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Autor Thema: 3000 Jahre Geschichte auf 3000 krn oder eine Reise entlang der Seidenstraße  (Gelesen 693 mal)

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TR74

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So, nun gibt es endlich auch von mir mal einen Reisebericht, und zwar aus einer Gegend die hier noch nie oder zumindest kaum besprochen wurde. Wir fliegen diesmal nach Zentralasien, um genauer zu sein nach Kasachstan und Usbekistan. Beides sind ehemalige Sowjetrepubliken und seit Anfang der 90er Jahre unabhängig. Die beiden Länder sind heutzutage neben Kirgisistan auch am einfachsten zu bereisen, es wird kein Visum benötigt sondern nur ein gültiger Reisepass. Auch gibt es keinerlei Einschränkungen bei der Bewegungsfreiheit und der öffentliche Verkehr ist gut bis sehr gut ausgebaut, zumindest im Großraum der Städte und gleichzeitig spottbillig. In Tajikistan ist es schon schwieriger und wenn man nach Turkmenistan will sollte man sich auf ähnliche Zustände wie in Nordkorea einstellen.
Eigentlich stand die Region schon länger auf meiner Liste und nachdem mir mehrere Bekannte und Freunde von Usbekistan vorgeschwärmt hatten wurde für Ende Mai 2026 eine 9 tägige Rundreise durch Usbekistan gebucht: Taschkent, Buchara, Kysylkum Wüste, Nuratau Gebirge, Samarkand und zurück  nach Taschkent. Wenn nun schon mal dort kann man auch einen Zwei-Wochen-Trip draus machen und noch ein weiteres Land erkunden: Kasachstan. Nach Kasachstan gibt es kaum organisierte Touren, und wenn dann zu Mondpreisen, keine Ahnung woran es liegt denn das Preisniveau ist nicht höher als in Usbekistan. Also selbst ist der Mann. Einen Monat habe ich versucht mein Schulrussisch etwas aufzupolieren, schon mal vorweg es hat nicht viel gebracht. Genug der Vorrede, wer kommt mit...? 

...wenn die Bildergalerie wieder funktioniert.



Doreen & Andreas

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Taschkent, Buchara, Samarkand... das Lineup klingt schon mal sehr vielversprechend.
Und nachdem eine liebe Freundin von mir letzten Monat eine ähnliche Reise gemacht (inklusive Turkmenistan!) und uns unfassbar schöne Impressionen vorgestellt hat, bin ich gespannt, das ganze noch einmal durch Deine Augen zu erleben.

Hoffen wir, dass die Bildergalerie bald wieder verfügbar ist. Ansonsten lade die Bilder einfach woanders hoch und verlinke sie hier im Bericht.
Viele Grüße,
Andreas
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partybombe

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Die Gegend klingt für mich wie Musik in den Ohren, zumal ich es - wie in den Jemen. - dorthin leider nie geschafft habe. Also bin ich dabei!

TR74

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Schön, es gibt ja zumindest etwas Interesse an meinem Bericht.  :)

Aus beruflichen Gründen kann ich meine Urlaube in den letzten Jahren nur ziemlich kurzfristig planen. Es war also schon Anfang Mai als ich die Usbekistan Tour vom 30.5.-7.6. gebucht habe, es war der letzte Platz. Mit den Flügen war ich damit auch spät dran und konnte mich nicht zwischen dem neuen Direktflug mit der kasachischen SCAT Airlines von Prag nach Astana oder dem Flug mit Pegasus Airlines über Istanbul entscheiden. Nach meinen positiven Erfahrungen bei den letzten zwei Pegasusflügen, und da der Preis wieder Mal etwas runtergegangen war wurde dann gebucht. Pegasus verlangt sehr moderate Aufschläge fürs Gepäck, für mich war es aber diesmal das volle Programm mit Gepäck, zweimal Sandwich und zweimal Platz am Notausgang für einen Preis von 250 EUR. Pegasus ist eine sehr gute Option, wenn man irgendwo in in den Nahen Osten oder Mittelasien will, Almaty und Astana sind mit ca. 5 Stunden zwei der längsten Strecken im Programm und gleichzeitig Nachtflüge.

Für den Rückflug ab Taschkent hatte ich zunächst den FlyOne Flug nach Chisinau im Blick, von dort dann weiter mit Wizzair nach Prag. Am 8.6. wäre das der Erstflug zwischen den beiden Städten gewesen, ob es die Verbindung zu Sowjetzeiten mal gab, weiß ich aber nicht genau. Wäre auch mein erster „Inaugural Flight“ gewesen, da gibt es ja in der Regel ein paar Überraschungen und Feierlichkeiten. Als ich dann endgültig buchen wollte gab es den Flug plötzlich nicht mehr, der Start wurde um mehrere Wochen verschoben  :(. Damit war mir die Entscheidung abgenommen und ich hab dann sofort TAS-IST-PRG mit Uzbekistan Airways und Turkish Airlines gebucht, mit schönem späten Abflug in Taschkent um 01:10 Uhr.   

