"Mit Baby um die Insel" - Island im Mai 2017

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*lonewolf81

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Antw:"Mit Baby um die Insel" - Island im Mai 2017
« Antwort #75 am: 16.08.2017, 20:50 Uhr »
Tag 23 - Mittwoch 24.05. – Hvammstangi - Tálknafjörður

Heute wird es gegen Ende etwas unappetitlich, aber zuerst beginnt der Tag mit Frühstück und Packen in Hvammstangi. Es steht uns die längste Fahrstrecke bevor, wir wollen in die Westfjorde. Das sind knapp fünf Stunden Fahrt bis Tálknafjörður, dazwischen kilometerweit über Schotterpisten. Simon schläft brav und fleißig ein, wir fahren zuerst quer rüber und dann an der Westküste entlang von Fjord zu Fjord. Als Simon nach der Hälfte aufwacht, machen wir eine kleine Pause und bieten ihm etwas zu essen an. Er will aber nix, im Nachhinein war das Warnsignal Nummer 1.


Hvammstangi


On the road


On the road


On the road


On the road


On the road


On the road


On the road


Also geht die Fahrt weiter und Simon schläft auch wieder ein. War Island bisher streckenweise schon sehr einsam, so wird es jetzt richtig einsam. Von einem Fjord zum nächsten gibt es außer tollen Ausblicken und ein paar verlassenen Höfen quasi nichts was einen an Zivilisation erinnert. Trotzdem macht die Fahrt Spaß, es ist toll anzuschauen – wenn auch etwas kurvig.


Weiter on the road in den Westfjorden


Weiter on the road in den Westfjorden


Weiter on the road in den Westfjorden


Weiter on the road in den Westfjorden


Einsamkeit


Weiter on the road in den Westfjorden


Weiter on the road in den Westfjorden


Weiter on the road in den Westfjorden


Weiter on the road in den Westfjorden


Kurz vor Flókalundur wacht Simon dann auf und kotzt fröhlich und kräftig ins Auto. Irgendwann hatten wir während des Urlaubs damit gerechnet. Zum Glück sind wir nur wenige Kilometer vom Hótel Flókalundur weg, einem der wenigen möglichen Rastplätze auf der Strecke. Da er danach wieder fröhlich ist, schieben wir das auf die unruhige Autofahrt. War aber wohl Warnsignal Nummer 2. Wir nutzen die Pause im Hotel und stärken uns mit belegten Broten mit Fisch und geräuchertem Lamm, nachdem wir den Kleinen umgezogen und gesäubert haben.


Flókalundur


Die weitere Fahrt bis Tálknafjörður erledigen wir zügig, weiter geht es über Pässe und teilweise kann man sogar Sandstrand erkennen. Eine tolle, fast menschenleere Gegend. Wir sind hier für drei Nächte im Gästehaus Bjarmaland untergebracht, sehr liebevoll eingerichtet. Nachdem Simon einige Zeit spielen darf, wird er erstaunlich schnell wieder sehr müde – das war dann Warnsignal Nummer 3. Wir packen ihn in den Buggy, laufen mit ihm schlafend durch den Ort und kehren ins Cafe Dunhagi ein. Wer immer in der Gegend ist, wir können dieses Cafe mehr als nur empfehlen. Die Besitzerin kocht selber, das Menü besteht nur aus drei Gerichten und wir beide freuen uns auf Arctic Char mit Wildpilzrisotto. Vorweggenommen, das Essen ist auch richtig gut. Auch Simon spricht seinem Fruchtmus freudig zu, wird dann aber anhänglich und will sich nur noch an Papa anlehnen. Und plötzlich kommt es wie es kommen muss und er übergibt sich erneut und Matthias ist von oben bis unten eingesaut. Was ein Spaß.


