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Nordamerika => American Life => Thema gestartet von: Scooby Doo am 04.01.2007, 12:31 Uhr
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Hallo,
was bezeichnet man eigentlich mit 'Indian Summer'?
Bisher habe ich da immer an die schöne Laubfärbung im Hebrst im Nordosten der USA und im Osten von Kanada gedacht, wie wohl die meisten Deutschen.
Nun habe ich aber von einem Amerikaner erfahren, dass dies wohl nicht ganz korrekt sei.
es stimmt schon, dass fast alle Deutschen und auch einige
meiner Landsleute hierzulande, den amerikanischen Herbst faelschlicherweise
einfach mit dem Indian Summer verwechseln. Schon allein, weil es
romantischer und poetischer klingt. Sie wollten einige Zitate aus dem
Webster Dictionary (was hier Ihrem Duden gleichkommt) hoeren:
Webster' New World Dictionary of the American Language, 1968:
INDIAN SUMMER (so named in sense of "bogus summer"), 1. a period of mild,
warm, hazy weather following the first frosts of late autumn, especially on
the North American continent; hence 2. the final years of a person's life,
regarded as being serene, tranquil, reminiscent, etc.
Webster's New Collegiate Dictionary, 1977
INDIAN SUMMER 1. A period of warm or mild weather in late autumn or early
winter, 2. a happy or flourishing period occurring toward the end of
something.
Diese Woerterbuecher stammen aus der Schulzeit meiner Kinder. Ich habe
leider keine neueren Ausgaben, aber an dieser Definition wird sich wohl
wenig oder nichts geaendert haben,
Aber dies ist alles nicht wichtig. Sie sind nun mal Deutscher und sollten
eben auch die in Deutschland gebraeuchlichen Ausdruecke benutzen.
Wie denkt ihr darüber?
Sorry, bin einfach zu korrekt für diese Welt, um jetzt einfach der breiten Deutschen Mehrheit zu folgen.
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Da bin ich wohl auch zu korrekt. :D
Indian Summer ist bei uns unter Altweibersommer bekannt. Die Laubfärbung nennt sich in den USA fall foliage.
Da aber die Laubfärbung in die Zeit des Indian Summers fällt, gilt es doch auch ein bisschen als Synonym. Bei Indian Summer stellt man sich eben bildlich einen milden Herbst mit vielen bunten Wäldern vor. Aber wortwörtlich bedeutet es nur Altweibersommer.
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Ich denke, beides ist richtig und sowieso miteinander verknüpft!
Im Weather Channel kommt auch im Herbst regelmäßig die Auskunft, wie weit die "Foliage" fortgeschritten ist, von Nord nach Süd,
gleichzeitig habe ich aber die Meteorologen auch im selben Bericht vom "Indian Summer"sprechen hören, im Zusammenhang mit dem gleichen Phänomen, der Bätterfärbung!
Das hat sich genauso bei den Amis verbreitet, und ich glaube nicht, daß das eine Erfindung der Deutschen ist,
die Laubfärbung als Indian Summer zu bezeichnen!
Ich selbst habe diese Bezeichnung jedenfalls erst drüben kennengelernt, und zwar nicht von Deutschen!
Hier in Deutschland habe ich den Altweibersommer auch immer in Verbindung mit dem bunten Herbstlaub gesehen, und wenn man mal überlegt, verschwindet der Altweibersommer mit kaltem, nasssen, stürmischen Wetter, und gleichzeitig verschwinden auch die Blätter! :P
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Ich denke, beides ist richtig und sowieso miteinander verknüpft!
Im Weather Channel kommt auch im Herbst regelmäßig die Auskunft, wie weit die "Foliage" fortgeschritten ist, von Nord nach Süd,
gleichzeitig habe ich aber die Meteorologen auch im selben Bericht vom "Indian Summer"sprechen hören, im Zusammenhang mit dem gleichen Phänomen, der Bätterfärbung!
Genau, denn ohne Indian Summer kein fall foliage. Damit sich die Blätter verfärben braucht es milde sonnige Tage und kühle, aber keinesfalls frostige Nächte. Ist diese Kombination nicht gegeben oder kommt gar vorzeitig ein Herbststurm, gibt es an bunten Blättern nicht viel zu sehen.
Laubfärbung gibt es im Herbst eigentlich überall, aber die buntesten, farbigsten und sehenswertesten Wälder sind im Nordosten, im upper Midwest und in den Appalachen zu finden. Hier findet man das, was man sich unter Indian Summer eben vorstellt.
Trotzdem hat der gequotete Amerikaner nicht unrecht. Auch in anderen Teilen Amerikas spricht man bei einem milden Herbst vom Indian Summer, obwohl dort keine spektakuläre Laubfärbung zu finden ist. Es kommt also auch darauf an, wo man sich befindet.
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Die Bezeichnung "Indian summer" dürfte ohnehin nicht politisch korrekt sein. Müsste doch wohl inzwischen "Native american summer" heißen.....
