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Unterhaltung & aktuelle Hinweise => Aktuelle Meldungen / Radio- & Fernsehtipps => Thema gestartet von: Heiner am 28.10.2011, 17:36 Uhr

Titel: Mein armes Amerika
Beitrag von: Heiner am 28.10.2011, 17:36 Uhr
Hi!

Die Vereinigten Staaten waren immer der Sehnsuchtsort der Autorin. Bis sie im vorigen Winter hingezogen ist.
http://www.zeit.de/2011/44/USA-Los-Angeles

Gruß Heiner
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: thorsti am 28.10.2011, 20:07 Uhr
Der Artikel ist wirklich ausgezeichnet!

Es ist keiner der "Die USA sind so super" Artikel aber es wir auch kein "USA Bashing" betrieben.
Ich habe den Blick hinter die Kulissen zwar nicht, aber ich habe viele Bekannte drüben und da sind mir viele Anekdoten aus dem Artikel vertraut.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Kauschthaus am 28.10.2011, 22:01 Uhr
Ein hoch interessanter Artikel, und sehr gut geschrieben, auch wenn manches sehr auf LA bezogen ist und sicher nicht automatisch auf Colorado Springs, Portland oder Boston übertragbar ist.

Amerika in der Geiselhaft einiger Fanatiker ... genau das scheint mir auch der Fall zu sein.  :(

Interessant auch der Gründer der Tea Party Bewegung in Tucson. Er hat Angst vor den zunehmenden Zwangsversteigerungen in der Nachbarschaft und dann wendet er sich denen zu, die genau diese absolute Spekulationsfreiheit propagieren. Hemmungslose, gerade obszöne Bereichung auf Kosten anderer.

Das erinnert mich an das Lied "Emma Klein" von Hannes Wader. Vielleicht sollte man es mal ins englische übersetzen:  :lol:

Nun hat die Bank schon zugeschlagen
und ganz schnell, fast über Nacht
das Haus samt Laden abgerissen
und `nen Parkplatz draus gemacht.
Der gehört dem Superkaufhaus
und das wiederum der Bank.
Doch das schärfste ist, dass Emma Klein
vor Kummer sterbenskrank
und bettelarm, sich noch immer
zu den Unternehmern zählt,
am Wahltag die Partei
der eignen Unterdrückung wählt.

Will nur mal fragen
sagt warum schlagen
so viele Leute
gestern wie heute
den eignen Interessen
voll ins Gesicht
und merken es nicht?

Na ja, immerhin wachen jetzt einige auf. :daumen:

Viele Grüße, Petra
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: dschlei am 28.10.2011, 22:33 Uhr
Natuerlich hat die Dame hauptsaechlich ueber LA berichtet.  La ist fuer uns hier im Norden genauso exotisch wie fuer euch in Deutschland (und fast auch so weit weg).  Man darf halt nicht vergessen, dass in der Ecke von LA, wo diese Dame lebt, die Einkommen fast nur aus Service gemacht werden (ich bediene Dich, Du bedienst mich), weil dort keine Industrie angesiedelt ist.  Wenn man dagegen nach Orange County, oder Burbank geht, sieht die Welt schon ganz anders aus.

Natuerlich hat die Wirtschaftskriese die Situation nicht verbessert.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Davidc am 29.10.2011, 12:33 Uhr
Naja, man muss auch schauen in welcher "Zeitung" dieser Artikel ercheint, dann ist die Richtung in die er geht eigentlich schon klar.

Dass die Zeit über die USA und deren Gesellschaftssystem sowie Wirtschaftssystem objektiv berichtet ist doch sehr unwahrscheinlich. Da muss die Grundstimmung in Richtung "böser Kapitalismus" einfach eingehalten werden.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Wilder Löwe am 29.10.2011, 18:40 Uhr
Sehr guter Bericht und sehr wahr. Ich habe in den USA oft das Gefühl, in einem Dritt-Welt-Land zu sein. Der Verfall der Infrastruktur ist beängstigend und der Anteil an offensichtlich armen Menschen im Straßenbild wird immer größer. L.A. hat mich diesen Sommer besonders geschockt, die Straßen sind eine absolute Katastrophe und die Armut vieler Menschen zeigte ich überall. In geradezu groteskem Widerspruch dazu steht der extreme Reichtum, der an einigen Orten zu finden ist.

Wir fahren seit 8 Jahren einmal jährlich nach Florida, immer in den gleichen Ort. Man kann von Jahr zu Jahr beobachten, wie die Verhältnisse schlechter werden. Immer mehr Geschäfte stehen leer, die Häuser wirken ungepflegter und ärmlicher, die Straßen werden löchriger. Ein langsamer, aber stetiger Verfall.

Auffallend ist auch, dass sich jede zweite TV-Werbung um die Beschaffung von Bargeld zu drehen scheint. Da wird nicht wie bei uns für Kaffee, Windeln oder eine Supermarktkette geworben, sondern um wieviel man die Zinszahlung reduzieren kann (= wieviel mehr cash jeden Monat), wenn man zur Bank XY wechselt. Oder dass man 2000$ cash ausgezahlt bekommt, wenn man dieses oder jenes Auto kauft.

Ich hoffe, dieses wunderbare Land bekommt irgendwie die Kurve, aber wenn ich mir anschaue, was die Konsorten von der Tea Party für dumpfe Parolen rausgeben und wieviele Menschen ihnen zujubeln, habe ich so meine Zweifel.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: dschlei am 29.10.2011, 19:26 Uhr
Neben Kalifornien ist Florida der Staat, den die Wirtschaftskriese am meisten getroffen hat.  Dort gibt es dopplestellige Arbeitslosenzahlen, waehrend hier nur rund 4,8% arbeitslos sind.

Florida ist auch ein Staat, der hauptsaechlich Dienstleistungen als Industrie hat (Gast und Hotelgewerbe), und wenn die Gaeste wegbleiben, sieht es dumm aus.  Las Vegas hat aehnliche Probleme.  Durch die Groesse Amerikas geht es einfach nicht, einzelne Ecken des Landes als allgemein gueltig zu zeigen.  Die Dakots, z. B., haben von der Wirtschaftskrise ueberhaupt nichts gemerkt, da waren die Arbeitslosenzahlen waehrend der letzten Jahre immer so um 2,8%!
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Wilder Löwe am 29.10.2011, 21:23 Uhr
Neben Kalifornien ist Florida der Staat, den die Wirtschaftskriese am meisten getroffen hat.  Dort gibt es dopplestellige Arbeitslosenzahlen, waehrend hier nur rund 4,8% arbeitslos sind.

Florida ist auch ein Staat, der hauptsaechlich Dienstleistungen als Industrie hat (Gast und Hotelgewerbe), und wenn die Gaeste wegbleiben, sieht es dumm aus.  Las Vegas hat aehnliche Probleme.  Durch die Groesse Amerikas geht es einfach nicht, einzelne Ecken des Landes als allgemein gueltig zu zeigen.  Die Dakots, z. B., haben von der Wirtschaftskrise ueberhaupt nichts gemerkt, da waren die Arbeitslosenzahlen waehrend der letzten Jahre immer so um 2,8%!

Das wäre schön, wenn es in anderen Teilen der USA besser aussähe, denn langsam fange ich schon an, mir Sorgen zu machen. Der Verfall ist ziemlich offensichtlich.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: dschlei am 30.10.2011, 03:11 Uhr
Neben Kalifornien ist Florida der Staat, den die Wirtschaftskriese am meisten getroffen hat.  Dort gibt es dopplestellige Arbeitslosenzahlen, waehrend hier nur rund 4,8% arbeitslos sind.

Florida ist auch ein Staat, der hauptsaechlich Dienstleistungen als Industrie hat (Gast und Hotelgewerbe), und wenn die Gaeste wegbleiben, sieht es dumm aus.  Las Vegas hat aehnliche Probleme.  Durch die Groesse Amerikas geht es einfach nicht, einzelne Ecken des Landes als allgemein gueltig zu zeigen.  Die Dakots, z. B., haben von der Wirtschaftskrise ueberhaupt nichts gemerkt, da waren die Arbeitslosenzahlen waehrend der letzten Jahre immer so um 2,8%!

