Our Great American Journey (auch “The No Sleep Tour”) - 6 Wochen + Tornadojagd

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*Lupine

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Mic: Es kommt noch eine Auflösung zu der Autofrage... ;) Und mach dir keine Sorgen, ganz am Ende sind wir noch nicht. Der Eintrag heute, und dann noch ein paar "Bonustage"  :rollen:

Du hast Recht, ilnyc (der Name passt ;) ), New York hat irgendwie was, was Chicago nicht hat. Vielleicht ist es die Größe, die Vielfalt, keine Ahnung. Aber was uns an Chicago gut gefällt ist die Lage zwischen dem Midwest und dem Nordosten.
Ach ja, stimmt... als wir das letzte Mal in New York waren, da fehlten immer noch ein paar Stockwerke zur Fertigstellung des One World Trade Center ;)

Tag 39 bis 43, 26.6. bis 30.6. - die letzten Tage

Wir schliefen bis halb 10 aus, denn den Schlaf hatten wir dringend nötig. Nach unserer nächtlichen Grenzüberquerung waren wir gestern erst um 2 Uhr ins Bett gekommen. Wir packten alle Sachen zusammen und bauten den Spannungswandler aus dem Auto aus. Das muss für die Motelbesitzer sicher etwas seltsam ausgesehen haben, wie wir sowohl Kofferraum als auch Motorhaube sperrangelweit offen hatten.  :lachen07: 

Gegen 11 kamen wir dann los und fuhren Richtung Toronto. Sarnia war bei Tag auch nicht besonders spannend, also fuhren wir direkt auf die Autobahn. Ich schlief während der Fahrt sofort ein, jedoch nicht unbedingt aus komatöser Müdigkeit, sondern eher weil ich alles um mich herum zu vergessen versuchte. Ich wollte mir keine Gedanken über meine baldige Heimreise, über meine Chancen der Wiedereinreise in die USA, über das Ende dieses tollen Jahres und der tollen Reise und über meinen näher rückenden Abschied von Heiko machen müssen. Unterwegs machten wir keine Stopps, nur die Abzweigung zu den Niagarafällen (knapp 100 Meilen entfernt) ließ Heiko in Erinnerungen schwelgen, da schließen sich eben Kreise. Unsere erste Reise während des Auslandsjahrs hatte zu den Niagarafällen geführt und unsere Sommertour hatte auch in ihrer Nähe begonnen. Einen Moment überlegte er, ob er dorthin abbiegt und mich weckt, sobald wir da sind, er ließ es dann aber bleiben.  :lachen07:

Die Landschaft änderte sich von einem dichten Laubwald, fast wie damals in Tennessee, zu deutlich mehr Nadelbäumen je nördlicher wir kamen. Unsere täglichen Gewitterwolken standen am Horizont und es war schwülwarm. Um halb 2 erreichten wir unser vorgebuchtes Motel (Quality Inn über Priceline gebucht) am Flughafen von Toronto. Wir bekamen ein hübsches Zimmer im zweiten Stock und als wir das Auto komplett ausräumten, beäugten uns die Zimmermädchen dabei kritisch und dachten wohl, wir würden hier für immer einziehen wollen.  :pfeifen:

 Am Nachmittag räumten und sortierten wir, bereiteten schon mal einen Haufen für den Heimtransport vor, machten Nickerchen, beobachteten Flugzeuge aus dem Fenster und schauten Fernsehen – kurz: erholten uns von unserer langen, anstrengenden Tour. Zum Abendbrot mussten wir noch etwas einkaufen, wofür wir zum nicht weit entfernten Walmart fuhren. Es war allerdings ein seltsamer Walmart, wirkte etwas heruntergekommen und sehr „viele verschiedene ethnische Gruppen“  :wink:  waren unterwegs. Außerdem machten wir unsere ersten Erfahrungen mit der Stauhauptstadt der Welt, bereits beim Abbiegen vom Motelparkplatz standen wir das erste Mal im dichten Verkehr. Im Laufe der nächsten Tage sollten wir feststellen, dass es völlig tageszeit- und ortsunabhängig ist, ob und wie lange man hier im Stau steht, man tut es nämlich immer.  :umherschau: Und das trotz der irrsinnigen Infrastruktur.



 Zum Abendbrot kauften wir dann Ciabattabrot mit Butter, Käse und Wurst. Außerdem wollten wir noch Bier kaufen – das gab es aber nirgendwo im Walmart.

Wir ließen uns den Weg zu einem Liquor Store beschreiben, der war uns aber zu weit von unserer Route entfernt. Also fuhren wir einfach nach Hause, in der Hoffnung unterwegs einen zu finden, Fehlanzeige. Wir versuchten es bei einer Tankstelle neben dem Motel – auch kein Bier. Wir kurvten dann noch etwas durch die Gegend, fanden aber immer noch kein Bier, und kauften unterwegs noch Aprikosen und Würstchen in einem anderen Supermarkt („No Frills“, billig und gut!). Als wir dann schon jegliche Bierabsichten aufgegeben hatten und auf dem Rückweg ins Motel waren, kamen wir an „The Beer Store“ vorbei, unweit vom Motel. Super.   :kloppen: Der Bierkauf selbst war dann auch ein Abenteuer: der Laden bestand aus einer Theke und einer Wand mit Logos & Preisen, denn man suchte sich ein Bier aus, bezahlte es und holte es dann bei einem Mitarbeiter ab, der es aus dem Lager holen ließ. Wohl so eine kanadische Idee um Alkoholismus zu verhindern. Der Abend klang bei einer der bizarrsten amerikanischen Sendungen, „Toddlers & Tiaras“ (über Kleinkinder-Schönheitswettbewerbe), aus.  :lol:

Am nächsten Morgen schliefen wir gaaanz lange aus. Wir holten also den gesamten Schlaf unserer anstrengenden Reise nach. Wir wachten davon auf, dass gegen halb 10 das Zimmermädchen „sorry“ sagte und die Tür wieder hinter sich schloss.  :oops: Zum Frühstück gab es diverse Überbleibsel vom Abendbrot, unter anderem Kirschen und Würstchen, während im Fernsehen TLC (Hochzeitssendungen! – Gott sei Dank gibt es diesen Sender auch in Kanada) lief. Erst am frühen Nachmittag machten wir uns auf den Weg, über die wie immer zugestaute Autobahn ging es zum Lake Ontario. Das Wetter war zwar warm, aber es war milchig-trüb und bedeckt, also nicht gerade Badewetter. Zum Sitzen am Wasser war es aber sehr schön. Der Strand war umrahmt von kleineren, baumbewachsenen Sandsteinklippen und es war wenig los, bei Sonnenwetter ist es hier bestimmt noch schöner.



Wir lagen am Strand, buddelten Löcher, ärgerten Möwen, schnabulierten Kirschen und rekapitulierten die Reise. Gelangweilte Rettungsschwimmer saßen herum, kein Wunder – keiner war im doch ziemlich kühlen Wasser baden. Ein paar Stunden später fuhren wir dann wieder nach Hause – oder versuchten es zumindest. Es gab wieder Monsterstau, 45 Minuten steckten wir schon fest. Wir wollten eigentlich bei Denny’s essen gehen, entschieden uns dann aber doch für den kürzeren Rückweg zum Motel, da wir keine Lust auf weiteren Stau hatten. Zu Fuß gingen wir zum benachbarten Tim Horton’s und aßen dort. Zum Abend hin klarte es jetzt sogar noch auf, so dass wir uns auf den kurzen Weg zum Flughafen machten und dort ein paar Flugzeuge beobachteten, sehr spaßig, man kann hier viel besser anhalten als in Chicago.





Den Abend verbrachten wir ruhig und entspannt im Motelzimmer.
Gestern hatten wir den Wecker überhaupt nicht gestellt, da wir ausschlafen wollten und dies auch bis halb 10 taten. Zu heute stellte ich den Wecker auf 8 Uhr, da wir heute wieder etwas aktiver sein wollten – was dazu führte, dass wir… um halb 10 aufstanden!  :lol: Also nix mit früh aufstehen, haben wir ja oft genug gemacht während dieser Reise. Eigentlich wollten wir heute nach Downtown Toronto fahren, es war jedoch kühl, bewölkt und nieselte erst, goss dann sogar aus Eimern. Also kein aktiver Tag heute, das Wetter soll ja schließlich in den nächsten zwei Tagen noch besser werden. Das Frühstück wurde immer verwahrloster, nach Würstchen gestern gab es heute Chips, Cornflakes und Apfelmus (Resteessen!).  :verquer:  Noch später als am gestrigen Tag, um halb 2, verließen wir das Motel, aber nur um bei Denny’s zu essen. Was soll man bei diesem schrecklichen Wetter auch anderes tun. Wir genossen noch einmal die volle Palette der nordamerikanischen Fastfoodküche und gingen anschließend ins gegenüber liegende Kino, um dort „The Purge“ zu schauen, einen Horrorfilm. In Kanada gibt es außerdem scheinbar keine Sitznummern, man kann sich den Sitzplatz aussuchen, und der Film beginnt auch tatsächlich zur angegebenen Zeit, die Werbung läuft vorher. Der Film war ganz gut, gesellschaftskritisch und gruselig, auf jeden Fall unterhaltsam. Auf dem Rückweg kauften wir im Supermarkt noch etwas zum Abendbrot ein und aßen dann im Motel, während wir schon langsam mit dem Packen begannen.