In den Westfjorden


In den Westfjorden


In den Westfjorden


Goldstrand


Zum Glück ist die Besitzerin sehr hilfsbereit, wir machen uns notdürftig sauber und sie erklärt sich bereit mit unserem Kleinen spazieren zu gehen so dass wir in Ruhe essen können. Das ist sehr nett. Anschließend holt Barbara schnell das Auto, Matthias kann sich notdürftig umziehen und dann bringen wir unseren Simon nach Hause, wo er 39 Grad Fieber vorweist und mit einem Fieberzäpfchen nur noch einschlafen will. Vorsorglich telefonieren wir mit dem Krankenhaus in Patreksfjörður, dort sitzt der nächsten Arzt und das ist 20 Minuten entfernt. Sollte nachts was sein, können wir anrufen oder vorbeikommen. So ist das, wenn man mit Baby reist.


*lonewolf81

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Antw:"Mit Baby um die Insel" - Island im Mai 2017
« Antwort #76 am: 20.08.2017, 11:02 Uhr »
Tag 24 - Donnerstag 25.05. – Tálknafjörður

In der Nacht ist das Fieber zum Glück weg und Simon spielt das „Ich bin fröhlich und drehe mich im Bett um alle Achsen“ – Spiel. Auch am Morgen ist die Temperatur normal und da er beim Frühstück ganz normal lacht und fröhlich ist, beschließen wir es mit unserem Tagesprogramm zu versuchen: Látrabjarg.


Látrabjarg ist eine Landzunge am äußersten Ende der Westfjorde, die für ihre Steilklippen berühmt ist. Dafür muss man zuerst 40 Kilometer über schlecht geschotterte enge Pisten fahren, die das Auto nicht schonen aber dafür auch nicht mit tollen Ausblicken geizen. Island hat hier sogar goldgelbe Sandstrände.


Auf dem Weg nach Látrabjarg


Auf dem Weg nach Látrabjarg


Auf dem Weg nach Látrabjarg


Auf dem Weg nach Látrabjarg


Auf dem Weg nach Látrabjarg


Am Ende endlich angekommen laufen uns zuerst zwei Polarfüchse über den Weg, dann steht dort ein kleiner Leuchtturm und der Ort ist zum einen der westlichste Punkt Europas, Grönland ist in 300 Kilometer Entfernung quasi in Rufweite. Zum anderen gibt es besagte Steilklippen, über eine Länge von 14 Kilometer und mit einer Höhe bis zu 450 Meter bieten sie Lebensraum und Brutstätte für Millionen von Seevögeln. U.a. kann man hier die Papageientaucher so nah wie sonst fast nirgendwo sehen.


Polarfüchse


Polarfüchse


Polarfüchse


Leuchtturm


Blick Richtung Grönland


Simon kommt in die Trage und wird so vor dem Wind geschützt und dann laufen wir gut anderthalb Stunden oben an den Klippen entlang und wagen uns nur vorsichtig oder im Knien über die Abbruchkante, denn die Papageientaucher graben Löcher in die Klippen und entsprechend instabil kann es werden. Neben Möwen, Lummen und Tordalken sehen wir auch tatsächlich einige der putzigen Papageientaucher.


Látrabjarg


Látrabjarg


Látrabjarg


Látrabjarg


Látrabjarg


Látrabjarg


Látrabjarg


Látrabjarg


Látrabjarg


Látrabjarg


Látrabjarg


Látrabjarg


Látrabjarg


Látrabjarg


Látrabjarg


Látrabjarg


Látrabjarg


Látrabjarg


Nachdem er gefüttert wurde und am Lenkrad spielen durfte, schläft Simon wieder ein und wir ruckeln uns auf den Weg zurück. Die Ausblicke sind wieder toll und wir halten noch kurz am Garðar BA64, dem ältesten Stahlschiff Islands aus dem Jahre 1912, das auf einem Strand vor sich hinrostet.