So Langstreckenflüge sind gebucht, jetzt brauchte ich nur noch eine Möglichkeit von Astana nach Almaty und dann weiter nach Shymkent zu kommen. Unbedingt wollte ich einmal mit einem richtig altmodischen Nachtzug fahren, ich entschied mich für die Strecke Almaty – Shymkent, erstens weil die mit 13 Stunden 4 Stunden kürzer ist und zweitens weil zwischen Astana und Almaty jetzt fast nur noch die modernen spanischen Talgozüge verkehren. Für den Flug von Astana nach Almaty fiel die Entscheidung auf FlyArystan, dem Billigableger von Air Astana. Eigentlich wollte ich mit Air Astana fliegen, die gelten ja als eine der besten Fluggesellschaften der Welt, zumindest unter den „Kleinen“, aber so habe ich ca. 60 EUR gespart und die Flugzeiten waren auch besser.

Die Online Buchung auf der Seite der kasachischen Eisenbahn schlug fehl, immer wenn ich meine Passnummer eintragen wollte ging es nicht weiter, wahrscheinlich werden dort keine Online Buchungen aus dem Ausland akzeptiert. Also muss ich dann die Fahrkarte direkt am Bahnhof Almaty kaufen, hoffen wir mal dass der Zug nicht ausgebucht ist.

Nun ist alles bereit und morgen geht es los….

mrh400

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Dann buche ich mich gleich mal mit dazu ...
Gruß
mrh400

TR74

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23.05.2026

Heute geht es los, der Flug ab Prag geht 15:50, die Fahrt zum Flughafen dauert reichlich 2 Stunden aber ich plane immer etwas großzügiger. Den Parkplatz mit Shuttleservice nutze ich diesmal zum ersten Mal, kostet für 16 Tage 1390 Kronen, also 57 EUR. Kein Mensch dort spricht Deutsch oder Englisch aber irgendwie kommen wir klar und 15 Minuten später bin ich am Terminal 1, wo alle Non-Schengen Flüge abgefertigt werden. Check-in ist schon offen, die Schlange aber ziemlich lang, trotzdem geht es relativ flott und problemlos. Wie am Terminal 1 üblich ist die Sicherheitskontrolle  erst am Eingang zum Gate, was ich sehr praktisch finde, ich habe auch noch Zeit für ein Pilsner Urquell für 130 Kronen zu genießen.

Hier ist meine geplante Route durch Kasachstan:


Boarding begann früh, Start auch superpünktlich und ereignisarmer Flug nach Istanbul SAW. Wie schon geschrieben hatte ich einen Fensterplatz am Notausgang, dazu noch einen freien Mittelplatz, perfekt. Leider war es in Istanbul bewölkt und regnerisch, damit war der spektakuläre Anflug über das Marmarameer mit Blick auf die Stadt nicht ganz so spektakulär.



Transfer in SAW wie erwartet problemlos, noch einmal durch die Sicherheitskontrolle und dann ist man auch schon im Duty Free des Abflugbereichs, die zwei Stunden sind mehr als ausreichend.



Das Boarding begann wieder sehr früh und der Start bei strömenden Regen war auch fast pünktliich. Neben mir saß diesmal ein Russe der aktuell in Stuttgart wohnt. Er flog nach Astana um seine Eltern nach 2 Jahren wiederzutreffen. Die können oder wollen nicht mehr fliegen und fahren 2 Tage mit dem Zug von Jekaterinburg nach Astana. Nach drei tagen fliegt der dann wieder zurück. Er will aktuell nicht nach Russland um „dummen Fragen“ an der Grenze zu entgehen, mehr sagt er nicht zu diesem Thema, ich frage dann auch nicht weiter.

Während des Nachtfluges noch ein paar Fakten zu Kasachstan und zur Haupstadt Astana. Kasachstan ist das neuntgrößte Land der Erde und 7,5 mal größer als Deutschland, gleichzeitig ist es das größte Land ohne Zugang zu einem Ozean. Kasachstan ist eines Ländern mit den meisten natürlichen Ressourcen, Kohle, Öl, Gas, Uran, seltene Erden. Die Wirtschaft wächst seit 2021 jährlich um ca. 5%, als Ziel wurde ausgegeben, Kasachstan bis 2050 zu einem der am höchsten entwickelten Länder zu machen. Warten wir mal ab, zumindest ist es jetzt schon das wohlhabendste Land unter den asiatischen früheren Sowjetrepubliken.

