Südwesten ab Denver: Rote Steine, Weiße Tasche, Bunte Bäume

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*saibot

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« Antwort #15 am: 14.04.2017, 16:26 Uhr »
Hallo mrh400,

schön, dass ihr aus meinem damaligen Reisebericht eine Anregung entnehmen konntet. Bin gespannt, was ihr alles erlebt habt ...

Gruß
Tobias

*mrh400

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« Antwort #16 am: 14.04.2017, 19:02 Uhr »
schön, dass ihr aus meinem damaligen Reisebericht eine Anregung entnehmen konntet.
ja, das Forum ist als Tipgeber unbezahlbar - und Dein Bericht war schon ganz besonders anregend.

3. Tag Montag 12.09.2016 Cañon City – Montrose

Die Nacht war noch Jetlag-geprägt, ab 03:00 war der Schlaf nur noch bruchstückhaft. Um 07:00 stehen wir auf. Nachdem wir uns fertiggemacht haben, holt Marianne unten einen Kaffee und einen Tee und wir setzen uns auf den kleinen Balkon, wo wir einen wunderschönen Sommermorgen genießen.

Pünktlich um 08:30 sind wir im Frühstücksraum, wo wir gemeinsam mit einem Ehepaar aus Kansas am Tisch sitzen, das mit einem Motorradschaden hier länger festsitzt als geplant. Wir bekommen einen Quark mit frischen Erdbeeren und feine Pfannkuchen mit Beeren und Sirup.

Nachdem das Auto gepackt ist und wir uns im Gästebuch eingetragen haben, fahren wir los. Wir ignorieren sämtliche Hinweise auf das Gefängnismuseum - eine Gaskammer ist nun wirklich nicht das, mit dem wir uns in Urlaubsstimmung versetzen können. Auch den anderen touristischen Höhepunkt der Region nehmen wir nur partiell wahr. Wir fahren zwar zunächst in Richtung Royal Gorge Bridge – aber eben nicht bis hinein in den Park, sondern wir biegen ca. eine Meile vorher zur Picknick- und Overlook-Loop. Dort parken wir an einem der ersten Picknickplätze, wo wir einen tollen Blick auf den Arkansas-River haben. Von dort gehen wir einen Fußweg an der Kante bis zu der Ecke, wo man auch einen Blick auf die Hängebrücke hat. Leider ist der Blick teilweise durch Sträucher verdeckt, solange man sich im absturzgesicherten Bereich bewegt.


Blick von der Straße zur Royal Gorge Bridge


Royal Gorge Overlook, Arkansas River


Blüten am Royal Gorge Overlook


Royal Gorge Overlook, Royal Gorge Bridge

Anschließend geht die Fahrt in Richtung Westen, erst am Fluß entlang durch schöne Felseinschnitte, dann durch hügelige Landschaft. Zunehmend sieht man in westlicher Richtung mehr oder weniger dichte Wolkenfelder. Angesichts der etwas fortgeschrittenen Zeit durchfahren wir Salida ohne anzuhalten (außer an einer Ampel neben einem hübschen Mural). Es soll auch noch einen alten Friedhof und ein paar Ghost-Town-Häuser geben, aber wir wollen ja noch ins Hochgebirge, bevor das Wetter kippt. In Buena Vista stehen wir in einem Baustellenstau, als Marianne spontan feststellt, daß der kleine Park direkt neben der Straße doch ganz nett ist. Gesagt getan – der Columbine Park wird unsere Picknickrast. Anruf von Hertz war im übrigen keiner auf dem Handy.


auf der US 50 bei Cotopaxi


Mural in Salida


auf der US 285 vor Buena Vista

Nachdem wir gegessen haben, hat sich auch der Stau aufgelöst und wir fahren in Richtung Cottonwood Pass. An den Hängen sind die ersten Herbstfärbungen zu entdecken. Die Straße entwickelt sich zu einem richtig hochalpinen Paß mit etlichen Kehren, schönen Ausblicken und dem entsprechenden Vegetationswechsel von schon leicht buntem Laubwald über Nadelwald zu bunten Sträuchern. Oben erreicht man immerhin etwas über 12.000 Fuß Höhe.


Cottonwood Pass Ostrampe


Cottonwood Pass


Cottonwood Pass


Cottonwood Pass, Blick nach Westen

Die Westseite bietet erneut tolle Ausblicke auf die Berge und das Taylor-Reservoir. Die Straße ist auch hier durchgehend zweispurig, aber bis zum Taylor-Reservoir ungeteert – und zwar überwiegend eine festgefahrene Erdstraße, bei Nässe also nicht unbedingt zu empfehlen. Da man in der Ferne sich entleerende Regenwolken sieht, halten wir uns am Paß nicht allzu lange auf und fahren wir zügig runter bis zum Reservoir, an dem gemütlich Kühe grasen.


Cottonwood Pass, Westrampe


Dunkle Wolken am Cottonwood Pass


Cottonwood Pass, Westrampe


Cottonwood Pass Creek


Taylor Reservoir

Die weitere Strecke nach Montrose führt wieder über Hügel und am Blue Mesa Reservoir entlang. Dort gibt es noch ganz interessante Felsformationen am gegenüberliegenden Ufer zu besichtigen - die Dillon Pinnacles. Der Himmel trübt sich zunehmend ein und die letzten Meilen vor Montrose herrscht ein heftiger Sturm. In Montrose fängt es dann auch noch zu regnen an und der Sturm ist so gewaltig, daß etliche armdicke Äste auf der Straße herumliegen. An einem kleinen Restaurant gegenüber einer Ampel, an der wir halten müssen, weht der Wind so nebenbei eine Aluverkleidung nebst Kamin hinunter auf den Bürgersteig. So richtig wohl fühlen wir uns in dem Moment nicht.