Rückfahrt von Látrabjarg


Rückfahrt von Látrabjarg


Rückfahrt von Látrabjarg


Rückfahrt von Látrabjarg


Garðar BA64


Gegen 15 Uhr sind wir wieder in der Unterkunft und lassen Simon im Wohnzimmer des Guesthouse toben. Er ist wieder ganz der Alte, fröhlich und lacht und macht immer mehr Fortschritte beim Krabbeln. Außerdem schafft er es mehrfach aus der Bauchlage sich selber aufzusetzen und ist ganz stolz und hocherfreut über diese neue Fähigkeit.

Später gehen wir dann noch im Ort spazieren und kehren nach der sehr netten Erfahrung gestern noch einmal ins Cafe Dunhagi ein. Barbara isst erneut den Arctic Char, Matthias wählt diesmal Lamm. Das Essen ist wieder fantastisch, auch der Schokokuchen, und wir quatschen noch nett mit der Besitzerin, die aus der Gegend stammt, dann für 26 Jahre in den USA gelebt hat und vor einigen Jahren zurückgekehrt ist und das Cafe eröffnet hat. Auch über die wechselhafte Geschichte des Gebäudes – vom Schlafsaal für Schwimmschüler über eine Trinkerheilanstalt bis zur örtlichen Tanz- und Partyscheune – erfahren wir dabei einiges. Ein sehr netter Abend.


*lonewolf81

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« Antwort #77 am: 22.08.2017, 19:34 Uhr »
Tag 25 - Freitag 26.05. – Tálknafjörður

Unser zweiter voller Tag in den Westfjorden und heute geht es Richtung Norden. Nach dem erneut guten Frühstück im Guesthouse geht es zuerst auf asphaltierter Straße über einen Pass und dann auf gut 50 Kilometer Gravel Road weiter. Zuerst entlang einiger kleinerer Fjorde mit tollen Ausblicken auf blaues Meer und hohe Berge und dann über eine enge geschotterte Passstraße, die ebenfalls tolle Blicke und Perspektiven in Serien bietet.


Unterwegs in den Westfjorden


Unterwegs in den Westfjorden


Unterwegs in den Westfjorden


Unterwegs in den Westfjorden


Unterwegs in den Westfjorden


Unterwegs in den Westfjorden


Unterwegs in den Westfjorden


Unterwegs in den Westfjorden


Unterwegs in den Westfjorden


Unterwegs in den Westfjorden


Nach dem Abstieg kommt dann zügig der Dynjandi Wasserfall in Sicht, das erste Tagesziel für heute. Der Wasserfall ist 100 Meter hoch und das Wasser fällt breit auffächernd einen Hang hinab. Besonders sehenswert ist, dass es in der darunterliegenden Schlucht noch mehrere kleinere und größere Wasserfälle existieren. Entlang dieser Fälle kann man empor wandern, bis man am Fuß des eigentlichen Dynjandi steht. Sehr fotogen. Simon hat bis dahin geschlafen, darf bei Papa auf den Rücken und ist hin und weg von den ganzen Wasserfällen. Er gluckst gar vor Freude, weil er das rauschende Wasser so spannend findet. Munter klettert er mit uns bis nach oben und wieder nach unten und darf dann mit Blick auf die Wasserfälle sein Mittagessen einnehmen.


Am Dynjandi


Am Dynjandi


Am Dynjandi


Am Dynjandi


Am Dynjandi


Am Dynjandi


Am Dynjandi


Wieder zurück im Auto fahren wir die gleiche Strecke zurück, halten aber etwa in der Mitte am Ende des kleinen Reykjarfjörður. Dort gibt es nämlich ein kleines, von heißen Quellen gespeistes und kostenloses Freibad. Sonst ist da nix außer einem kleinen Hof und ein paar verfallenen Häusern, aber Hauptsache ein Schwimmbad mit Umkleiden. Das Wasser ist schön warm, der Blick auf den Fjord einzigartig herrlich und so verbringen wir hier fast anderthalb Stunden – einen Teil davon ganz alleine ohne andere Gäste. Auch Simon hat wieder mächtig Spaß am Plantschen.