Auch am nächsten Morgen fiel das Aufstehen schwer, aber schließlich rafften wir uns auf und machten uns auf den Weg nach Downtown. Glücklicherweise standen wir nicht (!) im Stau. Die Autobahnen wurden immer breiter, bis sie schließlich 16spurig waren und durch immer höher werdende Häuserschluchten führten. Jetzt konnte man sogar schon den CN Tower sehen, wie ein Ufo, das in den Himmel ragt.





Wir fuhren zuerst zum St Lawrence-Market, laut National Geographic dem weltbesten Markt für Essen.



Und dieses Versprechen hielt er dann auch: in authentischer, lauter Marktatmosphäre konnte man chinesisches, japanisches, italienisches Essen, Cheese Curds, europäische Backwaren, Fisch, Wurst und Käse, Obst und Gemüse in allen erdenklichen Varianten, eine unglaubliche Auswahl an Nudeln und Reis und vieles mehr kaufen.









Als erstes futterten wir großartige Schokoladen- und Käsecroissants und Laugenbrötchen, einen frischen Kaffe und Fruchtsmoothie. Danach gab es frische Feigen und Melone. Und zum krönenden Abschluss gönnten wir uns noch Antipasti und eine typische Toronto-Spezialität, Peameal Bacon Sandwich (ein Brötchen mit dünn geschnittenem, paniertem Schweinefleisch dazwischen), die wir auf Bänken draußen verputzten.



Als nächstes liefen wir zu Fuß zum Wasser, von wo aus wir mit der Fähre 10 Minuten zum Toronto Island Park schipperten. Mit uns waren noch hunderte anderer Ausflügler unterwegs, so dass es uns alles andere als idyllisch und ruhig vorkam. Trotzdem fanden wir am Rand einer kleinen Wiese eine Stelle, von der aus wir einen unglaublichen Blick auf die Skyline von Toronto hatten, allein dafür hatte sich die Überfahrt gelohnt.



Wir spazierten dann quer über die Insel auf die andere Seite, wo wir auf einen kleinen Steg liefen, der meerähnlich große Ontariosee lag jetzt direkt vor uns.



Auf dem Rückweg liefen wir noch eine Runde durch einen kleinen Vergnügungspark und kauften dort Eis und Zuckerwatte. Dann nahmen wir die Fähre zurück zum Festland und liefen weiter zum CN Tower. Auf dem Weg dahin gingen wir etwas durch die Innenstadt, die zwar hübsch ist, aber uns nicht weiter begeistert.



Eindrucksvoll war noch ein Denkmal für ein großes ehemaliges Zugdepot oder so etwas Ähnliches, man hatte das Drehgestell, komplett restauriert und erhalten.



Auch der Blick auf den 553 m hohen CN Tower, einst das höchste Gebäude der Welt, jetzt die dritthöchste freistehende Struktur der Welt, war von hier aus sehr beeindruckend.



Da soll man hoch können? Nachdem wir uns durch das komplizierte Ticketsystem durchgefuchst hatten und eine gefühlte Milliarde Dollar bezahlt hatten, erfuhr ich die gute Nachricht des Tages: die Fahrstühle haben Glasböden. Juhu, das ist ja wie Weihnachten und Ostern zusammen für einen Höhenangstler.  :umherschau: :bibber:  Ich hatte jedenfalls 70 Minuten Zeit, um über diese Nachricht hinwegzukommen, denn so lange mussten wir in der Warteschlange für die Fahrstühle stehen. Dann wurde das obligatorische Tourifoto vor dem grünen Hintergrund gemacht, das wir eh nie kaufen, bei dem wir aber immer manisch grinsen. Besonders unterhaltsam war es, die Leute zu beobachten, die piekfein gekleidet mit einem separaten Fahrstuhl nach oben zum Restaurant fuhren. Sie hatten nicht nur die Ehre, sich vor einem unechten Bild vom CN Tower fotografieren zu lassen, sondern sie durften sich sogar an einen unecht gedeckten Restauranttisch setzen mit dem CN Tower im Hintergrund und sich dann fotografieren lassen. Hurra!  :lol:

Der Fahrstuhl hatte dann nicht nur einen Glasboden, sondern auch Glaswände, und der Schaft des Turms war auch aus Glas, so dass man prima schauen konnte, wie man immer höher aufstieg. Zur Krönung bläkte das Funkgerät der Fahrstuhlbegleiterin dann, dass eine Frau oben einen Panikanfall hatte und SOFORT runtergeholt werden müsse. Nach 58 ängstlichen (Fredi) Sekunden mit tollem Ausblick (Heiko) waren wir dann auf 342 m angekommen. Von oben konnten wir den ganzen Ontariosee und Downtown sehen.









Man konnte auch rausgehen, so dass man aus den angeschrägten und nur mit Gittern versehenen Fenstern fast senkrecht nach unten gucken konnte. Ganz senkrecht am Schaft nach unten schauen – auch das ging, auch wir stellten uns auf den berühmten verglasten Fußboden, der laut Schild 13 Hippos aushält. Wie sie das wohl gemessen haben, die passen doch gar nicht alle auf ein Glaspaneel.  :lachen07:



Der Ausblick war atemberaubend und gruselig zugleich. Schließlich konnten wir endlich wieder nach unten fahren, wieder einen der höchsten Türme der Welt geschafft.



Zackig machten wir uns jetzt auf den Weg zurück zum Auto und fuhren nach Hause ins Motel. Unterwegs kauften wir im Walmart noch eine Zusatztasche für Gepäck, da ich Heiko mit nunmehr drei Taschen nach Hause schicken wollte. Abends fuhren wieder zu Denny’s, wo wir von unserer gestrigen Bedienung wiedererkannt wurden, die sich nett mit uns unterhielt. Ich bestellte mir ein klassisch amerikanisches Frühstück zum Abendbrot, was für ein Festschmaus, und Heiko aß Hühnchen. Wir kamen erst nach Mitternacht wieder ins Motel, was für ein entsprechend spätes Aufstehen sorgte. „Wollen wir wirklich so früh los? – Nee, lass mal noch ein bisschen weiterschlafen.“   :wink: Vormittags organisierten wir dann noch alles für Heikos Abreise, packten die drei Taschen, druckten Boardingpässe, Heiko schrieb seinen Verwandten zu Hause eine Nachricht und ich erhielt mein ESTA approval für die mögliche Wiedereinreise in die USA (erste Hürde geschafft, aber das ist noch lange keine Einreisegarantie).

Nachmittags wollten wir dann doch noch etwas unternehmen und entschieden uns, in den eine halbe Stunde mit dem Auto entfernten Zoo zu fahren. Wir waren sehr überrascht, dass uns kein Stau unterwegs aufhielt, verließen die Autobahn… uuund standen im Stau.  :koch: Mitten in einem Wohngebiet, mitten am Tag, sehr ungewöhnlich. Über Schleichwege umfuhren wir den Verkehrsinfarkt und waren so ein gutes Stück näher am Zoo. Der Stau war immer noch nicht weg, und ich machte noch Witze: „Die wollen bestimmt auch alle in den Zoo.“ Als sich dann alle Autos an der rechten Abzweigung – die zum Zoo führte – weiter stauten, trauten wir unseren Augen nicht, die wollen ja wirklich alle zum Zoo.  :shock:



Wir fackelten nicht lange und fuhren links vorbei, auf Anstehen hatten wir keine Lust, es war ja nur so eine Spaßidee gewesen. An der nächsten Abzweigung kam dann ein weiterer, unverstauter Parkplatz für den Zoo (offenbar war der Stau ein Parkplatzstau gewesen), bei dem man aber eine halbe Stunde zurück bis zum Eingang hätte laufen müssen, darauf hatten wir auch keine Lust. Also wendeten wir und wollten schon wieder zur Autobahn zurückfahren, als uns eine weitere Abzweigung rechts auffiel, die ohne Umschweife zum (von der Gegenrichtung aus zugestauten) Hauptparkplatz direkt vorm Eingang führte. Und kein Anstehen! Juhu!

Nachdem wir den Eintritt bezahlt hatten, liefen wir durch ein Meer von Kinderwagen (es war tatsächlich unheimlich voll) zu den verschiedensten Tiergehen. Am witzigsten waren die Baby-Lemuren, die ungefähr Handygröße hatten und miteinander herumtollten. Soo süß! Wir saßen auch einen großen Pfau, der sich vor uns präsentierte, und flohen dann entnervt vor den Kinderwagen. Wir suchten uns die Sektion auf der Karte, an der „steep hill“ – steiler Hügel – stand, dazu sind die meisten ja eh zu faul und die Kinder zu quengelig. Und so war es dann auch, wir konnten noch einige einheimische (nordamerikanische) Tiere anschauen, so zum Beispiel einen faulen Grizzlybär (den wir ja in der Wildnis gar nicht gesehen hatten)  und einen männlichen Elch (Moose).

