Jenseits von Miami: Florida mit dem Wohnmobil im Februar/März 2015

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*ireula

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Liebe USA-Freunde,

unsere Silberhochzeitsreise 2015 sollte in die Vereinigten Staaten führen – dieser Plan stand schon lange fest. Aber rund um den 2. März ist es bekanntlich nicht überall sonnig und warm. Also lassen wir die geliebten roten Steine links liegen und entscheiden uns für Florida – mit etwas gemischten Gefühlen, weil wir es allzu touristisch nicht mögen.

Zweite Entscheidung: Wir fahren mit dem Wohnmobil – wohl nicht die gängige Reiseart im Sunshine State. Bei unserem letzten USA-Trip Auf neun Rädern durch den Wilden Westen waren wir noch zu siebt, hatten ein großes Wohnmobil und einen Dodge Caravan mit. Nun  bleiben die – erwachsenen  – Kinder zu Hause, Irene und Dieter fahren allein im Womo durch die USA. Bedeutet das auch weniger Stress? Wir sind gespannt, auch darauf, nach 25 Jahren Neues zu entdecken.

Hier im Forum herrscht ja kein Mangel an Florida-Reiseberichten, wir fügen trotzdem noch einen dazu. Zum einen, weil es nur wenige Wohnmobilberichte gibt, zum anderen, weil wir im Norden relativ unbekannte Gegenden erkundet haben und auch zum Thema Radfahren etwas beitragen können. Vielleicht helfen unsere Erfahrungen dem einen oder anderen.






Zum Einstieg ein kleines Puzzle: der Nord- und Südteil unserer Route. Start und Ziel war Orlando, dazwischen ging es manchmal kreuz und quer.


*TGW712

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Da simma dabei! Steht definitiv auf unserer todo Liste für die Weihnachts- oder Osterferien wenn die Schulpflicht uns erreicht hat  :o

*Wilder Löwe

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Florida ist immer gut und mit dem WoMo bin ich da noch nicht mitgereist. Freue mich auf die Reise.
Viele Grüße
Katrin

*ireula

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Sonntag, 22. Februar 2015

Das ist Urlaub von Anfang an: Fast alles ist in Ruhe am Vortag gepackt, nach dem Frühstück starten wir aus unserem Heimatdorf um 8.30 Uhr zum Frankfurter Flughafen. Dort checken wir unsere beiden Koffer und den Gitarrenkoffer ein – macht 75 Euro extra. Um 13.40 Uhr ist Start. Die Lufthansa-Boeing 747-400 ist voll. Wir sitzen hinten auf 54 H und J, haben also keinen dritten neben uns, wie gebucht. Diesmal noch ohne Sitzplatz-Buchungsgebühr.

Der Flug ist elend lang, die zehn Stunden ziehen sich. Das Essen – na ja. Irene hat diesmal clever sein wollen und ein special meal bestellt: Vegetarisch. Der Vorteil ist, dass man special meals als erste bekommt. Allerdings hatte die Reisebürofrau statt eines vegetarischen ein veganes Mahl bestellt. Das hatte Irene zwar noch telefonisch bei Lufthansa korrigiert, aber serviert wurde eben doch – vegan. Nicht ganz: ein Päckchen Butter konnten sie sich zum Brötchen nicht verkneifen.
 

Anflug auf Orlando

Auch ein Economy-Flug geht mal vorbei, und um 6.30 pm sind wir in Orlando. Die Immigrationschlange ist nicht besonders langsam, obwohl wir fast als letzte kommen. Wir werden gefragt, ob wir die ESTA-Bescheinigung mithaben (haben wir) und wann wir das letzte Mal in den USA waren (2013). Daraufhin dürfen wir an die Immigration-Automaten. Klappt alles gut, bis Irene ihre Fingerabdrücke scannen lassen will. Wir sind warm angezogen (inklusive Thrombosestrümpfe), und schweißnasse Finger mag der Scanner nicht. Trotz Hilfe kriegt Irene es nicht hin, alle fünf Finger scannen zu lassen. Ausgerechnet der kleinste bereitet Probleme, und so werden wir schließlich doch zum Schalter gelotst. Dort funktioniert alles, wir sind durch. Dann noch Zoll und mit dem ganzen Gepäck ins Haupt-Flughafengebäude. Zum Glück sind es jetzt nur noch ein paar Schritte, denn wir übernachten im Hyatt Regency Airport Hotel. Das Hotel hat schon bessere Tage gesehen, aber das Bett ist gut, und die Lage unschlagbar für müde Flieger.