Dillon Pinnacles


Gewitterstimmung vor Montrose

Im Hotel ist das Zimmer noch nicht fertig (um 16:45!), was wir ziemlich unwirsch entgegennehmen. Während wir ausladen, soll es hergerichtet werden. Inzwischen klart es wieder auf als ob nichts gewesen wäre. Oben müssen wir dann auf dem Gang nochmals zwei Minuten warten, bis das Zimmer wirklich fertig ist.

Im Internet suchen wir nach einem ordentlichen Restaurant, werden aber nicht gleich fündig. Das Steakhaus, das ich zunächst im Auge hatte, hat als aktuelle Nachricht gepostet, daß der Heißwasserboiler heute den Geist aufgegeben hat und sie deshalb vorübergehend schließen müssen – vielleicht morgen wieder. So entscheiden wir uns für Camp Robber, wo wir trotz gut gefülltem Parkplatz sofort einen Tisch bekommen. Wir essen amerikanisch: Sandwich mit Prime-Rib-Scheiben und Käse, dazu French Fries bzw. Coleslaw. Marianne ein Coors light, ich ein lokales Red Ale.

Zurück im Hotel das übliche am PC und erstmals gucken wir TV.

226 mi, 5:53 h
Gruß
mrh400

*Yaphi

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« Antwort #17 am: 16.04.2017, 12:34 Uhr »
Eine schöne Route, die ihr gefahren seid. Habe ich mir mal notiert ;)

*mrh400

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« Antwort #18 am: 16.04.2017, 19:51 Uhr »
Nachdem das Wetter hierzulande zu keinem großen Osterausflug reizt, gibt es auch heute einen weiteren Tagesbericht:

4. Tag Dienstag 13.09.2016 Montrose – Black Canyon of the Gunnison – Montrose

Unsere innere Uhr hat sich noch nicht an den Wechsel gewöhnt – wir schlafen schnell und kurz (so bis gegen Mitternacht) und dann nur noch bruchstückhaft. Um 07:00 stehen wir auf und gehen in den Frühstücksraum, wo es das typisch amerikanische Motelfrühstück gibt. Immerhin reicht es für den Tagesauftakt.

Angesichts unserer Übermüdung und der langen gestrigen Fahrt entscheiden wir uns für ein verkürztes, aber durchaus intensives Tagesprogramm: wir schmeißen den North Rim des Black Canyon of the Gunnison aus dem Programm (was zum einen angesichts der nachmittäglichen Gewittergefahr ratsam erschien, zum anderen wegen der überwiegenden Gegenlichtsituation über den Tag zumindest blick- und fototechnisch auch unschädlich sein dürfte) und wollen uns auf den South Rim beschränken.

Am Parkeingang bekommen wir keinen Jahrespass für alle Parks, weil der ausverkauft ist. Mit der Quittung für den heutigen Eintritt bekommen wir aber eine entsprechende Reduktion, wenn wir innerhalb der nächsten 7 Tage einen Jahrespass erwerben. Die Rangerin im Visitor Center ist darüber ganz überrascht (wir hatten gefragt, ob es im VC vielleicht noch welche gibt), weil sie nicht unterrichtet war. Sie empfiehlt uns für den Tagesablauf frühzeitig ganz am Ende den Weg zum Warner Point zu gehen, weil der am Nachmittag gewittergefährdet und damit gefährlich sein könnte.


Auf dem Weg zum Black Canyon


Black Canyon of the Gunnison, Tomichi Point vor dem Visitor Center


Black Canyon of the Gunnison, Gunnison Point beim Visitor Center

Wir beschließen, dem Rat der Rangerin Folge zu leisten und den Park "von hinten aufzurollen". Der Parkplatz ganz hinten ist auch durchaus gut besucht und wir gehen den Warner Point Trail von ca. 1,5 km, erst bergab, dann wieder bergauf mit schönen Blicken nicht nur auf den Canyon, sondern vor allem auch auf die Ebene und die Berge in der Ferne – nur sind letztere leider ziemlich im Wolkendunst.


Black Canyon of the Gunnison, Blick vom Warner Point Trail


Black Canyon of the Gunnison, Blick vom Warner Point Trail - unten liegt die Gunnison Ranch


Black Canyon of the Gunnison, Herbstlaub am Warner Point Trail


Black Canyon of the Gunnison, Warner Point

Zurück am Parkplatz schnappen wir uns einen Picknicktisch, essen Bananen und Äpfel und genießen eine geruhsame Pause. Anschließend klappern wir sämtliche Aussichtspunkte ab, die nur zum Teil direkt an der Straße, zum Teil etwa 300 – 500 Meter entfernt liegen, so daß etliche kurze Wege zusammenkommen. Als erstes kommt der Sunset View Overlook mit einem kurzen Spaziergang. Daran schließt sich der Dragon Point an mit dem namensgebenden Muster in den gegenüberliegenden Felsen dran, wo man ebenfalls ein paar Schritte laufen muß. Als nächstes laufen wir den kurzen Weg zum Cedar Point. An allen Aussichtspunkten kann man nicht nur die marmorierten Canyonwände bewundern; man sieht auch zum Gunnison River mit etlichen Stromschnellen hinunter. Das Fotografieren ist nicht ganz einfach, weil die Wolken immer wieder zu heftigen Verschattungen führen.

Am Cedar Point kommen wir mit einem Wiener ins Gespräch, dessen Frau bei ihrer Schwester in San Francisco weilt und ihn eine Rundreise machen läßt. Gegenseitige Fotos sind Pflicht.