Suchbild mit Elch:


 Beim Grizzly waren wir noch einmal nachträglich froh, dass wir ihn nicht eines Morgens vor unserem Zelt im Yellowstone begrüßen durften, denn selbst faul sah er schon ziemlich gefährlich aus.



Schließlich wollten wir dann den Heimweg antreten, was sich als schwierig herausstellte, da wir uns in der scheinbar unumgehbaren „Panda Experience“ verirrten – was immer das ist, man kann einen Panda anschauen, aber doch nicht erleben. Den Panda sahen wir nicht, dafür wurden wir wieder herausgebeten, da wir „falsch rum“ in die Panda Experience hereingegangen seien, dabei wollen wir doch gar keinen Panda experiencen, wir wollen nur raus!  :knockout:  Einen Riesenumweg später hatten wir dann endlich den Ausgang gefunden und machten uns auf den Rückweg zum Motel, sogar ganz ohne Stau. Es ging noch einmal zum Supermarkt, dann aßen wir im Zimmer Abendbrot, Heiko duschte sich und wir packten fertig, denn jetzt sollte es zum Flughafen gehen. Am Parkplatz verabschiedete sich Heiko vom lieb gewonnenen roten Flitzer, der uns während des letzten Jahres so treu begleitet hat. Um 7 Uhr abends checkte Heiko seine drei riesigen Taschen dort ein, sein Flug hatte etwas Verspätung, wir saßen noch etwas im Wartebereich herum, tranken einen Kaffee bei Tim Horton’s und verabschiedeten uns dann.



Abends fuhr ich allein ins Motel zurück und hatte eine ziemlich einsame Nacht…

Gefahrene Meilen: 180 Meilen von Sarnia bis Toronto, danach noch ein paar mehr, aber nur im Stadtgebiet von Toronto

Und: bleibt dran, am Donnerstag (hoffentlich) gibt es noch (mindestens) einen Bonustag  :wink:
Liebe Grüße,
Rike


*Microbi

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Ich bin da!
Es ist komisch, aber ich war noch NIE in Kanada. Im Augenblick zieht mich auch nichts hin... ungerecht, denn Kanada ist bestimmt sehr schön. Aber in meinem Kopf ist Kanada = kalt und das brauche ich echt nicht. Ich weiß, die haben auch einen Sommer. Es ist ja nur im Kopf... hilft aber nichts.

Mic, waiting for thursday

*Marthe

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Ich lese auch noch mit, wieder ein total interessanter Reisebericht von Dir. Schade, dass er fast vorbei ist.

LG
Marthe

*ilnyc

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Wie? Der Aufzug vom CN Tower hat jetzt auch Glasboden??? Ich war 2004 dort. Da gab es zwar Glaswände, aber den Glasboden nur oben auf der Aussichtsplattform und das auch nur an einem Bereich. Man musste also nicht drauf.

*Lupine

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Ja, ilnyc, der Aufzug hat Glasboden... zumindest der, mit dem wir gefahren sind. Vielleicht sind die ja auch unterschiedlich ausgestattet.

Mic: Kanada und kalt ist schon irgendwo ein gerechtfertigter Zusammenhang. Ein Typ in Montreal meinte mal zu uns, Kanada hat zwei Jahreszeiten: Winter und Juli.  :lol: Recht hat er, als ich in Oktober in Montreal war, kam es mir vor wie an einem Dezembertag, einem kalten Dezembertag. Heiko und ich haben da auch Geschichten zu erzählen, wir waren im März 2013 während des "Spring Break" (wo eigentlich alle nach Süden fahren  :wink: ) in Nordkanada unterwegs. Wir sind mit einem Auto von Montreal aus nach Norden Richtung Radisson an der James Bay gefahren, so lange, bis die Straße nicht mehr weiterging und die endlose nordische Wildnis anfing. Wahnsinn, habe ich darüber eigentlich mal einen Reisebericht hier gepostet? Uns hat es jedenfalls mega gut gefallen und Lust auf mehr gemacht.
Aber irgendwie können wir beide dein Gefühl auch nachvollziehen, Kanada ist auch irgendwie nicht so unsers (obwohl ich Westkanada und v.a. Vancouver gerne mal sehen würde!) und wir sind jedes Mal wieder froh, wenn es zurück in die USA geht.  :lol:

Freut mich, dass ihr noch so enthusiastisch dabei seid!! Ich habe mich entschieden, die verbleibende Zeit in noch drei Teilabschnitte aufzuteilen. Heute also Nummer eins, dann später noch zwei und drei (nächste Woche), und dann ist leider endgültig Schluss und wir müssen alle zurück nach Hause.  :(
Liebe Grüße,
Rike


*Lupine

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Der Juli im Nordosten, Teil 1

Morgens wachte ich ganz allein in Toronto auf, packte alles (was ja nicht mehr so viel war) zusammen und räumte es ins Auto, was jetzt plötzlich ganz leer wirkte. Dann checkte ich aus und aß noch schnell bei McDonalds Frühstück. Draußen war ein angenehm warmer, aber nicht übermäßig heißer Sommertag. Ich machte mich auf den Weg Richtung Montreal, es gab erstaunlicherweise keinen Stau auf den breiten Autobahnen und bald war ich wieder von Wald, Wiesen und Feldern umgeben.

Der nächste Grenzübergang in die USA von Toronto aus gesehen war nur ca. 150 Meilen entfernt, so dass ich noch genügend Zeit hatte. Ich hatte mir vorgenommen, die Grenze bis um 16 Uhr überquert zu haben, so dass ich ggf. noch mein gebuchtes Motel 6 in Burlington (Vermont) stornieren kann, falls ich in Kanada bleiben muss. Unterwegs hörte ich Radio und stellte fest, dass in Coburg eine Parade zum Canada Day stattfand, dem heutigen Nationalfeiertag. Und wenige Minuten später passierte ich das Schild, dass Coburg als Ausfahrt ankündigte – na, wieso nicht, ich fuhr also in die Stadt. Die ganze Kleinstadt war auf den Beinen, das fiel mir schon auf, als ich versuchte, einen Parkplatz zu finden. Als ich dann zur Paradestraße lief, war ich wohl der einzige weit und breit, der nicht in rot-weiß, den Farben der kanadischen Flagge, gekleidet war. Die Parade selbst war auch sehr schön, Sheriff, Soldaten, eine Marschiertruppe mit Blasmusik, Tänzer aller Nationalitäten und ethnischen Gruppen, Rotary Club, Parlamentsmitglieder, Traktoren, Schulkinder, Oldtimer, Krankenwagen, und noch viele mehr waren unterwegs. Wirklich ein toller, authentischer Einblick in die Feierlichkeiten am Canada Day!  :pustekuchen:

















Dann fuhr ich weiter und meine Aufregung stieg natürlich ins Unermessliche.  :bibber: Kurz vor drei erreichte ich den Grenzübergang, überquerte vorher aber noch die Thousand Islands Brücke, was für ein Anblick!



Auch der Reiseführer spricht von einer tollen, aber abgelegenen Gegend, es liegt eben auf der anderen Seite der Adirondacks; eine Reise dorthin würde sich aber wirklich mal lohnen, es sieht ein bisschen aus wie eine „nördliche Karibik“ im Zufluss zum Lake Ontario mit lauter kleinen bewaldeten und felsigen Inseln.
Ich fuhr zur rechten von den beiden offenen Schaltern am Grenzübergang, in der Hoffnung einen freundlichen Beamten zu erwischen – und kam an eine Frau mit verkniffenem Gesicht und Oberlippenbart. Na danke.  :zuberge:  Und ohne Vorurteile bemühen zu wollen, so wie sie aussah, so war sie leider auch drauf: nachdem ich meine Situation erklärt hatte, fragte sie mich als erstes, warum ich überhaupt lächeln würde, „es ist nicht witzig“, und sagte dann abschließend, „it doesn’t look good“ und ich solle rechts ran fahren, um mich einer näheren Befragung zu unterziehen. Darüber war ich sogar recht glücklich, wenngleich mir das Herz bis zum Hals pochte, denn dann konnte ich wenigstens mit einem anderen Beamten sprechen. Ich musste mein Auto abstellen, die Autoschlüssel abgeben und dann in ein Gebäude gehen mit einem mittelgroßen Wartesaal und Schaltern drumherum. Nach kurzer Wartezeit wurde ich aufgerufen und musste dem freundlichen Beamten (freundlicher als die gnatzige Frau am Schalter) Rede und Antwort stehen: was meine exakten Pläne sind falls ich wieder in die USA dürfte, was wir jetzt die letzten sechs Wochen gemacht haben, was wir in Toronto gemacht haben, was ich wieder in Deutschland vor habe im Herbst, ob meine Eltern und mein Freund aus Deutschland sind und was die beruflich machen, wie ich die Reisen finanziere, wo mein Rückflugticket ist, was ich machen würde, falls ich in Kanada bleiben müsste. Und natürlich die Frage aller Fragen: Ob ich einwandern möchte – nein – und ob ich es ihm sagen würde, falls ich es doch vor hätte. Psychologische Fragetechniken vom Feinsten. Er ging zu einem Kollegen und schaute etwas am Computer nach, kam noch einmal wieder, stellte ein paar gleiche Fragen noch einmal, ich beantwortete sie ihm wieder brav. Schließlich entschied er sich dann, die entsprechenden Formulare hervorzukramen und machte alles fertig, um mich einreisen zu lassen. Eine Aufenthaltsgenehmigung erhielt ich jedoch nicht für die üblichen 90 Tage, sondern genau bis zu meinem Abflugdatum. Ich bedankte mich, holte meine Autoschlüssel ab und fuhr los.  :nixwieweg:

Beim Visitor Center in der Nähe holte ich mir dann noch ein paar Tipps für die Fahrt, die leider vollständig in sturzbachartigem Regen stattfand und machte mich auf den Weg quer durch die Adirondacks. Ich brauchte noch mehrere Stunden, um mich von meiner Aufregung wieder zu erholen, fühlte mich aber unheimlich schnell „zu Hause“. Ein schönes Gefühl, wieder da zu sein. Unterwegs aß ich noch bei McDonalds Abendbrot (ja, keine kulinarischen Höhepunkte heute) und fuhr dann die nächsten Stunden bis Einbruch der Dunkelheit auf malerischen, kurvigen Straßen durch tolle Landschaft, unter anderem durch die Stadt „Tupper Lake“ (ob da Tupperware herkommt? :lol: ).