Hyatt Regency im Orlando Airport



*NähkreisSteffi

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Hallo ihr Beiden,

klar bin auch ich wieder dabei und freue mich auf eure Reise.

Die Nordecke steht bei uns auch irgendwann mal auf dem Plan.

Viele Grüße

Steffi

*paula2

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da fahre ich auch gern mit! Von Florida kenne ich erst einen kleinen Teil, bin gespannt was es sonst noch zu sehen gibt  :)

*Kirkesgaard

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oh, auf ein bisschen Sonne habe ich auch Lust, da reihe ich mich doch gleich in die Karawane ein und bin gespannt, was ihr so alles entdeckt habt ...

*usa2008

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Zitat
  und schweißnasse Finger mag der Scanner nicht. Trotz Hilfe kriegt Irene es nicht hin, alle fünf Finger scannen zu lassen. Ausgerechnet der kleinste bereitet Probleme,

Ging mir auch so, so übermüdet und in dicken Jacken, bekam ich meine Finger einfach nicht trocken  :oops:

*ireula

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Allen Mitreisenden ein herzliches Willkommen, wir machen dann mal los:


Montag, 23. Februar

Ein Tag nach dem Motto „und erstens kommt es anders …“ Ausgedacht hatten wir uns das so schön: Morgens nach dem Frühstück mit dem Taxi zur Roadbear-Station fahren (nur fünf Meilen vom Hotel entfernt) und dort als erste vor dem ganzen Rush ein schönes Wohnmobil abholen, dann einkaufen und entspannt nach St. Petersburg kutschieren. Geklappt hat das genau bis „fahren“.  Mit einer schicken Lincoln-Limousine (Roadbear holt wegen der vom Flughafen erhobenen Taxi- Gebühren nicht im Hyatt Regency ab) fahren wir samt Gepäck bei Roadbear vor – aber ein Wohnmobil für uns gibt es nicht. Es ist noch kein Auto startklar. Pickup-Time, so wird uns gesagt, ist zwischen 1 und 4 pm. Jetzt ist es 9 Uhr. Da hat auch das gemailte Formular für den VIP-Checkin nichts genutzt. Wir hätten besser vorher angerufen. Nun nehmen wir unseren Chauffeur noch einmal in Anspruch. Das Gepäck bleibt bei Roadbear, und wir lassen uns zum International Drive fahren, wo ein großes Outlet auf Shoppingwütige wartet. Das sind wir normalerweise nicht, aber wenn sich die Gelegenheit schon mal bietet …

Unterwegs unterhalten wir uns mit unserem Chauffeur und erzählen, dass diese Reise unsere Silberhochzeitsreise ist. Er gratuliert und berichtet, dass er vor einem Jahr zu seinem 20. wedding anniversary mit seiner Frau in Las Vegas war. Und es steht auch schon fest, wo sie in vier Jahren die Silberhochzeit feiern: auf Hawaii, immerhin ein Zehn-Stunden-Flug von Florida. Außerdem bringt er den Spruch des Tages. Als wir berichten, dass wir uns Fahrräder kaufen wollen, weil das wahrscheinlich günstiger ist als sie zu mieten, hat er eine knappe Meile lang Zweifel. Aber nach einigem Überlegen stimmt er zu: „I think you're right, I see your German brains working!“
Kurz vor 1 sitzen wir im Taxi und fahren zurück zu Roadbear. Jetzt sind wir wieder die einzigen Kunden in der Roadbear-Station. Allerdings hat es in der Zwischenzeit einen Ansturm gegeben, wie wir erfahren. Zwölf Autos wurden zurückgegeben. Das vergangene Wochenende war Daytona Race weekend, ein touristischer Höhepunkt in Florida.

Bei uns geht es schnell. Das Auto (Modell 2016) ist praktisch neu, 3364 Meilen auf dem Tacho. Wir brauchen keine große Einweisung, weil wir die RVs kennen. Übergabeprotokoll, den Fahrradträger montieren lassen, aus dem Austauschschrank ein paar nützliche Sachen (Gewürze, Nudeln, Kerze etc.) einpacken, und schon fahren wir vom Hof.


Zurück aus der Zukunft: Ein Wohnmobil Baujahr 2016 für die Tour 2015. Die USA bleiben eben das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, und Platz für Dieters Gitarre war auch noch.