Das wäre schön, wenn es in anderen Teilen der USA besser aussähe, denn langsam fange ich schon an, mir Sorgen zu machen. Der Verfall ist ziemlich offensichtlich.
Hier bei uns im Norden kann man von Verfall nicht reden, natuerlich hat die Rezession auch hier nicht geholfen, aber bei 5,2 % Arbeitslosigkeit merkt man da nicht so viel von.  Wenn ich durch St. Paul/Minneapolis fahre, sehe ich keine sonderlich auffallenden Probleme, waehrend LA mir nie so ganz geheuerlich war.  Vor einigen Wochen war ich in Chicago, und auch da fand ich nichts auffallend anders als vor ein paar Jahren, als unser Sohn noch da lebte.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: missy am 30.10.2011, 05:28 Uhr
Sorry...ich kann mit dem Artikel ueberhaupt nix anfangen....sentimentale Vergangenheitssehnsucht. An der Ostkueste gabs frueher nur burgers, ohne credit history gibts keine Wohnung, die 'Kriegsdurchgedrehten' werden von Privatleuten gepflegt, und furchtbare Ueberlandleitungen gibt es auch, hat sie festgestellt (waren die vor 20 Jahren noch nicht da?), Amerikaner sind pruede, bumsen aber froehlich durch die Gegend bis man 'exclusive' ist, dann wird der Vertrag abgeschlossen und man heiratet. Sie hat bemerkt das Supermaerkte Foodstamps nehmen. Aha. Auch die gabs schon vor 20 Jahren und auch da war das ausgeschrieben.
Nach ein paar Wochen wird sie paranoid wegen HFCS und kauft nur noch bei Whole Foods.Amis werfen beim Umzug alles weg und es wird neu gekauft.Amis in LA hupen nicht aus Misstrauen weil es sein koennte das der Angehupte ne Knarre hat. Wow. Es ist typisch subtiles bashing, beim Lesen muss jeder nicht amerikanische Leser das gute,warme Gefuehl bekommen, das er dem amerikanischen Volk haushoch ueberlegen ist und er es doch soviel besser hat.
Sie haette einen anderen Bericht schreiben koennen, wenn sie gewollt haette, haette ueber die Schildchen im Supermarkt schreiben koennen die da lesen WIC, oder mal in nem Veterans Medical Center vorbei schauen koennen um zu schauen wie hervorragend die Kriegsdurchgedrehten umsonst bis an ihr Lebensende versorgt werden.Sie haette darueber schreiben koennen,das credit history nicht bedeutet das man Schulden machen muss...oder mal in paar Paare befragen koennen wieviel andere Paare sie rammeln weil sie noch nicht den Vertrag ausgehandelt haben. Aber nein....an der Oberflaeche soll bitte nicht gekratzt werden, das zerstoert die stereotypes.

Ist aber sicher klar, das wenn die den Artikel anders geschrieben haette, er nicht in der Zeit erschienen waere.

Vor solchen subtil biased Leuten gruselt es mir.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: BigDADDY am 30.10.2011, 07:56 Uhr
Mh,

wirklich interessanter Artikel, der, da stimme ich zu: hier vergleicht jemand USA-Reisen mit in den USA leben und macht darin einen Unterschied aus, aha! Und natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Showbusiness und Realität, dass die Krise diesmal existenzieller ist, glaube ich gern, davor kann man die Augen nicht verschließen. In Griechenland und Großbritannien auch nicht!
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: HS777 am 30.10.2011, 10:02 Uhr
Klar, der Artikel paßt ja zur Zeit, aber die Unwahrheit hat die Reporterin nicht geschrieben.
Habe noch in keinen Land der westlichen Welt so viele Obdachlose,Bettler und Tagelöhner gesehen.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Davidc am 30.10.2011, 10:36 Uhr
Klar, der Artikel paßt ja zur Zeit, aber die Unwahrheit hat die Reporterin nicht geschrieben.
Habe noch in keinen Land der westlichen Welt so viele Obdachlose,Bettler und Tagelöhner gesehen.


Die Tagelöhner sind zu einem Gutteil Illegale und eben deshalb Tagelöhner.

Vielleicht hätte die Dame in der "Zeit" auch mal feststellen sollen, dass es schon seit Jahrzehnten unüblich und gesetzlich verboten ist, im Krankenhaus (bei einem Notfall) oder Schule nach dem Status der Leistungsempfänger zu fragen - also ob sie überhaupt legal im Land sind oder illegal eingereist. Sieht so etwa ein unsoziales Land aus? Das spricht doch eher für die USA und ihr Sozialsystem.

Und klar sind die Stromleitungen und Kabel-TV Leitungen in der Luft hässlich und altmodisch - aber in Neubauvierteln werden sie kaum noch verbaut. Also: Fortschritt! ;)
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Wilder Löwe am 30.10.2011, 11:26 Uhr

Sieht so etwa ein unsoziales Land aus? Das spricht doch eher für die USA und ihr Sozialsystem.


Ja, die USA sind in meinen Augen ein unsoziales Land, auf jeden Fall wenn man sozial = staatlich verabreichte Wohldaten definiert, so wie dies in Deutschland der Fall ist. Von staatlicher Seite gibt es nur sehr begrenzt Sozailleistungen, da ist jeder auf sich selbst gestellt oder aber auf die zugegebenermaßen sehr ausgeprägt privat organisierte Hilfe angewiesen.
Bei einem Notfall wird vielleicht nicht nach dem Status der Leistungsempfänger gefragt, aber ansonsten sieht es für sozial schwächere Personen doch recht düster aus, gerade im medizinischen Bereich. Ich musste letzte Woche in Florida wegen akuter Zahnschmerzen zum Zahnarzt. Einmal Bohren und Füllen am Wochenende (150$ Wochenendzuschlag beim Notdienst!) haben schlappe 720$ gekostet. Da fragt man sich schon, wie das jemand ohne Krankenversicherung wohl finanziert.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: dschlei am 30.10.2011, 15:29 Uhr
Ich musste letzte Woche in Florida wegen akuter Zahnschmerzen zum Zahnarzt. Einmal Bohren und Füllen am Wochenende (150$ Wochenendzuschlag beim Notdienst!) haben schlappe 720$ gekostet. Da fragt man sich schon, wie das jemand ohne Krankenversicherung wohl finanziert.
Jemand ohne Krankenversicherung hat entweder die noetigen finanziellen Mittel, oder er geht zur Notaufnahme in Krankenhaeusern, da wird dann kostenlos geholfen, wenn die Mittel nicht vorhanden sind.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Davidc am 30.10.2011, 16:34 Uhr
Ich musste letzte Woche in Florida wegen akuter Zahnschmerzen zum Zahnarzt. Einmal Bohren und Füllen am Wochenende (150$ Wochenendzuschlag beim Notdienst!) haben schlappe 720$ gekostet. Da fragt man sich schon, wie das jemand ohne Krankenversicherung wohl finanziert.
Jemand ohne Krankenversicherung hat entweder die noetigen finanziellen Mittel, oder er geht zur Notaufnahme in Krankenhaeusern, da wird dann kostenlos geholfen, wenn die Mittel nicht vorhanden sind.

Genau, so sehe ich das auch.

Klar sind medizinische Leistungen in den USA deutlich teurer als in D.

Bisher gab es ja keine Pflicht zur Krankenversicherung und es gab eben Leute, die sich das Geld für die Versicherung lieber gespart haben und dann mehr netto in der Tasche hatten.

Die meisten großen Firmen bieten eine Krankenversicherung an und bei einer großen Firma ist das dann AG-Leistung (!), d.h. die Firma zahlt die Beiträge zu 100%. Wo bitte findet man das in D? Ok, dafür hat der Arbeitnehmer meist einen Selbstbehalt, aber das ist zu schaffen. Und sogar die minderjährigen Kinder sind dann mitversichert.

Selbst bei sog. Billigjobs wie bei McDonalds gibt es eine Krankenversicherung durch den Arbeitgeber. Fragt sich wie lange aber die AG die explodierenden kosten noch voll tragen werden. Wal-Mart schraunt da bereits etwas zurück.

Und wer lebensbedrohlich erkrankt ist, der wird erst einmal behandelt, egal was es kostet und egal ob er die finanziellen Mittel dafür hat. Im Notfall gibt es dann auch noch Medicaid.

Im "armen Amerika" gibt es auch durchaus Arbeitslosengeld. Das ist zwar nicht so komfortabel in Höhe und Gesamtzahlungsdauer (in Monaten) wie in Deutschland, aber durchaus so ausgestaltet, dass in manchen Staaten ein Saisonarbeiter nur ca. das halbe Jahr arbeitet und den Rest des Jahres dann sein Arbeitslosengeld bekommt.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Reisefan62 am 30.10.2011, 16:43 Uhr
Amis in LA hupen nicht aus Misstrauen weil es sein koennte das der Angehupte ne Knarre hat.

Na da bin ich ja froh, dass keiner meinen Mann erschossen hat, der hatte nämlich im Urlaub auch die unangehme Eigenschaft, ab und zu mal paar Autofahrer anzuhupen...
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Wilder Löwe am 30.10.2011, 17:46 Uhr

Jemand ohne Krankenversicherung hat entweder die noetigen finanziellen Mittel, oder er geht zur Notaufnahme in Krankenhaeusern, da wird dann kostenlos geholfen, wenn die Mittel nicht vorhanden sind.

Wie kommen eigentlich die Berichte im deutschen Fernsehen zustande, dass Menschen manchmal ein bis zwei Jahre auf freiwillige Doktorteams warten, die in ihre Orte kommen und die Armen medizinisch versorgen, da die sich manche medizinische Leistungen nicht leisten können?

Irgendwie verstehe ich die ganze Diskussion nicht, ich denke, es ist unbestritten, dass die Sozialleistungen in den USA weit weniger üppig als in Deutschland sind und man eher auf das Motto "hilf Dir selbst, sonst hilft Dir niemand" setzt. Dementsprechend gibt es deutlich mehr sichtbare Armut in den USA als in Deutschland.

