Good Karma - Masala und der Duft von Jasminblüten (Südindien Frühjahr 2015)

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God's own Country, das bedeutet eigentlich Kerala, wo es grün und fruchtbar ist. Aber auch die angrenzenden Bundesstaaten Karnataka und Tamil Nadu zähle ich nun einfach mal dazu. Das Aroma von Masala-Gewürzmischungen und Jasminblüten liegt über dem ganzen fabelhaften farbenfrohen Land. Pujas (Hindu-Zeremonien), auch wenn sie offenbar zu den einträglichsten und verlässlichsten Geschäftszweigen gehören, geben Energie und gutes Karma, davon bin ich überzeugt!

Dieses Land ist wie Feuer und Eis, es weckt Widerstand und Anbetung, Glauben und Ungläubigkeit, es zaubert mir ein debiles Grinsen ins Gesicht, es nimmt mich gefangen und nimmt mich für sich ein.

Ich weiß wieder mal, wofür ich reise und bin wieder mal davon überzeugt, dass die Welt es so will, mich mag und alles dafür tut, dass es mir auf Reisen gut geht.

Aber von vorne:

DI, 17.3., früher Abend: Ich bekomme mit, dass die Lufthansa Streiks ankündigt für Mittwoch, den 18.3., aber nur auf der Kurzstrecke. Am späten Abend bekomme ich mit, dass sie auch Streiks für die Langstrecke ankündigt, aber für den Donnerstag, 19.3.

Und am Mittwoch, den 18.3. bekomme ich mit, dass auch am 20.3. gestreikt wird, aber nur auf der Kurz- und Mittelstrecke.

Puuuuuh, ich kann wohl fliegen, checke online am Donnerstag ein, mache mich auf den Weg nach Frankfurt und verbringe einen feucht-fröhlichen Abend mit Kollegin Tanja. Ich wusste gar nicht, wie dankbar man sein kann, dass NICHT gestreikt wird auf meiner Strecke und sehe das als schlechtes Zeichen für Lufthansa an.

Und ansonsten? Einen Fahrer, der sich als absoluter Glücksgriff herausstellen wird, habe ich ab Mangalore engagiert, die Hotels sind gebucht, und meine weitere Reisevorbereitung erschöpft sich über ein grobes Studiums des Reiseführers hinaus im Sehen des Filmes “Slumdog Millionaire” irgendwann mal vor ein paar Jahren und Hören von “Shantaram” als Hörbuch vor einem Jahr. Na ja, wird schon gut gehen, bin ja reiseerprobt...

FR, 20.3.2015 -Anreise

Und am Freitag erwache ich mit schwerem Schädel, bin zu doof, die Sonnenfinsternis um 10.40 Uhr wahrzunehmen und mache mich auf die Socken, die ich in den kommenden drei Wochen sicher nicht mehr sehen oder anziehen werde.

Nach viel Kaffee und einem Croissant am Flughafen schlendere ich gemächlich über den Airport zu meinem Gate, das irgendwie am Ende der Welt ist, und stelle fest, dass die Maschine nur halb voll ist. Das liegt am Langstreckenstreik gestern, sodass eine Menge Inder auf der Heimreise heute Morgen nicht gelandet sind in Frankfurt, sondern noch in den USA oder wo auch immer gestrandet sind.

Ich beschließe, dass eine leere Dreierreihe am Fenster meine ist, kann mich während des Fluges lang machen, und zu allem Überfluss ist der Hotspot an Bord für mich kostenfrei, da ich eine Flatrate habe. Und los geht es!



So verbringe ich 7,5 Stunden surfend, ausgestreckt schlafend, essend und den dritten Teil der Tribute von Panem schauend in der Luft. Der Hotspot ermöglicht mir, alle auf dem Laufenden zu halten, die es wissen wollen und auch die, die es nicht wissen wollen.

Es gibt einen ersten Eindruck indischen Essens, den Blick auf das nächtliche Teheran von oben und jede Menge Wein für mich.





Kurz vor der Landung bekomme ich Muffensauen: Klappt es mit dem Taxi? Darf ich überhaupt einreisen? Habe ich etwas übersehen? Diese Fragen stellen sich mir, während beim Landeanflug wie eine Puppenstube unter mir gelblich beleuchtet die typischen Ladengassen und Häuserreihen Mumbais liegen, kleine Details in einem riesigen Lichtermeer.

Nein, alles ist prima. Ich begrüße liebevoll meine treue Reisetasche und  mache mich auf den Weg. Einem etwas schüchternen und unbeholfenen Geschäftsmann erkläre ich noch mal fix, wie ATM funktioniert, erstehe souverän einen Voucher für ein Cool Cab für umgerechnet 15 Euro und überwache die ansonsten schweigende Fahrt zum Trident Hotel Nariman Point mit Google Maps. Übrigens: Keine Rede von den durch “gut Informierte” angekündigten Hinweisen des Taxi-Wallahs darauf, dass das Hotel abgebrannt sei oder aktuell nicht zugänglich sei, weil es in einer Crime Zone liege um mich in ein anderes Hotel zu schleifen.

Unterwegs Szenen wie aus einem 3D-Film: Kleine, dünne, indische Gestalten sitzen mitten in der Nacht gegen 3 Uhr am Straßenrand und flechten Blumen und bündeln Pflanzen. In mir lacht es und ich bin angekommen, zumindest ein Teil von mir ist es.

Nach einer knappen Stunde Fahrt werde ich als hochherrschaftliche Memsahib aus meinem Cool Cab befreit. Ein charmanter, gut aussehender und groß gewachsener Mann mit Turban und strahlendem Lächeln nachts um halb drei öffnet mir die Tür, ein anderer trägt mir meinen Koffer. Ich gehe flotten Schrittes voraus und lasse mir souverän ein Upgrade auf die Club-Etage aufschwatzen, das hatte ich bei beiden Besuchen in Kuala Lumpur auch. Hier bietet es mir eine Limousine zurück zum Flughafen, Frühstück auf dem Flur, auf dem mein Zimmer liegt, Nachmittagskaffee mit etwas zu Beißen, die kostenfreie Cocktailstunde abends  mit Snacks und freies WLAN. OK, ist erschwinglich, wird gemacht!