Per Tomtom steuern wir einen Publix nach ungefähr 50 Meilen an. Knapp 200 Dollar lassen wir hier – der Laden ist wirklich teuer. Der Liter Milch für über 3 Dollar, luftgetrockneter Schinken 100 Gramm 8 Dollar, Gemüse und Obst teurer als bei uns im besten Supermarkt, obwohl man doch in Florida eigentlich an der Quelle sitzt.

Jetzt sind wir in der Rush Hour nach Westen gelandet, Stop and Go durch die Tampa Bay. Wir ahnen das Wasser rechts und links nur, denn dichter Nebel zieht über die Bay. Was öfter passiert, als wir gedacht hatten. Je weiter wir Richtung Fort de Soto Park kommen, desto weniger Verkehr haben wir. Mehrfach bleiben wir in der linken Spur, wenn eine Mautstelle kommt, denn wir haben den Sun Pass Transponder vorne an der Windschutzscheibe.  Roadbear hat 50 Dollar von uns kassiert, damit sind sämtliche Mautgebühren abgegolten, und wir haben freie Fahrt auf der left lane.

Dieter hat es gewusst: Wir schaffen es nicht bis zur Schließung des Campground-Office um 18 Uhr. Es ist 18.30 Uhr, als wir eintreffen, alles ist zu. Es hängt auch keine Nachricht für uns am Office, wie wir es von manchen anderen Campgrounds kennen. Reserviert haben wir für zwei Nächte. Draußen steht ein Schild „No vacancy“. Wir schauen auf die Reservierung, die wir zum Glück ausgedruckt haben. Site No. 103. Die Site hält, was die Bilder im Internet versprochen haben: Knorrige Bäume, behängt mit Spanish Moss, direkt hinterm Wohnmobil erstreckt sich der See. Traumhaft schön, nicht nur für Honeymooner.


Das war schon ein sehr schöner Auftakt: der Fort de Soto-Campground südlich von St. Petersburg.

Jetzt müssen wir erst einmal die Koffer auspacken. Eine Kleinigkeit im Vergleich zu der Aktion 2013, als die Klamotten von sieben Erwachsenen (mit Begleitfahrzeug) im Wohnmobil verstaut werden mussten. Zu zweit haben wir im 26-Feet-WoMo fürstlich Platz. Das hintere Bett zu beziehen ist nicht so einfach wegen Irenes operiertem Knie – sie kann nicht so gut auf allen Vieren herumkrabbeln, was Dieter leidtut. Aber irgendwann ist alles geschafft. Wir machen im Dunkeln einen sehr schönen Rundgang über den Platz, der von vielen Wasserläufen durchzogen ist, und fallen nach einem Schoppen kalifornischem Roten ins Bett. Heimlich in tiefer Dunkelheit getrunken, denn eigentlich ist Alkohol auf diesem Campground verboten.


Morgens waren ein paar Kollegen da,
die auch Hunger hatten.


Unsere Campsite mit Blick auf den See, wenn man denn auf den See guckt.

*007monipenny

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Florida - da fahre ich auch gerne mit! Spannend, mit dem Wohnmobil!  Bin gespannt auf diese Reise! :rv:

LG

Monika

*paula2

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*USAflo

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ich fahre auch mit, da wir den Panhandle u.a. auch nochmal bereisen wollen.
Links zu meinen USA-Reiseberichten, Ausflugs- und Gastronomietipps für das Oldenburger Münsterland und Berichte zu unseren Europareisen auf meinem Blog: https://unser-om-und-umzu.blogspot.com/p/blog-page_19.html

*ireula

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Ein herzliches Willkommen auch den Neueinsteigern!


Dienstag, 24. Februar

Heute ist Einkaufstag, denn wir wollen uns Räder besorgen. Im Walmart-Supercenter gibt es eine Bike-Abteilung, und ein relativ ahnungsloser Guy assistiert uns. Wir wollen ohnehin nur was Preiswertes, denn nach vier Wochen werden wir die Räder verschenken. Da fällt uns gleich das Super-Angebot der Woche ins Auge: Mountainbikes unter 100 Dollar, 18 Gänge, Stahlrahmen. Sie sehen gar nicht so schlecht aus, made in China, und wir schlagen zu. Der Verkäufer stellt uns Sattel und Lenker ein und wir fahren mit einem 26er und einem 24er aus dem Laden. Fürs Erste stellen wir sie im Wohnraum des RV ab, Dieter traut dem Fahrradträger wegen seiner Befestigung mittels mutterloser Holzschraube nicht so recht. Da die Schraube aber auch nicht mehr herauszudrehen ist, akzeptiert er diese floridianische Fixierung schließlich, zumindest als eine Art Grundsicherung. Wir holen bei Walmart noch einen Fön (endlich einer mit US-Stecker, sodass man nicht immer mit Adaptern hantieren muss), ein Leuchtenset für die Räder und eine Luftpumpe. Unsere Helme haben wir mitgebracht.


