Quebec und Ontario - Indian Summer 2010

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*mrh400

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Re: Quebec und Ontario - Indian Summer 2010
« Antwort #45 am: 22.08.2011, 20:35 Uhr »
Hallo,

wir setzen unsere Tour zunächst im französischsprachigen Teil Kanadas fort, ohne in ernsthafte Sprachprobleme zu geraten  :wink: - und wie gesagt, guten und schlechten Service habe ich bislang überall erlebt, ohne daß man daraus eine Weltanschauung machen müßte.

8. Tag Freitag, 01.10.2010 Tadoussac – Beaupré

Diese Nacht haben wir bemerkenswert gut geschlafen. Es regnet immer noch leicht. Wir machen uns gemütlich fertig und frühstücken im Zimmer: Birne, Apfelkuchen (immer noch aus unserem Vorrat von Cap Santé), Kaffee aus der Maschine im Zimmer.

Anschließend machen wir einen Spaziergang vom Hotel zum Hafen. Das Hotel beherrscht die Kulisse des Ortes. Im Hafen liegen etliche Zodiacs und warten auf Kundschaft für Walbeobachtungstouren. Bei dem trüben Wetter und dem immer wieder einsetzenden Nieselregen erscheint uns weder diese (für mich wegen meines Rückens ohnehin ausscheidende) Variante noch die auf einem "stabileren" Boot sonderlich erstrebenswert. Zudem ist die Erinnerung an die vorjährige Tour von Seattle aus noch zu gut in Erinnerung, um eine Neuauflage für zwingend notwendig zu erachten. Nicht, daß uns das nicht gefallen hätte, aber es muß ja nicht schon gleich wieder sein.


Hotel Tadoussac - hier vom Friedhof aus gesehen


Tadoussac, Zodiacs

Daher gehen wir den kleinen Rundweg Sentier de l’Islet um eine kleine Halbinsel. Ein hübscher Weg, z.T. über Granit, z.T. über einen Boardwalk, und es ist momentan sogar trocken. Die ganze Region ist geologisch ja eine große Granitplatte - aber in den überwiegend grauen Granit sind gelegentlich rosafarbene Streifen eingelegt und hie und da sogar ein Lavastrom. An einer Stelle der kleinen Halbinsel sind eine große Zahl von Inuksuit aufgestellt - Steinfiguren, die den rentierhaltenden Natives ursprünglich als Wegmarken oder Erinnerungsstätten gedient haben, hier aber wohl "nur" eine touristische Funktion ausüben.

In der Ferne kann man tatsächlich zwei- oder dreimal Wale buckeln sehen – einer hebt sogar seinen Kopf heraus. Für vernünftige Fotos allerdings viel zu weit weg.


Tadoussac, Pointe de l'Islet - in den Granit eingebetteter Lavastrom


Tadoussac, Pointe de l'Islet, Inuksuit

Auf dem Rückweg gehen wir noch kurz über den kleinen Friedhof von Tadoussac. Die Kapelle ist geschlossen, obwohl sie der Hinweistafel entsprechend geöffnet sein müßte. Auch die große Kirche ein Stück weiter oben ist geschlossen. Nicht nur wir maulen über die Plakate an der Tür, die „bienvenu“ verheißen.


Tadoussac, Kapelle - im Hintergrund die neue große Kirche


Tadoussac, Friedhof

Unseren Spaziergang beschließen wir mit einer Entspannungspause in der sehr gemütlich eingerichteten Hotelhalle, wo wir den Blick auf den Strom bei einem Becher Kaffee genießen.


Hotel Tadoussac, altes Klavier in der Hotelhalle

Nach dem Check-out machen wir uns auf den Weg, zunächst zur Fähre, auf die wir ohne Wartezeit unmittelbar auffahren können. Am anderen Ufer halten wir kurz an der Pointe Noire, wo es aber witterungsbedingt erneut nicht viel zu erkennen gibt. Dann immer am Ufer des Lorenz-Stroms entlang durch das Charlevoix mit schönen bunten Bäumen. Der Regen nimmt allmählich wieder ziemlich stark zu, so daß wir in erster Linie Wolken und etappenweise sogar Nebel haben. Auch die Isle aux Coudres liegt ganz dramatisch im Nebel.