Noch ganz knapp ein paar Mails schreiben und ab ins Bett!

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SA, 21.3.2015

Heute ist Indien light angesagt, das “light” wird ausgeglichen durch die 40 Grad Außentemperatur, die allerdings im Laufe des Tages durch eine frische Brise relativiert werden.

Ich gehe zu Fuß zum Gateway of India. Hier wird es das erste Mal voll, ansonsten alles sehr gechillt. So ganz bin ich noch nicht angekommen, allerdings merke ich das erst zwei Tage später. Kein Wunder, das Reisen strengt an und ich brauche eigentlich Erholung, dazu der krasse Temperaturunterschied zu Deutschland und die Zeitverschiebung.

















Ich gehe weiter durch den Stadtteil Colaba und rette mich immer wieder mal für ein paar Minuten in ein klimatisiertes Geschäft.

Plötzlich auf der Straße ein Unfall. Niemandem ist etwas passiert, sodass es bei ein wenig Streiterei bleibt und es nicht zu einer Prügelei kommt. Aber der beteiligte Mopedfahrer hat dabei seinen Eimer Farbe verloren, sodass die Straße plötzlich lustig leuchtend grün eingefärbt wird. Tja, in Indien ist das Leben bunt. Ob das wohl so bleibt oder ob, wie es in Deutschland wäre, der Schuldige die Reinigung zahlen musste? Hoffentlich ist die Farbe wasserlöslich!

Ich schnappe mir ein metered Taxi, das mich für umgerechnet keine 70 Cent (so viel auch nur, da der Fahrer keine 8 Rupies Wechselgeld hat, worüber ich großzügig hinwegsehe) zum Stadtteil Fort bringt. Englisch kann er fast gar nicht, aber er versteht, wohin ich will.



Übrigens gibt es hier mehr Verständigungsschwierigkeiten als im Norden: Während das Hindi dort ziemlich hart gesprochen wird, wird die hiesige Sprache (Maharati, nicht jeder spricht Hindi) eher gerollt und entsprechend auch das Englisch gesprochen, als ob der jeweilige Sprecher ein rohes Taubenei im Mund hat, das weder zerbrechen noch verschluckt werden darf. Das führt auch dazu, dass der mir mitgeteilte Wucher-Wechselkurs von 5950 Rupies für 100 Euro ausgesprochen wird wie “financefighty” - hääääää?

Hier sehe ich mir den berühmten Bahnhof an, an dem vormittags die Dabbahwallahs mit traumwandlerischer Sicherheit und ohne lesen und schreiben zu können, Tausende der von liebevollen Ehefrauen gekochten Essen zu den schwer schuftenden Ehemännern bringen. Hoffentlich schaffe ich es noch, hier vormittags zu landen, denn wegen der Zeitverschiebung habe ich nur schlecht und kurz geschlafen und habe das Hotel zu spät verlassen, nämlich erst um 11 Uhr.











Eigentlich habe ich für heute schon wieder genug, und da ich mich ja auch ein bisschen erholen will, beschließe ich, den Tag am Pool zu beenden.

Unterwegs, ja “this is India”, ein Festzug mit lauter tanzenden, gut gelaunten Menschen: Keine Ahnung, ist es eine Demo? Eine Hochzeit? Wahlwerbung? Eine Werbeveranstaltung eines Mobilfunkanbieters oder Energieversorgers? Egal, ich fotografiere eifrig, und die Betreffenden lassen sich auch gerne knipsen.











Auf dem Weg gibt es noch einen Snack und einen kurzen Stopp an der St. Thomas Cathedral. Ich passiere den altehrwürdigen High Court. Und mit Ehrfurcht vor der Begeisterung derer, die mittags um 14 Uhr bei Gluthitze Cricket spielen, schieße ich ein paar Fotos am Oval Maiden.

















Ein Schläfchen am Pool ist erholsam nach der kurzen Nacht und dem Aufstehen gegen 5 Uhr laut innerer Uhr, zumal die angeblich noch 35 Grad aufgrund des ziemlich heftigen Windes kaum spürbar sind.





Ich gehe ins Zimmer und dusche, verlasse dann das Hotel und genieße die Sonnenuntergangsstimmung an der Promenade mit Blick auf die Skyline. Indien hat mich wieder. Dieser Moment zwischen  Verkäufern inmitten von Anblick und Geruch von quietschrosa Zuckerwatte, Popcorn und gebrannten Mandeln, Verkäufern von Tee und Wasser und Obst, bringt mich Indien näher. Ich habe heute keine einzige heilige Kuh auf den Straßen gesehen, bin in keinen Dreck getreten, bin nicht öfter als bei einem Stadtbummel in Frankfurt oder München angebettelt worden, aber in diesem Moment, in dem der typische süßlich-faulige Indienduft aus Räucherstäbchen, Blüten, Essen und Verwesung mir hier begegnet, zeigt mir, dass ich wieder da bin...







Den Tag beschließe ich mit Wein und ein paar Snacks in meiner Club-Lounge. Ich verstehe mich mal wieder selber nicht mehr: Da mache ich so gute Erfahrungen beim ersten Besuch und fahre angstvoll und fast schon böse zum zweiten Indienbesuch. Ich bin beruhigt und freue mich auf alles, was nun kommt.

