Mittag schon passiert hatte. Ab da bin ich die gleiche Strecke zurück. Am großen Kreisel mit der Wellington Fountain bin ich allerdings dann etwas mehr östlicher abgebogen und so quasi von der anderen Seite zum Hotel hingekommen. Das auf dieser Strecke das Cafe Leopold lag war reiner Zufall, ich schwöre. Ich habe hier mal kurz auf die Karte geschaut, mich aber in der riesigen Vielfalt, die da einlaminiert angeboten wurde, nicht wirklich entscheiden können. Spontan habe ich den Entschluss gefasst, gleich im Hotel mal eines der vielen Restaurants auszuprobieren.

 

 

Zuerst wars schwer überhaupt herauszufinden, welche Restaurants es im Hotel überhaupt gibt und dann noch wie die überhaupt zu finden sind. Das Hotel ist irgendwie so riesig groß, das man ohne „Directions“ ein kleinwenig verloren in der Riesenlobby steht. Eine Beschreibung, welche Restaurants, habe ich auf der Hotel Webseite gefunden. Nachdem ich mich entschieden hatte, habe ich mich dann durchgefragt. Das Restaurant hatte „normale“ Kost zu bieten. Neben typisch indisch dann auch Pizza oder Burger. Meine Wahl ist auf ein Chicken Alfredo als Vorspeise und nen Burger als Main gefallen. Leider muss ich sagen, dass es garnicht mal so toll war, wie ich jetzt vom Taj Mahal Palace erwarten würde. Ich habe schonmal besser gegessen. War nicht richtig schlecht, aber nochmal müsste es nicht sein.

Um für den Late Night Absacker wieder zurück ins Leopold zu gehen war ich jetzt eindeutig zu faul für. Also ist der Abend in der Bar mit Blick aufs (unbeleuchtete) India Gateway ausgeklungen. Zumindest hier waren die Herren immer fleißig dabei, die Schalen mit Popcorn, Nüsse oder Salzstangen aufzufüllen. Jedesmal wenn ich von einer Sache sichtbar etwas weggegessen hatte kam einer und hat nachgekippt. :) Brav.

Gute Nacht.

Meine kleine Reiseseite mit meinen Reiseberichten
http://www.berndsteinke.de


*wolfi

  • Diamond Member
  • Registriert: 17.05.2010
    Ort: Teils am Neckar, teils am Balaton
  • 3.272
Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #58 am: 29.06.2016, 16:26 Uhr »
Viele der Gebäude in Mumbay/Bombay erinnern mich stark an Londoner Bahnhöfe ...  :wink:

Überhaupt wirkt diese Architektur jetzt sehr englisch - im Gegensatz zu Deinen vorherigen Bildern!

Danke nochmals!

*MisterB

  • Silver Member
  • Registriert: 11.01.2005
  • 578
Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #59 am: 30.06.2016, 11:37 Uhr »
Mumbai/Bombay kam mir auch sehr "englisch" vor. Und die Gebäude sind wirklich wie Vorgänger oder Kopien von Londoner Wahrzeichen wie Kings Cross Bahnhof oder zum Beispiel auch dem Naturkundemuseum in London.

So. Jetzt kommt der letzte Tag.
Anschließend gibt's noch ne Abrechnung.



28.3. + 29.03.2016 - Einmal Slum bitteschön und Rückreise
 
Guten Morgen. Heute geht’s nach Hause. Fast vier Wochen Indien sind damit rum. Wo ich noch den Eindruck hatte, das sich die letzten Tage der Rundfahrt so ab Bikaner oder Mandawa etwas gezogen haben, hat die Zeitwahrnehmung spätestens ab Kalkutta wieder deutlich an Fahrt zugelegt und die letzten Tage sind verflogen. Mein Rückflug ging in der Nacht um 3 Uhr. Daher hatte ich noch einen ganzen Tag vor mir.

Nochmal ein feudales und reichhaltiges Frühstück. Heute gabs auch wieder wie selbstverständlich Ketchup zum Bratei. Vorbildlich.

Ich hatte mir für heute noch eine Tour durch das Dhavari Slum Viertel eingebucht. Die Firma „Reality Tours & Travel“ bietet unter dem Begriff „Slum Tour“ eine geführte Tour durch die „industriellen“ Teile des Dhavari Slums an. Dieses Slum Viertel ist das größte von Bombay (von Indien?) und offenbar ist man dort sehr produktiv. Das Viertel besteht aus unendlich vielen Kleinbetrieben, die alle irgendwas herstellen oder recyceln. Natürlich wohnen da auch sehr viele Menschen, aber Reality Tours macht keine Führungen durch die Wohnzimmer und Küchen der Leute. Das ist auch gut so. Bei dem, was man zu sehen kriegt, darf man auch nicht fotografieren. Man bekommt später einen Link zu einer Handvoll „freigegebener“ Bilder, die man benutzen kann.