Lac à Pitre an der 138

Die Straße ist wieder hügelig und kurvenreich. An einem ganz hübschen Parkplatz oberhalb des Friedhofs von Les Eboulements machen wir - bei Regen und malerischem Nebel - Picknick im Auto. Danach machen wir noch zwei Abstecher etwas näher am Fluß entlang – mit Gefällstrecken bis zu 18%, vor denen heftig gewarnt wird. In St Joseph de la Rive, wo wir uns kurz die Füße vertreten, ist am Fluß eine Herde weißer Gänse unterwegs. In Cap d’Aigle hat es sehr hübsche Häuschen.


Les Eboulements, Friedhof


bei Les Eboulements - Vorsicht Gefälle!


Weiße Gänse

In Beaupré fahren wir zunächst noch zum Tanken, dann zur Auberge la Camarine, die etwas außerhalb des Ortes liegt, wo wir kurz nach 15:00 eintreffen. Wir haben ein sehr schönes Zimmer, und relaxen einfach bis zum Abendessen, für das wir uns auf 18:30 angemeldet haben.

Das mit dem Zimmer vorgebuchte Menu dégustation ist außerordentlich schmackhaft. Vorweg nehmen wir einen Campari. Nach einem Amuse Bouche gibt es Geflügelleberpastete, Graved Lachs, Riz de Veau im Blätterteig (Kalbsbries - Marianne verrate ich vorsichtshalber nicht, was sie da ißt), ein Feigensorbet, Kalbsmedaillon, Shrimps und Jakobsmuschel vom Grill sowie als Nachtisch Crème Brulée bzw. Tarte au Citron; dazu trinken wir einen in meinen Notizen nicht vermerkten Wein, zwei kleine Pellegrino und als Abschlußgang Tilleul (Lindenblütentee). Die Portionen waren gut dosiert, so daß man ohne Mühe durch das Menu kam. Müde und satt wanken wir in unser Zimmer.


Auberge la Camarine, Amuse Bouche


Auberge la Camarine, Riz de Veau


Auberge la Camarine, Tarte au Citron

186 km
Gruß
mrh400

*ilnyc

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Re: Quebec und Ontario - Indian Summer 2010
« Antwort #46 am: 23.08.2011, 12:30 Uhr »
Mhmmm. Wieder sehr appetitlich, Eure Auswahl! :wink:

*sil1969

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Re: Quebec und Ontario - Indian Summer 2010
« Antwort #47 am: 23.08.2011, 13:30 Uhr »

 (Kalbsbries - Marianne verrate ich vorsichtshalber nicht, was sie da ißt)


Das ist ja fies! Hat sie es noch erfahren? Ich hätt dich gekillt... :wink:
LG Silvia

*mrh400

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Re: Quebec und Ontario - Indian Summer 2010
« Antwort #48 am: 23.08.2011, 21:04 Uhr »
Hallo,
Hat sie es noch erfahren?
selbstverständlich - nachdem es ihr außerordentlich gut geschmeckt hatte - allerdings erst nach dem kopletten Essen :wink:

9. Tag Samstag, 02.10.2010 Beaupré – Trois Rivières

Heute nacht haben wir erneut ausgezeichnet geschlafen. Was ist da bloß passiert? - Draußen ist blauer Himmel! Gemütlich lassen wir den Tag angehen. Das im Preis inbegriffene Continental Breakfast besteht aus einem Yoghurt für Marianne bzw. Obstsalat für mich, ein paar getoasteten Brotscheiben mit herrlicher Heidelbeerkonfitüre, Orangesaft und reichlich Kaffee – für uns durchaus ausreichend.

Nach dem Checkout sind wir endlich gegen 9:30 auf der Straße und fahren ein kurzes Stück zurück zum Canyon Ste. Anne, fast fahren wir vorbei und nur mit einer Vollbremsung erwischen wir die Einfahrt. Nach wenigen 100 Metern mit schönem Blick auf den rot flammenden Hügel des Skigebiets von Mont Ste. Anne kommen wir auf einen großen und noch ziemlich leeren Parkplatz. Der erste Blick in den Shop weckt keine Begeisterung, also geht es zum Wasserfall.


Skigebiet Mont Ste. Anne


Canyon Ste. Anne, Eingangsbereich

Wir zahlen die 11,50 CAD pro Person und marschieren einen Weg mit ziemlich verkitschten Tierschnitzereien entlang, bis sich die erste Hängebrücke am oberen Rand des tosenden Wasserfalls auftut. Schönes Licht, blauer Himmel und rauschendes Wasser bringen uns in positive Stimmung.

