Mit der Harley ca. 5000 km im Südwesten der USA - Mai/Juni 2009

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*boehm22

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Nun denn, nachdem ich schon so viele ausführliche Reiseberichte gelesen habe, wage ich mich jetzt auch mal an eine "große" Berichterstattung. Es gibt ja nicht so viele Motorrad-Berichte hier im Forum, so wird es hoffentlich nicht ganz so langweilig werden.

Aber Vorsicht, wenn ich mal anfange zu schreiben, kann ich nicht mehr aufhören - also manche Tage werden schon ein klein wenig länger im Text:


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Mit der Harley knapp 5000 km im Südwesten der USA

28. Mai 2009 bis 15.Juni 2009

Im Sommer 2008 war ich gerade aus Hawaii zurückgekommen und mein Bruder erzählte mir, dass er und ein paar Bekannte eine Reise mit einer Harley in den USA, auf der Route 66 oder so ähnlich planten. Kaum hatte ich mich näher damit befasst, wurde die Idee für mich immer interessanter. In einer Gruppe von Freunden, jedoch selbst organisiert und ohne Reisebüro würde die Tour deutlich preiswerter sein, als eine Reise aus dem Katalog.

Bald wurde ein erstes Treffen aller Interessenten gehalten und mir war klar, dass ich auf dieser Harley-Reise durch den Südwesten der USA und Kalifornien  mit von der Partie sein werde.

Die Idee sprach sich im Bekanntenkreis schnell herum und so waren wir schlussendlich eine Gruppe von 17 Leuten auf 11 Motorrädern und mit einem großen Van für das Gepäck, die die Reise zusammen unternehmen wollten.

Aufgrund der großen Gruppe mussten alle Hotels vorreserviert werden, das Risiko war uns zu groß, dann irgendwo kein Zimmer zu finden.

Die Planung, Organisation, Angebote einholen und all das Wichtige erledigten größtenteils Georg und Manfred. Aber auch alle anderen Reisenden wurden in die tägliche Tourenplanung mit eingebunden, bei weiteren Treffen wurde alles Wichtige besprochen und geklärt.

Ich hatte mich im californischen Bikerforum pashnit.com angemeldet, hab mit den Leuten dort unsere Tourenplanung durchgesprochen, bekam viele weitere Tipps und die Bestätigung, daß unsere Tour so machbar ist.



Die Strecke sah nun folgendermaßen aus:
Flug nach LAX, Palm Springs – Lake Havasu City – Route66 – Prescott – Grand Canyon – Page – Monument Valley – Torrey – Bryce Canon – Zion NP – Las Vegas – Death Valley – Line Pine – Yosemite – San Francisco – Hwy Nr. 1 - LA


Und so verging die Zeit mit der Planung wie im Flug – und plötzlich war da der



Donnerstag, 28. Mai 2009:
Flug von MUC nach LAX

Ich hatte einen Prämienflug von Miles+More direkt von München nach Los Angeles für den  Nachmittag gebucht, die restliche Reisegruppe – immerhin 16 weitere Personen flogen frühmorgens von München nach Frankfurt und dann weiter nach Los Angeles und kamen dort am Nachmittag an.

Mein erster Tag sieht ein bisschen anders aus, morgens Caterina für die Schule fertigmachen.
Gegen 9.00 Uhr fahre ich mit meinem Reisegepäck - Reisetasche, Packrolle mit den Motorradsachen und meine Notebooktasche im Seat nach Ingolstadt zur Audi. Der Leasing-Vertrag lief aus und das Auto musste zurückgegeben werden. Nach einer guten halben Stunde bin ich fertig und gehe die kurze Strecke bis zur Bushaltestelle am Audi-Forum und besteige dort den Ingolstädter Airport-Shuttle. Auf dem direkten Wege geht es zum Flughafen München. Ich bin bereits gegen 12.00 Uhr dort – der Flug startet kurz nach 15.00 Uhr. Nach dem Einchecken schaue ich mich ein wenig im Terminal um, dann setze ich mich in die Business-Lounge, um noch eine Kleinigkeit zu Essen (Leberspätzle Suppe mit Butterbrezl) und zu Trinken und dabei im Notebook so schmökern.




