Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016

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*MisterB

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Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #30 am: 03.06.2016, 11:26 Uhr »
13.03.2016 - Ein Markt für Alles

Das Auschecken beim Hill Resort wäre so einfach gewesen, wenn Strom da gewesen wäre. Als ich bezahlen wollte gabs keinen Strom und somit auch keine Kreditkartentransaktion. Ich bin dann erst mal frühstücken gegangen. Als ich zurück an die Rezeption kam gabs immer noch lange Gesichter. Ich war gerade schon meinen Bargeldbestand im Kopf am durchrechnen als diverse elektronische Geräte plötzlich wieder einen Lebenspieps von sich gaben. Jetzt aber schnell. Wir haben der Internetleitung noch einen Moment gegeben um sich zu beleben und dann haben wir schnell gesehen das die Kreditkarte durchging. Puh. Nochmal Glück gehabt.

Essen und Getränke musste ich allerdings trotzdem Bar bezahlen, nur der Übernachtungspreis wurde mit Karte abgerechnet. Komische Regelung.

Von Ranakpur nach Jodhpur sind es so ca. 150/160 Kilometer. Trotzdem dauerte die Fahrt wieder absurd lange. Also Autoreisen in Indien wären echt nicht meine Sache. Wir sind am frühen Nachmittag angekommen und jetzt stand erst einmal das Erreichen der Unterkunft für die nächsten zwei Nächte auf dem Programm. Während wir durch die Stadt fuhren (Jodhpur an sich ist schon etwas größer, die haben hier sogar sowas wie nen kleinen Flughafen) konnte man merken, das, je näher man dem alten Teil Jodhpurs kam, es immer dichteren Betrieb und immer mehr Tuktuks, Mopeds und Fahrräder gab. Rund um den Uhrenturm war dann alles in der Hand von Zwei- und Dreirädern.
 
 

Anil hatte es auch jetzt wieder geschafft quasi mit dem Einparken schon einen Tuktuk Fahrer einzuhalten und ihn für die Fahrt zum "Hotel" zu chartern. Allerdings wusste scheinbar der Tuktuk-Mann auch nicht so recht wo das "Geetha Mahal" nun sein könnte, man einigte sich aber darauf, das es irgendwo in den Gasen jenseits des Uhrenturms wäre. Also ging die Fahrt los und der Fahrer hat auch prompt an fast jeder Ecke angehalten und nach dem Weg gefragt. Interessanterweise hat er bei seinen Fragen auch sehr viel Schulterzucken geerntet. Ich dachte schon wir wären gleich hilflos in den Gassen verloren. Doch plötzlich, oh wunder, fahren wir auf eine angestrichene Hauswand zu, auf der ganz dick der Schriftzug "Geetha Mahal" zu sehen ist (und ein dicker roter Pfeil nach links). Hier hat mich der Fahrer dann rausgeschmissen, mit dem Hinweis, ich solle jetzt dem Pfeil folgen. Zum Glück habe ich dann aber das rote Haus (ich hatte vorher auf Tripadvisor ein Bild von dem Haus gesehen) auch gesehen.

Ich wurde unten sofort in Empfang genommen. El Scheffe hatte alle nötigen Infos auf seinem Handy vorliegen und ich wurde herzlich willkommen geheißen. Die Unterkunft ist eigentlich ein altes Wohnhaus, wo die Betreiber selbst wohnen. Die oberen 2 Etagen sind zu Gästezimmern ausgebaut und ganz oben auf dem Dach ist ein Restaurant. Das Zimmer war groß, ein großes Doppelbett, eine Klimaanlage und Platz die Tasche hinzustellen. Das Bad war auch OK. Die blauen Kacheln mit Wellenmuster und glücklichen Delphinen drauf waren allerdings schon fast ein bisschen zuviel des Guten.

 

 

Mein Zimmer war auf Ebene drei, direkt unter dem Rooftop-Restaurant. Hier hoch kam man nur durch ein abenteuerliches Treppenhaus, für das man eigentlich eine Bergsteigerausrüstung benötigt hätte. Von Etage 2 zu Etage 3 gabs an der Wand nur ne Kette, an der man sich hochziehen konnte um die ungleichen und unebenen Steinstufen zu meistern. Ich habe mir an den nächsten zwei Tagen mehrmals den Schädel angehauen, weil das Treppenhaus zusätzlich zur Kletterei verdammt niedrig war.

Also ich kann nur sagen, das Haus hatte Charm.

Nachdem ich mich eingerichtet hatte, bin ich sofort wieder los. Ich wollte ausprobieren, ob ich von hier den Weg zum Uhrenturm zurück wieder finden würde. Eigentlich war das garkein so großes Problem. Wenn man einmal die grobe Richtung erwischt hatte, kam man immer so ziemlich richtig raus.

Von meiner Richtung her kam ich immer zuerst an einem recht großen Laden vorbei der so ziemlich alles aus Holz verkaufte. Figürchen, Möbel, Laternen, große Figuren und und und. Der große Elefant vor der Türe war toll. Da hätte man aber bestimmt schon nen Hänger gebraucht um den wegzubringen. Also nix fürs Handgepäck. Gegenüber war ein Läden für Leitern und allgemein Holzstangen aller Art. Da konnte man im Vorbeigehen ne schöne handgefertigte Holzleiter mitnehmen. Hat auch was.

 

 

Durch das Tor an den vielen Tuktuks vorbei steht man dann mitten im Leben, sprich mitten im Basar von Jodhpur. Hier versammelt sich alles an Marktständen, was man nie zu träumen gewagt hat. Zuerst bin ich linkerhand marschiert und habe mich inmitten von vielen Obst- und Gemüseständen wiedergefunden. In den Gassen dahinter gibts viele Stände mit Reis und Gewürzen. Was nicht am Stand verkauft wird, fahren Männer auf mobilen Karren durch die Straßen. Knoblauchzehen, Rosinen (oder Datteln?) oder irgendwelches Brot.

Schlägt man eine andere Richtung ein, gehts in den Haushaltswaren-Bereich. Hier gibts alles vom Topf, der Kaffeemühle, dem Löffel bis zum Sieb oder der kleinen Spülbürste. Alles in Haufen teils kreuz und quer aufgetürmt.

Daneben dann die Klamotten und Schuhe. Schreiend bunte Textilien und große Berge von Plastiklatschen schreien nach Kundschaft.

Zwischendrin auf ein paar Quadratmetern freiem Platz tun Straßenfriseure ihr Handwerk oder es sitzen ein paar Schuster dort die Schuhe flicken. Ein kunterbuntes Treiben.

Das kurioseste war aber der ganze Bereich des Marktes wo offensichtlich nur alter Schrott verkauft wurde. Da gab es "Läden" die boten alte Netzteile und Festplatten an. Daneben standen viele ausgeschlachtete Home Trainer neben Benzinkanistern und Munitionskisten. Alte Hartschalenkoffer langen neben Haufen von Schraubenschlüsseln. Schrottige Fernseher wurden zusammen mit Mixern aus 7. Hand angeboten.

 

 

 

Ich bin hier noch recht lange geblieben und habe mir alles angesehen. Ich konnte mich hier fast nicht mehr satt sehen. Eine Gasse mit Schneidern hab ich noch erkundet. Da hätte man sich in Rekordzeit neue Garderobe machen lassen können. Der Stoff lag draußen in Ballen vor der Türe und drinnen saßen Männer vor Schneidetischen und alten Kurbel-Nähmaschinen mit Fußantrieb. Herrlich herrlich herrlich.

Später habe ich mich dann doch losgerissen und versucht, jetzt einen anderen Weg zurück zu erkunden. Obwohl ich eigentlich ursprünglich in eine andere Richtung gegangen war, bin ich nach diversen Abzweigungen doch wieder auf den Weg von eben zurückgekommen. Also eine Gefahr sich zu verlaufen gabs scheinbar nicht. An neuralgischen Punkten trafen sich wundersamerweise immer alle Wege aus allen Richtungen :)

Gegenüber des Holz- und Leitergeschäfts konnte ich noch Zeuge werden, wie zwei junge Männer versuchten, irgendein Möbelstück (was mich an eine Art Unterstellbock erinnerte) mit ihrem Moped abzutransportieren. Sogar der Leiternfabrikant gegenüber hat sich köstlich darüber amüsiert. Die Zwei haben aber auch wirklich jede erdenkliche Position ausprobiert bis sie es endlich geschafft hatten dieses Holzteil irgendwie auf dem Zweirad zu halten.

Später oben im Rooftop-Restaurant gabs kaltes Kingfisher. Die Speisekarte war jetzt nicht allzu ergiebig. Vegetarisch plus Pizza. Ich habe mich heute für Pizza entschieden. Die hat mich dann aber später eher an Tiefkühl Pizza erinnert. War nich so dolle.

 

Ungewohnt war, das es kein gewohntes Sitzmöbel gab. Man hat im Schneidersitz an niedrigen Tischchen gehockt oder gekniet. War sehr ungewohnt. Am Ende des Abends waren meine Beine eingeschlafen so das ich kaum noch die Treppe runtergekommen bin.

Dafür das ich von der Gasse eigentlich nur durch einen Holz-Fensterladen und ein Fliegengitter getrennt war, war es am Abend und in der Nacht eigentlich verdammt ruhig. Hätte jetzt gedacht das hier mehr Krach gewesen wäre.

Gute Nacht.
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*Herzerl

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Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #31 am: 03.06.2016, 13:04 Uhr »


 [img]


Hihihi.... wie wurde das denn konrolliert? Hast du mal gefragt?

Also mich hat der Guide damals in Bali vor so einem Tempel echt gefragt.
So ganz in normalem Ton (nicht verschämt oder so) wie wenn er gefragt hätte wie ich heisse!
Ist für die anscheinend ganz normal.
Ich habe mich aber schon gefragt, ob die menstruierenden europäischen Frauen das wirklich zugeben würden
und dann irgendeinen schönen Tempel nicht anschauen würden!?