In dem nicht allzu großen Park gibt es eine ganze Reihe von Aussichtspunkten auf den Wasserfall, den man auf drei ziemlich schwankenden Hängebrücken überqueren kann – ganz oben, auf halber Höhe und ganz unten – es sind also einige Stufen zu überwinden (beim untersten Teil ist die Zahl angegeben: 187). Beim Zurückgehen kommt zu den eindrucksvollen Wassermassen noch ein Regenbogen hinzu. Alles in allem sehr schön, wobei es aber noch ziemlich kühl ist und wir über unsere Anoraks recht froh sind.


Canyon Ste. Anne - Wasserfall, Kopfzone


Canyon Ste. Anne - Wasserfall


Canyon Ste. Anne - Regenbogen

Danach fahren wir wieder Richtung Westen bis kurz vor Quebec, wo wir bei den Chutes de Montmorency einen weiteren Stop einlegen wollen. Zunächst aber legen wir einen Stop bei der Kathedrale von Ste Anne de Baupré ein. Obwohl uns die Kirche auf den ersten Blick nur monströs erschien, nehmen wir uns die Zeit, hineinzuschauen – und sind positiv überrascht. Zwar neuzeitlich interpretiert, aber durchaus qualitätvoll wurde hier eine gotische Kirche nachempfunden mit anspruchsvoller Fassade und ebensolchem Innenraum – vom Fußboden bis zum Deckenmosaik.


Ste. Anne de Beaupré


Ste. Anne de Beaupré


Ste. Anne de Beaupré

Das Navi lotst uns danach einen etwas eigenartigen Weg aber letztlich richtig zum oberen Parkplatz der Chutes de Montmorency. Wir zahlen Eintritt und lassen uns gleich die Fahrt mit der Seilbahn mitverkaufen. Von oben hat man einen herrlichen Blick auf Quebec City und auf die Ile d'Orleans.


Chutes de Montmorency, Quebec City


Chutes de Montmorency, Ile d'Orleans

Nach dem kurzen Blick in die Landschaft und einem weiteren auf den Wasserfall in der Ferne steigen wir gleich in die Seilbahn, weil wir ohnehin an der oberen Station vorbeikommen. Aus der Gondel realisiert man dann erst richtig – gegenüber diesem Wasserfall hier war der vorherige ein Rinnsal. Mit großer Gewalt stürzen die schäumenden Fluten in die Tiefe. Unten gehen wir um den Pool herum und ein Stückchen in Richtung zum Fall – aber nur so weit, daß wir nicht naß werden, das hatten wir vorher schon zur Genüge und die entgegenkommenden Besucher schauen ziemlich durchweicht aus.


Chutes de Montmorency, Seilbahn


Chutes de Montmorency

Mit der Seilbahn wieder oben angekommen entscheiden wir uns, zunächst eine Kleinigkeit zu essen. Im Manor Montmorency gibt es das Kent House, eine Bar mit Bistro. Wir lassen uns einen Tisch zuweisen – und werden fröhlich begrüßt, nämlich von dem Paar aus Marseille, mit dem wir ein paar Tage zuvor im B&B in Beaupré bei Diane beim Frühstück saßen.

Wir nehmen jeder einen Salade Nicoise und ein (sehr gut eingeschenkte Pint = eine Halbe!) Bier sowie danach einen Cappuccino. Danach kaufen wir im Shop noch ein wenig Lavendel aus Quebec und Postkarten.

Anschließend gehen wir zur oberen Abbruchkante des Wasserfalls und lassen uns nochmal von der brachialen Gewalt des Wassers beeindrucken.

Die Weiterfahrt läßt uns zunächst den St Lorenz bei Quebec queren. Danach geht es am Fluß entlang durch etliche Dörfer mit Kirchen, die wir jetzt aber ignorieren. Schöne Ausblicke auf den Fluß wechseln mit landwirtschaftlichen Regionen ab. Bei Becancourt wird die Landschaft allerdings ziemlich öde; hinzu kommt einiges an Industrie. Bei Trois Rivières überqueren wir neuerlich den Fluß, um bald danach unsere Auberge du Lac St Pierre zu finden. Erneut haben wir ein sehr schönes großzügiges Zimmer. Wir lassen uns gleich noch ein 5-Gang-Menu verkaufen.