Ein weiterer ganz interessanter Link zu diesem Thema:

http://nachrichten.t-online.de/tea-party-bewegung-in-den-usa-die-konservative-lawine/id_50386312/index

Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: missy am 31.10.2011, 02:05 Uhr
Du verstehst die ganze Diskussion nicht? Die Autorin des Zeitartikels kramt eine Platituede nach der naechsten hervor, meiner Meinung nach muesste sie noch mal auf die Uni zurueck um zu lernen wie man neutral berichtet. Ok, fuer nen persoenlichen Tagebucheintrag ist ihr journalistisches Koennen gerad noch gut genug, aber so etwas zu veroeffentlichen und die Verantwortung tragen das der unbedarfte Leser so nun Schund auch noch glaubt? Wow, mir fehlen echt die Worte.


Missy
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: dschlei am 31.10.2011, 04:30 Uhr

Jemand ohne Krankenversicherung hat entweder die noetigen finanziellen Mittel, oder er geht zur Notaufnahme in Krankenhaeusern, da wird dann kostenlos geholfen, wenn die Mittel nicht vorhanden sind.

Wie kommen eigentlich die Berichte im deutschen Fernsehen zustande, dass Menschen manchmal ein bis zwei Jahre auf freiwillige Doktorteams warten, die in ihre Orte kommen und die Armen medizinisch versorgen, da die sich manche medizinische Leistungen nicht leisten können?

Irgendwie verstehe ich die ganze Diskussion nicht, ich denke, es ist unbestritten, dass die Sozialleistungen in den USA weit weniger üppig als in Deutschland sind und man eher auf das Motto "hilf Dir selbst, sonst hilft Dir niemand" setzt. Dementsprechend gibt es deutlich mehr sichtbare Armut in den USA als in Deutschland.

Ein weiterer ganz interessanter Link zu diesem Thema:

http://nachrichten.t-online.de/tea-party-bewegung-in-den-usa-die-konservative-lawine/id_50386312/index


Die Tea Party Bewegung frisst sich langsam selbst.  Es gibt mittlerweile 3 bis 4 verschieden Stroemungen dort, die sich gegenseitig bekriegen.  Das absolut neuste politische Phaenomen ist die Occupy Wall Street Bewegung, die scheinbar mehr und mehr Zuspruch findet, und sich ja auch weltweit schon ausbreitet.  Beide Bewegungen, obwohl sie mehr oder weniger am jeweils anderen Ende des politischen Spektrums angesiedelt sind, haben gemeinsam, dass sie "Pollitik wie gewohnt" nicht mehr mitmachen wollen, und grundsaetzliche Reformen verlangen.  Die Tea party hat durch ihre teilweise extremen Positionen den Zuspruch der Bevoelkerung mehr und mehr verloren (ueber 60% sind nun gegen sie), waehrend die 99% (ein andere name fuer OWS immer mehr Zuspruch zu finden scheint.

Woher die berichte im Fernsehen kommen, weiss ich nicht, denn wer richtig krank ist, und sich eine behandlung nicht erlauben kann, geht entweder ins ER, oder zu den Free Clinics (das koennten eventuell die Doc's sein, die in die Doerfer kommen), oder erhaelt Medicaid.

Und ja, das soziale Netz ist nicht so eng geknuepft wie in Deutschland, Arbeitslosengeld gibt es nur fuer einige Monate, aber es gibt Sozialleistungen, niemand braucht zu verhungern.  Es gibt Food Stamps (keine Geldleistungen wie in Deutschland, sondern zweckgebundene Leistungen) Food Shelfs und Sozialhilfe.  Bei allen Leistungen sind die Bezieher sehr gehalten, aktiv daran zu arbeiten, einen Job zu finden.  Man kann auch nicht, wie in Deutschland, einen Job ablehnen, weil er nicht seinem vorherigen Job gleicht.  Wenn noetig, muss jede angebotene Arbeit akzeptiert werden.  Der Satz: hilf dir selbst, sonst hilft dir niemand" ist dumm.  Natuerlich gilt hier Selbsthilfe als ein grosses Argument, aber es gibt jede Menge Hilfsleistungen, die jemanden dabei helfen, sich selbst zu helfen.  Diese ewigen Harz 4 Familien wuerde es in den USA nicht geben!
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: mrh400 am 31.10.2011, 08:35 Uhr
Hallo,
Das absolut neuste politische Phaenomen ist die Occupy Wall Street Bewegung, die scheinbar mehr und mehr Zuspruch findet, und sich ja auch weltweit schon ausbreitet.
eine etwas eigenartige Bewegung, die - jedenfalls bislang in der Außenargumentation - jedwede Organisationsstrukturen ablehnt. Schon von daher kann das nichts dauerhaft bewirken.

Putzig ist ja auch die Bravheit und Biederkeit der Teilnehmer; nach Zeitungsberichten besetzen die ja mitnichten Wall Street, sondern campieren irgendwo in einer Nebenstraße und halten sich auch noch an die verordneten Lautsprecherverbote  :lol: :lol:. Das paßt ganz gut zu unserem Eindruck, den wir an der Central Station in LA gewonnen hatten: da kam ein gutes Dutzend von Demonstranten offenbar vom Zug mit ein paar unter den Arm geklemmten Plakaten. Die fragten ganz unterwürfig bei den Sicherheitsbeamten, wo denn da jetzt was los wäre und wo sie denn hin müßten und welchen Weg sie dazu am besten nehmen  :roll:
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Davidc am 31.10.2011, 08:45 Uhr
Ich finde das Sozialsystem der USA deutlich besser, auch wenn es größere Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesstaaten gibt und somit etwas ungerecht zugeht (wir viel man bekommt hängt davon ab wo man wohnt). In D gibt es nur ein System. In den USA wäre es aber nicht möglich sich jahrelang mit Hartz IV durchzuwursteln und immer wieder das System auszutricksen. In D dagegen kann man sich sehr gut an Tropf hängen und mit Krankschreibungen immer wieder dafür sorgen, dass man nicht zu lange arbeiten muss.

Auch die aktiven Arbeitsmarktinstrumente sind den USA nicht so super üppig ausgestattet wie in D wo man sich drei Jahre lang durch eine Arbeitsamtmaßnahme (z.B. überbetriebliche Ausbildung) schleicht und Zehntausende von Euro Kosten für den Steuerzahler produziert. Und das obwohl die Maßnahme keine Aussicht auf Erfolg hat. Selbst mit Gesundheitsamt und wiederholten Gesprächstertimen kommt man den Betreffenden nicht bei. So eine dreiste Ausnutzung des Sozialsystem wäre in den USA nur seltenst möglich.

Die USA gewähren eben mehr Freiheit und damit muss man auch umgehen können. In D wird einem ja inzwischen fast allles von Väterchen Staat abgenommen. Dafür muss der Staat dann entsprechend hohe Abgaben einfordern.

Im "armen Amerika" ist die Gesamtbelastung der Bürger jedenfalls nicht so hoch wie in D, vor allem wenn es um alleinstehnde Kinderlose geht. Man lässt den Leuten dort mehr von dem durch sie erarbeitenden Geld und traut ihnen eben mehr Eigenverantwortung zu.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Davidc am 31.10.2011, 08:57 Uhr
Hallo,
Das absolut neuste politische Phaenomen ist die Occupy Wall Street Bewegung, die scheinbar mehr und mehr Zuspruch findet, und sich ja auch weltweit schon ausbreitet.
eine etwas eigenartige Bewegung, die - jedenfalls bislang in der Außenargumentation - jedwede Organisationsstrukturen ablehnt. Schon von daher kann das nichts dauerhaft bewirken.

Putzig ist ja auch die Bravheit und Biederkeit der Teilnehmer; nach Zeitungsberichten besetzen die ja mitnichten Wall Street, sondern campieren irgendwo in einer Nebenstraße und halten sich auch noch an die verordneten Lautsprecherverbote  :lol: :lol:. Das paßt ganz gut zu unserem Eindruck, den wir an der Central Station in LA gewonnen hatten: da kam ein gutes Dutzend von Demonstranten offenbar vom Zug mit ein paar unter den Arm geklemmten Plakaten. Die fragten ganz unterwürfig bei den Sicherheitsbeamten, wo denn da jetzt was los wäre und wo sie denn hin müßten und welchen Weg sie dazu am besten nehmen  :roll:

Diese Bewegung ist nicht nur eigenartig, sondern auch dumm. Warum regen sie sich über die WallStreet auf? Weil da ein paar perverse Banken sitzen, die ihren Managern Millionenboni zahlen? OK, das ist unverhältnismäßig, kein Mensch ist so viel Wert für normale Arbeit. Aber dann sollten sie auch gegen ihre Footballstars und sonstige überbezahlte US-Showmaster demonstrieren. Die schaffen volkswirtschaftlich gesehen noch viel weniger Wohlstand.