@MisterB
Ich wiederhole mich, aber Dein Reisebericht ist wirklich super! Vielen Dank! Die Bilder....  :dankeschoen:



*wolfi

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Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #32 am: 03.06.2016, 14:20 Uhr »
Da muss ich doch noch mal in den Lidl und mir ein Kingfisher holen, um auf Mr. Bernd anzustoßen!   :D

Diese Märkte (in Asien generell, auch in Nordafrika oder der Türkei geht es ja in die selbe Richtung) sind einfach wahnsinnig - vom frischen exotischen Gewürz bis zum Plastik-Schrott aus China in unmöglichen Farben ...

Die Farben in Deinen Fotos sind überhaupt toll, mein lieber Schieber - äh, Bernd!  :P

Wenn wir jünger wären ...

Manchmal könnte man schon auf die folgenden Generationen neidisch werden ...

Die ganze exotische Welt steht einem offen - man muss nur wollen!

Also bitte weiter machen!

*MisterB

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Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #33 am: 04.06.2016, 19:16 Uhr »
Im Lidl gibt's Kingfisher ?
Das muss ich hier bei uns direkt mal ausprobieren. Jetzt auch nicht weils mir so dermaßen gut geschmeckt hätte, sondern um mich beim schreiben der letzten Tage des Berichtes nochmal in die richtige wehmütige Stimmung zu versetzen :)

Gruß
Bernd
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*wolfi

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Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #34 am: 04.06.2016, 19:49 Uhr »
Jetzt zur EM gibt es bei unserem ungarischen Lidl natürlich Biere aus allen Teilnehmerländern - ich nehme an, das ist beim deutschen genau so.

Und vorher muss das "interkontinentale" natürlich weg - die Restbestände an Kingfisher, Tsingtao, Miller, Foster's und einem thailändischen Gebräu (Name vergessen) müssen da natürlich weg - Restposten zum Sonderpreis!  :lol:

PS:

Wir haben ja auch regelmäßig asiatische Wochen bei Lidl - da werden dann Saucen und Curry als typisch indisch angeboten ...

Das könnte vielleicht auch das Fernweh mildern ...

Deine Bilder sind wirklich großartig - diese indische Farbenvielfalt kommt unheimlich gut rüber!

*MisterB

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Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #35 am: 06.06.2016, 10:49 Uhr »
14.03.2016 - Blaue Stadt mit Fort
 
Frühstück bestand heute aus ein wenig Toast und dazu nem Kaffee. Irgendwie war heute im „Dachrestaurant“ offenbar nur der jüngste Ableger der Geetha-Mahal-Betreiber im Dienst (ich schätze mal 12 oder sowas) der mich zum einen nicht wirklich verstand und zum anderen wohl nur in der Lage war, Kaffee und Toast zu machen. Ansonsten war er hauptsächlich damit beschäftigt die Treppe zu kehren.

Mit Anil hatte ich mich beim Uhrenturm verabredet. Den Weg kannte ich jetzt schon sehr gut. Nach 10 Minuten war ich da, wobei ich wohl am längsten gebraucht habe, mich über die große Kreuzung zu trauen.

Im Bereich des Basars war (noch) nix los. Die Straßen waren auch alle einigermaßen gut aufgeräumt. Ich hätte jetzt echt nicht gedacht, das die Leutchen hier jeden Abend ihren Kram zusammenpacken und die Stände abbauen bei all den Unmengen Klimbim der gestern Abend hier rumlagen. Zumindest jetzt so kurz nach 9 war auch noch keine große Wiederaufbautätigkeit zu erkennen. Der Basar geht scheinbar erst später los.

Für Jodhpur standen heute erst einmal zwei Sightseeing-Sachen auf dem Programm. Zum einen die große Festung und dann noch ein etwas kleinerer Palast.
 
 

Zu dem kleineren Ding sind wir zuerst hin. War eine recht umständliche Schaukelei durch ziemlich abenteuerliche Ecken, bis wir zum Aufstieg auf den Berg kamen. Unser Ziel, Jaswant Thada, ist in Sichtweite der Festung ebenfalls auf einem Hügel und ist garkein Palast sondern ein Denkmal oder Ehrenmal, welches irgendwann mal ein Maharaja für seinen Maharaja-Vater gebaut hat. Das Teil ist komplett aus Marmor gebaut und ist wirklich sehenswert.

Ob man auch reinkann weiß ich garnicht. Ich glaube aber nicht. Beim Ticketkauf muss man das obligatorische Photopermit auch kaufen. Jetzt mal echt eine Frage. Gibt es wirklich Leute die ohne Fotoapparat dahinkommen ? Warum schlägt man nicht einfach den Preis für den Eintritt etwas auf anstatt diese lächerliche Zusatzgebühr nochmal extra zu kassieren. Naja. Egal.

Letztlich bin ich dann doch recht schnell wieder gegangen, weil kurz nach uns ein paar Busse neben uns einparkten und wieder viele Franzosen ausgespuckt haben. Wurde mir dann zu schnell zu voll hier.

Als nächstes gings dann zum großen Fort, dem Mehrangarh Fort. Dieses Fort ist wohl „eine der“ größten Festungen dieser Art in Indien. Wobei mir jetzt der Maßstab bei „eine der“ etwas fehlt. Zumindest kann man sehen das es ziemlich riesig und klotzig ist. Vom Jaswant Thada wo wir gerade herkamen hat man einen schönen Blick auf den fetten Steinblock auf dem Nachbarberg.

 


Mit Anil wurde das übliche vereinbart. Ich parke hier, nimm dir soviel Zeit wie du brauchst, ich warte hier. Danke, bis später.

Nach Kauf des Tickets steht man erst mal „unten“ in einer Art großem Vorhof. Um jetzt in das eigentliche Fort und die Palasträume zu kommen, muss man immer Bergauf und immer über Spitzkehren durch eine Kaskade von 7 Eingangstoren marschieren. Für die Lauffaulen gibt’s aber auch einen Aufzug (kostet natürlich extra).

In der Festung drin gibt’s dann den „normalen“ Rundweg durch die Räume der Maharajas sowie zur Auflockerung ein paar Ausstellungen. Es gibt eine Ausstellung mit alten Sänften, mit alten Elefanten-Hochsitzen und mit Waffen. Es gab noch Gemälde und noch irgendwas aus den Schatzkammern, das habe ich aber nicht genau angeschaut. Sah irgendwie uninteressant aus. Die Sänften waren cool. Wenn man sich mal vorstellt das da wirklich bis teilweise 10 Männer den Maharaja durch die Gegend geschleppt haben. Andere Zeiten, andere Fortbewegungsmittel.

Alles in Allem war ich, glaube ich, so ungefähr 2 Stunden da im Fort unterwegs. Lohnt sich. Später bin ich draußen noch ein wenig rumgewandert. Leider kommt man nicht direkt an die Mauern mit den Zinnen und Türmchen dran. War alles abgesperrt. Den Fußweg runter in die Stadt habe ich aber gefunden.

 

 

Jetzt war später Mittag und Anil hat mich jetzt mehr oder weniger ungefragt zu einem Restaurant gefahren. Offenbar war das sowas wie ein Standardstopp in Jodhpur. Ich habe jetzt auch schon gelesen, das zu diesem Restaurant „On The Rocks“ wohl die meisten Touristen von ihren Fahrern hingefahren werden. Zufälligerweise passte es ganz gut, da ich gestern außer der kleinen Aufbackpizza nichts mehr gegessen hatte. Daher habe ich nicht protestiert.

Ein wenig zu früh waren wir. Ich konnte von meinem Tisch noch zusehen, wie alle Angestellten (übrigens aus einem unerfindlichen Grund alle in irgendwelchen Fantasie-Militäruniformen) vom großen Supervisor noch auf den Tag eingeschworen wurden. Bei jedem Satz vom Scheffe ging ein ruckartiges Kopfnicken durch die Reihen. Ja Meister !

Dieses „On The Rocks“ ist Teil eines etwas größeren Komplexes mit ner Handvoll Läden und noch nem Hotel. Ob das Restaurant zum Hotel gehört oder beides nur zufällig nebeneinander liegt, konnte ich nicht herausfinden.

Das Essen war sehr gut. Nach Vorspeise und irgendein Chicken Tikka als Main war ich denn auch pappsatt. Es hat sehr gut geschmeckt. Allerdings wars auch ein wenig teurer wie jetzt in den letzten Tagen. Aber irgendwie müssen ja die Uniformen bezahlt werden. Allerdings war der Service doch indientypisch langsam. Vom Verlangen der Rechnung bis wo mal jemand mit nem Block in der Hand erschienen ist, hats dann schon so ne halbe Stunde gedauert. Auch mein leeres Glas wurde von allen vorbeischlurfenden Uniformträgern geflissentlich ignoriert.

Dieses Restaurant liegt übrigens ganz nahe neben dem Superluxushotel „Umain Bhawan Palace“ bei dem ich über Booking locker ne Suite für mehrere tausend Euro (pro Nacht natürlich) hätte kriegen können. Laut Lonely Planet legt man keinen Wert auf einen Besuch von Nicht-Gästen nur zum gucken, weshalb ich Anil garnicht drauf angesprochen habe.

Kleine Abschweifung am Rande. Als ich nach Hotels in Jodhpur gesucht habe, wurde mir der Umain Bhawan Palace auch von Booking angeboten. Preise für "Zimmer" 1.000 Euro aufwärts und kleine Suite 3.000 Euro aufwärts. Und bei diesen Schnäppchenpreisen wurde natürlich dauernd penetrant eingeblendet "Schnell buchen, dieses Hotel wird demnächst ausgebucht sein. Letztes Zimmer auf unserer Seite. Schnell, die letzte Buchung erfolgt vor 5 Minuten aus ...".