Es gibt nicht nur Reality Tours die sowas anbieten. Eine kurze Suche auf Tripadvisor fördert unendlich viele dieser Companies zu Tage. Alle machen eigentlich was ähnliches. Reality Tours hatte ich als Treffer ganz oben und die unterstützen mit ihrem Tun auch Projekte im Slum, mit denen Gutes getan wird.
 
 

 

Treffpunkt für die Tour sollte um 13 Uhr am Churchgate Bahnhof sein. Den kannte ich ja von gestern schon. Ich bin also vom Hotel aus die fast schon bekannte Strecke hin zum Bahnhof kurzerhand zu Fuß gegangen. Heute hatte es wieder ganz nette Temperaturen und fiese Luftfeuchtigkeit. Als ich am Bahnhof anmarschiert kam, war ich schonmal komplett durchgeschwitzt.

Zur vereinbarten Zeit war niemand von Reality Tours zu sehen, dafür aber noch zwei andere Pärchen, die auch warteten. Die einen waren Deutsche, die zwei anderen offenbar Spanier. Der (ziemlich junge) Guide von Reality Tours kam dann irgendwann mit amtlichen 45 Minuten Verspätung auch mal an. War gerade so an der Grenze. Ich wäre in den nächsten 5 Minuten wieder gegangen. Aber dann wurde ja doch noch alles gut. Erst wurde die „Registrierung“ gemacht und die Zahlungen geklärt, dann hat er Fahrkarten für den Zug gekauft. Um zu dem Slum zu kommen, muss man ein gutes Stück mit der Vorortbahn rausfahren.

Eigentlich war das hier ganz einfach. Der Zug gondelte ganz gemächlich in der Gegend herum. Die Wagons waren offensichtlich für größere Mengen an Leuten ausgelegt. Es gab mehr Haltegriffe für Steher als Sitzplätze. Türen gibt’s am Wagon scheinbar keine. Wenn der Zug im Bahnhof etwas langsamer wurde, sind die Leute rausgesprungen oder auch schon reingehüft. Reine Standzeit gabs bei der Bahn fast keine. Das ging, wie bei der Fähre in Kalkutta, auch hier im fliegenden Wechsel.

Es gab wohl offenbar mehrere Klassen. Zumindest gabs reine Frauen-Wagons. Wo sich jetzt die Klassen noch weiter unterschieden habe ich bei dem Vorortzug nicht genau feststellen können. Offenbar wurden die Wagons von vorne nach hinten irgendwie älter und dreckiger. Könnte sein, das es am Zugende in den verrosteten Schrottwagons billiger war als vorne in den noch einigermaßen glänzenden Wagons.

Wir sind dann bis zur Station Mahim Junction (glaube ich) gefahren. Da waren auch noch andere, die mit Reality Tours unterwegs waren. Alle wurden dann irgendwie aufgeteilt und zogen dann mit ihren Guides in diverse Richtungen davon. Das deutsche Pärchen und Ich, wir bekamen eine Kleingruppenführung mit unserem Kinderguide.

Zuerst gings an der Bahn entlang über die Brücke direkt ins Slumgetümmel. Also irgendwie sah das hier noch garnicht so wild aus. Die Dreckstraßen und der ganze Müll haben mich fatal an diverse Ecken in Rajasthan erinnert, wo ich vor ein paar Wochen mit Anil hergefahren bin. Wer jetzt nur Mumbai Stadt kennt, der wird hier wohl einen kleinen Schock erleben. Aber mich hats jetzt nicht wirklich von den Socken gehauen. OK. Es gibt im weiteren Verlauf der Tour auch ein paar Ecken wo ich mich auch nicht freiwillig aufhalten würde, aber so schlimm wie ich mir jetzt ein „Slum“ vorgestellt hätte, wars aber dreimal nicht. Wie gesagt, nach ein paar Ecken in Rajasthan wars man ja Kummer gewohnt.

(Die folgenden Bilder sind die von Reality Tours freigegeben Bilder, die man nach der Tour über einen Downloadlink herunterladen kann. Die Bilder geben die Realität nicht wirklich wieder, die sind meiner Meinung nach ein wenig zu "positiv" gestaltet.)

