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Autor Thema: 3000 Jahre Geschichte auf 3000 krn oder eine Reise entlang der Seidenstraße  (Gelesen 3463 mal)

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TR74

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26.5.

Als ich aufwache ist es taghell, die Uhr zeigt aber kurz nach 5 Uhr. Kasachstan hat i2024 die Sommerzeit abgeschafft und gleichzeitig aus zwei Zeitzonen eine gemacht. Dadurch wird es zu dieser Jahreszeit im Osten des Landes extrem früh hell und relativ früh dunkel. Das Frühstück ist sehr gut, vor allem auch der Kaffee.

Ich wollte heute in die Alatau Berge, welche zum Tienschan Gebirge gehören und sich direkt hinter der Stadtgrenze erheben. Die Wolken hängen sehr tief und die Berge sind noch nicht zu sehen, mal abwarten ob es sich lohnt mit der Seilbahn auf 3000 m hochzufahren.
Bus Nr. 12 fährt aus der Stadt nach Medeo auf 1700 m Höhe und kostet 40 Cent. Dort ist auch der berühmte Eisschnellaufring wo ziwschen 1950 und den späten achziger Jahren über 100 Weltrekorde gelaufen wurden. Aktuell läuft die Renovierung und Ende 2027 soll die Bahn wieder eröffnet werden.
Almaty hatte sich für die Olympischen Winterspiele 2022 beworben, unterlag aber knapp gegen Peking. Man hat den Plan aber sicher noch nicht aufgegeben.





Hier beginnt auch die Seilbahn, die in drei Abschnitten bis auf ca. 3000 hochgeht. Das Wetter ist noch immer ziemlich bescheiden also wandere ich erstmal zur Medeo Staumauer welche etwas oberhalb zum Hochwasserschutz gebaut wurde. Von unten bis auf die Krone geht die sogenannte „Gesundheitstreppe“. Die knapp 1000 Stufen sind ein gutes Training und hoch muss ich auch dreimal verschnaufen. Auf dem Foto sieht man ungefähr ein Drittel von der Treppe.

 

Wieder zurück in Medeo ist das Wetter etwas besser und ich beschließe auf 3000 m hochzufahren, hoch und runter kosten knapp 15 EUR. Auf dem ersten und längsten Abschnitt sitze ich mit einer jungen Russin aus Kaliningrad in der Kabine, war ein sehr interessantes Gespräch. Auf dem letzten Abschnitt teile ich mir die Kabine mit einem Inder und seinem Sohn und zwei Kasachen, die die komplette Zeit alles in der Kabine und Außerhalb mit ihren Handys filmen. Der kleine sieht zum ersten Mal Schnee in seinem Leben.




Oben angekommen habe ich noch 2 Stunden bis die letzte Bahn ins Tal fährt. Eigentlich wollte ich eine größere Tour machen aber nun ist nur der knapp 3500 m hohe Shymbulak Peak realistisch. Das Wetter wird immer besser und am Autstieg treffe ich  3 Geschwister aus Taras. Einer der Brüder spricht gutes Englisch und freut sich es endlich wieder mal zu üben. Er ist angehender Priester und wir sind wir sind heute noch in Kontakt.







Runter geht es natürlich schneller außerdem fängt es noch an zu schneien.
Was vor allem in der Region Almaty auffällt sind die Massen an indischen Touristen. Es gibt auch einen einfachen Grund: Kasachstan eines der weinigen Länder ist wo Inder aktuell kein Visa benötigen und der Flug aus Delhi dauert nur ca. 3,5 Stunden und man ist in einer quasi europäischen Stadt. Wahrscheinlich ist es auch einfacher in die kasachischen Berge zu reisen als in den indischen Himalaya. Auf jeden Fall macht der Schneefall die Inder sehr glücklich.
Ich nehme eine der letzten Bahnen ins Tal, und sehe schon eine riesige Menschentraube an der Bushaltestelle. Offenbar fahren die Busse in die Stadt sehr unregelmäßig, irgendwann kommt dann doch einer und alle drängen sich hinein. Es ist wie in einer Sardinendose und es zwängen sich immer mehr Leute in den Bus. Eine attraktive Kasachin drängt sich so fest an mich, dass ich alle ihre Körperformen spüre.
Irgendwie gelingt es mir im Zentrum an irgendeiner Haltestelle auszusteigen.

Später gibt es noch ein sehr leckeres Steak im Merhaba Steak House in der Almaty Forum Mall.
Es war ein ziemlich anstrengender Tag, morgen geht aber gleich weiter. Ich habe eine Tagestour Richtung chinesische Grenze gebucht, in die Berge und zum Charyn Canyon.

 

Doreen & Andreas

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Medeo ist mir auch irgendwie noch vom Eisschnellauf her ein Begriff.
Ich habe gerade mal ein bisschen recherchiert und meine Erinnerungen aufgefrischt.  :D
Interessant, dass diese traditionsreiche Anlage nächstes Jahr wiedereröffnet werden soll.
Viele Grüße,
Andreas
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TR74

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Ja, Andreas die Anlage ist wirklich weltweit einmalig.
ich hoffe es gibt durt wieder irgendwann richtige Wettkämpfe obwohl der Trend ja eher zu Hallen geht, wo man keinen Rückenwind oder Gegenwind hat.

Auf jeden Fall finden in Almaty 2029 die Asian Winter Games statt, man springt übrigens für Saudi Arabien ein. Dort sollte in Trojena (Neom) ein Wintersprtzentrum entstehen aber
überraschenderweise gibt es Verzögerungen beim Bau und und vor allem technische Herausforderungen, die nicht mit dem geplanten Budget zu lösen sind... :roll:   

partybombe

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Nach Hochhäusern geht’s in die Berge zum Wintersport; auch die Thematik „Normal- und Sommerzeit“ ist hier anzutreffen🤦‍♀️

TR74

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27.5.

Wie schon angekündigt habe ich für heute eine Tagestour in den Osten Richtung chinesische Grenze gebucht. Höhrepunkte sind Kaindy See, Kolsay See und der Charyn Canyon. Treffpunkt ist 5 Uhr 100 m von meinem Hotel entfernt (sehr praktisch), der Andrang ist so groß, dass an diesem Tag zwei Mercedes Sprinter benötigt werden. Es gibt nur eine Reiseführerin, sie muss beide Busse managen, Amina hatte aber immer alles im Griff und war vor allem immer gut gelaunt. Erstes Ziel war der Geldautomat in einer Tankstelle, da heutzutage kaum jemand Bargeld dabei hat aber da hinten in der Provinz häufig nur Cash akzeptiert wird.

Wie schon erwartet sind 66% der Reisegruppe Inder und Chinesen, dann noch Leute aus Singapur, Malaysia, Philippinen, Dubai, außerdem noch 5 Europäer, wenn man die Türkei zu Europa zählt.

Bis zum Kaindy Lake sind es knapp 300 km, erst Autobahn, dann relativ gut ausgebaute Landstraße. Erster Zwischenstop war am Aktogay Canyon, auch bekannt als Black Canyon.






Bis zum Kaindysee bzw. bis zu der Stelle bis wohin normale Autos fahren können ist es noch eine knappe Stunde. Die Landschaft erinnert mich immer mehr an Nordamerika.



In der Ortschaft Saty müssen wir in einen KAVZ 3976 Bus umsteigen. Der fährt im Gegensatz zu einem Mercedes Sprinter überall hin. Ich war überrascht als der Fahrer meinte, der Bus ist nur 20 Jahre alt.



Zum See ist es noch ein reichlicher Kilometer zu laufen, man kann auch reiten oder sich mit einem UAZ 452 hinfahren lassen.
Der See entstand 1911 durch einen großen Erdrutsch bei einem schweren Erdbeben in der Region. Berühmt ist der See durch den "Versunkenen Wald", wegen dem eiskalten Wasser verrotten die Baumstämme nicht und sind mittlerweise bewachsen mit diversen Wasserpflanzen.





Einige aus unserem Bus wollen nicht zurücklaufen und warten auf das „Taxi“ was gerade nicht fährt, damit sind wir schon fast eine Stunde hinter dem Zeitplan.
Nächstes Ziel ist der Untere Kolsay See, hier gibt’s Mittagessen und 1 ½ Stunde Freizeit. Logischerweise reicht es nicht, um den See zu umrunden. Ich laufe so weit es die Zeit erlaubt, zurück am Bus fehlen natürlich wieder Leute, als sie endlich eintrudeln gibt es irgendeine Ausrede.





...nein, wir sind nicht in der Zentralschweiz



Der Höhepunkt des Tages kommt ja noch, eine Wanderung durch den Charyn Canyon, dem "Grand Canyon" Kasachstans.
Es ist kurz nach vier als wir dort ankommen, es bleibt bis 19 Uhr Zeit den Canyon zu erkunden.
Der Canyon ist ca. 3,5 km lang und der Weg geht immer leicht bergab bis zum Charyn Fluss. Man kann sich auch von einem UAZ mit offener Ladefläche durch den Canyon fahren lassen, aber das letzte Taxi fuhr 18:00 Uhr.
Ich hatte mich mit zwei Indern angefreundet, einer abrbeitete in Dubai, der andere war ein waschechter Sikh mit Turban und tollem Bart, wir laufen zusammen den Canyon runter und hoch.









19:30 Uhr starten wir die dreistündige Rückfahrt nach Almaty, nach 10 Min. müssen wir zurück, eine Teilnehmerin hat ihre Geldbörse in der Cafeteria vergessen. Zu allem Überfluss gibt es dann auch noch einen Reifenschaden.



Kurz vor Mitternacht bin ich nach 19 Stunden wieder im Hotel,die Tour war toll und kostete 45 EUR. 

Morgen will ich endlich mal Almaty erkunden und am Abend geht es dann per Nachtzug nach Shymkent...


partybombe

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Erscheint mir eine sehr schöne Tour gewesen zu sein👏👏


mrh400

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Die letzten Bilder (vor der Reifenpanne) könnten auch irgendwo in Arizona aufgenommen worden sein.
Die Reifenpanne auch  8)
Gruß
mrh400

partybombe

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Die letzten Bilder (vor der Reifenpanne) könnten auch irgendwo in Arizona aufgenommen worden sein.

Für das nächste Rätsel merken🙋‍♀️

TR74

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Die letzten Bilder (vor der Reifenpanne) könnten auch irgendwo in Arizona aufgenommen worden sein.
Die Reifenpanne auch  8)

Glaube ich nicht, der Bus war ein Toyota Hiace und der wird offiziell nicht in den USA verkauft  :wink:

mrh400

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Glaube ich nicht, der Bus war ein Toyota Hiace und der wird offiziell nicht in den USA verkauft  :wink:
Wenn man das ein wenig beschneidet (Radkappe und Felge weg sowie Kennzeichen weg) meint ChatGPT, es sei ein MB Sprinter



sorry :oops: für den ot-Mißbrauch des tollen Reiseberichts, den ich aufmerksam verfolge
Gruß
mrh400

TR74

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28.5.

@mrh400  Es war ein Toyota Hiace ich hab aber kein anderes Foto

Heute wollte ich endlich mal ausschlafen, daraus wird aber wieder nix denn ich muss mich vor dem Frühstück noch um meine Bahnfahrkarte für heute Abend kümmern. Ich nehme ein Yandex für 1,50 EUR zum Bahnhof Almaty-2.



Es sind zwei der 10 Fahrkartenschalter geöffnet und jeweils drei Leute stehen an, es sollte also recht flott gehen. Insgesamt habe ich aber mehr als eine halbe Stunde gebraucht bis ich meine Fahrkarte hatte. Eine Frau erzählte der Кассирша warum die eine Fahrkarte nach, ich glaube es war Pawlodar, kauft und wann sie es sich überlegt hat, dass sie eine Fahrkarte kauft und…und…und.
Die zweite wollte eine Fahrkarte von Novosibirsk nach Almaty kaufen und ihr wurde ungefährt 3 mal erklärt, dass sie hier keine Tickets kaufen kann wenn der Zug im Ausland startet. Irgendwann hatte sie es doch begriffen und ging schimpfend weg. Mittlerweile hatte ich auch mitbekommen, dass es eigentlich keine Schlange gibt, sondern die Reihenfolge jedes mal neu ausgehandelt wurde. Hinter mir stand ein Mann mit einem ganzen Stapel Geburtsurkunden, warum auch immer man die hier braucht. Der sorgte dann auch irgendwann dafür dass sich niemand mehr vordrängelte. Bei mir dauerte es fast genauso lange, erstens weil der Zug nicht von Almaty-2 sondern von Almaty-1 abfährt und dann wollte ich ein Ticket für den Zug Nr. 33 aber es heißt 33ste Zug. Weitere Details erspare ich euch, jedenfalls versuchten dann auch die Umstehenden zu helfen oder gaben ihre Kommentare ab. 

Irgendwann hatte ich dann meine Fahrkarte für die 2. Klasse (Viererabteil) für rund 21 EUR und es ging mit einem Yandex zurück zum Frühstück. Mittlerweile fahre ich nicht mehr Bus sondern nur noch Metro oder Yandex. Der 33. Zug fährt 21:15 Uhr also habe ich noch den ganzen Tag Zeit endlich Almaty zu erkunden.

Erstes Ziel ist der Kok Tobe einer Art Rummel/Vergnügungspark auf einem Hügel oberhalb der Stadt. Die zehnminütige Fahrt mit der Seilbahn kostet One-way 7 EUR, ziemlich viel für hiesige Verhältnisse wie ich finde. Von oben hat man einen schönen Blick über die Stadt und Richtung Berge, sonst gibt es aber nicht viel zu sehen. Ich esse ein Eis und mache mich wieder auf dem Weg nach unten.





In der Line Brewery am Dostyk Plaza gab es noch ein leckeres Tartar und ein Super Craftbeer.



Am Nachmittag wurde dann das Wetter so schlecht und es fing an zu regnen, ich setzte mich in eine Bar um die Zeit zu verbringen.





Gegen 19 Uhr war ich dann wieder zurück im Hotel und bestellte ein Yandex nach Almaty-1. Dieser Bahnhof liegt weit im Norden, fast außerfalb der Stadt und ist eine einzige Baustelle. Die Hinweisschilder waren sehr verwirrend und es dauerte fast eine halbe Stunde bis ich endlich auf dem richtigen Bahnsteig war.
Der Zug nach Aktobe hatte 18 Waagen und natürlich suchte ich erstmal mein Abteil. Jeder Wagen hat einen eigenen Schaffner und wie überall in der Ex-SU üblich wird Fahrkarte und Pass vor dem Einsteigen kontrolliert.







Wir waren nur zu zweit im Abteil, ich und Murad aus Baikonur. Er hatte eine seine Familie in Almaty besucht und führ jetzt 28 Stunden wieder heim. Murad war sehr gesprächig und wollte mir auch erklären wie man hier richtig Eisenbahn fährt. Drei Dinge hatte ich schon mal falsch gemacht: 1. für einen Schlafwagen braucht man Flip-Flops, 2. Ich hatte zu wenig Proviant dabei, war eigentlich kein Problem, da er Essen für ca. 3 Tage bei sich hatte. 3. Größtes Problem war, dass ich keine Tasse dabei hatte. Er kümmerte sich dann persönlich darum und der Provodnik gab mir eine Leihtasse. Ich holte mir heißes Wasser aus dem Samowar und nun konnte er mit mir Tee trinken.

Ich versuchte zu schlafen aber der Zug fuhr während der Nacht so schnell und schaukelte extrem, dass es ziemlich schwierig war.

Geplante Ankunft in Shymkent morgen 10:35 Uhr.

mrh400

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Die Schilderung des Fahrkarten-Kaufs zeigt, dass die Deutschen längst keine Weltmeister der Bürokratie mehr sind. Ich bin gespannt auf den nächsten Tag.

@mrh400  Es war ein Toyota Hiace ich hab aber kein anderes Foto
Missverständnis ‐ das habe ich nicht bezweifelt. Ich wollte nur zeigen, dass man mit wenig Aufwand eine nicht mehr so eindeutige (Rätsel-)Spur legen könnte.
Gruß
mrh400