Weiter unterwegs in den Westfjorden


Weiter unterwegs in den Westfjorden


Weiter unterwegs in den Westfjorden


Weiter unterwegs in den Westfjorden


Reykjarfjörður Schwimmbad


Reykjarfjörður Schwimmbad


Links am Rand kann man das Schwimmbad erkennen


Dann geht es weiter zurück Richtung Guesthouse, dort wird wieder fleißig gespielt und dann marschieren wir zum dritten Mal ins Cafe Dunhagi und probieren uns durch den Rest der Karte – Fischsuppe und Kabeljau sind ebenfalls von erster Güte. Wir verabschieden uns am Ende sehr herzlich von der Besitzerin, das waren drei schöne Abende in einem netten kleinen Städtchen. Morgen verlassen wir die Westfjorde wieder.


Auf der Rückfahrt



*Anti

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« Antwort #78 am: 22.08.2017, 20:42 Uhr »
Die Westfjorde sind definitiv ein Highlight eurer Reise. Aber nachdem ich mehrfach bei euch gelesen habe, dass ihr Schotterpisten gefahren seid, kommt die Anreise mit dem eigenen Auto gar nicht mehr infrage. Ich hätte es ja durchaus spannend gefunden, von Dänemark aus die Fähre zu nehmen, drei Tage ist man da unterwegs. Aber es raubt ziemlich viel Urlaubszeit und daher hatte ich das schon fast abgehakt und heute wieder viele Kilometer Schotter... Nee, dann lieber ein Mietwagen,

*lonewolf81

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« Antwort #79 am: 25.08.2017, 12:50 Uhr »
Ach wenn man vorsichtig fährt, geht das auf den Schotterpisten ganz gut.

Tag 26 - Samstag 27.05. – Tálknafjörður - Rif

Heute verlassen wir die Westfjorde, frühstücken gemütlich, trödeln etwas rum und fahren dann in aller Ruhe knapp eine Stunde bis zum kleinen Fährhafen in Brjánslækur. Von dort wollen wir um 12 Uhr mit der Fähre „Baldur“ auf die Halbinsel Snæfellsnes übersetzen. Leider fährt die Fähre erst um 1 los, so stehen wir da ziemlich lang rum und müssen mit Simon die Zeit totschlagen. Da sich auch die Fährfahrt mit knapp 3 Stunden ziemlich zieht, wird das keine ganz einfache Angelegenheit, denn Schlafen will der kleine Kerl auf dem Boot nicht.


Fährhafen Brjánslækur


Überfahrt mit der Baldur Richtung Snæfellsnes


Blick Richtung Westfjorde


Zwischenstopp


Zwischenstopp


Das Wetter wird besser


Endlich in Stykkisholmur angekommen, ist der Tag schon fast rum. Wir kaufen schnell im Supermarkt etwas ein, dann wird Simon in den Autositz gepackt und endlich schläft er ein. An der Nordküste der Halbinsel entlang, fallen gleich einige vulkanische Berge unterschiedlicher Farbe auf, die im wechselnden Licht zwischen Sonne und Wolken interessante Anblicke bieten.


Rund um Stykkisholmur


Rund um Stykkisholmur


Rund um Stykkisholmur


Rund um Stykkisholmur


Kurze Zeit später verlassen wir die Hauptstraße für eine kleine staubige und sehr enge Geröllpiste (558), die auf einigen Kilometern durch das mit grünem Moos bizarr überwachsene Lavafeld Berserkjahraun führt, und auf der wir immer wieder für tolle Fotomotive halten.