 Im letzten Abendlicht erreichte ich den Lake Champlain und die Fähre in Essex, wo ich ein Ticket kaufte und drei Minuten später auf die Autofähre fuhr. 25 Minuten später war ich wieder in Vermont! „Es war schön, wieder nach Hause zu kommen“, schilderte ich es später im Diktat. Vorbei an den bekannten Shelburne Farms fuhr ich dann zum Motel 6 und schlief völlig erschöpft beim draußen plätschernden Regen ein.

Am nächsten Morgen traf ich mich mit John, dem Vater von meiner Gastfamilie aus Middlebury, der aber in Burlington arbeitet, bei einem Café in Downtown Burlington und wir aßen gemeinsam Frühstück, ich berichtete von meinen Reisen und er lud mich ein, am 19. Juli mit der Familie in den Urlaub in Nordvermont zu fahren und sagte, dass sie sich alle auf mich freuen. Juhu! Dann fuhr ich weiter nach Süden, vorbei an sattgrünen Feldern und Bergen (im Frühling war ja alles noch zartgrün gewesen), durch den Middlebury Campus hindurch – was für ein seltsames Gefühl. Ich hielt auch noch beim Haus von meiner Gastfamilie an und traf dort die Kinder, wir waren alle super froh über unser Wiedersehen und ich musste drei Mal versprechen, dass ich in spätestens 2 Wochen wiederkommen werde.   :herz: Bei einer lokalen Bäckerei und einem Farmstand nahm ich noch kleine Gastgeschenke für die Familie in Boston mit, bevor ich mich dann über die Green Mountains auf den Weg zur Interstate Richtung Massachusetts machte. Die Sonne kam unterwegs raus und es wurde warm und schwül, bevor ich dann wieder in den Warmfrontregen von gestern hineinfuhr.



Am frühen Abend erreichte ich den Bostoner Vorort Wakefield, wo ich Mike, einen Freund vom College, wiedersah und seine unheimlich nette Familie kennenlernte. Wir aßen gemeinsam Abendbrot, vor allem mit der Mutter unterhielt ich mich sehr lange, und skypten dann mit anderen Freunden vom College (aus den ganzen USA – aus St. Louis, Washington (state!) und Ohio). Am nächsten Tag zeigte mir Mike Wakefield, das hauptsächlich aus einer hübschen kleinen Main Street und einen Park mit einem Badesee voll mit Algen bestand, es war aber ein wahnsinnig heißer Tag, so dass jede Abkühlung willkommen war. Wir waren außerdem bei einem lokalen Shopping Center, das unter den ortsansässigen Jugendlichen offenbar so eine Art Lieblingstreffpunkt ist, wo wir einen total leckeren, frisch gegrillten Burger aßen (und sie hatten dort wieder diese Getränkeautomaten mit Riesenauswahl). Außerdem gab es dort beleuchtete Wasserspiele und riesige Skulpturen aus Jelly Beans… seltsam.  :doesig:

Am nächsten Tag war dann endlich der große Tag, der 4. Juli, der Independence Day.  Dazu trafen Mike und ich uns noch mit einer weiteren Freundin aus Middlebury, Merelise, deren Vater zufällig auch in Wakefield wohnt, und fuhren gemeinsam nach Downtown Boston.



Es war ein unglaublich heißer, schwüler Tag, aber die Atmosphäre in der Stadt unter den schattenspendenden Bäumen war wunderschön, es waren hunderte Leute unterwegs, Straßenmusiker und Tanzgruppen, Touristen und Einheimische.  :sun: 







Ganz anders als letzten Herbst als ich in Boston unterwegs war, da war es eher kalt und uneinladend. Wir liefen am Holocaust Memorial und einem Unabhängigkeitsfestival jamaikanischer Einwanderer vorbei und aßen dann asiatisches Essen vom Haymarket, eigentlich viel zu viel und zu warm bei 35 Grad, so dass wir unsere Reste auf den Parkbänken stehen ließen, in der Hoffnung jemand anders würde daran noch Freude finden. Schließlich suchten wir uns einen Platz für das Feuerwerk: wir fuhren mit der Metro zur North Station und folgten den Menschenmassen auf die andere Seite des Flusses, wo wir auf dem gesperrten Memorial Drive direkt am Wasser unsere Decke ausbreiteten.





Wir hatten uneingeschränkte Sicht auf die Skyline von Boston.



Die meisten Leute bleiben auf der anderen Seite des Flusses, da dort das Orchester spielt und man schön im Park sitzen kann, aber dort sind die Wartezeiten für die Security endlos, hier gab es nicht einmal eine Security und alles war etwas entspannter. Die Musik vom Orchester wurde sogar über Lautsprecher übertragen.



Wir mussten noch ein bis zwei Stunden in der Sonne warten, die Hitze ließ jedoch zum Glück langsam nach, zu Sonnenuntergang wurde die Skyline dann golden angeleuchtet und in der blauen Stunde gingen dann die Lichter an. Um 9 war ein kleines „Testfeuerwerk“, um 9.30 Uhr ging es dann pünktlich mit dem richtigen Feuerwerk los.











 Es war wunderschön, das Feuerwerk vor dem Hintergrund der beleuchteten Skyline und der hunderte Boote auf dem Fluss.



Der einzige Minuspunkt: der Wind blies in unsere Richtung und wir bekamen lauter alte Feuerwerkskörper und Rauch ab. Als wir uns also auf den Rückweg machten, fühlten wir uns einfach nur ekelig, verschwitzt und verklebt und dreckig vom Feuerwerkskörperstaub, aber es war ein großartiges Erlebnis und ein echt amerikanischer Fourth of July!  :usa:

Der nächste Teil: mit Merelise nach Maine. 
Liebe Grüße,
Rike


*Microbi

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Ich muss zugeben, ich kann Grenzen nicht leiden. Gehöre noch zu der Generation, die sich noch an die Grenzkontrollen des eisernen Vorhangs erinnern. Als ob das Überschreiten einer imaginären Linie auf der Landkarte gleich etwas Verdächtiges wäre.
Ich war richtig erleichtert, als Du die Grenze passiert hast.

Über "Adirondack" fällt mir der gleichnamige Sessel ein. Man sieht sie überall in den USA und gefühlsmäßig hätte ich eher gedacht, dass man ihn im Süden erfunden hat. Aber nein, er stammt aus New York! Ich habe einen aus Holzspateln, wie sie von Ärzten benutzt werden, für die Barbies meiner Tochter gebaut. Leider fiel er einem Angriff der "Affenpiraten" zum Opfer  :lol:

Fourth of July - das ist wirklich lustig. Habe einmal in Marietta, GA miterlebt. Das ist eine Kleinstadt, wie aus einem Film. Und obwohl ich Menschenaufläufe grundsätzlich nicht leiden kann, hat es mir recht gut gefallen. Es war nur ein wenig heiß...

Mic

*ilnyc

  • Gast
Na, das ging doch letztlich ganz gut an der Grenze. Dass die die Aufenthaltsgenehmigung bis zum Abflugstag geben, finde ich fair.

Die Fotos vom Independence Day sind super - speziell vom Feuerwerk!

*Lupine

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Ihr Lieben, schön dass ihr noch dabei seid. Grenzen sind mir auch nicht so ganz geheuer, gleichzeitig kann ich verstehen, dass sie ein so beliebtes Land auch gegen illegale Einwanderer schützen wollen. Ich fand die Lösung mit der Genehmigung bis zum Abflugdatum auch sehr fair und gut!