(Was soll man bei der Anreise schon für Bilder bringen - deswegen auch von mir die üblichen Luftaufnahmen :D)


Der Airbus startet pünktlich, ich habe einen entspannten Flug mit gutem Essen, 2 lustigen Filmen und kann auch noch einige Zeit schlafen. Wunderbar. Überpünktlich ist dann die Landung kurz nach 19.00 Uhr Ortszeit in LAX, an der Immigration habe ich keine Wartezeit und das Gepäck ist auch schnell zur Stelle.
Leider läßt der Shuttle Bus vom Hacienda Hotel auf sich warten, ich stehe da sicher eine halbe Stunde und warte. Während alle anderen Unternehmen mindestens schon 3x vorbeigefahren waren, kommt mein Bus endlich kurz vor  20.00 Uhr und bringt mich ins Hotel, wo bereits mein Bruder, Georg und Angelika auf mich warten. Der Rest der Truppe ist schon in den Zimmern verschwunden, war ja ein langer Tag.


Als Einstimmung auf Amerika gehe ich noch ein wenig raus – auf der anderen Straßenseite ist  ein Ralphs-Supermarkt, ich stöbere ein wenig und kaufe noch ein paar Snacks, dann zum Starbucks für den ersten Frappuccino in diesem Urlaub und dann habe auch ich die richtige Bettschwere nach einem langen Tag.

Viele Grüße
Rosi
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Das wird Nr. 22 in Nordamerika:



*boehm22

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Und da die Einleitung und die Anreise nicht viel hergeben, gibts jetzt gleich noch den ersten Motorrad-Tag hinterher:




Freitag, 29. Mai 2009:
EagleRider, LA – Palm Springs

Bereits um 6.00 Uhr treffe ich mich mit einem Teil der Gruppe und wir fahren mit dem Hotel Shuttle zum Airport  und von dort mit dem Shuttle von Dollar zur Autovermietung. Wir wollen unseren Van abholen, mit dem Manfred und Josef uns während der Tour begleiten werden.






Ein großer Ford-Van mit drei Sitzbänken für ca. 10 Leute steht bereit. Wir können es bewerkstelligen, dass die hintere Sitzbank ausgebaut wird, somit haben wir einen riesigen Kofferraum für unsere 17 Koffer und Reisetaschen. Schnell zurück zum Hacienda Hotel, wir Autoabholer hatten ja noch nicht gefrühstückt – da bekommen wir auch schon die Mitteilung, dass EagleRider uns um 9.00 Uhr abholen wird – das ist bereits in einer knappen Stunde.
Also ab ins Zimmer, Tasche packen, Motorradklamotten anziehen und alles runter zum Van.
Bis wir damit fertig sind, steht plötzlich der Shuttle von EagleRider in der Einfahrt – also nix mit Frühstück, ab geht es zur Motorrad-Vermietung.

Es dauert ein wenig bis der ganze Papierkrieg für die Übernahme von 11 Harleys erledigt war. Leider sind nur 2 Mitarbeiter dafür und für die Einweisung in die Motorräder zur Verfügung. 15 Dollar will EagleRider als Gebühr, um ein Navi fachgerecht zu installieren und an die Batterie anzuschließen – das lassen mein Bruder und ich dann auch noch machen. Die Werkstatt-Mitarbeiter gehen sehr fachmännisch und schnell an die Sache.





Nach ein paar Runden auf und ab hinter dem Gebäude auf dem Parkplatz habe ich mich an meine Softail Heritage Classic gewöhnt – und wir stehen kurz nach 11.00 Uhr dann aufgereiht zur Abfahrt bereit. Wir haben einen beeindruckenden Fuhrpark von  sechs Electra Glide - vier der Fahrer haben eine Sozia auf dem Rücksitz, zwei Softail Heritage Classic und drei Roadking.

Jeder Reisetag war von einem anderen Gruppenmitglied geplant und dieser übernimmt dann auch gleich die Führung – heute bin ich an der Reihe. Puuh, das ist vielleicht ungewohnt, plötzlich in der Metropole mit dem ungewohnten Motorrad – und dann auch noch auf die Fahrer hinter mir achten, niemanden verlieren, nicht verfahren, ans Navi gewöhnen – ist im ersten Moment nicht ganz einfach.
Wir wollen erst mal an der Küste entlang in den Süden von LA um dann dort bei San Luis Capistrano auf dem Ortega Hwy nach Osten zu fahren.