 

 

Nun ging es wieder auf verschlungenen Wegen zurück zum Uhrenturm. Oben von der Festung aus hatte ich in einem Teil der Stadt gesehen, das es da tatsächlich recht blau zuging. Will damit sagen, so wie Jaipur die Pink City ist, so ist Jodhpur die blaue Stadt. Es gibt aber nur noch kleine Bereiche wo man dies gut erkennen kann. Anil hat mir noch kurz den Weg beschrieben zu einem Bereich mit vielen blauen Häusern und dann habe ich mal das Essen von eben abtrainiert.

Sehr weit bin ich allerdings nicht unbedingt gekommen. Die normale Geschwindigkeit durch den Megabetrieb mit Menschen, Mopeds und Tuktuks ist erschreckend langsam. Als es mir auf der Main Road zu bunt wurde bin ich rechts in Richtung Festungsberg abgebogen und da einfach mal kreuz und quer durch die hier nun weniger vollen Gassen marschiert. Ich habe auch tatsächlich ein kleines Viertel gefunden mit viel Blau. Gleichzeitig bin ich dabei auf den Fußweg hoch zum Fort geraten.

Irgendwann habe ich mich mal umgeschaut und dabei festgestellt, dass ich schon recht nahe unterhalb der Festung befand. Da bin ich rumgedreht und habe die erste Möglichkeit gesucht, wieder bergab abzubiegen.

An einer Stelle zeigten dann zwei Straßenköter Interesse an mir. Bisher hatte ich die allgegenwärtigen Hunde eher als schläfrig und passiv in der Sonne liegend erlebt. Hier die beiden Höllenhunde machten sich einen Spaß daraus die Zähne zu fletschen, zu knurren und mich anzulaufen. Hui. Da ist mir aber mal kurz des Herz in die Hose gefallen. Sie haben dann aber kurz vor mir rumgedreht und mich verschont. Puh !

Drei Ecken weiter bin ich dann falsch abgebogen. Der Weg durch die Häuser war nur noch schulterbreit und plötzlich stand ich auf ner Müllkippe und wurde von drei Kühen angeglotzt. War ein wirklich herrliches Bild welches ich leider nicht in echt fotografiert habe.

 

 

Mittlerweile war ich auch genug gelaufen und ich habe mich erst einmal zum Hotel zurück begeben. Als ich in die düstere untere Etage reinkam war der erste Satz den ich zu hören bekam: Es gibt keinen Strom. Toll. Da wollte ich mich im Zimmer gerade ein wenig runterkühlen, dann gibt’s keinen Saft. Ich hab noch ein paar Worte mit dem Typen an der Rezeption gewechselt. Offenbar war er hier der Chef. Bin dann aber wieder raus und habe mir um die Ecke erst mal was zu trinken gekauft. Das war jetzt auch nicht mehr sonderlich kalt, deren Kühlschrank hatte ja auch keinen Strom.

Ich bin jetzt mal in eine ganz andere Richtung gegangen und habe den Basar links (in diesem Fall im Wirklichkeit rechts) liegen lassen. Trotzdem stand ich nach kurzer Zeit wieder nahe vom Uhrenturm auf der Kreuzung. Von hier bin ich dann wieder quer durchs Viertel. Das Pal Haveli Hotel habe ich gesehen. Scheint das erste Haus am Platze zu sein. Ich glaube das hatte ich ursprünglich bei Booking auch in der ersten Wahl. Gegenüber ist ein großes Wasserbasin. Ich hoffe mal das das nicht der Wasserversorgung der Stadt dient. Sah recht verdreckt aus.

Irgendwo in einer der Straßen saßen etliche Schuster auf dem Bürgersteig. Hier wurde emsig gearbeitet. Die Kunden saßen auf kleinen Schemelchen daneben und konnten die Arbeite live verfolgen. Schatz ich geh mal eben zum Schuster und lass meine Sandale flicken. Ja is gut, bis gleich.

Ein paar Ecken weiter war Riesenlärm. Indische Love Parade ? Bum bum bum hyper hyper ? Nein. Ein Laden der Lautsprecherboxen (mannshohe amtliche Teile !) herstellte machte gerade scheinbar eine Produktdemo und hat damit den ganzen Stadtteil beschallt. Könnte mir vorstellen das es sogar ein paar Verrückte gibt die sich sowas in ihr Tuktuk einbauen :)

Irgendwann hatte ich aber echt keine Lust mehr rumzurennen und bin daher zum Hotel zurück. Strom war wieder da und ich konnte nun endlich wieder normale Körpertemperatur herstellen. Als ich ausreichend abgekühlt war bin ich wieder rauf aufs Dach.

Als Verpflegung habe ich mich heute an das Knoblauchbrot gehalten. Das war ganz gut. Und das Kingfisher war auch gut kalt. So bin ich unterhalb der schön beleuchteten Festung noch länger sitzen geblieben.

Gute Nacht.
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*wolfi

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Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #36 am: 06.06.2016, 21:35 Uhr »
Diese Paläste und Forts sind ja wirklich der Hammer - da können selbst Neuschwanstein etc nicht mithalten.

Ich vermute mal, dass in Indien diese europäische Zerstörungswut nach verlorenen kriegen nicht so grassiert hat - bei uns sind doch die meisten alten Burgen und Schlösser irgendwann vom Feind "geschleift" worden.

Die Bilder vom täglichen Leben sind auch toll - traditionelle Arbeit wie bei uns im 19.Jahrhundert aber in moderner Umgebung.

Nicht ganz OT:

ich habe mir erlaubt, einen indischen Freund in einem US-Forum darauf anzusprechen und er hat ganz stolz geantwortet:

Zitat
Wolf, thanks for sharing that. For a perspective, India’s youth population of 356 million 10-25 year-olds is more than America’s entire population of nearly 320 million. It’s mind boggling! We have MDs and CEOs who are under 30 heading operations of their own startups, and successfully too. I think, America’s own startups have been an inspiration. Of course, we have problems too, especially social and economical, in several areas but we seem to be moving in the right direction. And yes, it is a vast and beautiful country, a subcontinent actually.

Das ist die andere Seite von Indien, die sieht man als Tourist vielleicht nicht so direkt, aber wenn man in der IT arbeitet (wie ich viele Jahre), dann merkt man da was von.

*MisterB

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Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #37 am: 07.06.2016, 10:28 Uhr »
Heut war nicht so viel los. Daher der heutige Tag etwas kürzer beschrieben.

15.03.2016 - Ankommen am Ende der Welt (fast)
 
Als ich am Morgen zum Auschecken kam wurde ich schon erwartet. Der Mensch hinter seiner Mini-Rezeption begrüßte mich wieder mit breitem Lächeln und bester Laune. In den letzten beiden Tagen habe ich ihn nur lachend und „gut drauf“ erlebt. Machte direkt immer Spaß unten am Rezeptions-Tischchen vorbei zu kommen. Nachdem ich den lächerlich kleinen Betrag (22 Euro) für die zwei Nächte bezahlt hatte sind wir noch ins Gespräch gekommen. Bei ihm auf dem Tisch lag ein Prospekt von sowas wie dem indischen Saturn, wo auch Iphones beworben wurden. Auf den ersten Blick konnte ich sehen, das der Rupien-Betrag für so ein IPhone in dem Prospekt doch verdammt groß war. Er meinte dann auch, das Iphones in Indien fast unbezahlbar wären (obwohl ich in der ganzen Zeit unendlich viele Leute mit Apple Sachen gesehen habe. So unbezahlbar wars dann doch wohl nicht). Wir haben uns noch ein wenig unterhalten und anschließend hat er mich dann noch höchstselbst mit seinem Moped zum Uhrenturm gefahren.

Anil war auch schon da und so gings flux weiter nach Jaisalmer. Entfernung auch wieder so rund 300 Kilometer. Also Ankunft am frühen Nachmittag. Ich kann mich noch erinnern das auf dem Weg die Straßen, je weiter man Richtung Jaisalmer kam, unglaublich schlecht wurden. Erst im großen Einzugsbereich von Jaisalmer wurde es wieder besser.

Rund um Jaisalmer ist man erst einmal an vielen Kasernen vorbeigefahren. Hier, schon recht nahe der Grenze zu Pakistan, hatten die Inder reichlich viel Militär aufgefahren.

Das Hotel war einigermaßen zentral, lag aber in einer Gegend, die nicht wirklich vertrauenserweckend aussah.
 
 

Von einem auf den anderen Meter gabs auch keinen Teer mehr, sondern Sandpiste. Alles ringsherum sah verkommen aus und kaputt. Das Klientel welches auf der Straße unterwegs war auch irgendwie. Zwischendurch kam jemand mit ner Ziegen- oder Kuh Herde durch und auf der Ecke vom Hotel wurden Kuhfladen in der Sonne getrocknet. Huiuiui. Freiwillig wäre ich hier nicht hingegangen. Und hier sollte ich übernachten ? Als wir das Hotel dann gefunden hatten bin ich mal reingegangen um die Lage zu sondieren. Und was soll ich sagen ? In dem Moment wo ich eintrat wurde ich freundlichst empfangen und das Zimmer, welches ich dann gezeigt bekam, war riesengroß mit riesigem Bett, toller Klimaanlage und großem Bad mit freistehender Dusche. Toll. Wirklich. Jetzt konnte ich auch die ausnahmslos guten Bewertungen des „Jasmin Home“ bei Booking verstehen. Die Umgebung bekommt von mir auch 0 Punkte. Das Hotel dafür aber mind. 99  :)

Anil wollte mich später um 5 wieder abholen. Also hatte ich noch Zeit, mich ein wenig langzulegen und später an der Rezeption nach einer Camel Safari zu fragen. Ehrlich gesagt hatte ich im Vorfeld total versäumt, mich selbst um so ne Kamelsafari zu kümmern. Ich hatte zwar gelesen, das es hier Anbieter wie Sand am Meer gibt, aber ich hatte nix vorher klargemacht.