Gut verzurrt und dreifach gesichert werden die China-Bikes an dem praktischen,
aber eben nicht TÜV-geprüften Träger montiert.

Auf dem Campground geht es mit den Rädern zur Jungfernfahrt Richtung Strand. Der Nebel ist dick wie Suppe, dafür sind wir am Strand praktisch allein. Das Wasser ist ziemlich kalt, Strand und Wellengang erinnern Irene an die Ostsee. Wir radeln zum Fort de Soto, einer nie vollendeten Befestigungsanlage aus dem spanisch-amerikanischen Krieg. Betonbunker und dicke schwarze Kanonen sind zu besichtigen. Der Strand hier ist herrlich: Muscheln und Vögel. Auf dem Rückweg kämpfen wir mit dem harten Fahrradsattel, weil wir in der ersten Euphorie die gepolsterten Fahrradhosen nicht angezogen hatten.


Fort de Soto mit seinen gewaltigen Kanonen ist auch ohne Führung zu besichtigen.
Die Festungsanlage liegt direkt am Strand.


Die Vögel sind fortan unsere ständigen Begleiter: zu Land, zu Wasser und in der...Na ja, ihr wisst schon.

*ireula

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Mittwoch, 25. Februar

Wir starten Richtung Sarasota. Die Räder sind auf dem Träger verstaut – natürlich zusätzlich mit einem eigens gekauften Seil verschnürt und mit einem Kettenschloss verknüpft, denn Dieter überlässt in Sachen Sicherheit nichts dem Zufall (das hört sich, wenn ich Irenes Reisebericht an dieser Stelle ergänzen darf, ziemlich übel, weil pedantisch an. Fakt aber bleibt, dass der Fahrer auch für die Sicherheit der Ladung Verantwortung trägt, egal, ob sie sich vorne auf dem Beifahrersitz befindet oder weiter hinten. Dankbarkeit, Leben gerettet zu haben, erwarte ich ebenso wenig wie ich mich dafür schäme, vorsorglich mit der Gesundheit anderer Menschen umgegangen zu sein.  Im Übrigen hat die Sache mit den Seilen (es waren zwei) und der Kette den Urlaub trotz des bisweilen immensen Zeitaufwands der Fixierung und Defixierung der Räder nicht getrübt. Zumindest nicht von meiner Seite). Zur Sicherheit jetzt wieder Irene:

Wir steuern das John and Mable Ringling Museum an, denn unser Florida-Urlaub soll eine  Mischung aus Natur und Kultur werden. Shopping und City-Bummeln haben eher untergeordnete Priorität. Das Ringling ist definitiv eine Empfehlung. Man kann für 25 Dollar pro Person das Kunstmuseum, das Wohnhaus des Zirkuskönigs und ein kleines Zirkusmuseum besuchen. Wir beschränken uns auf das Museum und staunen über die alten Meister, die Ringling aus Europa herangeschafft hat. Rubens, Rembrandt, die große italienische Schule mit Meistern, die vielleicht nicht die ganz großen Namen tragen, aber phantastisch gemalt haben. Uns fallen vor allem die leuchtenden Farben der Bilder ins Auge. Hier haben die Restauratoren ganze Arbeit geleistet.


Das Ringling-Museum ist einen Abstecher wert.



Begeistert sind wir auch von den Wechselausstellungen. Ein Saal ist der aktuellen chinesischen Fotografie gewidmet. Und dann gibt es zeitgenössische US-amerikanische Kunst vom Feinsten. Einer der Höhepunkte: Nick Cave mit seinen Trash-Figuren, aber auch viele Namen, die wir noch nie gehört haben. Der Park im Innenhof des Museums ist nach französischem Vorbild angelegt – voller Skulpturen aus der Klassik, allerdings Kopien. Ein lebensgroßer Michelangelo dominiert alles.


Kein Plastik, aber auch nicht echt.

Das Ringling-Wohnhaus liegt wunderschön am Golf, aber die Schlange vor dem Eingang schreckt uns ab, und wir machen uns auf den Weg zum Campground.


Das Ringling-Domizil ist nicht gerade ein Behelfsheim.