Jedoch sollten sie sich mal überlegen, dass die US-Banken nur die laxen Regeln ausgenutzt haben, welche ihnen die Politik vorgab. Es waren doch die US-Regierungen die seit den 70er Jahren wollten, dass man in den USA nahezu ohne Eigenkapital und ausreichende Bonität einen Hauskredit bekam. Dass eben jeder der Lust hatte ein Häuschen kaufen konnte. Das war politisch erwünscht und löste die Immobilienblase aus. Hier wurde Wachstum auf Seifenblasen gebaut und die platzten dann. Die Politik hat das aber zugelassen und sogar gewünscht. Dass sich die Banken auf das Fressen stürtzten, nun dafür sind die eben Banken, die Geld verdienen wollen.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: DocHoliday am 31.10.2011, 09:18 Uhr
Zur medizinischen Versorgung bzw. Krankenversicherung in den USA:
Hier wird immer so getan, als könnte jeder, der sich die "normale" medizinische Versorgung nicht leisten kann, in den nächsten ER eines Krankenhauses gehen und sich dort kostenlos versorgen lassen. Das gilt aber nur für lebensbedrohliche akute Erkrankungen. Was ist mit chronischen Erkrankungen? Diabetes? Krebserkrankungen? Bluthochdruck?
Da liegt eines der größten Probleme des amerikanischen Gesundheitssystems. Der Hochdruckpatient, der kein Geld für seine Medikamente hat, wird kostenlos behandelt, wenn er mit dem Herzinfarkt oder dem Schlaganfall in die Notaufnahme kommt. Nach ein paar Tagen wird er entlassen und wartet auf die nächste Komplikation.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Davidc am 31.10.2011, 11:07 Uhr
Zur medizinischen Versorgung bzw. Krankenversicherung in den USA:
Hier wird immer so getan, als könnte jeder, der sich die "normale" medizinische Versorgung nicht leisten kann, in den nächsten ER eines Krankenhauses gehen und sich dort kostenlos versorgen lassen. Das gilt aber nur für lebensbedrohliche akute Erkrankungen. Was ist mit chronischen Erkrankungen? Diabetes? Krebserkrankungen? Bluthochdruck?
Da liegt eines der größten Probleme des amerikanischen Gesundheitssystems. Der Hochdruckpatient, der kein Geld für seine Medikamente hat, wird kostenlos behandelt, wenn er mit dem Herzinfarkt oder dem Schlaganfall in die Notaufnahme kommt. Nach ein paar Tagen wird er entlassen und wartet auf die nächste Komplikation.

Das ist korrekt.
Aber was soll man denn auch anderes erwarten? Ohne Leistungn (Beitragszahlugen) volle Gegenleistung?
Und wie gesagt es gibt noch Medicaid und die muss nicht erst auf einen akuten Infarkt warten.

Wir kämen sonst schnell in eine gefährliche Situation, in der es sich lohnt nichts zu tun und dann im Falle des Falles eine kostenlose Behandlung in Anspruch zu nehmen.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: DocHoliday am 31.10.2011, 11:13 Uhr
Wir kämen sonst schnell in eine gefährliche Situation, in der es sich lohnt nichts zu tun und dann im Falle des Falles eine kostenlose Behandlung in Anspruch zu nehmen.


Nö, das ist genau die Situation, in der das Gesundheitssystem jetzt ist (war?, dank Obamas Healthcare-Reform?). Und die Versorgung des akuten Notfalls kostet häufig mehr als die kontinuierliche Versorgung chronisch Kranker. Von des Gesamtkosten für die Gesellschaft (Arbeitsausfall, etc.) ganz zu schweigen. Das ist einer der Gründe, warum das amerikanische Gesundheitssystem das teuerste der Welt ist.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Davidc am 31.10.2011, 11:28 Uhr
Wir kämen sonst schnell in eine gefährliche Situation, in der es sich lohnt nichts zu tun und dann im Falle des Falles eine kostenlose Behandlung in Anspruch zu nehmen.


Nö, das ist genau die Situation, in der das Gesundheitssystem jetzt ist (war?, dank Obamas Healthcare-Reform?). Und die Versorgung des akuten Notfalls kostet häufig mehr als die kontinuierliche Versorgung chronisch Kranker. Von des Gesamtkosten für die Gesellschaft (Arbeitsausfall, etc.) ganz zu schweigen. Das ist einer der Gründe, warum das amerikanische Gesundheitssystem das teuerste der Welt ist.

Naja, besonders teuer dürfte es auch sein, weil dort Leistungen im Vergleich zu Deutschland deutlich teurer sind. Und das bezieht ich nun schon auf deutsche PRIVATrechnungen. Eine kleine Begutachtung bei einer Erkältung plus eventuell ein Rezept kosten in D maximal 35-40 Euro. Privat wohlgemerkt. Für den Kassenpatient bekommt der Arzt im Bestfall nur die Hälfte davon.  In den USA kostet mich das dann je nach Arzt / Ort bis zu 100 Dollar.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Wilder Löwe am 31.10.2011, 13:09 Uhr
Du verstehst die ganze Diskussion nicht? Die Autorin des Zeitartikels kramt eine Platituede nach der naechsten hervor, meiner Meinung nach muesste sie noch mal auf die Uni zurueck um zu lernen wie man neutral berichtet. Ok, fuer nen persoenlichen Tagebucheintrag ist ihr journalistisches Koennen gerad noch gut genug, aber so etwas zu veroeffentlichen und die Verantwortung tragen das der unbedarfte Leser so nun Schund auch noch glaubt? Wow, mir fehlen echt die Worte.


Missy

Was ist daran platt, wenn die Autorin feststellt, dass sie ihr Geld noch persönlich zum Stromversorger tragen muss? Oder wenn sie sich über die manchmal doch recht abenteuerlich anmutende Freiluftverkabelung mokiert, die zu den massiven Stromausfällen bei Sturm und Schnee führen? Dass sie wegen der vielen Zusatzstoffe im Essen genervt ist? Dass sie feststellt, dass L.A. ein Durchgangslager ist und eine erschreckende Wegwerfmentalität herrscht, zumindest in der Gegend, in der sie lebt. Ich finde schon, dass es erlaubt sein muss darüber zu berichten. Die Autorin macht eine - durchaus subjektive - Momentaufnahme ihres Aufenthalts in den USA, nicht mehr und nicht weniger. Das ist kein Schund, sondern guter Journalismus. Wenn Dir ihre Meinung nicht passt, ist das Dein gutes Recht, aber das heißt noch lange nicht, dass ihre Arbeit schlecht ist.

Die wenigsten Zeit-Leser dürften übrigens so unbedarft sein, dass sie diesen Artikel nicht richtig einordnen könnten. Es scheint mir eher, dass Du sehr unbedarft mit den Gegebenheiten in den USA umgehst und nur siehst, was Du sehen möchtest. Der Artikel beschreibt, wenn auch auf sehr kompakte Weise, einige uangenehme Eigenschaften der amerikanischen Gesellschaft und die Autorin stellt dar, dass die USA ihrer Kindheitsträume gar nicht so ist, wie sie sich das vorgestellt hat. Ihr zu unterstellen, dass sie hier nur Platiüden vorbringt, ist grotesk. Wenn Du vor gewissen Tatsachen die Augen verschließen möchtest, ok, aber jeder, der mal länger als zum Christmas Shopping in New York in den USA gewesen ist, hat sicher bemerkt, dass die Infrastruktur in einigen Gegenden in extrem schlechten Zustand ist, dass viel mehr Bettler oder offensichtlich notleidende Personen im Straßenbild unterwegs sind und dass es Wohnviertel/Gegenden gibt, die man getrost als Slums bezeichnen kann. Vielleicht siehst Du diese Dinge einfach nicht mehr, weil sie für Dich normal sind???
Auf der anderen Seite sind die USA natürlich eine hochmoderne Nation mit teilweise herausragenden Leistungen. Third world meets first world.


Ob das üppige Sozialsystem in Deutschland der Weisheit letzter Schluss ist, sei mal dahingestellt, aber sicher ist, dass hier kein Mensch medizinisch unterversorgt ist und kein 75-Jähriger gezwungen ist, im Supermarkt Tüten zu packen, um über die Runden zu kommen.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: missy am 31.10.2011, 13:32 Uhr
Du verstehst die ganze Diskussion nicht? Die Autorin des Zeitartikels kramt eine Platituede nach der naechsten hervor, meiner Meinung nach muesste sie noch mal auf die Uni zurueck um zu lernen wie man neutral berichtet. Ok, fuer nen persoenlichen Tagebucheintrag ist ihr journalistisches Koennen gerad noch gut genug, aber so etwas zu veroeffentlichen und die Verantwortung tragen das der unbedarfte Leser so nun Schund auch noch glaubt? Wow, mir fehlen echt die Worte.


Missy

Was ist daran platt, wenn die Autorin feststellt, dass sie ihr Geld noch persönlich zum Stromversorger tragen muss? Oder wenn sie sich über die manchmal doch recht abenteuerlich anmutende Freiluftverkabelung mokiert, die zu den massiven Stromausfällen bei Sturm und Schnee führen? Dass sie wegen der vielen Zusatzstoffe im Essen genervt ist? Dass sie feststellt, dass L.A. ein Durchgangslager ist und eine erschreckende Wegwerfmentalität herrscht, zumindest in der Gegend, in der sie lebt. Ich finde schon, dass es erlaubt sein muss darüber zu berichten. Die Autorin macht eine - durchaus subjektive - Momentaufnahme ihres Aufenthalts in den USA, nicht mehr und nicht weniger. Das ist kein Schund, sondern guter Journalismus. Wenn Dir ihre Meinung nicht passt, ist das Dein gutes Recht, aber das heißt noch lange nicht, dass ihre Arbeit schlecht ist.