Ich habe dann im Hotel an der Rezeption gefragt und schon hat sich der Mensch dort mit mir hingesetzt und mir fast ne Stunde lang alles über Kamelsafaris erzählt. Natürlich würde er auch Safaris anbieten ….. aber leider nicht für eine Person. Er hätte für morgen bisher keine weitere Anfrage und für eine Person ginge es nicht. Grrr.

Ich habe dann im Lonely Planet noch ein wenig gelesen. Da waren Anbieter genannt. Ich habe mir noch offen gehalten da mal nachzuhaken. Zuerst war meine Idee aber mal Anil zu fragen.

 

Als er mich zur vereinbarten Zeit abholte, meinte ich zu ihm, ob wir nicht noch in die Stadt fahren sollten um ne Kameltour zu buchen. Da bekam ich prompt als Antwort, das er für mich selbstverständlich so ne Tour klarmachen könne. Kein Problem. Sollte mich auch nur 1.500 Rupien kosten. 1.200 für die Tour und 300 dann für den zusätzlichen Sprit. Er würde mit mir ja ca. 50 Kilometer in die Wüste fahren und das hin und zurück wäre ja nicht in der normalen Tour mit drin. Hm. Ok.

Ich solle ihm nur jetzt schonmal 500 Rupien geben, dann würde er alles klarmachen. Doppel-Hmmmm.  Die 1.500 sind so irgendwas um 20 Euro. Da ich jetzt keine Lust hatte, wegen dem einen oder anderen Euro noch eine große Welle zu machen (im Lonely Planet stand auch drin, das die Touren 1.000 Rupien aufwärts kosten) habe ich Anil zugesagt. Mal kucken was da morgen dann wird.

Zum Abschluss gab er mir noch mit auf den Weg, das ich im Hotel, wenn ich gefragt würde, bloß nicht sagen solle, das er mir ne Tour besorgt hätte. Das müssten die im Hotel nicht wissen. Ach so. Ok.

Nachdem die Verhandlungen dann abgeschlossen waren, sind wir aus der Stadt raus, zu einem Ort Namens „Bada Bagh“. Das ist so etwas wie eine Ansammlung von kleinen Tempeln und Denkmälern, die irgendwie alle zusammengebaut, fast ineinander verbaut sind.

 

War ganz nett hier. Konnte man auch schön mal in Ruhe sitzen und sich den Wind um die Ohren pfeifen lassen. Teils waren die Kuppeln halb zusammengefallen und kaputt. Schien echt alt zu sein. Keine Ahnung ob es irgendwie gewartet wurde oder ob das sich selbst überlassen wird.

Am frühen Abend waren wir dann wieder zurück am Hotel. Ich habe direkt mal das Restaurant getestet. War zwar nur vegetarisch, aber ich habe echt verdammt gute Kartoffeln mit Cumin und sonstigen Gewürzen gegessen. Hat sehr gut geschmeckt. Kingfisher gabs übrigens auch.

Als ich noch schnell ein Foto vom Fort in der untergehenden Sonne machen wollte streikte der Apparat. Eben bei den Denkmälern ganz normal ausgemacht, jetzt geht er nicht mehr an. Arrgh. Hier am Ende der Welt geht der Fotoapparat kaputt ? Na super.

Später im Zimmer habe noch alles mögliche Probiert, ich habe aber immer nur ne Meldung "Bitte ausschalten und dann wieder einschalten" gesehen und irgendeine Fehlernummer vorbeihuschen sehen. Da habe ich den Apparat recht unsanft auf den Tisch gepfeffert und mal ein wenig gegoogled. Und tatsächlich. Es gab wirklich nen Sony Dealer in Jaisalmer. Hätte ich jetzt echt nicht gedacht. Plan A war jetzt erst mal mit dem IPhone zu knipsen. Plan B wäre jetzt der Weg zum Sony Händler gewesen.

Guts Nächtle.
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Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #38 am: 08.06.2016, 13:11 Uhr »
Hier habe ich noch einen schönen Tag in Jaisalmer. Ab morgen ist erst mal ein wenig Pause, da ich jetzt erst mal noch ein wenig Royals-Gucken Urlaub in London mache. Außerdem war ich die letzten Tage faul und habe nix mehr geschrieben. Mir gehen langsam die Tage aus, ich muss dringend nach hinten raus noch weiter schreiben. Wenn das nur nicht so viel Arbeit wäre :)



16.03.2016 - Festung und Kamelsafari
 
Beim Frühstück habe ich interessiert dem Treiben in der Schule direkt gegenüber zugeschaut. Von oben hatte ich besten Einblick auf den Schulhof. Also zumindest beim Rumtoben auf dem Schulhof unterscheiden sich indische Kinder nicht von denen hier bei uns. Jungs und Mädchen rennen die ganze Zeit rum und machen Lärm. Jungs ärgern Mädchen und Mädchen ärgern Jungs. Dann wurde geklingelt, bzw. ein Lehrer schlug mit nem Eisenteil gegen ein anderes Eisenteil. Boing boing boing schepper. Das war zumindest für die Schüler das Signal zum Aufstellen. Jetzt wurde sich begrüßt. Good Mooorning Miss Schalalalala-irgendwas. Danach wurde gesungen. Könnte die Nationalhymne gewesen sein. Die Kinder standen zumindest richtig stramm. Dann wurde gebetet. Und dann gabs irgendwelche Ehrungen. Es wurden einzelne Kinder aufgerufen die dann nach vorne gekommen sind und ein Lob, einen Händedruck und noch ein Präsent bekommen haben.

Dann war die erste Schulstunde auch rum und ich musste mich jetzt auch mit Anil treffen.

Wir sind dann zum Jaisalmer Fort gefahren. Der große Komplex auf dem Hügel ist jetzt kein Fort im eigentlichen Sinne, sondern eher eine Art Stadtteil der bewohnt ist mit vielen kleinen Geschäften, Lädchen, Wohnhäusern, Tempeln und ein paar Restaurants. Das alles aber eingefasst in fette Festungsmauern.
 
 

 

 

Anil hat auf halber Höhe geparkt und ich habe das Fort durch das Haupttor geentert. Es ist jetzt auf gewundenen Wegen noch ein Stück bis innerhalb der Mauern. Die Pflastersteine waren durch die vielen Füße und Tuktuks ziemlich abgewetzt. Ich habe mir noch gedacht, wenn das hier mal regnet, dann legt man sich hier ganz bestimmt ganz dolle auf die Nase. Und da biege ich um die nächste Kurve und da sitzt eine Arbeitskolonne Männer auf dem Boden die mit Hammer und Meißel wieder neues Profil in die glattgewetzten Steine klopfen. In echter Handarbeit wurden hier viele kleine Riefen in die Steine gehauen. Die Stein-Klopf-Brigade.

In der folgenden Zeit bin ich dann kreuz und quer durch die Gegend marschiert. Die ganzen Ladenbesitzer haben natürlich immer versucht einen in die Läden zu kriegen. Ein freundliches Neindanke auf ihre Ansprache haben aber alle akzeptiert. Es waren keine penetranten Nachläufer hier. Das war recht angenehm.

An ein paar Stellen gibt’s Viewpoints, von denen man von der Mauer einen guten Überblick über die Umgebung hat. Allerdings ist der Blick über Jaisalmer nicht allzu spektakulär. Allerdings wars doch in der Ausdehnung größer als ich gedacht hätte.

Aus dem Fort raus kann man direkt in die Altstadt abbiegen. Am Fuß des Fort entlang und dann mitten rein ins Gewühl konnte man sich durch die Gassen treiben lassen. Unendlich viele kleine Lädchen, Gemüsestände am Weg, Kühe die im Weg standen und Mopeds die sich durch die Fußgängermeute geschoben haben.

Es gab auch noch das eine oder andere prunkvolle Haus, welches unvermutet plötzlich vor einem stand. Wo ich letztendlich gelandet bin kann ich jetzt in Nachhinein garnicht mehr nachvollziehen. Auch mit google Maps kann ich nur noch grob nachvollziehen wo ich überall war. Ich weiß nur noch, das ich später irgendwann rumgedreht bin, als ich vor einem Stadttor stand und das was ich dahinter sehen konnte sehr uninteressant aussah. Da in der Gegend (ich weiß noch das da ein Microsoft-Laden auf der Ecke war!) stand auch noch ein feudaler Palast, der wohl ein Hotel war. Ich bin da mal hin und habe mir ein paar Gebäude und Höfe angeschaut. Irgendwo standen noch ein paar Pferde herum, die direkt auf mich zukamen und ganz dreist Streicheleinheiten forderten. Natürlich habe ich mich um die Tiere gekümmert, was dann aber wiederum irgendeinen uniformierten Herren auf den Plan gerufen hat, der meinte mich wegscheuchen zu müssen. Schade. Die Pferdchen waren auch ganz traurig als ich schon wieder gehen musste. Scheinbar war ich irgendwo über eine Schranke zuviel geklettert und war bei Polizei oder Militär im Pferdestall gelandet :)

 

 

 

Zurück habe ich zur Sicherheit den gleichen Weg gewählt wie hin.
Alleine das war schon schwer zu finden, weil die Gassen aus der anderen Richtung alle irgendwie komplett anders aussahen. An der Festung habe ich dann auch Anils Auto gefunden, nur Anil war nicht da. Der hatte sich wohl für die Wartezeit aus der Sonne raus in eines der Restaurants rundherum verzogen. Ich habe ein wenig am Auto gewartet. Als es mir dann aber in der Sonne auch zu warm wurde, habe ich mal Anils Mobilnummer ausprobiert. Er klang schon sehr überrascht als er sich meldete. Er wäre sofort da. Und keine 2 Minuten später stand er auch vor mir.

So. Fort und Stadt abgehakt. Die Kamel Safari war erst später am Nachmittag. Also hat Anil mich zum Hotel gefahren und wir haben uns für 17 Uhr wieder verabredet.

