Die-Luft-wird-dünn-Tour-2014: Vier Wochen Atacama, Altiplano und mehr

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*wuender

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Guten Morgen,

heute schauen wir uns zwei historische Salpeterminen an, danach einige präkolumbianische Felszeichnungen und machen uns dann auf die Suche nach einer nicht-existenten Tankstelle.

23.10.2014 Iquique - Codpa
Aufgrund von Katharinas muschelhaltigem Abendessen und des in der Folge verrenkten Magens kommen wir ein wenig später als gewöhnlich aus dem Bett. Immerhin sind wir beide in der Lage zu frühstücken - und das heutige Hotelfrühstück ist wirklich gut. Wir packen unser Gepäck zusammen und brechen auf. Um die Stadt zu verlassen, müssen wir lediglich der Straße an der unser Hotel liegt ein paar Blöcke folgen und dann nach rechts auf die Manuel Bulnes abbiegen. Diese führt zur Ausfallstraße zur Ortschaft Alto Hospicio, welche auf einem Hochplateau direkt oberhalb von Iquique liegt. Präsentierte sich Iquique gestern an der Promenade und in den Bereichen an und um die Fußgängerzone noch sehr aufgeräumt und mondän, so landen wir nun in einem stressigen und sehr mediterran wirkenden Knäuel von Motorrädern und Autos. Auch die Gebäude links und rechts der Straße könnten so auch irgendwo ganz im Süden Italiens stehen. Wir sind froh, als wir heil auf der steil ansteigenden Straße nach Alto Hospicio angekommen sind. Der Blick von hier auf Iquique und den Cerro Dragon, die berühmte hinter der Stadt liegende Sanddüne, ist phänomenal. Leider gibt es entlang der Straße keine Gelegenheit zum Anhalten und Schauen - das wollen wir von ganz oben nachholen - hier gibt es normalerweise einen Aussichtspunkt. Naja, normalerweise heißt, wenn nicht aktuell die Verbindung zwischen Iquique und der Panamericana autobahnähnlich ausgebaut werden würde. Der Baustelle ist die Ausfahrt zum Aussichtspunkt zum Opfer gefallen, so dass wir mit großem Bedauern auf einen letzten Rückblick auf Iquique verzichten müssen.


Morgenstimmung in Iquique

Unser wichtigster To Do-Punkt für heute ist die Vorbereitung auf die anstehenden Etappen auf das Altiplano, auf dem es so gut wie keine Tankstellen gibt. Daher wollen wir uns zusätzlich zum schon vorhandenen Exemplar noch einen zweiten Ersatzkanister anschaffen. Aufgrund der schon erwähnten Baustelle ist in Alto Hospicio die Hölle los und wir brauchen einige Zeit, bis wir uns zu der in unserem Copec-Atlas eingezeichneten Filiale dieser Tankstellenkette durchgequält haben. Diese Tankstelle besitzt - wie so gut wie alle ihrer Geschwister in Chile - keinen gescheiten Zubehörshop. Im Tankstellenladen gibt es nur Snacks und Getränke. Nach einigem Suchen finden wir allerdings Reservekanister direkt neben den Zapfsäulen, so dass wir diesen Punkt erfolgreich abhaken können. Wir fahren weiter auf der Ruta 16 Richtung Osten und kommen kurz vor der Kreuzung dieser Straße mit der Panamericana - etwa 50 Kilometer hinter Iquique - an den Überresten zweier großer Salpeterminen vorbei - die Oficinas Salitreras Humberstone und Santa Laura. Beide sind in der UNESCO-Liste der Weltkulturerbe aufgelistet. In dieser Gegend erlebte der Salpeterabbau Ende des 19. Jahrhunderts seine Blütezeit - in Humberstone und Santa Laura lebten damals zusammengenommen 4000 Personen. Der Handel mit dem abgebauten Salpeter machte Iquique zur reichen Stadt. Erst nachdem Fritz Haber und Carl Bosch ein Verfahren zur künstlichen Herstellung von Düngemittel entwickelt hatten, brach der Salpeterhandel in den 30er-Jahren des 20ten Jahrhunderts stark ein. Die Salitreras wurden noch einige Jahre weiter betrieben, aber um 1960 mussten in Humberstone und Santa Laura die Tore für immer geschlossen werden.


Salpetermine Santa Laura

Bei der Salitrera Santa Laura handelt es sich um die etwas weniger bekannte und deutlich kleinere der beiden Anlagen. Hier kann man die Anlagen, in denen das Salpeter aufbereitet wurde, näher anschauen. Alles ist didaktisch gut aufbereitet und erklärt. Besonders fasziniert sind wir, wie gut die Gebäude und Anlagen in der trockenen Wüstenluft erhalten geblieben sind - auch wenn sicherlich an der einen oder anderen Stelle ein wenig nachbereitet bzw. ausgebessert wurde. Höhepunkt ist die riesige zentrale Aufbereitungshalle, die mit dem großen Schornstein und dem nur noch teilweise vorhandenen Dach wie ein großes Raumschiff in der Mitte der Siedlung sitzt.


Alte Maschine in Santa Laura

Die Salitrera Humberstone ist nur etwa eineinhalb Kilometer von Santa Laura entfernt. Diese Anlage ist deutlich größer - es handelt sich um eine richtige kleine Stadt mit Theater, Kino, Markt, Schwimmbad, Schule und vielen mehr. Man merkt deutlich, dass der Salpeterabbau sehr viel Geld eingebracht hat. Wobei das nicht bedeuten soll, dass der allgemeine Luxus herrschte. Wir sind beeindruckt und leicht erschrocken zugleich, als wir sehen, wie unterschiedlich die Wohnungen der einfachen Arbeiter und diejenigen der Führungsebene und der Ingenieure aussagen: Während erstere in winzigen Zimmern, fast schon Gefängniszellen, eingepfercht waren, hatten letztere für sich und ihre Familien riesige Luxusvillen zur Verfügung.


Arbeiterbaracken in Humberstone

Unser schon in Santa Laura gewonnener Eindruck, dass an der historischen Bausubstanz gerne auch mal ein wenig renoviert wird, verstärkt sich hier ins Extreme: An einigen Stellen wird fröhlich gebaut, zum Beispiel nagelneue Stützwände aus Beton. Wie sich solche Baumaßnahmen mit dem Status als UNESCO-Weltkulturerbe vertragen, können wir nicht einschätzen. Wir schauen uns länger um und fahren dann weiter.


Plaza von Humberstone mit dem Theater


Die Salpeter-Aufbereitungsanlage von Humberstone

An der Panamericana, der Ruta 5, nur etwa 500 Meter hinter Humberstone, biegen wir zunächst nach Süden ab, in Richtung der kleinen Ortschaft Pozo Almonte. Hier füllen wir den Tank unseres Autos sowie die beiden Reservetanks randvoll auf und fahren mit insgesamt etwa 100 Litern Diesel an Bord zurück in Richtung Norden. 33 Kilometer nördlich von Pozo Almonte, in der Ortschaft Huara machen wir einen kurzen Abstecher nach Osten auf der nach Colchane und weiter nach Bolivien führenden Ruta 15. Dieser folgen wir etwa 14 Kilometer und biegen dann für noch etwa 1.5 Kilometer nach links auf eine kleine Schotterstraße ab. So kommen wir zum Hügel Cerro Unita, auf dem es eine große präkolumbianische Geoglyphe gibt, den Gigante de Atacama. Diese wurde irgendwann zwischen 1000 und 1400 nach Christus geschaffen und stellt wohl eine Gottheit der damaligen Einwohner dieser Gegend dar. Mit 119 Meter Größe ist sie die größte bekannte präkolumbianische Darstellung einer menschlichen Gestalt. Da die um den Cerro Unita herumführende Straße aufgrund von Bauarbeiten gesperrt ist, können wir uns die neben dem Gigante de Atacama vorhandenen Geoglyphen nicht anschauen und fahren nach einiger Zeit wieder zurück zur Panamericana.


Der Gigante de Atacama

Diese führt zunächst einige Zeit durch eine flache und sehr langweilige Wüstengegend. Links am Horizont sehen wir einige Hügel und rechts in großer Entfernung die Anden. Auf einmal tauchen vor uns grüne Pflanzen auf und bald darauf fahren wir durch einen lichten Wald bestehend aus niedrigen Bäumen. Hierbei handelt es sich um den nördlichen Teil der Reserva Nacional Pampa del Tamarugal. Bei den Bäumen handelt es sich um Tamarugos, deren Wurzeln bis zu 40 Meter tief reichen können. Somit sind diese Bäume ideal auf das Leben hier in der Wüste vorbereitet. Früher waren weite Teile der hiesigen Wüste (etwa 300000 Hektar) mit Tamarugo-Wäldern bedeckt. Dann kam der Salpeteranbau und die Wälder wurden gnadenlos abgeholzt. Die heute in der Reserva Nacional Pampa del Tamarugal wachsenden Bäume - auf einer Fläche von insgesamt 30000 Hektar - sind künstlich angepflanzt. Kurz hinter der Reserva Nacional Pampa del Tamarugal wird die Wüste von mehreren unterschiedlich tiefen Quertälern durchschnitten. Die Panamericana führt jedes Mal in das Tal hinein, bis hinab zum grün mit vielen Pflanzen bewachsenen Talgrund und auf der anderen Seite wieder hinaus. Nach dem ersten dieser Quertäler, der Quebrada de Tilviche verlassen wir die Straße und rumpeln ein paar hundert Meter zu einem Aussichtspunkt auf die gegenüberliegende Seite des Tals. Auf den ersten Blick gesehen ist der Blick dorthin nicht gerade sehr spektakulär, aber der Witz liegt im Detail: Wir sehen direkt auf eine Ansammlung von Felszeichnungen - insgesamt 55 Meter breit - welche eine Herde von Lamas mitsamt ihren Hirten zeigen. Der ursprüngliche Zweck dieser Installation ist nicht ganz klar, eventuell handelt es sich um eine Art Wegweiser für Lama-Karawanen, die auf dem Weg über die Anden in Richtung Pazifik waren.


Geoglifos de Tiviliche

Das zweite Quertal - die Quebrada de Tana unterscheidet sich nicht sehr von der Quebrada de Tilviche, aber das dritte - die Quebrada de Chiza - ist riesig. Es ist faszinierend, wie die Straße entlang der steilen Talwände langsam nach unten führt. Hier gibt es auch wieder Felszeichnungen, die Geoglyphos de Chiza, direkt neben der Straße gelegen und aus einiger Entfernung gesehen deutlich eindrucksvoller als direkt aus der Nähe betrachtet.


Geoglifos de Chiza

Bei der Ortschaft Cuya müssen wir durch eine Polizeikontrolle und direkt danach führt die Panamercana steil bergauf heraus aus dem Tal und wieder zurück auf die Hochebene. Hier ist die Straße frisch ausgebaut, mit jeder Menge Überholspuren und Parkmöglichkeiten. Oben angekommen ist es nicht mehr weit bis zur Abzweigung nach Codpa, unserem heutigen Tagesziel. Laut unserem Copec-Atlas befindet sich die nächste Tankstelle dieser Kette am Meilenstein 2050 der Panamericana - das ist gerade mal 43 Kilometer entfernt und noch deutlich vor Arica - der nächsten größeren Ortschaft. Ein paar Liter mehr Treibstoff als Reserve im Tank können auf den langen Etappen ohne Tankstellen auf dem Altiplano nicht schaden. Zudem sind wir früh dran und bisher sehr gut vorangekommen. Also entscheiden wir spontan, die 86 Kilometer Umweg in Kauf zu nehmen, und fahren weiter auf der Panamericana nach Norden. Und stehen schon nach wenigen Kilometern in einer Baustelle. Bis zur vermeintlichen Tankstelle brauchen wir daher deutlich länger als gedacht und finden zudem  am Meilenstein 2050 nur Wüste. Blöd. Weiter geht's und nach noch einer sehr zeitraubenden Baustelle - diese ist nur in einer Fahrtrichtung zu befahren - erreichen wir die Ausläufer von Arica. Hier tanken wir auf und fahren wieder zurück zur Abzweigung nach Codpa - wo wir knapp zwei Stunden nach unserem ersten Besuch dort wieder ankommen.