Heute geht's noch einmal weiter, erst nach Maine, dann nach Saratoga Springs und Vermont. Ich stelle heute die letzten zwei Teile und dann noch ein Fazit online, da ich über Ostern wieder keine Zeit habe und es sich sonst ins Unendliche zögern würde. Irgendwann muss es ja mal zu Ende sein, auch wenn es schade ist !!! Wir wären dieses Jahr fast wieder nach Vermont gefahren, haben's uns dann aber anders überlegt und fahren nach Thailand, Malaysia, VAE.  :lol:

Los geht's mit Teil 2:


Der Juli im Nordosten, Teil 2

Am nächsten Morgen standen wir auf und kauften vormittags bei einem lokalen Supermarkt alle Zutaten für Schnitzel ein. Als Dankeschön dafür, dass ich bei Mikes Familie ein paar Tage wohnen durfte. Ich bereitete Schnitzel zu (übrigens gibt es hier, jedenfalls habe ich keines gesehen, kein fertig geschnittenes Schnitzelfleisch. Man muss sich ein Stück vom Schwein kaufen und es selbst schneiden) und später zum Essen kam dann noch Merelise dazu, allen hat es (wahrscheinlich  :lol: ) gut geschmeckt, auch wenn sie an gebratenes Schweinefleisch überhaupt nicht gewöhnt sind. Wir verabschiedeten uns lange und Merelise und ich fuhren dann gemeinsam weiter, zum Crane’s Beach. Die Fahrt führte durch die Vororte von Boston, es wurde immer grüner und schließlich war die Straße eine wunderschöne Allee. Unterwegs folgten wir noch einem Schild, auf dem uns Selbstpflücken von Beeren angeboten wurde. Obwohl es schon halb 5 nachmittags war, war es auf dem Feld immer noch unerträglich heiß und schwül und während wir Blaubeeren und Himbeeren pflückten, attackierten uns fortwährend Pferdebremsen und Mücken.



Mit unseren Früchten fuhren wir zum Strand und bezahlten den horrenden Eintritt (12,50 $ und das war schon der halbe Preis, da es später Nachmittag war). Es war relativ leer, doch ein Typ am Strand meinte zu uns, dass es früher am Tag noch brechend voll war. Wir sprangen sofort ins Wasser, das uns in dieser Hitze herrlich abkühlte und unsere Insektenstiche linderte. Anschließend lagen wir noch am Strand, die Flut kam gerade und erwischte ein Mal fast unsere Handtücher, genossen die langsam angenehmer werdenden Temperaturen.





Der Typ erzählte uns auch, dass der Strand und das in der Ferne sichtbare Schloss auf einem Hügel früher einmal einem reichen Mann gehörte, der Mr. Crane hieß und sich ein Toiletten-Imperium aufgebaut hatte. Abends aßen wir Burritos und übernachteten dann bei Merelises Papa. Am nächsten Morgen aßen wir ein sehr spätes Frühstück (12 Uhr!) bei „Omlette Headquarters“, sehr, sehr lecker. Wir packten anschließend ganz gemütlich unsere Sachen und machten uns auf den Weg nach Norden, nach Maine. Während der Fahrt wurde es schon etwas kühler, Gott sei Dank. Wir hielten als erstes in Freeport bei LL Bean an, einer total gehypten Outdoorfirma, und ließen uns vor dem großen Schuh (den z.B. am College jeder im Winter trägt) fotografieren.



Im Laden gab es großartige Ausrüstungsgegenstände, da hätte ich alles leer kaufen können!
Außerdem hielten wir in Augusta an, um dort von außen das Kapitol von Maine anzuschauen, es sieht eher, nunja, zurückhaltend aus. Verglichen mit dem von Texas zumindest.  :wink:



Nachmittags erreichten wir das Haus von Merelises Familie, das außerhalb vom kleinen, verschlafenen Skowhegan auf einem Hügel liegt, so dass man aus dem Fenster einen herrlichen Blick auf Wald, Wald und noch mehr Wald hat.



Ich lernte Merelises Mutter und ihren Bruder kennen und wir hatten ein sehr nettes Abendessen. Am nächsten Morgen standen wir spät auf, duschten in der großartigen Outdoor-Dusche im Garten, und besorgten wieder einmal Zutaten für Schnitzel, die ich auch dieser Familie als kleines Dankeschön zubereiten wollte.



Allerdings unter verschärften Bedingungen: Merelises Familie hat nur einen großen, eisernen Holzofen, auf dem will das Braten erstmal gelernt sein… im Endeffekt klappte es aber doch besser als gedacht, das einzige Problem war die fürchterliche Hitze, die eh schon herrschte, durch den Holzofen aber kein Stück besser wurde.   :koch: Das Essen war dann sehr lecker, es kamen sogar noch Nachbarn vorbei, weil ich viel zu viel gemacht hatte; man legte mir ans Herz, ein Schnitzelrestaurant zu eröffnen. :lachen07:
Nachmittags erkundeten wir etwas Skowhegan, machten ein Foto vor den beiden großen Attraktionen des Ortes (dem „Skowhegan Indian“ und dem großen Plastik-Moose) und aßen die leckerste Eiscreme in der Stadt bei Gifford’s.





Abends schauten wir viel TLC („The Shunning Truth“, eine Realitysoap über das Leben der Amish…  :umherschau: ).



Am nächsten Morgen wollten wir eigentlich in den Acadia National Park an der Küste fahren, wir hatten jedoch nichts gepackt und keine Lust aufzustehen, so dass der strömende Regen draußen eine herrliche Ausrede dafür war, im Bett zu bleiben. Als wir dann endlich den Tag begannen, fuhren wir noch einmal nach Downtown Skowhegan, um dort Moxie (der ersten Softdrink in den USA und das traditionelle Getränk von Maine, schmeckt wie eine Kombination aus Dr. Pepper und Root Beer, nicht zu süß, perfekt!) und Whoopie Pies (auch ein traditionalles Maine-Gebäck) zu kaufen.



Im Supermarkt trafen wir dann überraschend auf eine Freundin von Merelise, die sie sowieso wegen einer Raftingtour anrufen wollte. Sie arbeitet bei einem Raftingtouranbieter und wir verabredeten uns für Donnerstag, yay! Am Nachmittag aßen wir Obstsalat, bräunten uns im Garten und spielten mit den zahlreichen Katzen der Familie.



Die Familie hat drei Katzen, Mario, Noodles und Nelly, sowie einen Hund und zahlreiche Hühner, die den ganzen Tag gackernd ums Haus laufen.



 An diesem Abend waren wir vorbildlich und packten alles für Acadia am nächsten Tag, standen früh auf und fuhren bereits morgens los. Obwohl es in Skowhegan noch nettes Wetter gewesen war, war es an der Küste leider nebelig und nieselig, doch wir ließen uns nicht davon abhalten, Bar Harbor zu erkunden. Wir kauften Tickets für eine Whale Watching tour und vertrieben uns die Zwischenzeit dann damit, Lobster (Hummer) zu essen.



Wir bestellten Kartoffelpüree und einen ganzen Lobster, der gerade frisch aus dem Tank in den Topf geholt wurde. Wir bekamen das arme Tier serviert, das uns noch aus glasigen Augen anschaute – und hatten keine Ahnung, was wir machen sollten.   :verwirrt:



Also erklärte uns der nette Kellner Schritt für Schritt, wie man den Panzer knackt und das buttrige, süßlich-saure Fleisch herausholt. Es war allerdings absolut nicht appetitlich, Merelise riss mutig den Schwanz ab, bei dem man die halben Eingeweide herauskommen sehen konnte. Da schwand der Appetit auf das Fleisch sehr schnell… das Knacken der Scheren war auch nicht appetitlicher und wir spritzten uns die ganze Zeit mit dem herauskommenden Saft voll.



Fazit: eine Erfahrung, die man mal gemacht haben muss, aber eigentlich haben sowohl der Lobster als auch wir mehr davon, wenn er lebendig bleibt.   :lol:



Die restliche Zeit füllten wir noch damit, dass wir uns einen Campingplatz suchten, bei den netten Damen am Empfang eincheckten und uns dann eine schöne Campsite im Wald suchten, die leider keinen Meerblick hatte. Das war aber ziemlich egal, denn der Meerblick wäre heute eh nur Nieselblick gewesen.  :zuck:

Zurück am Hafen gingen wir auf unser großes Boot zum Whale Watching. Die erste Durchsage war gleich, dass man eventuell gar nichts sehen kann, da der Nebel so dicht ist – na toll, eventuell vier Stunden für gar nichts.  :knurrig:  Man würde aber dann ein Recht auf eine zweite kostenlose Fahrt an einem anderen Tag haben. Obwohl wir am Anfang mutig draußen im Nieselregen saßen, wurde uns schnell kalt und wir verzogen uns nach drinnen, wo es warm und gemütlich war und wir sofort einschliefen, obwohl die nette Dame am Mikrofon allerlei Informationen über Wale erzählte.  :schlafend:  Als wir wieder aufwachten, waren wir weit auf dem Meer draußen und es hatte tatsächlich etwas aufgeklart. Die Durchsage kam, wir hätten jetzt die Futterstellen der Wale erreicht, wir zogen uns an und gingen ganz nach oben an Deck.