Die ersten 25 km geht es gleich mal auf den Freeway bis Long Beach um dort der ehrwürdigen Queen Mary einen Besuch abzustatten. Ein wenig die Füße vertreten, bereits ein gutes Gefühl für die Motorräder entwickeln und nach einem kurzen Blick auf das ehemalige Kreuzfahrtschiff fahren wir weiter, jetzt allerdings auf dem Hwy Nr. 1 an der Küste entlang, ist zwar ein wenig nervig mit den vielen Ampeln, aber es ist wenig Verkehr und wir kommen gut voran.
Gegen 13.00 Uhr halte ich an einem Einkaufszentrum – mein Magen hängt ohne Frühstück nun in den Kniekehlen – auch anderen geht es so, und wir fallen mit 17 Mann in einem In-N-Out-Burger ein, die Mitarbeiter sind auf Zack und es dauert nicht lange bis wir alle zufrieden aufgereiht an den Tischen sitzen und unsere Doppel-Cheeseburger verspeisen.
Weiter geht es auf der „One“  vorbei an Newport Beach, Huntington Beach und Laguna Beach und dann auf den Hwy 74, eine schöne kurvige Strecke hoch in die Berge.





Eine längere Pause ist dann wieder fällig am „Outlook Roadhouse“ mit Blick auf den Lake Elsinore. Über eine tolle Serpentinenstraße geht der Weg wieder ins flachere Land runter nach Elsinore, dort werden wir das erste Mal tanken. Wir haben beschlossen, dass wir uns in 3 Tankgruppen aufteilen, jeweils drei oder 4 Harleys werden an einer Zapfsäule betankt, einer von uns zahlt, meist mit KK und bekommt den Anteil der anderen drei in bar zurück.

Weiter in Richtung Osten, in Perris ändere ich die ursprünglich geplante Route ab, wir fahren jetzt auf dem direkten Weg über den Freeway nach Palm Springs – ursprünglich wollten wir noch ca. 130 km durch die San Bernadino Mountains fahren, um dann von Süden nach Palm Springs zu kommen. Diese kurvige Strecke hätte zu viel Zeit gekostet – und da wir erst gegen Mittag losgefahren sind, hatten wir auch so heute genügend zu fahren.

Vorbei an den eindrucksvollen Windrädern vor Palm Springs verlassen wir den Interstate 10 und fahren das letzte Stück bis zum Zielort und zu unserem Hotel, dem Best Western Inn at Palm Springs. Es geht ein sehr starker Wind – kein Wunder, dass hier so viel mit Windkraft gemacht wird, die Temperatur wird von Kilometer zu Kilometer wärmer und wir spüren, dass wir in die Wüste fahren.



Gegen 19.00 Uhr – nach ca. 300 km Tagesstrecke – sind wir am Hotel, Einchecken und Frischmachen geht schnell. Da die Motorräder bereits alle in Reihe geparkt und zweifach mit Schlössern versehen sind (EagleRider wünscht das so), laufen wir um 20.00 Uhr noch zusammen fast 2 km in den Ortskern, und finden ein gemütliches kleines Restaurant, zufällig mit einer deutsch sprechenden Kellnerin. Das kommt den USA-Neulingen in unserer Gruppe gerade recht, damit der Kulturschock am ersten Tag nicht zu groß wird.
Die Fahrstrecke war zwar nicht so viel, aber da wir erst Mittag loskamen und uns an so vieles gewöhnen mussten, war es trotzdem ein langer und anstrengender Tag.




Viele Grüße
Rosi
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Das wird Nr. 22 in Nordamerika:



*tiswas01

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@rosi

super.

ich bin dabei.

die bis jetzt geschilderte tour fuhren wir 2007.


danke für deinen reisebericht.

tissi

*Palo

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Toll, ich komme mit :D

Gruß

Palo

*Angie

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Hallo Rosi,


ist ja klasse, dass du schon beginnst :daumen:.

Und mir gefällt gleich einiges:
Dass du offenbar eine Vielschreiberin bist, dass jeder der Tourmitglieder einen Tag plant und dann auch die Führung übernimmt und wie ihr eure Motorräder - ähnlich einer Perlenkette - vor dem Hotel auffädelt :D. Echt toll!