Black Canyon of the Gunnison, Sunset View Overlook


Black Canyon of the Gunnison, Dragon Point


Black Canyon of the Gunnison, Stromschnellen beim Dragon Point


Black Canyon of the Gunnison, Dragon Point - namensgebende Felsmuster


Black Canyon of the Gunnison, Juniper am Dragon Point Trail


Black Canyon of the Gunnison, Cedar Point


Black Canyon of the Gunnison, Stromschnellen beim Cedar Point

Nach der Painted Wall View fahren wir zum VC für eine hydrologische Pause und machen dann den Rest der Viewpoints in der "natürlichen Reihenfolge": Pulpit Rock, Cross Fissures, Rock Point, Devils Lookout und Chasm View. Die Blicke wechseln, sind aber doch irgendwie vergleichbar. Immer wieder sieht man außer den bunt marmorierten Felsen auf der gegenüberliegenden Seite ganz tief unten den Fluß mit schäumenden Stromschnellen.


Black Canyon of the Gunnison, Cross Fissures


Black Canyon of the Gunnison, Devils Lookout mit Blick auf North Rim

Insgesamt sind wir beide von dem Park und der Landschaft begeistert. Vor 16 Jahren waren wir schon einmal da, haben aber nur einen "Schnelldurchgang" gemacht und die Erinnerung war ziemlich verblaßt.

Auf dem Rückweg legen wir in Montrose einen Halt bei Shell ein und bekommen hier unseren Sprit ganz ohne ZIP oder sonstige Faxen. Im Hotel machen wir eine Ruhepause, ich rufe wieder einmal vergeblich bei Hertz an, telefoniere via Skype mit Hertz in Deutschland, die aber angeblich erst nach Rückgabe etwas unternehmen können. Daher suche ich im Internet nach einer Mailadresse von Hertz – wie bei vielen solchen Läden üblich, geben die nämlich nur Telefonnummern an und nur zu bestimmten vordefinierten Themen kann man über den Internetauftritt Anfragen stellen. Auf der ADAC-Seite werde ich fündig und schreibe eine mehr oder weniger (na ja, eher weniger) freundliche Mail mit der Bitte um Klärung (natürlich in meinem Sinne). Mal sehen, was passiert.

Dann fahren wir zum Stone House, das für heute "Entwarnung" gegeben hat. Der Boiler funktioniert offenbar wieder. Das Lokal ist vom Ambiente her recht angenehm und unser Essen war sehr gut. Marianne ißt Fish & Chips, ich blackened Salmon; Marianne hat sich auf Coors Light eingeschossen, ich trinke ein lokales IPA.


Montrose, Stone House


Montrose, Stone House - Fish & Chips


Montrose, Stone House - Blackened Salmon

Zurück im Motel das übliche: Marianne verfolgt den Wahlkampf, ich beschäftige mich am PC.

58 mi, 2:23h
Gruß
mrh400

*et

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« Antwort #19 am: 17.04.2017, 10:34 Uhr »
Hi,

der Südwesten ist immer eine (virtuelle) Reise wert, insbesondere wenn einem Teile bekannt sind und Du die "Mühen" eines RB auf dich nimmst.  :lol:

Fand es gerades besonders lustig, dass ihr in Montrose auch das Stonehouse für das Dinner genommen habt. Kamen 2014 aus der entgegengesetzten Richtung - Million Dollar Hihgway - und haben dieses Abendessen und die gesamte Reise ebenfalls besonders genossen.

Also genieß ich jetzte eure Tour als stiller und genießender Mitfahrer.

glg Toni

PS: Naive Frage am Rande, woher nimmst Du die präzisen Ortsangaben von den Bildern beim Hinflug - GPS???
1983 - BC-MT-WA
1986 - PHX-SW-SFO
1988 - solo CAL/OR +SW
1989 - SW again
2000 - NYC
2004 - Xmas Florida
2007 - Family of Five goes west
2008 - NYC mit Familie
2011 - 4 Wo Western up & down
2014 - 3 Wo CO/UT/AZ around Rim to Rim

*mrh400

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« Antwort #20 am: 17.04.2017, 11:12 Uhr »
PS: Naive Frage am Rande, woher nimmst Du die präzisen Ortsangaben von den Bildern beim Hinflug - GPS???
Ich verwende einen billigen GPS-Tracker von Canway, mit dem ich den Flug aufzeichne (funktioniert problemlos am Kleiderhaken der vorderen Lehne aufgehängt). Mit dem zugehörigen Programm kann man mit einiger Mühe (die Zeitzoneneinstellung hat mit der Realität wenig zu tun, da muß man herumprobieren, bis es paßt) die Route mit den Fotos verknüpfen und dann durch heranzoomen die Aufnahmestandorte fixieren. Manchmal muß man dann noch mit Google Maps (Satellitenbild) Feinkorrekturen vornehmen, wenn die Kamerazeit nicht ganz exakt eingestellt ist.
Gruß
mrh400

*mrh400

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« Antwort #21 am: 18.04.2017, 17:37 Uhr »
So, ich hoffe, alle haben die Feiertage gut überstanden und sind für einen weiteren Tagesbericht aufnahmebereit:

5. Tag Mittwoch 14.09.2016 Montrose – Durango

Wir schlafen immer noch schlecht – ab ca. 04:00 nur noch bruchstückhaft. Um 07:00 stehen wir auf und machen uns allmählich reisefertig. Das Frühstück ist ähnlich wie gestern; ich beschränke mich auf Muffins, Marianne ißt auch noch ein paar Cornflakes.

Von Hertz sind zwei Mails da, eine aus Deutschland, eine aus Denver. Offenbar ist alles geregelt.

Beim Safeways neben dem Motel gibt es nichts, was uns anmacht – das beginnt schon beim Brot, so daß wir den Laden ohne Einkäufe wieder verlassen und die eine Meile bis zum City Market fahren. Dort ist das Brot besser und eine pikante Tomatensalsa haben sie auch. Außerdem kaufen wir Halswehtabletten, weil sich bei mir ein Kratzen breitmacht.

Wir verzichten zum einen wegen der unsicheren Wetterprognose, zum anderen zur zeitlichen Entspannung der Tour auf den Weg über den Owl Creek Pass und fahren direkt auf der 550 nach Süden. Schnell sind wir in den Bergen mit schöner Landschaft. Bis Ridgway gibt es noch viel grüne Wiesen, dann wird es alpiner. Vor Ouray erwischt uns ein längerer Baustellenstau mit einspuriger Fahrbahn.