*Ha-Tschi

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Ich reise mit. Ich kenne einige, die schon in Indien waren, aber so ganz konnte ich mich bisher nicht begeistern. Wenn ich schon nicht da bin, bekomme ich so zumindest Erfahrungen aus erster Hand  :wink:

*Wilder Löwe

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Ich komme auch wieder mit und schwelge in Nostalgie.
Viele Grüße
Katrin

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Ja, Indien polarisiert ziemlich: Ich finde das Land einfach nur toll!

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SO, 22.3.2015

Der Tag beginnt diesig und früher als gestern. Schon gegen 23 Uhr habe ich geschlafen und bin somit nun gegen 7.30 Uhr gut ausgeschlafen.

Nach dem Frühstück mache ich mich auf den Weg mit dem Taxi zum Victoria-Bahnhof, der Central Station, wo ich hoffe, die Dabbah Wallahs zu treffen. Der Taxi-Wallah, der mich vor dem Hotel als erstes anspricht, wird gleich von mehreren Kollegen lautstark in die Flucht geschlagen, was auch immer er wohl falsch gemacht haben mag, er springt panisch ins Auto und düst mit quietschenden Reifen davon. Ich nehme von den Kollegen trotzdem keinen. Sie wollen für die Fahrt zum Bahnhof einen Fixpreis von 150 Rupies. Der korrekte Preis betrage 50 Rupies, schätze ich, und liege genau richtig. Ich gehe einmal um die Ecke, und der erstbeste Taxifahrer fährt mich nach Taxameter für exakt den Preis.

Nun weiß ich auch wieder, warum ich für heute eigentlich bei Reality Tours die Dharavi-Tour gebucht habe. Ich wollte gerne unter der Woche in Mumbai unterwegs sein. Aber da die Company mich mangels Kundschaft für heute so nett gebeten hat mich der Tour morgen anzuschließen, stehe ich hier auf einem ziemlich leeren Bahnhof und kann wieder nicht die Dabbah Wallahs bewundern… Immerhin ist der Bahnhof World Heritage Site und verdient entsprechende Aufmerksamkeit.













Am Bahnhof vorbei mache ich mich auf den Weg zu den verschiedenen Märkten, die dahinter liegen und lande als erstes beim Crawford Market. Jemand erklärt mir, er sei staatlich verpflichtet mich über den Markt zu führen, das sei sein Job, “no money, Mam”. Ich gehe einfach weiter und er trollt sich, dann brauche ich ihn wohl doch nicht so dringend...

Es ist Mangosaison und einige der begehrenswerten Früchte landen in meiner Tasche, sicherlich immer noch zu teuer, aber egal. Nach zähen Verhandlungen zahle ich mindestens 50 Rupies mehr als ich zahlen wollte, aber immerhin auch 30 weniger als der “last price” des Mango-Wallahs ist. Im Nachhinein erfahre ich allerdings, dass ein Kilo Mangos derzeit noch 120 bis 150 Rupies kostet, also habe ich mich mit 150 Rupies wohl tapfer geschlagen.

Ich schlendere durch die bunte Markthalle mit Obst und Gemüse, in der leider auch bedauernswerte Tiere in der Hitze ohne Wasser in viel zu kleinen Käfigen auf einen Käufer warten. Am liebsten würde ich alle Katzen, Hunde, Tauben, Wellensittiche und Häschen kaufen und sie in Freiheit entlassen.





Knapp hinter der Markthalle liegt die Jama Masjid, die (noch?) verschlossen ist. Es schließen sich Marktgassen an.











Übrigens: Ich bin schon den zweiten Tag in Indien und bin noch nicht angegrabscht, übers Ohr gehauen oder übel angestarrt worden. Ich habe noch niemanden gesehen, der auf die Straße gep… hat und außer im Bahnhof bin ich noch nicht über so dreckigen Boden gegangen, dass ich befürchten musste mir Pest und Cholera bei einem Sturz zu holen, und auch der Bahnhof war nicht schlimmer als der meines Heimatortes in den 70ern.

Ich reagiere das eine oder andere Mal sicherlich etwas pampig, wenn jemand mir etwas aufschwatzen will, aber es überwiegen diejenigen, die einfach freundlich grüßen, Kinder, die “helloooooo” und “bye bye” sagen.

Es wird schon wieder verdammt heiß, sodass ich in einem Café den ersten Mangolassi dieses Urlaubs trinke. Ach, was sage ich, bei der Glasgröße nehme ich doch glatt gleich zwei! Leider sind die Dosas gerade nicht lieferbar, auf westliche Sandwiches oder Pizza habe ich keine Lust, also bleibt es dabei.

Ich lasse mich von einem Taxi zu den Hanging Gardens fahren. Diese liegen am Ende der Bucht, bzw. des Marine Drives, an dem auch mein Hotel steht, definitiv zu weit zum Laufen bei der Hitze! Das Viertel heißt Malabar Hill, eine der reichsten Gegenden Indiens.

Die Hanging Gardens sind mäßig spannend, so als Garten für sich betrachtet, aber auch hier liegt über allem ein indischer Sound und indisches Flair. Leute entspannen in Pavillons im Schatten.





Hinter den Hanging Gardens liegt die gruselige Bestattungsstätte der Parsen: Erde, Feuer, Wasser dürfen nicht mit Toten beschmutzt werden, und so werden hier in den Towers of Silence die Toten in Türme auf Gitter gelegt, sodass Aasgeier sie holen sollen. Die dann von der Sonne ausgetrockneten Knochen fallen dann durch das Gitter in den Turm. Da die Geier aber ausgestorben sind, was am Paracetamol liegt und ich nicht weiß, ob wieder welche angesiedelt wurden, wie 2012 geplant, weiß ich nicht, ob hier aktuell bestattet wird. Jedenfalls kreisen keine Geier hier und es liegen auch keine verlorenen Finger und Ohren zu meinen Füßen.

Ich gehe wieder den Malabar Hill hinunter, komme vorbei an ärmlichen Hütten der Obdachlosen aus einigen Latten und Planen und stehe plötzlich vor dem Hare Krishna Tempel.