Von hier aus folgen wir nun endlich der A-35 in Richtung Codpa. Diese führt zuerst immer nach Osten, mitten in die Vorgebirge der Anden. Die Straßenführung ist wunderschön und die Landschaft toll von der nun schon tief stehenden Sonne angestrahlt. Die Straße ist perfekt asphaltiert, wir kommen gut voran und Zeit kosten nur die zahlreichen eingelegten Stopps zum Staunen und Fotografieren.


Wüstenlandschaft an der Straße nach Codpa


Serpentinen hinab ins Valle de Codpa

Kurz vor Codpa macht die Straße einen großen Bogen, zunächst nach Norden und dann wieder zurück nach Westen. Als wir nur noch zwei Kilometer von Codpa entfernt sind und uns auf das Abendessen in der vorgebuchten Lodge freuen, wartet hinter einer engen Kurve eine böse Überraschung: Wieder mal eine nur einspurig und wechselseitig zu befahrene Baustelle. Der Bauarbeiter der mit einem Schild den Status der Baustelle anzeigt, kommt zu unserem Auto und teilt uns mit, dass wir etwa 30 Minuten warten müssen. Letztendlich werden es nur 25 Minuten Wartezeit - die fünf Minuten Ersparnis rufen in uns aber nicht unbedingt überschwängliche Freude hervor. Immerhin können wir nun den Grund der Verzögerung in Augenschein nehmen. Direkt oberhalb von Codba klebt die Straße abenteuerlich an einem senkrechten Felshang und hier wird an der Befestigung der Felsen gebaggert und gebohrt. Als wir schließlich in der Lodge eingecheckt haben, können wir von der Terrasse unserer Cabin aus die hoch über uns stattfindenden Bauarbeiten bewundern. Immerhin sind wir noch rechtzeitig da um ein sehr leckeres Abendessen zu bekommen. Danach bewundern wir den sehr intensiv leuchtenden Südsternhimmel und die davor fröhlich umherflatternden Fledermäuse und gehen dann ins Bett.


Abendstimmung in der Codpa Valley Lodge

Gefahrene Strecke: 433 km

Übermorgen geht es weiter.

Schöne Grüße,
Dirk

*Doreen & Andreas

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Als wir nur noch zwei Kilometer von Codpa entfernt sind und uns auf das Abendessen in der vorgebuchten Lodge freuen, wartet hinter einer engen Kurve eine böse Überraschung: Wieder mal eine nur einspurig und wechselseitig zu befahrene Baustelle.
Puuuuh, bei der Ankündigung hatte ich schon mit Schlimmerem gerechnet.
Hätte ja sicher auch was Böseres kommen können...
Viele Grüße,
Andreas
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*wuender

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Hallo Andreas,

Hätte ja sicher auch was Böseres kommen können...

Naja, nach der halben Muschelvergiftung und der erfolglosen Tankstellensuche war für uns an diesem Tag rein subjektiv diese halbe Stunde Wartezeit so kurz vor dem Ziel schon böse genug...

Allgemein kann ich hier aber beruhigen: So richtig fiese Zwischenfälle hatten wir auf dieser Reise nicht - wir kamen ausnahmsweise sogar ganz ohne Reifenpanne aus :lachen07:. Allerdings werden wir noch viel Spaß mit verschiedenen Zöllnern bzw. Zolldokumenten haben - dazu aber später rmehr.

Schöne Grüße,
Dirk

*wuender

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Hallo allerseits,

heute wird zum ersten Mal die Luft etwas dünner...

24.10.2014 Codpa - Putre
Nach dem Aufstehen gibt es ein einfaches aber sehr gutes Frühstück. Das Wetter ist wieder perfekt und der Himmel zeigt sich wolkenlos. Wir bezahlen unser gestriges Abendessen und brechen dann auf. Der Asphaltbelag der Straße endet in Codpa. Im weiteren Verlauf folgt die sehr enge und rumpelige Strecke noch ein gutes Stück dem Codpa Valley - dicht grün bewachsen. Nach etwa 5 Kilometern kommen wir zur Abzweigung zu den Geoglifos de Otrajija. Diese Gruppe von präkolumbianischen Felszeichnungen entstand in den Jahren 1000 bis 1500 nach Christus und verteilt sich über einen größeren Bereich an den Felsen der von uns gesehen linken Talseite. Einen bezeichneten Trailhead finden wir nicht, also stellen wir unseren Pick-Up einfach an eine deutlich breitere Stelle der Straße und laufen los. Ein nur wenige hundert Meter langer Weg führt direkt zu den Malereien bzw. Ritzereien. Wir sehen jede Menge Tiere, Menschen aber auch geometrische Formen und ein Sonnensymbol. Das war ein lohnenswerter Abstecher.


Petroglifos de Ofragia

Wir rumpeln zurück zur Hauptstraße, welche sich bezüglich des Straßenzustandes nicht wirklich von der Stichstraße zu den Geoglyphen unterscheidet - und auf dieser weiter Richtung Norden. Das Codpa Valley wird ebenso interessant verlassen wie wir gestern gekommen sind - die Straße schlängelt sich faszinierend durch immer enger zusammenstehende Felsen bergauf. Über viele Kehren geht es nach oben und dort angekommen bessert sich die Qualität der Straße merklich. Rechts von uns stehen immer die hohen Gipfel der Anden, links fällt die Landschaft flach ab - letztendlich bis zum Pazifik.


Straßenverlauf durch die Voranden

Nach etwa 20 Kilometern - bei der kleinen Ortschaft Timar - geht es wieder steil in ein Quertal hinab. Unten im Talgrund stehen als krasser Kontrast zur umgebenden kargen Hochebene wieder viele grüne Pflanzen. Ab hier ist die Straße wieder asphaltiert und sie bleibt es bis etwa 12 Kilometer hinter einer Abzweigung, von wo aus wir durch die Pampa de Chara direkt Richtung Arica fahren könnten. Wir allerdings biegen nach rechts ab und ab hier geht es in vielen Kurven steil nach oben. Die Farben der Landschaft sind phantastisch. Die Straße führt immer mal wieder bergauf und bergab von Tal zu Tal und die Landschaft ändert sich immer wieder von karg mit Sträuchern bewachsen auf der Hochebene zu Wüste in den etwas tiefer gelegenen Gegenden und zurück - und in den Tälern ist es schön grün.


Blick auf die Andenkette

In einem dieser Täler liegt die Ortschaft Tignamar und direkt vor der Ortschaft - etwas versteckt im Wald gelegen - die alte Dorfkirche. Dieser statten wir einen kurzen Besuch ab, während wir durch Tignamar selber nur durchfahren.


Alte Kirche bei Tignamar


Bunte Erde

In der Ortschaft Saxamar sehen wir unser erstes Lama am Wegrand. Zudem gibt es hier interessante Bewässerungssysteme, die sogar kurz in der Mitte der Straße parallel zu dieser verlaufen. Hier ist vom Fahrer Konzentration gefordert, um nicht mit einem Reifen in die tiefe Rinne reinzufahren.


Unser erstes Lama

Kurz vor der Ortschaft Belen kommen wir an einer interessant in den Berg gebauten kleinen Kapelle vorbei, dem Santuario de la Virgen de Tojo Tojone. Belen selber ist eine schöne kleine Ortschaft, die wir uns im Verlauf eines Spaziergangs genauer anschauen. Die Ortschaft wurde im Jahre 1625 von den Spaniern gegründet. Daher findet sich als zentraler Platz - wie in fast jeder südamerikanischen Ortschaft - eine Plaza, von der aus schachbrettförmig die engen Straßen ausgehen. Wir schauen uns in den Gassen und auf der Plaza mitsamt der erhöht gelegenen Kirche Virgen de la Candelaria und deren frei stehendem Turm um. Als wir fast schon wieder aufbrechen wollen, spricht uns der Dorfpfarrer an und fragt, ob wir einen Blick in die Kirche werfen wollen. Da sagen wir nicht nein - und es lohnt sich: Ein zwar sehr schlichter aber wunderschöner Holzbau mit einem Altar, der ebenfalls komplett aus Holz besteht. Die Kirche stammt zwar aus dem 18ten Jahrhundert, wurde aber etwa hundert Jahre später durch Erdbeben schwer beschädigt und erst vor wenigen Jahren wieder hergestellt.


Straßenverlauf über Berg und Tal


In Belen

Nach einiger Zeit verabschieden wir uns und fahren weiter. Entgegen all unserer Erwartungen ist der weitere Verlauf der Straße ab direkt hinter Belen asphaltiert, wenn auch nicht überall sonderlich breit. Was ein Mittelstreifen auf einer grob geschätzt zweieinhalb Meter breiten Straße soll, weiß auch nur derjenige, der den Streifen hat draufmalen lassen. Die Straße gewinnt steil an Höhe, unter anderem mittels abenteuerlicher Serpentinen. Auf diesem Streckenabschnitt können wir auch einen kurzen Blick auf den Cerro Milagro erhaschen, einen Teil der sehr farbigen Bergketten des Altiplanos. Ungefähr zur gleichen Zeit stellen wir auch laut unserem GPS-Gerät mit 3756 Höhenmetern einen vorläufigen Höhenrekord auf. Dabei fühlen wir uns ganz gut und auch das Auto zieht noch halbwegs - man muss halt häufiger mal einen Gang niedriger benutzen als sonst. Nach einer letzten Bergkuppe taucht die Straße wieder ab und erreicht bei einem Truckstop die Ruta 11, die große Verbindungsachse von Arica nach Bolivien. Ein großer Teil des Verkehrs auf dieser Straße besteht aus einem stetigen Strom von angestrengt bergauf schnaufenden LKW und neunzig Prozent dieser LKW stammen aus Bolivien. Das ist kein Wunder, da die Strecke über Ruta 11 nach Arica nahezu der einzige Meereszugang für Bolivien ist, nachdem Chile Bolivien nach dem Salpeterkrieg Jahr 1884 das gesamte Gebiet nördlich von Antofagasta weggenommen hat. Seitdem sind sich Bolivianer und Chilenen auch nicht sehr freundlich gesonnen.

Die Ruta 11 gewinnt steil an Höhe und bald sind fast 3800 Meter erreicht. Vor Erreichen unseres Tagesziels machen wir aber noch einen kurzen Abstecher in die etwa 5 Kilometer abseits der Strecke gelegene Ortschaft Socoroma. Diese ist bekannt für die schöne Plaza mitsamt Kirche. Schön ist Socoroma sicherlich - dem können wir nicht widersprechen - aber im Vergleich zu unserem Besuch in Belen gefällt es uns weniger gut. Vielleicht, weil hier alles wesentlich touristischer wirkt - und das, obwohl wir völlig alleine da sind.


Serpentinen hinunter nach Socoroma


Kirche in Socoroma

Unser Etappenziel heißt Putre und ist nur noch etwa 20 Kilometer entfernt. Kurz vor Putre öffnet sich der Blick ins wunderbar grüne Tal mit der Ortschaft. Direkt dahinter erhebt sich der 5775 Meter hohe Vulkan Taapaca. Die Ortschaft hat etwas weniger als 200 Einwohner, von denen ein Großteil Aymara sind, ein auf dem Altiplano von Peru, Bolivien und Chile heimisches Indiovolk. Putre ist die ideale Ausgangsbasis für Besuche der direkt östlich gelegenen Nationalparks, hauptsächlich den Parque Nacional Lauca.


Blick auf Putre mit dem Vulkan Taapaca

Wir verlassen die Ruta 11 und suchen unser Hotel für die kommenden beiden Nächte, die Terrace Lodge. Dort werden wir sehr freundlich von der Wirtsfrau in Empfang genommen, die uns auch mit Tipps für unseren für morgen geplanten Aufstieg in noch höhere Gegenden versorgt. Wir haben mit Absicht unsere vorige Übernachtung in Codpa auf rund 2000m gelegt und wollen heute in Putre auf etwa 3600 Metern Höhe bleiben, um uns schrittweise an die große Höhe zu gewöhnen. Obwohl wir in den Alpen auch schon bis fast 4000 Metern unterwegs waren, spüren wir die Höhe deutlich - gerade schnelles Laufen fällt doch deutlich schwerer als man es gewohnt ist. Daher ruhen wir uns zunächst etwas in unserem gemütlichem Zimmer aus und machen dann einen kleinen Spaziergang in die westliche Umgebung von Putre. Dabei sehen wir in Gefangenschaft lebende Lamas und Alpakas sowie zwei Kolibris.