Hayden Peak und andere von der US 550 vor Ridgway aus


Mit Sneffels und andere von der US 550 vor Ridgway aus

In Ouray machen wir eine Pause und schlendern durch das wirklich nette Westernstädtchen. In einem Laden mit vielen putzigen Sachen (Blue Pear) ersteht Marianne zwei Buttons für die Enkelinnen. Für eine hydrologische Pause suchen wir das Rathaus auf, wo mir ein Sheriff spaßeshalber die Kamera abnehmen möchte – eine 7D wäre ihm dann aber doch lieber gewesen. Dafür beschreibt er mir den Weg zum Box Canyon. Beim Post Office kaufen wir noch ein paar Briefmarken für Postkarten an nicht-mail-user.


Ouray


Ouray


Ouray, Wright Opera House


Ouray, schönes altes Werbeschild


Ouray, irgendwie scheint dieses Logo von einer Münchner Biermarke inspiriert

Die Zufahrt zum Box Canyon befindet sich oberhalb der ersten Kehre der 550. Wir zahlen den verhältnismäßig bescheidenen Eintritt (4 USD regulär, 3 USD senior). Es gibt einen ganz netten Native Plants Trail, dem wir in seinem Bogen zum Canyon mit dem Wasserfall folgen – ein beeindruckend enger Slot-Canyon, in dem das Wasser nur so herunterrauscht. Über eine längere Eisentreppe kann man auch ganz zum Fuß des Wasserfalls. Auf dem Rückweg zweigen wir nach rechts ab, erst wieder eine Leiterstrecke, dann über Stock und Stein geht es auf eine Brücke ca. 150 Meter über dem Fuß des Wasserfalls, wo man nicht nur hinunterschauen kann, sondern auch einen schönen Panoramablick auf die gegenüberliegenden Hänge einschließlich alter Minen hat.


Box Canyon, Wegweiser


Box Canyon, Weg in den Canyon


Box Canyon


Box Canyon


Box Canyon, Blick zur Brücke


Box Canyon, Blick von der Brücke - der Felsabbruch trägt den schönen Namen "The Blowout"


Box Canyon, Blick von der Brücke

Bevor wir wieder ins Auto steigen, kaufen wir noch ein paar Postkarten für die Briefmarken.

Die 550 oberhalb von Ouray ist immer noch talseitig völlig ungesichert, aber nach meinem Eindruck an einigen Stellen gegenüber 2005 etwas entschärft und verbreitert. Zudem gibt es auch etliche Stellen, wo man halten und fotografieren kann – das liegt aber vielleicht auch an der anderen Fahrtrichtung als damals.


Nach Ouray fährt man auf den Abrams Mountain zu


Impression an der US 550


Red Mountain Creek

Leider wird das Wetter zunehmend unbeständig und es beginnt immer wieder zu regnen. Den Abstecher nach Ironton sparen wir uns daher, weil die Zufahrt schon ziemlich eingenäßt ausschaut. Den Mine Overlook, an dem wir seinerzeit vorbeigefahren sind, suchen wir aber doch auf. Erst ist es grau in grau, aber halbwegs trocken, so daß man die Kamera auspacken kann. Dann reißt es etwas auf und die Sonne scheint durch – und gleichzeitig kommen dicke Tropfen vom Himmel. Trotzdem gelingen ein paar Aufnahmen von den Minen und den roten Bergen (die auch so heißen: Red Mountain No. 1, 2 und 3).


Red Mountain 2 und 3


Red Mountain 3


Yankee Girl Mine


Yankee Gril Mine


Alte Häuser an der Abzweigung zum Mine Overlook


Bear Mountain vor Silverton


Alte Mine vor Silverton - kann käuflich erworben werden; vom Makler wie folgt beschrieben:

4 Patented Mining Claims at Chattanooga Curve

Silverton Mining Property MLS# 698714 ~ Price $95,000 ~ 20 Acres less Highway ROW (net of 13.3 acres)

Excellent cabin site with electricity running through the southeast corner of the property.  Historic old mining building is located on the property.  The building, which is the tram house that brought you down from the Silver Ledge mine located further north on Red Mountain Pass.  The building is roughly 18’x22′ and was restored several years ago by the San Juan County Historical Society.  No longer there, but connected to this building was a stamp mill and the railroad spur that literally ran right through the buildings.  Property adjoins public land and has great mountain views all around and down the valley to Bear Mountain.  The four claims are the Wonderful, Columbine, Valley and Pride.

In Silverton machen wir erneut eine Pause. Zunächst picknicken wir im Auto, dann gehen wir die Mainstreet entlang und stromern ein wenig durch die Geschäfte. Schließlich kehren wir in ein Cafe für eine Hot Chocolate bzw. einen Kaffee ein. Auf dem Rückweg gehen wir die Parallelstraße, die mit Tourist Traps angefüllt ist und an der auch der Bahnhof liegt, in dem der Zug gerade mit dem Boarding beginnt.


Silverton


Silverton, American Legion Post


Silverton, Bent Elbow


Silverton, Durango & Silverton Railway

Die letzten Schritte zum Auto gehen wir etwas beschleunigt, weil wieder einmal dicke Tropfen unterwegs sind. Am Molas Pass halten wir kurz, um die Aussicht zu genießen. Hier heroben gibt es sogar einen Seerosenteich.