Später um 5 wollte Anil nicht bis zum Hotel fahren. Er wollte mich um die Ecke in der Zufahrtsstraße treffen. Offenbar wollte er unter allen Umständen vermeiden, das er als Abholer zur Kamelsafari erkannt würde. Im Auto fragte er auch noch, ob mich im Hotel jemand darauf angesprochen hätte. Nein hatte keiner. Anil war erleichtert

Wir sind schnell aus der Stadt raus, auf einer immer schmaler und schlechter werdenden Straße, in Richtung Wüste gefahren. Eigentlich waren wir ja schon die ganze Zeit in der Wüste. Aber jetzt wollten wir wohl zu einem Teil „richtiger“ Wüste mit echten Sanddünen fahren. Dort wären dann auch die Kamele beheimatet. War schon ne gute Strecke. Das mit den 40 oder 50 Kilometern kommt wohl echt hin. Während der Fahrt bekam ich noch ein Briefing. Ich solle bitte nicht mit anderen Leuten darüber sprechen wieviel ich bezahlt hätte. Ich hätte ja den Superspezialpreis bekommen und die anderen sollten nicht erfahren „wie wenig“ ich bezahlt hätte. Da würden sich die anderen Leute nur ärgern und die würden sich beschweren. Ach so. Na gut. Ich habe das Spiel mitgespielt und natürlich gesagt, wenn mich einer fragen würde, würde ich irgendeinen utopisch hohen Preis nennen.

 

 

 

So penibel wie Anil damit beschäftigt war, die Details der Tour und Preis unter Verschluss zu halten, könnte ich mir schon vorstellen, dass er sich die Kohle mit den Leutchen aus dem Kamelcamp geteilt hat und ein guter Teil in seine Tasche gewandert ist. Soll mir jetzt eigentlich egal sein. Wenn er da einen Deal gemacht hat und selbst was verdient hat, ok, wen juckt es. Ich hätte es nur unverdächtiger gefunden, wenn er nicht so ein Geheimnis drum gemacht hätte.

Später beim Camp angekommen kannte da jeder jeden. Es waren noch andere Taxifahrer dort die Kunden angeliefert hatten und jeder war mit jedem sofort mit Handschlag und Begrüßung per Du. Anil wurde auch namentlich von den Kamel-Leuten begrüßt. Man kennt sich halt. Anils Provision wird wohl entsprechend ausgefallen sein. Und was mit dem Geld für den Extrasprit geworden ist, da habe ich auch meine Zweifel dran. Aber wie gesagt, es soll mir egal sein.

Dann habe ich „mein“ Kamel kennengelernt. Das Tier war allerdings offensichtlich nicht unbedingt begeistert mich kennenzulernen. Beim ersten Aufstieg wär ich fast hinten runtergefallen. Ich hatte nicht erwartet das das Kamel so energisch schnell aufsteht. Natürlich gabs auch einen Führer. Der hat das Kamel nun durch die Sanddünen geleitet.

Die Umgebung war schön. Irgendwie habe ich noch nie schöne große Sanddünen gesehen. Ne. Stimmt nicht. In Neuseeland bin ich mal eine mitm Schlitten runtergefahren. Aber die war ja nicht in der Wüste. Also zählt die nicht mit.

Der Ritt auf dem Kamel war allerdings nicht so dolle. Die ganze Zeit habe ich gedacht, das ich gleich runterfallen werde und habe die ganze Zeit nach allem gesucht wo ich mich dran festhalten könnte. Gab aber nix. Aus dem Sattel ragte vor mir nur ein kleiner Knauf raus, an dem ich mich krampfhaft festgeklammert habe.

Hat schon mächtig geschaukelt da oben. Offenbar hatte das Tier Kohldampf. Bei jedem Busch an dem wir vorbeikamen machte es spontan Halt und fraß erst mal. Da konnte der Mann vorne soviel ziehen wie er wollte. Das Kamel hat gemütlich gemampft und komische Laute von sich gegeben. Man kann es aus diesen Zeilen herauslesen. Wohl gefühlt habe ich mich nicht.

 

 

 

Das ging so ca. ne Stunde so. Dann waren wir auf einer der größten Dünen der Umgebung angekommen und jetzt hieß es erstmal auf den Sonnenuntergang warten. Hier waren auch noch etliche andere Leute schon versammelt. Die müssen aber von einer anderen Tour gewesen sein, weil die habe ich später beim „Folkloreprogramm“ nicht mehr wieder gesehen.

Als es so unaufhörlich auf den Sonnenuntergang zuging zog sich der Himmel immer weiter zu, so dass man nur noch grau sehen konnte. Hm. Doof. Der Guide meinte dann auch das es sich nicht lohnen würde noch länger hier zu bleiben, er könne aber einen längeren Weg zurück nehmen, so dass wir dann auch zusammen mit den anderen ankommen würden. Das war OK, hat mir aber dann auch nochmal Extrazeit auf meinem grunzenden und gluckernden Kamel beschert. Zumindest ist später der Himmel noch aufgerissen und ich konnte den Sonnenuntergang zwischen den Dünen vom erhöhter Position vom Rücken des Kameles beobachten. War auch ganz schön.

Als wir dann wieder im Camp waren, trudelten auch nach einer kurzen Zeit andere Leutchen aus allen möglichen Richtungen per Kamel ein. Alle wurden nun in einem Hof zum großen Sitzkreis, oder besser hier Sitzquadrat, angeordnet und nun begann das "Folkloreprogramm" wie ich es nennen würde. Es gab ne Kapelle aus drei Herren, die dann Musik gemacht haben. Einer der Drei hat auch viel erzählt. Allerdings nur auf Hindi, so das ich den ganzen Abend nur Bahnhof verstanden habe.

Die Musik war teilweise so schräg, das ernsthaft Gefahr eines akuten Ohrenblutens bestand. Vor allem der an der Tröte spielte manchmal so, wie als wenn eine Katze misshandelt würde. Dann kam eine Frau dazu, die dann mit ein paar Pötten auf dem Kopf zu der Schrammelmusik getanzt hat.

 

 

 

Zum Glück gab es hier auch was zu trinken. Ohne Alkohol hätte ich die Folter nicht ausgehalten. Ich glaube das Ganze ging fast ne Stunde. Kurz nachdem das Musikprogramm dann zu Ende war, wurde noch ein Buffet aufgebaut und es gab Abendessen. Das war auch schon so gegen 21 Uhr. Nachdem ich was gegessen hatte ist Anil aus der Versenkung aufgetaucht und fragte ob wir fahren sollten. Das habe ich dankend bejaht und so sind wir dann wieder die kleine Wüstenstraße zurück nach Jaisalmer gefahren.

Wir haben noch zwei Leutchen mitgenommen, die nach Jaisalmer zum Bahnhof wollten. Anil fragte mich ob ich was dagegen hätte wenn er die zwei mitnehmen würde. Nein hatte ich ganz und garnicht. Ich vermute mal, an den Beiden hat er auch noch ein paar Rupien verdient.

Am Ende hat sich die Fahrt in der Dunkelheit doch noch ziemlich gezogen und ich war froh irgendwann so um 22 Uhr beim Hotel zu sein. Klasse war, das die im Restaurant noch geöffnet hatten. Ich habe sogar noch ne schöne Portion Kartoffeln bekommen. Ich musste nochwas essen, weil ich beim Kamelcamp an dem vegetarischen Büfett nicht so richtig was gefunden hatte und nur ne kleine Miniportion gegessen hatte. Die Cumin-und-andere-Gewürze-Kartoffeln waren wieder echt gut. Um 23 Uhr haben die dann zugemacht. Meinten sie würden jetzt gehen, ich könne aber gerne so lange sitzen bleiben wie ich wolle.

 

 

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Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #39 am: 13.06.2016, 14:36 Uhr »
Weils jetzt drei Tage nix gab, gibt's heute mal 2 Tage auf einmal.


17.03.2016 - kurzer Besuch in Bikaner
Ich fürchte ja, der heutige Bericht fällt recht kurz aus.

In Jaisalmer sind wir am Morgen zur gewohnten Zeit um 9 Uhr aufgebrochen. Natürlich wurde ich beim Auschecken noch gefragt ob ich denn noch eine Kamel Safari gemacht hätte. Und natürlich habe ich gesagt "Nein, da hat sich nichts mehr ergeben". Brav, oder ? Als ich das im Auto Anil erzählt habe war er auch ganz happy. 

Wie gesagt ging es von Jaisalmer schnell in Richtung Bikaner. In Jaisalmer sollte am nächsten Tag eine große Parade unter Anwesenheit des Premierministers und weiteren Lamettaträgern stattfinden. Überall am Paradeweg saßen unendlich viele Leute die irgendwas am aufhübschen waren. Da wurden Zäune gestrichen, Schilder nachgemalt, neue Girlanden aufgehängt, überall die Straße geputzt und und und. Wenn sie das mal bei meinem Jasmin Home - Hotel gemacht hätten, aber da kam der Premier ja nicht hin, das konnte ja so schäbig bleiben.

Nach Bikaner gabs jetzt mehr oder weniger fast nur gute und breite Mautstraßen mit garnicht so vielen Baustellen. Wir haben unsere Fahrt einmal unterbrochen bei einem kleinen See wo tausende Kraniche standen. Da war ein Mordslärm. Man hört die Tiere ja hier bei uns schon wenn die am Himmer in V-Formation fliegen. Hier standen die alle am Wasser und man konnte so ca. bis auch 10 Meter drangehen.
 
 

Ging man näher haben sich die Vögel in großen Gruppen erhoben, laut geschnattert und eine Runde gedreht und sich an einem anderen Teil des Sees wieder niedergelassen. Das war ein ganz netter Stopp.