Wow, hier geht die Post ab: Das Hare Krishna Mantra wird gesungen. Das ist ja ganz einfach, hat schließlich auch in die Popsongs meiner Jugend Einzug gefunden, und so singe ich mit, schwinge die Arme über dem Kopf, wenn es die anderen tun und klatsche mit, wenn es die anderen tun. Ebenso wie die Aussteiger in den 70ern sehen die Gläubigen hier sehr glücklich aus bei dem, was sie tun. Fotografieren ist erlaubt, ich werde von den Gläubigen angestrahlt und darf mich setzen, brav auf die Frauenseite rechts.

Ich höre ein wenig zu und gehe dann wieder. Hier hat es mir gefallen, sehr empfehlenswert!



















Eher der Vollständigkeit halber gehe ich noch zum Chowpatty Beach, dem südlichen Stadtstrand von Mumbai. Im moderneren Norden gibt es noch einen anderen Strand, aber den werde ich wohl nicht zu sehen bekommen. Es sind einige Leute hier: Eisverkäufer, ein Mann schläft in der Gluthitze im Sand. In der trüben Brühe, die aus der Ferne so verlockend glitzert, badet niemand.





Ich will lieber am Pool schlafen und schnappe mir das nächste Taxi, das mich die letzten drei Kilometer für weniger als einen Euro zum Hotel bringt. Ich lasse mir die Mangos schmecken als Ersatz für das Mittagessen. Ansonsten endet der Tag wie der gestrige…






*MisterB

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Hi.

>>Upgrade auf die Club-Etage aufschwatzen

>> Frühstück auf dem Flur   :kratz:

Was war das denn fürn Upgrade ?   :D

Bitte mehr von den tollen Bildern. Ich glaube da muss ich unbedingt auch mal hin. Ich will auch mal so einen Scherenschleifer mit eigenem pedalangetriebenen Schleifapparat in Aktion sehen. *lol*

Gruß
Bernd
Meine kleine Reiseseite mit meinen Reiseberichten
http://www.berndsteinke.de


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Berechtigte Fragen:

Alsooooo: Frühstück in der Club-Lounge auf der gleichen Etage.

Besser? ;)

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MO, 23.3.2015

Heute geht es ins Abenteuer in den Dharavi-Slum.

Und so langsam erkenne ich Indien wieder, das sich mir die letzten Tage sehr zivilisiert präsentiert hat, vielleicht auch wegen meiner Abschottung hinter die Mauern meiner 5 Sterne…

Ich gehe zu Fuß zum Treffpunkt für die Tour. Noch ist es nicht so heiß, und ich möchte ein wenig Street Life mitbekommen. Heute ist Montag, deshalb ist deutlich mehr los als am Wochenende.



Am Wegesrand steht ein Mann, dessen Beine zittern. Ich denke, ach, der Arme, ist das Parkinson in dem Alter schon? Aber nein, als ich mich nochmals nach ihm umdrehe, sehe ich seine Hand sich in der Hosentasche heftig bewegen und kann mir den Grund denken. Na dann, viel Spaß noch.

Die Dharavi-Tour beginnt pünktlich. Meine Mitreisenden sind ein belgisches Paar und ein Paar aus New York. Der Guide heißt Rakesh und hat ein sehr warmes Lächeln und ist selbst in einem Slum aufgewachsen, allerdings nicht in Dharavi. Der Fahrer ist blutjung, bildhübsch und hat Glutaugen. Beide sprechen tolles Englisch und sind äußerst angenehme Zeitgenossen. Beide haben das, was viele Inder der relaxten Sorte haben: Sie lachen mit den Augen, zum Heulen schön.

Zunächst erfahren wir beim Vorbeifahren am Victoria Terminus, dass 10 Millionen Menschen täglich die Bahnen nutzen, jeden Tag sterben einige, denn sie überqueren die Gleise unerlaubt oder stürzen aus den offenen Türen der Züge. Die Züge halten für so etwas jedoch nicht an.

Wir passieren das größte Rotlichtviertel Mumbais und erfahren etwas über die Situation der Prostituierten hier in der Stadt, die teilweise wie Sklaven gefangen gehalten werden, in jedem Fall aber außerhalb der Gesellschaft leben und keine Chance haben zu ihrer Familie zurück zu kehren.

Wir bekommen erste Infos zu den Slums: Diese sind nicht die improvisierten Schutzhütten aus ein paar Stäben und Planen, wie es sie immer wieder am Straßenrand gibt, sondern Wohngebiete auf öffentlichem Grund. Wer in einem legalen Slum lebt, hat Glück, denn er hat Wohnrecht. Die illegalen Slums können jederzeit ersatzlos abgerissen werden. Außerdem gibt es in Mumbai noch die zahllosen Obdachlosen, berufsmäßige und organisierte Bettelei und etwa 250.000 Straßenkinder.









Entgegen allem, was man so landläufig denkt, wird in den Slums hart gearbeitet - wie hart, davon können wir uns heute überzeugen. Und nein, wir werden nicht angefasst, nur angestarrt, nicht angebettelt, weitgehend ignoriert.

Die Gemeinschaft hier ist eng, wie ich schon aus “Shantaram” erfahren durfte. So leben aber heute auch teilweise noch die im Slum, die es geschafft haben: Ärzte, Bankangestellte, Lehrer und Mitarbeiter aus den Hotels. Wir sind akzeptiert, da Reality Tours eine gute Beziehung zu den Bewohnern hat.

Wir halten zunächst jedoch noch an Dhobi Ghat, der größten Wäscherei Asiens. Aus ganz Mumbai wird hier die Wäsche gesammelt, nach Farben sortiert gewaschen, getrocknet. Und wie durch ein Wunder bekommt jeder die eigene Wäsche zurück, da diese mit einer Kennzeichnung nach einem System versehen wurde, das wohl nur die Wäscher selbst verstehen.















Im Slum herrscht Fotoverbot. Zwar gibt es inzwischen auch Slumtouren, bei denen man fotografieren darf, aber Reality Tours ist das Original, hat sich die Rückgabe eines Großteils der Einnahmen an den Slum auf die Fahne geschrieben, und ist eine Non-Profit-Organisation, die die Guides gut bezahlt und nicht mit der Armut der Slumbewohner Geschäfte macht. Das verdient meiner Meinung nach Unterstützung, und ich hoffe, dass das Image auch der Wahrheit entspricht.

Wir besuchen zunächst die Commercial Area. Hier wird Plastik und Aluminium recycelt. Es stinkt erbärmlich. Hier sind fast nur Männer zu sehen, die vom Land kommen und aus finanzieller Not hier arbeiten und ab und zu ihre Familien besuchen. Die Lebenserwartung derer, die hier arbeiten, ist nicht sehr hoch. Die Gifte, die hohe Unfallgefahr, und niemand ist krankenversichert. Dennoch strömen immer noch viele nach Mumbai, dem reichen finanziellen Zentrum, in dem noch Geld verdient werden kann. Wir haben vom Dach eines Plastikrecyclers einen Überblick über den gesamten Slum mit den auf den Dächern gestapelten Gegenständen, den Wellblechbaracken und den engen Gassen, in denen man verdammt aufpassen muss, dass man nicht ausrutscht und im Dreck landet.

Es schließt sich zunächst die muslimische Wohngegend an, dann die hinduistische Wohngegend. In den Wohngegenden sind mehr Frauen unterwegs, denn die Bewohner hier leben hier mit ihren Familien und verlassen den Slum zum Arbeiten. Wir erfahren, dass es hier immerhin 2 bis 3 Stunden täglich Wasser gibt, außerdem Strom, sofern er nicht ausfällt und eine Kanalisation. Außerdem gibt es Schulen, Krankenhäuser, einen Markt, Restaurants.

In den Wohngegenden gibt es außerdem nur Betriebe, die ohne Gifte auskommen. Somit ist es hier ruhiger und es stinkt weniger. So schauen wir in eine Bäckerei und eine Schneiderei, in der gerade rosa Mädchenkleider genäht werden.

An einer Ecke stehe ich im Weg, Derjenige, der mit seinem Gepäck auf dem Kopf vorbei möchte, spricht mich nicht an, sondern klopft auf ein Blechfass neben mir, aber er drängt mich auch nicht zur Seite.

Dennoch haben die winzigen Häuser, von denen wir eines besichtigen, keine eigenen Bäder, sondern es werden allgemeine öffentliche Toiletten benutzt, der Abwasserkanal stinkt und das Wasser wird ungeklärt in das Arabische Meer geleitet. Das leerstehende Haus, das wir ansehen, wird normalerweise von 4 bis 5 Personen bewohnt und hat eine Größe von insgesamt vielleicht 12 qm inklusive Ecke für den Herd und den Wassertank.

Wir gehen ein ganzes Stück durch eine enge Gasse, die fast zu Platzangst führt. Gut, dass es so spannend ist, dass ich gar nicht zum Nachdenken komme. Man kann hier wegen der herunterhängenden Stromleitungen nur gebückt gehen. Begegnen darf einem hier niemand, der Boden ist nass von der überirdisch liegenden leckenden Wasserleitung, es ist duster. Dennoch riecht es aus so mancher Behausung lecker nach Essen, manchmal aber auch deutlich unangenehmer.

Leider können wir wegen einer Trauerfeier das Community Center nicht besichtigen, aber die angrenzende Schule schon.

Es geht noch über das Gebiet der Töpfer in das Büro von Reality Tours, in dem wir online mit dem hier vorhandenen WIFI einen Rückmeldebogen ausfüllen und uns für die Zusendung eines Links zu Fotos aus Dharavi eintragen können.

https://www.flickr.com/photos/119419058@N08/sets/72157641841763365/

Übrigens: Im Gegensatz zu allen Tours wird hier nicht in einem einleitenden Vortrag vor dem Verdursten und dem Tod durch Unfall gewarnt, obwohl das hier sicherlich deutlich wahrscheinlicher ist als auf einem einfachen Trail in einem amerikanischen Nationalpark. Dennoch gibt es nach der Anfahrt zum Slum und vor der Rückfahrt die Möglichkeit eine ordentliche Toilette zu besuchen und Wasser zu kaufen, und auch unterwegs kann man nochmals Wasser kaufen.

Ist die Dharavi-Tour mit Reality Tours empfehlenswert? Ja, unbedingt: Auf eigene Faust bekommt man das hier nicht zu sehen. Den Umgang des Guides mit den Bewohnern empfinde ich als respektvoll, und da die Organisation vielen Guides, die selbst aus Slums stammen, Arbeit gibt, finde ich, man muss keine Skrupel haben. Auch die Bevölkerung des Slums schien zumindest nicht gegen uns Besucher zu sein.

Schließlich hat die Tour mein Bild von den nicht arbeitenden und in ihrem Elend herumgammelnden Slumbewohnern deutlich zurecht gerückt. Und ebenso wie der unendliche Reichtum der Bewohner des Nobelviertels Malabar Hill zu Mumbai und Indien gehört, so gehört auch die Armut in den Slums zu Indien. Kein Grund das zu verschweigen, sofern der Umgang mit diesem Thema mit dem nötigen Anstand und Respekt verbunden ist.

Früher als sonst nehme ich meinen Platz auf der Poolliege ein und wasche den Staub ab. Früher als sonst habe ich daher auch genug und breche auf zu einem Bummel an den Colaba Causeway und nochmals zum Gateway of India. Nun erst merke ich, dass ich vorgestern bei meinem ersten Besuch hier noch gar nicht wirklich angekommen war. Nun erst kann ich das bunte Treiben wirklich genießen. Im Grunde esse ich heute erstmalig in diesem Urlaub so richtig indisch im Café Leopold und genieße das Dunkelwerden am kitschig beleuchteten Gateway of India.







Und nun passiert auch das, was im letzten Indienurlaub so typisch war: Ich darf gemeinsam mit den vielen indischen Touristen in die Kameras grinsen. Eine bettelnde Mutter schickt ihr kleines Mädchen hinter mir her um mir die Wasserflasche abzubetteln...

Und morgen? Morgen ist Schluss mit Indien light, morgen  geht es in den Süden: Ich hoffe auf Landleben, bunte Tempel, Tee- und Gewürzplantagen. Und vor allem hoffe ich, dass der von Ashok Taxi Tours, der Agentur von Indien 2013, empfohlene Fahrer auch wirklich eine gute Seele ist.

*Wilder Löwe

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Toller Bericht bisher. Besonders die Slumtour hört sich sehr interessant an, denn wie Du schon sagst, alleine bekommt man das nie zu sehen.
Viele Grüße
Katrin

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Danke, Katrin.

Leider verbinden so viele Deutsche (Europäer) Indien mit Horrorgeschichten und schrecklichen Bildern: Da geht es immer wieder um Vorurteile zu Dreck, Gestank, Korruption, Gewalt.

Leider hatte man auch in mir diese Vorurteile geschürt vor der ersten Reise 2013, aber obwohl der Norden viel krasser war als der Süden, fand ich es bei weitem nicht so schlimm, wie man es sich in der Phantasie ausmalt.

Der Süden hingegen ist hinsichtlich dieser Aspekte meiner Meinung nach nicht von anderen asiatischen Zielen wie Thailand, Malaysia oder auch Bali zu unterscheiden.

Ich denke auch, dass sich einiges tut. Ich habe etliche Male Schilder gesehen, die auf plastikfreie Zonen hinwiesen (nun ja, wenigstens den Versuch gibt es), Rauchen in der Öffentlichkeit ist verboten, Vermüllung wird bestraft, und wenn man in einem Laden sagt, man will keine Tüte wird dort weniger mit Erstaunen und Unverständnis reagiert als in den USA. Dann bekommt man eine Tüte aus so dünnem Stoff oder die Ware steckt man in eine mitgebrachte Tasche.

*Inspired

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DI, 24.3.2015

Das ist ja gerade nochmal gut gegangen! Beim Einschlafen weit nach Mitternacht fällt mir auf, dass man ein ausgedrucktes Ticket braucht um den Flughafen betreten zu dürfen. Und Miss Kontrollzwang hat es ausgerechnet bei diesem Schriftstück nicht so eng gesehen, hat nur das Update zu veränderten Flugzeiten mit Buchungsnummer, aber ohne Namen dabei.

Wie von der Tarantel gestochen springe ich auf, mache ich mich auf den Weg zur Rezeption. Noch auf der Etage werde ich angehalten von meinem Lieblingsmitarbeiter mit dem sanften Blick, der mir das Internetterminal mit Drucker zeigt (ich hätte ihn küssen können), und ein paar Minuten später sinke ich wieder in die Kissen, puuuuuh.

Viel zu kurz ist die Nacht. Das Auschecken zieht sich ewig hin, begleitet von dem üblichen indischen Smalltalk wohlerzogener Hotelmitarbeiter: “Is it your first time in India?” “Is it your first time in Mumbai?” “How was your stay?” “Where are you heading to now?” Irgendwie ziemliche Beschäfitigungstherapie.

Ein schnelles Frühstück, und ein Chauffeur in weißer Livree fährt mich in einer schwarzen Limousine ohne Hinduschrein zum Flughafen.

Fahren können die hier alle: beherzt, aber ohne mich durchzuschütteln, obwohl es manchmal wirklich knapp erscheint und man froh sein kann, dass alle schön in ihrer Spur bleiben.

Das erwachende Mumbai hat irgendwie etwas. Es geht im grau-rosa Morgendunst vorbei an beleuchteten Mini-Tempeln, gleißend beleuchteten Bauten aus Stahl und Glas, an Industrieanlagen, und nun bekomme ich doch noch die Hadschi Ali Moschee im diffusen Licht der Dämmerung auf ihrem Felsen im Meer vor Mumbai zu sehen.

Natürlich bin ich viel zu früh am Flughafen. Und vor den Toren des Flughafens hat Jet Airways einen Schalter, in dem man mir bestimmt auch mein Ticket nochmals hätte ausdrucken können. Im Gegensatz zu den anderen indischen Flughäfen geht hier alles sehr fix und sehr locker. Fast unmerklich landet der Handgepäckstempel auf dem Anhänger, als ich in der Schlange für Frauen durch den Sicherheitscheck gehe.

Der Flug dauert nur eine Stunde. Zwischen zwei indischen Herren eingequetscht, verschlafe ich ihn trotzdem vollständig.

Meine Tasche und dann Mr. MCS Shekhar werden begrüßt. Er wird mich die kommenden knapp drei Wochen fahren. Er geht mir nur bis zur Schulter, ist ein äußerst freundlicher Mann: Tiefschwarz, nur auf dem Kopf stellenweise leicht ergrauend mit strahlend weißen Zähnen. Und auch er lacht übrigens mit den Augen, wie ich an den kommenden Tagen immer wieder feststelle, wenn sich unsere Blicke im Rückspiegel begegnen.

Wir fahren knapp 1,5 Stunden nach Udupi, wo ich im Krishna-Tempel die einzige Touristin bin. Shekhar begleitet mich in den Tempel und erklärt mir einige der Riten. Ich darf auch Wasser in Empfang nehmen, es schlucken (mache ich natürlich nicht) und mir den Rest auf den Kopf streichen.

Herrlich, wie selbstverständlich freundlich, offen und ein bisschen neugierig ich aufgenommen werde!







Leider darf man im reich mit Silber ausgestatteten Haupttempel nicht fotografieren, nicht einmal den Tempelelefanten davor, aber in einem Nebentempel darf ich knipsen und mache es gern.













Nach dem Tempelbesuch gehe ich essen. Shekhar lädt sich nicht selbstverständlich selbst mit ein, sondern ich frage ihn, ob er mitkommen möchte. Fast widerstrebend willigt er ein. Na bitte, den einen Euro für das zweite Essen für ihn habe ich doch gerne übrig!

Es geht weiter in mein Domizil für eine Nacht, ins Paradise Isle Beach Resort. Zum Glück nur für eine Nacht, denn das Hotel könnte schön sein, wirkt aber deutlich vernachlässigt. Man findet meine Reservierung erst auf den zweiten Blick und nimmt erst einmal so hin, als ich vorweise, dass diese bereits bezahlt ist.

Ich will an den Pool, aber das ist nicht schön. Es gibt keine schönen Liegen, das Wasser ist etwas trübe, es riecht unangenehm nach Abwasser. Als eine Reisegruppe Inder aufkreuzt, weiß ich zunächst nicht, ob ich es lustig oder nervig finde, denn es sind wirklich sehr viele, die sich gegenseitig ins Wasser schubsen. Eine Atmosphäre wie im Freibad in Deutschland an einem Augusttag in den Sommerferien mit 35 Grad. Als zwei von denen anfangen sich ernsthaft zu prügeln, entscheide ich mich für “nervig”.

Gut, dann gehe ich doch lieber am Strand spazieren. Das wiederum ist sehr schön. Irgendwann stößt zufällig Shekhar dazu, der mir erzählt, dass er weder raucht, noch trinkt, noch Betelnüsse kaut im Gegensatz zum Fahrer 2013, was ich auch sehr angenehm finde. Als ich sage, dass ich noch ein bisschen weiter gehen will, springt er schnell auf und verabschiedet sich. Ich denke, er will nicht nerven. Sehr schön - so kann “einen Fahrer haben” also auch sein…















Ich lerne in der Kneipe nebenan, in der ich nun endlich auch Masala Dosa (so eine Art hauchdünner eher knuspriger Pfannkuchen gefüllt mit Gemüse) zu essen bekomme. Am Nebentisch sitzen einige junge, moderne Inder mit Kater “Smokey”, den ich gerne mal fotografieren darf.


*MisterB

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Jetzt habe ich ein wenig gegoogled und mir auch mal die Reality Tours angeschaut.
Nach ein wenig weiterschauen kriegt man auch unzählige andere Anbieter die einen mehr oder weniger persönlich durch die Stadt und auch durch die Slums führen.
Also check. :)

Deine Beschreibung deiner Tour mit dem netten Herren als Fahrer startet ja auch schonmal ziemlich gut an.
Verrätst du auch hier, welche Agentur das ist und wie du das gebucht bzw. arrangiert hast ?

Also der Lonely Planet Indien ist schonmal bestellt. Ich glaube ich muss da mal viel lesen. Je nachdem werde ich dann nämlich mein Reiseziel Mittel/Südamerika nächstes Jahr schnell mal tauschen gegen Indien. Da habe ich jetzt echt absolut Lust drauf !

Wie sieht es aus mit "im Land rumkommen" ? Ist das Fliegen von A nach B empfehlenswert oder doch mal der Zug ?

Gruß
Bernd
Meine kleine Reiseseite mit meinen Reiseberichten
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*Inspired

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Hallo Bernd,

da kann ich nun ganze Romane schreiben ;)

Wenn du dich für Südindien interessierst und nicht unbedingt auf Tiger im Nationalpark aus bist, dann würde ich im Herbst fahren, dann, wenn es in Deutschland fies wird. Dann ist im Süden nämlich die Regenzeit vorbei und alles wird schön grün.

Ich bin bei beiden Reisen größere Strecken geflogen. Zwar berichten Backpacker, dass man prima mit dem Zug fahren kann, allerdings wollte ich das nicht allein als Frau. Ich fahre ohnehin nicht so gerne Zug, und ein Nachtzug wäre auch in Deutschland nicht meine erste Wahl gewesen, denn auch wenn man Geld für ein Hotel spart, würde ich wohl nicht zu denen gehören, die am nächsten Morgen entspannt ankommen. Na ja, vor allem ginge es mir um das Abenteuer Zugtoilette, das ich persönlich mir gerne ersparen wollte ;)

Mit Jet Airways habe ich auf 3 Inlandsflügen gute Erfahrungen gemacht. Dann wurde mir noch IndiGo empfohlen, ist eine Ecke billiger und hat wohl auch einen guten Ruf. Inlandsflüge sind gut erschwinglich.

Und Shekhar kannst du einfach buchen, indem du ihn per Mail oder Whatsapp kontaktierst. Den gibt es nicht über eine Agentur. Und die Kontaktdaten gibt es bei mir.

Ich habe sehr lange überlegt, ob ich das mache oder über eine Agentur buche. Das Problem ist, dass die Agenturen dir das vor Ort alles ganz gut machen, es dann aber Glückssache ist, ob der Fahrer OK ist oder dich doch in irgendwelche Shops schleppt oder es mit dem Trinken nicht so genau nimmt oder irgendwie versucht dich zu dominieren, weil man ja als Doofie ohne Indienkenntnisse schon sehr auf den angewiesen ist. Ich zumindest neige dann schneller mal dazu etwas abzunicken nach dem Motto: Er wird schon wissen, was er tut.

Ich habe also mit etwas Muffensausen, ob der wohl da sein würde und ob alles klappt, am Flughafen gestanden, obwohl ich mir da ziemlich sicher war, denn wir hatten die Tage vorher immer mal Kontakt.