Lavafeld Berserkjahraun


Lavafeld Berserkjahraun


Lavafeld Berserkjahraun


Lavafeld Berserkjahraun


Lavafeld Berserkjahraun


Lavafeld Berserkjahraun


Lavafeld Berserkjahraun


Die weitere Fahrt verläuft abwechslungsreich, mit Bergen und Felsen auf der linken Seite und dem Meer auf der rechten Seite. Bei Grundarfjörður gibt es zum einen den als „Zuckerhut“ titulierten sehenswerten Felsen und außerdem mit dem Grundarfoss auch noch einen Wasserfall, den wir aber nur vom Parkplatz anschauen um Simon nicht zu wecken.


Grundarfoss


Grundarfjörður


Grundarfjörður


Weiter auf der Snæfellsnes


Weiter auf der Snæfellsnes


Danach fängt es leider leicht an zu regnen und wir fahren die letzten Kilometer bis nach Rif, einem kleinen Örtchen in dem wir über AirBnB für die letzten zwei isländischen Nächte eine kleine Wohnung mit Blick auf den Snæfellsjökull gebucht haben. Wir sehen aber leider nur wolkenverhangene Flanken des Vulkans. Matthias schaut sich über einen Internet-Stream das DFB-Pokalfinale an, zwischendurch kochen wir für Simon und später auch für uns und nach einigem Spielen darf der kleine Mann dann ins Bett.


*BigDADDY

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« Antwort #80 am: 25.08.2017, 13:33 Uhr »
Mh,

so einen Polarfuchs habe ich noch nie gesehen, ansonsten fällt mir auf allen Bildern immer wieder auf, wie einsam die Gegend ist. Muss man mögen...
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*lonewolf81

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« Antwort #81 am: 28.08.2017, 18:47 Uhr »
Tag 27 - Sonntag 28.05. – Rif (Snæfellsnes)

Snæfellsnes ist eine langgezogene Halbinsel, in deren Mitte sich ein Gebirgsrücken befindet, dementsprechend kann man bis auf wenige Querstraßen nur an der Nord- bzw. Südküste entlangfahren. Simon ist um halb 7 munter und notgedrungen stehen wir dann bald auf und kommen nach dem Frühstück auch zügig los. Von Rif geht es an der Nordküste weiter zum Snæfellsjökull Nationalpark. Der namensgebende Berg hüllt sich auch heute wieder in Wolken.


Ingjaldshólskirkja


Ingjaldshólskirkja


Nationalaprk


Durch das Lavafeld hindurch geht es zuerst zu zwei Kratern. Den Saxhóll klettern wir noch abwechselnd nach oben, beim Hólarhólar beschränken wir es auf ein paar Fotos von unten. Es fängt an zu nieseln und man kann dort mit dem Auto in den Krater hineinfahren. Leider wird das Wetter eher schlechter als besser. Wir fahren zum Djúpalónssandur, einem eigentlich schönen Strand mit einem netten Wanderweg zum verlassenen Ort Dritvik. Den kalten Wind und Regen können wir Simon nicht zumuten, so belassen wir es bei ein paar Bildern und Blicken vom Aussichtspunkt.


Saxhóll


Saxhóll


Saxhóll


Saxhóll


Hólarhólar


Djúpalónssandur


Genauso halten wir es auch im Malarrif, wo ein Leuchtturm den südlichsten Punkt der Halbinsel markiert und zwei markante Felsnadeln als Reste eines ehemaligen Vulkanschlotes aufragen. Da Simon anfängt zu quengeln, wollen wir einen Platz für eine Mittagspause suchen. Im winzigen Fischerort Hellnar hat das Cafe noch nicht offen, im – laut Reiseführer – malerischen Arnastapi ist das Restaurant über Mittag geschlossen. Zwischen diesen beiden Orten gibt es einen schönen Küstenweg, der fällt aber auch ins Wasser.


Malarrif


Malarrif


Hellnar


Fündig werden wir dann endlich in Búðir, einem verlassenen Weiler der nur noch aus einem Hotel und einer sehr fotogenen schwarzen Kirche besteht. Wir wärmen uns auf, verputzen jeder ein leckeres Stück Kuchen und Simon wird ebenfalls gefüttert und darf sich so weit es geht austoben.