Ansonsten ist nix weiter passiert und wir sind am frühen Nachmittag in Bikaner angekommen. Wir sind direkt zum Fort gefahren. Das steht mitten in der Stadt. Das ist ein riesiger komplex in den man reinfahren muss, um zum eigentlichen Palast zu kommen. Bei den anderen Festungen und Palästen wo wir auf der Tour bisher waren, da gabs ja draußen Parkplätze und man ist dann von dort reingegangen. Hier waren die Parkplätze quasi Teil der Festung und von den hohen Festungsmauern nochmal eingeschlossen.

Beim Kauf der Eintrittskarte (Ausländerschalter!) kann man zum Ticket für die Festung noch ein Ticket für ein Museum kaufen, welches sich auch auf dem Gelände befindet. Die Festung ist, wie soll es anders sein, so wie die anderen Forts die ich bisher auf der Tour gesehen habe. Riesiger Komplex, viele Räume, viele Innenhöfe, viel Platz. Hier gabs eine Art Rundweg durch den Komplex. Der Maharaja hat viel Krimskrams gesammelt, unter anderem stand in den Räumen durch die man gekommen ist ein komplettes Flugzeug. Und Waffen hatten es ihm wohl angetan. Es gibt ganze Räume voll mit allen möglichen Flinten.

 

Interessant fand ich die vielen Bilder die man auf dem Rundgang sehen konnte. Meist waren es uralte Fotografien die den Maharadja zeigten wie er zum Beispiel auf einem Elefanten durch die Straßen von Bikaner geritten ist. Oder Bilder wo er eine Parade durch Bikaner (wieder auf einem Elefanten mit Goldschmuck) angeführt hat. Und dabei sah er so aus wie man sich einen Maharaja vorstellt. Dicker Bauch, wallende Gewänder, riesigen Turban und behängt mit viel Klitzerzeug. Die Bilder waren wirklich sehenswert.

Aus der Festung raus muss man zu diesem Museum einmal quer über den Vorplatz zum entfernten rechten Ende. Dieses Museum war dann so interessant, das ich mich schon garnicht mehr erinnern kann, was ich da genau gesehen habe. Die ausgestellten Sachen hatte aber nicht direkt was mit dem Fort und dem Maharaja zu tun, sondern waren eher allgemeine Sammlungen über Indien. Ich bin recht zügig durch ohne mich näher bei einzelnen Dingen aufzuhalten.

Anil war sich gerade mit jemandem am Unterhalten. Es war ein andere Fahrer von Ashok, der ebenfalls Station in Bikaner machte. Die fuhren die Tour aber andersrum, standen als gerade am Anfang. Ich hab ihm zwar nur kurz die Hand geschüttelt, aber irgendwie hatte ich direkt den Eindruck das das ein recht netter Kerl sein könnte. Leider habe ich den Namen nicht mehr parat.

So. Was jetzt. Keine Idee. Der Lonely Planet schwieg sich auch aus. Laut dem Buch gab es hier die Festung (ok, abgehakt) und noch die Möglichkeit die alten Häuser in der Altstadt zu sehen. Ganz ehrlich, da hatte ich heute absolut keine Lust drauf. Und da Anil auch meinte, das es in Bikaner nicht mehr wirklich was Interessantes zu sehen gäbe, habe ich den aktiven Teil des Tages damit auch beendet.

 

Für die Unterkunft des Tages brauchte ich auch wieder ein Tuktuk. Wir sind aus der Festung herausgefahren und draußen vor der Türe hat Anil wieder beim Einparken ein Tuktuk an der Hand gehabt. Es wurden 100 Rupien vereinbart und Anil meinte zu dem Tuktuk-Mann, wenn er Zeit hätte könne er mich morgen auch direkt um 9 Uhr da wieder abholen. Treffpunkt mit Anil sollte morgen auch genau wieder hier am Fort sein.

In den nächsten 20 Minuten (!) bin ich mit dem Tuktuk dann übe die absonderlichsten Wege, Brücken, Rampen, Autobahnen oder sonstwas, gefühlt dreimal um den Altstadtteil rumgefahren, bis es irgendwann doch mal so aussah, das die Häuser (noch) älter wurden und die Sträßchen Tuktuk-Maße annahmen.

Nach gefühlt unendlicher Zeit hat der Mann dann mit qualmenden Reifen vor meiner Unterkunft, dem "Tanisha Heritage Haveli" Halt gemacht. Auch hier hatte ich wieder vorher aus Tripadvisor ein Bild ausgedruckt. Das Haus war auf jeden Fall richtig. Drinnen wurde ich direkt von der Familie begrüßt. Offenbar hatten die beiden Söhne die Betreuung der Gäste als Aufgabe, die Mama hatte aber das Sagen und nebenbei die Regierung in der Küche.

Einer der Jungs hat mich dann über ein paar steile Treppen und Innenhöfe und Balustraden zu meinem Zimmer gebracht. Er hat mir die ganze Zeit ganz viele Dinge erzählt. Nur verstanden habe ich es nicht. Das Englisch von ihm war für mich unmöglich zu verstehen. Ich habe viel genickt und gelächelt als er mich zugetextet hat. Ich meinte hinterher verstanden zu haben, das es um 18 Uhr im großen Innenhof Essen gäbe.

Das Zimmer war OK. Es war zwar etwas klein, das große Doppelbett passt geradeso rein. Meine Tasche habe ich im Bad deponiert, weil vorne echt kein Platz war. Für 17 Euro die Nacht war es OK. Obwohl das Zimmer für 11 Euro in Jodhpur eigentlich besser war :)

 

Zumindest hatte ich eine Hightech-Klimaanlage mit integriertem Mückenschutz und Fernbedienung mit hundert Knöpfen an der Wand.

Um 18 Uhr war noch keine richtige Aktivität im Hof zu sehen. Es saß nur ein einsamer Mensch da, der eben schon da war als wir zu Zimmer unterwegs waren. Ich habe mich mal dazu gesetzt und es mir bequem gemacht. Viel kam von dem Typen aber nicht. Ich meine er wäre Engländer gewesen. Sein zerfledderter Lonely Planet und der restliche Kram den er da ausgebreitet hatte, sah irgendwie nach "Engländer" aus. Eine Unterhaltung kam nicht mehr zustande, da außer Guten Abend von ihm kein Laut mehr kam. Ich glaube er war damit beschäftigt, mit seinen zwei Handys alle zig dupzig Sozialen Netzwerke mit Zeugs zu füttern.

Irgendwann nach 7 konnte man dann deutliche Aktivitäten bezüglich Essen bemerken. So langsam wurden diverse Utensilien aufgebaut und irgendwann bestimmt schon halb acht kam dann das Essen. Mittlerweile hatte sich noch ein Paar aus Spanien zu uns gesetzt.

Das Essen war vegetarisch aber echt gut. Zuerst habe ich ja nur kleine Testportionen genommen, aber dann wirklich richtig vegetarisch gegessen. Die Mama vom Radhika Heritage Haveli hatte es echt geschafft, das erste vegetarische Essen in Indien zu kochen, was mir geschmeckt hat. Hatte nen echt klasse Geschmack. Da waren bestimmt tausend geheime Gewürze dran :)

 

Der Engländer (ohne genau Bestimmung der Herkunft nennen wir ihn der Einfachheit halber "Der Engländer") zog nun plötzlich einen privaten Minikanister Olivenöl aus der Tasche und hat fortan alles was er sich auf den Teller geschaufelt hatte mit Olivenöl getränkt. Auf nem Extrateller hatte er noch diverse Tomatenscheiben drauf, den hat er gefühlt nen halben Zentimeter mit Pfeffer zugeschüttet. Leute gibts. Die beiden Spanier haben auch ganz entzückt zugeschaut. An ihren Gesichtern konnte man wie mit ner hellen Leuchtreklame geschrieben genau ablesen, was die gerade über "Der Engländer" dachten :)

Anschließend haben wir uns alle ganz brav bei Mama für das leckere Essen bedankt und dann hat sich jeder in dem Hof in eine andere Ecke verzogen. "Der Engländer" hat wieder seine beiden Handy angeschmissen und Facebook und Co auf den neuesten Stand gebracht. Die beiden Spanier haben sich mit der Mama des Hauses zusammengesetzt und scheinbar Reisemöglichkeiten besprochen. Es wurde mehrmals der Bahnhof und diverse Züge erwähnt. Und ich muss gestehen, das ich auch die Möglichkeit des guten WLAN genutzt habe und bei nem kalten Kingfisher per Twitter und Mail die Welt genervt habe.

Jetzt habe ich über Bikaner doch noch mehr geschrieben als gedacht. Zuerst war ich der Meinung das der Tag recht ereignislos war. Gute Nacht.





18.03.2016 - ein paar Ratten auf dem Weg und bröckeliges Mandawa

Bei der Abreise war heute wieder Bargeld angesagt. Die Mama hatte die Abrechnung fertig gemacht und hat kassiert. Jetzt musste ich aber doch so langsam nochmal an einen Automaten. Das Ende war nahe und damit auch dann übermorgen die letzte Rate für Mister Ashok. Aber ich war zuversichtlich in Mandawa ATM's zu finden.

Der Tuktuk Mann von gestern stand überpünktlich schon vor der Türe. Die sichere Fahrt hat er sich nicht entgehen lassen. Er hat noch irgendwen mit seinem kleinen Jungen mit vorne auf die Fahrerbank gequetscht und ist in schnellem Tempo losgedüst. In der Stadt war noch garnicht so viel los. Nur Kühe standen überall rum. Und auf den Kreuzungen auch phänomenal im Weg. Der Typ mit seinem Tuktuk hat die Kühe teilweise schon fast zu Seite geschubst.

Am Fort wartete auch schon Anil. Als ich dem Tuktuk-Mann dann das gleiche Geld in die Hand gedrückt hatte wie gestern für die Hintour wurde er etwas mürrisch. Keine Ahnung warum. Aber er wollte scheinbar mehr Geld. Nein, das muss reichen. Ich habe mich zu Anil ins Auto verzogen und wir sind los.

