Tag 2, Sonntag 22. Januar 2012Die Nacht - ich habe sehr gut geschlafen - war um 7 Uhr vorbei. Ich muss dazu sagen, dass ich ein ganz schlechter "ausser-Haus-schläfer" bin, doch in dieser Nacht habe ich geschlafen wie ein Murmeltier. Woran lag's? Der lange Vortag, die warmen Bier oder das tolle, ruhige Zimmer?
Um 8 Uhr standen wir mit gepackten Koffern in der Lobby zum Check-Out. Vom Hotel wurde uns gleich angeboten, ob wir das Gepäck unterstellen möchten. Klar - so war der Plan.
Kurz darauf gings zum Frühstück. Fündig wurden wir im benachbarten Bahnhof, wo es ja mehrere Möglichkeiten gibt. Gelandet sind wir bei einem italienischen Restaurant - ne Art Selbstbedienungsrestaurant. Hier bestellten wir uns je ein Omelette mit Chips und Salat. Ich muss sagen, das war wirklich eines der besten Omelettes, die ich je gegessen habe. Alles sehr Frisch zubereitet - einziger Haken: der Preis. Inkl. Kaffee bezahlten wir 16 Pfund - stolzer Preis finde ich.
Nach dem Frühstück gings wieder zu Fuß durch das Bankenviertel in Richtung Tower, wo wir wieder in den Bus stiegen.
Das Wetter zeigte sich von seiner besseren Seite, denn es schien die Sonne - auch wenn es noch empfindlich Kalt war, schien das ein schöner Tag zu werden.
Der Plan war, mit dem Bus zum Big Ben zu fahren und sich dort etwas um zu schauen. Die Fahrt dorthin war ruhig entlang der Themse gabs wieder viel zu sehen.
Als wir aus dem Bus ausstiegen - das Foto oben ist übrigens das sog. "London Eye Riesenrad" - schellte der Glockenturm gerade 9:45 Uhr - bis 10 Uhr wollten wir aber dennoch warten. Man will Big Ben ja schonmal "ordentlich" hören, wenn man schonmal da ist.
Ich war sehr positiv überrascht von Big Ben und den Houses of Parliament. Die Gebäude schimmern im Licht in schönen Gold- und Braunfarben - ich dachte immer, dass das alles langweiliger gestaltet ist. So kann man sich täuschen.
Der 10 Uhr Glockenschlag hatte es dann wirklich in sich - toller Sound. Überraschenderweise war's nicht wirklich voll am Big Ben. Die Schar an Asiaten ist wohl noch auf der Suche nach was Essbaren. Vom Big Ben war der nächste Stop die Westminster Abbey - den ich mir wiederum größer vorstellte.
Haben da nicht Charles und Diana geheiratet? Keine Ahnung - ist ja schon lange her . . . Auf alle Fälle entdeckte meine Frau am Eingang zu Abbey eine Tafel der 10 Märtyrer des 20. Jahrhunderts - ohne Worte . . .
U.a. Dietrich Bonhoeffer und Martin Luther King . . .
Von der Abbey gingen wir der Whitehall entlang bis zu Downing Street No. 10.
Die ist sehr gut bewacht. Am Einfahrtstor stehen ein paar ordentlich bewachte Jungs mit MG - hinten im Eck stand ein Bentley. Gesehen hat man niemand. Ich kann daher nicht sagen, ob es dort wirklich so aussieht, wie man es auf Fotos oder alten James Bond Filmen her kennt.
Wir gingen weiter die Whitehall entlang in Richtung Trafalgar Square und schauten uns die Horse Guard change an, die zwar gerade vorbei war, aber es dennoch viel zu sehen gab.
"Die spinnen die Briten" hat schon Obelix gesagt - irgendwie spinnen sie auf eine ganz besonders charmante Art - mir gefällt's!
Von dort isses nur noch ein Katzensprung zum Trafalgar Square, wo wir wieder den Hop-on-Hop-Off Bus nehmen wollten und zu Harrod's fahren wollten.
Der Bus brachte uns über die Picadilly Street zum Hyde Park, den wir ein Stück entlang fuhren.
Am Park entlang und an folgenden Sights vorbei: Albert Memorial, Royal Albert Hall, Kensington Palace (hätte man aber aussteigen müssen), Natural History Museum und Victoria und Albert Museum bis vor die Haustüre von Harrod's.