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Hier in Deutschland habe ich den Altweibersommer auch immer in Verbindung mit dem bunten Herbstlaub gesehen, und wenn man mal überlegt, verschwindet der Altweibersommer mit kaltem, nasssen, stürmischen Wetter, und gleichzeitig verschwinden auch die Blätter! :P
Da die Ausgangsfrage wohl geklärt ist, darf ich hierzu vielleicht OT was anmerken: Der Altweibersommer hat seinen Namen von den Spinnenfäden, die dann überall im Wald rumhängen. Man hatte mal die Vorstellung, daß die von alten Weibern gesponnen worden sind.
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Hallo,
Das hat sich genauso bei den Amis verbreitet, und ich glaube nicht, daß das eine Erfindung der Deutschen ist,
die Laubfärbung als Indian Summer zu bezeichnen!
ich (Amerikanerin) habe "Indian summer" noch nie als Synonym für Laubfärbung gehört. Für mich hat dieser Begriff eindeutig folgende Bedeutung:
Indian summer
A period of unusually warm weather in the fall, often following a seasonable cold spell.
Quelle: The American Heritage® New Dictionary of Cultural Literacy, Third Edition. Copyright © 2005 by Houghton Mifflin Company.
Floriana
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ich (Amerikanerin) habe "Indian summer" noch nie als Synonym für Laubfärbung gehört. Für mich hat dieser Begriff eindeutig folgende Bedeutung:
Indian summer
A period of unusually warm weather in the fall, often following a seasonable cold spell.
Quelle: The American Heritage® New Dictionary of Cultural Literacy, Third Edition. Copyright © 2005 by Houghton Mifflin Company.
Floriana
Hallo, Floriana!
Das sieht Wikipedia scheinbar genauso wie du:
"....The English-language phrase Indian Summer is commonly misunderstood in Germany, where it is used and assumed to refer to the changing of the leaves during Autumn......"
Na, dann gewöhnen wir Deutschen uns doch an,Foliage zu sagen, und die findet im Indian Summer statt! Ok?
Dafür behauptet Ihr bitte nicht mehr, daß der Brauch, eine Gurke in den Weihnachtsbaum zu hängen, aus Deutschland kommt! :lol:
Aber, im Ernst, es wird immer wieder mal zu solchen Veränderungen im Wort-Sinn-Gebrauch kommen, der die Bedeutung verändert, das ist ganz normal! (Wenn ich da nur an die vielen gleichen Bedeutungen bei unterschiedlichen Vokabeln im Britischen und im Amerikanischen denke! )
Sprache und Kultur verändern sich eben mit der Zeit!
Da könnten wir wahrscheinlich nicht nur mit dem Indian Summer Seiten voller mißverständlicher Diskussionen füllen! :wink:
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Aber, im Ernst, es wird immer wieder mal zu solchen Veränderungen im Wort-Sinn-Gebrauch kommen, der die Bedeutung verändert, das ist ganz normal! (Wenn ich da nur an die vielen gleichen Bedeutungen bei unterschiedlichen Vokabeln im Britischen und im Amerikanischen denke! )
Sprache und Kultur verändern sich eben mit der Zeit!
Eine Veränderung der Sprache über die Zeit ist normal und gehört zur sprachlichen Entwicklung.
Aber hier geht es um falsche Anglizismen, die sich mehr und mehr im deutschen Sprachgebrauch verbreiten. Diese Entwicklung ist nicht wirklich zu begrüssen.
Z.B. "tricky" und "touchy"sind momentan bei uns sehr gebräuchlich, werden aber praktisch immer falsch angewendet.
Gut, manche sind zum Schmunzeln. Die Klotener Eishockeymannschaft - Kloten liegt am Flughafen Zürich - nennt sich "Flyers". Im ersten Moment dachte "hä, Handzettel? :lol: , dann ist auch mir der Groschen gefallen.
Aber als meine Schwägerin ihren Rucksack als Body Bag bezeichnete, war ich im ersten Moment schon schockiert.
Bei falschem Gebrauch sind Missverständnisse vorprogrammiert.
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Hallo,
Aber als meine Schwägerin ihren Rucksack als Body Bag bezeichnete, war ich im ersten Moment schon schockiert.
zwar ot, aber doch schön-schaurig: die Lufthansa hatte vor ein paar Jahren eine kleine Schultertasche mit Kosmetika auf ihren Transatlantikflügen als "body bag" im Verkaufsangebot; vor allem die muttersprachlich amerikanischen Passagiere waren über diese "Vorsorge" bei Flügen ziemlich irritiert - das kommt davon, wenn man als Unternehmen Weltläufigkeit beweisen (vortäuschen) will...
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Auch wenn das jetzt noch mal Off-Topic ist: Die Verdeutschung von englischen Worten treibt manchmal echt komische Blüten. Nicht nur bei dem "Handy" oder so, sondern auch bei "Barkeeper". Ich frage mich, wie dieses Wort jemals entstehen konnte, im Englischen gibt es nur den "bartender".
Gab bestimmt schon einige Irritationen mit deutschen US-Touris. :wink:
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Hallo Elmo,
Nicht nur bei dem "Handy" oder so, sondern auch bei "Barkeeper". Ich frage mich, wie dieses Wort jemals entstehen konnte, im Englischen gibt es nur den "bartender".