Die wenigsten Zeit-Leser dürften übrigens so unbedarft sein, dass sie diesen Artikel nicht richtig einordnen könnten. Es scheint mir eher, dass Du sehr unbedarft mit den Gegebenheiten in den USA umgehst und nur siehst, was Du sehen möchtest. Der Artikel beschreibt, wenn auch auf sehr kompakte Weise, einige uangenehme Eigenschaften der amerikanischen Gesellschaft und die Autorin stellt dar, dass die USA ihrer Kindheitsträume gar nicht so ist, wie sie sich das vorgestellt hat. Ihr zu unterstellen, dass sie hier nur Platiüden vorbringt, ist grotesk. Wenn Du vor gewissen Tatsachen die Augen verschließen möchtest, ok, aber jeder, der mal länger als zum Christmas Shopping in New York in den USA gewesen ist, hat sicher bemerkt, dass die Infrastruktur in einigen Gegenden in extrem schlechten Zustand ist, dass viel mehr Bettler oder offensichtlich notleidende Personen im Straßenbild unterwegs sind und dass es Wohnviertel/Gegenden gibt, die man getrost als Slums bezeichnen kann. Vielleicht siehst Du diese Dinge einfach nicht mehr, weil sie für Dich normal sind???
Auf der anderen Seite sind die USA natürlich eine hochmoderne Nation mit teilweise herausragenden Leistungen. Third world meets first world.


Ob das üppige Sozialsystem in Deutschland der Weisheit letzter Schluss ist, sei mal dahingestellt, aber sicher ist, dass hier kein Mensch medizinisch unterversorgt ist und kein 75-Jähriger gezwungen ist, im Supermarkt Tüten zu packen, um über die Runden zu kommen.





Haette sie sich ein KONTO angeschafft (hallo?????) braeuchte sie ihre Rechnung nicht persoenlich bezahlen.Sie vermittelt dem Leser aber den Eindruck das es im allgemeinen so laeuft. Amis hupen nicht aus Misstrauen und Angst? Das ihr nicht einfaellt das es eher unueblich ist hier bei jedem Mist gleich auf die Hupe zu steigen .....ah nee....stattdessen wird nicht gehupt weil der andere ne Waffe haben koennte. Das ist nun wirklich ihrer Fantasie entsprungen, ohne Recherche.
Veteranen die traumatc brain injury oder PTSD haben 'kriegsdurchgedreht' zu nennen,ist absichtliche negative Wortwahl,politisch und auch sonst nicht korrekt und journalistisch einfach nur schwach.
Auch beschreibt sie das datingverhalten mit voller Absicht als steril und gefuehlskalt,auch diesmal oberflaechlich. Der Leser muss einfach annehmen das dem so ist.

Das du nun annimmst das ich 'nix mehr mitkriege'...oh well....besonders geschickt ist das auch nicht. Ich wuerde dich dann mal fuer ein paar Tage zu mir einladen, damit du hautnah miterleben kannst, wieviel ich mitbekomme. :roll:
Du wuerdest aus dem Staunen nicht mehr rauskommen.

Das einzige was mich positiv stimmt sind die vielen Kommentare von Ausgewanderten zu dem Artikel die offensichtlich das sehen was ich auch sehe.....


Missy
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Pablodiablo am 31.10.2011, 13:33 Uhr
Du verstehst die ganze Diskussion nicht? Die Autorin des Zeitartikels kramt eine Platituede nach der naechsten hervor, meiner Meinung nach muesste sie noch mal auf die Uni zurueck um zu lernen wie man neutral berichtet. Ok, fuer nen persoenlichen Tagebucheintrag ist ihr journalistisches Koennen gerad noch gut genug, aber so etwas zu veroeffentlichen und die Verantwortung tragen das der unbedarfte Leser so nun Schund auch noch glaubt? Wow, mir fehlen echt die Worte.


Missy

Was ist daran platt, wenn die Autorin feststellt, dass sie ihr Geld noch persönlich zum Stromversorger tragen muss? Oder wenn sie sich über die manchmal doch recht abenteuerlich anmutende Freiluftverkabelung mokiert, die zu den massiven Stromausfällen bei Sturm und Schnee führen? Dass sie wegen der vielen Zusatzstoffe im Essen genervt ist? Dass sie feststellt, dass L.A. ein Durchgangslager ist und eine erschreckende Wegwerfmentalität herrscht, zumindest in der Gegend, in der sie lebt. Ich finde schon, dass es erlaubt sein muss darüber zu berichten. Die Autorin macht eine - durchaus subjektive - Momentaufnahme ihres Aufenthalts in den USA, nicht mehr und nicht weniger. Das ist kein Schund, sondern guter Journalismus. Wenn Dir ihre Meinung nicht passt, ist das Dein gutes Recht, aber das heißt noch lange nicht, dass ihre Arbeit schlecht ist.

Die wenigsten Zeit-Leser dürften übrigens so unbedarft sein, dass sie diesen Artikel nicht richtig einordnen könnten. Es scheint mir eher, dass Du sehr unbedarft mit den Gegebenheiten in den USA umgehst und nur siehst, was Du sehen möchtest. Der Artikel beschreibt, wenn auch auf sehr kompakte Weise, einige uangenehme Eigenschaften der amerikanischen Gesellschaft und die Autorin stellt dar, dass die USA ihrer Kindheitsträume gar nicht so ist, wie sie sich das vorgestellt hat. Ihr zu unterstellen, dass sie hier nur Platiüden vorbringt, ist grotesk. Wenn Du vor gewissen Tatsachen die Augen verschließen möchtest, ok, aber jeder, der mal länger als zum Christmas Shopping in New York in den USA gewesen ist, hat sicher bemerkt, dass die Infrastruktur in einigen Gegenden in extrem schlechten Zustand ist, dass viel mehr Bettler oder offensichtlich notleidende Personen im Straßenbild unterwegs sind und dass es Wohnviertel/Gegenden gibt, die man getrost als Slums bezeichnen kann. Vielleicht siehst Du diese Dinge einfach nicht mehr, weil sie für Dich normal sind???
Auf der anderen Seite sind die USA natürlich eine hochmoderne Nation mit teilweise herausragenden Leistungen. Third world meets first world.


Ob das üppige Sozialsystem in Deutschland der Weisheit letzter Schluss ist, sei mal dahingestellt, aber sicher ist, dass hier kein Mensch medizinisch unterversorgt ist und kein 75-Jähriger gezwungen ist, im Supermarkt Tüten zu packen, um über die Runden zu kommen.


Danke wilder Löwe. Aber so was von WORD!
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Gast am 31.10.2011, 13:37 Uhr
Wenn man die Gegebenheit kennt, fallen da schon Unstimmigkeiten auf. Warum zahlt sie ihre utilities nicht online (bei google leicht zu finden).

Möbel werden stehen gelassen. Hört sich für mich nach einer Zwangsräumung an. Diese Leute haben kein Geld für den Transport oder Unterbringung ihrer Möbel und müssen am neuen Ort von vorne anfangen. Hat die Autorin auch mal so weit gedacht? 

Sie träumte vom Glamour und Showbiz und die Realität ist eine andere, duh.  :roll:

Alles etwas selbstgefällig, schade. 

Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Reisefan62 am 31.10.2011, 15:15 Uhr
Haette sie sich ein KONTO angeschafft (hallo?????) braeuchte sie ihre Rechnung nicht persoenlich bezahlen.Sie vermittelt dem Leser aber den Eindruck das es im allgemeinen so laeuft.

Missy

Meine Tochter hatte sich für die 7 Monate, die sie in San Francisco gelebt hat, ein Konto eingerichtet und eine Kreditkarte erhalten. Sie mußte keine Rechnungen persönlich zahlen (oder per Money Order), sondern hat das alles über die Kreditkarte erledigt.
Und ihre Möbel nebst Fahrrad hat sie am Ende des Aufenthaltes auch verkauft und nicht einfach irgendwo "auf die Straße" gestellt. Und oh Wunder, es gab sogar Leute, die ihr die Sachen abgekauft haben. Offensichtlich gibt es auch in den USA sparsame Menschen :wink:
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: missy am 31.10.2011, 15:26 Uhr
Haette sie sich ein KONTO angeschafft (hallo?????) braeuchte sie ihre Rechnung nicht persoenlich bezahlen.Sie vermittelt dem Leser aber den Eindruck das es im allgemeinen so laeuft.