Du kannst planungstechnisch da jede Variante haben. Du brauchst halt einen zumindest groben Plan, dass er abchecken kann, wie viele Kilometer du fährst und welchen Preis er dir da nennt. Er muss ja auch sehen, ob eine Strecke machbar ist. Beispielsweise haben wir an einem Tag für läppische 250 Kilometer 8 Stunden gebraucht (mit einigen Fotostopps und einer Mittagspause und warterei, als er für Kerala noch Steuern zahlen musste).

Der hilft dir schon den Plan zu vervollständigen, Hotels zu finden, setzt dich an allen Sehenswürdigkeiten und an Restaurants ab nach deinen Wünschen und nachdem du über seine Vorschläge entschieden hast.  Oder du machst es wie ich, besprichst den Plan mit ihm im Vorfeld und buchst deine Hotels vor.

Und wenn ich noch so scharf nachdenke, finde ich nicht das Geringste an ihm als Fahrer auszusetzen: Keine Manipulationsversuche, nicht die kleinste Unzuverlässigkeit, keinerlei Distanzlosigkeit. Du darfst eben nur von einem Fahrer und der Tour nicht erwarten, dass er dein Guide ist und dir das Lesen des Reiseführers erspart oder dass der Tata Indigo XL gleichzusetzen ist mit einem SUV des Autovermieters deines Vertrauens in den USA.

*Inspired

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MI, 25.03.2015

Den heutigen Tag finde ich ein bisschen grau und langweilig. Das kann auch daran liegen, dass der Himmel heute überwiegend bedeckt bleibt.

Es geht früh los, die Fahrt heute nach Hassan ist weit. Superpünktlich steht Shekhar vor dem Hotel und ich bin froh, diesen äußerst schwülen Ort verlassen zu können.



Es geht zunächst durch etwas vertrocknete Landschaft zu einem Jain-Tempel, bei dem wir gegen 9 Uhr ankommen. Für die wohl obligatorische Donation gibt es hier sogar eine Quittung des Pforten-Wallahs, der extra für uns das Tor aufschließt, damit ich nicht bei der Hitze über 100 Stufen aufwärts gehen muss. Er erklärt mir auch, dass das Gerüst um die Statue keinesfalls ein Baugerüst ist, sondern dass von dort im Rahmen einer Festivität die Statue begossen wird mit hunderten von Litern bzw. Kilos von verschiedenen geweihten Pulvern und Flüssigkeiten wie Milch und Kokosraspel - lecker!







Wir schrauben uns weiter die Berge hinauf, wo es grüner und angenehmer von der Temperatur her wird.

Wir halten jedoch kurz um uns Kokosnüsse schlachten zu lassen, Sie kosten hier fast nichts, wahrscheinlich hält hier kaum jemals ein Auto mit Touristen drin.



An einem besonders steilen und kurvigen Pass ist ein kleiner Tempel aufgebaut. Shekhar hält hier kurz und bedankt sich artig bei Vishnu, dem er folgt, dass wir heile oben angekommen sind.

Wir machen eine Kaffeepause, und das kleine Mädchen an der Theke des Minishops mit ein paar Tischen unter Sonnenschirmen sollte eigentlich eher zur Schule gehen, spricht aber trotzdem ein ganz passables Englisch. Ich hoffe, heute ist nur schulfrei oder es sind Osterferien.

Wir halten noch einige Male dort, wo Kaffee wächst, dort, wo Jackfruit wachsen und dort, wo der Pfeffer wächst (hier bleibe ich gern, sollte jemand mich hierher wünschen) und dort, wo Ingwer verkauft wird. An einer Pfefferplantage nötigt Shekhar mich geradezu zum Aussteigen, und die Mitarbeiter kommen langsam zu dem Zaun, vor dem ich stehe, sodass die Neugier auf beiden Seiten besteht.













Die letzten Kilometer nach Belur vergehen schnell. Hier kann ich den Tempel ansehen, der in jedem Reiseführer gefeiert wird. Außer mir ist wieder mal keine Weißnase unterwegs, dafür eine Gruppe Schüler, die alle rosa T-Shirts tragen von einem Tourismusverbund.













Auch der Tempel in Halebid ist in ganz ähnlichem Stil gebaut. Als ich gerade überlege, ob ich vielleicht eine Gruppe fröhlicher Frauen in ihren farbenfrohen Saris um ein Foto bitte, bitten sie schon mich sie zu fotografieren, allerdings schauen sie bitterernst drein bis auf eine. Hätte ich die Damen mal ohne deren Wissen geknipst!







Auch in Halebid besichtige ich nicht so lange, wie Shekhar wohl für mich eingeplant hat. So störe ich ihn beim Autoputzen. Aufgrund der gesparten Zeit aber fahren wir noch zu zwei unbekannten Jain-Tempeln im Ort, an denen ich allein bin, denn so sehr viele Anhänger des Jainismus gibt es hier nicht und bei Touristen sind diese Tempel unbekannt. Und da sage nochmal jemand, dass es in Indien immer so voll sei!







Das Mallige Hotel, in dem ich heute nächtige, ist sehr modern und ziemlich neu. Leider steht Indien “modern” nicht, wenn es nicht um ganze 5 Sterne geht, so wirkt das Hotel eher gewollt als gekonnt und ein wenig billig. Es riecht schlecht im Zimmer. So richtig kann ich mich nicht entscheiden, ob es eigentlich eher nach den ungewaschenen Trainingstrikots einer ganzen Fußballmannschaft riecht oder nach einer toten Mäusekolonie unter dem Bett. Angeblich ist es das Insektenmittel. Stimmt, ein bisschen Mottenkugel ist dabei. Der Raumbedufter, der mir angeboten wird, stellt mich nicht zufrieden. Mal sehen, hoffentlich gibt es morgen keine Kopfschmerzen!

 

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