Kolibri

Wieder zurück in der Ortschaft laufen wir zur Plaza, an der es tatsächlich eine Bank mit Geldautomaten gibt. Letzterer wirkt in dieser Ortschaft ungefähr so, wie ein frisch gelandetes Ufo. Wir suchen uns ein Lokal für das Abendessen und kommen gerade rechtzeitig nach Sonnenuntergang zurück zu unserer Unterkunft.

Gefahrene Strecke: 194 km

Übermorgen geht es weiter.

Schöne Grüße,
Dirk

*freddykr

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Wie siehts denn da oben mit der Verständigung aus?
In Patagonien haben ja doch viele englisch gesprochen und wo es nicht mehr weiter geht, haben wir mit Händen und Füßen kommuniziert.
Viele Grüße,
Danilo


*wuender

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Wie siehts denn da oben mit der Verständigung aus?
In Patagonien haben ja doch viele englisch gesprochen und wo es nicht mehr weiter geht, haben wir mit Händen und Füßen kommuniziert.

Bezüglich der Englischkentnisse schaut es nicht viel anders aus, als in Patagonien: In den touristischeren Gegenden sprechen ein paar Chilenen bzw. Argentinier Englisch, vor allem in den Hotels (dort z.B.: Torres del Paine, El Calafate, ... - hier z.B.: San Pedro de Artacama - das Hotel dort war das einzige im Verlauf der Reise in dem wir in perfekten Englisch begrüßt wurden). Auch trifft man einige Ausländer, wie zum Beispiel unsere Wirte in Putre (das waren Italiener), die dann natürlich auch gut Englisch sprechen.

Sobald man in etwas einsamere bzw. untouristischere Gegenden kommt, schaut es dagegen mit Englisch düster aus. In Geschäften, am Zoll usw. konnten wir uns auch nur mit Spanisch unterhalten - so dass es sehr von Vorteil war, dass wir unsere Sprachkentnisse seit 2011 etwas aufpoliert hatten.

Im Grunde besteht für einen Südamerikaner ja genau so wenig Grund (bzw. noch weniger) wie für einen US-Amerikaner, eine Fremdsprache zu lernen. Er kommt ja in einem sehr weiten Bereich von benachbarten Reisezielen mit seiner Muttersprache zurecht.

Falls alle Stricke reißen (wir werden in ein paar Tagen von einer Autopanne berichten, bei der wir geholfen hatten und nahezu kein Wort von dem verstanden haben, was die älteren Herrschaften uns erzählt haben), muss man halt auf die von Dir erwähnten Hände und Füße zurück greifen.

Schöne Grüße,
Dirk

*wuender

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Hallo allerseits,

heute schauen wir uns zum ersten mal das im Titel des Berichts auftauchende Altiplano an.

25.10.2014 Putre
Dirk hat fast die gesamte Nacht nicht schlafen können - wir vermuten, dass es sich um leichte Anzeichen einer beginnenden Höhenkrankheit handelt. Wenn keine weiteren Symptome dazu kommen, sollte aber noch alles in Ordnung sein. Pünktlich um acht Uhr sitzen wir im Frühstücksraum unserer Lodge - das Frühstück ist sehr reichhaltig und lecker. Nach dem Frühstück brechen wir auf. Heute wollen wir uns das Altiplano in der Gegend von Putre anschauen. Dabei werden wir uns zum größten Teil im Parque Nacional Lauca bewegen. Direkt hinter dem Ortsausgang von Putre führt eine geschotterte Stichstraße direkt zur Ruta 11. Diese spart uns im Vergleich zur asphaltierten Ortszufahrt - welche weit zurück nach Westen führt - etwa fünf Kilometer Strecke ein und entpuppt sich als recht lustiges Wellblech. Naja, unser Auto wird in den kommenden Tagen noch deutlich mehr aushalten müssen. Auf der Ruta 11 landen wir wieder in einem Konvoi bolivianischer LKW, den wir aber glücklicherweise nach nicht einmal zwei Kilometern wieder verlassen können, als wir nach links auf die kleine A-23 abbiegen. Diese Schotterstraße führt direkt an der Süd- und Südwestflanke des Taapaca entlang, den wir ja schon gestern bei der Anfahrt nach Putre aus der Entfernung bewundern konnten.


Taapaca

Die Straße gewinnt schnell an Höhenmetern - rechts von uns immer die Flanke des Vulkans. Nach links eröffnen sich immer neue faszinierende Blicke ins Tal oder auf in einiger Entfernung stehende andere Vulkane. Hinter einer Kurve sehen wir rechts von uns im Berghang stehend und grasend unsere ersten Vicunas. Vicunas sind die kleinste und zierlichste der vier in Südameika heimischen Kamelarten. Vicunahaare sind sehr fein und wachsen sehr langsam nach - ein Vicuna kann nur einmal alle zwei Jahre geschoren werden. Da zudem Vicunas nicht domestiziert sind, gilt ihre Wolle als die teuerste Wolle der Welt. Ein Paar Vicunasocken kostet schnell 1000 Euro, ein Mantel 25000 Euro. Bis in die 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts litten die Vicunas sehr unter Wilderei, landwirtschaftlicher Nutzung ihrer ursprünglichen Weidegebiete sowie eingeschleppten Krankheiten. Die Anzahl ging stark zurück, auf etwa 6000 Tiere. Dann wurden Schutzgebiete eingerichtet - zum Beispiel die Reserva Nacional Las Vicunas, die wir uns morgen anschauen werden - und seitdem hat sich die Vincuna-Population wieder deutlich erholt, auf zuletzt etwa 200000 Exemplare. Wir beobachten die Gruppe der niedlichen Tiere ausgiebig und fahren dann weiter.


Zwei Vicunas

Immer noch unterwegs an der Flanke des Taapaca erreichen wir die höchste Stelle unserer heutigen Strecke: Laut unserem GPS-Gerät befinden wir uns 4790 Meter über dem Meeresspiegel, laut dem am Straßenrang aufgestellten Schild sind es 5250 Meter. Wir entscheiden uns, dass wir eher dem GPS-Gerät glauben und dass das Schild an einem leichten Anfall von Größenwahn leidet. Egal wie hoch wir hier genau sind - von der Passhöhe bietet sich ein genialer Blick auf die vor uns und unter uns liegende Ebene des Altiplano, sehr karg und lediglich dicht mit kleinen grünen Büschen bewachsen. Weit vor uns sehen wir den fast schon auf der Grenze nach Peru stehenden Vulkan Tacora und rechts davon - deutlich näher - unser erstes heutiges Tagesziel, den Cerro Suriplaza, einen der zahlreichen farbigen Berge dieser Gegend. Die Ebene wird durchschnitten von der Quebrada Allane, einem kleinen Canyon, welchen wir nach etwa 17 Kilometern erreichen. Hier bewundern wir schroffe Felswände links und rechts neben uns, müssen einmal lustig das Bett eines kleinen Baches durchfahren und - fast der Höhepunkt, da absolut unerwartet - es kommt ein Auto entgegen. Hinter der Quebrada de Allane geht es wieder auf die Ebene des Altiplano und wir nähern uns der kleinen Ortschaft Colpitas.


Quebrada de Allane

Hier kommen wir auch zum ersten Mal an einer typischen Geländeform des Altiplano vorbei, einem Bofedal. Bofedale sind weite grüne Moorlandschaften, von denen die geringen auf dem Altiplano vorkommenden Wassermengen quasi aufgesaugt werden. Wasser bedeutet Leben und so bieten die Bofedale des Altiplano zahlreichen Tier- und Pflanzenarten eine Heimat. Besonders auffällig sind vor allem die großen Herden von Alpakas, Lamas und Vicunas, die sich in den Bofedalen tummeln. Während wir gestern noch glücklich waren, ein einzelnes Lama neben der Straße gesehen zu haben, können wir nun zig Alpakas und Lamas beim Grasen zuschauen - ein tolles Erlebnis. Colpitas selber besteht nur aus ein paar Häusern. Wir biegen nach links ab und fahren ein kurzes Stück direkt an der Flanke des Cerro Suriplaza entlang. Kurz darauf biegen wir nach rechts auf eine noch kleinere aber immer noch sehr gute Schotterstraße ab. Die Straße führt recht steil bergauf, letztendlich sogar durch ein paar ziemlich enge Serpentinen. Die Landschaft ist phantastisch: Am Straßenrand sehen wir immer wieder kleinere Bofedale mit vielen Alpakas und Lamas. Im Verlauf des Anstiegs öffnet sich immer mehr der Blick auf den Cerro Suriplaza mit seinen intensiv in rot, orange und braun leuchtenden Hängen.


Grasende Lamas vor dem Suriplaza


Noch mehr Lamas

Einige hundert Meter unter dem Gipfel des Suriplaza führt die Straße über ein Plateau, wo wir eine Pause einlegen. Hier sehen wir viele Llaretas, grüne Pflanzen, die irgendwie an auf den Boden geworfene Kissen erinnern. Llaretas werden etwa einen halben Meter hoch und erreichen eine Fläche von einigen Quadratmetern. Im Gegensatz zum ersten Eindruck sind diese Pflanzen nicht weich, sondern sogar ziemlich hart. Llaretas wurden und werden von den indigenen Bewohnern des Altiplano in der Volksmedizin und als Brennstoff verwendet. Da Llaretas nur sehr langsam nachwachsen, stehen sie kurz vor dem Aussterben und werden streng geschützt.


Der Suriplaza


Llareta-Stauden

Über die Straße, die auf der nördlichen Seite des Suriplaza-Plateaus wieder zurück ins Tal führt, hatten wir im Vorfeld der Reise keinerlei Informationen gefunden, aber Versuch macht klug: Wir fahren los und finden eine sehr gute Schotterpiste - wieder vorbei an vielen Bofedalen, dicht gesprenkelt mit Alpakas und Lamas. Unten angekommen biegen wir bei Cosapilla auf die direkt nach Osten führende A-117 ab, die hier absolut schnurgerade durch das Altiplano führt. Im Südosten sehen wir am Horizont schon die beiden berühmten Zwillingsvulkane Parinacota (6348 Meter) und Pomerape (6222 Meter). An den Gipfeln dieser Berge hängen auch ein paar Wolken - das werden hoffentlich im weiteren Verlauf des Tages nicht mehr. Bei Guacoyo stoßen wir auf die A-123, auf die wir in Richtung Süden - Richtung Parinacota - abbiegen. Diese Straße wurde in den vergangenen Jahren über weite Strecken frisch asphaltiert - der neue Belag führt letztendlich bis kurz vor Parinacota und damit um einiges weiter vorhanden als wir es nach Studium des verfügbaren Kartenmaterials erwartet haben.


Ein Bofedal, voll mit grasenden Lamas und Alpakas

Parinacota ist ein Ritualdorf der Aymara. Das bedeutet, dass die Ortschaft normalerweise fast völlig verlassen ist und die Bevölkerung dort nur zu hohen religiösen Festen zusammenkommt. In Parinacota finden sich in der Touristensaison als Ausnahme ein paar Andenkenverkäufer. Wir sind in der Nebensaison da, finden zwar einen Stand mit Postkarten, müssen dann aber länger suchen bis wir eine Person finden, bei der wir diese Karten bezahlen können. Wir schauen uns etwas um und bewundern vor allem den zentralen Platz mit der weißen Kirche - wie fast alle Kirchen hier auf dem Altiplano mit einem schönen weißen Turm. In ihrer jetzigen Form wurde die Kirche im Jahre 1789 errichtet. Direkt südlich von Parinacota stoßen wir wieder auf die von Putre hierher und weiter nach Bolivien führende Ruta 11, der wir Richtung Osten folgen. An einem Aussichtspunkt haben wir einen schönen Blick auf die unterhalb der Straße liegenden Lagunas de Cotacotani. Dabei handelt es sich im Prinzip um einen größeren See, der an seinem Rand in ein Sumpfgebiet übergeht. Hier könnte man von der Straße aus eine Wanderung zum See unternehmen. Wir überlegen kurz, ob wir loslaufen sollen, entscheiden uns dann aber dagegen: Wir befinden uns auf 4600 Metern Höhe und spüren immer noch deutlich die Auswirkungen der Höhe. Mit Höhenkrankheit hat das bis jetzt zwar nicht wirklich etwas zu tun - aber es ist doch schon faszinierend, wie schnell man auf dieser Höhe nach nur ein paar schnelleren Schritten außer Atem gerät.