Missy

Meine Tochter hatte sich für die 7 Monate, die sie in San Francisco gelebt hat, ein Konto eingerichtet und eine Kreditkarte erhalten. Sie mußte keine Rechnungen persönlich zahlen (oder per Money Order), sondern hat das alles über die Kreditkarte erledigt.
Und ihre Möbel nebst Fahrrad hat sie am Ende des Aufenthaltes auch verkauft und nicht einfach irgendwo "auf die Straße" gestellt. Und oh Wunder, es gab sogar Leute, die ihr die Sachen abgekauft haben. Offensichtlich gibt es auch in den USA sparsame Menschen :wink:
[/b]

Wie kann das angehen? Ich bin nun wirklich baff. Stellen also Leut ihre Sachen auf die Strasse (laut Autorin) um dann wieder von vorn anzufangen (laut Autorin), kaufen dann aber gebrauchte Sachen anderen Leuten ab????
Amis sind echt doof oder?

(und wo hat das arme Kind ueberhaupt gewohnt? Ich meine gelesen zu haben das man ohne credit history keine Bleibe bekommt? Hatte sie ein Zelt dabei?)

missy
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: thorsti am 31.10.2011, 15:46 Uhr
Das einzige was mich positiv stimmt sind die vielen Kommentare von Ausgewanderten zu dem Artikel die offensichtlich das sehen was ich auch sehe.....

Ich weiss dass ich mit meiner Antwort jetzt eine Menge Protest provozieren werde, aber Menschen die ausgewandert sind, neigen meiner Erfahrung nach dazu, ihre alte Heimat (bei denen die ich kenne ist das immer Deutschland) deutlich negativer zu sehen und ihre neue Heimat deutlich positiver zu sehen, als sie wirklich ist.

Das ist meiner Meinung nach psychologisch auch absolut nachvollziehbar!

Möglicherweise gilt das auch anders rum. Menschen, bei denen das Thema Auswanderung mal auf der Tagesordnung stand, die sich dann aber fürs Bleiben entschieden haben (so wie ich) sehen ihre Heimat vielleicht positiver als sie tatsächlich ist.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Reisefan62 am 31.10.2011, 16:15 Uhr
Haette sie sich ein KONTO angeschafft (hallo?????) braeuchte sie ihre Rechnung nicht persoenlich bezahlen.Sie vermittelt dem Leser aber den Eindruck das es im allgemeinen so laeuft.

Missy

Meine Tochter hatte sich für die 7 Monate, die sie in San Francisco gelebt hat, ein Konto eingerichtet und eine Kreditkarte erhalten. Sie mußte keine Rechnungen persönlich zahlen (oder per Money Order), sondern hat das alles über die Kreditkarte erledigt.
Und ihre Möbel nebst Fahrrad hat sie am Ende des Aufenthaltes auch verkauft und nicht einfach irgendwo "auf die Straße" gestellt. Und oh Wunder, es gab sogar Leute, die ihr die Sachen abgekauft haben. Offensichtlich gibt es auch in den USA sparsame Menschen :wink:
[/b]

Wie kann das angehen? Ich bin nun wirklich baff. Stellen also Leut ihre Sachen auf die Strasse (laut Autorin) um dann wieder von vorn anzufangen (laut Autorin), kaufen dann aber gebrauchte Sachen anderen Leuten ab????
Amis sind echt doof oder?

(und wo hat das arme Kind ueberhaupt gewohnt? Ich meine gelesen zu haben das man ohne credit history keine Bleibe bekommt? Hatte sie ein Zelt dabei?)

missy

Sie hat in einer WG gewohnt und in San Francisco ein Praktikum gemacht. Die WG hatte sie schon von Deutschland aus "gebucht".
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Davidc am 31.10.2011, 16:16 Uhr
Die Dame hätte ja auch mal über die Vorteile der USA berichten können, dass es

- auch als Ungelernter viel einfacher ist einen Job zu finden und das teilweise sogar gut bezahlt, wenn man nur willens ist auch mal am Fließband zu stehen. Man muss keine "Berufsausbildung" vorher haben.
- dass die Schule so sozial ist, den Schülern den Erwerb des Führrscheins fast kostenlos zu ermöglichen
- dass für Autos deutlich weniger Steuern als in D bezahlt werden müssen
- dass Strom oft 60 % billiger im Verglich zu D ist
- dass Autos ingesamt viel günstiger im Vergleich zu D zu haben sind (wenn dann auch deren Technik nicht ganz so hochgezüchtet sein mag)
- die USA teilweise besser für Arbeitnehmer sind, weil die Gewerkschaften - je nach Bundesstaat und Branche - mehr Macht haben
usw.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Grimmiger Wolf am 31.10.2011, 16:18 Uhr

Wer in eine Gegend zieht, bei der Freunde fragen : „Da wollt ihr hin?“, der hat sich wohl mit Bedacht eine schäbige Gegend ausgesucht – offensichtlich muß es auch bessere Gegenden geben, aber dann könnte man ja nicht einen solchen Bericht für die Leser des Zentralorgans der Lehrer schreiben. Ich finde in Hamburg, Berlin oder Dresden auch Gegenden in die ich nicht ziehen möchte.

Wer die Energierechnung im Gas und Power Building in der Hope Street begleichen möchte, der könnte ja auch mal auf die Idee kommen, die PAYMENT OPTIONS des LADPW zu lesen http://www.ladwp.com/ladwp/cms/ladwp001855.jsp
und er müßte nicht solchen Unfug schreiben.

Am Wochenende bin ich von Hamburg nach Dresden, Berlin und weiter nach Stralsund gefahren. Es hat doch tatsächlich ein Autofahrer gehupt – in Dresden nämlich weil jemand bei GRÜN nicht losgefahren ist. Muß ich jetzt mißtrauisch werden, der neben mir Fahrende könnte sich ja angegriffen fühlen und eine Waffe ziehen?

Daß high fructose corn syrup für allerlei Gesundheitsprobleme ursächlich sein kann – na klar und Fettleibigkeit sieht ma ja so ziemlich überall, aber offensichtlich muß die Autorin ihr Vorleben irgendwo im Amazonas gelebt haben; daß sie aus Berlin kommt ist kaum zu glauben, wenn man ihre Unbedarftheit – sie nennt es Sorglosigkeit – zur Kenntnis nimmt. Ja es gibt schlechtes Eis und gutes Eis, hier und dort. Und wer „ohne Recherche … praktisch nichts mehr essen und trinken“ kann, der ist schon zu bedauern.
Das Traumland befindet sich für die Autorin am Rand des Abgrunds – na ich würde vorschlagen, schnell noch mal hinzufliegen.

Oder vielleicht lieber ein Bahnticket kaufen und nach Berlin fahren; dort gibt es immerhin Straßencafes und die Berliner genießen genetisch unbedenkliches Essen. Da wollen wir mal besser nicht genau nachschauen, sonst reist die Dame noch ganz verzweifelt nach Duisburg oder Wuppertal – aber auch dort wird sie feststellen, daß es mehr oder weniger anheimelnd ist und sie hat sich hoffentlich einige Packungen Antidepressiva aus Los Angeles mitgenommen.

Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Davidc am 31.10.2011, 16:39 Uhr
War das der erste Besuch der Dame in den USA?

Wie kann man als Journalistin denn so unvorbereitet in ein fremdes Land gehen? Ich habe mal nachgeschaut, denn bei Praktikantin dachte ich die ist er 20 oder so. Dabei ist sie schon 39. In dem Alter sollte man kindliche Naivität langsam wirklich abgelegt haben. Vielleicht hat sie sich bisher nur mit Osteuropa beschäftigt, das hat sie ja immerhin studiert.

Letzlich bleibe ich dabei: die linke Zeit kann doch einfach nicht einen Bericht über die USA bringen, in der diese positiv wegkommen, das geht einfach nicht.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: missy am 31.10.2011, 16:48 Uhr
Das einzige was mich positiv stimmt sind die vielen Kommentare von Ausgewanderten zu dem Artikel die offensichtlich das sehen was ich auch sehe.....

Ich weiss dass ich mit meiner Antwort jetzt eine Menge Protest provozieren werde, aber Menschen die ausgewandert sind, neigen meiner Erfahrung nach dazu, ihre alte Heimat (bei denen die ich kenne ist das immer Deutschland) deutlich negativer zu sehen und ihre neue Heimat deutlich positiver zu sehen, als sie wirklich ist.

Das ist meiner Meinung nach psychologisch auch absolut nachvollziehbar!Möglicherweise gilt das auch anders rum. Menschen, bei denen das Thema Auswanderung mal auf der Tagesordnung stand, die sich dann aber fürs Bleiben entschieden haben (so wie ich) sehen ihre Heimat vielleicht positiver als sie tatsächlich ist.

Du kennst also nicht einen einzigen Menschen der nach DE ausgewandert ist? Faszinierend!

Erklaer mal wieso das psychologisch nachvollziehbar ist? Ich bin noch nicht mal freiwillig ausgewandert und hab auch keinen Kindheitstraum vom Auswandern in die USA.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: DocHoliday am 31.10.2011, 18:12 Uhr
Schade, hätte ein interessantes Gespräch werden können aber nach den letzten Postings zu urteilen ist eine inhaltliche Auseinandersetzung ja offensichtlich nicht gewünscht.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: dschlei am 31.10.2011, 18:34 Uhr
Hallo,
Das absolut neuste politische Phaenomen ist die Occupy Wall Street Bewegung, die scheinbar mehr und mehr Zuspruch findet, und sich ja auch weltweit schon ausbreitet.
eine etwas eigenartige Bewegung, die - jedenfalls bislang in der Außenargumentation - jedwede Organisationsstrukturen ablehnt. Schon von daher kann das nichts dauerhaft bewirken.