Búðir


Die weitere Fahrt entlang der Südküste verläuft eintönig bei geringer Sichtweite, erst als wir über eine Querstraße Richtung Norden übersetzen, wird es langsam etwas besser. Ziel ist der Hof Bjarnahöfn, berühmt für die Zubereitung von fermentiertem Haifisch (hákarl). Es gibt ein kleines Museum, mit Fischereigegenständen und Objekten aus der heimischen Tierwelt, zusätzlich einen Erklärfilm über den Fermentierprozess. Verarbeitet werden Grönlandhaie, die allerdings nicht gejagt werden. Es werden die Tiere verarbeitet, die versehentlich als Beifang in den Netzen gelandet. Im Rohzustand sind die Haie sehr giftig, da sie nur kleine Nieren besitzen und ihren Harnstoff im gesamten Körper verteilen. Über mehrere Monate Trockenzeit wird dieser in Ammoniak umgewandelt und das Fleisch wird genießbar. Der Geruch ist sehr speziell, der Geschmack nicht so schlimm wie gedacht. Wir kaufen ein kleines Präsent für daheim und besichtigen noch das Trockenhaus.


Unterwegs


Unterwegs


Unterwegs


Bjarnahöfn


Bjarnahöfn


Bjarnahöfn


Bjarnahöfn


Dann fahren wir zügig nach Hause und sind am Nachmittag wieder in der Wohnung, bei dem Regen kann man nicht viel mehr machen als drinnen mit Simon zu spielen. Das ist aber auch schön. Als sich dann tatsächlich mal für ein paar Minuten etwas Sonne zeigt, laufen wir noch mit dem Kinderwagen durch den Ort und schauen auf den nun etwas besser sichtbaren Snæfellsjökull. Anschließend kochen wir und dann bricht die letzte Nacht auf Island für uns an.


Rif


Snæfellsjökull


Snæfellsjökull



*lonewolf81

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Antw:"Mit Baby um die Insel" - Island im Mai 2017
« Antwort #82 am: 30.08.2017, 17:17 Uhr »
Tag 28 - Montag 29.05. – Rif - Düsseldorf

Snæfellsnes und wir werden in diesem Urlaub keine Freunde mehr. Da unser Flug erst nach Mitternacht startet, haben wir noch einen ganzen Tag auf der Insel, aber der Blick aus dem Fenster nach dem Frühstück zeigt erneut nur Regenwetter. Also rücken wir ganz schnell von dem Plan ab, die gestern ausgelassenen Wanderungen heute zu machen. Stattdessen frühstücken wir in Ruhe, packen und spielen noch solange mit Simon bis er müde genug für einen längeren Schlaf ist.

Wir wollen nur runter von der Halbinsel und beschließen noch ein paar Ziele im Landesinneren gemütlich anzusteuern. Die Fahrt bis Borgarnes ist langweilig, grau, nass und eintönig. Dann biegen wir in Richtung Hochland ab und steuern die beiden Wasserfälle Barnafoss und Hraunfossar an. Ersterer ist mehr eine Wildwasserschlucht und nicht so spektakulär, der andere daneben deutlich mehr. Es handelt sich nicht um einen „klassischen“ Wasserfall, sondern das Wasser tritt hier über die ganze Breite einer Felswand direkt aus der schwarzen Lava heraus. Das sorgt für nette Kontraste und hier scheint sogar ein wenig die Sonne. In einem naheliegenden Cafe kehren wir ein, essen Kuchen und Simon darf durch das Lokal turnen. Dabei schafft er es zwei Schritte zu krabbeln, bis ihn die Kraft verlässt und er auf den Bauch plumpst. Aber immerhin.