Die Strecke heute war garnicht so lang. Einziger Programmpunkt auf dem Weg war heute der Rattentempel in Deshnok. Je nachdem aus welcher Himmelsrichtung man reinkommt, kann man den Tempel auch auf der Anreise nach Bikaner als Station machen. Anil hatte aber darum gebeten den Tempel auf der Strecke nach Mandawa mitzunehmen. Kein Problem. Soll mir recht sein.
 
 

 

Der Rattentempel ist eine Berühmtheit. So ziemlich in jeder Doku über Indien kommt da was vom Rattentempel vor. Entsprechend ist der Tempel auch garantiert bei jeder Tour eine Station. Und dementsprechend hat man auch schon vor Ort vorgesorgt. Es gibt eine gut organisierte Schuhstation wo man seine Treter hinterlegen kann. Und diverse Marktbuden mit Essen, Trinken und Krimskrams haben sich auch in der Nähe des Eingangs angesiedelt.

Der Tempel ist von außen recht überschwänglich verziert. Die Marmorfassade besteht aus unendlich vielen in den Marmor geschnitzten Elementen wie Blumen zum Beispiel. Ja und auch, wie soll es auch anders sein, Ratten.

Drinnen isses dann etwas weniger prunkvoll. Es ist eigentlich schon ein wenig dreckig. Betritt man den Tempel sieht man erst einmal keine Ratten. Also man wird auf dem Platz vor dem Eingang zum Heiligtum nicht von Ratten angefallen. Die Viecher bemerkt man erst, wenn man mal genauer hinsieht. Die sitzen mit Vorliebe auf Türstürzen, auf Geländern, in Gittern oder in allen Ecken. Es gibt eine Stelle wo Schalen mit Futter stehen. Dort kann man die Ratten auch füttern. Die tun nix, die wollen nur spielen. Und daneben stehen dann Schalen mit Milch. Die Ratten sitzen auf dieser Schale rundherum auf dem Rand und schlürfen bedächtig die Milch. Das Bild ist irgendwie schon kurios.

Setzt man sich mal irgendwo hin, auf einen Absatz oder eine Treppenstufe, dann kann es sein, das einem auch mal ne Ratte über die Füße oder vor den Füßen herläuft. Das wars aber auch schon. Die Tiere haben im Tempel nix zu befürchten und werden ausreichend gefüttert. Die Ratten sind dermaßen überhaupt nicht an den Menschen interessiert die da rumlaufen, außer wenn einer da sitzt und hat Futter in der Hand. Dann kommen die Ratten an und lassen sich aus der Hand anfüttern.

Die Tiere verteilen sich in allen Ecken in der Tempelanlage. In manchen dunklen Ecken gibt’s mal die eine oder andere Rattenversammlung. Da muss man schon aufpassen, dass man keiner auf den Schwanz tritt. Ich glaube dann wären die nicht mehr so friedlich.

Nach ausgiebigem Ratten begutachten bin ich dann auch wieder raus und habe meine Schuhe ausgelöst. Die Socken habe ich lieber ausgezogen. Die sind erst mal ganz unten in die Tasche gewandert.

 

 

Anil sagte, das er ab hier jetzt eine neue Route fahren würde, die er bisher nur einmal vorher gefahren wäre, allerdings aus der anderen Richtung kommend. Ich solle mich also nicht wundern, wenn er gleich mal nach dem Weg fragen müsste, grundsätzlich wüsste er aber wie er fahren müsste. Ich habe ihm gesagt er solle mal machen. Für heute stand sowieso nix mehr auf dem Plan als nach Mandawa zu kommen.

Bei uns hätte man zu diesem Sträßchen jetzt eher Feldweg gesagt. Hier war jedoch Gott und die Welt inkl. Busse und LKW auf dieser Piste unterwegs. Nach einer ganze Zeit wurde die Straße auch so schlecht, das wir nur noch im Schritttempo um die riesigen Schlaglöcher rumgekurvt sind. Die Straße bestand im Prinzip aus Schlaglöchern. Die kleinen Flecken Teer dazwischen sind garnicht mehr aufgefallen.

Und Anil hat insgesamt drei mal angehalten und gefragt, bzw. sich bestätigen lassen, das er immer noch in der richtigen Himmelsrichtung unterwegs war. Die Fahrt auf diesem miesen Straßending war sehr anstrengend. Alleine nur das daneben sitzen und durchgeschüttelt werden hat mich schon angestrengt. Das wurde auch irgendwie nicht besser bis wir unmittelbar in Mandawa angekommen waren. Wir sind dann durch den Ort gekurvt und als die Straße fast schon zu schmal fürs Auto war waren wir beim Hotel. Anil kannte es. Ich glaube so sehr viel Auswahl gibts in Mandawa auch nicht.

Schon auf der Fahrt hatte Anil die ganze Zeit erzählt, das es in Mandawa ja soooo viele "Havelis" geben würde die sich lohnen würden sich anzuschauen. Da wär das Dings-Haus, das Dings-Haus und noch das und das Haus was ich uuuuunbedingt ansehen müsste. Ich habe in seinen Ausführungen eigentlich nur noch Havelis Havelis Havelis verstanden.

Als wir nun so durch Mandawa fuhren war mein erster Eindruck eigentlich nur, das es hier sehr alt und zerfallen aussieht.

Im Hotel wurden wir ganz freundlich mit ner Limonade begrüßt und ich wurde beim Einchecken überschwänglich zugetextet. Dann ist einer mit mir losgezogen und hat mir erst mal die verfügbaren Zimmer gezeigt. Eigentlich hätte ich ja auch das erste direkt schon genommen, aber der Herr meinte Nein Nein, zuerst muss man andere Zimmer gesehen haben um dann eine gute Wahl zu treffen. Aha. Na gut. Also habe ich dann das letzte Zimmer genommen das er mir gezeigt hat. Alle Zimmer waren vom Stil her recht unterschiedlich gebaut und ausgestattet. Das wo ich mich jetzt zu entschieden hatte, waren eigentlich drei Räume nebeneinander, Bad, Aufenthaltsraum mit Empore und Sitzgruppe und Schlafzimmer. Die drei Räume nebeneinander waren irgendwie die ganze Front vom Haupthaus. Konnte sich schon sehen lassen.

 

Was auch vollkommen wunderbar ausgestattet und verziert war, ist der Innenhof im Haus, um den Sich auf zwei Etagen die ganzen Zimmer befinden. Sah schon wirklich schön aus. So langsam bekam ich eine kleine Idee davon, was Anil mit den wunderschönen Havelis gemeint hat.

Nachdem Anil abgedampft war (Tschüss, wir treffen uns übermorgen wieder hier) habe ich noch kurz meinen Kram verstaut und bin dann mal zurück zur Hauptstraße gegangen. Hauptstraße ist jetzt recht hoch gegriffen. Es war halt die "Main Market Road" wo sich die meisten Geschäfte hoch und runter versammelten.

Hier habe ich auch schon zwischen den vielen alten und zerbröckelten "Bauruinen" ein paar von den schönen Havelis gesehen. An einer Stelle ist so etwas wie ein Torbogen durch den sich der ganze Verkehr quetscht mit ein paar Figürchen oben drauf. Alles sah irgendwie alt aus und sah aus, als hätte es schon vor längerer Zeit deutlich bessere Zeiten erlebt. Ich habe schon mal erkundet wo ich morgen die ganzen Havelis sehen werde. Einen großen Tempel, den Abzweig zum Mandawa Castle und nen Geldautomaten habe ich dabei gefunden.

Der Automat hat mir zweimal 10 Mille ausgespuckt. Brav. Jetzt konnte ich Ashok bezahlen und auch Anil noch ein Trinkgeld geben.

 


Zurück am Hotel habe ich gefragt, ob die auch ein Restaurant haben. Ja klar. Ich meine ja verstanden zu haben, das die auch ein Rooftop Restaurant hätten. Ich könne mich aber auch in den Garten setzen oder in den Speisesaal. Zuerst habe ich im Zimmer noch etwas gelesen und mich dann rauf zum Rooftop gemacht. Allerdings war da nix. Alles düster. Also bin ich noch ein wenig auf dem leeren dunklen Dach rumgetigert und habe mir Mandawa "by Night" angeschaut. Dann bin ich zum Speisesaal gegangen. Dort war wenigstens was los. Es saß genau eine Family (ich glaube Holländer, ausnahmsweise mal keine Franzosen) da.

Irgendwann kam mal jemand vorbeigeschlurft mit ner Karte. Bis dann das erste Bier auf dem Tisch stand hat auch sehr lange gedauert. Die hatten die Ruhe weg. Da ich auf der vegetarischen Karte nix tolles entdecken konnte, habe ich meine vegetarische Standardwahl Aloo Jeera = Kartoffeln mit Cumin und sonstigen Gewürzen genommen. Jetzt passierte erst mal lange Zeit garnix. Iiiirgendwann kam mal das Essen. Sah erst mal ganz gut aus. Beim ersten Biss aber durfte ich feststellen das da wohl irgendwas schiefgegangen war. Die Kartoffeln waren innen drin noch recht äääääh bissfest, will sagen nahezu roh. Das hat mal garnicht geschmeckt. Ich habe dem Mensch gesagt das er sich seine Kartoffeln wieder mitnehmen kann. Ich habe mir noch ein Bier aufs Zimmer bestellt und bin weg.

Morgen gehts gegenüber zu Monica. Monicas Rooftop Restaurant wird nämlich auch im Lonely Planet gelistet und die schreiben nur gute Dinge darüber. Wird wohl deutlich besser sein als das Essen heut. Auf das Bier habe ich übrigens auch noch ne halbe Stunde gewartet.

Mein Urteil über das "Radhika Haveli" : Hotel top. Restaurante und Service ...... verbesserungswürdig.