Putzig ist ja auch die Bravheit und Biederkeit der Teilnehmer; nach Zeitungsberichten besetzen die ja mitnichten Wall Street, sondern campieren irgendwo in einer Nebenstraße und halten sich auch noch an die verordneten Lautsprecherverbote  :lol: :lol:. Das paßt ganz gut zu unserem Eindruck, den wir an der Central Station in LA gewonnen hatten: da kam ein gutes Dutzend von Demonstranten offenbar vom Zug mit ein paar unter den Arm geklemmten Plakaten. Die fragten ganz unterwürfig bei den Sicherheitsbeamten, wo denn da jetzt was los wäre und wo sie denn hin müßten und welchen Weg sie dazu am besten nehmen  :roll:

Diese Bewegung ist nicht nur eigenartig, sondern auch dumm. Warum regen sie sich über die WallStreet auf? Weil da ein paar perverse Banken sitzen, die ihren Managern Millionenboni zahlen? OK, das ist unverhältnismäßig, kein Mensch ist so viel Wert für normale Arbeit. Aber dann sollten sie auch gegen ihre Footballstars und sonstige überbezahlte US-Showmaster demonstrieren. Die schaffen volkswirtschaftlich gesehen noch viel weniger Wohlstand.

Jedoch sollten sie sich mal überlegen, dass die US-Banken nur die laxen Regeln ausgenutzt haben, welche ihnen die Politik vorgab. Es waren doch die US-Regierungen die seit den 70er Jahren wollten, dass man in den USA nahezu ohne Eigenkapital und ausreichende Bonität einen Hauskredit bekam. Dass eben jeder der Lust hatte ein Häuschen kaufen konnte. Das war politisch erwünscht und löste die Immobilienblase aus. Hier wurde Wachstum auf Seifenblasen gebaut und die platzten dann. Die Politik hat das aber zugelassen und sogar gewünscht. Dass sich die Banken auf das Fressen stürtzten, nun dafür sind die eben Banken, die Geld verdienen wollen.
Es geht ja schon laengst nicht mehr nur um Wall Street, sondern um das System ueberhaupt.  Der Name aendert sich auch mehr in "we, the other 99%".  Hier sit mal ein artikel, der die zukuenftige Ausrichtung in etwa beschreibt.
http://www.nationofchange.org/warning-economic-and-political-elites-listen-now-1320076368
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: dschlei am 31.10.2011, 18:42 Uhr
Zur medizinischen Versorgung bzw. Krankenversicherung in den USA:
Hier wird immer so getan, als könnte jeder, der sich die "normale" medizinische Versorgung nicht leisten kann, in den nächsten ER eines Krankenhauses gehen und sich dort kostenlos versorgen lassen. Das gilt aber nur für lebensbedrohliche akute Erkrankungen. Was ist mit chronischen Erkrankungen? Diabetes? Krebserkrankungen? Bluthochdruck?
Da liegt eines der größten Probleme des amerikanischen Gesundheitssystems. Der Hochdruckpatient, der kein Geld für seine Medikamente hat, wird kostenlos behandelt, wenn er mit dem Herzinfarkt oder dem Schlaganfall in die Notaufnahme kommt. Nach ein paar Tagen wird er entlassen und wartet auf die nächste Komplikation.
Wenn dieser Patient sich etwas um die Regeln bemuehen wuerde, wuerde er feststellen dass Medicaid ihm hoechstwahrscheinlich alles Bezahlen wuerde.  Zusaetzlich haben die verschiedenen Staaten ihr eigenes System um untere Einkommensklassen zu versichern.  Bei uns ist das BadgerCare, welches Patienten abdeckt, die zu viel Einkommen fuer Medicaid haben (http://en.wikipedia.org/wiki/BadgerCare).

Eigentlich sollte heute, mit Obamacare, niemand mehr ohne Krankenversicherung sein, wenn man eine Versicherung haben will.

Es erstaunt mich immer wieder, dass auslaendische Journalisten jeden Fehler im US System aufdecken koennen, aber von den positiven Seiten scheinbar noch nie etwas erfahren haben!
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: dschlei am 31.10.2011, 18:49 Uhr
Haette sie sich ein KONTO angeschafft (hallo?????) braeuchte sie ihre Rechnung nicht persoenlich bezahlen.Sie vermittelt dem Leser aber den Eindruck das es im allgemeinen so laeuft.

Missy

Meine Tochter hatte sich für die 7 Monate, die sie in San Francisco gelebt hat, ein Konto eingerichtet und eine Kreditkarte erhalten. Sie mußte keine Rechnungen persönlich zahlen (oder per Money Order), sondern hat das alles über die Kreditkarte erledigt.
Und ihre Möbel nebst Fahrrad hat sie am Ende des Aufenthaltes auch verkauft und nicht einfach irgendwo "auf die Straße" gestellt. Und oh Wunder, es gab sogar Leute, die ihr die Sachen abgekauft haben. Offensichtlich gibt es auch in den USA sparsame Menschen :wink:
Deine Tochter waere sehr schlechtes Material fuer die Autorin gewesen!  Deine Tochter handelte so, wie die meisten Menschen, ob hier oder in Europa, aber das ergibt halt kein Drama!
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: usa2008 am 31.10.2011, 18:52 Uhr
Zitat
Schade, hätte ein interessantes Gespräch werden können aber nach den letzten Postings zu urteilen ist eine inhaltliche Auseinandersetzung ja offensichtlich nicht gewünscht.

Vor allem keine sachliche Diskussion.
Ich finde es immer wieder faszinierend wie "schwarz/weiß" Menschen sein
können. Da kritisiert jemand Amerika, uuuu dass kann ja nur ein Volli.... ohne
Durchblick sein.

Der Artikel enthält sicher einige Übertreibungen bzw. falsche Aussagen, wenn die
"Kenner" des amerikanischen Alltags die richtigstellen, ist das sicher hilfreich und ich bin
dankbar dafür. Aber dafür muss ich auch als Amerikaner oder Amerikaliebhaber in der
Lage sein, zutreffende Aussagen zu bestätigen und nicht platt zu reden. Die Grundaussage des Artikels "Da hat
sich so einiges negativ entwickelt in (Teilen) Amerikas" ist sicher richtig und darüber sollte
sich Amerika Gedanken machen. Ich jedenfalls sehe das mit Sorgen á la Einstein:
Probleme löst man nicht mit der Denkweise durch die sie entstanden sind.


Und übrigens: das deutsche Sozialsystem ist sicher nicht ideal, wie ich leider jeden Tag wieder erlebe.
Nur durchschnittl. eines von 3 Kindern aus "Sozialhilfeadelfamilien" schafft es, ein Leben ohne ALG 2 zu führen.

Gaby





Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: dschlei am 31.10.2011, 18:56 Uhr
Das einzige was mich positiv stimmt sind die vielen Kommentare von Ausgewanderten zu dem Artikel die offensichtlich das sehen was ich auch sehe.....

Ich weiss dass ich mit meiner Antwort jetzt eine Menge Protest provozieren werde, aber Menschen die ausgewandert sind, neigen meiner Erfahrung nach dazu, ihre alte Heimat (bei denen die ich kenne ist das immer Deutschland) deutlich negativer zu sehen und ihre neue Heimat deutlich positiver zu sehen, als sie wirklich ist.

Das ist meiner Meinung nach psychologisch auch absolut nachvollziehbar!Möglicherweise gilt das auch anders rum. Menschen, bei denen das Thema Auswanderung mal auf der Tagesordnung stand, die sich dann aber fürs Bleiben entschieden haben (so wie ich) sehen ihre Heimat vielleicht positiver als sie tatsächlich ist.

Du kennst also nicht einen einzigen Menschen der nach DE ausgewandert ist? Faszinierend!

Erklaer mal wieso das psychologisch nachvollziehbar ist? Ich bin noch nicht mal freiwillig ausgewandert und hab auch keinen Kindheitstraum vom Auswandern in die USA.
Mir geht es so wie Dir, wenn ich nicht hierhin versetzt worden waere, lebte ich immer noch in Deutschland.  Meine amerikanische Frau wollte eigentlich nicht mehr in die USA zurueck, ihr gefiel Deutschland zu gut.  daher nehme ich von mir an, dass ich beide Laender recht objektiv beurteilen kann.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Davidc am 31.10.2011, 21:00 Uhr

Und übrigens: das deutsche Sozialsystem ist sicher nicht ideal, wie ich leider jeden Tag wieder erlebe.
Nur durchschnittl. eines von 3 Kindern aus "Sozialhilfeadelfamilien" schafft es, ein Leben ohne ALG 2 zu führen.

Gaby


Und warum ist das so deiner Meinung nach?