Kirche von Parinacota

Also fahren wir weiter und kommen nach ein paar Kilometern zum Lago Chungara, einem der höchstgelegenen Seen der Erde. Etwa 13 Kilometer vor der Grenze zu Bolivien halten wir - direkt am Seeufer - an einer Rangerstation des Parque Nacional Lauca an. Der uns zur Begrüßung entgegeneilende Ranger will nur wissen, aus welchem Land wir kommen und verschwindet dann sofort wieder. Wir spazieren ein wenig entlang des Seeufers, im Blick immer der direkt hinter dem tiefblauen See stehende Parinacota mit seiner perfekten Vulkanform sowie - deutlich weiter entfernt - der schon in Bolivien stehende Sajama (6542 Meter) - ein ebenso nahezu perfekt geformter Kegel. Wir sehen jede Menge Wasservögel, unter anderem Flamingos sowie eine größere Abart von Blesshühnern.


Parinacota und Sajama hinter dem Lago Chungara

Wir fahren zurück in Richtung Putre. Hinter Parinacota befindet sich die Straße in einem Zustand, der sich nur als erbärmlich bezeichnen lässt. Das sind keine einzelnen Schlaglöcher mehr sondern eine Schotterpiste mit einzelnen übriggebliebenen Stücken Asphalt drumherum. Teilweise wird aber an der Straße gearbeitet und ab ein paar Kilometer vor Putre ist wieder alles Tip-Top in Schuss. Wir kommen an einigen Bofedalen mit vielen lamaartigen Tieren vorbei. Einer davon ist der kleine Bofedal de las Cuevas, direkt neben einer Nationalpark-Rangerstation gelegen. Hier gibt es einen etwa einen Kilometer langen Spazierweg, der zuerst am Bofedal entlangführt und dieses über einen Holzsteg überquert. Hier sehen wir eine Herde grasende Vicunas. Obwohl wir diese Tiere gebührend bewundern sind wir doch viel mehr begeistert von den zwei kleinen grauen Tieren die - direkt dahinter - über die Felsen der Straßenböschung huschen. Aus einiger Entfernung sehen wir die ersten Viscachas unserer Reise.


Vicunaherde

Bei Viscachas handelt es sich um mit Chinchillas verwandte Nagetiere die sich am ehesten als eine Art Kaninchen mit langem Schwanz beschreiben lassen. Der Weg überquert die Straße und führt dann hinter einem kleinen Hügel zu den Höhlen die dem Bofedal seinem Namen gegeben haben. Hier haben schon vor 7000 bis 9000 Jahren Menschen gesiedelt. Heute lebt hier nur noch eine größere Anzahl von Viscachas, welche - verstreut über zahlreiche Felsen - die Nachmittagssonne genießen und sich durch unsere Anwesenheit nicht aus der Ruhe bringen lassen. Wir verbringen viel Zeit damit, nach den putzigen Tieren Ausschau zu halten und diese zu beobachten. Das ist ein absolut lohnenswerter Abstecher. Zurück zum Auto müssen wir den kleinen Hügel überqueren - ein Unterfangen, dass uns sofort wieder spüren lässt, in welcher großen Höhe wir uns hier befinden. Mit vielen Pausen und unter großem Schnaufen schaffen wir es aber wohlbehalten wieder zurück zum Auto.


Posierendes Viscacha

Wir rollen zurück nach Putre und ruhen uns dort zunächst etwas in unserem Zimmer aus. Dann organisieren wir von unserem Wirt ein paar Liter Diesel. In diesem Kontext entspinnt sich ein nettes Gespräch über unsere weitere Reiseroute. Ein wichtiges Detail ist natürlich, wo wir auf die nächste Tankstelle treffen werden. Unser Copec-Atlas zeigt in der Ortschaft Pica eine Tankstelle. Sowohl Flavio, unser Wirt, als auch der ebenfalls anwesende Tourguide eines Schweizer Pärchens kannten diese Tankstelle nicht - sind nun aber überzeugt. Denn was im Copec-Atlas steht muss stimmen. Letztendlich ist der Tank unseres Pick-Ups um 40 Liter Diesel voller - zu einem Preis, der zwar deutlich höher liegt, als das was wir im Tal bezahlt hätten, aber immer noch billiger als in Deutschland. Nun sollten wir - in Kombination mit den beiden Reservekanistern die langen Etappen der beiden kommenden Tage sicher überstehen.

Am Abend bummeln wir noch ein wenig durch Putre. Auf der Plaza sind verschiedene Teleskope aufgestellt - und momentan noch (natürlich mit montierten Sonnenfiltern) auf die schon tief stehende Sonne gerichtet. Wir fragen nach und erfahren, dass das hier die Conference Excursion einer momentan in Arica stattfindenden Astronomietagung ist. Zum Abendessen gehen wir wieder in eines der zahlreichen Restaurants und fallen danach müde ins Bett.

Gefahrene Strecke: 212 km

Schöne Grüße,
Dirk

*wuender

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Und weiter gehts...

26.10.2014 Putre -  Geiseres de Puchuldiza
Nach einem erneut sehr guten und reichlichen Frühstück checken wir aus und bedanken uns bei Flavio nochmal für die Versorgung mit Diesel. Dann geht es los - zunächst, wie gestern, wieder auf die Ruta 11 in Richtung Bolivien - dann aber nicht nach links in Richtung Quebrada de Allane, sondern geradeaus. Am Bofedal de las Cuevas, wo wir gestern auf der kleinen Wanderung jede Menge Viscachas aus nächster Nähe beobachten können, sehen wir aus dem Auto heraus wieder einige dieser netten Nagetiere - süß. Ein paar Kilometer weiter biegen wir nach rechts ab, auf eine Schotterpiste in Richtung des Salar de Surire. Dieser große Salzsee liegt zwar mitten in einem Naturschutzgebiet, dem Monumento Natural Salar de Surire, wird aber dennoch intensiv industriell genutzt: hier wird Borax abgebaut, das in der Natur recht selten vorkommende aus Natrium und Bor gebildete Salz. In der Folge handelt es sich bei der Strecke zum Salar, zuerst durch den Parque Nacional Lauca und die Reserva Natural Las Vicunas führend, zwar um eine recht gut ausgebaute Schotterpiste, allerdings wird diese leider auch extrem stark von LKW genutzt. Weil über weite Strecken rechts und links der Piste vom Grader aufgeworfene Schotterhaufen liegen, hat das die paradoxe Folge, dass wir in einer der eigentlich einsamsten Gegenden der Welt nicht einfach zum Schauen und Fotografieren anhalten können, da ein paar Sekunden später garantiert von hinten mit Vollgas ein Laster angebraust kommt.


Grinsendes Lama am Straßenrand

Naja, ganz so schlimm ist es nicht immer und wir haben genügend Zeit, die traumhafte Landschaft zu bewundern. Deren herausstechendstes Merkmal sind natürlich die Vulkane: Zuerst links von uns ganz prominent der von uns schon gestern ausführlich beobachtete Parinacota mit seiner perfekten Kegelform. Als der Parinacota langsam hinter dem Horizont verschwindet, steht vor uns schon längst der nächste beeindruckende Vulkan, der Guallatire, mit 6071 Metern Höhe der dritthöchste aktive Vulkan der Erde. Der Guallatire hat zwar nicht die perfekte Form des Parinacota, dafür aber ein anderes interessantes Merkmal: Um zu demonstrieren, dass er noch recht aktiv ist, begrüßt er uns mit einer über dem Krater hängenden recht großen Dampfwolke.


Rauchender Vulkan Guallatire

Die erste Ortschaft, durch die wir kommen, ist direkt unterhalb des Vulkans gelegen und heißt auch Guallatire. Es handelt sich um ein nettes kleines Dorf mit hübscher Kirche und Polizeistation. In unseren Reiseführern haben wir die Information gefunden, dass man sich bei der Polizeistation für die Weiterfahrt registrieren lassen muss. Also schauen wir, ob wir einen Carabiniero sehen. In der Tat - ein freundlicher Polizist kommt winkend auf uns zugelaufen, bittet uns in das Gebäude und schreibt unsere Namen und die Nummer unseres Autos auf ein leeres A4-Blatt.


Kirche von Guallatire


Der Vulkan Guallatire

Hinter Guallatire kommen wir an mehreren langgezogenen Bofedalen vorbei und können auf diesen Feuchtgebieten wieder recht viele Tiere beobachten. Allgemein ist die Straße durch die Reserva Natural Las Vicunas ein Paradies für alle tierbegeisterten Reisenden. Hauptsächlich sehen wir viele Alpakas und - dem Namen des Schutzgebietes entsprechend - noch viel mehr Vicunas. In Anbetracht dessen, dass Vicunas noch vor wenigen Jahrzehnten nahezu ausgerottet waren, hätten wir nicht damit gerechnet, diese Tiere hier in solchen Mengen zu sehen. Die Landschaft wechselt ihren Charakter ständig: Zwar ist der steppenartige Charakter des Altiplano ständig vorhanden, aber ansonsten sehen wir spannende kleine Canyons, weiße Gesteinsstrukturen, die so auch im Südwesten der USA stehen könnten, und am Horizont immer wechselnde Berge in schwarz, braun, rot und weiß.

Nachdem wir eine kleine Anhöhe überquert haben, sehen wir vor uns den großen Salar de Surire als große Salzpfanne ausgebreitet im Tal vor uns liegen. Mitten darauf stehen viele Vögel, interessanterweise auch lamaartige Tiere (hauptsächlich Vicunas) und eine lange Kolonne von LKW, die von einem Kran mit Salz beladen werden. Wir wollen den See an seiner Ostseite umrunden und müssen uns dazu wieder bei einer Polizeistation registrieren. Wieder das gleiche Spiel: Unsere Daten und die des Autos werden nicht in ein amtliches  Formular eingetragen, sondern nur auf ein leeres Blatt Papier geschrieben. Was mit den Daten wohl passiert? Vermutlich ist die Registrierung nur eine Maßnahme, um die Langeweile der Polizisten etwas aufzulockern und die Zettel werden am Abend weggeworfen...


Salar de Suririe mit Flamingos und Lastwagen


Vicunas am Salar de Surire

Die Straße um den Salzsee herum führt mal nahe an die weiße Fläche heran und ist an einigen Stellen auch wieder recht weit von dieser entfernt. Beeindruckender Hintergrund sind immer die bis fast direkt an den See heranreichenden Berge, zumeist Vulkane, und über 5000 Meter hoch. Am nördlichen Ufer finden wir neben der Salzpfanne auch stehendes Wasser und in diesem jede Menge Wasservögel, vor allem verschiedene Arten von Flamingos. Hier kommen wir über eine kleine Stichstraße bis fast direkt an das Wasser, und damit eine perfekte Stelle zum Tiere beobachten, heran. Nach ungefähr drei Vierteln der Fahrt entlang der östlichen Seite des Salar de Surire kommen wir zu den Thermalquellen von Polloquere, Hier befinden sich nahe des Ufers der großen Salzfläche eine intensiv blau gefärbte runde Wasserfläche, welche von unterirdischen heißen Quellen gespeist wird und in der Folge fröhlich dampft und nach Schwefel stinkt. Direkt an das natürliche Becken haben nette Leute ein kleines Badehaus gebaut. Wir schauen uns das Ganze erst einmal von einer leicht erhöhten Stelle an der der Straße aus an. Optisch erinnert das Ganze irgendwie an den Yellowstone Nationalpark in den USA. Dann schauen wir uns die heißen Quellen natürlich noch aus der Nähe an, verzichten aber auf ein Bad.