Ich freue mich auf die Weiterfahrt, Motorrad-Reiseberichte sind leider ziemlich selten, umso mehr genieße ich sie :D.


LG, Angie

Viele Grüße,
Angie

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*atecki

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Super, die nächste Harley Reise! Bin schon bereit ;-)

Axel

*boehm22

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Vielen Dank an die bisherigen Mitfahrer,
ihr könnt Euch ja auch die freien Rücksitze quetschen.

So, nun aber, auf gehts - der nächste Tag ruft:


Samstag, 30. Mai 2009:
Palm Springs – Lake Havasu City

Aufstehen um 6.00 Uhr, das wird sich in diesem Urlaub für uns zur normalen Weckzeit entwickeln. Schnell noch unter die Dusche, dann zum sehr abwechslungsreichen Continental-Breakfast mit viel Obst am Pool, es wird bereits warm, an den Sitzecken sind so Düsen, die Wasser versprühen um uns etwas zu erfrischen. Hält leider nicht lange an, dann als wir gegen 7.30 Uhr an den Motorrädern stehen, ist es schon wieder heiß. Es dauert immer eine gewisse Zeit bis 17 Leute reisebereit sind, und so kommen wir dann gegen 8.00 Uhr los – um dann gleich nach 500 Metern wieder zu stoppen, wir kaufen reichlich Getränke an einem kleinen Supermarkt an der Hauptstraße.



 Dann fahren wir nach Norden in Richtung Joshua Tree NP, vorher in Yucca Valley noch mal tanken, denn auf dem Weg durch den Park kommen wir an keiner Tankstelle vorbei. Im Örtchen Joshua Tree geht’s zur Einfahrt in den wunderschönen Park. Nach wenigen Kilometern erst mal Stopp am Parkeingang. Meine Mitreisenden müssen sich die Annual Passes für die Nationalparks kaufen, meiner ist noch aus dem letzten Jahr gültig – und gilt nun, da ich alleine auf dem Motorrad sitze auch noch für meinen Bruder als zweite Person.





Wir fahren langsam weiter, halten aber an vielen Parkplätzen und Aussichtspunkten an, es gibt so viel zu sehen.













Eine größere Pause gibt’s dann wieder am südlichen Visitorcenter. Wir füllen am Wasserhahn noch mal unsere Flaschen auf, ich komme auf die glorreiche Idee meinen vollen Platypus-Trinkbeutel in das Rückenfach der Motorradjacke zu stecken, der Schlauch klemmt vorne an der Jacke. Nach ein paar Äpfeln und Studentenfutter geht es wieder weiter.

Wir fahren nun zur Interstate 10, um nach ca. 37 km diese bei DesertCenter wieder in Richtung Norden zu verlassen. Jetzt geht es für ca. 150 km durch die trockene und öde Wüste nach Norden und Nordosten, wir haben ca. 45 Grad im Schatten (ohne Schatten), es gibt nicht mal einen Seitenstreifen, um mal anzuhalten, es geht immer wieder auf und ab mit „Bumps“ und „Dips“ – die Sicht nach vorne ist nie besonders weit. Es ist eine sehr anstrengende Fahrt durch die Wüste. Zu meinem Glück kann ich immer wieder an meinem Trinkbeutel nuckeln, auch wenn das Wasser mehr als lauwarm ist, so tut es doch gut.





Nach einiger Zeit kommt mein Vorausfahrender mit der Softail Heritage heran und ruft mir zu, dass sein Tank leer wird, er weiß nicht, ob er Probleme bekommen wird. Da die Softail einen etwas kleineren Tank hat und wir beide diese fahren, will er wissen, wie es bei mir aussieht. Ich spiele  mit dem Navi und suche nach Tankstellen in den POIs (Points of Interest) – in Parker gibt es wieder Zivilisation, ich beruhige ihn, ohne wirklich zu wissen, wie weit er noch kommt.

Dann endlich kommt der Ort Vidal Junction, eine Kreuzung mit einer Tankstelle mit 2 Säulen und ein kleiner Market.