Astana ist wahrscheinlich die Stadt mit den meisten Namensänderungen weltweit. Die Stadt wurde sieben Mal umbenannt und hatte sechs verschiedene Namen: Aqmola – Akmolinsk – Tselinograd – Akmola – Astana – Nur-Sultan – Astana.  Zwischen 2019 und 2022 hieß Astana Nur-Sultan nach dem früheren und ziemlich diktatorisch regierenden Präsidenten Nur-Sultan Nazarbayev, man änderte sogar den Fluhafencode. Seit 2022 heißt die Stadt wieder Astana, nachdem mittlerweile die Regierungszeit von Nazarbayev nicht mehr ganz so positiv gesehen wird und es auch mehrere Festnahmen in seinem Umfeld gab. Astana heißt übrigens auf kasachisch einfach „Hauptstadt“

Morgen früh gegen 4 Uhr landen wir dann dort... :)

mrh400

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fein, es geht los - sogar mit Bildern  :applaus:
Gruß
mrh400

partybombe

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Fein, es geht los👍
Dazu lehrreich - 6 verschiedene Namen für die Hauptstadt 👏

TR74

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24.05.

Pünktliche Landung kurz nach 4 Uhr in Astana, die Sonne geht schon auf.

Der Flughafen ist nicht groß, man ist schnell an der Einreise. Ein verspäteter Flydubai Flug ist kurz vorher gelandet deshalb ist die Schlange für Ausländer ziemlich lang.
Irgendwann bin ich auch dran und die attraktive Grenzbeamtin nimmt freundlich meinen Pass entgegen. Als sie den Pass einliest verfinstert sich ihr Gesicht plätzlich und ich sehe wie sie einen Text auf den Bildschirm liest. Dann ruft sie die Wache und ich soll mich erstmal etwas abseits stellen und 5 Minuten warten. Das geht ja gut los und ich überlege was ich getan haben könnte, das der kasachischen Regierung möglicherweise nicht gefällt. Der Pass ist relativ neu und es sich auch keine exotischen Stempel drin. Plötzlich soll ich dann an einen Schalter am Ende des Raumes. Die andere Beamtin ist noch freundlicher, dass ich mich getraue nachzufragen: „автомат не работает“ Alles klar, Stempel rein und Auf Wiedersehen.

Mein Gepäck ist auch schon da, beim Zoll ist niemand zu sehen, Willkommen in Kasachstan. Ich tausche erstmal 50 EUR in kasachische Tenge, der Kurs ist ungefähr 1:550. Die internationale Arrivals Area ist winzig es gibt aber eine Cafeteria wo ich mich erstmal von dem Schreck erhole.
Jetzt brauche ich nur noch eine Sim-Karte, am Beeline Kiosk gibt es 20 GB für ca. 7 EUR. Das Mädchen verkauft die Karten am Fließband, hat immer gleichzeitig 3 Pässe und 3 Handys vor sich liegen. Sie baut die Karte ein, aktiviert sie und nach 5 Minuten ist alles erledigt, Super.

Es ist mittlerweile kurz vor sechs und ich schaue mal vor das Terminal, der erste Bus in die Stadt soll gegen 6 Uhr fahren. Der ganze Platz ist eine riesige Baustelle und ein Bus oder was wie eine Haltestelle ist nicht zu sehen. Ich frage an der Information, dort heißt es rechts an der Baustelle vorbei, dann links und die erste Straße rechts, dort fahren die Busse ab. Mittlerweise sind die ersten Taxifahrer auf mich aufmerksam geworden und wollen mich überreden für den „Standardpreis“ von 9000 Tenge ins ca.20 km entfernte Zentrum zu fahren. Ein noch so kleiner Discount wird nicht akzeptiert und irgendwann werde ich schwach. Außerdem habe ich mittlerweile auch keine Lust mehr eine Stunde im Bus zu sitzen sondern freue mich auf das Hotelzimmer. Also los, der Fahrer spricht gut Englisch und erzählt mir einiges über die Stadt. Was sofort auffällt: alle ungefähr 200 m entlang der schnurgeraden Ausfallstraße steht ein Polizist und an jeder Kreuzung ein Schützenpanzer. Er erklärt mir, das in den nächsten Tagen das Eurasische Wirtschaftsforum mit allen Präsidenten der Region stattfindet, Putin kommt übermorgen, na da bin ich schon wieder weg.
Als ich den Name des Hotels nenne, meint er nur „not very good“ und hatte damit auch recht, die Bilder auf der Buchungsseite waren besser als die Realität im Union Plaza Hotel.


Mir haben vor allem die Zeiten für Checkin und Checkout gefallen, jeweils von 00:00 bis 23:59. Mein Fahrer bietet mir dann noch eine private Stadtrundfahrt am Abend für 100 EUR an was ich aber dankend ablehne. 
An der Rezeption versuche ich es erst mit Englisch dann mit Russisch aber die Dame scheint nix zu verstehen, sagt dann nur „Passport“. Meine Buchung findet sie auch nicht und deutet dann auf die Preisliste an der Wand. Auch nicht schlecht, ich bekomme das Zimmer für 44 EUR statt für die gebuchten 49 EUR. Das Zimmer ist riesig mit 3 Einzelbetten, völlig ausreichend für eine Nacht. Bevor wir Astana erkunden schlafe ich erstmal 4 Stunden.