Do, 02.04.
Heute früh werde ich durch die Sonne geweckt, die sich langsam aber sicher erhebt und von den Bergen reflektiert. Frühstück hatte ich hier nicht mit im Preis inbegriffen und so bin ich abermals froh, dass ich mich gut mit Vorräten eingedeckt habe.
Ein Bagel und eine Banane stärken mich, Kaffee brauche ich glücklicherweise keinen und so bin ich dennoch recht schnell wach und gesättigt.
Kurz laufe ich noch zur Post um einen Umschlag für einen Brief in die Heimat zu erstehen und fahren dann in südlicher Richtung los. In Y tanke ich erstmalig das Auto und freue mich über günstige 0,80€ / Liter, während mich der Liter Diesel in der Heimat zu diesem Zeitpunkt eher 2,40€ kosten würde.
Von hier aus fahre ich wieder den Highway 3, den Parks Highway in Richtung Norden - dieses Mal nur westlich des Susitna Rivers. Die Landschaft fasziniert mich zusehends und zieht mich absolut in ihren Bann, so dass mir nicht einmal auffällt, dass das Radio keine Musik mehr spielt - es gibt hier schlicht keine Radiosender mehr. Beruflich habe ich viel mit Menschen zu tun, weshalb ich im Urlaub gerne in Gegenden unterwegs bin, in denen ich möglichst wenig Personen begegne. Es bestätigt sich hier schnell, dass Alaska das dafür absolut richtige Ziel ist:
So stelle ich mir meinen Urlaub vor!Einige Meilen weiter nördlich verlasse ich den Highway und winde mich wenige Serpentinen hinauf zum Curry Ridge Trail. Als einziges Auto parke ich meinen Jeep auf dem Parkplatz, verzichte ausnahmsweise auf das Ziehen eines Parktickets und mache mich zu Fuß auf den frisch gespurten Weg. Das Knirschen des Schnees unter meinen Schuhen ist lange Zeit das einzige Geräusch das mich begleitet und so genieße ich die gleißende Sonne in der absoluten Einsamkeit.
Von dieser leicht erhöhten Position aus ist der Blick auf das Denali-Massiv grandios, obwohl sich die Bäume regelmäßig darum bemühen, den Ausblick zu erschweren.
Der Anblick der Berge fasziniert mich immer wiederNach einer guten Stunde besteige ich mein Auto wieder und taste mich langsam und vor allem sehr, sehr vorsichtig die Straße wieder nach unten. „Straße“ ist an der Stelle schon beinahe übertrieben, obwohl der Asphalt unter der Eisschicht gut in Schuss zu sein scheint. Dennoch erscheint mit Schrittgeschwindigkeit schon beinahe zu schnell, denn hier wurde weder geräumt (was sonst auf fast allen Hauptstraßen der Fall war) noch lag hier festgefahrener, griffiger Schnee - hier lag das blanke, spiegelglatte Eis. Und wie wir alle Wissen hilft Allrad zwar beim positiven, nicht aber beim negativen Beschleunigen.
Die Aussichten beim Fahren entschädigen aber für die Mühen - wenn ich könnte, würde ich alle Bilder mit meinem Augen filmen, abspeichern und für alle sichtbar machen. So muss ich mit den Aufnahmen meines Handys, sowie meinen eigenen Erinnerungen vorlieb nehmen.
Runde 50 Minuten weiter nördlich stoppe ich wieder, dieses Mal östlich vom Mount McKinley.
Eine tolle Gegend hier!Der Beweis: Man hört auch mal ein anderes Auto als nur meinsHier treffe ich erstmalig wieder auf Menschen, ein anderes Touristenpaar stoppt ebenfalls und genießt kurz die Aussicht. Wir lassen uns jedoch gegenseitig unsere Ruhe und so fahren die beiden recht schnell wieder weiter. Ich sauge noch etwas die Natur in mir auf bevor auch ich wieder in das beheizte Auto steige.
Die Landschaft wird nun zusehends flacher, zumindest in der unmittelbaren Umgebung. Die schier unendlichen Schneemassen und die Berge in der Ferne begeistern mich absolut und ich fühle mich so entspannt wie selten zu vor.
Für mich einer der tollsten Fahrmomente in AlaskaDen Eingang zum Denali National Park lasse ich im wahrsten Wortsinne zunächst links liegen, denn ich fahre zunächst (bewusst) daran vorbei. Ich möchte gerne erst in Healy in meiner Unterkunft einchecken und mein Auto leer machen, bevor ich mich auf eine kleine Wanderung einlassen.
Kurz hinter dem Eingang zum Denali NPDie Aurora Denali Lodge ist beinahe schon ein größeres Hotel, mein Zimmer befindet sich in dem Gebäude gegenüber der Rezeption. Hier lade ich nur schnell mein Gepäck aus und mache mich dann auf den Weg zum Mittagessen, welches ich im Totem cafe and pub einnehme. Auch hier teile ich mir den Raum nur mit einem weiteren Paar und genieße so meinen wirklich leckeren Burger ganz alleine für mich.
Meine Unterkunft für die nächste NachtAm Denali National Park angekommen bin ich doch überrascht, wie wenig hier außerhalb der Saison möglich ist. Dass der Park geschlossen ist (und auch den Sommer über wohl bleibt, es gab einen Geröllabgang auf dem Hauptweg) war mir bewusst, aber selbst das Visitor Center ist verriegelt und verrammelt. Nur das Murie Science and Learning Center hat seine Türen für Besucher geöffnet, bietet aber recht wenig an frei zugänglichen Informationen.
So beschließe ich für mich, zumindest ein bisschen durch die Gegen zu wandern und entschließe mich für den Horseshoe Lake Trail. Landschaftlich macht das schon einiges her und ich freue mich an den schneebedeckten Hängen, dem Blick auf die zugefrorenen Seen und den winterlichen Waldlandschaften.
Unterwegs begegnen mir zwar keine Tiere, ich finde aber mehrmals eindeutige Hinterlassenschaften von Elchen und einen Pfotenabdruck, bei dem ich mir unsicher bin ob er nicht doch von einem Bären stammt.
Danke, lieber Wettergott
In der Nähe des Parkeingangs
Und, war es ein Bär? Oder haben wir hier Menschen unter uns, die mir das Tier verraten können?Anschließend fahre ich zurück nach Healy, gehe im dortigen „Three Bears“ meine Vorräte auffüllen und esse im Hotelzimmer zu Abend. Erneut fallen mir sehr früh die Augen zu.