Termas de Polloquere

Wir verlassen den Salar de Surire nach ungefähr einer dreiviertel Umrundung und biegen nach Süden auf die A-95 ab. Die Straße hier ist deutlich rauer und rumpeliger und wir sind froh, gute All Terrain-Reifen zu haben. Nun sind wir auch völlig alleine unterwegs - die Salzlaster sind nur auf der Strecke nördlich des Salzsees unterwegs. Das hat zur Folge, dass der folgende Streckenabschnitt zu einem der einsamsten und schönsten zählt, auf denen wir je unterwegs waren. Nach Überquerung eines kleinen Passes geht es wieder herab in die Ebene des Altiplanos, recht grün und immer wieder gesprenkelt mit Herden von Vicunas. An einer Stelle kommen wir nahe an einer rechts der Straße stehenden steilen Felswand vorbei und können zwei Viscachas beobachten - diese sind wieder relativ unbeeindruckt von unserer Gegenwart. Auf diesem Streckenabschnitt gibt es auch zwei Furtdurchquerungen. Trotz der guten Reifen unseres Pick-Ups tasten wir uns jedes Mal zwar zügig aber auch sehr vorsichtig durch das nicht allzu tiefe Wasser, denn einen Reifenwechsel auf dieser großen Höhe wollen wir uns ersparen. Bei jeder der Bachdurchquerungen werden wir neugierig von jeder Menge Lamas und Alpakas beäugt, die am Grünzeug neben dem Wasser knabbern. Einige Kilometer hinter dem Salar de Surire kommen wir in den Parque Nacional Isluga, benannt nach dem gleichnamigen Vulkan, welcher im Moment eine recht dünne und schüchterne Dampfwolke ablässt.


Einsame Steppenlandschaft


Baby-Alpaka

Kurz vor der Ortschaft Enquelga biegt nach rechts eine direkte Verbindung nach Puchuldiza ab. Da wir uns die beiden Ortschaften Enquelga und Isluga anschauen wollen, fahren wir geradeaus weiter und kommen auf eine absolut üble Piste mit sehr vielen großen Felsbrocken, um die man nicht herum fahren kann, sondern - sehr vorsichtig und langsam - darüber hinweg. Unsere Reifen halten immer noch und wir kommen problemlos nach Enquelga, einem Aymaradorf mit einer schönen weißen Altiplano-Kirche. Auf diesem Abschnitt der Strecke begegnen wir auf der Straße mehrfach Radlern, die zumeist in Zweiergruppen unterwegs sind. Wir versuchen jeweils, möglichst staubarm vorbei zu fahren und sind voller Respekt vor der Leistung dieser Sportler - man darf nicht vergessen, dass die gesamte Gegend über 4000 Meter hoch ist und der Sauerstoffgehalt in der Luft dementsprechend gering ist. Isluga unterscheidet sich nicht groß von Enquelga: Wieder ein kleines Dörfchen mit schlichten Häusern und einer wunderschönen Kirche.


Kirche von Isluga

Fünf Kilometer hinter Isluga stoßen wir auf Asphalt, und zwar auf die perfekt ausgebaute Ruta 15, die Verbindung von Huara nach Colchane und weiter nach Bolivien. Wir sind ja vor drei Tagen auf unserem kurzen Abstecher zum Gigante de Atacama ein kurzes Stück auf dieser Strecke unterwegs gewesen. Jetzt biegen wir nach Westen ab und folgen der Ruta 15 für gut 30 Kilometer nach Westen. Die Hauptstraße führt dabei durch tolle Felsformationen, ein Traum für jeden Geologen und teilweise irgendwie ähnlich den Dingen, die im Südwesten der USA von Menschenmassen besucht und bewundert werden. Um unser heutiges Etappenziel, die Geysire von Puchuldiza, zu erreichen, müssen wir dann nach rechts auf die kleine A-487 abbiegen. Diese ist etwas rumpelig, aber gut zu befahren. Etwas übler wird es, als wir ein paar Kilometer später auf die noch kleinere Zufahrtsstraße zu den Geysiren abbiegen.

Um zu den Geysiren zu gelangen, müssen wir einen kleinen Pass überqueren. Von dort oben haben wir einen tollen Blick auf das in einem Talkessel liegende Geothermiegebiet mit einem großen Geysir neben vom Wasser des Geysirs erzeugtem großen Eisblock sowie unzähligen Fumarolen und Blubberquellen. Auf dem Weg weiter ins Tal sehen wir direkt neben der Straße drei Suris - das ist ein anderer Name für den Nandu, die südamerikanische Variante des Vogel Strauß. Bisher haben wir diese Vögel nur in Patagonien gesehen, haben aber auch auf dem Altiplano nach ihnen Ausschau gehalten. Denn schließlich ist der Salar de Surire, an dem wir heute vorbei gekommen sind, nach dieser Vogelart benannt.


Drei Nandus


Geysier mit Mini-Gletscher

An den Geysiren sind wir völlig alleine, wir können uns völlig frei bewegen, es gibt auch kein Eingangshäuschen. Nicht weit weg vom Geysir steht ein Thermalbecken mit tollem Blick auf den tiefer gelegen Teil des Geysirfeldes. Hier wollen wir unser Zelt aufbauen. Wir passen auf, das nicht allzu nahe an heißem Wasser oder auf möglicherwiese instabilem Untergrund zu tun. Was uns allerdings einen Strich durch die Rechnung macht, ist der doch recht steife Wind. Also fahren wir ein Stück weiter und finden eine schöne und windgeschützte Stelle hinter einem kleinen Hügel. Hier kochen wir uns ein Abendessen, bewundern noch den phantastischen Sternenhimmel (die nächste wirklich größere Ortschaft dürfte mehr als hundert Kilometer entfernt sein) und gehen dann ins Bett.

Gefahrene Strecke: 303 km

Schöne Grüße,
Dirk

*Doreen & Andreas

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Wirklich eine traumhafte Kulisse und tolle Bilder

Von dort oben haben wir einen tollen Blick auf das in einem Talkessel liegende Geothermiegebiet mit einem großen Geysir neben vom Wasser des Geysirs erzeugtem großen Eisblock sowie unzähligen Fumarolen und Blubberquellen.
Das war aber doch nicht wirklich Eis, oder?
Viele Grüße,
Andreas
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*wuender

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Hallo Andreas,

Wirklich eine traumhafte Kulisse und tolle Bilder

Von dort oben haben wir einen tollen Blick auf das in einem Talkessel liegende Geothermiegebiet mit einem großen Geysir neben vom Wasser des Geysirs erzeugtem großen Eisblock sowie unzähligen Fumarolen und Blubberquellen.
Das war aber doch nicht wirklich Eis, oder?

Doch, das ist wirklich Eis. Wir haben es selber nicht geglaubt, können aber die Beschaffenheit des Blocks nach vor Ort erfolgter ausgiebiger Prüfung offiziell bestätigen :D

Es ist wohl so, dass dieser Eiswürfel hauptsächlich im Verlauf der bitterkalten Nächte (unter minus 20 Grad ist dort im Winter nicht unüblich und auch im Sommer wird es nicht sehr viel wärmer) aus der Gischt des Geysirs entsteht und dann tagsüber langsam vor sich hin taut.

Schöne Grüße,
Dirk

*wuender

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Alle Mitfahrer bitte einsteigen - es geht weiter. Heute erreichen wir im Verlauf einer traumhaften Passstraße den höchsten Punkt unserer Reise.

27.10.2014 Geiseres de Puchuldiza - Pica
Aufgrund der großen Höhe und der damit verbundenen nächtlichen Kälte haben wir im Zelt zwar nicht perfekt geschlafen, sind aber kurz nach Sonnenaufgang erstaunlich fit. Unsere Höhenakklimatisation schreitet auch voran: Der Fußmarsch auf den kleinen Hügel direkt hinter unserem Zelt fällt nun wesentlich leichter als noch gestern Abend.


Morgenstimmung am Geysirfeld

In der kalten Morgenluft erscheinen die Geysire viel imposanter als noch gestern Abend, zumal über Nacht eine große schräg aus dem Boden schießende Fontäne dazu gekommen ist (wir haben in der Nacht das damit verbundenen Brausen für das Geräusch eines irgendwo in der Nähe vorbei fahrenden Autos gehalten). Wir bewundern das Schauspiel ausgiebig und bauen dann das Zelt ab. Das Auto springt ziemlich schwer an, gibt dabei eine große dunkle Wolke von sich, läuft letztendlich nach etwas Aufwärmzeit aber rund. Wir fahren zurück auf das Geysirfeld und schauen uns die einzelnen Fontänen und Blubberquellen aus der Nähe genauer an. Dann geht es zu dem kleinen Thermalbecken, neben dem wir gestern fast unser Zelt aufgebaut hätten. Nach der gestrigen langen Fahrt hierher und der kalten Nacht lassen wir es uns nicht nehmen, uns einige Zeit lang in dem warmen Wasser auszuruhen und aufzuwärmen. Vom Becken aus haben wir einen schönen Blick auf das sich unter uns noch weiter ausbreitende Thermalgebiet. Welches wir immer noch völlig für uns alleine haben. Ein phantastisches und wunderschönes Erlebnis - wir sind sehr gespannt, was die noch auf unserem Reiseprogramm stehenden - ungleich bekannteren - El Tatio-Geysire bei San Pedro de Atacama zu bieten haben werden.


Der über Nacht frisch ausgebrochene Geysir

Wir rumpeln über die kleine Schotterpiste zurück zur größeren Waschbrettstraße, der wir bis zur Ruta 15 folgen. Auf dieser fahren wir für exakt zwei Kilometer nach Westen und biegen dann nach links auf die A-557 ab. Diese ist frisch asphaltiert und führt uns vorbei an schönen und interessanten Gesteinsstrukturen - darunter eine Ansammlung von orangefarbigen Knubbeln, die ziemlich an das Goblin Valley in den USA erinnern.


Interessante Felsstrukturen neben der Straße

Immer im Hintergrund steht der spitze Kegel des 5350 Meter hohen Vulkans Nevado Cariquimo. Nach einigen Kilometern auf der Hochebene taucht die Straße steil in das tiefe Tal der Quebrada de Umina ab. Vorbei an roten Felsen, die so auch im Monument Valley stehen könnten erreichen wir den auf 3700 Meter gelegenen Talboden mit einem großen Bofedal von dem aus uns wieder einmal viele grasende Lamas und Alpakas neugierig beäugen. Auf der anderen Seite der Schlucht führt die Straße steil wieder nach oben. Bei der kleinen Ortschaft Ancuaque verlassen wir den Asphalt und biegen auf die A-97-B nach Süden ab.


Bofedal mit Vulkankegel des Nevado Cariquimo

Wir sind wieder auf knapp 4000 Metern über dem Meer unterwegs und die Straße gewinnt stetig an Höhe. Es handelt sich um eine der besten Schotterpisten, die wir je gefahren sind. Die Strecke ist nagelneu gegradet und an einer Stelle treffen wir sogar ein paar Straßenbautechniker, die die Straße inspizieren. Eventuell dient ja der gute Schotter als Basis für eine geplante Asphaltierung. Lohnen würde es sich, denn die Streckenführung ist atemberaubend. Ist das Altiplano selber noch mehr oder weniger dicht mit niedrigem Buschwerk bewachsen so kommen wir nun in wirklich hochandine Regionen, in denen außer den grünen Llareta-Kissen nichts mehr wächst. Selbst die weiter unten so häufigen Lama- und Alpakaherden lassen wir hinter bzw. unter uns. Die Straße führt beeindruckend steil nach oben, mehr als der zweite oder manchmal nur der erste Gang unseres Pick-Ups macht keinen Sinn.


Auf der Passstraße nach oben

Die Straße führt mehr oder weniger auf die niedrigste Stelle zwischen zwei fast 6000 Meter hohen Bergen zu, den Paso Picavilque. Kurz vor der Passhöhe wird die Straße etwas schlechter, dann erreichen wir laut unserem GPS-Gerät eine maximale Höhe von 5066 Metern und ab hier geht es für die kommenden Stunden nur noch bergab. Der Blick nach Norden auf die tief unter uns liegende Ebene des Altiplano - selber mehr als 4000 Meter hoch - ist phänomenal. Rechts neben der Straße sehen wir vom Wind in faszinierende Formen geblasenen Büßerschnee.


Die andere Seite vom Pass


Büßerschnee

Vom Paso Picavilque aus erreichen wir in vielen Bögen und Kurven wieder die Ebene des Altiplano. Kurz vor der kleinen Ortschaft Lirima biegen wir nach Süden ab, in Richtung Salar de Huasco. Hier verschlechtert sich die Qualität der Straße weiter, nun kommen auch noch Wellblech, vereinzelte große Steine sowie kurze Stücke mit Tiefsand ins Spiel. Vorbei an der Ortschaft Collacahua mit einem schönen Bofedal mit vielen Tieren - neben Alpakas und Lamas sehen wir auch Andengänse und Nandus - rollen wir mehr oder weniger flach in Richtung des Salar de Huasco. Rechts und links der Straße sehen wir in wechselnder Entfernung immer neue tolle Berge in wechselnden Farben.