Bei Harrod's kamen wir gegen 11.30 Uhr an und es war noch zu. Wir vertrieben uns die paar Minuten bis zum Öffnen des Shoppingtempels mit People watching. Punkt 11.30 Uhr gings hinein und was ist das: ein undurchdringliches Labyrinth von Gängen, Läden usw.
Nix wie in die Feinkostabteilung. Ich hatte vor vielen Jahren mal ne grüne Harrod's Teedose geschenkt bekommen. Ich bin kein Teetrinker, aber irgendwie fand ich die Dose kultig. Also musste sowas wieder her. In der Teeabteilung sind wir dann fündig geworden und sind mit einem 3er-Pack Tee wieder abgezogen. Raus, einfach nur Raus hier.
Was nervig war: die machen um 11.30 Uhr den Laden auf - die Kassen aber erst um 12 Uhr! That's the law in Britain!! Am Sonntag dürfen nur 6 Stunden die Kassen offen sein. Somit standen ewig viel Leute vor der Kasse, die z.Teil nur ein paar Kleinigkeiten aus dem Merchandise Shop wollten.
Ich persönlich hasse die Riesenshoppingtempel, wo man doch soweiso nix kaufen kann, weil alles Schweineteuer ist. Harrod's, KaDeWe, Lafayette sind für mich sog. "no go areas" - das Breuninger in Stuttgart gehört in der Zwischenzeit auch dazu. Mal eben kurz rein und was kaufen ist immer mit ner Stunde nach dem Ausgang suchen verbunden. Die Gedenkstätte von Diana und Dodi haben wir übrigens nicht besucht . . .
Die Feinkostabteilung ist allerdings sehr sehenswert. Man bekommt alles, was es eigentlich gar nicht gibt oder man nur vom Hörensagen her kennt.
Von Macy's sind wir dann zu Fuß bis zum Hard Rock Cafe gelaufen, wo wir um 13 Uhr ankamen.
Ich hatte Hunger und wenn man schonmal da ist - Pustekuchen. 20 Min. Warteliste. Wir liessen uns auf die Liste setzen, bekamen den üblichen Pieper in die Hand gedrückt und los gings in den HRC-Shop, der unüblicherweise im Gebäude nebenan ist. Kaum drin, ging datt Dingens auch schon los zu vibrieren, zu leuchten und zu piepen . . .
Also nix wie nebenan und ein Angestellter begleitete uns zu unseren Plätzen. Es kommt einem gleich alles vertraut vor - auch die Karte ist ja bis auf ein paar lokalen Spezialitäten (hier: Fisch'n Chips) - immer dieselbe. Meine Frau bestellte sich Chicken Fajita's und ich ein Pulled Pork Sandwich. Beides war sehr lecker und für mich das Beste europäische HRC - was das Essen betrifft. Berlin + München geht finde ich gar nicht - Paris war OK. Mehr kenne ich nicht . . . Das Ale war allerdings genauso Warm und Lecker wie am Vorabend . . .
Ein Tipp: wer einen ruhigen Platz möchte, sollte einen Tisch im Keller verlangen - oben isses richtig Laut.
Gegen 14:30 Uhr verliessen wir das HRC und gingen die Picadilly Street bis zum gleichnamigen Circus entlang. Dort wollte meine Frau noch in den M&M Shop gehen, in der Hoffnung, welche mit Peanutbutter Füllung zu bekommen. Leider gibt's die auch nicht in England . . . Wir schauten uns die verschiedenen Läden rund um den bunten Platz an, ehe wir bei Cinnabon landeten - die erste Cinnamon Roll des Jahres geniessen - und das in England. Egal, lecker wars trotzdem.
Wir sicherten uns noch die letzten Souveniers, ehe es auf die Suche nach der nächsten Bushaltestelle ging. Wir wollten wieder mit dem Hip-Hop-Bus bis zum Tower fahren und von dort zurück zum Hotel gehen. Das war allerdings gar nicht so einfach, denn zum Einen gibts bei unserem Busunternehmen 4 Linien und zudem noch weitere Unternehmen. Die nächste Schwierigkeit war, den Bus zu erwischen, der in die Richtige Richtung fuhr.
Nach ein paar Minuten orientierungslosen Umherirrens war aber auch dieser gefunden und es ging so gegen 16 Uhr zurück zum Tower, wo wir gegen 16.30 Uhr ankamen. Dort holten wir uns noch einen Kaffee, mit dem wir dann zurück zum Hotel liefen und unser Gepäck abholten. Um 17 Uhr standen wir am Bahnhof und suchten das Gleis, von wo der nächste Zug nach Stansted fährt.
Warum sind wir so früh da? Hmmm, ich habe schon viele Schauergeschichten über die Zubringer zu den Londoner Flughäfen gehört. Man muss mit allem rechnen - daher lieber eine Stunde mehr einplanen und der Stansted Express fährt ja 45 Min.
Und es kam, wie es kommen musste: heute kein Zugverkehr zum Stansted Airport - ein Schienenersatzverkehr fährt neben Gleich 10 ab. Hurra! Also nix wie Gleis 10 suchen und was sehe ich: eine 100 Meter lange Menschenschlange - zum Teil sehr verzweifelte Gesichter - Hektik machte sich breit. Ich blieb cool - wir hatten ja genug Zeit, denn bis 19.30 Uhr sollte es schon reichen. Wie ein Blitz schoss mir die Geschichte meiner Mutter in den Kopf, die bei ihrem London Trip 3 Stunden zum Flughafen im Stau stand und so den Flieger verpasste . . .
Man sah von da hinten einen Bus dastehen, der zügig gefüllt wurde und losfuhr. Gleich dahinter fuhr der nächste Bus ran, der ebenfalls gefültt wurde und losfuhr. So gings immer weiter, bis wir in den Bus einsteigen durften.
Es wurde praktisch eine Art Buskette gebildet. Ich dachte erst, die fahren halt alle 15 Min. - vllt. eine Handvoll Busse. Anscheinend war das alles sehr gut geplant und der Ausfall der Zugstrecke wohl länger geplant. Bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof standen ca. 25 Busse bereit. Somit durften wir sogar noch eine Stunde britische Autobahnluft schnuppern. Nach ca. 20 Min. waren wir endlich mal aus der Stadt draussen - gar nicht auszudenken, wenn Wochentag gewesen wäre.
Nach insgesamt einer Stunde Fahrzeit kamen wir gegen 18:15 Uhr am Flughafen Stansted an. Also noch genügend Zeit, aufs Klo zu gehen, ein Abschiedsbier zu trinken und im Duty Free Shop zu stöbern. Im Duty Free Shop gab's nix - ich fands sehr teuer. Bsp.: eine 0.7l Flasche Jack Daniels für 20 Pfund - die habe ich bei uns schon für 10 Euro im Real bekommen . . . Parfüm brauchte ich keins - lediglich meine Frau hat (wie immer) was gefunden.
Was nervt und für Heathrow (Terminal 5) und Stansted gilt: man bekommt das Abfluggate erst ca. 30 Min. vor Abflug auf der Anzeigetafel angezeigt. So ballt sich alles im Hauptterminal und hetzt dann zum Abflugterminal - das meist mit einem Bähnle zu erreichen ist. Ein Schild wies darauf hin: max. 12 Min. zum Abfluggate. Hmmmm - finde ich nicht optimal.
20:20 Uhr sollte unser Flug gehen - etwa um 19:45 Uhr bekamen wir unser Abfluggate mitgeteilt. Es ging mit dem Bähnle zum Gate, wo sich dann alle Germanwingsflieger tummelten. Parallel gings noch nach Hangover und Düdorf. Alle 3 Maschinen hatten allerings eines gemeinsam: ca. 30 Min. Verspätung. Daher gings bei uns erst gegen 20:15 mit dem Boarding los. Was normalerweise nicht meine Art ist: versuchen, so früh wie möglich in den Flieger zu kommen und da wir fast als letzte am Gate ankamen und alle Sitzplätze sowieso schon besetzt waren, klappte das auch ganz gut. Warum früh rein? Ich bemerkte, dass sehr viele Fluggäste mit großem Handgepäck da sassen und ich sollte Recht behalten. Wir hatten Plätze in der vorletzten Reihe und die hinteren Reihen wurden erst reingelassen. Die Fächer waren in Null komma Nix voll und viele Leute mussten ihr Gepäck wieder abgeben, damit dies in den Bauch gebracht werden konnte.
Gegen 20:45 Uhr gings dann Richtung Heimat, wo wir nach einer starken Stunde Flugzeit gegen 23 Uhr Ortszeit in Stuttgart ankamen. Um 23.30 Uhr waren wir zu Hause.
Mein Fazit folgt noch . . .