Wir haben am Morgen telefonisch eine Site auf dem Platz „Sun and Fun“ reserviert, sicher einer der größten CGs in Florida. Die Karte weist über 1600 Plätze aus. Wir wollen mal sehen, wie es auf einem solchen Riesenplatz mit einem gigantischen Fun-Angebot zugeht. Und in der Tat: Das muss man eigentlich mal gesehen haben.
Eine Führerin lotst uns per Golfcar zu unserer Site. Sie ist gar nicht mal so eng, dafür ist der Wasserhahn  in unerreichbarer Ferne für unseren 5-Meter-Schlauch. Das ist uns noch nie passiert. Wir überlegen eine Verlängerung zu kaufen, aber unser Tank ist noch dreiviertel voll, da geht es auch ohne Anschluss.

Inzwischen hat sich der Nebel verzogen, der uns die vergangenen Tage hartnäckig begleitet hat. Die Sonne scheint, es ist sommerlich warm. Dieter will unbedingt in den Pool. Tatsächlich handelt es sich um ein ausgewachsenes Freibad. Und hier sind sie, die Snowbirds. Grau und Weiß dominieren bei den Haarfarben, beeindruckende Gewichtsklassen lassen sich zu Wasser. Das ist so warm (rund 30 Grad), dass Schwimmen nicht in Frage kommt. Die Senioren lassen sich auf Schwimmnudeln durchs Wasser treiben – vorzugsweise sitzend, während sie eifrig Konversation betreiben.


Der Pool entpuppt sich als ausgewachsenes Schwimmbad. Auch sonst gibt es auf dem
Campground vieles, was das (Senioren-)Herz erfreut.

Auf dem Weg zurück durchqueren wir die Unterhaltungs-Areas: Shuffleboard, Petanque, Horseshoes und ein seltsames Spiel, bei dem gefüllte Stoffsäckchen in ein Loch in einem Holzbrett geworfen werden müssen. Überall herrscht reger Betrieb, es haben sich Mannschaften gebildet, die gegeneinander antreten, man kennt sich offenbar, und es geht laut und lebhaft zu. Das Monatsprogramm weist fast jeden Tag ein anderes Highlight auf. Heute Abend gibt es Live-Musik an der Pool-Bar. Der Pool ist bis Mitternacht geöffnet.

Vorher aber spielen wir eine Runde Pool-Billard. Dieter hat den Billardraum mit sechs Tischen entdeckt. Außer uns ist kein Mensch da, Bälle, Queues und Kreide sind kostenlos zu benutzen.

Dieter  will abends noch eine Runde schwimmen. Als wir kommen, spielt das Duo schon, aber kein Mensch ist mehr im Wasser. Da entdecken wir hinter dem Freibad das Hallenbad. Das ist von 6 bis 8 geöffnet, und hier taucht auch Irene ein. Das Bad ist so groß wie ein städtisches Schwimmbad, herrlich warm und sehr gepflegt. Im Eingangsbereich ein großer Kraftraum, in der oberen Etage sehen wir aus dem Bad allein zehn Laufbänder, dahinter erstreckt sich offenbar noch ein Gym. Alles kostenlos zu nutzen. So langsam verstehen wir, wie die Senioren in Florida ihren Lebensabend verbringen. Sie lassen es sich einfach gutgehen. Praktisch alles in dieser Camping-Stadt ist behindertengerecht – ins Bad kommen Rollstuhlfahrer mit einem Lift. Wer nicht gut zu Fuß ist, bewegt sich mit dem Golfcar durch das weitläufige Gelände. Viele Leute haben kein Wohnmobil wie wir, sondern ein festes Mobilhome mitsamt Vorgärtchen, Gartenzwerg und lichterkettenbehangener Plastikpalme. Riesige Flatscreens hängen in den Domizilen. Das hat mit Camping wenig zu tun. An Unterhaltung und Abwechslung ist jedenfalls kein Mangel, und die  sozialen Kontakte ergeben sich schnell.

Wir hören noch eine halbe Stunde der etwas schrägen Country-Musik in der Poolbar zu, trinken ein Bier und lassen den Tag ausklingen.

*Wilder Löwe

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1600 Plätze auf einem Campground? Wenn jeder Platz mit 2 Leuten belegt ist, hätte der Campground fast so viele Einwohner wie die Stadt, in der ich lebe. Finde ich für einen Campingplatz etwas überdimensioniert, aber war sicher mal ein Erlebnis.

Schade, dass Ihr im Ringling-Museum nicht auch das Zirkusmuseum angeschaut habt, es ist sehr interessant und auch sehr liebevoll gestaltet.
Viele Grüße
Katrin

 

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