Wir waren gerade einmal zwei Minuten oben, da kam schon die nächste Durchsage: der erste Wal! Wir sahen also während der nächsten halben Stunde zwei Buckelwale, davon einer mit einem jungen Wal, einen Zwergwal und ganz kurz einen Finnwal; außerdem sahen wir Delfine, einen kleinen Tümmler (porpoise) und Robben. Die Wale prusteten Wasser in die Höhe, zeigten ihre Rücken und ihre Flossen, bevor sie wieder tief abtauchten, was für eine Erfahrung!







Außerdem erzählte die kommentierende Meeresbiologin noch interessante Fakten über den Hummerfang hier in der Gegend: jedes Jahr werden 100 Millionen Hummer in tausenden von Fallen unter Wasser gefangen, jeder Hummerfischer darf maximal 8000 eigene Fallen haben. Die Fallen sind über Wasser von kleinen Bojen gekennzeichnet, sie sind aber so viele, dass die Boote hier in der Region meistens einen kleinen schützenden Käfig um ihre Schiffsschrauben haben, da sie den Bojen nicht ausweichen können. Um die Hummerpopulation zu schützen, darf man keine zu leichten Hummer (sie müssen noch wachsen) und keine zu schweren Hummer (weibliche, besonders große Hummer produzieren mehr Eier, männliche besonders große Hummer sind attraktiver für weibliche Hummer – so sichern beide den Fortbestand der Hummer) und keine trächtigen Hummer (sie werden markiert und sind damit für den Rest ihres Lebens geschützt) fangen.





Bald waren wir wieder zurück im Hafen und uns war ziemlich kalt, außerdem konnten wir auf dem Rückweg keinen Supermarkt finden. Wir entschlossen uns, Dosenravioli warmzumachen und durften dafür die Mikrowelle der beiden netten Empfangsdamen im Campground benutzen. Wir schauten beim Essen im Fernsehraum (!) TLC (!), und zwar die seltsame Doku-Sendung „Born Schizophrenic“…  :lol:  Danach begaben wir uns aber doch zurück in die Natur und machten an der Campsite noch ein Feuer, worauf wir sehr stolz waren.



Wir stellten fest, dass unsere zwei Luftmatratzen nicht ins Zelt passen, so dass wir uns entschieden, draußen zu schlafen. Wir lagen eine Weile am Feuer und schliefen dann langsam vor der Glut ein, immer in der Angst, irgendwelche Spinnen würden nachts über unsere Gesichter laufen.  :bibber:  Die Nacht unter den Sternen (nicht wirklich, eher unter dem leichten Nieselregen) war zumindest für mich unruhig, ich wachte mitten in der Nacht von gefühlten hundert Mücken auf und verzog mich ins Zelt, Merelise blieb weiter tapfer draußen. Außerdem verzog sich der Nebel nachts immer noch nicht, so dass wir uns für Ausschlafen entschieden, wir hätten bei klarem Wetter auch auf den Cadillac Mountain fahren und dort den frühesten Sonnenaufgang Amerikas anschauen können.



Wir schliefen sogar bis halb 9, packten dann alles zusammen und aßen in Bar Harbor bei „2 Cats“ Frühstück – perfekt für uns, dort liefen Katzen herum und man konnte sie streicheln, während man frühstückte.





Ach ja, das Essen war auch super!



Danach fuhren wir die Park Loop Road ab. Wir hielten zunächst am Sandy Beach an, obwohl es absolut kein Strandwetter war. Trotzdem war es schön, am Strand zu sitzen und den schönen Wellen zuzuschauen.









Dann fuhren wir zum Thundering Hole, ein Gesteinsloch am Meer, uns allerdings nicht den Gefallen einer donnernden Gischtwolke tat, sondern eher „gurgling hole“ genannt werden sollte. Nach einer halben Stunde erfolglosen Wartens fuhren wir dann weiter, schauten unterwegs noch die Klippen im Nebel an und fuhren dann zum Jordan Pond.





Dort schauten wir uns den stillen, spiegelglatten und wunderschönen See an und tranken dann „afternoon tea“ im dortigen Café, dazu gab es leckere „popovers“ (souffleartige Brötchen) und Marmelade.



Zum Schluss fuhren wir noch auf den Cadillac Mountain, in der Hoffnung, dass oben vielleicht kein Nebel sein könnte, wurden aber enttäuscht (ein andere Tourist sagte bei Ankunft ironischerweise: „extraordinary view!“  :lol: ), die Sichtweite betrug vielleicht 2 Meter und es war windig-kalt.



Wenigstens konnte man an einem etwas niedriger gelegenen Viewpoint etwas von der Landschaft sehen, aber auch nicht sehr viel.



 So waren wir also zwei Tage im Acadia NP, haben jedoch zu keinem Zeitpunkt einen vollständigen Blick auf die angeblich so schöne, zerklüftete Küste gehabt... anschließend fuhren wir zurück nach Skowhegan.

Am nächsten Morgen standen wir sehr früh auf, da wir mit Rachel (Merelises Freundin) whitewater raften gehen wollten, eine andere Schulfreundin von Merelise (Minna) und ihr Bruder und seine zwei Kumpels sowie der kleine Bruder von Rachel und Rachel selbst kamen auch noch mit. Wir fuhren eine Stunde Richtung Norden, wo Rachel ein Haus hat, packten die Raftingausrüstung, Sandwiches und uns alle (8 Leute!) in einen Truck (der keine Bruder quetschte sich in den Kofferraum) und fuhren damit über staubige Nebenstraßen zum Fluss, eine sehr abenteuerliche Fahrt. Nachdem wir das Schlauchboot aufs Wasser gesetzt hatten, wurde die Fahrt nicht weniger abenteuerlich – die ersten Stromschnellen kamen sehr bald! Der Fluss führte viel Wasser, so dass wir schnell unterwegs waren und permanent nass wurden, es machte unheimlich viel Spaß, wir hatten mehrere Class III und zwei Class IV-Stromschnellen und juchten und kreischten bei jeder einzelnen. Außerdem begann bald eine verrückte Jagd auf Pferdebremsen, die von unseren nassen Körpern ganz begeistert waren. Als der Fluss ruhiger wurde, schwammen die Jungs ein bisschen, wir aßen Sandwiches und genossen die Sonne.





Dann kamen wir zur Ausstiegsstelle, packten das Equipment ein, zogen uns um und fuhren (wieder alle ins Auto gequetscht) zurück zu Rachels Haus, dann nach Skowhegan. Wir hatten einen entspannten Abend, bevor ich mich am nächsten Morgen von Merelises liebgewonnener Familie verabschieden musste. Wir fuhren zurück nach Boston, unterwegs hielten wir noch einmal bei einem seltsamen Deko-Ramschladen in Portland („The Christmas Shop“, hat aber nichts mit Weihnachten zu tun), beim Best Buy (um Merelises Handy reparieren zu lassen und Ewigkeiten zu warten) und beim H&M an und aßen einen leckeren Forzen Yoghurt. Abends kamen wir in Wakefield an und fuhren mit Merelises Papa zu Sonic (dem einzigen Sonic im ganzen Nordosten), und zwar mit seinem uralten Käfer. Es war schon eine besondere Erfahrung, in einem gefühlt 100 Jahre alten Auto über die Interstate zu fahren… bei Sonic aßen wir dann aber draußen, dafür wäre das Auto zu klein gewesen. Am nächsten Tag gingen wir bei glücklicherweise etwas kühlerem Wetter ins Museum of Fine Arts in Downtown Boston, was ich unbedingt noch besuchen wollte. Ein hervorragend ausgestattetes Museum mit vielen tollen Gemälden, aber auch einer großen Ausstellung antiker Vasen und Gegenstände. Es gab schöne amerikanische Malerei, auch berühmte Werke wie Monets und Van Goghs. Abends gingen wir beim Italiener in Wakefield essen. Am nächsten Morgen standen wir früh auf und verabschiedeten uns voneinander – es war ein schwerer Abschied, denn Merelise und ich hatten eine noch stärkere Freundschaft über die letzten Wochen aufgebaut als bereits in Middlebury.   :winke: :( Sie und ihr Papa brachen jedoch in die gleiche Richtung wie ich auf, sie fuhren nach Burlington zu einem Konzert, ich fuhr nach Saratoga Springs zu einer anderen Freundin, Paulina.

Heute Abend: Der letzte Teil, Saratoga Springs mit Paulina und Vermont mit den Eagans
Liebe Grüße,
Rike


*Lupine

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Der Juli im Nordosten, Teil 3

Es war wieder sehr heiß und schwül auf der Fahrt durch Massachusetts, ich kaufte noch schnell Aprikosen und Kirschen als Gastgeschenk und kam dann in Saratoga Springs zu Paulinas Haus in eine reichen, gepflegten Villengegend. Das Haus war auch sehr schön und piekfein mit einem großen Garten im Wald. Ich lernte ihre netten Eltern und ihren Hund, Truffles, kennen und das Wiedersehen mit Paulina war auch sehr herzlich. Sie zeigte mir zuerst ihr Zimmer, das Haus, den Garten, wir packten das Auto aus und dann gab es Abendbrot – zuerst rohen Lachs (Sashimi) mit Sojasoße und Wasabi, sehr lecker und zart, anschließend chinesische Nudelsuppe mit Kohl und Rindfleisch, den Nachtisch machten wir mit einem typisch amerikanischen Popcorn Maker, auf einer heißen Platte dreht sich ein Stab, der das langsam aufplatzende Popcorn durchrührt.