 

 

 

 


Natürlich sind die Zustände in den ganzen Betrieben überall haarsträubend. Irgendwelche, wie auch immer gearteten, Arbeitsschutzmaßnahmen gibt’s hier nicht. Da wird in der Wohnküche Aluminium eingeschmolzen und in Barren gegossen und der Rest der Familie sitzt neben dem flüssigen Alubarren am Tisch. Übel übel. An einer anderen Stelle wurde unglaublich viel Plastik „recyceled“. Plastikgegenstände (Fernbedienungen, Radkappen, Stoßstangen, Kinderspielzeug ….) wurde in großen Schreddern zerkleinert. Dann saßen da lange Reihen von Frauen, die die Haufen Plastikbrocken nach Farbe sortiert haben (!!) und anschließend wurden die Haufen von gelbem Plastik oder blauem Plastik oder oder oder noch kurz eingeschmolzen (bestimmt ganz gesunde Düfte da) und zur weiteren Verarbeitung irgendwo hin transportiert. Findet alles in einer Gasse statt.

Wir sind von den Aluschmelzern über die Plastiksortierer zu den Großbäckern für Teilchen und Süßkram und den Akkord-Jeans-Nähern gegangen. Alles versammelt auf recht kleinem Gebiet. An einer Ecke wurden frisch abgezogene Tierhäute verarbeitet. Das war absolut eklig, da hätte ich mich fast übergeben müssen. Dann gings zu den Teigfladen-Bäckern und den Töpfern. Interessant fand ich noch den Besuch bei den Lederverkäufern. Alles Leder was hier verarbeitet wird kommt vom Wasserbüffel. Die haben da große Pressen, wo die in das Wasserbüffelleder jede beliebige Maserung reinpressen können. Wenn das hinterher noch entsprechend eingefärbt ist, kann man den Wasserbüffel dann als garantiert echtes Krokodil oder Schlange oder oder oder kaufen.

Irgendwann fing der Guide dann an zu erzählen vom Film Slumdog Millionair. Der wurde zum Teil „live“ hier im Dhavari Slum gedreht. Wir sind dann ne ganze Zeit lang durch unglaublich schmale und dunkle Gassen bei Leuten durch Wohnzimmer und Küche gestapft, immer mit dem Hinweis, das man den Kopf einziehen solle und ja keine Stromkabel zu berühren. War am Ende doch dann mehr „Wohngebiet“ wie es sich vorher angehört hat.

Gegen Ende sind wir dann zur „Slum-Zentrale“ von Reality Tours gegangen, wo noch präsentiert wurde, welche Projekte Reality Tours schon verwirklicht hat. Da war vom Computerkurs bis zum Mädchen-Fußballteam alles bei. Echt nicht unsympatisch. Dafür habe ich später gerne noch ein paar Scheine in die Spendendose gesteckt. Deutschland hatte denen einen Computer gestiftet. Der wurde wie ein Schatz hinter verschlossener Tür inkl. Bundesadleraufkleber aufbewahrt und war wohl hier im Slum ne echte Attraktion. Für die Kids wohl die einzige Gelegenheit mal einen Computer zu bedienen.

(ab hier sinds wieder meine Bilder)

 

Insgesamt zur Tour würde ich sagen : Ja, das kann man durchaus machen. Hier wird niemand zur Schau gestellt und hier werden auch nicht die reichen Weißen in Reisegruppen durch die Gassen getrieben für den Slum Tourismus. Überall wo wir hinkamen wurde der Guide begrüßt und auch wir Besucher wurden zumindest nett behandelt.  Die No-Photo-Policy ist gut. Die Einnahmen kommen den Leuten zugute, die Guides sind ausnahmslos „Locals“. Ich fand es interessant aber auch sehr anstrengend. Ich habe den genauen zeitlichen Verlauf nicht mehr im Kopf, aber wir sind auf jeden Fall gute drei Stunden da rumgestapft und haben Dinge gesehen und erklärt bekommen. Das alles aufzunehmen war anstrengend. Der Guide hat ein gutes Tempo vorgelegt, das war anstrengend ihm zu folgen. Und letztlich wurden auch die diversen Sinne (vor allem die Nase) immer wieder neuen Prüfungen unterzogen. Auch anstrengend.