Ein Nandu in der Steppe

Als wir den Salar de Huasco erreichen, sind wir zunächst etwas enttäuscht, da sich die vom Norden kommende Straße in einem recht weiten Bogen an der westlichen Seite des Salzsees um diesen herumschwingt - die eigentliche Salzfläche lasst sich nur aus einiger Entfernung betrachten. Das ändert sich aber im Verlauf der Strecke entlang des Salars nach Süden. Ab und an steigen wir aus und laufen zum Wasser. An Tieren sehen wir hauptsächlich jede Menge Flamingos (im Wasser) bzw. Alpakas und Lamas (vor dem Wasser), ab und an dazwischen auch Vicunas.


Salar de Huasco

Wir folgen der Straße bis zur Abzweigung nach Pica. Hier diskutieren wir das weitere Prozedere: Bisher gefällt uns der Salzsee richtig gut. Eigentlich wollten wir heute bis nach Pica fahren, diese Stadt liegt direkt westlich von uns und fast zweieinhalbtausend Meter tiefer in den Ausläufern der Berge. Aufgrund der frühen Tageszeit könnten wir auf dem Altiplano bleiben, der Straße um den See noch ein Stück folgen, dann die kurze Stichstraße zur hier asphaltierten A-97-B in Richtung Collahuasi nehmen. Falls wir dabei gut vorankommen, könnten wir probieren, über die B-97-A nach Ollagüe und weiter nach Calama zu kommen. Die Strecke soll kurz vor Ollagüe zwar laut unserem Reiseführer in keinem guten Zustand sein - aber Informationen aus Reiseführern bezüglich des Zustands von Schotterpisten sind ja prinzipiell schon bei Drucklegung veraltet. Gesagt - getan: Die Strecke um den See herum ist richtig schön, wir sehen wieder viele Vicunas. Die dann folgende nur acht Kilometer lange Querverbindung zur A-97-B entpuppt sich aber als richtig üble Piste - mehr oder weniger nur eine Ansammlung von großen Steinbocken. Nach einiger Zeit kehren wir freiwillig um - zurück zur Abzweigung nach Pica. Diese führt ein gutes Stück bergauf - dabei kommen wir an einem schönen Viewpoint auf den See vorbei. Dann queren wir die asphaltierte A-97-B, die wir ein bisschen weiter südlich nicht erreicht haben. Sollen wir nun einen weiteren Versuch wagen, Ollagüe zu erreichen? Nein - wir verzichten, da wir nun doch zu viel Zeit verbraten haben.


Rückblick auf den Salar de Huasco

Also bleiben wir bei unserer ursprünglichen Planung und folgen der A-685 in Richtung Pica. Diese Straße führt ziemlich steil bergab - wir verlassen das Altiplano und verlieren auf einer Stecke von weniger als 60 Kilometern fast zweieinhalbtausend Meter Höhe. Wir haben damit gerechnet, gemütlich bergab rollen zu können und sind überrascht ob der schlechten Straßenqualität: Wir holpern über große Gesteinsbrocken und durch lange Tiefsandstellen. Eine dieser Stellen kommt dermaßen überraschend, dass es uns fast das Auto aus der Bahn wirft. Während der Bergabfahrt ändert sich die Landschaft schnell von der grüngelb bewachsenen Steppe des Altiplano zur relativ farblosen Wüste der Atacama. Kurz vor Pica fahren wir durch riesige Dünen. Die Ortschaft Pica - zusammen mit ihrer Nachbarstadt Matilla - ist eine grüne Oase in der Oase und bekannt für ihre heißen Quellen sowie den hier betriebenen Obstanbau. Die Limonen aus Pica sollen die besten in ganz Chile sein und werden auch sehr gerne dazu verwendet, Pisco Sour zu mixen. Wir schauen uns kurz um und überlegen dann, wie wir den Rest des Tages gestalten. Es ist immer noch sehr früh und daher entschließen wir uns, einen der für morgen geplanten Punkte vorzuziehen: 39 Kilometer von Pica entfernt liegen - direkt an der Panamericana - die Geoglyphen von Pintados. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einer Dinosaurierausstellung am Rand der Ortschaft vorbei.


Saurierskulptur in Pica

Der Rest der Strecke verläuft eintönig und flach durch die Wüste. Die Geoglyphen liegen im südlichen Teil der Reserva Nacional Pampa del Tamarugal. Durch den nördlichen Teil dieses Naturschutzgebiets mit seinen tief wurzelnden Tamarugo-Bäumen sind wir ja schon vor ein paar Tagen auf der Etappe von Iquique nach Codpa gekommen. Wir queren die Panamericana und müssen noch ein kurzes Stück auf Schotter zurücklegen. Die Geoglyphen von Pintados befinden sich auf dem nördlichen Hängen einer in Ost-West-Richtung verlaufenden Hügelkette. Es handelt sich um eine der weltweit größten Ansammlungen von Geoglyphen: Auf einer Fläche von 50000 Quadratmetern finden sich mehr als 400 Zeichnungen von Tieren, Menschen und geometrischen Formen. Die Geoglyphen wurden zwischen 1000 und 1400 nach Christus geschaffen und sind damit in etwa genauso alt wie der von uns vor vier Tagen besuchte Gigante de Atacama.


Geoglifos de Pintados

Wir schauen uns ausführlich um und fahren dann zurück nach Pica. Hier suchen wir uns ein Zimmer für die Nacht, schauen uns dann ein zweites Mal in der Ortschaft um und machen uns dabei auch auf die Jagd auf ein Abendessen - welche wir mit mäßigem Erfolg abschließen.

Gefahrene Strecke: 321 km

Schöne Grüße,
Dirk

*Schmihei

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Hallo Dirk,

nachdem wir ja einen Teil der von Euch gefahrenen Strecke nicht in unserem Programm haben, genieße ich Deine schönen Fotos und Deinen Reisebericht dazu umso mehr. Da ich mich vorher intensiv mit der Gegend beschäftigt habe, finde ich's doch ein wenig schade, dass wir unsere Route geändert haben. Aber leider kann man als arbeitender Mensch ja nicht so viel Urlaub nehmen wie man gerne hätte und so bleibt einem eben nichts anders übrig als den Reiseplan nicht zu voll zu packen und etwas zu streichen. Für mich ist's nur wirklich so, wenn ich bei Euch mitreisen würde. Ich genieße die Fahrt mit Euch.
Jetzt bin ich gespannt auf die Fortsetzung, denn jetzt folgen ja viele Regionen, die wir auch erkunden werden.
Mal schauen wie wir dann die Höhe bei unserem Urlaub verkraften werden. Wenn alles gut geht, wollen wir ja dann irgendwann mal die Gegend um Putre und Bolivien in Angriff nehmen.

LG Heidi  :rotor:

*wuender

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Hallo Heidi,

Schön, dass Du noch mitfährst bzw. mitliest :winke:

nachdem wir ja einen Teil der von Euch gefahrenen Strecke nicht in unserem Programm haben, genieße ich Deine schönen Fotos und Deinen Reisebericht dazu umso mehr. Da ich mich vorher intensiv mit der Gegend beschäftigt habe, finde ich's doch ein wenig schade, dass wir unsere Route geändert haben. Aber leider kann man als arbeitender Mensch ja nicht so viel Urlaub nehmen wie man gerne hätte und so bleibt einem eben nichts anders übrig als den Reiseplan nicht zu voll zu packen und etwas zu streichen. Für mich ist's nur wirklich so, wenn ich bei Euch mitreisen würde. Ich genieße die Fahrt mit Euch.
Jetzt bin ich gespannt auf die Fortsetzung, denn jetzt folgen ja viele Regionen, die wir auch erkunden werden.

Die Reiseroute zusammenzubasteln war - wie in der Einleitung geschrieben - wirklich nicht ganz einfach. Was mit entscheidend dafür war, dass alles wirklich gut geklappt hat, war wohl die Entscheidung, die eine oder andere Übernachtung mit dem Zeit zu machen. Zum Beispiel die schon beschriebene Etappe zu den Puchuldiza-Geysiren oder die mehr als 700 Kilometer lange Überführungsetappe von Calama in Richtung Paso San Francisco (kommt in zehn Reisetagen) hätte man mit Hotelübernachtungen schlicht nicht planen können: Einfach mal schauen, wie weit man kommt und dann irgendwo mitten im Nichts das Zelt aufbauen...

Mal schauen wie wir dann die Höhe bei unserem Urlaub verkraften werden. Wenn alles gut geht, wollen wir ja dann irgendwann mal die Gegend um Putre und Bolivien in Angriff nehmen.

Nordchile und Bolivien in einer Reise? Welches Verkehrsmittel wollt Ihr nehmen? Bus, geführte Tour oder Mietwagen? Die einzigen mir bekannten Mietwagenanbieter, die Bolivien und Nachbarländer erlauben, sitzen in Bolivien und verlangen dafür Preise, die die sowieso schon recht hohen Preise in Chile nochmal sehr deutlich übersteigen (ich grübele immer noch über eine Bolivien/Peru-Kombi. Allgemein raten sowieso fast alle Leute in den gängigen Reiseforen davon ab, dort mit dem Mietwagen herumzufahren - wirklich zwingende Gründe dafür gibt es mit etwas Erfahrung und vor allem Spanischkentnissen meiner Meinung nach aber nicht).

Morgen fahren wir weiter.

Schöne Grüße,
Dirk

*wuender

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Hallo allerseits,

heute kommt der Bericht zwar leicht verspätet, aber dafür wird es spannend: Wir schauen uns eines der größten menschengemachten Löcher der Welt an...

28.10.2014 Pica - Geyseres del Tatio
Wir brechen zeitig auf, da wir unser erstes Etappenziel zu einer definierten Zeit erreichen müssen. Daher lassen wir mit leichtem Bedauern auch das Frühstück ausfallen, welches es laut dem englischsprachigen Infozettel unseres Hotels ab 8 Uhr geben soll. Als wir aber pünktlich vor verschlossener Türe da stehen, ruft uns der Junge, der nebenan den Pool reinigt "ocho y media" zu, also in einer halben Stunde. Das ist uns zu spät. Wir rollen los. Die ersten 37 Kilometer auf der Ruta A-755 bis zur Panamericana kennen wir ja schon von unserem gestrigen Trip zu den Geoglifos de Pintados. Danach biegen wir aber nach links auf die Panamericana ab. Dieser folgen wir ohne große Ereignisse nach Süden. Die Wüste schaut hier abschnittsweise wie festgewordener Matsch aus - später wie festgewordener grauer Schlamm - noch etwas später wird es steinig. Wir kommen wieder an längeren Straßenbaustellen vorbei - hier wird die Panamericana erneuert und auch mit breiteren Seitenstreifen versehen. Hinter der Baustelle kommen wir tatsächlich noch zu einem ganz kurzen Stück alte Panamericana mit vielen Schlaglöchern - laut älteren Reiseführern ist es noch nicht lange her, dass die Ruta 5 über fast die gesamte Strecke in Chile eine solch bescheidene Qualität aufwies. Das kann man sich heute gar nicht mehr so recht vorstellen.


Auf der Panamericana

Als wir ungefähr 130 Kilometer auf der Panamericana unterwegs sind, taucht die Straße in das Tal des Rio Loa ein und erreicht dort die winzige Ortschaft Quillagua ein. Den Rio Loa kennen wir schon von der Etappe zwischen Antofagasta und Iquique. Damals mussten wir an der Grenze zur ersten Region Chiles durch eine Zoll- und Polizeikontrolle und hier ist es genauso: Am Zoll müssen wir neben unseren Pässen auch den Zettel vorweisen, den wir vor sechs Tagen bei der Einreise in die erste Region bekommen haben. Der Zettel bekommt ein paar Stempel und Unterschriften aufgedrückt. Mitsamt Zettel dürfen wir langsam weiterfahren, vorbei an einem Polizisten, der die Fahrzeugpapiere sowie Dirks Pass und Führerschein sehen will. Danach kommen wir zu einem Zollmenschen, der uns den Zettel endgültig abnimmt. Das ist mal wieder chilenische Bürokratie in Hochkultur - und das nur, weil man von einem Verwaltungsbereich des Landes in einen anderen fährt. Neben der Zollregelungen werden die Kontrollen offiziell übrigens auch mit Fruchtfliegenprophylaxe begründet. Wir hätten im Gepäck Millionen von Fliegen mitnehmen können, ohne dass es irgendjemanden aufgefallen wäre...