Auf der weiteren Strecke kommt auch noch einmal eine längere Baustelle. Das Wetter bessert sich zunehmend, je mehr wir an Höhe verlieren. Wir suchen zwei Stellen, wo man die Eisenbahn bewundern kann. Einmal zweigen wie auf die CO 250 ab, die vor dem Shalona Lake die Eisenbahnlinie überquert. Landschaftlich ist das ganz hübsch, die Bahnlinie ohne Zug demgegenüber wenig sprektakulär. Wir folgen der 250 noch ein Stückchen, bis man bequem wenden kann. Nachdem wir auf der 550 zurück sind, stoppen wir noch an der Brücke über die Bahnlinie, um hinunterzuschauen. Hier müßte man exakt nach Fahrplan ankommen, um den Zug zu beobachten; ansonsten ist das eher witzlos. An den kurz danach kommenden Sinterterrassen der Pinkerton Hot Springs neben der Straße fahren wir vorbei – irgendwie reizen sie uns nicht.


Blick von der 550 zurück nach Silverton


Molas Pass


Shalona Lake


Astern

In Durango herrscht dichter Verkehr und wir fahren durch den Ort durch und nach Westen bis zu unserem B&B in einem Seitental – ein wunderschönes Haus mit großzügigem Zimmer mit Fireplace und großer Terrasse.

Um 17:00 gehen wir zur Social Hour, plaudern mit den Innkeeperinnen und Mitgästen, genießen ein lokales Bier und einen leckeren Auflauf, so daß wir auf das Abendessen verzichten werden. Stattdessen esse ich noch zwei home-made Cookies, Marianne stöbert in den aufliegenden Büchern.

Anschließend nehmen wir noch ein Zimmerbier und vertreiben uns die Zeit mit Reisenachbereitung und TV.

118 mi, 3:35h
Gruß
mrh400

*U2LS

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Antw:Südwesten ab Denver: Rote Steine, Weiße Tasche, Bunte Bäume
« Antwort #22 am: 18.04.2017, 20:16 Uhr »
Ja, ich habe die Feiertage gut überstanden!!!

Bisher bin ich immer um die US 550 und das Gebiet um Silverton und Durango ganz galant herumgekurvt; so war ich bereits in Montrose, Aspen, Mesa Verde NP, Farmington etc. Wenn ich die schönen Bilder sehe, sollte ich die Ecke künftig mal in meine Planungen mit einbauen!
Gruß
Lothar

I work bloody hard at work so that I can get home early

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*NähkreisSteffi

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Antw:Südwesten ab Denver: Rote Steine, Weiße Tasche, Bunte Bäume
« Antwort #23 am: 18.04.2017, 20:56 Uhr »
Tolle Farben in einer uns auch noch unbekannten Gegend.

Wird im Hinterstübchen notiert.

*mrh400

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« Antwort #24 am: 19.04.2017, 21:15 Uhr »
6. Tag Donnerstag 15.09.2016 Durango – Silverton – Durango

Auch diese Nacht waren wir wieder früh wach. In der Nacht hat sich die Heizung eingeschaltet, die heiße Luft aufs Bett bläst. Aber das war wohl notwendig – das Wasser auf dem Geländer der Terrasse und auf dem Terrassentisch ist sich in eine beachtliche Eisschicht verwandelt.

Mit Mühe schaffen wir es, rechtzeitig beim Frühstück zu sein. Das ist umfangreich und ausgezeichnet: zunächst eine pochierte Birne mit feiner Sauce und Mandelbisquit, dann ein French Toast überbacken mit Schinken, Käse, Ei und ein paar Spargelspitzen. Mit nahezu platzenden Bäuchen machen wir uns auf den Weg nach Durango.

Wir erfahren, daß wir das Auto auch bis nach dem Dinner auf dem Parkplatz stehen lassen dürfen und holen beim Bahnhof ein sog. Souvenir-Ticket. Der Bus fährt allerdings heute ausnahmsweise am Parkplatz ab, so daß wir nach einem Mini-Bummel durch die Mainstreet wieder zurücklaufen. Wir bekommen gerade noch die letzten beiden Plätze auf der – besseren – rechten Seite, weil schon viele Leute vor uns gewartet haben.


Frühstück im Antlers on the Creek


Durango, Bahnhofshalle


Durango, Strater Hotel

Die Busfahrerin quasselt in einem fort, erzählt dabei aber auch viel informatives über die Bahnlinie, die beiden Orte Durango und Silverton, über die Minentätigkeit usw. Während der Fahrt können wir schöne Ausblicke auf die Gebirgslandschaft genießen – heute in voller Sonne. Unterwegs kommen uns haufenweise Oldtimer entgegen, die im Rahmen des „Colorado Grand“, einer Wohltätigkeitsrundfahrt, unterwegs sind. Da wir auf der rechten Seite sitzen, ist an Fotos leider nicht zu denken. Gegen 12:00 sind wir in Silverton, wo wir mit mehr Zeit als gestern ein wenig durch den Ort bummeln, eine Banane und einen Riegel als Mittagessen vertilgen und Geschäfte aufsuchen – fast wie in Titisee ganz überwiegend lauter grausamer Kitsch; eine ganz nette kleine Kachina-Eule kaufen wir dann aber doch. Der im Gegensatz zu den anderen Geschäften wirklich authentische Lederladen mit schönen handgefertigten Artikeln ist uns wiederum zu teuer.


Blick aus dem Bus in der Nähe vom Andrews Lake


Silverton


Bugatti 57 in Silverton (leider ziemlich unscharf)


Silverton


Silverton


Silverton


ATV-Gruppe in Silverton


Silverton, 1335 Reese Street


Silverton, Reese Street


Silverton - nicht unser Zug


Silverton - da kommt unser Zug

Unser Zug fährt ein wenig später als geplant, weil angesichts der vielen Gäste offenbar noch ein weiterer – kurzer – Zug um 14:30 vorgeschaltet wird. Eine freundliche Zugbegleiterin, die aus Alaska stammt, gibt uns als Neuankömmlingen (die meisten anderen Gäste sind bereits mit dem Zug hochgefahren) zunächst ein paar Sicherheitshinweise. Während der ganzen Fahrt gibt sie Fototips und wiederum vielfältige Informationen rund um den Zug und die Gegend.