Barnafoss


Barnafoss


Hraunfossar


Hraunfossar


Hraunfossar


Doch das ist nicht von langer Dauer, schon ein paar Kilometer weiter in Reykholt nieselt es wieder. Reykholt ist der Ort des Snorri Sturluson, einem der größten Isländer des Mittelalters. Er lebte hier, hatte hier seinen Hot Pot und ist auch hier begraben. Die Ausstellung dazu sparen wir uns, wir schauen uns die alte Kirche (innen und außen) und die neue Kirche (nur außen) an und werfen auch einen Blick auf den in Stein eingefassten heißen Pool.


Reykholt


Reykholt Alte Kirche


Snorri Sturluson


Sein Pool


Danach wird der Regen zunehmen stärker und wir tuckern gemütlich in Richtung Akranes, dort gibt es ein Museumssammelsurium, bestehend aus einigen alten Häusern, einem Heimatmuseum, einer Sonderausstellung über den keltischen Einfluss und ein Sportmuseum. Das ist alles ganz nett, nicht überragend, aber vertreibt uns die Zeit bis zum Abendessen. Dies nehmen wir auch in Akranes im Galito zu uns, ein feines Restaurant bei dem wir uns zum Abschluss des Urlaubes nochmal leckeres Lamm und Lachs gönnen.


Museum Akranes


Museum Akranes


Museum Akranes


Museum Akranes


Museum Akranes


Museum Akranes


Museum Akranes


Anschließend vershoppen wir im Kronan Supermarkt die letzten isländischen Kronen und fahren dann in aller Gemütlichkeit nach Keflavik. Wir geben das Auto ab, lassen uns zum Flughafen bringen, checken ein und warten dann auf den Heimflug nach Düsseldorf. Simon ist hellwach und findet den Flughafen megaspannend, schläft dann aber eine Stunde nach dem Start endlich ein. Wir haben bei Eurowings wieder eine Dreierreihe für uns und so geht das halbwegs entspannt zu. In Düsseldorf dann der Temperaturschock mit tropisch-feuchten 20+ Grad morgens um 6.





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Antw:"Mit Baby um die Insel" - Island im Mai 2017
« Antwort #83 am: 30.08.2017, 17:19 Uhr »
Fazit

Island als Reiseland hat uns sehr gut gefallen. Das ganze Land ist überschaubar, die Zahl der Highlights ist so aber auch überschaubar und so knubbelt es sich bisweilen. Gerade gegen Ende haben wir schon sehr viele Reisebusse gesehen, die Touristen gefühlt zu jeder Milchkanne transportieren. Hier kann man erahnen, wie es in der Hochsaison sein muss. Bei uns im Mai war es noch okay, eine fundierte Beurteilung ob Island ein schnelleres Touristenwachstum hat als es eigentlich gut wäre, können wir nicht abgeben. Aber es liegt nahe, denn touristische Infrastruktur gibt es oft nur in rudimentärem Ausmaß.

Trotzdem wollen wir das differenziert sehen: Natürlich können Touristen-Massen nerven, aber welches Vorrecht sollte ich haben, das Land zu besuchen und jemand anders nicht? Wer unterscheidet zwischen „gutem“ und „schlechtem“ Tourist? Die Maxime sich selber so zu verhalten, wie man es auch von anderen erwartet, gilt im Urlaub genauso wie daheim und Idioten trifft man ebenso im Urlaub und daheim. Letztlich müssen die Isländer entscheiden, wieviel Tourismus sie wollen, wieviel sie an touristischer Infrastruktur bauen, wieweit sie in die Landschaft eingreifen und wann für sie Schluss ist. Dazu steht uns kein Urteil zu.

Die meisten Menschen, die wir getroffen haben waren sehr nett, die Unterkünfte gelungen und über das hohe Preisniveau wussten wir im Vorfeld Bescheid. Landschaftlich ist Island toll, vieles muss man aber auch erwandern und man muss sich im Klaren darüber sein, dass man mit dem Wetter nicht immer Glück haben wird. Da haben wir doch noch ein paar Orte mit denen wir eine sonnige Rechnung offen haben.