Nach einer kurzen Erholungspause im Zimmer nehmen wir einen Campari im Wintergarten und ich lasse mir von der Rezeptionistin die Route zu unserem B&B in Ottawa ausdrucken, nachdem uns der Innkeeper gemailt hatte, wir sollten ihn Anrufen, weil sein Haus wegen der vielen Baustellen so schwer erreichbar sei. Der Anruf mündete letztlich in unserer Bitte, uns doch seinen Routenvorschlag zu mailen, damit wir ihn bei google-maps nachvollziehen können. Auf dieser Basis mailte ich dann die Route ans Hotel und dort konnte sie ausgedruckt werden - warum einfach, wenn's umständlich auch geht?  :lol:

Wieder gibt es ein Gourmet-Mahl. Wir beginnen mit kalter Tomatensuppe bzw. Forellentartar; anschließend gibt es einen etwas arg trockenen Hasenrücken (der Farbe nach Karnickel), als Hauptgang Entenbrust (sehr gut) und als Nachtisch eine Art Tiramisu bzw. ein Weingelee. Als 5. Gang firmiert der Tee (wir sind gesund – bzw. überfressen; das gestrige Menu war leichter – und nehmen Menthe bzw. Camomille). Ein Rosé von der Cote Ventoux begleitet das Essen. Danach rollen wir vollgefressen auf unser Zimmer.

Speziell für den Anti-Trois-Rivières-Fan ilnyc noch ein paar Bilder  :wink::


Auberge du Lac St. Pierre, Tomatensuppe


Auberge du Lac St. Pierre, Forellentartar


Auberge du Lac St. Pierre, Weingelee

205 km
Gruß
mrh400

*Biggi

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Re: Quebec und Ontario - Indian Summer 2010
« Antwort #49 am: 23.08.2011, 21:13 Uhr »
Mensch, das geht ja Schlag auf Schlag hier!

So schöööne Fotos, und sogar mit blauem Himmel. Das Essen sieht auch wieder vorzüglich aus, wielange wollt ihr das noch durchhalten?  :wink:

Ich bin gespannt auf Ottawa.

*Marvin88288

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Re: Quebec und Ontario - Indian Summer 2010
« Antwort #50 am: 23.08.2011, 21:26 Uhr »
Hallo!

Sieht doch gleich ganz anders aus  :?, so mit Sonne. Da waren wir einen Tag vor euch, bei Nieselregen, war aber trotzdem beeindruckend, sowohl die Kirche als auch der Wasserfall. Den Sonnenschein durften dafür in Quebec City genießen :wink:.

Ist schön die Orte die man selber besucht hat auf Fotos von anderen zu sehen.

Gruß Torsten

*ilnyc

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Re: Quebec und Ontario - Indian Summer 2010
« Antwort #51 am: 24.08.2011, 13:28 Uhr »
Speziell für den Anti-Trois-Rivières-Fan ilnyc noch ein paar Bilder  :wink::

 :dankeschoen:
Ich steh voll auf Eure Essensfotos und -beschreibungen. Ich glaub, das ist masochistisch veranlagt, dass ich mir das im Büro mittags antue...
Der Tartar sieht gar köööstlich aus!

*SusanW

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Re: Quebec und Ontario - Indian Summer 2010
« Antwort #52 am: 24.08.2011, 14:17 Uhr »
Hi,

jetzt mit Sonnenschein kommt der Indian Summer doch noch schöner rüber.  :D

Ansonsten kann ich ilnyc nur zustimmen  Außer, dass ich meist Homeoffice hab und danach meinen Kühlschrank plündern könnte... :pfeifen: oder für Kerlie kochen muss
Liebe Grüße 
Susan

*mrh400

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Re: Quebec und Ontario - Indian Summer 2010
« Antwort #53 am: 24.08.2011, 19:38 Uhr »
10. Tag Sonntag, 03.10.2010 Trois Rivières – Ottawa

Für das viele Essen haben wir ganz erträglich geschlafen. Langsam lassen wir es angehen und nehmen zum Frühstück nur das Continental Buffet mit Hörnchen, Pain au Chocolat, Erdbeermarmelade und Ahorngelee.

Nach dem Frühstück machen wir noch einen kurzen Spaziergang zum Ufer hinunter, wo sich der St. Laurant zu einem See - eben dem Lac St. Pierre - weitet. Es ist traumhafter Sonnenschein, aber noch recht kühl.

Wir starten unsere Fahrt Richtung Ottawa zunächst in Richtung Mount Tremblant. Es geht zu Beginn durch landwirtschaftliche Regionen, dann zunehmend hügelige Wälder mit etlichen kleinen und größeren Seen und vielen bunten Bäumen. Weiter oben (sowohl auf der Landkarte = nördlich als auch von der Höhe her gesehen) sind auch schon viele Bäume kahl, was aber dem Gesamteindruck keinen Abbruch tut. Alles nicht wirklich spektakulär, aber hübsch anzusehen. Jedes Dorf, das wir durchqueren, trägt den Namen irgendeines Heiligen – die müssen ganze Hundertschaften hinzuerfunden haben, um jedes Kaff benamsen zu können.


Herbstwald irgendwo an der 138 zwischen Trois Rivières und Mont Tremblant


Lac Côme an der 347 Richtung Mont Tremblant

Leider zieht sich der Himmel immer mehr zu und es ist empfindlich kühl draußen. An der Tankstelle in Notre Dame de Merci wird man bedient und ich kaufe noch ein paar Kaugummi bar, um dem netten Tankwart einen Dollar in die Hand drücken zu können.

Nachdem es an der ganzen Strecke keinen schön gelegenen Picknickplatz hatte, wollen wir am Lac des Plages picknicken. Aber auch hier wie schon an den vorangegangenen Seen ist alles privat zugebaut. Wir stellen uns daher auf den Parking Public, der zwar nicht sehr schön, aber doch in Sichtweite zum See ist.

Auf der Weiterfahrt stellen wir fest, daß wir im Vergleich zu unserer ausgemachten Ankunftszeit viel zu früh dran sind und können daher im letzten Moment in die Einfahrt des Omega Park bei Montebello einbiegen. Wir stellen das Auto am Visitor Center ab, machen dort einen kurzen Besuch und gehen den nicht allzu langen Hike zum Trout Lake. Außer einem kleinen Biberteich und ein paar Damhirschen unterwegs - an denen man in freier Wildbahn vorüberläuft -, ein paar riesengroßen Forellen im See und einem hübschen Blick aber auch nicht allzu aufregend.


Biberteich im Parc Omega


Damhirsch im Parc Omega


Parc Omega, Lac des Truites

Anschließend nehmen wir den Autoparcours in Angriff. Bereits zu Beginn ein Riesenstau, weil ein gutes Dutzend Elks, die von Dutzenden von Sonntagsausflüglern in ihren Autos mit im Visitor Center zu erwerbenden Karotten gefüttert werden, alles blockiert. Nachdem dieses Hindernis überwunden war, geht es am Bibersee entlang (zwei kann man sogar schwimmen sehen) zu den weiteren Tiergehegen. Unterwegs begegnen uns an etlichen Stellen Wildschweine, z.T. mit Frischlingen, die putzig anzusehen sind aber für gescheite Fotos viel zu wuselig umeinanderlaufen.

Dann gibt es die Bisonprairie (die Bisons kommen uns irgendwie viel kleiner vor als im Yellowstone), zwischendrin mal ein paar Waschbären und arktische Wölfe. Die Karibus, die mich eigentlich besonders gereizt hätten, sind in einer entfernten Koppel eingesperrt. Die Rothirsche sparen wir uns durch einen wohl nicht ganz legalen Shortcut, können dafür aber ein beeindruckendes Gefecht zweier Steinböcke beobachten, die sich in einiger Entfernung am Waldrand heftig mit den Hörnern beharken, bis ein dritter dazukommt, der offensichtlich der Chef ist – denn die beiden trollen sich auf der Stelle ganz friedlich. Am Schluß des Rundkurses herrscht wieder der Elkstau.


Parc Omega, Wildschwein


Parc Omega, Waschbären


Parc Omega, kämpfende Steinböcke


Parc Omega, Wolf

Auf den letzten Abschnitten der Fahrt enwickelt sich ein rapide zunehmendes Halsweh – mal sehen, wie das weitergeht.

So kommen wir gegen 18:00 Uhr zu unserem King Edward B&B. Da wir von der anderen Flußseite kommen, stimmt die ausgedruckte Beschreibung natürlich überhaupt nicht. Dennoch ist uns die Wegweisung zusammen mit der ausgedruckten Karte ganz hilfreich, um durch die ganzen Baustellen zum Parkplatz des B&B zu finden, der über viele Hinterhofecken zu erreichen und ziemlich eng ist.

Wir klingeln zunächst an der falschen Haustür, um dann doch an der richtigen von der vom Innkeeper engagierten Studentin in Empfang genommen zu werden. Der Hintereingang des B&B macht einen eher verlotterten Eindruck, die Küche auch, und ansonsten ist das Haus total zugekruschtelt, mit dutzenden von Grünpflanzen in den Zimmern. Auf dem Gang von der Küche in das Haupthaus schwankt der Boden und das ganze Haus mit. Das Zimmer ist trotz der Kruschteligkeit aber ganz gemütlich, ziemlich groß und hat einen kleinen Balkon, auf dem wir ein Bier als Aperitif nehmen. Der absolute Höhepunkt ist aber die Ausstattung des Bades, die jedem Antiquitätenladen zur Ehre gereichen würde.


Ottawa, King Edward B&B, Zimmer


Ottawa, King Edward B&B, Bad mit putzigem Waschtisch - an dieser Stelle wohl keine 80 cm breit


Ottawa, King Edward B&B, Badewanne mit schwarzblauem Duschvorhang


Ottawa, King Edward B&B, Heizkörper im Bad

Anschließend gehen wir der Empfehlung der Studentin entsprechend die baustellige King Edward Ave hinunter, um zu den angabegemäß dort befindlichen Restaurants zu finden. Wir finden aber nur eine Hauptstraße (Rideau), der wir glücklicherweise in die richtige Richtung folgen, um in die Region des Market zu kommen, wo sich die Restaurants geradezu häufen. Wir geben die Suche – wie sich herausstellt richtigerweise – nicht gleich auf, sondern finden relativ weit hinten die Trattoria Vittoria, wo Marianne Spaghetti Alio e Olio bestellt (nicht ganz zu ihrer Zufriedenheit, zumal mit Artischocken) und ich eine Pizza Piemonte mit rohem Schinken und Feigen – sehr gut und echt italienisch hauchdünn. Dazu ½ Liter Valpolicella und ein Liter Pellegrino, so daß wir glücklich durch die Dunkelheit – aber nirgends verunsichert – zum B&B zurückwanken und alsbald ins Bett fallen.

389 km
Gruß
mrh400

*Biggi

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Re: Quebec und Ontario - Indian Summer 2010
« Antwort #54 am: 24.08.2011, 21:27 Uhr »
Hi,

King Edward B&B ist ja wirklich originell, besonders die Dusche!  :shock:

Wie schön, dass das Wetter jetzt besser ist und schade, dass es kein Pizza-Bild gibt  :wink:

Gruß Biggi

*Angie

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Re: Quebec und Ontario - Indian Summer 2010
« Antwort #55 am: 24.08.2011, 21:48 Uhr »

Hallo!


Dass du jetzt Halsschmerzen bekommst, gefällt wahrscheinlich nicht nur mir nicht :? Hoffentlich entwickelt sich nichts Schlimmes, mit Fieber & Co.

Die Laubfärbung ist wunderschön, besonders gut gefällt mir das Foto, das mit "Parc Omega, Lac des Truites" untertitelt ist.

Das Bad im B&B ist wirklich museumsreif, aber den Duschvorhang außen finde ich nicht unbedingt praktisch :wink:


LG, Angie
Viele Grüße,
Angie

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*ilnyc

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Re: Quebec und Ontario - Indian Summer 2010
« Antwort #56 am: 25.08.2011, 13:42 Uhr »
Hm, dass Du die Halsschmerzen an der Stelle überhaupt erwähnst.... das kann nur drauf hindeuten, dass es schlechter wurde!  :(

Die Laubfärbung ist wirlich sehr irre! Indian Summer hatte ich auch schon 2x, aber wir waren immer knapp vor oder knapp nach Peak.

Der Waschtisch ist zum Brüllen!

*mrh400

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Re: Quebec und Ontario - Indian Summer 2010
« Antwort #57 am: 25.08.2011, 23:16 Uhr »
Hallo,
Wie schön, dass das Wetter jetzt besser ist und schade, dass es kein Pizza-Bild gibt

das Wetter bleibt zum Glück mal bis auf weiteres schön - und Pizza-Bild gibt es tatsächlich keines (auch nicht hier auf der Festplatte  :wink:); überaupt gibt es jetzt mal ein paar Tage ohne Essensbilder. Nach den letzten beiden Menus mußten wir erst mal wieder auf den Boden kommen, um etwas spektakulär genug für Fotos zu empfinden.

Hm, dass Du die Halsschmerzen an der Stelle überhaupt erwähnst.... das kann nur drauf hindeuten, dass es schlechter wurde!

Nachdem ich den Textteil jedenfalls von den Grundzügen her quasi live allabendlich geschrieben hatte, war es da offenbar schon ziemlich störend - und zumindest bleibt es mal b.a.w.

den Duschvorhang außen finde ich nicht unbedingt praktisch
Aber so ist er fotogener (zum Duschen haben wir das schon geändert  :wink: :lol:)

Aber es geht auch  gleich weiter:

11. Tag Montag, 04.10.2010 Ottawa

Wir haben mit wenigen Unterbrechungen sehr gut geschlafen; meine Erkältung ist allerdings nicht nur immer noch da, sondern hat sich auch noch verstärkt.

Wir trödeln gerade so, daß wir wie gestern unvorsichtigerweise vereinbart gegen 8:00 beim Frühstück sind. Richard, unser Innkeeper empfängt uns sowie eine Frau aus der Gegend von Vancouver; später kommt nach ein Paar aus Ontario dazu. Es gibt frischen Obstsalat, auf Wunsch Yoghurt und Eier, frische sehr feine Muffins, Croissants, verschiedene Marmeladen und natürlich Kaffee (sehr gut und stark). Um uns scharwenzelt der Hund herum - recht lustig anzuschauen und immer einen fröhlichen Eindruck machend. Richard erklärt uns, daß es sich um eine Kreuzung handelt, die inzwischen Rassestatus erhalten habe: Golden Doodle, eine Mischung aus Golden Retriever und Pudel mit den für Innkeeper wichtigen Eigenschaften, besonders friedfertig zu sein und zudem nicht-allergene Haare zu haben. Zu meiner eigenen Überraschung habe ich kein einziges Foto von dem Tier.

Richard zeigt uns anhand eines großen Luftbilds von Ottawa und verschiedenes Fotos aus Broschüren, was man so alles ansehen muß und zeichnet das noch auf einer ausgedruckten Karte ein. Außerdem gibt es ein ganz nettes Geplaudere mit den anderen Gästen. Der Mann von dem jungen Paar ist offenbar bei den Kanadischen Grünen engagiert und so ergibt sich ein ganz interessanter und sicher auch subjektiv gefärbter Blick auf die politische Landschaft Kanadas (und Nordamerikas  :wink:).

Wegen meiner Erkältung dubeln wir ziemlich lange herum, bevor wir uns auf den Weg machen. Wir schnappen uns ein Taxi, das gerade vorbeikommt. Der schwarze Fahrer erzählt uns begeistert von seinem Besuch in der seinerzeitigen DDR und setzt uns am Parliament Hill ab.


Ottawa, Parlament mit dem Peace Tower in der Mitte

Wir gehen gleich hinein und bekommen Tickets für die Tour um 12:20. Die Zeit bis dahin wollten wir eigentlich mit einem Besuch des Peace Tower überbrücken. Da sich die lange Schlange vor dem Lift (wie wir vermuten) kaum voranbewegt, brechen wir das allerdings ab und setzen uns in den Wartebereich.

Die geführte Tour ist ganz informativ. Wir bekommen von dem neugotischen Gebäude die Empfangshalle zu Gesicht, die Library (wo man leider nicht fotografieren darf) und den Senatssaal. Es gibt interessante Glasdecken zu besichtigen und interessante Wandfriese, wo die Namen wichtiger Politiker und Forscher - aber auch wichtiger Indianerstämme - verewigt sind. Dazu gibt es zuhauf Erklärungen, wie die Debatten nach britischem Muster ablaufen.


Ottawa, Parlamennt, Confederation Hall


Ottawa, Parlament - Glasdecke


Ottawa, Parlament, Blick in den Senatssaal

Kurz vor Ende der Tour verlassen wir die Gruppe, um fluchtartig die Treppe zum Peace Tower hinaufzuhasten, und kommen erst unmittelbar vor dem Lift zu stehen. In den passen ganze 6 oder 7 Personen hinein, so daß wir gut daran getan haben, die Schlange vorhin zu vermeiden. Oben ist der Blick absolut lohnend über das Parlament, den Fluß, die Museen und die Kathedrale. Vor dem Parlament sieht man eine Gruppe von Demonstranten, die sich von da oben wie Ameisen ausmachen.

Wieder unten angekommen gehen wir in am Chateau Laurier vorbei (Hotel wie das Frontenac in Quebec), überqueren den Canal Rideau und entdecken im nächsten Block im Souterrain ein Lokal mit Terrasse (Le Metropolitain), wo wir uns nach einem kurzen Blick auf die Karte innen niederlassen. Marianne ißt eine Trout, ich die Crêpe du Jour (mit Shrimps und Gemüsestreifen) und die Soupe du Jour (rote Paprikacreme, sehr fein). Dazu gibt es eine Pint Bier und danach einen Cappuccino und es geht mir trotz immer wiederkehrender Erkältungsanflüge ganz passabel.