Alls sind froh, sich in den Schatten zu stellen, und erst mal was zu trinken, ich stelle fest, dass ich in den letzen 2 Stunden meinen Beutel fast leergenuckelt habe, die anderen hatten diese Möglichkeit nicht.
An dieser Tankstelle gibt es nur Regular – wir sollen aber mit den Harley nur Premium tanken – also noch mal die Tankuhren gecheckt – bis Parker sind es ca. 30 km, das schaffen wir und so geht es nach einer Pause weiter nach Osten, über den Colorado und dann zur nächsten Chevron-Tankstelle. Das war nun schon fast knapp mit der Reserve, aber nicht beängstigend.





Ein Blick aufs Navi sagt mir, dass 500 Meter weiter sich ein Safeway-Supermarkt befindet.
Es ist jetzt Nachmittag gegen 15.00 Uhr – wir fallen alle im Safeway ein, kaufen paketweise Wasser, ein Sixpack Bier, Cola,  viel Obst und einen Imbiss aus der heißen Theke. Jetzt erst mal eine Essenspause an der Sitzecke des Supermarkts, einen Frappuccino von Starbucks zur Erfrischung, und schon sehen wir die anstrengende Fahrt durch die Wüste wieder lässiger.

Es geht dann noch ca. 60 km nach Norden, immer am Colorado entlang, viele Autos mit Bootsanhängern sind unterwegs, immer wieder mal sehen wir bei einem Blick auf den Fluss die Menschen mit Jetski oder Booten fahren, der Colorado ist hier ein riesiges Erholungsgebiet.
Der Weg zieht sich, aber heute sind wir schon gegen 18.00 Uhr am Tagesziel, dem Days Inn.

Leider ist die Empfangsmitarbeiterin sehr unorganisiert und es dauert fast eine halbe Stunde bis wir alle unser Zimmer beziehen können.
Heute haben wir keinen Kühlschrank im Zimmer, so füllen wir erst mal den Abfalleimer mit Eiswürfel, um unsere Getränke zu kühlen.
Dann ab in den Pool – es ist sehr erfrischend und tut den verspannten Schultern gut ein paar Mal hin und her zu schwimmen.

Andreas und ich beschließen mit unseren Hähnchenteilen und Krautsalat aus dem Safeway am Pool ein Picknick zu halten, dann lauf ich noch eine halbe Stunde durch die Gegend, um ein wenig Ausgleich zu haben. Der Rest der Truppe ist bei einem Mexikaner um die Ecke. Mein Bruder sitzt in der Zeit auf einer Bank neben der Rezeption, als ich zurückkomme höre ich, dass er kurz eingeschlafen war, in der Zeit kam die Polizei und hat ihn kontrolliert, erst das Vorzeigen der Zimmerkarte konnte den Verdacht des „Herumlungerns“  entkräften.
Und das war dann auch schon ein Grund langsam ins Bett zu gehen, war dann  schon wieder gegen 22.00 Uhr, als ich mit ein paar Emails fertig war. Ca 400 km gefahren.

Viele Grüße
Rosi
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*boehm22

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Und weiter gehts mit dem nächsten Tag:




Sonntag, 31.05.2009:
Lake Havasu City – Prescott

Morgens gegen 6.00 Uhr ist es noch angenehm kühl, Frühstück gibt es hier schon ab 6.00 Uhr und ich bin heute die Erste, die sich die üblichen süßen Teilchen und Toast mit Jelly auf Plastiktellern anrichtet.




Bald darauf kommt auch Willi, er hat ein Problem – sein Bruder Joe, der Van-Fahrer hat schon seit Los Angeles Durchfall, kann nichts essen und wird immer schwächer.
Er will heute mit Joe zum Arzt, dann einen Ruhetag einlegen, eventuell ein Auto mieten und überhaupt – schauen wie es weiter geht.

Wir holen in der Rezeption Informationen ein, heute ist Sonntag da müssen die beiden zur Notaufnahme, die Klinik ist nicht weit von hier. Manni, der zweite Van-Fahrer beschließt, hier zu bleiben, bis wir wissen, was mit Joe los ist – dann müssen wir halt telefonieren und schauen, wie es weiter geht.
Wir fahren dann eben heute ohne Begleitfahrzeug, ein paar Flaschen Wasser zusätzlich in die Motorrad-Taschen, tagsüber brauchen wir eh nur Wasser, Obst und Studentenfutter.