Ob wir nochmal wiederkommen werden? Vielleicht. Wir haben uns nicht in das Land verliebt, wir wurden nicht vom „Islandvirus“ gepackt, aber wir haben die Reise aber sehr schön gefunden und der große Vorteil ist die relative Nähe zur Heimat.

Das Reisen mit Baby war kein großes Problem. Man muss die Etappen kürzer gestalten, man muss die Tage nach den Schlafphasen des Kurzen planen und man kann nicht uneingeschränkt lange Wanderungen unternehmen. Wenn man bereit ist zu verzichten – was angesichts der langen hellen Tage manchmal schwer fällt – dann kann man eine sehr schöne Zeit als Familie verbringen. Positiv aufgefallen ist die Familienfreundlichkeit, sämtliche Restaurants hatten Hochstühle und anständige Wickelräume, da haben wir uns nie verloren oder hilflos gefühlt. Und in den Supermärkten bekommt man natürlich auch alles.

Vielen Dank an die kleine Reisegruppe hier.

*BigDADDY

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Antw:"Mit Baby um die Insel" - Island im Mai 2017
« Antwort #84 am: 30.08.2017, 17:55 Uhr »
Mh,

jede Reise findet mal ihr Ende, schade!
Das Auto links im Sammelsurium-Museum ist ja total verschärft. -
Hätte gern noch ein paar Runden mit Euch gedreht...
Merci!










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*Anti

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Antw:"Mit Baby um die Insel" - Island im Mai 2017
« Antwort #85 am: 30.08.2017, 18:35 Uhr »
Island bleibt auf meiner Wunschliste, auch wenn eure Reise eher durchwachsen war. Klar, eine Schönwettergarantie hat man natürlich  nicht, aber wer sich diese Insel als Reiseziel aussucht, weiß das auch. Mir gefallen eure Eindrücke sehr gut und eure Erlebnisse mit eurem Kurzem würzten den Bericht zusätzlich. Vielen lieben Dank, gerne reise ich wieder mit euch!

*Anne

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Antw:"Mit Baby um die Insel" - Island im Mai 2017
« Antwort #86 am: 03.09.2017, 08:31 Uhr »
Vielen Dank für diesen unglaublich schönen Reisebericht.
Ich bin gerade selbst mit meinem Vater in Deutschland kreuz und quer unterwegs und habe eben die letzte Zeit im Eiltempo hinter Euch herreisen müssen. Wunderschön.
Ich finde es schön, zu sehen, wie Ihr mit dem Kleinen reist. Wir kannten zu der Zeit Ferienwohnungen noch nicht. Ohne Airbnb und Konsorten und in den Internetanfängen für Reisen mieteten wir in den USA Wohnmobile.  Rollende Ferienwohnungen.
Aber so wie Ihr hätte es bei uns so auch gut geklappt.
Vielen Dank für Eure Links zu den Funden. Ich finde das immer spannend. Und für uns eventuell auch sehr interessant für eine spätere Reise.
Auf den Fotos sieht es immer so aus, als wärt Ihr ganz allein unterwegs auf Island. Toll.

Vielen Dank
LG
Karin

*lonewolf81

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« Antwort #87 am: 04.09.2017, 08:50 Uhr »
Danke für die netten Worte.

Das mit dem "allein" auf Island ist nur zum Teil richtig, wir haben natürlich auch immer gewartet bis keiner durchs Bild läuft. Wenn an den Top-Sehenswürdigkeit dann zwei oder mehr Reisebusse gleichzeitig ankommen, dann ist da auch ein Gewusel. Aber was ich gerne transportieren würde und uns gut gefallen hat: Wenn man sich ein paar Minuten Zeit nimmt oder auch ein paar Schritte vom ausgetretenen Pfad abweicht, dann kann man dort ganz alleine sein und sehr viel Ruhe haben.