Ottawa, Blick vom Peace Tower über die Kuppel der Parlamentsbibliothek hinweg


Ottawa, Canal Rideau

Anschließend gehen wir über einen Platz mit einer riesigen Spinnenskulptur und besuchen die Kathedrale Notre Dame. Die ist sehr beeindruckend und innen für eine neugotische Kirche überaus geschmackvoll gestaltet.


Ottawa, große Spinne vor der Cathedral


Ottawa, Notre Dame Cathedral

Der Weiterweg führt über eine Brücke, die leider auf einer Fahrspur eine komplette lärmende Baustelle ist. Sie bietet aber dennoch schöne Ausblicke auf den Parliament Hill. Am anderen Ende der Brücke befindet sich das Musée Canadien des Civilisations (Gatineau ist schon wieder in Quebec :wink: - man kann aber auch Canadian Museum of Civilizations sagen :lol:). Schon der wie ein Kopf gestaltete Eingang beeindruckt. Innen gibt es eine wirklich gut aufgezogene Darstellung der indianischen (aborigines oder aboriginals, wie sie sich hier nennen) Kulturen aus der vorkolonialen Zeit bis heute.


Gatineau, Eingang zum Musée des Civilisations


Gatineau, Musée des Civilisations

An Stelle vieler weiterer Bilder von Exponaten möchte ich hier (unter neuerlichem Verstoß gegen die Forenregeln, was die Bilderzahl angeht) noch zwei Fotos zeigen, die dokumentieren, daß in Kanada mit der gleichen brachialen Gewalt und Überheblichkeit der missionierenden "christlichen" Weißen wie in den USA die Natives ebenso wie die "importierten" Schwarzen ihrer kulturellen Identität beraubt werden sollten. Erinnerungen an ebenso eindrückliche Bilder und Schilderungen im Museum of the Cherokee Indian, das wir 2007 besuchten, werden wach:


Indianerjunge vor und nach der Einschulung 1896


Schulklasse ca. 1950 (!)

Schließlich werfen wir noch einen kurzen Blick in das kanadische Postmuseum und die Sonderausstellung zum Pelzhandel. Von der Terrasse des Museums haben wir dann noch einen wundervollen Blick über den Fluß auf den Parliament Hill im Abendlicht.


Ottawa, Parliament Hill

Mit müden Füßen machen wir uns auf den Heimweg. Dabei gehen wir zunächst einige Nebenstraßen und entdecken u.a. das Maison de Fer Blanc. Die Zinkfassade eines alten abgerissenen Hauses ziert die Wand eines Neubaus. Der Versuch, im By Ward Market ein paar Leckereien für ein Abendessen im Zimmer zu besorgen, ist nur teilweise von Erfolg gekrönt. Wir besorgen einige kleine Stücke kanadischen Käse sowie ein recht gutes Brot. Bier haben wir ja im Kofferraum. Wir gehen dann ein paar Straßen kreuz und quer und entdecken dabei selbst in der insgesamt recht guten Gegend um unser B&B einige mehr als nur leicht renovierungsbedürftige Häuser.


Ottawa, Maison de Fer Blanc, Einbau einer historischen Fassade in einen Neubau


Ottawa, By Ward Market


Ottawa, Wilbrod Street

Am B&B angekommen sehen wir Richard bei heftiger Gartenarbeit (300 Tulpenzwiebeln müssen gepflanzt werden). Wir verziehen uns aufs Zimmer, lesen, wursteln am PC und Essen Teile unseres Käses.

0 km
Gruß
mrh400

*KarinaNYC

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Re: Quebec und Ontario - Indian Summer 2010
« Antwort #58 am: 26.08.2011, 07:08 Uhr »
Die Farben der Bäume: ein Traum!  :D

Das Bild von der Spinne hätte ich jetzt aber nicht zwingend gebraucht...  :oops:

*mlu

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Re: Quebec und Ontario - Indian Summer 2010
« Antwort #59 am: 26.08.2011, 08:37 Uhr »
Tolle Bilder. Ottawa hat uns damals extrem gut gefallen, weil es nicht ganz so hektisch wie Toronto oder Montreal war. Irgendwie lässiger.

Die Spinne steht übrigens vor der Nationalgalerie, nicht wirklich vor der Kathedrale. Obwohl diese Perspektive schon was hat  :D

Gruß
Micha
Man muss dem Leben immer um einen Whiskey voraus sein - Humphrey Bogart


 

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