Die Tour hat nicht da geendet wo sie angefangen hat. Wir sind mit dem Guide mit einem Sammeltaxi, welches bis Oberkante Unterlippe vollgemacht wurde, zu einer anderen Bahnstation gefahren. Ich hatte den Beifahrerplatz bekommen und hatte auf der ganzen Fahrt, angesichts der vielen zusammengeknuddelten Leute hinter mir, immer das Gefühl furchtbar viel Platz zu verbrauchen und wegzunehmen.

Als dann am Bahnhof alle aus dem Fahrzeug rausgepurzelt sind und alle Knochen gerichtet waren, gabs ne kurze Verabschiedung und bis der Zug kam noch ein nettes Pläuschchen und den Hinweis einfach sitzen zu bleiben bis der Zug an der Endstation (Kopfbahnhof) Churchgate angekommen ist. Und damit war die „Slum-Tour“ zu ende.

Ich bin auf dem Rückweg aber an der Station „Mahalakshmi“ noch einmal ausgestiegen und habe mir die große Freiluftwäscherei von Mumbai mal angeschaut. Ist relativ wenig Aufwand. Raus aus der Station und von der Autobrücke davor kann man schon alles sehen. Die Gegend ist auch so etwas wie ein Slumgebiet mit etlichen Wellblechhütten. Inmitten dieser Hütten gibt’s dann viele Steinbottiche wo gewaschen wird. Die Klamotten werden dann an Wäscheleinen auf dem Wellblechdach getrocknet. Es ist wohl so, das hierhin tagtäglich so gut wie alle Wäsche aus ganz Mumbai angeliefert wird und von hier auch wieder sauber ausgeliefert wird.

 

Wieder in Churchgate angekommen war ich jetzt doch ein wenig groggy. Der Fußweg zurück war recht schnell absolviert. Im Leopold gabs noch ein Abschiedsbierchen und im Hotel dann erst mal ne Dusche um den Dreck und die Gerüche vom Dhavari loszuwerden.

Ich glaube es war so um die 19 Uhr und ich habe mich dann noch bis 23 Uhr aufs Ohr gelegt. Tasche packen und alles für die Abreise vorbereiten hat noch ein wenig gedauert und so habe ich recht genau um Mitternacht im Hotel ausgecheckt.

Auch das Taj Mahal Palace hat nicht auf dem teuren Hotel Transfer bestanden und direkt wie gewünscht ein billiges Straßentaxi rangewunken.

Und jetzt bei der letzten Taxifahrt in Indien habe ich das erste Mal einen erwischt, der wusste was er tut. Die erste Fahrt, wo ich mich nach kurzer Zeit nicht fragte ob ich überhaupt ankomme. Ganz easy hat er mich vor dem neu aussehenden und modernen International Terminal abgesetzt und auch nicht nachverhandelt.


Checkin war schnell erledigt, war keiner am Schalter. Leider habe ich dann in der nächsten Stunde in der Schlange gestanden für die Passkontrolle und Ausreise. Hier war ein Mega Betrieb und die Beamten im hyper-bürokratie-Modus unterwegs. Als ich endlich dran war schaut der Typ auf mein Ticket und meint nur : Ach für Business Class gibt’s da hinten einen extra Schalter ohne Betrieb. AAAAAAAARRRRRRRGGGGHHHHH. Wie hoch ist die Strafe für Massenmord an Stempelbeamten ? Ich versichere das da nirgendwo ein Schild stand.

Naja. Ich habe mich für die nächste Zeit in die Lounge verzogen und noch was leckeres gegessen. Dann wars Zeit und ich habe die obere Etage im Buckel der 747 betreten und mich sehr easy nach Frankfurt befördern lassen. Als ich meinen Sitz dann zur Liege gefahren habe und mich da dann reingefaltet hatte (ein wenig kurz isses ja schon, muss ich ja doch mal meckern :) ) konnte ich sogar ein wenig pennen.

Tja. Und dann war am Morgen in Frankfurt mit eindeutig nicht Indien kompatiblen Temperaturen „Indien im März 2016 – Rajasthan Rundtour und Städte“ leider vorbei.

Tschüß !

Meine kleine Reiseseite mit meinen Reiseberichten
http://www.berndsteinke.de


 

usa-reise.de Startseite - Wir über uns | Impressum & Datenschutzerklärung | E-Mail
Social Media: Twitter | Facebook | Instagram
© 1999 - 2020 usa-reise.de - Amerika von Fans für Fans - alle Rechte vorbehalten | SMF 2.0.15 | SMF © 2017, Simple Machines

Seite erstellt in 0.121 Sekunden mit 29 Abfragen.