Wie üblich geht’s um 8.00 Uhr los. Erst mal nach Norden, dann ein Stück auf dem Interstate nach Westen – und ab Topock auf die Historic Route 66, die nächsten 50 km bis Oatman ist die Straße in einem sehr schlechten Zustand, sehr schmal, viele Kurven – aber kaum Verkehr.
Der geht erst wieder los in Oatman. Dort treffen wir auch andere Harleyfahrer aus Deutschland, die üblichen Esel auf der Straße, es ist schon wieder heiß, wir schleppen die Jacken mit uns, da wir ja keinen Van haben, um die Klamotten reinzulegen.




Eine frische Dose Cola und ein paar Äpfel später geht es weiter in Richtung Kingman. Hier ist schon wieder tanken angesagt. Leider erwischen wir eine Tankstelle mit nur einer einzigen Säule für Premium und so dauert das Ganze wieder etwas länger, bis alle  Motorräder voll sind. Am Ortsrand fahren wir noch mal zu einem Supermarkt, um unsere Vorräte aufzufüllen und dann geht es weiter auf der Route 66 durch Hackberry und Peach Springs nach Seligman.

Als wir in den Ort reinfahren, sehen wir da an der Tankstelle tatsächlich unseren Van mit Joe und Manni und dazu Willi auf seiner Roadking. Die drei waren in der Klinik in Lake Havasu, Joe bekam wegen Lebensmittelvergiftung mehrere Infusionen, konnte sich Medizin bei Walgreen abholen und es ging ihm ganz schnell wieder besser. Auf dem direkten Weg sind die drei dann nach Seligman gefahren, in der Hoffnung uns bald zu treffen.
Nochmal Glück gehabt, und die Tour kann nun wie geplant weiter gehen.








In Seligman legen wir wieder eine längere Pause ein, parken unsere Motorräder in Reih und Glied vor dem Souvenirladen des Friseurs Angel Delgado.
Wieder mal werden wir und unsere Harleys von vielen anderen Touris fotografiert und wir kommen oft ins Gespräch mit anderen Leuten.




Nun kommt auch der alte Herr, der Friseur persönlich mit dem Fahrrad an, er hatte gerade Mittagschläfchen gehalten. Manni nutzt die Gelegenheit, um sich rasieren zu lassen. Bestaunt von einer Meute von Menschen im Raum, an der Tür und vor dem Fenster.





Wir machen eine ganze Menge an Fotos, signieren ein Kfz-Kennzeichen aus Eichstätt und überreichen das an Angel für die Sammlung im Souvenirladen.







Am späten Nachmittag fahren wir weiter, es geht jetzt wieder direkt über die Interstate und dann auf dem Hwy 89 nach Prescott zum Days Inn.





Das war heute ein Tag mit ca. 400 km, anfangs recht langsam und heiß - später flott und angenehme Temperaturen.  Gegen 19.00 Uhr waren wir wieder am Tagesziel, südlich von Prescott. Der Italiener nebenan hat heute Ruhetag, weitere Restaurants sind den Berg runter in der Stadt. Ich schlage vor, dass wir mit dem Van und ein paar Motorrädern zum Outback Steakhouse fahren, da kenn ich mich aus, da weiß ich, dass es mir schmeckt – und die anderen sind auch gleich überzeugt.

Ich bitte um getrennte Rechnungen, es wird auch dazu genickt – schnell werden Tische zusammen geschoben und wir können unsere leckeren Steaks bestellen. Es ist fst nichts los, die Bedienung freut sich sicherlich über den Umsatz. Als es ums Zahlen geht, bekomm ich doch eine Sammelrechnung für alle 17 Personen, gut dass mein Handy einen Taschenrechner hat, und so sammle ich mal reihum das Geld plus Tipp ein, um dann mit einem großes Bündel Scheine zu zahlen.
Viele Grüße
Rosi
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Das wird Nr. 22 in Nordamerika:



*Palo

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Toll, dass ihr bei Angel auch die Rasur gemacht habt. Es ist schon erstaunlich wie ruhig seine Haende noch sind, immerin ist er schon ueber 80.

Gruß

Palo

*Angie

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Rosi, eure Route gefällt mir ausgezeichnet - und die Fotos sowieso :D.
Das leidige Tankproblem - mit schaudern denke ich an ein paar Situationen zurück...

Woher hatte den Joe die Lebensmittelvergiftung? Konntet ihr das klären?


LG, Angie

Viele Grüße,
Angie

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Re: Mit der Harley ca. 5000 km im Südwesten der USA - Mai/Juni 2009
« Antwort #10 am: 07.09.2009, 22:13 Uhr »
Hallo Palo,

war echt erstaunlich, wie zielsicher der alte Herr mit dem Rasiermesser umgegangen ist. War schön, dort ein lange Pause zu machen.


Hallo Angie,

ja, mit dem Motorrad muß man echt oft ans Tanken denken, aber auch so ist eigentlich jede Pause willkommen.

Woher Joe die Lebensmittelvergiftung hat, wurde nicht abschließend geklärt - er meinte ja, es könnte eventuell aus dem Flugzeug kommen, zumindest war das die letzte feste Mahlzeit, die er gegessen hat, danach ging es abwärts.

Eigentlich ja nicht möglich, da dort viele Menschen das gleiche Zeug essen, aber vielleicht hat Joe ja irgendeine Unverträglichkeit oder Empfinglichkeit, die ihm noch nicht bekannt war.


Viele Grüße
Rosi
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*Angie

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Re: Mit der Harley ca. 5000 km im Südwesten der USA - Mai/Juni 2009
« Antwort #11 am: 08.09.2009, 20:48 Uhr »

Hallo Rosi,

Woher Joe die Lebensmittelvergiftung hat, wurde nicht abschließend geklärt - er meinte ja, es könnte eventuell aus dem Flugzeug kommen, zumindest war das die letzte feste Mahlzeit, die er gegessen hat, danach ging es abwärts.

Eigentlich ja nicht möglich, da dort viele Menschen das gleiche Zeug essen, aber vielleicht hat Joe ja irgendeine Unverträglichkeit oder Empfinglichkeit, die ihm noch nicht bekannt war.

Vielleicht hat er auch zu viel der eiskalten Getränke zu sich genommen? Andererseits wäre dann keine Lebensmittelvergiftung diagnostiziert worden :kratzen:.

Naja, Hauptsache, es ging ihm dann besser.


LG, Angie

Viele Grüße,
Angie

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*Crimson Tide

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Re: Mit der Harley ca. 5000 km im Südwesten der USA - Mai/Juni 2009
« Antwort #12 am: 08.09.2009, 21:02 Uhr »
Es macht sehr viel Spaß, hier bei Euch mit zu fahren! 

Und Magenprobleme kriege ich oft drüben, wenn ich Cola mit Eis trinke!

L.G. Monika

*boehm22

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Re: Mit der Harley ca. 5000 km im Südwesten der USA - Mai/Juni 2009
« Antwort #13 am: 08.09.2009, 21:24 Uhr »
Montag, 01.Juni 2009:
Prescott - Grand Canyon

Auch heute wieder um 6.00 Uhr aufstehen, Frühstücken im Hotel, Zusammenräumen und Packen, und wie jeden Tag stehen wir um 8.00 Uhr abfahrtbereit bei den Motorrädern.
Heute morgen ist es sehr angenehm frisch, man merkt, dass wir auf ca. 1500 Metern Höhe in einem Kiefernwäldchen sind.
Einkaufen für heute Abend (Picknick am Grand Canyon) und dann fahren wir zum „Hwy 89 alt“, auf einer schönen Strecke, durch das verträumte Bergwerksdorf Jerome, leider ist die Strasse zum Historic District gesperrt, so können wir nur vom Parkplatz aus an den Hang rüberschauen.




Weiter geht es über viele Kurven bergab in Richtung Sedona, Motorradfahrer-Herzen schlagen höher. Die roten Steine beginnen und die Landschaft wird immer faszinierender – aber es wird auch wieder heiß.
Wir wollten eigentlich den Red Rock Loop im Red Rock State Park fahren, aber schon nach kurzer Zeit stellt sich dieser als unpaved (Schotter) heraus – und auf Schotterfahrten waren wir noch nicht aus.



Dann eben gleich rein nach Sedona, immer auf den Spuren des Navi geht es als erstes zur „Chapel of the Holy Cross“ – einer eindrucksvollen roten Betonkirche am Berghang. Leider ist halb Sedona Baustelle und so müssen wir oft halten, Umleitungen und Staus erdulden  - alles in der Hitze - bis wir dort sind.

Wir sehen dort einen jungen Schweden mit einem sehr schicken Motorrad:








Danach geht’s weiter in die Innenstadt, nachdem wir die Hauptstrasse rauf und runter gefahren sind, wissen wir, dass wir keinen zusammenhängenden Parkplatz für die 11 Motorräder finden – ja eigentlich gar keinen Parkplatz finden und so parken wir dann auf einem Parkplatz etwas abgelegen und laufen wieder zurück.





Die Lage von Sedona ist ja irre toll, aber der Ort selbst ist mir zu touristisch, wenn ich das Gefühl habe, die wollen nur mein Geld – dann gefällt mir das nicht so sehr.







Nach 2 Stunden Aufenthalt fahren wir gegen 14.00 Uhr wieder weiter in Richtung Norden  durch den Oak Creek Canyon in Richtung Flagstaff.

Das ist wieder eine wunderschöne Motorradstrecke und leider viel zu schnell sind wir in der Stadt und versuchen möglichst zusammen zu bleiben, was auch meist gelang – um auf den Hwy 160 in Richtung Grand Canyon zu kommen.
Kaum aus der Stadt ist wieder ganz wenig Verkehr, wir fahren kilometerweit ganz alleine, es geht immer weiter in die Berge und wird ganz schön kalt – als auch noch ein paar Schneeflocken fallen, müssen wir einen Stop einlegen, um Handschuhe etc anzuziehen.



Kurz vor 17.00 Uhr fallen wir in Tusayan ein, einige von uns wollen mit dem Helicopter über den Grand Canyon fliegen, da wir aber nicht wussten wann wir ankommen, konnten wir nicht vorreservieren.
Als wir bei Maverik auf den Parkplatz fahren, kommt grad ein Mitarbeiter aus dem Büro, ich frage schnell, ob es noch einen Flug gibt, die Antwort ist: wenn ein Helicopter voll wird. Auf meine Frage, wie viele Leute benötigt werden, heißt es: sechs – das ist doch unsere leichteste Übung, innerhalb von 10 Sekunden stehen die Fluggäste bereit. Nach Einweisung, Wiegen, Zahlen usw. geht es nach einer halben Stunde zum Hubschrauber.



Wir schauen uns noch den Start an und ein Teil der Gruppe fährt dann gleich weiter in den Nationalpark, wir haben für heute Nacht eine Reservierung in der Maswik Lodge.



Ein Bild vom Helicopter aus


Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, laufen wir gleich die ca. 500 Meter vor zum Rim – es ist immer wieder beeindruckend, wenn man plötzlich vor dem Grand Canyon steht.



Rund um die Maswik Lodge wimmelt es nur so von Japanern, man hat grad das Gefühl in Fernost zu sein. Wir unterhalten uns mit ein paar Leuten aus Oberbayern, als Motorradfahrer kommt man immer sehr schnell mit anderen Leuten in Kontakt.

Nachdem auch der Rest angekommen ist, gehen wir gleich zu einem Picknick an den Rim, um dort bei (leicht verstecktem) Bier und Salamibroten den leider nicht sehr eindrucksvollen Sonnenuntergang zu genießen (es ist fast komplett bewölkt), bis es uns zu kalt wird.
Dann setze ich mich noch auf ein paar Emails mit meinem Notebook in die Lodge und lasse den Abend bald ausklingen.
Heute sind wir nur ca. 300 km gefahren, aber da wir viel getrödelt haben, war es doch wieder ein langer Tag.

Viele Grüße
Rosi
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*Angie

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Re: Mit der Harley ca. 5000 km im Südwesten der USA - Mai/Juni 2009
« Antwort #14 am: 08.09.2009, 21:44 Uhr »

Hallo Rosi,

wieder ein schöner Tagesbericht :daumen:.

Wir sind schon ein paar Mal auf Schotterstraßen gefahren, nicht geplant, sondern überraschend, aber ich muss sagen, dass das nicht gerade das Gelbe vom Ei war. Ich - als Sozius - wagte kaum zu atmen, denn Michael hatte ordentlich zu tun, unsere Pan European 1100STS senkrecht zu halten.

Hatte einer von jenen, die den Helicopterflug machten, ein GPS dabei? Mich würde interessieren, wie tief (oder hoch) der Helicopter flog. Die Sicht schien jedenfalls ganz toll gewesen zu sein.


LG, Angie

Viele Grüße,
Angie

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