äh, da muss ich widersprechen, klar gibt es im Englischen den "barkeeper" (oder auch kurz "barkeep" genannt). Wird hier durchaus als Synonym für "bartender" verwendet. 8)
Floriana
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@Floriana: Ehrlich? Hmm, in sämtlichen Dictionaries habe ich nichts darüber gefunden.
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Um vielleicht wieder etwas näher ans Thema heranzukommen. :lol:
Die Touristen, die sich die bunten Wälder ansehen, nennt man Leaf Peeper
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Hallo,
@Floriana: Ehrlich? Hmm, in sämtlichen Dictionaries habe ich nichts darüber gefunden.
ja, ehrlich. 8)
barkeeper
noun
an employee who mixes and serves alcoholic drinks at a bar [syn: bartender]
Quelle: WordNet® 2.1, © 2005 Princeton University
Floriana
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@Floriana: Ehrlich? Hmm, in sämtlichen Dictionaries habe ich nichts darüber gefunden.
"saemtlich?" Einfach mal leo.org befragen... 8)
Da das "urspruengliche" Thema wohl mittlerweile geklaert ist - was mir beim Lesen des Threads irgendwie spontan in den Sinn kam (sorry :oops: ), ist eine Meldung aus dem letzten Jahr, wonach die wohl mittlerweile recht haeufig in der deutschen Werbung verwendeten englischen "Slogans" von vielen Leuten oft gar nicht verstanden werden (gut finden kann man sowas anscheinend aber auch, ohne es zu verstehen... :lol: )
Z.B. hier:
http://
http://www.welt.de/data/2006/11/27/1126579.html
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Hallo,
"saemtlich?" Einfach mal leo.org befragen... 8)
war auch meine erste Reaktion; dort kommen allerdings andere Bedeutungen raus, nämlich "Kneipier, Wirt"
http://www.welt.de/data/2006/11/27/1126579.html
Der Link geht leider nicht; aber Du meinst wahrscheinlich diese Untersuchung:
http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,310548,00.html
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Hallo,
war auch meine erste Reaktion; dort kommen allerdings andere Bedeutungen raus, nämlich "Kneipier, Wirt"
das ist auch richtig:
barkeeper
1. A person who owns or operates a bar for the sale of alcoholic beverages.
2. See bartender.
bartender
One who mixes and serves alcoholic drinks at a bar. Also called barkeeper.
Quelle: The American Heritage® Dictionary of the English Language, Fourth Edition. Copyright © 2000 by Houghton Mifflin Company.
Floriana
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@Floriana
meine Aussage bezog sich - im Zusammenhang mit der Bezugnahme auf ratlady - ausschließlich auf leo.org;
dort wird für das englische Wort barkeeper als deutsche Übersetzung "Gastwirt" (für britisch-englisch) bzw. "Kneipenwirt, "Kneipier" (für amerikanisch-englisch) angegeben
und für das "deutsche" Wort Barkeeper als englische Übersetzung "barman", "bartender", "mixologist"
=> zu leo hat sich die Identität des Wortes im (us-)Englischen und Deutschen noch nicht herumgesprochen
@ratlady:
http://www.welt.de/data/2006/11/27/1126579.html
Der Link geht leider nicht;
jetzt geht er wieder (warum auch immer); war doch eine andere Fundstelle - anscheinend wird dieser Test regelmäßig wiederholt
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@Floriana
meine Aussage bezog sich - im Zusammenhang mit der Bezugnahme auf ratlady - ausschließlich auf leo.org;
dort wird für das englische Wort barkeeper als deutsche Übersetzung "Gastwirt" (für britisch-englisch) bzw. "Kneipenwirt, "Kneipier" (für amerikanisch-englisch) angegeben
und für das "deutsche" Wort Barkeeper als englische Übersetzung "barman", "bartender", "mixologist"
=> zu leo hat sich die Identität des Wortes im (us-)Englischen und Deutschen noch nicht herumgesprochen
...allerdings beim Klick auf das Info-"i" wirst Du dann zu Merriam-Webster weitergeleitet, und dort steht als Erklaerung: Bartender... :wink: Hast aber recht, ist wirklich etwas irrefuehrend - haette stattdessen wohl doch eher (als Country-Fan) auf so praktische Beispiele wie Kenny Chesney's "Good Stuff" verweisen sollen... ("... not a soul around but the old barkeep...") :oops: :lol:
@ratlady:
http://www.welt.de/data/2006/11/27/1126579.html
Der Link geht leider nicht;
jetzt geht er wieder (warum auch immer); war doch eine andere Fundstelle - anscheinend wird dieser Test regelmäßig wiederholt
hoppla, das ist komisch - nu geht er bei mir auch nicht mehr... :( Hier (http://www.uebersetzerportal.de/nachrichten/n-archiv/2003/2003-09/2003-09-08.htm) wird ebenfalls ueber die Studie berichtet... hoffe, der geht besser... :oops: