"Unter Geiern im Apachenland"-Auf Winnetous Spuren in Kroatien's Nationalparks

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*Canyoncrawler

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Dieses Jahr legen wir eine USA-Pause ein und wenden uns den Naturschönheiten in Europa zu.

Ausgesucht für unsere Frühsommertour haben wir uns ein Land, dass viele von Euch vielleicht kennen, war es doch bis Anfang der 90er eines der populärsten Ziele für Badeurlaub. Die Balkankriege verdrängten das Land lange Jahre von der Reiselandkarte. Auch wenn noch nicht alle Kriegsspuren beseitigt sind, ist der Tourismus in Kroatien inzwischen wieder auf Vorkriegsniveau.

Kroatien hat nicht nur für Sonnenanbeter und Strandurlauber viel zu bieten. Der Staat im Grenzgebiet zwischen Mittel- und Südosteuropa wartet mit spektakulären Landschaften und sehenswerten,  geschichtsträchtigen Altstädten auf. In den 1960er Jahren dienten die Karstlandschaften als Filmkulisse für zahlreiche Karl-May-Filme, sodass man noch heute an zahlreichen Orten im Land "auf Winnetous Spuren" wandeln kann.

Die Preise fanden wir im Vergleich mit anderen Mittelmeerstaaten wie Italien, Frankreich in denen wir schon urlaubten, eher moderat. Es gibt viele schön angelegte Campingplätze, die Küsten sind nicht so zugebaut wie in anderen Mittelmeerstaaten.

Die vielfältigen Naturlandschaften sind ein 1a-Wanderrevier, zahlreiche Radwege und Möglichkeiten zum Sportklettern, Canyoning runden das Angebot ab. Das Hinterland der Küste mit türkisfarbenen Meeresbuchten und Kiesstränden ist gebirgig, der Karst zeigt sich wild zerklüftet, die Wasserläufe schnitten atemberaubende Canyons und Schluchten in den Kalkstein, wunderschön stiebende Wasserfälle, smaragdgrüne Seen und üppig, verwunschene Wälder verzaubern den Naturliebhaber. Man wandelt vielfach auf wenig begangenen, einsamen Pfaden. Im Land kommen sowohl Aktivurlauber als auch kulturinteressierte und erholungssuchende Urlauber voll auf ihre Kosten.

Wir jedenfalls waren von Kroatien so begeistert, dass die nächste Reise für 2011 schon fest eingeplant ist.

Wegen des manchmal recht knapp gehaltenen Textes und damit die Bilder nicht so lange laden, habe ich verschiedene Collagen erstellt die sich durch Anklicken vergrössern lassen.

Wer Lust hat, begleitet uns auf unserer Tour:


Unter Geiern im Apachenland -
Auf Winnetous Spuren durch die Nationalparks in Kroatien


Reisefakten in Kurzform:
Reiseland: Kroatien
besuchte Regionen: Istrien, Kvarner Bucht, Norddalmatien, Zentralkroatien
Reiseart: Camping- und Wanderreise (mit eigenem PKW)
Reisezeit: Ende Mai bis Mitte Juni 2010
Reisedauer: 2 Wochen
Reiseteilnehmer: Kate & Frank
Gefahrene km insgesamt: 3440

Prolog:
Für Mitte Mai geplant und dann wegen eines Armbruchs nach einem Fahrradunfall fast schon gecancelt, konnte die Tour zwar mit Verspätung aber letztlich doch noch Ende Mai los gehen.

Tag 1 (Samstag)
Anreise

Wir starten von Freitag auf Samstag 4.00 Uhr und bis auf ein paar kleinere Verzögerungen durch Baustellen, fahren wir staufrei in knapp 11 Stunden die 1059 km vom Westerwald über Frankfurt - München - Salzburg - Villach - Lubljana - bis nach Pula in Kroatien auf der Halbinsel Istrien.
Zu Hause haben wir uns als Basislager für Istrien den Campingplatz Puntizela in Fasana bei Pula ausgesucht.

klick Karte

Wir haben freie Stellplatzwahl und suchen uns einen der günstigeren Plätze ohne Meerblick, aber dafür schön gelegen unter Olivenbäumen.
Mit dem letzten Sonnenlicht steht unser Campingzelt und wir laufen noch schnell die 200 m von unserem Stellplatz zum campingplatzeigenen Strand um den Sonnenuntergang zu geniessen. Nach einem Abendessen, bestehend aus den restlichen belegten Brötchen, kriechen wir alsbald in die Schlafsäcke und schlafen, müde von der langen Fahrt, sehr schnell ein.

Zum Sonnenuntergang hatten wir die Kamera nicht dabei, daher ein paar Bilder vom Campingplatz und Strand vom nächsten Morgen (zum Vergrössern anklicken):

(Fotocollage: Camping & Strand Puntizela)
Gruss Kate
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On Tour:
2000-09: 7xUSA West & Kanada
2000-13: D,F,I,GR,MC,E,AND,L,A,GB,MNR,BiH,HR
2018:  Wandern & Paddeln Schluchten-ABC: Ardeche, Baume, Chassezac sowie Cote Vermeille

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*Canyoncrawler

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Tag 2 (Sonntag)
Strandgang & Stadtbummel in Pula

Während ich in unserem noch etwas chaotischen Gepäck den Kocher und das Geschirr fürs Frühstück suche, holt Frank am Bäckerkiosk frische Croissants und nach einem leckeren Frühstück, sortieren und verstauen wir noch schnell unser Gepäck ordentlich in Vorzelt und Auto und machen uns auf, um zunächst das Meer zu begrüssen und den Strand zu besichtigen.
Anschliessend machen wir uns auf ins etwa 5 km entfernte Pula, um uns die vielgerühmte Altstadt anzuschauen. Pula ist die grösste Stadt Istriens und damit kulturelles, wirtschaftliches und politisches Zentrum der Halbinsel Istrien. Am Hafen parken wir unseren Wagen und freuen uns über die kostenlose Parkemöglichkeit am heutigen Sonntag.  Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Pula erhebt sich über den Häuserreihen und wir halten direkt auf das auffällige römische Amphitheater zu. Im Inneren eine Ruine, bietet es von draussen einen majestätischen Anblick mit den massiven, verwitterten Marmorsäulen und den vielen Bögen.
Einige Fakten aus der Wikipedia:
Zitat
Das römische Amphitheater in Pula (Kroatien) (kroatisch: Pulska Arena) ist mit einer Kapazität von 23.000 Besuchern das sechstgrößte seiner Art. Erbaut wurde dieses Amphitheater in den Jahren 2 v. Chr. bis 14 n. Chr. unter Kaiser Augustus. Kaiser Vespasian  (69-79 n. Chr.), der Auftraggeber des Kolosseums  in Rom, ließ das Oval auf seine heutige Größe von 132 mal 105 Metern erweitern. Wie die Legende erzählt, wollte er damit seiner aus Pula stammenden Geliebten einen Wunsch erfüllen. Das Amphitheater bestand aus zwei übereinander angeordneten Arkadenreihen mit 72 Bögen aus weißem Kalkstein. Das Obergeschoss ist von 64 rechteckigen Fensternischen durchbrochen. Das Gebäude erreichte meerseitig eine Höhe von 32,45 Metern. Da sich der Bau im Osten an einen Hügel lehnt, ist die Außenfassade dort wesentlich niedriger und in der unteren Bogenreihe sind 32 Bögen als Anpassung an das Gelände teilweise oder ganz weggelassen worden. Im Inneren folgten die Sitzreihen der Hanglage. In der Antike diente die Arena für Gladiatorenkämpfe und zeitweise sogar für die Darstellung von Seeschlachten (Naumachien).
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Amphitheater_Pula



Für den Zugang ins Innere werden einige Kuna Eintritt fällig. Da sich an der Kasse gerade eine lange Schlange bildete, laufen wir erst mal aussen herum. Immer am Zaun entlang umrunden wir die Arena und erhalten dabei immer wieder Einblicke in das weite Rund, sodass wir uns schliesslich den Besuch in der Arena sparen und uns der nächsten Sehenswürdigkeit zuwenden, der Orthodoxen Kirche des heiligen Nikolaus um anschliessend zum römischen Doppeltor der Stadtmauer und dem archäologischen Museum im Kastel weiterzulaufen. Ausführlich besichtigen wir die vielen Exponate aus der Römerzeit die sich überall auf dem Aussengelände verteilen und gehen anschl. zur Festung weiter.



Wir streifen durch die schmalen Altstadtgassen, besuchen den Triumphbogen der Familie Sergei (hohe römische Beamte), die beiden römischen Tempel (Augustustempel und Forum), die Kapelle der hl. Maria Formosa, die Franziskanerklosterkirche und den Dom der Maria Himmelfahrt.

Zwischendurch stärken wir uns mit einem Pizzaviertel auf die Hand und einem Eisbecher, um unseren Stadtbummel mit einem erneuten Streifzug durch die belebte Fussgängerzone ausklingen zu lassen. Mit brennenden Füssen finden wir uns gegen 18.00 Uhr am Auto wieder und stoppen in einem der typischen kroatischen Supermärkte (Kaufland :) ;) ) um einen kleinen Weinvorrat für die Reise anzulegen).



Zurück auf dem Campingplatz beenden wir den Tag im Klappstuhl am Strand, lesen und kochen uns später ein leckeres Abendessen aus unseren Vorräten. Dazu gibt es eine Flasche kroatischen Wein, der leider für unseren Geschmack zu trocken und herb mundet. Aber wir haben noch ein bißchen Auswahl für weitere "Weinproben" in den nächsten Tagen.
Gruss Kate
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*Flicka

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So, bin jetzt auch in eurem Basislager ankommen!  :wink:

Vor ein paar Tagen habe ich mir die CDs "Winnetou unter Comedy-Geiern" zugelegt. Das passt ja klasse zu eurem Urlaubsthema.  :D

Ich komme jedenfalls gerne mit und habe schon darüber gestaunt, wie römisch es in Kroation aussieht.

*NähkreisSteffi

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Hallo Kate,

nach Kroatien würde ich auch gerne mal wieder fahren. Das letzte Mal waren wir 1990 dort.  Bin gespannt, was sich so alles verändert hat.

Viele Grüße

Steffi

*Doreen & Andreas

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Oh, der erste Tag bietet doch schon einige interessante Einblicke.
Da komme ich doch gern mit auf die Tour... ganz sicher wird das ein Reiseziel für uns in den nächsten Jahren.
Viele Grüße,
Andreas
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*wolli

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Hallo zusammen,

da ich mich eigentlich auch als einigermaßen "Kroatienkenner" fühle, möchte ich auch mal hierzu etwas beitragen.
Ich war bereits 10x in HR, angefangen hat alles 1978, dann gings häufiger mit dem Motorrad dorthin und in den letzten Jahren alle 2-3 Jahre mit dem Auto. Die Küstenregion ist mir bekannt von Rijeka bis Dubrovnik. Überall war und ist es immer noch sehr schön, aber besonders ab Mitteldalmatien ab Split und weiter südlich ist traumhaft schön. Mir gefallen die Regionen Omis, Makarska, Halbinsel Peljesac und die Insel Korcula am besten und natürlich nicht zu vergessen die Perle der Adria: Dubrovnik. Kroatien undnatürlich besonders die Küstenregion und die vielen,vielen Inseln bieten eine sehr große Abwechselung, mehr als man in einem Urlaub sehen kann. Die wunderschönen Nationalparks, allen voran Plitvice, danach Krka, das Klettergebiet Paklenica, die unter Unesco Schutz stehenden Städte, wie Trogir und Dubrovnik - Kroatien ist für uns absolut die 1. Wahl für einen Urlaub am Mittelmeer, auch wenn die Preispolitik nicht mehr dem entspricht was Kroatienurlauber noch aus der sozialistischen Zeit kennen, aber immer noch ein realtiv günstiges Reiseland ist.

*Kauschthaus

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Hallo Kate,

klasse, ich habe bisher nur von Badeurlaubern von Kroation berichtet bekommen, das fand ich weniger spannend.

Deshalb freue ich mich riesig auf den Bericht von einem Outdoor Fan.

Viele Grüße, Petra
Wenn DAS die Lösung ist, dann will ich mein Problem zurück!

*Easy Going

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ich habe bisher nur von Badeurlaubern von Kroation berichtet bekommen,
Kroatien ist eines der landschaftlich schönsten Länder Europas - da ist es mehr als schade, wenn man sich mit Badeurlaub begnügt.
Lese gespannt mit und freu mich vor allem auf Bilder und Bericht aus Plitvice - ist einfach wunderbar dort.
Gruß Easy


You never gonna fly, if you're afraid to fall

*Canyoncrawler

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Hallo zusammen,

so viele Mitfahrer, da freue ich mich riesig. Willkommen.  :D

Hier kommt der nächste Tagesbericht.


Gruss Kate
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Tag 3 (Montag)
Stadtbummel in Porec & Limski Kanal

Die Aussicht auf unserem Zeltplatz ist heute Morgen zwiespältig: im Süden blinzelt die Sonne zwischen einigen Wolken, im Norden türmen sich graue Wolkenberge, dazu weht ein recht frisches Lüftchen. Gestern in Pula war es zwar überwiegend bedeckt und wolkenverhangen, aber trocken. Heute droht Regen, das Wetter das auf Wetter.com angekündigt war und uns dazu veranlasst hat, den Ablauf unserer Reiseroute umzudrehen und die "schlechteren" Tage in Istrien in den Städten auszubummeln. Unser heutiges Ziel ist Porec.

Klick Karte

Nach Frühstück und Dusche schlüpfen wir in die langen Jeans, kramen die Regenjacken aus den Rucksäcken und den Schirm aus der Dachbox. :(
Dann sind wir startklar und sortieren uns an der Kreuzung bei Fazana auf der Landstrasse  in Richtung Rovinj ein und fahren durch das duftende Grün der üppigen Vegetation. Wir nehmen einen Teilabschnitt der Jadranska Magistrala, der viel gerühmten Küstenstrasse die von der slowenischen Grenze nahe Triest/Italien bis nach Montenegro führt. In Istrien schneidet die Panoramastrasse gleich 2x durch die Halbinsel, wir fahren heute den westlichen Teil, der küstenfern aber mit schönen Aussichten durch das eher dünn besiedelte Hinterland von Istrien verläuft.

Bei Vodnjan holt uns die dunkle Wolkenfront ein und die Wassermassen prasseln auf das Auto herab, schliessen uns kurrzeitig ein und betäuben damit den aromatischen Duft der Macchia. Nach ein paar Minuten lässt der Regen nach, es hellt auf und wir kurbeln die Scheiben herunter um wieder die Fahrt auf der recht schmalen und teils kurvigen Touristenstrasse Jadranksa Magistrale zu geniessen. Die Vögel stimmen ein, die Strasse dampft und wir schwingen uns in guter Stimmung die wenigen Serpentinen hinauf die die Jadranska Magistrale im Verlauf beim Limski Kanal nimmt. Das satte Grün wird hier von bleichen Bergen und tiefen Schluchten unterbrochen und geben uns einen Vorgeschmack auf die wilden Landschaften Kroatiens, die uns weiter im Süden des Landes erwarten.

Den Limski Kanal heben wir uns für die Rückfahrt auf und biegen beim kleinen Weiler Baderna auf die Strasse 302 nach Porec ab, halten uns Richtung Centar (Zentrum) und werden beinahe automatisch auf einen der Großparkplätze in Altstadtnähe geleitet. Als wir aussteigen tröpfelt es und durch die hohe Luftfeuchtigkeit beschlagen direkt unsere Brillen. Auf den Regenschirm haben wir keine Lust und ziehen uns stattdessen die Regenjacken an und die Kapuzen über. Andere Touristen die zeitgleich mit uns auf dem Parkplatz angekommen sind, schützen sich ähnlich vor dem Regen und so nimmt schon bald eine kapuzentragende Gruppe Touristen in funktioneller Reisebekleidung überwiegend deutscher Nationalität und gut gekleidete, mit Regenschirmen ausgestattete Italiener Kurs auf die Hafenpromenade und die Altstadt.

Frank versucht sich daran, anhand der Kleidung die Nationalitäten zu erraten und da viele Wind- und Wetterschutzjacken unübersehbar das Tatzenlogo ziert, fühlen wir uns gleich wie beim Stadtbummel in einer bayrischen oder schwäbischen Kleinstadt.   :lol:  Allenthalben schnappen wir schwäbische und bayrische Wortfetzen auf, ganze Familien, aber auch Jugendgruppen, Paare und viele Ruheständler bummeln durch Porec - der Pauschaltourismus und die Pfingstferien haben uns eingeholt. Aber das hört sich schlimmer an, als es tatsächlich ist, trotz des regen Betriebes hält Porec was der Reiseführer verspricht: eine der Perlen der Adria, mit perfekt restaurierter Altstadt. Und mit ein wenig Geduld kann man sogar fotographieren ohne Menschentrauben auf den Bildern. (Bevor es zu Mißverständnissen kommt: das >klingt schlimmer als es ist< bezieht sich nicht auf Schwaben, Bayern, Deutsche, Familien, Rentner, Jugendliche oder Pauschaltouristen, sondern einzig auf die grosse Besucherzahl in den Altstadtgassen).

Wir lassen uns treiben, wollen u.a. die Euphrasius Basilika besichtigen, die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit von Porec. In einer der schmalen Altstadtgässchen stossen wir auf das prächtig verzierte Eingangsportal der Kathedrale. Seit 1997 zählt die Basilika zum Unesco-Weltkulturerbe. Anders als gestern in Pula, wo fast alle Kirchen verschlossen waren, ist die Basilika geöffnet und für die Besichtigung von Hauptschiff, Altarraum und der Seitenschiffe wird kein Eintritt verlangt (u.a. das zugehörige Museum und der Aufstieg zum Glockenturm sind kostenpflichtig) und was den Fotographen freut: Fotographieren (auch mit Blitz) erlaubt! Von der einstigen Pracht des Gotteshauses zeugen noch immer die aufwendigen Einlegearbeiten, Mosaike und reichlichen Verzierungen.


(Fotocollage Basilika)

Nach der Besichtigung bummeln wir weiter durch die Altstadtgässchen, der Regen hat aufgehört, die Sonne kommt raus und wir lassen uns in einem der zahlreichen Touristenlokale nieder und bestellen uns eine Mixed Grill Platte für 2 Personen: Frisch gegrillte Cevapcici (Hackfleischröllchen), Rasnici (Fleischspiesse) und Lammkotelett auf einem Gemüsebett mit Kartoffeln. Für 120 Kuna (ca. 17 Euro) für 2 incl. Beilagen geniessen wir ein schmackhaftes und preiswertes Mal. Die Speisekarte ist mehrsprachig, die Kellner auch und in bester Stimmung, das Essen wird superschnell serviert und schmeckt ausgezeichnet. In Kroatien lässt sich gut urlauben.  :)


(Fotocollage Porec Altstadt)

Nach dem Essen sortieren wir uns in Richtung Hafen und bummeln die Hafenpromenade entlang, durch den Yachthafen, setzen uns auf eine der vielen Bänke am Meer und lassen die Seele baumeln.


(Fotocollage Hafenpromenade)

Auf dem Rückweg vom Hafen zum Auto, nehmen wir erneut den Weg durch die Altstadt und entdecken dabei ein paar Fleckchen in Seitenstrassen die wir noch nicht gesehen haben, einschl. eines Durchlasses in der Stadtmauer und laufen auf einem guten Weg zwischen Stadtmauer und Meer zurück zum Parkplatz.

Mit dem Wagen sortieren wir uns auf die Küstenstrasse in Richtung Zelena Laguna/ Funtana ein und bei Vrsar wieder ins Landesinnere, da die Fjordbucht des Limski Kanals die Weiterfahrt entlang der Küste unterbindet. Über den bereits bekannten Streckenabschnitt der Jadranska Magistrale schrauben wir uns erneut in die Höhe, erblicken die smaragdgrüne Bucht des Limski Kanal und stoppen für ein paar Fotos und biegen im Verlauf zum Limski Kanal ab.



Aber ehrlich gesagt reisst uns dieser vielgespriesene Meereskanal nicht vom Hocker, Austern die hier vorzüglich munden sollen, Essen wir nicht und ansonsten ist es eine von Verkaufsständen gesäumte Touristenmeile. Wir werden auch gleich angsprochen, mit dem Boot den Limski Kanal zu befahren und dabei die Winnetou-Höhle zu besichtigen. Wir lehnen dankend ab, auf Winnetous Spuren werden wir später im Land noch ausführlich wandeln und fahren ziemlich bald weiter mit dem Fazit, dass man stoppen kann, wenn man vorbei kommt, aber extra hinfahren, muss man sicherlich nicht.

Zurück auf dem Campingplatz bei Pula, schnappen wir uns erneut unsere Klappstühle und lassen den Tag am Meer ausklingen, indem wir unsere Weinflasche im Kies verbuddeln und die sanft anschlagende Meeresbrandung als natürlichen Weinkühler nutzen. Auch wenn die Kroaten seit der Römerzeit auf eine lange Weinbautradition zurückblicken können, mundet uns auch die 2. krotische Rebensorte, ein Grasevina nicht und schmeckt ähnlich trocken und säuerlich wie der gestrige Malvazija. Aber wir haben noch Hoffnung, denn die kroatischen Weinbauern kennen auch die liebliche Moscattraube - und die nicht nur als Desertwein. ;)
Gruss Kate
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Tag 4 (Dienstag)
Fahrt über die Küstenstrasse Jadranska Magistrale zur Insel Krk

An diesem Morgen sind wir schnell mit dem Frühstück, schnell beim Zeltabbau und Starten Richtung Insel Krk. Wir befahren heute den östlichen Schenkel der Jadranska Magistrala, jene Panoramastrasse an der Küste entlang. Doch bevor wir Pula endgültig verlassen, stoppen wir noch bei einem der grossen Supermärkten vor den Toren der Stadt. Mit schnell ist hier nichts, nach 40 Minuten haben wir Mühe den Inhalt des gut gefüllten Einkaufswagens in der, für All die Leckereien, zu kleinen Elektrokühlbox und im voll beladenen Auto zu verstauen. Irgendwann ist das aber auch geschafft und wir befahren die Panoramastrasse, die lustigerweise die Strassen Nummer 66 trägt. Reizvoll wie die berühmte Strasse in den USA ist die 66 auf Istrien auch, verläuft zunächst mehr im Inselinneren bevor sie sich hinter Labin schliesslich ans Meer durchwindet und immer wieder spektakuläre Ausblicke auf das türkisblaue Meer bietet und auf die Insel Cres.

Das Auto fährt, der Fotoapparat bleibt leider in der Tasche, eine schlimme Unterlassungssünde, denn die Strasse ist superschön. :(
In Istrien unterlassen wir es auch den Ucka Naturpark zu besuchen - ein Ziel für eine erneute Reise, genau wie die Karstphänomene und Schluchten bei Pazin im Zentrum von Istrien. Die interessanten Wanderziele in Istrien und im nördlichen Teil Kroatiens (Risnjak NP, Bijele Stijene) sprengen leider unser diesjähriges Zeitbudget von 14 Tagen bei Weitem, daher gilt: Wir kommen wieder. :)

In einem der kleinen Dörfer stoppen wir für ein Lunch aus den Vorräten und blicken dabei auf einen türkisfarbenen Meereseinschnitt, der an den Limski Kanal erinnert. Doch beim Fotographieren habe ich ein bißchen geschummelt und den Industriehafen unterschlagen, der etwa 1/2 km buchteinwärts liegt.



Nach dem leckeren Mahl nehmen wir wieder Fahrt auf und erblicken in der Ferne schon bald die Skyline von Rijeka, dem nördlichen Zentrum der Kvarner Bucht. Immer am Meer entlang folgen wir der Route 66, werden in Rijeka wegen eines Wasserrohrbruches umgeleitet, was uns ein paar Nerven kostet, da unser Navi leider kein vollständiges Kartenwerk von Kroatien hat sondern nur die Hauptverkehrswege. Doch irgendwann sind wir wieder auf der Küstenstrasse, die jetzt die Strassennummer 8 trägt. Über Kostrena und Bakar erreichen wir schliesslich die mautpflichtige Brücke bei Kraljevica, die die Insel Krk mit dem Festland verbindet.

klick Karte

Im Reiseführer wird die Bucht von Baska als eine der schönsten Buchten der Kvarner Region betitelt und wir haben uns als Basislager für den dortigen Campingplatz Zablace entschieden. Viel Auswahl an Campingplätzen haben wir auch nicht, am anderen Ende des Ortes Baska liegt noch ein FKK-Camp.  :neinnein:

Die Insel Krk, die von der Festlandseite so kahl und abweisend wirkt, besticht durch eine üppige Vegetation und wir nähern uns dem gebirgigen, südlichen Teil der Insel. Nachdem die Strasse sich in Richtung Punat und Inselhauptstadt Krk in die Strasse Nr. 104 geteilt hat, bleiben wir weiter auf der 102 und fahren durch eine ansprechende Landschaft aus bleichen Bergen die aus üppig grüner Vegetation ragen. Unsere Konversation besteht praktisch nur noch aus Begeisterungsrufen, als wir Draga Bascanska hinter uns gelassen haben und von einem Aussichtspunkt auf die Bucht von Baska schauen.

Der Campingplatz tut ein Weiteres dazu, dass wir mit der Wahl Baska's sehr zufrieden sind. Nachdem wir uns nach längeren Überlegungen endlich für einen Stellplatz im unparzellierten Teil des Camps entschieden haben (wir bleiben ja mind. 2 Nächte, da will die Wahl wohlüberlegt sein.  :wink: ), und auch ausdiskutiert haben, ob wir das grosse Campingzelt oder nur unser kleines Trekkingzelt aufstellen, steht alsbald unser Nordisk Campingzelt. Die Aussicht von unserem Stellplatz ist sensationell, der von einer Strasse vom Meer getrennte Teil des Campingplatzes ist wenig besucht, ist aber beinahe rundherum von bleichen Kalksteinfelsen eingerahmt, eine absolut sehenswerte Szenerie an der wir uns nicht satt sehen können.


(Fotocollage Autocamp Zablace)

Neugierig aufs Meer, reissen wir uns vom Anblick der Berge los, überqueren den Platz, die schmale Strasse die zu einer Feriensiedlung führt und kommen auf dem meeresnahen Teil des Camp Zablace an. Dieser Teil ist ziemlich voll belegt, Wohnwagen, Zelte und Campmobile stehen eng beieinander und wir sind froh, dass wir uns für den zu dieser Zeit, ruhigeren hinteren Platzteil entschieden haben.

Der Strandabschnitt der Bucht von Baska ist mehr als 1,5 km lang und über die von zahlreichen Lokalen und Verkaufsständen gesäumte Fussgängerpromenade gelangt man bis zum Zentrum von Baska. Doch uns hat es zunächst mal das Meer angetan, es ist die Zeit der Golden Hour, das Meer und die Bucht wird in schmeichelndes Licht getaucht, bloss gut dass ich die Kamera mit habe.


(Fotocollage Strand Bucht von Baska)

Der Strandabschnitt gefällt uns sehr gut, auch wenn es hier tagsüber bestimmt ziemlich voll wird.

Zurück am Stellplatz werfen wir den Grill an und brutzeln uns Cevapcici und essen dazu Weissbrot und frischen Salat. Statt Wein gibt es heute kroatisches Bier - Karlovacko. Nach dem wohlschmeckenden Dinner bummeln wir noch in Richtung Baska, schlecken ein Eis an den (gefühlt) 100 Eisverkaufsständen und lassen den Tag so langsam ausklingen. Rundum zufrieden mit unserer Wahl für die Insel Krk kriechen wir in die Schlafsäcke und freuen uns auf die Zeit zwischen den bleichen Bergen am Meer.
Gruss Kate
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So, ich konnte mich gerade von meinem neuerworbenen Rucksack losreißen und bin euch wieder auf den Fersen.  :wink:

Ich muss ehrlich zugeben: Mit Kroatien habe ich bisher wenig verbinden können und kenne eigentlich niemanden, der schon mal dort war. Jetzt merke ich, was es dort so alles zu entdecken und zu sehen gibt.

Euer neues Basislager hätte mir auch gefallen. Klasse, in so einer Kulisse morgens aufzuwachen und abends den Tag ausklingen zu lassen.

*Canyoncrawler

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Tag 5 (Mittwoch)
Insel Krk

Heute sind wir sehr früh wach. Frank steigt schon um kurz nach 6.00 Uhr aus dem Schlafsack und geht mal schauen ob der Bäcker um die Ecke schon auf hat. ;)
Hat er, aber die Dame im Verkaufsstand schaut ziemlich verdutzt wegen der frühen Kundschaft. Die Croissants sind noch nicht fertig und der Bäcker kommt ganz hektisch aus der Backstube und vertröstet Frank um 5 Minuten.

Frank ist dann tatsächlich kurz vor halb Sieben mit den noch heissen Croissants zurück auf dem Platz. Und wenn die Backwaren schon mal da sind, können wir auch gleich das Kaffeewasser auf den Gaskocher aufsetzen. Das übernimmt Frank - denn ich scheppere ihm zu viel beim hantieren mit dem Campinggeschirr - besonders dann wenn die Platznachbarn allesamt noch schlafen.  :)

Im Urlaub so früh unterwegs, wir sind eindeutig nicht ausgelastet. ;)

Altstadtbummel hin und her, wir lechzen nach anspruchsvollerem Terrain und Naturerlebnis, Zeit endlich mit den Wanderungen des Urlaubs zu beginnen. Im Rother Wanderführer lacht uns die Wanderung #25 an, in 5 1/4 Stunden one-way von Punat nach Baska, retour mit dem Bus. Diese Wanderung ist auch ein Tipp in unserem Kroatien Reiseführer. Kostenlose topographische Wanderkarten zur Tour gibt's bei den Touristinformationen in Baska und Punat. Diese Karten wollen wir uns heute für Morgen besorgen. Und wenn wir heute in Punat sind, ein wenig Sightseeing anschliessen und u.a. der Inselhauptstadt Krk einen Besuch abstatten.

Schnell unter die Dusche und auf zur Touristinformation in Baska, die öffnet um 8.30 Uhr und bis dahin vertreten uns ein wenig die Beine an der Uferpromenade die um diese Uhrzeit noch etwas leblos wirkt, einzig die Konoba hat bereits die ersten Gäste. Gegen 9.00 Uhr sind wir mit der Wanderkarte von Baska und Umgebung unterwegs in Richtung Punat, ein Dorf mit grossem Yachthafen aber ansonsten ohne nennenswerte Highlights.

Die erste Touristinfo hat die Karte vorrätig (es gibt mehrere Informationsbüros in den Touristenorten, manche wohl kommunal, andere wohl privat. Aber ehrlich gesagt haben wir da nicht durchgeblickt. Es ist jedenfalls in jedem Touristenort eine Information in der Nähe) und liegt praktischerweise in der Nähe des Hafens und der Uferpromenade und in der Nähe die Bushaltestelle die wir für die Rückfahrt nach der Wanderung benötigen. Dem Fahrplan entnehmen wir die wenigen täglichen Verbindungen zwischen Punat und Baska, sodass wir beschliessen die Wanderung Morgen entgegen der Beschreibung zu laufen: Morgens früh mit dem Bus von Baska nach Punat - dann sind wir unabhängig vom Fahrplan - und von Punat über die kahlen Kalksteinbergketten zurück nach Baska wandern. Nachdem das alles geklärt ist, machen wir uns auf zur Inselhauptstadt Krk, die mit einer schönen Altstadt aufwarten soll.

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Bereits bei der Anfahrt Richtung Zentrum werfen wir einen ersten Blick auf die wehrhafte Stadtbefestigung über deren Mauern sich der Kirchturm der Marienkathedrale erhebt. In der Nähe des Hafens parken wir unseren Wagen und schlendern in Richtung Hafen.


(Fotocollage Krk Hafen & Altstadt)

Die Highlights der malerischen Altstadt sind die Kathedrale Maria Verkündigung, an die sich unmittelbar die Qurinus-Basilika, der Bischofspalast und das Frankopanenkastell anschliesst.


(Fotocollage Basilika, Kathedrale & Castell)

Aufgrund der sich wiederholenden Altstadtbummel der letzten Tage, sind wir heute leider kulturmüde geworden. Nachdem einige Fotos der Bauwerke im Kasten sind, lassen wir uns in einem der schön gelegenen Lokale zu Eis und Cappuccino nieder und beratschlagen, was wir mit dem angebrochenen Tag anfangen.

Wir entscheiden uns für einen kurzen Abstecher ins Weindorf Vrbnik und die Rückkehr nach Baska, wo wir am Nachmittag schon mal die Wanderschuhe schnüren und über den "Weg zum Mond" aufs "Mondplateau" und Sveti Ivan hinaufwandern wollen wo man einen prima Ausblick über die Bucht und die Insel haben soll.

Bereits bei der Anfahrt nach Vrbnik, bemerken wir die drohenden dunklen Wolken über dem Südteil der Insel Krk. Und tatsächlich, in Vrbnik öffnet der Himmel seine Schleusen, gerade als wir aussteigen wollen. :(  Mit Regenschirm fällt der Rundgang durch Vrbnik ziemlich kurz aus und wir machen uns alsbald auf den Rückweg nach Baska.


(Fotocollage: Vrbnik Kirche und Altstadtgasse/ Bilder vom Vortag bzw. vom nächsten Tag: Aussicht auf die Bucht von Baska und auf die Karstberge von einem Aussichtspunkt bei Draga Bascanska, Denkmal Glagolitische Schrift, Strand von Baska)

Zurück auf dem Zeltplatz, hoffen wir auf Wetterbesserung, sitzen im Vorzelt und sehen zu, wie sich langsam wegen der beim Aufbau schlampig verlegten Schutzplanen Wasser auf deren Ränder sammelt und ins Vorzelt geleitet wird. Alsbald haben wir richtige Pfützen im Vorzelt. Bloss gut, dass wir Ausrüstung und Vorräte in Plastikboxen verstaut haben.

Als der Regen kurz nachlässt, nutzen wir die Gelegenheit, das Wasser aus dem Vorzelt zu kehren und die Bodenplanen an den unter dem Zelt hervorlugenden Stellen so zu falten, dass sie unter dem Zelt verschwinden. Der Regen wird wieder stärker aber jetzt läuft kein Wasser mehr hinein.

Anstatt  beim Wandern auf dem "Mondplateau", verbringen wir den Nachmittag abwechselnd in Schlafkabine, Vorzelt und Auto. Nach dem verregneten Nachmittag beschliessen wir, uns was Gutes zum Abendessen zu gönnen und wollen eines der netten Lokale aufsuchen, an denen wir Gestern Abend vorbeigebummelt sind.

Gegen 19.00 Uhr springen wir nochmals kurz unter die Dusche und machen uns Ausgehfertig. Anschliessend laufen wir mit langärmeliger Kleidung (es ist ziemlich frisch) und Regenschirm die Strandpromenade entlang und entscheiden uns für ein ansprechendes Grillrestaurant mit schöner Bestuhlung und wind-/regengeschütztem Aussenbereich.

Zur Grillspiessplatte mit Cevapcici bestellen wir uns dieses Mal Pommes und einen Beilagensalat. Das Fleisch schmeckt hervorragend, der Salat ist reichlich und das Essen wird schnell serviert. Einschl. Getränken (Spezi & Sprite) und Nachtisch (Palatschinken) begleichen wir anschliessend eine moderate Rechnung über 253 Kuna (ca. 35 Euro).

Jetzt am Abend hat der Regen so weit nachgelassen, dass wir den Schirm schliessen können und durch die nett beleuchtete Strandpromenade und durch die heimeligen Altstadtgässchen bummeln. Nach einem Radler als Absacker in einem der Altstadtlokale schlendern wir schliesslich nach Mitternacht zurück zum Zeltplatz.
Gruss Kate
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2000-09: 7xUSA West & Kanada
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Tag 6 (Donnerstag)
Flucht von der Insel Krk - Küstenstrasse durch den Velebit - Starigrad Paklenica

In der Nacht plätschert nochmal ordentlich Regen auf unser Zelt und am Morgen stehen grosse Pfützen auf dem Campingplatz, dazu bahnt sich aus Richtung Stara Baska über die Berge erneut Regen an. Ich richte das Frühstück und Frank besorgt in der Rezeption den Zugangscode fürs W-Lan-Netz des Platzes. Mit unserem Netbook loggen wir uns ins Internet ein und rufen die Wettervorhersage ab.

Die Gesichter werden lang und länger: Heute und Morgen noch Regenschauer auf der Insel Krk. :(
Keine Guten Aussichten für die geplante Wanderung, zumal in der einschlägigen Wanderliteratur ausdrücklich vor dem bei Nässe rutschigem Kalkstein gewarnt wird. :(
Wir überlegen, eine kürzere, weniger anspruchsvolle Tour rund um Baska zu Laufen, aber die Kombination von Regen und glitschigem Kalkstein so kurz nach meiner Radiusköpfchenfraktur ist ziemlich suboptimal, ein erneuter Sturz auf den noch nicht stabil verheilten Bruch und der Urlaub wäre wahrscheinlich gelaufen.

Wir checken das Wetter für unser nächstes Ziel: Paklenica Nationalpark. Für Starigrad Paklenica müssen wir heute noch mit wenig Niederschlag rechnen, ab Morgen setzt sich dort nach und nach die Sonne durch, Samstag, Sonntag, Montag sonniges und heisses Wetter. :)

Die Entscheidung ist gefallen, nach dem Frühstück bauen wir ab und fahren weiter nach Starigrad. Zelt ausräumen, Matten und Schlafsäcke einrollen. Lebensmittel- und Ausrüstungskiste ins Auto, zuletzt verschwindet ein noch nasses Zelt in blaue Müllsäcke verpackt im Auto und wir unter der Dusche.

Anschliessend noch die Rechnung an der Rezeption begleichen, Verpflegung für Unterwegs einkaufen und dann der Abschied von den Karstbergen von Krk. Über die bleichen Bergrücken wären wir gerne gewandert, aber heute nicht. Somit haben wir unser 1. Ziel für den nächsten Kroatienurlaub: Baska.

Ein letzter Blick auf die phantastische Szenerie auf dem wunderschön gelegenen Campingplatz und wir nehmen Fahrt auf. Wir stoppen erneut an dem Aussichtspunkt hinter Draga Bascanska. Die Aussicht ist etwas wolkenverhangen, aber reicht, flankiert von den liebgewonnenen Karstbergen, bis zur Meeresbucht und den vorgelagerten Inseln. Der glagolithische Buchstabe A steht dort wie eine überdimensionale Gabel und erinnert uns an unsere leckere Verpflegung. An einem Pizzastand haben wir uns Pizzaviertel gekauft, die verzehren wir jetzt, auf einem grossen Felsbrocken sitzend und geniessen die Aussicht.


(Fotocollage: Aussichtspunkt)

Wir verlassen die Insel Krk über die Brücke (beim Verlassen wird kein Maut erhoben) und biegen erneut auf die Jadranska Magistrala ein, die als Strasse #8 mit schönem Verlauf der Küstenlinie folgt. Bei Senj erreichen wir die nördlichen Ausläufer des schroffen Velebit-Gebirges. Mit 145 km Länge ist dieses Küstengebirge das längste Gebirge der Dinariden (Dinarische Faltengebirge auf der Balkanhalbinsel) mit einer Breite zwischen 10 und 30 km und Gipfelhöhen bis zu 1757 m und einer Fläche von 2200 km² bildet es eine Wetterscheide zwischen Mittelmeerklima und Gebirgsklima im Landesinneren (Fakten aus der Wikipedia).

klick Karte

Im gesamten Verlauf des Velebitmassivs wurden Natur- und Nationalparks eingerichtet. Das jüngste Schutzgebiet, Nationalpark Nördlicher Velebit, wurde 1999 unter besonderen Schutz gestellt. 1949 bereits wurde der südliche Teil zum Nationalpark Paklenica erhoben. Der Naturpark Velebit (zwischen den beiden Nationalparks) ist seit 1981 geschützt.

Neben vielfältigen Karstphänomenen wie tiefen Schluchten, schroffen Berggraten, steilen Felsnadeln und zahlreichen Höhlen ist die besondere Tierwelt ein weiteres Highlight im Naturraum Velebit. Braunbären,  Wölfe, Luchse, Adler, Geier u.v.m. zählen zu den Bewohnern.  

Leider war der Velebit zu Zeiten des Kroatienkrieges heftig umkämpft und es wurden weitflächig Minenfelder angelegt die bis zum heutigen Tag noch nicht alle geräumt sind. Der Nationalpark Paklenica ist bis auf die relativ abgelegenen Gebiete des Velebit-Hauptkammes minenfrei, sodass man hier nach Herzenslust umherstreifen kann. Im nördlichen Velebit und im Naturpark sind viele Wanderwege angelegt markiert, darunter der Fernwanderweg Premužiceva staza, auch hier findet man ebenfalls ein vielfältiges Wanderrevier.

Doch das auswärtige Amt warnt nach wie vor vor Minen im Bereich des Velebits bei Senj, Karlobag und Zadar, um die Stadt Gospic in Zentralkroatien und entlang der Grenze zu Bosnien-Herzegowina und in den Landesteilen Slawonien wo noch ganze Dörfer in Trümmern liegen sollen.

Die Minenfelder sollen inzwischen alle durch Hinweisschilder bzw. Absperrungen markiert sein. Trotzdem sollte man noch immer in einigen Teilen der ehemals umkämpften Gebiete die Wege nicht verlassen und sich von Trümmergrundstücken fern halten. Das klingt ziemlich beunruhigend und in der Tat stossen wir bei Senj zum 1. Mal auf die Spuren der Balkankriege. In der Stadt und entlang der Küstenlinie liegen vereinzelt verlassene und zerstörte Häuser. Insgesamt hat man die Dörfer entlang der Küste jedoch sehr nett wieder hergerichtet und die Kriegsspuren weitestgehend beseitigt.

Der atemberaubende Verlauf der Küstenstrasse durch die zerklüfteten Ausläufer des Velebits trägt weiter dazu bei, dass wir die Gedanken an Krieg und Zerstörung alsbald verdrängen und uns an den Schönheiten des Landes erfreuen.

Mit kurvigem Auf und Ab nähern wir uns Karlobag und haben dabei einen tollen Ausblick auf die vorgelagerte Insel Pag, die sich von der den Fallwinden (der Bora) ausgesetzen Meeresseite kahl und abweisend zeigt. Dazu der bewaldete Gebirgszug des Velebits der dort, wo die Ausläufer zu schroff und steil werden, seine blanken, hellgrauen Felsflanken zeigt. Im Übergang zum bewaldeten Teil zeigt er sich wie ein Raubtierfell mit vielen Punkten und Tupfen. Wir sind ziemlich begeistert und stoppen unterwegs immer mal wieder für ein paar Fotos und um die Aussicht zu geniessen. Kleine Dörfer und Städtchen und einzelne Weiler die nicht mehr sind als die Ansammlung einzelner Häuser, schmiegen sich an die Küstenlinie, locken mit feinen Kiesstränden oder abfallender Steilküste und Bootsanlegestellen. Insgesamt ist die Küstenregion der Kvarner Bucht ab Crikvenica und noch mehr zwischen Senj und  Starigrad dünn besiedelt und angenehm ursprünglich und unverbaut.


(Fotocollage: Küstenstrasse im Verlauf des Velebit)

Gegen 16.00 Uhr erreichen wir Starigrad Paklenica. Die kurvige Fahrt und die schönen Aussichten haben doch ziemlich Zeit gekostet. In Starigrad gibt es verschiedene Campingplätze. Am Ortsausgang, ganz in der Nähe der Paklenica Schlucht liegt das Autocamp Paklenica, das wir zunächst ansteuern. Die Rezeption öffnet erst um 17.00 Uhr wieder, wir besichtigen derweil den Platz, der sehr gut besucht ist.

Der Campingplatz der Nationalparkverwaltung liegt direkt nebendran am gleichen Strandabschnitt wie das Autocamp Paklenica und ist voll belegt. Daher schauen wir uns als Alternative zum Autocamp Paklenica noch einen weiteren Platz am nördlichen Ortseingang an, der aber parzellierte Stellplätze hat und dazu einen betonierten Strand. Zurück zum Autocamp Paklenica. Der Campingplatz gehört zum Bluesun Hotel Alan und Campingplatzbesucher dürfen die Einrichtungen des Hotels mitbenutzen. Noch kein Argument? Das Hotel steht schon ziemlich lange dort und in den 60er Jahren wohnte die Filmcrew der Karl-May-Filme dort.  8)

Die Rezeption ist inzwischen geöffnet, wir haben freie Stellplatzwahl und entscheiden uns für einen schönen Platz unter Kiefern gelegen. Vor dem Aufbau legen wir Zelt und Bodenplanen zum Trocknen in die Sonne und setzen uns an den Strand um mal zu schauen, welche Aussicht Winnetou und Old Shatterhand in den 60ern so aufs Meer hatten. ;)

Wir bauen anschl. das Campingzelt auf, richten uns für die nächsten Tage häuslich ein und Kochen uns ein Essen aus den Vorräten. Zur Feier des Tages köpfen wir endlich eine Flasche Wein die uns schmeckt: lieblicher Muskat Zuti.

Untermalt wird der Abend vor dem Zelt mit Live Musik. Bis wir herausgefunden haben, woher die Musik rührt, sind wir zu müde um uns noch ausgehfertig zu machen und verkriechen uns stattdessen in die Schlafsäcke und lassen uns von Countryklängen in den Schlaf wiegen. Schade, das hätten wir mal früher wissen sollen, dass im Rahmen der "Winnetou-Woche" im Hotel Alan ein Country-Abend ansteht. Wir wären mit unseren Cowboyhüten hingegangen.  :grins:  
Gruss Kate
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*Easy Going

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Das Hotel steht schon ziemlich lange dort und in den 60er Jahren wohnte die Filmcrew der Karl-May-Filme dort.  8)

Du kennst nicht zufällig dieses Buch ? :wink:
Gruß Easy


You never gonna fly, if you're afraid to fall

 

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