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Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #40 am: 13.06.2016, 15:21 Uhr »


Nur zum Verständnis:  Wird in Indien vorwiegend vegetarisch gegessen?    :staunend2:

Dein Bericht ist echt toll geschrieben. Auch die Fotos sind super. Man hat das Gefühl, selber an der
Tour teilzunehmen.  Du kannst die Rundreise gerne noch verlängern. Ich bin dabei.


LG
Rolf


Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es gemacht.

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Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #41 am: 14.06.2016, 23:23 Uhr »
Vegetarisch essen. Hmmm. Ja. Ich würde schon sagen das die "vegetarian" oder auch "pure vegetarian" Spelunken schon der Überzahl waren. Deshalb sind das ja alles nur so kleine Hänflinge die der Wind umbläst :)
Aber im Ernst. Ich hatte schon den Eindruck das vegetarisch, also hier ohne chicken oder Hammel oder Ziege schon weit verbreitet war.
Allerdings habe ich auch in Kalkutta zum Beispiel gesehen das in den ganzen Garküchen aufm Bürgersteig durchaus auch irgendwas fleischiges mitfritiert wurde und da kräftig zugelangt wurde.

Gruß
Bernd
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Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #42 am: 16.06.2016, 14:37 Uhr »
Was es für Zufälle gibt!  :D

Wir haben Besuch bekommen und die letzten zwei Abende haben wir uns "vergnügt" mit dem Anschauen von ca 1000 Bildern (vom Stick auf den TV ...) gemacht bei einer Studiosus Rundreise durch:
Trommelwirbel ...

Radjastan!

Die zwei waren genau so begeistert wie Mr Bernd ...

Und sie waren verblüfft, dass ich ein paar Sachen erkannte ...  :wink:

Es haben sich aber auch viele Fragen ergeben zu der Architektur dieser Paläste und Forts, den Techniken der Steinbehauung usw.
Die nächsten Abende machen wir weiter ...

*MisterB

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Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #43 am: 17.06.2016, 10:15 Uhr »
SO. Wieder in Deutschland und mit Zugriff auf nen PC mit Internet kanns ja jetzt weitergehen.
Wir sind immer noch in Mandawa und nähern uns dem Ende der Rundtour. Morgen geht's zurück nach Delhi und dann von da aus weiter ohne Fahrer.

19.03.2016 - Haveli Haveli Haveli

Heute habe ich es sehr ruhig angehen lassen. Da ich ja heute keinen frühen Abfahrtstermin mit Anil hatte, bin ich bis um 11 Uhr liegen geblieben. Herrlich. Fühlte sich fast wie Urlaub an. An der Rezeption habe ich dann noch gefragt, ob es vielleicht möglich wäre, das ich jetzt so spät noch einen Kaffee haben könnte. Uuh. Da ging plötzlich ganz viel Palaver los, es wurde Leute geschickt und ich bekam gesagt, das ich mich mal in den Garten setzen solle.

Ein paar Minuten später kam dann der Kaffee schon. Und noch diverse andere Leutchen hörten plötzlich nicht mehr auf Teller vorbeizubringen. Da kamen noch Teller mit Toast und Marmelade, Teller mit Früchten, Schalen mit Müsli und Obst und Milch fürs Müsli. Dann war der Tisch voll und ich saß vor einem Berg Kram obwohl ich nur unschuldig nen Kaffee wollte. Tja. So bescheiden wie gestern das Abendessen war, so toll war das Frühstück.
 
 

 

Der Oberkellner, also der, der das meiste gebracht hatte, konnte mich zwar nicht wirklich verstehen (konnte kein Englisch), stand aber da und war sichtbar sehr zufrieden das er mir den Tisch vollgestellt hatte. Danke.

So um 12, vollgegessen, bin ich dann endlich los. Zuerst bin ich in der Gegend um mein Hotel noch rumgewandert. Da waren auch ganz viele Havelis zu sehen. Ein paar davon aber recht zerfallen. Da war der Lack eindeutig ab. Bei einem habe ich mal durch die Haustür geschaut, da lag im Innenhof nur Bauschutt. In anderen Häusern wurde aber offenbar gewerkelt.

Also entweder gab es nur Häuser die schön aussahen oder Häuser die runtergekommen und verfallen aussahen. Dazwischen war nicht allzuviel.

Ich bin durch die Gegend marschiert und später noch die Hauptstraße wieder runter bis zu dem Tor von gestern. Direkt dahinter an dem kleinen Platz liegt auch das Mandawa Haveli. Seineszeichens (zumindest laut Lonely Planet) das erste Haus (Haveli) am Platz. Möchte man sich hier umsehen, muss man sogar einen kleinen Eintritt zahlen. Das habe ich gelassen und nur durch die Haustür fotografiert.

Vor der Türe war ne Bank, da habe ich ein Päuschen gemacht. Wie es so ist, das kommt mir jetzt schon garnicht mehr komisch vor, stromerten nach ein paar Minuten lauter Gestalten verschwörerisch um die Bank herum, um den besten Zeitpunkt zu erwischen schnell ein Foto von mir zu machen, bzw. ein Selfie mit mir im Hintergrund. So ist das nun mal. Ich bin eben berühmt :)

Auf der anderen Seite des Platz war ein Schuhgeschäft. Als Auslage hatte der Verkäufer ein paar Kartons auf dem Bürgersteig aufgestapelt und Schuhe ausgestellt. Er selbst saß im Eingang und hat Zeitung gelesen. Plötzlich kam von irgendwo her ne Kuh. Sie stellte sich vor den Schuhladen, beäugte alles, und unvermittelt fing sie an, die Schuhkartons mitsamt der Treter zu fressen. Da hätte man aber mal den Verkäufer sehen sollen. So schnell habe ich in Indien noch nie jemanden rennen sehen. Er hat der Kuh mit seiner zusammengerollten Zeitung erst mal den Hintern versohlt und sie vertrieben. Das war auch das erste Mal, das ich in Indien gesehen habe, das jemand ne Kuh berührt hat.

 

 

Ich denke, ich habe in der Folgezeit so die meisten Sachen abgeklappert. Irgendwann wurde es mir aber dann doch ein wenig zu langweilig in der Gegend rumzustapfen und zu hoffen um die nächste Ecke steht ein schönes Haveli. Ich habe im Hof vom Castle Mandawa (welches auch ein Hotel ist, und laut den Bildern die ich gesehen habe, wohl auch recht feudal) noch ne kleinere Rast gemacht. Dann gings aber zum Füße hochlegen zurück zum Hotel.

Wie könnte man den Tag jetzt beschreiben ? Durch den Ort gestapft und Häuser angeschaut. War jetzt nicht unbedingt der aufregendste Tag des Urlaubs, aber so öde wie es sich anhört wars dann doch nicht.

Am Abend bin ich dann, wie schon geplant, nebenan zu Monica gegangen. Zum Glück stand es ja groß dran. Wenn nicht, hätte ich gedacht, ich wäre bei Leuten ins Wohnzimmer gegangen. Unten von der Eingangstür muss man zuerst über ein paar Stiegen hoch aufs Dach. Das Essen war wie erwartet deutlich besser als gestern. Eigentlich könnte ich sagen, das es echt sehr gut geschmeckt hat. Ich hatte wieder irgendein Tikki Chicken mit toller Soße dabei. Extra richtig Spicy bestellt hat es wirklich gut geschmeckt und mir sind auch nicht die Zahnplomben geschmolzen. War gewürzt aber nicht gemeingefährlich. Kingfisher gabs auch.

 

 

Als ich zum Hotel zurückkam war die gesamte Belegschaft an der Rezeption versammelt um auf dem Minifernseher dort ein Cricket Spiel zu schauen. Die waren alle recht angagiert bei der Sache. Als der Mann der mir am Morgen das Frühstück serviert hatte mich über den Hof gehen sah, kam er raus und deutete mir, ich solle auch kommen und das Spiel sehen. Na dann hätten die aber die Rezeption wegen Überfüllung schließen müssen. Nein Danke. Mit Cricket kann ich nicht so viel anfangen. Aber danke fürs Angebot.

 
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*Antje

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Re: Heilige Kühe und heilige Städte - Indien im März 2016
« Antwort #44 am: 17.06.2016, 11:39 Uhr »
Hi

ich amüsiere mich sehr - ich bin vor Jahren mal in etwa auf dieser Route unterwegs gewesen. Das Castle Mandawa ist tatsächlich ein sehr sehr schönes Hotel - der Raja ist höchst engagiert, was die Entwicklung seiner Region angeht. Er hat das Schloß und auch das ihm gehörende Desert Camp im Grunde nur zu Hotels gemacht, weil er den Menschen Arbeit geben wolle mit Renovierung und Hotelbetrieb - denn in der Region ist halt sonst nicht sehr viel. Und es läge normalerweise nicht so auf den Routen der üblichen Reisen. Damals kannte noch "keine Sau" die Havelis. Die meisten Eigentümer leben längst in den Großstädten Mumbai oder Delhi und die Menschen, die heute in den Häusern wohnen, sind ehemalige Angestellte, aber in die Erhaltung wurde kein Geld gesteckt. Die Havelis verfielen immer mehr.

Durch die Initiative des Rajas sollte quasi der Anstoß gegeben werden, auch von den anderen Familien in die eigene Geschichte zu investieren.

Alle handwerklichen Arbeiten im Schloß und Camp läßt er von lokalen Handwerkern machen, genauso wie die Ausstattung und Einrichtung.

Wir hatten damals das Vergnügen, mit ihm ein Abendessen im Schloßpark zu haben und er war sehr nett und ein sehr interessanter Gesprächspartner. Und die Zimmer im Schloß waren toll - wir waren eine kleine Gruppe - jedes Zimmer ist völlig anders. Einen Abend haben wir quasi damit verbracht, die Zimmer von jedem einzelnen anzugucken.


 

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