Der erste Abschnitt der Fahrt bietet tolle Ausblicke auf die Landschaft, den Fluß und den Zug mit seiner Trasse. Zunächst geht es unten am Animas River entlang mit malerischen Blicken auf Fluß und Zug in den Kurven. Für Eisenbahnenthusiasten offenbar wichtig sind die verschiedenen Wassertanks zum Befüllen der Lokomotiven - wir werden mit entsprechendem Vorlauf darauf aufmerksam gemacht. Später windet sich der Zug dann am Hang entlang und der Fluß liegt tief unten. Viele Fotos sind die notwendige Folge. Die letzte Stunde zieht sich allerdings ziemlich; der Zug fährt hier auch mehr oder weniger auf "Straßenniveau" durch die nicht mehr so spektakuläre Landschaft. Hin und zurück mit dem Zug wäre für uns eindeutig zuviel gewesen.


Durango & Silverton Narrow Gauge Railroad


Animas River


Animas River


Durango & Silverton Narrow Gauge Railroad, Wassertank 1


Durango & Silverton Narrow Gauge Railroad, Wassertank 2


Durango & Silverton Narrow Gauge Railroad, Wassertank 3 mit Überlauf


Durango & Silverton Narrow Gauge Railroad, alte Güterwagen


Animas River


Durango & Silverton Narrow Gauge Railroad

Zurück in Durango suchen wir zunächst "Overland" auf, wo wir schon vor elf Jahren eingekauft hatten. Hier gibt es schöne und teure Kleidungsstücke und Accessoires. Es gibt aber auch schöne Gürtel zu moderaten Preisen (jedenfalls im Gegensatz zu Silverton) – einer davon geht in meinen Besitz über.

Beim weiteren Bummel über die Mainstreet finden wir viele bereits geschlossene Geschäfte – aber eigentlich keine, die einen neuerlichen Besuch morgen früh rechtfertigen.

So gehen wir zum Mahogany Grille im Strater Hotel, wo wir gestern abend per open table einen Tisch reserviert haben. Der Laden ist deutlich enger bestuhlt als bei unserem letzten Besuch vor elf Jahren. Auch die Speisekarte ist nicht mehr so ambitioniert. Das Essen ist dennoch gut – pikante Spaghetti bzw. Vancouver Island Lachs. Die Bedienung ist etwas unkoordiniert und die zweiten Biere kommen erst auf Mahnung nach dem Essen.


Mural in Durango - Jack Dempsey kämpfte am 7. Oktober 1915 in Durango

Bei der Heimfahrt erweist sich der Explorer als erstes US-Auto auf unseren Reisen mit ordentlichem Abblendlicht. Im B&B dann noch PC und TV. Leider ist auch eine traurige Mail dabei – ein Onkel in Tirol ist gestorben. Immerhin wurde er 94 Jahre alt.

10 mi, 0:26 h
Gruß
mrh400

*Doreen & Andreas

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« Antwort #25 am: 20.04.2017, 09:21 Uhr »
Wunderschöner Bericht, den ich gerade bis hierher nachgelesen habe.
Ich bin ab jetzt natürlich Mitfahrer...  :lol:
Viele Grüße,
Andreas
------------------------------
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*freddykr

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« Antwort #26 am: 20.04.2017, 09:35 Uhr »
An die Bahnfahrt kann ich mich auch noch gut erinnern. Wir sind aber beide Richtungen mit der Bahn gefahren; schweinekalt aber schön. :)
Viele Grüße,
Danilo


*HeikeME

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« Antwort #27 am: 20.04.2017, 15:57 Uhr »
 Ich habe jetzt auch alles nachgelesen. Ein schöner Bericht. Wir werden dieses Jahr im Herbst auch mit der Durango -Silverton Railroad fahren, aber in beide Richtungen.

*mrh400

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« Antwort #28 am: 20.04.2017, 18:55 Uhr »
Auch den neuen Mitfahrern ein herzliches Willkommen an Bord.

7. Tag Freitag 16.09.2016 Durango – Farmington

Um 07:30 stehen wir auf, um um 08:30 beim Frühstück zu sein. Heute gibt es zu Beginn eine gebackene Pflaume, dann eine leckere Quiche mit Würstchen und Kartoffeln. Danach besichtigen wir noch das Gelände des B&B ausgiebig und lassen uns auf zweien der Liegestühle nieder. Vor der Abreise bekommen wir noch ein Päckchen Cookies in die Hand gedrückt.

Ein paar Bilder von unserem Quartier, das uns ausgesprochen gut gefallen hat:


Antlers on the Creek, Frühstück


Antlers on the Creek


Antlers on the Creek, Park


Antlers on the Creek, Park


Antlers on the Creek, Barn


Antlers on the Creek, unser Zimmer

Als wir gegen 10:15 starten, gibt das Navi zunächst seinen Geist auf. So fahren wir nach dem Gedächtnis nach Durango, wo wir das Postamt suchen. Während Marianne die Postkarten aufgibt und den Müll entsorgt, spiele ich nochmals am Navi herum und kann es durch langes Drücken auf den Einschaltknopf wiederbeleben. Das vereinfacht die Weiterfahrt doch wesentlich, zumal wir uns heute ein wenig vom Mainstream entfernen wollen.