Zum Frühstück machte Paulinas Mutter Pancakes und Rührei für uns. Erst spät verließen wir das Haus, es war wieder eine Gluthitze draußen, und fuhren in die Stadt. Am Target-Markt gingen wir zu einem Coinstar-Automaten, in den ich all mein verbliebenes Kleingeld hineinschüttete, es waren unter anderem 250 Pennies! Dafür ließen wir uns einen Starbucks-Gutschein über 14 Dollar drucken und gingen einen Eiskaffee trinken. Außerdem überredete Paulina mich, amerikanische Brezeln zu probieren (fettig!):



Die Innenstadt von Saratoga ist hübsch, sehr gepflegt, mit großen Blumenkübeln überall. Anschließend fuhr ich Paulina zur Arbeit, sie kellnerte zu diesem Zeitpunkt in einem Goflclub-Restaurant; von da aus ging ich noch ein Stündchen alleine bei TJ Maxx und anderen Läden shoppen. Den Abend verbrachte ich mit ihren Eltern, die sehr nett zu mir waren, mir lecker Abendbrot machten und sich lange mit mir unterhielten, bis Paulina zurückkam. Am nächsten Morgen gab es frische Blaubeermuffins, Obstsalat und gekochte Eier. Dann fuhren wir zum Saratoga Spa State Park und gingen in einem historischen Freibad mit Säulengängen und einer gepflegten Liegewiese schwimmen, aßen mittags Pommes und kühlten uns im Wasser ab.



 Es war allerdings wahnsinnig voll, kein Wunder bei diesem Wetter. Anschließend statteten wir dem Saratoga Race Course einen Besuch ab, wo die berühmten Pferderennen stattfinden.



Bald ist wieder Saison und so wurden gerade überall Buden und Zelte aufgebaut und alles hübsch hergerichtet. Paulina erzählte, dass auch ihre Familie hier jedes Jahr hergeht und auf ein Pferd wettet. Zum Abendbrot aßen wir leckere flatbread pizza in einem kleinen Restaurant am Fluss. Obwohl es bereits 6 Uhr war, brannte die Sonne immer noch auf der Haut.  :sun:

Abends fuhren wir dann nach Ballston Spa, wo die Saratoga County Fair stattfindet, eine Art jährliche Kirmes im Sommer.



 Die Stadt war schon völlig überfüllt, sogar private Gärten wurden für 5$ zum Parken angeboten. Wir waren damit aber unzufrieden und suchten noch etwas, bis wir zu einem Parkplatz kamen, an dem ich den Typen nach dem Preis fragte – „50$!“ -  ich guckte ihn völlig verdattert an, er lachte und meinte es sei „free“. Na dann! Wir bezahlten unseren Eintrittspreis und gingen dann auf die Festwiesen. Es gab einen Streichelzoo, ausgestellte Traktoren, lokale Unternehmen stellten sich vor, preisgekrönte Tiere wurden vorgeführt, aber auch die Armee hatte einen Stand. Wir schauten zu, wie eine Pferdekutsche mit besonders tollen Pferden ein paar Mal im Kreis fuhr.



 Es gab natürlich auch irre viele Fressbuden, an einer probierten wir großartigen frittierten Oreo.



 Wenig später ging es dann zum Highlight, weswegen wir eigentlich hergekommen waren: dem Demolition Derby.   :groove:



Die Tribüne war schon jetzt vollgepackt mit Menschen, wir waren eine große schweißige, zuckrige, dreckige Masse, eingedieselt mit Mückenspray. Auf der Tribüne stand die Luft, es war schwülheiß. Der Mann am Mikrofon verkündete dann die Spielregeln: „welcome to the world’s largest demolition derby“ (klar), die extra aufgemotzten Schrottautos der Teilnehmer werden hier solange gegeneinander fahren, bis ein Auto am Ende übrig bleibt, das noch fahren kann. Alle anderen scheiden aus und werden vom Platz abgeschleppt. Natürlich kam als nächstes die Nationalhymne, alle standen auf, nahmen ihre Kappen ab, Hand aufs Herz, und sangen mit. Als die Hymne zu Ende war, jubelten alle lautstark. Dann ging’s los, 5 Autos stellten sich gegenüber auf, die Zuschauer zählten herunter, und dann fuhren sie mit Karacho gegeneinander. Die Fahrer trugen nichts außer Helm & T-Shirt! Immerhin gab es die Regel, dass man nicht gegen die Fahrertür eines anderen fahren darf. Nach und nach reduzierten sich die Karosserien der Autos auf das nötigste, Heck und Motorhaube wurden zusammengequetscht, Stoßstangen hingen herunter, Auspuffe fielen ab, Achsen wurden verbogen.



Und es ging auch mal richtig zur Sache: ein Fahrer war eingeklemmt, das Derby wurde kurz unterbrochen, die natürlich anwesende Feuerwehr befreite den Mann und er wurde von den Sanitätern mit wohl einer Gehirnerschütterung abtransportiert. An anderer Stelle rammte ein Fahrer ein Auto so sehr, dass es sich überschlug und dann sogar Feuer fing, lichterloh brannte!  :staunend2:



 Ein Raunen ging durch die Zuschauermenge, besorgte Gesichter, (vermutlich) die Eltern des Fahrers rannten zum Auto. Zum Glück konnte das Feuer aber schnell gelöscht und der Fahrer gerettet werden. Wir blieben vier Runden beim Derby und machten uns dann, nach einem frittierten Snickers-Riegel, auf den Weg nach Hause, wo wir endlich die Hitze des Tages abduschen konnten. Was für ein Tag!







America's Amusements: Hand Sanitizer und ATMs...  :lol:



Am nächsten Morgen verabschiedete ich mich von Paulina, es musste schnell gehen, weil sie zur Arbeit musste, aber das machte es nicht weniger traurig. Noch ein Abschied! Und die letzte Etappe bricht an. Ich fuhr nach Norden, innerhalb von zwei Stunden hatte ich Middlebury und dann auch das Haus der Eagans erreicht.



Es war immer noch brütend heiß, was bei Paulina in dem klimatisierten Haus gut auszuhalten war. Hier stand jedoch selbst im Haus die Luft und man schwitzte jetzt Tag und Nacht. Ich wurde freundlich willkommen geheißen und als erstes reinigte ich mit den Kindern zusammen die Gartenmöbel, wobei wir uns ausgiebig mit dem Gartenschlauch nass spritzten, wenigstens eine Abkühlung für ein paar Minuten. Wir aßen Abendbrot draußen, wegen der Hitze fast schon ein deutsches Abendbrot mit frischem Brot und Butter. Nach der „Wutprobe“ ging es in die Dusche und ins Bett, es war nachts unerträglich heiß.



Am nächsten Tag ging es nach Burlington, wir trafen uns mit der größten Tochter der Eagans, Elly, spazierten an der Waterfront entlang und aßen bei Skinny Pancake ein paar Crepes. Abends machten wir nichts besonderes, auch am nächsten Tag ging es einfach nur um Hitze ertragen und ein gemütliches Beisammensein.



Wir reinigten noch ein paar mehr Gartenmöbel (Hauptaugenmerk lag auf Abkühlung durch den Gartenschlauch), schauten ein paar Folgen Scooby Doo im Keller (dort war es aushaltbar), aßen Sandwiches, Eis, ich wusch die Wäsche von der Reise, wir fuhren ab und zu nach Burlington, unter anderem um dort beim DMV (Department of Motor Vehicles) mein Auto umzumelden. Ich hatte mich entschlossen, es der Familie zu überlassen, einerseits braucht man bei 5 Kindern schnell mal ein Auto, andererseits kann ich es ja vielleicht eines Tages auch mal wieder benutzen, wenn ich in der Gegend bin. Außerdem hätte ich es sowieso nur für einen Bruchteil des Kaufpreises wiederverkaufen können und das ist ja auch nicht der Sinn der Sache. Die Ummeldung war bürokratisch aufwändig, aber schnell, und spätestens beim Abschrauben der alten Nummernschilder und beim Anschrauben der neuen wurde mir ziemlich melancholisch zumute. So viele Abschiede!  :heulend:



Am Samstag eine Woche vor Abreise nach Deutschland machten wir uns auf den Weg nach Nord-Vermont in eine Region, die sich „Northeast Kingdom“ nennt und über die anscheinend viele Vermonter Witze machen, dass sie rückständig und ländlich sei. Ich konnte davon auf den ersten Blick nichts erkennen, es war einfach nur landschaftlich sehr schön. Ich hatte Edward und Margaret (der beim Autofahren übel wird) im Auto und wir fuhren Kolonne mit den anderen Eagans. Unser Ziel war Lake Willowby, wo wir in einem Ferienhaus einer befreundeten Familie ein paar Tage übernachten durften. Das Haus war zunächst etwas schwer zu finden, es gab drei Waldwege, die wir nacheinander ausprobierten. Der erste war so rumpelig, dass der bisher sehr tapferen Margaret schlecht wurde und wir einen kleinen Brech-Stopp einlegen mussten, aber das Haus war nicht am Ende. Beim Wenden fuhr ich mich fest, doch kam mit Edwards und Johns Hilfe zum Glück wieder los. Auf dem zweiten Waldweg mussten wir erst große Äste wegräumen und der Weg war dann so steil, dass ich mir Sorgen über die Rückfahrt machte, und auch hier stand das Haus nicht am Ende. Aller guten Dinge sind drei und so kamen wir beim dritten Waldweg schließlich ans Ziel.   :knockout:

Die guten Freunde hießen Brian und Jessica und das Haus war wunderschön mit einer riesigen Veranda mit Aussicht auf den von Berge umrahmten See, einem tollen Garten und wahnsinnig vielen Zimmern.