Hinter Qillagua folgen wir der Panamericana noch etwas mehr als 80 Kilometer nach Süden, vorbei an vielen verlassenen Salpeterminen, ehe wir kurz vor Maria Elena nach links auf die Ruta 24 Richtung Calama abbiegen. Auch diese Straße verläuft schnurgerade durch die Wüste, sie unterscheidet sich von der Panamericana lediglich durch die Anzahl der Stromleitungen, die parallel zu ihr verlaufen. Waren es an der Panamericana maximal zwei Leitungen, so ist die Straße nun auf beiden Seiten geradezu gespickt von Strommasten. Hier fließt hauptsächlich der Strom aus dem Kraftwerk in Tocopilla - welches wir vor sechs Tagen gesehen haben - für die Kupferminen in Calama. Die Straße führt steil bergauf, schließlich liegt Calama auf 2400 Meter Höhe - und damit doppelt so hoch wie Maria Elena. Kurz vor Calama, die Ruta 24 hat gerade einen Höhenrücken überwunden, könnte die Straße eigentlich geradeaus direkt nach Calama führen - die Stadt ist direkt vor uns in nur ein paar Kilometern Entfernung zu sehen. Früher nahm die Straße auch tatsächlich diesen Verlauf, Reste davon sind noch zu sehen. Dummerweise überschneidet sich die Straße mit dem Verlauf der hier befindlichen ergiebigen Kupferader. Als Folge wurde ein großer Teil der alten Straße durch ein großes Loch im Boden ersetzt. Als Ersatz wurde mit viel Aufwand eine neue Autobahn in großem Bogen durch die Hügel neben dem Loch geführt. In Calama angekommen bleibt uns ausreichend Zeit, um Vorräte aufzufüllen sowie Mittag zu essen.


Geier am Straßenrand

Dann fahren wir zum Besucherzentrum von Codelco Norte, dem für die riesigen Kupferminen staatlichen chilenischen Bergbauunternehmen und den größten Kupferproduzenten der Welt. Wir haben von Deutschland aus für eine Tour nach Chuquicamata angemeldet. Chuquicamata ist zum einen der Name der seit 1915 betriebenen weltgrößten Kupfermine und zum anderen ist es der Name der direkt neben der Mine gelegenen Ortschaft, in der ursprünglich die Minenarbeiter lebten. Die Ortschaft wurde 2007 aufgegeben - alle Bewohner wurden nach Calama umgesiedelt. Grund war hauptsächlich die in direkter Nähe der Mine vorhandene Umweltverschmutzung. Kupferabbau und insbesondere die Weiterverarbeitung des gewonnenen Erzes ist nun mal eine nicht sehr umweltschonende Angelegenheit, da jede Menge giftiger Chemikalien verwendet werden. Als Folge des giftigen Feinstaubs litten etliche Arbeiter an Asthma, Staublungen und Krebs. Früher startete auch die Besichtigungstour direkt an den Toren der Kupfermine, seit ein paar Jahren ist dies offiziell aber nur noch am Besucherzentrum von Codelco Norte in Calama möglich. Wir treffen genau rechtzeitig zum ausgemachten Zeitpunkt - 13 Uhr - dort ein. Wir melden uns an und müssen dann eine kurze Zeit lang auf den Beginn der Tour warten. Währenddessen unterhalten wir uns mit einem Geophysiker aus Venezuela, der inzwischen in Deutschland lebt und auch recht gut Deutsch spricht. Nach Europa hat ihn die Liebe getrieben und nun zurück nach Chile sein Job: Er hat im Auftrag seines Arbeitgebers beruflich die Mine besucht und will sie sich nun auch noch im Rahmen der Besuchertour anschauen.

Um halb zwei geht es los: Zunächst zeigt uns der Guide vor dem Besucherzentrum das Endprodukt der Mine, wie es auch zu den Häfen - zum Beispiel von Antofagasta - geschafft und von dort aus in dir Welt geschickt wird: Es handelt sich um recht unscheinbare Platten aus nahezu reinem Kupfer. Ein paar Informationen zum Herstellungsprozess dieser Platten später werden alle Besucher in einen Bus gepackt und es geht los nach Chuquicamata. Hier schauen wir uns die alte Ortschaft an - bzw. was von dieser übriggeblieben ist. Teile der Stadt, z.B. das Krankenhaus wurden nämlich einfach von den Abraumhalden des Tagebaus zugeschüttet. Dennoch vermittelt der Ort auch heute noch das Bild einer bedrückenden Geisterstadt - insbesondere, da der Exodus der Bevölkerung gar nicht so lange her ist. An der zentralen Plaza hängen noch Überreste des Weihnachtsschmucks und direkt daneben befindet sich ein absolut einsatzbereiter Verkehrsübungsplatz. An der Plaza steht auch das Casino der Bergarbeiter, und hier findet der nächste Teil der Führung statt: Hier werden die Techniken der Kupfergewinnung - vom Erz bis zu den verschiffbaren Platten - im Detail erklärt. Die dabei entstehende Umweltverschmutzung wird nicht direkt geleugnet, aber es wird auch nicht gezielt der Fokus darauf gelegt.


Hier wird uns erklärt, wie aus Kupfererz Kupfer wird


Plaza der aufgegebenen Bergarbeiterstadt

Weiter geht es in die Mine selber. Wir fahren zunächst an jeder Menge Ruinen vorbei, denn lange Minuten durch alle möglichen Verarbeitungsanlagen und Becken mit Säureresten, bis wir zum großen Loch selber kommen. Dabei handelt es sich um das größte menschengemachte Loch der Erden, fünf Kilometer auf drei Kilometer groß und einen Kilometer tief. Bis zum Jahre 2019 soll hier das Kupfer weiterhin im Tagebauverfahren abgebaut werden, dann will man auf klassische Bergbauverfahren umsteigen und die Mine noch bis 2060 betreiben. Beeindruckend sind die riesigen Kipperfahrzeuge, die rund um die Uhr das erzhaltige Gestein nach oben bringen. Jedes Exemplar der größten Variante dieser Fahrzeuge kann bis zu 400 Tonnen Gestein transportieren. Als wir mit dem Bus ein wenig in das Loch herein fahren kommen uns ein paar dieser riesigen Fahrzeuge entgegen - unser Bus wirkt im Vergleich dazu wie ein Spielzeug. Zum Abschluss der Tour stoppt der Bus an einem Aussichtspunkt am oberen Rand des Loches. Wir dürfen ein paar Minuten schauen und dann bringt uns der Bus zurück in die Stadt, wo wir um kurz vor halb fünf wieder ankommen.


Die Mine von Chuquicamata


Reisebus im Vergleich zu den riesigen Muldenkippern

Heute wollen wir gerne bei den Geysiren von El Tatio übernachten und sind uns nicht sicher, ob wir uns in Anbetracht der fortgeschrittenen Tageszeit zu viel vorgenommen haben. Wir verlassen die Stadt auf der asphaltierten Ruta 21 nach Norden, in Richtung der am Rio Loa gelegenen Wüstenoase Chiu Chiu. Hier schauen wir uns kurz um und bewundern unter anderem die schöne Kirche sowie die direkt daneben gelegene Plaza. Die Kirche San Francisco de Chiu Chiu, errichtet im 17ten Jahrhundert, ist im typischen Baustil dieser Gegend gehalten, mit weißen Doppeltürmen. Die Kirchentore und auch die Decke bestehen aus Kaktusholz - gut zu erkennen an der Maserung.


Kirche von Chiu Chiu

Ein paar Kilometer hinter Chiu Chiu machen wir einen kurzen Abstecher zur Laguna Inka Coya, zu erreichen durch eine kurze Stichstraße. Dieser kreisrunde und etwa 50 m im Durchmesser messende See besticht durch die tiefblaue Farbe des Wassers und ist vermutlich der Überrest einer Einsturzdoline. Wir fahren weiter und folgen der stetig an Höhe gewinnenden Straße Richtung Caspana und weiter nach El Tatio.


Laguna Inka Coya

Laut den uns vorliegenden Straßenkarten ist diese Strecke asphaltiert - das können wir nicht bestätigen. Der Straßenbelag ist zwar recht glatt - es handelt sich aber um eine Erdstraße, mit der Folge, dass der Fahrer immer auf Schlaglöcher oder sonstige Unebenheiten achten muss. Die Landschaft ist beeindruckend. Links von uns am nördlichen Horizont stehen riesige Vulkane, vor uns die gelbgrüne Steppenlandschaft des Altiplano, durch welche sich die Straße mehr oder weniger kurvig nach oben zieht.


Zwei Guanacos

Die Sonne steht schon tief, mit der Folge einer traumhaften Lichtstimmung. Hier ist die Strecke - nun auch offiziell Schotter - deutlich besser zu befahren als gedacht. Das letzte Stück vor der Kreuzung mit der direkt von San Pedro de Atacama zu den Geiseres del Tatio heraufkommenden Straße besteht sogar aus Asphalt. Neben der Straße sehen wir viele Tiere, zumeist Vicunas.


Straße im Abendlicht

Nach der Kreuzung mit der Straße von San Pedro biegen wir nach Norden ab und es geht es ziemlich rumpelig über Waschbrett in ein Tal herunter. Kurz vor El Tatio ist die Straße dann perfekt gegradet und noch deutlich vor Sonnenuntergang kommen wir an der Rangerstation vor den Geysiren an. Wir befinden uns nun wieder auf 4300 Metern höher und damit fast zweitausend Meter höher als Calama. Die Rangerstation wird von einigen einheimischen Indios betrieben. Wir melden uns an und bezahlen den Eintritt sowie die Gebühr für den Zeltplatz. Für einen ausgedehnten Besuch an den Geysiren ist es nun schon zu spät - stattdessen beobachten wir ausgiebig die direkt neben dem Gebäude grasenden und gar nicht schüchternen Vicunas.


Ein Vicuna


Andenglühen

Gefahrene Strecke: 446 km

Schöne Grüße,
Dirk

*wuender

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Guten Morgen allerseits,

nachdem wir am Eingang zu den Geysiren von El Tatio übernachtet haben, schauen wir uns heute dieses geothermische Gebiet genauer an:

29.10.2014 Geyseres del Tatio - San Pedro de Atacama
Eigentlich kann man ja erwarten, in dieser Höhe und abgeschiedenen Lage ungestört schlafen zu können. Dummerweise ist das am Eingang zu den Geiseres del Tatio nicht so, denn der Strom für die Rangerstation wird von einem ziemlich laut ratternden dieselgetriebenen Generator erzeugt. Dieser Generator hat sich gestern Abend glücklicherweise um etwas Mitternacht abgeschaltet bzw. in den Stand by-Modus versetzt, rattert aber pünktlich um fünf Uhr früh wieder los. Das ist andererseits aber gar nicht mal so schlecht, denn so werden wir immerhin zuverlässig vor der Ankunft der ersten Tagesgäste wach. Die Geiseres del Tatio sind eine der touristischen Top-Attraktionen von Chile und werden dementsprechend stark besucht. Allerdings gibt es an den Geysiren keinerlei Hotels oder Lodges und es ist auch fast niemand so verrückt, hier oben zu zelten. Daher kommt ein großer Teil der Gäste im Rahmen von geführten Touren von San Pedro de Atacama aus zu den Geysiren. Diese Touren starten in aller Herrgottsfrühe im auf 2400 Meter gelegenen San Pedro - dann wird halsbrecherisch zu den Geysiren gebrettert, um noch vor dem Sonnenaufgang anzukommen. Dann - die Luft ist noch von der Nacht her besonders kalt - kommt der Dampf der Geysire besonders gut zur Geltung. Gerade als wir kurz vor sechs Uhr beraten, wann wir aufstehen sollen - der Sonnenaufgang ist um kurz vor sieben -  hören wir, wie sich das erste Auto mit Tagesbesuchern nähert. Also schnell das Zelt abgebaut und verstaut sowie im Waschraum der Rangerstation fertig gemacht. Inzwischen sind mehrere Tourbusse eingetroffen und es ist leicht surreal, sich die Zähne zu putzen, während sich nebenan Tourgäste nach zwei bis drei Stunden Fahrt erleichtern.

Das Geysirfeld liegt sehr beeindruckend in einem Talkessel und ist früh morgens wirklich sehr beeindruckend. Allerdings gibt es nur wenige echte Geysire, stattdessen sehr viel mehr Fumarolen, Dampffontänen bzw. Blubberpools. Und selbst bei den wenigen Geysiren versteckt sich der recht mickrige Wasserstrahl zumeist in einer enormen Dampffontäne. Die Lufttemperatur ist im Schatten der umliegenden Berge bitter kalt. Hier kann es helfen, sich in den äußeren Bereich der Dampfwolken zu stellen - auf diese Idee kommt auch die Tierwelt: wir sehen mehrere Möwen, die sich genüsslich im heißen Wasser aufwärmen. Wir schauen uns ausgiebig um und sind neben dem eigentlichen Naturwunder sehr beeindruckt von der schieren Anzahl an Leuten, die zu so früher Stunde hier hochgeschafft werden.


Geiseres del Tatio

Über weite Strecken des Geysirfeldes sind Wege markiert - eine sinnvolle Einrichtung. Denn hier sind schon Touristen zu Tode gekommen, als sie sich den Quellen zu sehr näherten, durch die dünne und brüchige Erdoberfläche einbrachen und direkt im kochenden Wasser landeten. Aber solche Geschichten hindern auch heute einige Helden nicht, kreuz und quer abseits der markierten Gegenden herumzustapfen. Wir bewegen uns langsam bis ans Ende des Geothermiegebiets, fahren noch ein gutes Stück eine recht rumpelige Straße auf einen Hügel, von wo aus wir einen schönen Überblick auf die Geysire haben. Hier suchen wir uns ein gemütliches Plätzchen und frühstücken ausgiebig. Unsere Getränke allerdings sind nur bedingt verzehrfertig: Obwohl wir die Flaschen mit ins Zelt genommen hatten, ist die Flüssigkeit teilweise gefroren.


Geysire im Gegenlicht


Geysirfeld von oben

Als um etwa 9 Uhr die Anzahl an Besuchern langsam abnimmt und wir uns auch satt geschaut haben, machen wir uns langsam auf den Rückweg. Allerdings halten wir noch auf halber Strecke entlang der Geysire an einer ganz besonderen Attraktion, und zwar dem hiesigen Heißwasserpool. Im Gegensatz zum winzigen gemauerten Becken von Puchuldiza handelt es sich hier um ein richtiges kleines Schwimmbad mitsamt Umkleidekabinen. Wir stürzen uns ins Nass - das warme Wasser tut nach der eisigen Nacht besonders gut. Dem Becken wird über eine einzelne Leitung heißes Wasser zugeführt. Es ist sehr interessant, wie sich im Wasser des Beckens Wirbel unterschiedlicher Temperatur - von recht kalt über lauwarm zu extrem heiß ausbilden. Dementsprechend sammeln sich auch die Badegäste an den Stellen mit der angenehmsten Temperatur. Nach ausgiebigem Bad brechen wir auf, Richtung San Pedro de Atacama. Unser Gesamteindruck von den Geiseres del Tatio ist zwiespältig. Einerseits ist dieses geothermische Gebiet sehr schön - andererseits haben uns die Geysire von Puchuldiza besser gefallen. Vor allem, da El Tatio extrem überlaufen ist. Wir sind froh, dass wir diese Gegend auch am Abend, ohne allzu viele andere Menschen, erleben durften.


Bad in der Thermalquelle

In Internetforen hatten wir Schauergeschichten über schwierige Straßenverhältnisse und schwindelnde Abgründe entlang der Straße nach San Pedro gelesen und sind überrascht, dass sich zumindest die von uns gewählte Route über Machuca als gut zu fahrende Straße aus nahezu perfektem Estabilizado (das ist eine asphaltähnlich gewalzte Graveloberfläche) entpuppt. Wir fahren vorbei am schönen Bofedal de Potana, mit vielen Tieren - hauptsächlich Alpakas und Vicunas, der Ortschaft Machuca mit seiner typischen Hochandenkirche und der beeindruckenden Schlucht des Rio Grande. Hier sehen wir zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Säulenkakteen. Über die Berge am Horizont spitzt der Licancabur - der 5920 Meter hohe Hausberg von San Pedro de Atacama - mit seiner perfekten Vulkanform.


Seen vor der Andenkette


Grasende Vicunas

Da wir uns früher als geplant San Pedro nähern, fahren wir nicht direkt in die Stadt, sondern nehmen kurz vorher eine kleine Querstraße zu den Ruinen von Quitor. Diese Festungsanlage wurde um etwa 1300 von der präkolumbianischen Atacamakultur errichtet. Mitte des 15ten Jahrhunderts wurde diese Gegend Teil des Inkareichs - aber auch die Inka konnten nichts gegen den Expansionsdrang der Spanier ausrichten: Im 16ten Jahrhundert wehrten sich die Bewohner der Pukara de Quitor erbittert - aber letztendlich erfolglos - gegen die Angriffe der Eroberer unter Diego del Almagro. Ein paar Schautafeln informieren über die Geschichte der Atacama-Indianer allgemein und über Quitor im speziellen. Nebenan führt ein kurzer Wanderweg entlang der Ruinen, welche sich abenteuerlich einen Berghang hochziehen. Wir laufen diesen Weg ab und bewundern den Blick auf die recht gut erhaltenen Gebäude der Ruinenanlage - welche allerdings vor gerade einmal 35 Jahren teilweise restauriert wurden. Neben uns ist auch ein Kindergarten- oder Grundschulausflug unterwegs. Als wir den kurzen Weg zu den Ruinen beenden, kommen die Kinder gerade einen zweiten Wanderweg herunter, der mit "Mirador", also Aussichtspunkt, beschriftet ist. Das macht uns neugierig.


Ruinenstadt Quitor

Also laufen wir laufen los. Wie sich herausstellt, handelt es sich bei dem ausgeschildeten Mirador nicht um einen Aussichtspunkt auf die Quitor-Ruinen, denn diese lassen wir schnell unter uns. Wir befinden uns auf einer richtigen kleinen Wanderung - selbst als der scheinbare Gipfel erreicht ist, geht es noch ein Stück weiter auf einen leicht versetzt stehenden noch höheren Gipfel, versehen mit einem riesigem Gipfelkreuz. Dieses Kreuz und die umgebende Anlage erinnern an die letzten Indianer, die sich hier oben verzweifelt gegen die Unterwerfung durch die Spanier gewehrt haben. Die Aussicht, die sich uns auftut, zeigt San Pedro de Atacama als grüne Oase in einer hellbraunen Wüste, am Horizont die hohen Berge der Anden, am prominentesten natürlich der Licancabur. Direkt neben San Pedro sehen wir die zerklüfteten Formen der Cordillera del Sal mit dem berühmten Valle de la Muerte.


Salzstrukturen in der Cordillera del Sal

Wir fahren weiter nach San Pedro und finden ein sehr nettes und gemütliches Städtchen vor - allerdings stark touristisch geprägt und überlaufen. Die Häuser bestehen überwiegend aus Adobe. Da die Bewohner - und die meisten der Besucher - tendenziell auch ein klein wenig alternativ eingestellt sind, erinnert die Grundstimmung ein wenig an Santa Fe in den USA. Unser vorgebuchtes Hotel ist schnell gefunden und wir dürfen, trotz der frühen Stunde, auch schon einchecken. Das Zimmer ist super schön, mit einem tollen Bad inklusive riesiger Dusche. Wir gönnen uns eine kurze Ruhepause und brechen dann auf zu einer Rundfahrt zu den Seen im Salar de Atacama, dem großen Salzsee südlich von San Pedro de Atacama. Der Salar de Atacama ist mit über 3000 Quadratkilometern der größte Salzsee Chiles. Zum Großteil besteht seine Oberfläche aus Salzverbindungen, welche nicht - wie man sich das vorstellt - blendend weiß sind, sondern bräunlich oder grau. Die Gegend erinnert uns wechselweise an Landschaften auf dem Mond oder den Mars. Wenn man sich die Oberfläche aus der Nähe anschaut, findet man faszinierende Strukturen und Salzgebilde. In dieser großen Salzfläche befinden sich einzelne Lagunen - als Naturschutzgebiete ausgewiesen.

Die Lagunen sind wunderschöne blaue bzw. türkisfarbene Oasen inmitten der braungrauen Fläche des Salzsees. Die Infrastruktur ist gut: Es gibt überall ein Rangerhäuschen und z.B. an der Laguna Cejar bzw. der direkt danebengelegenen Laguna Piedra, die wir zunächst ansteuern, gute Duschen und Waschmöglichkeiten. Einzig die Zufahrt über kurze Stichstraßen gestaltet sich teilweise - wie wir es von Chile inzwischen gewöhnt sind - ein wenig rumpelig. Auf der Oberfläche der Lagunen spiegeln sich auf beeindruckende - manchmal sogar irreal wirkende Art - die Gipfel der im Osten stehenden Andenvulkane. Wir sehen zunächst jede Menge kleiner Vögel und sind zunächst enttäuscht, als sich die Anzahl der gesichteten Flamingos doch sehr in Grenzen hält: An der Laguna Cejar gab es einzelne Exemplare, an der 11 Kilometer entfernten Laguna Tebinquinche zeigt sich dagegen kein einziger dieser Vögel - die hier eigentlich besonders häufig sein sollen.


Laguna Cejar


Laguna Tebinquinche mit Licancabur

Um zur am südlichsten gelegenen Lagune zu kommen, müssen wir ein Stück auf der Ruta 23 nach Süden zurücklegen. Östlich von uns liegen die Zufahrten zu den beiden Pässen nach Argentinien, den Paso Jama und den Paso Sico, die wir im weiteren Verlauf unserer Reise beide noch befahren wollen. Zudem kommen wir an der Stichstraße zum ALMA vorbei, dem Atacama Large Millimeter Array. Dieses weltgrößte Radioteleskop, bestehend aus 66 einzelnen Antennen, ist ein europäisch-amerikanisch-japanisches Gemeinschaftsprojekt und wurde 2011 in Betrieb genommen. Die Zufahrtsstraße zu dem auf etwa 5000 Meter Höhe gelegenen Teleskop ist eine der höchsten asphaltierten Straßen der Welt.

Wir legen eine kurze Pause in der kleinen Ortschaft Toconao ein und schauen uns um. Es gibt eine schöne Innenstadt mit netten Steingebäuden. An der Plaza steht die Kirche San Lucas mit ihrem separaten Glockenturn (der Turm wurde 1750 errichtet, die Kirche wohl einige Jahre früher). Wie wir es schon in anderen Ortschaften beobachtet haben, wurde auch beim Bau dieser Kirche stark auf Kaktusholz mit seiner einzigartigen Maserung als Baumaterial zurückgegriffen. Ehe wir aufbrechen, machen wir noch einen kurzen Abstecher zur vom Fluss Jerzez gegrabenen Schlucht. Neben uns sind viele andere Touristen unterwegs - nach den einsamen Tagen auf dem Altiplano fast ein kleiner Kulturschock für uns. Ein paar Kilometer südlich von Toconao biegen wir auf eine kleine nach Westen und auf den Salar de Atacama führende Straße ab, welche uns zur 27 Kilometer entfernten Laguna Chaxa führt. Hier laufen wir einen sehr interessanten Lehrpfad durch die Mondlandschaft ab und kommen denn zur Lagune. Die nun folgenden Stunden entschädigen mehr als ausreichend für die bisher ausgebliebenen Flamingos, denn die Laguna Chaxa ist ein absolutes Paradies für alle Tierfreunde: Neben jeder Menge Flamingos (wir erkennen Andenflamingos und Chileflamingos) sehen wir viele unterschiedliche andere Wasservögel (u.a. Möven und freche Regenpfeifer) und viele Eidechsen. Die Sonne steht schon tief und kurz vor dem Sonnenuntergang treffen in einer wahren Karawane viele Tourbusse ein. Waren die Geiseres del Tatio eine Top-Destination für den Sonnenaufgang, so ist die Laguna Chaxa einer der beliebtesten Plätze in der Gegend von San Pedro de Atacama, um sich den Sonnenuntergang anzuschauen. Wir fahren zurück nach San Pedro, essen in einem der zahlreichen Restaurants gut zu Abend und gehen dann ins Bett.


Kirche in Toconao


Flamingo in der Laguna Chaxa


Gefahrene Strecke: 268 km

Schöne Grüße,
Dirk

 

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