Wir folgen der 550 nach Süden und verlassen allmählich die Gebirgsregion von Colorado, um in das tiefergelegene New Mexico zu fahren. Der Abzweig zum Arch Rock ist leicht gefunden, obwohl das Navi eine falsche Straßennummer abgespeichert hat – aber Zehrer hat ja die richtige. Wir folgen der halbwegs ordentlichen Erdstraße bis zu einer Abzweigung, die Zehrer zwar nicht verbal beschreibt, die sich aber aus den GPS-Daten im Navi ergibt => noch ein kurzes Stück rechtsum. Wir parken allerdings nicht unmittelbar neben dem Arch Rock (wo ein Feldweg hinführt), sondern an der Straße. Dennoch ist der Weg zum Rock recht kurz. Wegen der Lichtverhältnisse ist es sinnvoll, ein wenig um den Rock herumzugehen. Hübsch anzugucken – aber nicht wirklich eine Reise wert. Wir fragen uns, ob es wirklich sinnvoll ist, viele Meilen durch den Staub zu düsen, um dann einen einzelnen ganz netten Felsen zu sehen.


Felsen in der Nähe vom Arch Rock


Arch Rock

Wir fahren nicht denselben Weg zurück, sondern eine Abkürzung, die zum nächsten Abzweig aus Zehrers Sammlung – zum Pemada Canyon – führen soll. Diese Straße ist deutlich besser und kann relativ schnell befahren werden. Besonders reizvoll ist die Umgebung aber nicht. Das auffäligste sind die vielen Öl- oder Gasleitungen.

Angesichts der daraus folgenden Diskussion über Sinn und Zweck weiterer Exkursionen in die Pampa fahren wir daher zunächst einmal nach Aztec, wo wir die Anasazi-Ruinen betrachten. Zunächst erwerbe ich dort aber einen Annual Pass vom NPS, wobei mir der Eintritt für den Black Canyon vergütet wird.

Aztec, an dem wir schon wenigstens zwei – oder dreimal vorbeigefahren sind, überrascht uns positiv. Es handelt sich um eine sehr kompakte, geschlossene Anlage mit klar definierter Struktur – sozusagen eine Stadt vom Reißbrett.


Aztec


Aztec


Aztec, rekonstruierte Great Kiva


Aztec, Kiva


Aztec, Durchgänge


Aztec, Durchblicke


Aztec, Mauerdetail


Aztec, Durchgänge


Aztec, Mauer mit Streifenmuster

Nach der Besichtigung lassen wir uns auf dem Picknickplatz nieder, essen zwei Bananen und die uns vom Antlers mitgegebenen Cookies. Anschließend überlegen wir uns, was wir denn jetzt mit dem angebrochenen Tag tun sollen, da unser nächstes Quartier ja schon in Farmington ist. Schließlich entscheiden wir, doch noch die Anfahrt zum Pemada Canyon zu unternehmen, da dort nur kurze Fußwege zu erwarten sind. Nach 11 Meilen gen Osten kommen wir auf eine Erdstraße gemischter Qualität. Die Abzweigung zu den letzten 1,3 bzw. 2 Meilen führt dann aber auf einen Weg, der schnell sehr schmal und sandig wird – nicht unbedingt ideal für einen Miet-SUV mit Standardbereifung, auch wenn der Explorer in der "Sand"-Stellung ganz brav spurt. Mir ist das aber nicht sicher genug, so daß ich die 200 Meter, die wir reingefahren sind, rückwärts wieder rausfahre – schön, daß das Auto eine Kamera hat. Laufen wollen wir den Weg aber auch nicht – dafür ist es Marianne einfach zu heiß.


an der NM 173 Richtung Pemada Canyon

Die Lust auf den ebenfalls in der Nähe liegenden Blanco Canyon hat sich damit auch stark reduziert, so daß wir wieder Kurs auf Aztec nehmen, von wo wir nach Farmington weiterwollen. In Aztec geraten wir in einen dicken Stau, der sich praktisch nicht vorwärtsbewegt. Wir erwischen die letzte Chance zu entkommen und fahren über Bloomfield nach Farmington. Insgesamt hat das eine gute halbe Stunde gekostet, zumal zwischen Bloomfield und Farmington auch noch Baustellenbeschränkungen herrschen.

Das Courtyard liegt gleich auf unserer Seite der Stadt. Eingecheckt ist schnell, dann beginnt die Suche nach passenden Restaurants. Das Bluffs, wo wir vor etlichen Jahren waren, ist inzwischen geschlossen. Nach einiger Sucherei entscheiden wir uns für St Clair Winery & Bistro, das ziemlich außerhalb Richtung Osten liegt. Obwohl es sich "Winery" nennt, gibt es auch ein gutes Bier – das Essen (Fish & Chips bzw. Top Sirloin) ist nicht ganz so berauschend.

Zurück im Zimmer gibt es dann das übliche.

112 mi, 3:51 h
Gruß
mrh400

*mrh400

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« Antwort #29 am: 21.04.2017, 19:30 Uhr »
8. Tag Samstag 17.09.2016 Farmington – Ah-Shi-Sle-Pah – Farmington

Heute haben wir endlich mit einer Unterbrechung exzellent geschlafen. Kurz nach 07:00 stehen wir auf und machen uns frühstückfertig. Gegen 08:00 sind wir unten. Frühstück ist im Preis inbegriffen, aber der Typ an der Bar kann mit dieser Aussage nichts anfangen. Offensichtlich haben sie gestern abend beim Check-in vergessen, uns Coupons zu geben. Also rauf, Buchungsbestätigung holen, wieder runter und Coupons in Empfang nehmen.

Die Bestellung sind wir zwar schnell los, aber es dauert gefühlte Stunden, bis die French Toasts endlich angeliefert werden. Selbst eine zweite Tasse Kaffee wäre wiederum nur nach längerem Anstehen zu bekommen gewesen, so daß wir ins Zimmer raufgehen und die dortige Maschine bemühen.

Nach dieser Verzögerung können wir endlich starten – zunächst zur Tankstelle, dann zum Safeways. Dort ist das Brot absolut enttäuschend, so daß wir nur Bananen und ein paar Pfefferminzbonbons mitnehmen. Dafür gibt es an prominenter Stelle vor der Kasse ein Hetzblättchen namens The National Enquirer, das offenbar mit allerlei Verschwörungstheorien Wahlkampf für Trump macht.