Gleich nach Ankunft gingen wir zum hauseigenen Steg und kühlten uns im glasklaren, algenfreien Wasser ab.



Weiter draußen war eine Schwimmplattform verankert und wir hatten viel Spaß, während wir immer wieder ins Wasser sprangen.



Abends puzzelten wir, spielten Gesellschaftsspiele und aßen ein hervorragendes Abendbrot mit Kartoffelsalat, Hamburger, Hotdogs und Törtchen. Am nächsten Morgen gab es Waffeln und Ahornsirup, der Tag war schön faul mit Schwimmen, Gesellschaftsspielen, Lesen und Essen.



 Nach dem Abendbrot kamen dann noch weitere Freunde von Jessica und Brian zu Besuch und wir saßen noch lange draußen und unterhielten uns. Am nächsten Tag gingen die Freunde wieder, dafür kamen dann noch die Kinder von Brian und Jessica dazu und wir gingen wieder als große Mannschaft Baden und hatten sehr viel Spaß. Nach Wassermelone und Hotdogs zum Mittag gab es dann eine weitere große Verabschiedung und wir machten uns auf den Rückweg nach Middlebury, unterwegs hielten wir in Montpelier an und erhaschten einen Blick auf das Kapitol von Vermont mit einem goldenen Dach. Abends schauten wir noch ein bisschen eine Survival-Show im Fernsehen, „Man Woman Wild“.

Am nächsten Tag machte ich alleine einen Ausflug nach Burlington, kaufte noch einen Vermont Flanell (ein kariertes Holzfällerhemd) als Souvenir und besuchte dann Suzanne, die ich auch vom College kannte. Ihre Familie hatte ein Haus auf einem Hügel und der lange Weg führte durch einen Ahornhain, in dem die Familie auch ihren eigenen Sirup herstellt. Es war heute endlich mal ein kühlerer Tag, keine 35 sondern nur noch 25 Grad, so dass wir etwas in der Sonne sitzen konnten und Obstsalat aßen und lange quatschten. Abends fuhr ich nach Downtown Burlington, weil ich dort noch einmal Merelise treffen konnte! Sie hatte mittlerweile einen Sommerjob dort und so aßen wir Sushi mit Root Beer und Reese’s, genossen den Sonnenuntergang am Lake Champlain und sagten abermals auf Wiedersehen.







Das Leben hier fühlte sich ziemlich normal an, ziemlich zu Hause, und die Vorstellung in ein paar Tagen nach Deutschland zurück zu müssen war ziemlich absurd.



Die nächsten zwei Tage vergingen mit Reisevorbereitungen, ich versuchte mein ganzes Hab und Gut in zwei Reisetaschen hineinzuquetschen und machte abermals Schnitzel als Dankeschön. Dieses Mal jedoch in Größenordnungen: ca. 20 kleinere Schnitzel machte ich, um uns 8 hungrige Mäuler satt zu bekommen.



 Nach diesem letzten gemeinsamen Abendessen machten wir noch ein Lagerfeuer im Garten und aßen S’mores.





Am Donnerstagmorgen brachen Heather (die Mutti), Elly, Flossy und ich Richtung Süden auf, nicht ohne einen sehr tränenreichen Abschied vorher, insbesondere von Margaret. Wir fuhren zu Heathers Eltern, die in Massachusetts wohnen, um dort eine Zwischenetappe zu machen und am nächsten Tag mit dem Zug nach New York fahren zu können. Wir aßen ein sehr leckeres, traditionell amerikanisches Abendbrot mit Ofenkartoffeln, Mais & Co und saßen einen letzten Abend zusammen. Außerdem wog ich meine beiden Gepäckstücke und packte noch einmal um, dann sollte es passen. Am nächsten Morgen stand ich auf, traurig, aufgeregt und ängstlich vor dem Flug, Elly, Heather und ich fuhren mit dem Zug nach dem Frühstück zur Grand Central Train Station. Dort staunten wir ein letztes Mal über die Wolkenkratzer, aßen Mittag, bevor sie mich dann zum Flughafen JFK begleiteten. Am Flughafen checkten wir die Koffer ein, das Gewicht passte, und vor den Sicherheitskontrollen gab es dann den allerletzten Abschied. Auf Wiedersehen Heather und Elly! Auf Wiedersehen Amerika!    :usa: :winke:

Ich bin so dankbar für dieses großartige Jahr, für die tollen Erlebnisse, für die atemberaubende Landschaft, für die Lehre am College, für die Menschen die ich kennenlernen durfte und die mich so herzlich bei sich aufnahmen. Und auch dankbar für die vielen Reisen, die Heiko und ich unternehmen konnten.
Liebe Grüße,
Rike


*Lupine

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Und noch ein Fazit... zur eigentlichen "Great American Journey" mit Heiko.

Eigentlich gibt es da nur eines zu sagen: es war eine großartige Tour mit vielen Anstrengungen aber auch dem Gefühl, Amerika mal so richtig vielseitig kennengelernt zu haben. Mal ein paar Zahlen und Fakten:
- 12 600 gefahrene Meilen
- die frühste Aufstehzeit war 4 Uhr morgens, die späteste Bettgehzeit war 3 Uhr nachts...  :lol:
- 14 Stunden war der längste Fahrtag
- 16 besuchte Staaten + Kanada, drei Zeitzonen
- die Temperatur schwankte zwischen -1°C (Yellowstone) und 38°C (Altus)
- wir befanden uns auf allen möglichen Höhen zwischen 0 m (Golf von Mexiko) und 4302 m (Pikes Peak)
Eine Reise der Extreme!

Außerdem ein dickes Dankeschön an euch Forumsmitglieder hier, dafür, dass ihr diesen Reisebericht so aufmerksam verfolgt habt, über die letzten drei Monate dabei geblieben seid und das ganze durch eure Kommentare sehr bereichert habt! Dafür schreibe ich gerne Reiseberichte!  :daumen:

Als Abschlussschmankerl ein Foto von mir nach der Rückkehr nach Deutschland, mit all meinen Habseligkeiten, die ich im Laufe der Monate angesammelt habe und die meine Eltern, Heiko und ich nach und nach mit nach Hause transportiert haben.  :lol:



Bis zum nächsten Reisebericht!  :winke:
Liebe Grüße,
Rike


*NähkreisSteffi

  • Gold Member
  • Registriert: 11.12.2008
  • 1.436
Hallo Rike,

wieder mal vielen Dank für den tollen Reisebericht.

Du hast das Jahr super genutzt und sehr viel gesehen. Danke, dass wir Dich begleiten durften, es hat sehr viel Spaß gemacht.

Bis zum Nächsten Mal.

Viele Grüße

Steffi

*Inspired

  • Moderator
  • Diamond Member
  • Registriert: 07.02.2008
    Alter: 52
    Ort: Erfurt
  • 8.150
  • Life is unpredictable - eat dessert first!
Was für ein tolles Jahr und was für eine tolle Abschlussreise. Ist dir nicht das Herz total schwer geworden?

Jedenfalls musste ich bei den frittierten Oreos und frittierten Snickers ein bisschen kichern, das ist irgendwie soooo typisch amerikanisch, alles erst einmal zu frittieren!

Auch virtuelle ein herzliches Welcome back!

LG Birgit

*Marthe

  • Senior Member
  • Registriert: 15.02.2013
    Alter: 62
    Ort: Paderborn
  • 108
Hallo Rike,

wieder ein toller,kurzweiliger Reisebericht von Dir.  Danke fürs mitnehmen, es hat sehr viel Spass gemacht.

Und ja: Bis zum nächsten Reisebericht :D

Liebe Grüsse
Marthe

*snowtigger

  • Silver Member
  • Registriert: 18.07.2012
    Alter: 44
    Ort: Wiesbaden
  • 585
Danke Rike fürs Mitnehmen durch so viele Staaten mit so vielen Meilen und so viel Abenteuer!  :D
Es hat Spaß gemacht – vor allem der letzte Teil mit den sehr persönlichen und tief amerikanischen Festen und Orten.
So etwas erlebt und sieht man einfach nicht, wenn man "nur" drei Wochen hat und noch nicht oft in den Staaten war.
Danke. ... und auf bald in deinem nächsten Bericht.  8)
September 2012: http://forum.usa-reise.de/index.php?topic=58760.msg798830#msg798830
September 2014: Yellowstone & the Highlights of Utah
August 2015: SFO > LAX > LAS Honeymoon USA

 

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