Ist das nun so weil das deutsche Sozialsystem zu viel oder zu wenig bietet? Oder noch aus ganz anderen Gründen?
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: usa2008 am 31.10.2011, 21:31 Uhr
Ich glaube das hier zu erklären würde zu sehr OT führen, daher nur soviel:

- Es ist sehr schwierig ein Gesetz zu schaffen, dass tatsächlich keine Schlupflöcher bietet, das SGB II hat leider viele Schwachstellen.
- ca. 40 - 60% der ALG 2 Empfänger besch... uns, weil sie Einnahmen (z.B. durch Schwarzarbeit) nicht angeben und die AG (auch große Firmen) fördern das noch.
   Die Personal- und Verwaltungskosten für entsprechende Kontrollen sind nicht bezahlbar. Das Verwaltungsbudget ist schon jetzt unverhältnismäßig hoch, aber nicht, weil die Leute nichts oder
   zu langsam arbeiten, sondern weil die Umsetzung des Gesetzes eben mit großem Aufwand verbunden ist.
- Die Sozialgerichte entscheiden leider bei der kleinsten formalen (vom Inhalt mal abgesehen) Unstimmigkeit im Sinne der Leistungsempfänger, das motiviert die Mitarbeiter nicht.
- Die meisten Hilfeempfänger sind irgendwann mal tatsächlich unverschuldet in Not geraden, aber nur die wenigsten nehmen die Unterstützung an, um wieder
  unabhängig zu werden. Sie richten sich ein und machen alle anderen für ihre Lage verantwortlich, entwickeln ein unglaubliches Anspruchsdenken. Die Kinder
  übernehmen das Feind-/Freundbild, das Anspruchsdenken, das "Ichkannjanichtsdafürdenken" und richten sich ebenfalls ein, bekommen früh Kinder, verpassen die
  Chance auf eine gescheite Ausbildung und "führen die Tradition" weiter.  :(
   
Das ist nur ein sehr grober Abriss. Ich habe keine Ideallösung, aber Deutschland bzw. die Politik ist auf jedem Fall auf dem falschen Weg.

Gaby





Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: dschlei am 31.10.2011, 23:39 Uhr
Und das ist in den USA eben nicht moeglich.  Es gibt bestimmte Stops, die in die Gesetze eingebaut wurden, und diese verhindern solche Sachen zum groessten Teil.  Wenn nach einer gewissen zeit keine Arbeit aufgenommen wird, fallen alle Geldhilfen fort, und es gibt nur noch Sachhilfen.  Kinder von beduerftigen Familien bekommen morgens in der Schule ihr Fruehstueck und mittags ihr Mittagessen, damit wird dann auch sichergestellt, dass sie einigermassen gut ernaehrt werden.  Alle Sozialhilfen koennen normalerweise nicht eingeklagt werden, da es Verwaltungsakte sind.  Wenn Doch, entscheidet der Richter von Fall zu Fall, ob die Klage angenommen wird.  Da diese Richter Wahlpositionen innehaben ueberlegen sie sich sehr vorsichtig, ob sie frivole Sachen annehmen (falls sie wiedergewaehlt werden wollen).
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Gast am 01.11.2011, 08:08 Uhr
Der Artikel enthält sicher einige Übertreibungen bzw. falsche Aussagen, wenn die
"Kenner" des amerikanischen Alltags die richtigstellen, ist das sicher hilfreich und ich bin
dankbar dafür. Aber dafür muss ich auch als Amerikaner oder Amerikaliebhaber in der
Lage sein, zutreffende Aussagen zu bestätigen und nicht platt zu reden. Die Grundaussage des Artikels "Da hat
sich so einiges negativ entwickelt in (Teilen) Amerikas" ist sicher richtig und darüber sollte
sich Amerika Gedanken machen.

Ist die Grundaussage auf LA bezogen wirklich richtig? Der Zerfall von Downtown begann schon in den 50er und 60er Jahren. Mit dem absoluten Tiefpunkt in etwa in den 80ern, als das Viertel Central City East auch Skid Row genannt im absoluten Elend versank. Damals waren die Obdachlosen und Drogenabhängigen auf sich alleine gestellt. Das war die Zeit des Cracks und es gab vor Ort keine Hilfe. Im Verlauf der Jahre wurden Hilfsstellen errichtet, Obdachlosenunterkünfte erstellt, Wiedereingliederungsprogramme liefen an und der Stadtteil selber wurde wieder aufgebaut. Heute ist es möglich wieder in downtown zu leben.

Obdachlose gibt es dort immer noch mehr als genug und es sind in den letzten 2 Jahren sicherlich auch mehr geworden. Die jetzige Wirtschaftslage hat nicht geholfen. Das Elend der früheren Jahre ist es aber nicht.

Wovon genau spricht denn die Autorin? 
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Davidc am 01.11.2011, 08:39 Uhr
Und das ist in den USA eben nicht moeglich.  Es gibt bestimmte Stops, die in die Gesetze eingebaut wurden, und diese verhindern solche Sachen zum groessten Teil.  Wenn nach einer gewissen zeit keine Arbeit aufgenommen wird, fallen alle Geldhilfen fort, und es gibt nur noch Sachhilfen.  Kinder von beduerftigen Familien bekommen morgens in der Schule ihr Fruehstueck und mittags ihr Mittagessen, damit wird dann auch sichergestellt, dass sie einigermassen gut ernaehrt werden.  Alle Sozialhilfen koennen normalerweise nicht eingeklagt werden, da es Verwaltungsakte sind.  Wenn Doch, entscheidet der Richter von Fall zu Fall, ob die Klage angenommen wird.  Da diese Richter Wahlpositionen innehaben ueberlegen sie sich sehr vorsichtig, ob sie frivole Sachen annehmen (falls sie wiedergewaehlt werden wollen).

Schön - und genau dort sind die USA nicht hinter D zurückbleibend, sondern meiner Meinung nach viel besser und zukunftsorientierter. Das sind sie zwar nicht, weil sie fortschrittlicher und innovativer sein wollen, sondern eher weil das seit ihrer Gründung ihr Credo ist (Selbsthilfe vor Fremdhilfe, Freiheit vor Staat), aber diese Sozialpolitik ist die zukunftsfähigere Variante.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Davidc am 01.11.2011, 08:41 Uhr
Ich glaube das hier zu erklären würde zu sehr OT führen, daher nur soviel:

- Es ist sehr schwierig ein Gesetz zu schaffen, dass tatsächlich keine Schlupflöcher bietet, das SGB II hat leider viele Schwachstellen.
- ca. 40 - 60% der ALG 2 Empfänger besch... uns, weil sie Einnahmen (z.B. durch Schwarzarbeit) nicht angeben und die AG (auch große Firmen) fördern das noch.
   Die Personal- und Verwaltungskosten für entsprechende Kontrollen sind nicht bezahlbar. Das Verwaltungsbudget ist schon jetzt unverhältnismäßig hoch, aber nicht, weil die Leute nichts oder
   zu langsam arbeiten, sondern weil die Umsetzung des Gesetzes eben mit großem Aufwand verbunden ist.
- Die Sozialgerichte entscheiden leider bei der kleinsten formalen (vom Inhalt mal abgesehen) Unstimmigkeit im Sinne der Leistungsempfänger, das motiviert die Mitarbeiter nicht.
- Die meisten Hilfeempfänger sind irgendwann mal tatsächlich unverschuldet in Not geraden, aber nur die wenigsten nehmen die Unterstützung an, um wieder
  unabhängig zu werden. Sie richten sich ein und machen alle anderen für ihre Lage verantwortlich, entwickeln ein unglaubliches Anspruchsdenken. Die Kinder
  übernehmen das Feind-/Freundbild, das Anspruchsdenken, das "Ichkannjanichtsdafürdenken" und richten sich ebenfalls ein, bekommen früh Kinder, verpassen die
  Chance auf eine gescheite Ausbildung und "führen die Tradition" weiter.  :(
   
Das ist nur ein sehr grober Abriss. Ich habe keine Ideallösung, aber Deutschland bzw. die Politik ist auf jedem Fall auf dem falschen Weg.

Gaby


Danke, dass du das so klar ausgesprochen hast. Auch wenn es politisch nicht korrekt ist. Ich will da nicht mehr drauf eingehen, weil es vom Kern des Thread zu weit wegführen würde.
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Palo am 29.11.2011, 04:28 Uhr

Die Authorin hat sich aber auch eine der schlachtesten Wohngegenden in L.A. ausgesucht, ds geht auch aus ihrem neuesten Artikel hervor.

Man wird aber wenigstens von den Nachbarn nicht angemotzt, weil mal am Samstag der Buergersteig oder das Treppenhaus nicht gefegt ist.;-)



 
Titel: Re: Mein armes Amerika
Beitrag von: Kauschthaus am 29.11.2011, 09:01 Uhr

Man wird aber wenigstens von den Nachbarn nicht angemotzt, weil mal am Samstag der Buergersteig oder das Treppenhaus nicht gefegt ist.;-)



Was, hen die koi Kehrwoche?  :shock: :shock:  :lol: