Honeymoon in Gator Country

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*Stefan M.

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Honeymoon in Gator Country
« am: 06.11.2006, 17:11 Uhr »
Reisebericht „Honeymoon in Gator Country“
Frischvermählte drei Wochen in Florida – September/Oktober 2006


Zwei Jahre waren vergangen, seit dem ominösen Tag im Oktober 2004 in Las Vegas - die eifrigen Reisebericht-Leser wissen, wovon ich rede: Damals habe ich meiner Claudia auf dem Stratosphere Tower einen Heiratsantrag gemacht. Im April 2005 folgte prompt das Ja-Wort vor dem Standesamt, aber wir wollten natürlich auch eine richtige kirchliche Trauung mit Hochzeitsfeier – und die fand schließlich am 23. September 2006 statt.



Als kurze Zusammenfassung nur so viel: Über 200 geladene Gäste bereiteten uns eine Hochzeit, wie man sie sich nur träumen kann. Wir hatten Kaiserwetter bei etwa 28° C und unsere Fünf-Mann-Band zauberte eine Stimmung, von der nicht nur wir beide noch heute schwärmen. Das tat dann übrigens auch der Wirt, denn konsumierte 90 Flaschen Wein beim in Bayern traditionellen „Braut-Stehlen“ stellten einen Zahlenwert dar, der (Zitat) „...schon jahrelang nicht mehr erreicht wurde“.

Als Hochzeitsauto hatten wir uns als USA-Fans die Zugmaschine eines 1984er Peterbilt-Trucks ausgesucht; und als Fahrer fungierte ein stilecht in Trucker-Kluft gekleideter Freund von mir.




Der am weitesten angereiste Hochzeitsgast war übrigens mein Freund Simon aus Philadelphia (siehe Reisebericht 2005), der eigens wegen unserer Vermählung aus Pennsylvania eingeflogen kam. Am Montag nach der Hochzeit gingen wir dann mit ihm und meinen Schwiegereltern noch auf das Münchner Oktoberfest – ist ja geradezu ein „Muss“, wenn man einen Amerikaner zu Gast hat.




Soviel zur Einstimmung auf das, wozu ich Euch nun zum virtuellen Mitfahren einlade: Unsere Flitterwochen in Florida. Den Sunshine State hatten wir uns ausgesucht, weil Claudia diesmal unbedingt etwas „mit Strand“ haben wollte und wir nach zwei Jahren im Westen nun wieder mal etwas „Neues“ erleben wollten. Natürlich war uns klar, dass uns keine solchen atemberaubenden Naturschönheiten wie in den Reisen zuvor erwarten würden – aber wir sollten dennoch nicht enttäuscht werden.

Wie immer noch kurz einige Eckdaten: Planung und Buchung habe ich in altbewährter Manier in Eigenregie von zu Hause aus am PC durchgeführt, wobei ich mich auf Flug, Mietauto, Hockey-Tickets und einige wenige Hotels beschränkt habe. Wir wollten in Florida so flexibel wie möglich sein, und da wir ohnehin in einer absoluten „Off-Season“ unterwegs sein würden, war eine Hotelsuche vor Ort ja absolut unproblematisch.

Als „Transatlantik-Shuttle“ hatten wir uns diesmal den Anbieter „LTU“ ausgesucht – schlicht und ergreifend deshalb, weil man damit non-stop und relativ preisgünstig von unserem Heimatflughafen MUC nach Florida fliegen kann. Geplant war, dass wir eine kleine Rundreise durch den Süden Floridas machen wollten, weshalb der Start/Zielort keine große Rolle spielte – und so fiel die Wahl schließlich wegen des günstigeren Preises auf Fort Myers (RSW) als Zielflughafen:

27.09.06 MUC-RSW
18.10.06 RSW-MUC

Wie schon im letzten Jahr werde ich während des Reiseberichts am Ende eines jeden Tages einen kleinen Überblick darüber geben, welche finanziellen Ausgaben wir hatten (und die hatten es diesmal in sich, so viel schon mal vorab...).

Jetzt aber nichts wie los, auf geht’s in die Flitterwochen!!!

27.09.2006 München – Fort Myers :urlaub:

Gegen 09.00 Uhr chauffierte uns wie schon im Vorjahr unsere Freundin Birgit per Audi-Express zum Terminal 1 des Franz-Josef-Strauß-Airports. Das war insofern etwas ganz Neues für uns, weil wir das „alte“ Terminal schon jahrelang nicht mehr benutzt hatten. Flüge nach USA finden am Airport MUC fast allesamt vom „neuen“ Terminal 2 statt, da ja die einschlägigen Airlines Lufthansa, US Airways, United und Air Canada allesamt zur „Star Alliance“ gehören, welche das neue Gebäude exklusiv für seine Zwecke nutzt.

Die von uns ausgesuchte LTU bildet hier eine der wenigen Ausnahmen, und so verabschiedeten wir uns vor dem Bereich A des Terminal 1 von Birgit und gingen zielstrebig auf den LTU-Schalter zu. Entgegen aller Befürchtungen war dort nur ganz wenig Betrieb, und so war das Einchecken gleich erledigt. Wir bekamen die Info, dass nur noch Plätze im Gang des Fliegers frei wären, weil der Flug fast ausgebucht sei. Schade eigentlich, ich sitze immer recht gern am Fenster. Allerdings sollte sich später herausstellen, dass ein Fensterplatz auch nicht allzu viel gebracht hätte; die interessanten Gegenden entlang der US-Ostküste waren allesamt wolkenverhangen und somit wäre ein Ausblick auf die großen Metropolen eh nicht möglich gewesen.

Einer alten Tradition gemäß verbrachten wir die übrige Zeit bis zum Abflug im „Airbräu“ bei einer Abschieds-Portion Weißwürsten und Weißbier.



Obwohl ich den Aufenthalt in diesem Restaurant immer sehr genieße, frage ich mich, warum man als USA-Reisender von den Airlines ständig informiert wird, man solle doch „mindestens drei Stunden vor Abflug“ am Airport sein – bei uns hat das Einchecken noch nie mehr als fünf Minuten gedauert, und die restliche Zeit bis zum Abflug saßen wir dann mehr oder weniger sinnlos am Flughafen herum.



Gegen 11.15 Uhr begaben wir uns dann zu unserem Gate B03, wo schon der Airbus A330-300 der LTU wartete. Wie ihr auf dem Foto unschwer erkennen könnt, war es höchste Zeit aus Deutschland abzuhauen, seit dem Vortag war nämlich richtiges naß-kaltes Schmuddelwetter angesagt.



Vor dem Einsteigen bemerkten wir dann, dass wir einen prominenten Mitreisenden hatten: Stefan Effenberg und eine junge, gutaussehende Dame (fragt mich aber nicht, wer das war), stiegen vor uns in die selbe Maschine – wohl in die Business-Class. „Hoffentlich läuft mir der in Florida nicht über den Weg und versaut mir meinen Honeymoon“ schoss es mir durch den Kopf.

Mit ein paar Minuten Verspätung rollte dann unser Flieger in Richtung Startbahn und hob gegen 12.15 Uhr ab. Der Kapitän informierte uns kurz nach dem Start, dass aufgrund von Unwettern über dem Atlantik ein sehr südlicher Kurs geflogen wird, um Turbulenzen zu entgehen, wir aber dennoch pünktlich landen würden. Uns soll’s recht sein, Hauptsache wir kommen gut an.

Insgesamt waren wir übrigens als Erstnutzer der Fluggesellschaft LTU recht positiv überrascht, hatten wir doch im Vorfeld einiges Negative gehört und gelesen. Allerdings bestätigten sich unsere Befürchtungen nicht: Die Maschine machte einen sauberen und topgepflegten Eindruck, das Personal war sehr freundlich und zuvorkommend und auch das Essen war ganz gut. Einzig der Sitzabstand störte mich ein wenig, schon ich mit meinen 1,80 m fühlte mich ziemlich beengt. Wer also noch größer ist als ich, sollte bei LTU im Vorfeld schon Sitze reservieren die mehr Platz nach vorne haben (ist über deren Website gegen Gebühr möglich).

Eines fiel bei LTU aber dennoch auf: Man merkte deutlich, dass es sich um eine klassische Touristen-Airline handelt, weil den Passagieren jede Kleinigkeit wie z. B. das Ausfüllen der Immigration-Dokumente umfangreich erklärt wird und die Stewardessen dabei sogar behilflich sind. Lustig auch der Hinweis, dass man beim Rückflug sehr frühzeitig am Airport sein soll, weil die Sicherheitsmaßnahmen in den USA so umfangreich wären. Für den Flughafen Fort Myers wurde eine Empfehlung von vier (!) Stunden gegeben. Angesichts der Tatsache, dass ich in München schon fast 1,5 Stunden tatenlos herumgesessen bin (bei 2,5 Stunden Vorlaufzeit) erinnerte ich mich an das allseits bekannte Götz-Zitat und beschloss, es beim Rückflug bei knapp drei Stunden zu belassen.

Den Flug verbrachte ich größtenteils mit Lesen und dem Anschauen des Unterhaltungsprogramms – „Ice Age 2“ war einer der Hauptfilme. Gegen 15.30 Ortszeit näherten wir uns dann unserem Ziel: Fort Myers.



Die Landung war seidenweich und der Airbus rollte schnurstracks zum zugewiesenen Gate. Über die Fenster konnten wir schon die ersten Palmen sehen, und als wir vom Flugzeug in die Gangway traten, kamen wir uns vor, als würden wir in eine Sauna steigen. Drückend heiß und schwül war es hier! :sun:

Nach dem Betreten des Terminals fotografierte ich vom Fenster aus noch einmal unseren „Vogel“, der uns gerade eben an den Golf von Mexico gebracht hatte.



Wir kamen, wie üblich, in eine Halle zur Immigration. Nach etwa 20 Minuten Wartezeit waren wir auch dran. Als Ehepaar gingen wir selbstverständlich zu zweit zum Immigration Officer, der dann die kürzeste Immigration-Prozedur, die ich je in den USA erlebt habe, vollzog. Kärtchen in den Pass getackert, Fingerabdrücke und Fotos in biturboschneller Geschwindigkeit gefertigt und einen angenehmen Aufenthalt gewünscht. Keine dummen Fragen nach Beruf, Sinn des Aufenthalts oder mitgeführtem Bargeld – nichts! Hätte ich gar nicht erwartet, allerdings merkt man hier doch deutlich, dass die Kombination „Fort Myers Airport“ und „Touristenbomber aus Deutschland“ die Kontrollen auf ein vernünftiges Maß zurückschraubt.

Trotz der Tatsache, dass schon eine halbe Stunde seit unserer Ankunft vergangen war, mussten wir noch eine ganze Weile auf unser Gepäck warten – offensichtlich waren unsere Taschen mit die letzten, die vom Flughafenpersonal auf das Band befördert wurden. Mit deutlicher Erleichterung traten wir dann den Weg zum Rental Car Center an – nicht auszudenken, wenn die Flitterwochen gleich mit nicht angekommenem Gepäck begonnen hätten. Ein Nachschicken wäre schließlich auch schlecht möglich gewesen, weil wir ja noch keine festen Pläne hatten, wo wir die nächsten Tage verbringen würden.

Hinüber zum Rental Car Center muss man zu Fuß im Freien gehen – hier sei nebenbei erwähnt, dass der Flughafen RSW sehr „übersichtlich“ ist – gegen andere Flughäfen in den USA geradezu winzig. So traten wir also, bewaffnet mit unserem kleinen Gepäcktrolley, ins Freie – und hatten sofort den Eindruck, dass uns die Hitze ins Gesicht springen würde! Noch mit langer Jeans, Longsleeve-Pulli und Jacke gekleidet (so wie es halt für das deutsche Wetter angebracht war) war das Ganze natürlich noch schlimmer, und das erste was ich tat, war die Jacke in eine der Taschen zu stecken. Himmel, was würde uns da erwarten in den nächsten Wochen! Aber gut, wir wollten es warm haben, und das bekamen wir auch...

Gegenüber traten wir ins Gebäude der Verleihfirmen und bekamen zum ersten mal den Effekt mit, der ebenfalls ein ständiger Begleiter in den nächsten Wochen sein würde: Extreme Temparaturunterschiede durch übertrieben eingestellte Klimaanlagen. Sich durch diese Geräte Erleichterung bei heißem Wetter zu verschaffen ist das Eine – aber so große Unterschiede zum Wetter draußen das Andere, und mit Sicherheit auch nicht gesundheitsfördernd.

Am Schalter von „Alamo“, wo wir wie schon im Vorjahr vorgebucht hatten, legte ich den Voucher für unseren gebuchten „Equinox“ nebst Super-Inklusiv-Plus-Paket (erster Tank und zweiter Fahrer inkludiert) vor – und bekam ohne die berühmt-berüchtigten Aufschwatz-Versuche sofort ein Kärtchen mit dem Vermerk „SUV“ ausgehändigt, mit dem ich mir in der Choice-Line was aussuchen sollte. Bingo, genau so hatte ich mir das vorgestellt. Im Parkhaus im fraglichen Bereich kontaktierte ich zur Sicherheit noch einmal einen Angestellten von Alamo, da sich tatsächlich auch ein Equinox mit in der Reihe befand. Dieser meinte nur lapidar: „Choose what you like, no matter what!“ – und so fiel die Wahl nach einigem Überlegen auf einen dunkelroten Chevy Trailblazer LS – genau der Wagen, den ich mir auch erhofft hatte. Der war frischgewaschen und machte einen Top-Eindruck; und mit gut 10.000 Meilen auf dem Tacho war er auch noch so gut wie neu.

Wir bugsierten unsere Taschen in den geräumigen Kofferraum und fuhren los in Richtung Fort Myers Beach. Die Sonne brannte mit satten 33° C herunter, und das feuchte Klima tat das Ihrige – ja, wir waren im Urlaub angekommen!

Unterwegs hielten wir noch bei einem Wal-Mart und deckten uns dort mit einer 15-Liter-Plastikkühlbox, vier Stangen Soda (Diet Coke Lime, Canada dry usw.) sowie einem Paket Yuengling Lager (meinen Favouriten aus Philly gabs überraschenderweise auch hier) ein. Zwei Riesentüten „Doritos“ gingen auch noch in unseren Besitz über.

Etwa 20 Minuten später erreichten wir, schon in der Abenddämmerung, über eine Brücke den vorgelagerten Inselstreifen Ft. Myers Beach, wo sich ein traumhaftes Hotel ans Nächste reiht.



Für die erste Nacht hatte ich gleich ein absolutes Top-Hotel ausgesucht, das „Neptune Inn“ – nach den Beurteilungen bei Tripadvisor unter den Top-3 in Fort Myers Beach. Wir bekamen nach Vorlage unseres Vouchers ein sehr schönes Zimmer im Obergeschoss – dort wo auf dem Foto die Treppe nach oben endet, und ganze 30 Meter vom Golf von Mexico entfernt!

Nachdem wir uns dort häuslich eingerichtet und frisch gemacht hatten, fuhren wir mit unserem „Chevy“ noch in eine Sportsbar zum Abendessen. Ich ließ mir die ersten Hot Wings des Urlaubs schmecken, und Claudia hielt sich an einem Turkey Sandwich schadlos. Gegen 21.00 Uhr Ortszeit fuhren wir aber dann doch, mittlerweile recht müde, zurück und ließen den ersten Urlaubstag auf unserem Hotelzimmer ausklingen.

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Flug: LTU, gebucht über www.ltu.de, 406 € pro Person
Mietwagen: Alamo EQ, gebucht über www.usa-mietwagen.de, 684 €
Kühlbox bei Walmart: ca. 11 €
Hotel: Neptune Inn, hoteleigene Website www.neptuneinn.com, 75 €
Abendessen: Sand Bar & Grille, 19 € incl. Tip
"Mit des Weißbiers Hochgenuss, wächst des Bauches Radius..." (unbekannter Autor)


*Westernlady

  • Gast
Re: Honeymoon in Gator Country
« Antwort #1 am: 06.11.2006, 18:04 Uhr »
Stefan  :D  endlich hat der von mir heiß ersehnte Flitterwochen-Reisebericht begonnen  :D  Ich bin soooo gespannt  :D

*Utah

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Re: Honeymoon in Gator Country
« Antwort #2 am: 06.11.2006, 19:30 Uhr »
Hi Stefan!

Ein verheißungsvoller Anfang!  :D
Viele Grüße
Utah



Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl unserer Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben.

*FSU-Seminoles

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Re: Honeymoon in Gator Country
« Antwort #3 am: 06.11.2006, 22:59 Uhr »
Hallo,

ein neuer RB.
Bin sehr gespannt, wie es Euch in Florida gefallen hat. :D


Gruß Marcus
87 1st USA
88-03 FL
00 WoMo SW
01 NY
06 WoMo DFW/SFO
07 WoMo CHI/SFO
08 NY+WoMo CHI/LAX
08 FL
09 FL
10 FL
11 WoMo CHI/NYC


*Palo

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Re: Honeymoon in Gator Country
« Antwort #4 am: 06.11.2006, 23:42 Uhr »
Toller Anfang :!:  :)

Gruss

Palo
Gruß

Palo

*americanhero

  • Gast
Re: Honeymoon in Gator Country
« Antwort #5 am: 07.11.2006, 00:37 Uhr »
Stefan, darauf habe ich ja auch schon so gespannt gewartet.  :wink:  
Endlich geht es los und ich bin natürlich gleich mit von der Partie, ist doch klar.


Greetz,

Yvonne

*Shopping-Girl

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Re: Honeymoon in Gator Country
« Antwort #6 am: 07.11.2006, 07:46 Uhr »
Hallo Stefan,

erstmal nochmal Herzlichen Glückwunsch zur Hochzeit.... :applaus:

Ich freu mich schon auf Euren Reisebericht...Bin jetzt schon ganz neidisch  :rollen:

Schüssiiiiii

*User1211

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Re: Honeymoon in Gator Country
« Antwort #7 am: 07.11.2006, 11:38 Uhr »
Tja, wir waren bei unserer Hochzeitsreise gerne nur zu zweit. Da Ihr aber so großmütig zum Mitreisen einladet, bin ich auch mal dabei!
Gruß
Thorsten


*Doreen & Andreas

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Re: Honeymoon in Gator Country
« Antwort #8 am: 08.11.2006, 10:10 Uhr »
Flitterwochen im gelobten Land? Kommt uns entfernt bekannt vor  :lol:
Der Anfang liest sich schon mal ganz gut, für den Rest der Tour sind wir dabei... wenn es Euch nichts ausmacht.
Viele Grüße,
Andreas
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http://www.neef-online.de

*Stefan M.

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Re: Honeymoon in Gator Country
« Antwort #9 am: 09.11.2006, 16:13 Uhr »
28.09.2006 Fort Myers – Fort Lauderdale :cool: :sun:

Wie erwartet wurde ich auch diesmal nicht vom Jetlag verschont und war schon gegen fünf Uhr früh wieder wach – wieder-einschlafen unmöglich... Claudia hingegen war da weit weniger empfindlich und schlief noch tief und fest.

Ich beschloß daher, mir den Sonnenaufgang am Strand anzusehen, der ja nur ein paar Meter entfernt war. Ich zog mir also ein Paar kurze Hosen über und schlenderte hinunter zum Meer, wo ich fast alleine war. Lediglich ein paar Frühsportler joggten da am Strand entlang, bei angenehmen gut 20° C. Über Nacht hatte die Brandung zahllose kleine Muschelschalen angeschwemmt, die sich jetzt einer Linie gleich im weißen Sand abzeichneten. Hie und da hob ich eine besonders schöne Muschel auf, säuberte sie im Meer und steckte ein paar davon ein – noch nicht wissend, dass es sich dabei um vergleichsweise klitzekleine, relativ unscheinbare Exemplare handelte; verglichen zu dem, was wir später im Urlaub zu sehen kriegen sollten.

Ich spazierte also eine ganze Weile so am Strand dahin und genoss die Idylle – das hatte so gar nichts zu tun mit den zuweilen in Europa bekannten Stränden, wo sich eine Touristen-Hotelburg an die nächste reiht und ein Betrieb herrscht wie am Münchner Stachus zur Rush-Hour.



Gegen sieben Uhr kehrte ich zum Hotel zurück, wo auch Claudia mittlerweile aufgestanden war und sich frisch machte. Ich nutzte die Gelegenheit, unseren Chevy mit kleinen Fähnchen auszustatten und im (noch) sauberen Zustand in der Morgensonne zu fotografieren. Das ist also das Wägelchen, mit dem wir die nächsten drei Wochen durch den Sunshine State cruisen sollten...



Mittlerweile war die Sonne richtig aufgegangen und man hatte einen tollen Ausblick auf den Strand vor unserem Hotelzimmer und das Meer - einfach traumhaft hier!



Ich nahm noch eine kleine Dusche und packte dann das erste Mal die Kühlbox voll – so oder so ähnlich spielte sich das Ganze dann übrigens tagtäglich ab, und zahllose male waren wir in der brütenden Hitze froh, über eiskalte Getränke zu verfügen: Gekühlte Getränkedosen in die Plastik-Kühlbox gepackt, die Zwischenräume mit Eiswürfeln aus der „Ice Machine“ aufgefüllt, fertig! Das Ding passte dann auch noch wunderbar genau hinter den Fahrersitz, so dass man als Beifahrer problemlos während der Fahrt für Getränkenachschub sorgen konnte.

Anschließend checkten wir aus und starteten in Richtung Osten – durch die Tatsache, dass wir die Flüge schon frühzeitig nach Ft. Myers gebucht hatten, gleich am zweiten Tag aber in Sunrise nähe Ft. Lauderdale das erste Eishockey-Spiel unserer Wahl stattfand, waren wir zu dieser etwas ungewöhnlichen Reiseroute gezwungen. Angesichts der verhältnismäßig geringen Distanzen in Florida ist das aber absolut problemlos. Bevor es aber auf dem Tamiami Trail, die Direktverbindung zwischen Tampa und Miami ging, frühstückten wir noch in einem kleinen, privat betriebenen Diner namens „Carlo’s“, wo es nicht nur hervorragenden Kaffee, sondern auch Bacon & Eggs zu erstaunlich niedrigen Preisen gab. Sofort entwickelte sich auch ein kleiner Smalltalk mit der Kellnerin, die uns noch etliche Tipps für unsere Rundreise gab und uns einen wunderschönen Honeymoon wünschte.

Anschließend fuhren wir los in Richtung Ft. Lauderdale. Schon im Vorfeld hatte ich mich darüber informiert, dass sich das Stadion der Florida Panthers, das wir heute abend besuchen wollten, direkt neben der Sawgrass Mills Mall, einem großen Einkaufszentrum befindet. Dies kam uns natürlich zupass, schließlich hatten wir ohnehin geplant, einen der ersten Tage zum ausgiebigen Shopping zu nutzen. Nach knapp zwei eher langweiligen Fahrstunden (ich dachte immer, endlose gerade Strecken gäbe es nur im Westen?) quer durch den Sunshine State und entrichteten $2,50 „toll“ (Straßenmaut) erreichten wir ohne größere Probleme gegen Mittag die übrigens recht gut ausgeschilderte Mall.

Die nächsten Stunden verbrachten wir mit mehr (ich) oder weniger (Claudia) erfolgreichen Beutezügen durch die zahllosen Geschäfte dieser wirklich sehr großen Mall. Wie üblich herrschte in vielen Geschäften „zufällig“ gerade einer der nicht enden wollenden „Sales“ oder „Blowouts“, wodurch es satte Prozente auf die regulären Preise gab – wobei ich mich mittlerweile frage, ob es überhaupt mal einen Zeitraum gibt, in der diese Preise verlangt werden; offensichtlich kaufen die Amerikaner erst dann, wenn ein Artikel (vermeintlich?) stark reduziert wurde.

So gingen nach und nach mehrere Teile Oberbekleidung, drei Hosen, zwei Paar Schuhe, eine Lederjacke und ein Parfümset in meinen Besitz über – zwischendurch gingen wir immer mal wieder hinaus auf den Parkplatz, um Teile unserer Einkaufstour in den Wagen zu verstauen; das ständige Tragen der bereits gekauften Artikel hätte sonst wirklich massiv genervt. Auch Claudia fand ein schönes paar Turnschuhe und einige Teile Oberbekleidung, kaufte aber wie üblich :mrgreen:  weit weniger als ich. Zwischendurch snackten wir auf dem in dieser Art Einkaufs-Malls unvermeidlichen Foodcourt, wovon es in der Sawgrass Mills übrigens gleich zwei gibt. :essen:

Verglichen zu der in meinem Bericht vom letzten Jahr beschriebenen Mall in King Of Prussia nahe Philly fällt die Sawgrass Mills zwar von der Ausstattung und der Schönheit deutlich ab, kann aber größenmäßig fast mithalten und verfügt auch über alle wichtigen und interessanten Geschäfte – wir waren jedenfalls positiv beeindruckt.

Gegen 18.00 Uhr parkten wir unser Auto auf dem riesigen Parkplatz rund um die Mall um und stellten dieses auf einen „Spot“, der dem daneben gelegenen „Bank Atlantic Center“, dem Stadion der Panthers, sehr nahe war – aufgrund der fehlenden Schranken an den Einfahrten zum Parkplatz schloss ich, dass dieser auch zur Nachtzeit benutzt werden konnte. Ich hoffte, dadurch dem kostenpflichtigen Parken am Stadion zu entgehen, was zuweilen recht teuer werden kann. Wir schlenderten also hinüber in Richtung Stadion und ich fragte unterwegs einen der Parkeinweiser der Florida Panthers, ob man seitens der Mall Probleme bekäme, wenn man das Auto dort für einen Eishockey-Besuch abstellen würde. Dieser verneinte mit einem simplen „Nope, they don’t care!“, was mich in meiner oben erwähnten Vermutung bestätigte. :daumen:

Unterwegs kamen wir an der Werbetafel des Stadions vorbei, das schon intensiv Werbung für den Saisonbeginn am 6. Oktober machte – bei dem heute von uns besuchten Spiel handelte es sich nämlich um ein sog. „preseason game“, also ein Vorbereitungsspiel vor der eigentlichen Punkterunde.



Da wir das Stadion der Panthers zum ersten mal besuchten, spazierten wir nach Abholung der wie immer über Ticketmaster vorgebuchten Karten am Will-Call-Window eine ganze Weile um das Gebäude herum und sahen uns die recht schöne Außenfassade an. Vor dem Gebäude stehen zur Ausschmückung hohe Pfähle mit in Grüntönen gehaltenen runden Scheiben an der Spitze – wir vermuten, dass es sich dabei um stilisierte Palmen handeln soll. Na ja, über Geschmack lässt sich ja trefflich streiten, aber für uns waren die ebenfalls zahlreich vorhandenen echten Palmen sehr viel schöner...



Dafür verfügt das Bank Atlantic Center über eine Einrichtung, die meines Wissens einzigartig in der NHL ist: auf jedem der beiden oberen Level kann man vom Innenraum des Stadions auf Balkone im Freien gehen, was, wie ich finde, eine sehr schöne Sache ist. Dort können auch Fans, die in den Drittelpausen rauchen möchten, ihrer Sucht frönen – im Gebäude selbst ist dies natürlich strengstens untersagt.



Schließlich betraten wir das Stadion und sahen uns darin um. Das Spiel war natürlich wegen seines Testcharakters nur spärlich besucht, und so hielten sich die Menschenmassen in den „Concourses“, also den Umgriffen hinter der eigentlichen Arena, in Grenzen. Formschön und geglückt fanden wir den Eingang zum Fanartikel-Shop „Pantherland“, in den man durch das Maul eines Florida Panthers, also dem Teamlogo, hineingeht.




Einige Zeit später trafen wir auf das Maskottchen der Panthers, namens „Stanley C. Panther“ in Lebensgröße. Trotz der durch Klimatisierung deutlich niedrigeren Temperaturen hier im Stadion konnte einem der bedauernswerte Kerl in dem überlebensgroßen Plüschkostüm wirklich leid tun – ich möchte gar nicht wissen, wie man das über einen längeren Zeit aushält, während man zu allem Überfluss auch noch ständig lustig sein und nette Sachen zu den Leuten sagen muss...



Zu dem Spiel selbst ist eigentlich nicht viel zu erzählen – die Panthers empfingen zu Hause die Chicago Blackhawks, wobei sich ein recht flottes, aber nicht wirklich hochklassiges Spiel entwickelte. Die Panthers konnten dieses trotz anfänglichem Rückstand mit 6-3 Toren für sich entscheiden. Lediglich geschätzte 3.000 Zuschauer in dem für etwa 19.500 Personen ausgelegten Stadion sorgten zwar für eine Art „Geisterkulisse“, aber immerhin hatten wir so die Möglichkeit, unsere günstigen Plätze im oberen Eckbereich gegen unbesetzte Sitze auf Höhe der Mittellinie zu „tauschen“, was für eine hervorragende Sicht sorgte.

Ein lustiger Effekt auch während der Drittelpausen: Wir ließen es uns nicht nehmen, auf die oben bereits beschriebenen Balkone hinauszugehen. Dabei hatte man jedesmal den Eindruck, als würde man in eine Sauna hinaustreten – die kühle und relativ trockene Luft im Stadion, das heiße schwüle Wetter draußen! Wirklich lustig, so hatten wir Eishockey auch noch nie erlebt!

Nach dem Spiel, es war natürlich mittlerweile dunkel, fuhren wir von Sunrise hinüber nach Ft. Lauderdale am Atlantik. Wegen der relativ leeren Straßen um diese Zeit nahm dies kaum mehr als 15 Minuten in Anspruch, und so befanden wir uns recht zeitnah inmitten der Hotelburgen dieses Touristenorts. Bei einem kurzen Halt an einem Fastfood-Restaurant heute Nachmittag hatten wir ein sog. „Coupon-Book“ ergattert, über das man verbilligte Hotelübernachtungen in ausgesuchten Hotels an bestimmten Tagen (meist wochentags) bekommt. Unter diesen Coupons befand sich auch einer für das Travelodge Ft. Lauderdale Beach. Hin also zu besagtem Hotel am Ocean Boulevard, den Coupon vorgelegt und auf ein günstiges Zimmer gehofft. Das bekamen wir auch – allerdings hat dieser Ableger der Motelkette die besten Tage wohl schon hinter sich. Die Zimmer waren recht geräumig und sauber, aber hier wären dringend mal neue Möbel fällig. Angesichts der Tatsache, dass es schon halb elf nachts war, beschlossen wir aber, das Zimmer zu nehmen und hier zu bleiben, da der Preis recht günstig war – tags darauf wollten wir eh weiter.

Wir ließen nach ausgiebigem Duschen den Tag mit einem „Yuengling“ und Fernsehen ausklingen; mit einer Eishockey-Erfahrung und einer Wagenladung Bekleidung reicher...

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Frühstück bei „Carlo’s Diner“: ca. $12, incl. Tip – erstklassig!
Straßenmaut zw. Naples und Sunrise: $2,50
Einkäufe in der Sawgrass Mills Mall: € x → ∞
Snacks in der Sawgrass Mills Mall: ca. $10
Eishockey-Karten Panthers – Blackhawks: €57 für 2 Karten, www.ticketmaster.com
Hotel: Travelodge Ft. Lauderdale Beach: €44, mit Couponbook – na ja, mehr ist’s auch nicht wert…
"Mit des Weißbiers Hochgenuss, wächst des Bauches Radius..." (unbekannter Autor)


*die_franken

  • Gast
Re: Honeymoon in Gator Country
« Antwort #10 am: 09.11.2006, 16:46 Uhr »
Schöner Bericht :applaus:  :applaus:

Aber in einem Flieger mit EFFE :? du Armer :wink:

*Palo

  • Diamond Member
  • Registriert: 24.03.2006
  • 15.087
Re: Honeymoon in Gator Country
« Antwort #11 am: 09.11.2006, 18:24 Uhr »
Tolles Photo von dem Strand und dem Meer :sun:

Gruß

Palo
Gruß

Palo

*User1211

  • Gold Member
  • Registriert: 28.07.2003
    Ort: Westerwaldkreis
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Re: Honeymoon in Gator Country
« Antwort #12 am: 10.11.2006, 10:29 Uhr »
Stefan, Du solltest mal Deine Signatur updaten! Oder machst Du schon wieder Urlaub??? :shock:
Gruß
Thorsten


*Elmo

  • Silver Member
  • Registriert: 23.02.2006
    Ort: bei FFM
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Re: Honeymoon in Gator Country
« Antwort #13 am: 11.11.2006, 17:34 Uhr »
Endlich mal wieder ein Florida-Bericht!  :lol: Das weckt wirklich Erinnerungen an meinen Urlaub vor 4 Monaten.

Wirklich sehr schön geschrieben, macht Lust auf mehr! :D

*Stefan M.

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Geschichten die das (USA-Reise-)Leben schreibt...
« Antwort #14 am: 13.11.2006, 22:18 Uhr »
29.09.2006 Fort Lauderdale – Everglades – Florida City :cool:

Erneut relativ zeitig erwachten wir morgens in unserem Zimmer der Travelodge in Fort Lauderdale. Da ich mit der Dusche und Morgenwäsche schon fertig war, packte ich die wenigen herausgenommenen Gegenstände wieder in die Reisetaschen, um gleich starten zu können, nachdem Claudia im Bad fertig sein würde.

Dabei fiel mir unsere Kamera in ihrem Etui in die Hände. Ach ja! Ich muss ja noch neue Batterien einsetzen, die letzten vollen waren mir tags davor im Eisstadion ausgegangen. Ich setze also neue, rote Batterien ein, schalte die Kamera ein und... HÄH? „Wechseln Sie die Batterien“ war da zu lesen. Hm – vielleicht taugten ja die Batterien nichts mehr, die hatte Claudia ja schon ein paar Jahre originalverpackt in einer Schublade liegen. Ich griff also in eine meiner Reisetaschen, wo sich ein 20er Pack schwarze Batterien befand, und setzte zwei davon in die Kamera ein. Jetzt sollte es aber gehen... – „Wechseln Sie die Batterien“! Zwei weitere Batterienpaare versuche ich noch – jedes mal mit dem selben Ergebnis! Die schwarzen Batterien hatte ich ja erst letzte Woche gekauft, daran konnte es also nicht liegen. Offensichtlich war die Kamera im Eimer! :evil:

Mein Gemütszustand hatte sich mittlerweile von dem ursprünglichen „ganz gut gelaunt“ über sämtliche Nuancen wie z. B. „leicht angesäuert“ auf dem absolut niedrigsten Level irgendwo zwischen „stinksauer“ und „kurz vor dem Amoklauf“ eingependelt. Diejenigen, die meinen Reisebericht vom Vorjahr kennen, werden wissen warum: Damals wurde mir in Vegas meine Kamera geklaut und ich musste während des Urlaubs Ersatz besorgen – und eben jener Ersatz war jetzt kaputt, wieder in den USA, nicht mal ein Jahr nach dem Kauf und das auch noch am Anfang unserer Flitterwochen!!!  :koch:

Vor lauter Wut brachte ich beim Frühstück kaum einen Bissen hinunter – wobei ich allerdings auch nicht wirklich viel versäumte, die Qualität dieses „Continental Breakfast“ harmonierte prächtig mit der heruntergekommenen Zimmermöblierung der Travelodge. Während wir da so saßen, überlegten wir hin und her, was wir denn machen konnten, schließlich wollten wir nicht drei Wochen Honeymoon verbringen, ohne davon Erinnerungsfotos zu haben. Es half nichts – wie schon im Vorjahr musste Ersatz her; diesmal praktisch der „Ersatz für den Ersatz vom letzten Jahr“.

In der Lobby nutzte ich also beim Auschecken das dort befindliche Internetterminal und machte mich über Elektronikhändler in der Nähe schlau. Gleich um die Ecke, in etwa einem Kilometer Entfernung gibt es einen „Best Buy“, die sollten haben was ich brauche. Nichts wie hin also zu dem Elektronikhandel und – der nächste Nackenschlag! Das Geschäft hat noch geschlossen, diese Faulpelze öffnen erst um 10.00 Uhr! Der oben von mir beschriebene Gemütszustand geriet nun in Sphären, die ich hier besser nicht beschreibe – nur so viel: Es war gut, dass mich in Fort Lauderdale keiner kennt und mir deshalb auch kein unliebsamer Zeitgenosse über den Weg gelaufen ist. Zwangsläufig hieß es nun warten bis zur Öffnung – diese Wartezeit nutzte ich dazu, den Harley-Davidson-Laden von „Bruce Rossmeyer“, einem der größten Motorradhändler dieser Marke in den USA, zu durchstöbern. Der befand sich gleich neben dem „Best Buy“, und wir inspizierten einige Dutzend wunderschöne Bikes und Zubehör. Eine rechte Freude dabei wollte aber aus den bereits beschriebenen Gründen bei mir nicht aufkommen.

Schließlich war es endlich so weit – der „Best Buy“ öffnete seine Pforten. Nach kurzem Überlegen entschieden wir uns heuer für eine Canon PowerShot A530, mit 5 MPix und 4-fach-Zoom. Ironie des Schicksals: Dieses Gerät ähnelt in Aussehen und Bedienung stark der Kamera, die uns in Las Vegas geklaut wurde – kein Wunder, ist ja wieder eine Canon...! Ach ja, eins habe ich noch vergessen: Die Kamera war bereits wieder deutlich billiger als die im Vorjahr, trotz besserer Leistungsdaten. Bin mal gespannt, wie es nächstes Jahr preismäßig aussieht und welche Kamera wir uns dann holen werden – aus welchem Grund auch immer... :kratz:

Noch auf dem Parkplatz des „Best Buy“ packte ich das neue Gerät aus. Funktionen und Handling waren mir sofort vertraut und ich setze gleich zwei Batterien aus meiner Reisetasche ein, um die Funktion zu prüfen. „Am Ende fahren wir jetzt los und in 50 Meilen stellen wir fest, dass das Ding auch nicht funktioniert“ schoss es mir durch den Kopf. Wider Erwarten fährt aber nach dem Einschalten das Objektiv der Kamera nicht aus, sondern ich werde vom Display informiert: „Change the batteries“...

Ich glaub’s nicht – jetzt drehen mir diese Ganoven auch noch eine defekte Kamera an... oder könnte vielleicht... MOMENT! Jetzt schwante mir etwas... Etwas was eigentlich nicht sein kann, aber eben vielleicht doch... Ich krame also in der Verpackung der neuen Canon und finde die beiden im Original mitgelieferten Batterien. Hastig kratze ich die Plastikfolie ab und setze diese beiden Batterien in die neue Kamera... Funktionstest... Bingo! Das Ding geht also doch!

Claudia holte eilig die „alte“ Nikon heraus und probierte diese mit den originalen Batterien der Canon aus – das darf doch nicht wahr sein! Das Ding lief einwandfrei! Schuld waren die Batterien! Wir hatten also ca. 30 völlig unbrauchbare Batterien dabei gehabt! :platsch:  Ich hätte mich in den A... beißen können!!! Jetzt hatten wir also völlig umsonst eine zweite Kamera gekauft. „Hm – vielleicht können wir sie ja zurückgeben“ denke ich mir, aber ein Studium der Rechnung verrät mir, dass dann $30 „Wiedereinpackgebühr“ berechnet werden – na ja, wir können es uns ja noch überlegen, schließlich kommen wir später im Urlaub noch einmal hier vorbei und die Rückgabefrist beträgt einen Monat.

Soviel vorweg: Wir haben die Kamera immer noch, weil sie wesentlich besser ist als die Nikon –  vielleicht werden wir letztere mal an die Verwandtschaft verschenken (obwohl, bei unserem Glück mit Kameras ist es vielleicht nicht schlecht, zukünftig zwei davon dabei zu haben!).

Eine Lebenserfahrung reicher und mit dem festen Vorsatz, nie mehr Batterien in einem Restpostenmarkt zu kaufen, fuhren wir nun endlich los in Richtung Süden. Unterwegs halten wir in einem kleinen Einkaufszentrum und kaufen in einem „Walgreen’s“ Mückenspray. Danach brunchen wir im „Denny’s“ daneben, leider wurde einem dort das an sich sehr gute Essen durch die extreme Zugluft der Klimaanlage madig gemacht.

Da wir auf dem innerorts liegenden Highway 1 nur sehr langsam vorankamen – kaum einmal mehr als 300 Meter ohne rote Ampel – wechselten wir nach einiger Zeit auf die I-95 und setzten dort wesentlich zügiger unsere Fahrt fort. Nachdem wir Miami durchquert hatten, wechselten wir hinüber auf den Florida Turnpike und fuhren so bis Florida City. Hier brauchten wir nur der Beschilderung zu folgen, und nach einiger Zeit erreichten wir unser heutiges Ziel: Den Everglades NP



Heute sollte also ein weiterer wichtiger Nationalpark der USA zu den bereits besuchten dazukommen. Außerdem waren wir schon ganz heiß darauf, unsere ersten Alligatoren zu sehen. Zuerst aber ging es ins gleich nach dem Parkeingang befindliche Ernest F. Coe Visitor Center, wo wir uns nach Vorlage des (immer noch gültigen) Nationalparkpasses vom Vorjahr mit Karten- und Infomaterial eindeckten.



Noch am Visitor Center sprühten wir erst einmal jede Stelle nackter Haut mit dem Mückenspray ein; schließlich wollten wir ja nicht als Mittagessen für diese Plagegeister herhalten müssen. Danach wanderten wir gleich los auf den Anhinga Trail.



Gleich am Anfang des Trails wird man per Hinweisschild darauf hingewiesen, dass es streng verboten ist, die Wildtiere zu füttern. Abgesehen davon, dass nahezu jede menschliche Nahrung ungesund oder -geeignet ist, kann dies nämlich vor allem bei Alligatoren auch noch brandgefährlich werden – diese Reptilien sind nämlich alles andere als schlau und ziehen aus der Kombination „Mensch vor mir“ und „es gibt Futter“ nämlich schon nach kurzem den Schluss, dass der Mensch selbst das Futter sei. Was dies für den Fütternden u. U. für Folgen haben kann, brauche ich hier wahrscheinlich nicht näher beschreiben...

Schon nach kurzer Zeit trafen wir auf den ersten schönen Vertreter der Fauna des Parks:



Nach einiger Zeit tritt man von dem kleinen asphaltierten Weg auf einen Boardwalk, der auf Stegen in und durch den Sumpf führt. Eine ganz neue Erfahrung war diese Landschaft für uns; ein krasser Gegensatz zu all den eher staubtrockenen Nationalparks im Westen.



Wir bewegten uns jetzt nur noch ganz langsam und waren leise, schließlich sollten sich hier im etwas tieferen Wasser nach Auskunft der Park Ranger häufig Alligatoren aufhalten – und wir brannten schließlich schon auf unseren „Ersten“!



Wir verweilten eine ganze Weile im besagten Bereich und verhielten uns äußerst leise – trotzdem war kein einziger Alligator zu sehen. Allzu lange konnten wir aber hier nicht wartenderweise verbringen, wir wollten schließlich noch andere Bereiche des Parks erkunden.

Zurück am Visitor Center erwanderten wir auch gleich noch den zweiten Wanderweg, der von dort aus startet: Den Gumbo Limbo Trail.



Dieser führt auf einem kleinen befestigten Pfad durch dichtes Unterholz – trotz fehlendem Wasser in der Nähe hatten wir schon ein kleines Kribbeln im Bauch – was nun wenn unser „Erster“ gerade hier neben uns im Unterholz sitzt? Egal, bangemachen gilt nicht... Das einzige Reptil, das wir unterwegs trafen, war aber für einen Alligator deutlich zu klein...



Nach dem relativ kurzen Trail fuhren wir mit dem Auto das kurze Stück weiter zum Long Pine Key, wo wir auch die Natur bestaunten. Beim nächsten Stop, dem Pa-hay-okee Overlook, hat man einen wunderschönen Blick auf die im Sumpfwasser stehende Graslandschaft. Aber auch hier war weit und breit kein Alligator zu sehen...



Wir wanderten beim nächsten Stop über einen Steg hinüber zum Mahogany Hammock. Von Hinweistafeln erfuhren wir, dass die Hammocks kleine Inseln in den Sümpfen darstellen, auf denen sich vergleichsweise große Mahagoni-Bäume angesiedelt haben. Sie sind also „trockene“ Stellen inmitten des Sumpfwassers.



So langsam veränderte sich das Bild des Bewuchses; bedingt durch den Übergang des extrem langsamen Süsswasserstromes des Shark River Slough in das Meer entstehen hier im Brackwasser dichte Mangrovenwälder. Reichlich Natur in vielfältigster Art und Weise hatten wir bis jetzt gesehen, aber halt immer noch keinen Alligator...



Schließlich erreichten wir das Flamingo Visitor Center am Ende der Parkstraße. Dort gibt es neben etlichen aktiven und stillgelegten Campgrounds auch eine kleine Tankstelle. Weil der Sprit bis zurück nach Florida City evtl. nicht mehr gereicht hätte, tankten wir für $10 – mehr wollte ich bei diesen Luxuspreisen von $2,85/gal allerdings nicht ausgeben.

Im Visitor Center selbst gibt es nicht viel mehr als im anderen am Anfang der Straße, und so beließen wir es bei einem kurzen Toilettengang. Draußen bestaunten wir eine größere Vogelschar, die es sich auf abgestorbenem Gehölz gemütlich gemacht hatte.



Wir traten den Rückweg an und fanden uns damit ab, unseren ersten Tag in den Everglades zu beenden, ohne einen einzigen Alligator zu Gesicht zu bekommen – Grund für das spärliche Auftreten war übrigens, dass diese aufgrund der „nassen“ Jahreszeit im Hinterland verschwinden.

Na ja, was solls – wir wollten eh im späteren Reiseverlauf noch „Gatorland“ besichtigen, und da werden dann schließlich genug davon zu sehen sein. Es war trotzdem ein wunderschöner Tag, allein die zahlreichen „wading birds“ und die faszinierende Landschaft sind schon überwältigend.

Ich stellte den Tempomaten des Chevy auf 40 mph ein und wir cruisten gemütlich gen Parkausgang. Ein paar Minuten später machte ich dann eine Vollbremsung; und Claudia schaute mich ganz entgeistert an: „Was ist denn...???“ – „Da ist er! Unser ERSTER!“ entgegnete ich flüsternd.

Mit Standgas ließ ich den Trailblazer etwa 20 Meter zurück kriechen und stellte ihn dann ab; direkt neben dem ansonsten unscheinbaren und winzigen Mrazek Pond. Instinktiv griff ich nach der Kamera unter der Mittelarmlehne, öffnete leise die Türe und schlich in Richtung Ufer, während der Auslöser der Kamera langsam anfing zu glühen...



Ein kleiner Alligator trieb dort regungslos im Wasser, während sich nur die Augen und die Nase über der Oberfläche befanden. Der kleine Kerl weiß mit Sicherheit bis heute nicht, dass er (zumindest für uns) in diesem Moment zum absoluten Superstar wurde und das Sahnehäubchen auf einem herrlichen Tag darstellte.



Verglichen zu den „dicken Brocken“, die wir später im Urlaub zu sehen bekommen sollten, war dieser kleine Junge natürlich völlig unscheinbar – aber das spielte in diesem Moment überhaupt keine Rolle...

In meiner Begeisterung hatte ich anfangs gar nicht gemerkt, dass ein ganzes Bataillon Mücken die Situation schamlos ausgenutzt hatte und mich als ihr Abendessen missbrauchten. Jetzt aber bemerkte ich die Biester und zog deshalb schleunigst von dannen – sprich fuhr mit dem Auto weiter.

Nach etwa einer halben Stunde erreichten wir den Osteingang und verließen den Park. In Florida City tankte ich bei einer normalen Tankstelle mit deutlich niedrigeren Preisen den Chevy zum ersten mal voll. Claudia hatte inzwischen wieder im Coupon Book geblättert und dort einen Gutschein für die Travelodge Florida City gefunden – nach der Enttäuschung von letzter Nacht war ich anfangs nicht sehr begeistert, dachte mir aber, dass es zumindest einen Versuch wert wäre.

Und das war es auch: Im Gegensatz zur Nacht davor erwartete uns hier ein absolutes Musterexemplar eines exzellenten Motels: Eine blitzblank saubere und gepflegte Anlage mit schönem Pool, Palmen und hervorragendem Zimmer nebst Parkplatz davor. Das hatte so gar nicht den Flair eines Motels, eher schon eines kleinen Resorts. Schon erstaunlich, wie unterschiedlich Ableger ein und derselben Motelkette doch sein können...

Wir nahmen ein ausgiebiges Bad :dusche: und stellten dabei fest, dass unser Mückenspray zwar gewirkt hatte, aber in nicht ganz der gewünschten Art und Weise: Die eingesprühten nackten Stellen Haut wie z. B. Hals und Arme waren zwar von den Plagegeistern verschont geblieben, dafür waren aber die dünnen T-Shirts und Socken per Durchstich zum Blut-Abzapfen genutzt worden. Wieder was dazugelernt: Ab morgen wird auch die Bekleidung mit dem Stinke-Spray eingesprüht!

Zum Abendessen fuhren wir ins nahegelegene „Golden Corral“, einer Restaurantkette, die ein All-u-can-eat-Buffet à la Las Vegas anbietet. Allerdings hüllen wir über dieses Buffet mal lieber den Mantel des Schweigens, denn es konnte weder von der Qualität noch vom Ambiente auch nur annähernd mit irgendeinem in Sin City mithalten. Fazit: Das erste und letzte mal – für das Geld gehe ich lieber in ein normales Restaurant und verzichte auf „All-u-can-eat“!

Als Ausgleich für das enttäuschende Essen gingen wir noch ins „Mutineer Bar & Restaurant“ daneben, wo alles im Piratenstil gehalten war und sogar eine Liveband spielte. Nach der Bestellung –Soda für Claudia, ein Pint Bier für mich- erhalte ich einen Zwei-Liter-Pitcher! Auf Nachfrage sagt mir die nette Bedienung, ihnen wären die großen Gläser ausgegangen und deshalb bekäme ich einen Pitcher mit einem kleinen Glas – selbstredend zum Preis eines normalen Pints! Mir war’s recht; solche „Upgrades“ mag ich am liebsten! :daumen:  :bier:

Nach dem „einen“ Bier zogen wir uns in unser Motel zurück und schliefen zufrieden ein... :schlafen:

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Neue Kamera: 169€
Essen Denny’s: 16€
Mückenspray: ca. $4
Eintritt Everglades: Im NPP enthalten
Tanken Flamingo: $10
Tanken Florida City: €33
Essen Golden Coral: €21 + $3 tip
Drinks Mutineer Bar: €8
Hotel: Travelodge Florida City, ca. €58, mit Couponbook - absolute Spitze!
"Mit des Weißbiers Hochgenuss, wächst des Bauches Radius..." (unbekannter Autor)


 

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