Dann geht es Richtung Bloomfield - die vom Navi vorgeschlagene Abkürzung ignorieren wir und bleiben auf der Hauptstraße - und von dort die 550 nach Süden bis zum Blanco Trading Post, der offensichtlich geschlossen ist. Dort beginnt die NM 57, zunächst 5 Meilen katastrophal geteert mit irren Schlaglöchern, dann eine gute Erdstraße mit nur kurzen Washboardabschnitten. 40 - 50 mph lassen sich gut fahren. Kurz vor dem eingegebenen Ziel sind rechts zwei Autos an einer Abzweigung geparkt. Ich fahre dennoch vorsichtshalber bis zum Navi-Ziel, das aber offensichtlich nicht der richtige Weg ist. Also fahren wir die 300 Meter zurück und stellen unser Auto zu den anderen.

Der Rucksack wird umgepackt, die Wanderstöcke verweigern sich der Bedienung – also gehen wir ohne los. Leider muß man ja jetzt einen Kilometer bis zur Abbruchkante laufen, wo man früher parken konnte. Vorne steht natürlich trotzdem ein Auto und während wir nach rechts ausholen, um gemütlich in den Wash absteigen zu können, sehen wir auf den Hügeln eine ganze Gruppe von Fotografen mit Stativen hantieren und hin- und hermarschieren.


Blanco Trading Post


Hier durfte man früher bis zum Abbruch fahren, heute muß man ca. einen Kilometer laufen


Ah Shi Sle Pah, ein erster Blick auf die Hoodoos


Ah Shi Sle Pah, versteinerter Baumstamm


Ah Shi Sle Pah, Fotografengruppe an der Abbruchkante


Ah Shi Sle Pah, versteinerte Holzsplitter

Wir stromern ungefähr 1 1/2 Stunden in den verschiedenen Verzweigungen des Washs herum, in denen es vor Hoodoos aller Größen und Formen nur so wimmelt. Außerdem gibt es an etlichen Stellen versteinerte Baumstämme und Holzsplitter. Es ist eine wahre Wunderwelt hier und selbst Marianne ist begeistert und läuft von Nebental zu Nebental, so daß wir das Haupttal fast versäumen. Das beäugen wir nur noch von der Seite und dann von den Hügeln. Jetzt kommt eine endlose Folge von Fotos, weil es halt so schön ist:


Ah Shi Sle Pah


Ah Shi Sle Pah


Ah Shi Sle Pah


Ah Shi Sle Pah, einsamer Hoodoo in der Ferne


Ah Shi Sle Pah, auch Blümchen gibt es hier


Ah Shie Sle Pah, Doppeldecker


Ah Shi Sle Pah, Gruppe mit Padre


Ah Shi Sle Pah, Padre von der anderen Seite


Ah Shi Sle Pah, Wirbelsäule aus Stein


Ah Shi Sle Pah


Ah SHi Sle Pah, ET


Ah Shi Sle Pah


Ah Shi Sle Pah


Ah Shi Sle Pah, siamesischer Zwillingshoodoo

Zurück am Auto machen wir Pause – ein wenig trinken, je eine Banane und je ein Powerriegel. Auf dem Rückweg nach Farmington machen wir noch den kurzen Abstecher zum Angel Peak Overlook und bewundern die fantastische Badlands-Landschaft mit ihren eigenartigen Formen. In der Ferne kann man die Rocky Mountains erkennen. So öde die Landschaft scheint, so sehr ist sie offenbar doch erschlossen. An einigen Stellen kann man Förderanlagen identifizieren.


Angel Peak Overlook, Angel Peak ganz in der Ferne


Angel Peak herangezoomt


Angel Peak Overlook


Angel Peak Overlook, in der Ferne die Rocky Mountains


Angel Peak Overlook, Fördertank

Auf dem Weg nach Farmington fahren wir diesmal die CR 5500, die wir bei der Herfahrt verschmäht hatten. Sie führt durch etliche Mobile Home Siedlungen, deren Zustand uns das offensichtlich z.T. recht prekäre Dasein der Bewohner verdeutlicht.

In Farmington fahren wir noch kurz in das "Stadtzentrum". Viele Läden sind leer, die anderen sind zu (samstags geöffnet bis 14:00 oder 15:00). Zwei Läden mit Indianersachen haben geöffnet und wir erstehen zwei Mini-Kachinas und eine Holzsau. Insgesamt ist das Zentrum nicht sehr ansprechend, das hübscheste sind ein paar alte Neonwerbungen.


Farmington, altes Kino


Farmington, altes Neon


Farmington, altes Neon

Dann steht eine Kaffeepause im Hotel an mit etwas TV und der einigermaßen vergeblichen Suche nach einem anderen Restaurant als gestern.

Gegen 18:00 machen wir uns auf den Weg zum KB Dillon's, das immerhin als eines von fünfen von Fodor's erwähnt wird, wenngleich es bei TA ziemlich weit hinten rangiert. Vor etlichen Jahren (2008) waren wir hier schon mal herinnen. Damals war es ziemlich laut mit Livemusik und das Essen war von gemischter Qualität. Lassen wir uns überraschen, wie es heuer aussieht. Der Kellner ist etwas exaltiert, die Suppe (green chili) sehr gut, das Sirloin von Marianne ebenfalls. Ich habe mich an Shrimps Almond herangewagt (wenn ich schon keine gebrannten Mandeln auf dem Oktoberfest abbekomme) und das war durchaus sehr gut. Dazu trinkt Marianne ihr Selterswasser Coors Light und ich zwei Sierra Nevada Pale Ale, nachdem das ursprünglich ausgesuchte Bier nicht mehr verfügbar war.


Farmington, KB Dillons

Vollgefressen fahren wir zum Hotel mit der üblichen Tagesabschlußtätigkeit.

128 mi, 3:19 h
Gruß
mrh400

 

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