17.10.2019
Der heutige Tag war im Grunde fast nur zum Fahren gedacht. Meinem Bruder ging es zwar etwas besser, richtig fit war er aber dennoch noch nicht.
Mit Frühstück aus dem Aldi gegenüber im Bauch packten wir das Auto und machten uns auf den Heimweg, wobei ich jedoch zwei kleine Umwege eingebaut hatte. Zunächst fuhren wir noch einmal durch den Lincoln, um meiner Mama zumindest aus dem Auto heraus noch ein paar Blicke auf das nördliche Manhattan inklusive Central Park zu ermöglichen. Als Berliner bin ich viel gewähnt, fahre auch regelmäßig in andere Städten und Orten, aber hier war schon die Streckenführung spannend. Links abbiegen? Quasi unmöglich. Also: Three right make one left und schon steht die richtige Himmelsrichtung!
Das Fahren in den Straßenschluchten machte schon Spaß und so konnten wir uns gebührend von diesem Trubel verabschieden.
Aus der Stadt raus nutzten wir die I-95, die uns durch Connecticut und (durch den zweiten, geplanten Umweg) auch durch Rhode Island führte. Zwischendurch meldeten sich irgendwann sowohl bei uns als auch beim Auto der Durst. Die nächstgelegene Tankstelle war geschlossen, bis zur übernächsten waren es noch ein paar Meilen. An der dortigen Abfahrt versperrte uns dann die Polizei den Weg, weshalb ich dem Officer kurz unsere Situation schilderte.
Dieser öffnete dann die Absperrung und wir durften die rund 600m zur Tankstelle auf der gesperrten Straße fahren. Für uns nicht nur sehr freundlich, sondern auch wichtig, denn die Reservelampe blinkte uns schon böse an.
Die übrige Fahrt verlief ruhig durch die schönen Landschaften der neuenglischen Bundesstaaten, Bilder haben wir aber den ganzen Tag keine gemacht. Ich war mit fahren beschäftigt, mein Bruder schlief und meine Mama unterhielt sich lieber mit mir, als Fotos zu machen. So kamen wir dann am späten Nachmittag wieder am Haus meines Bruders in Worcester an, luden ihn und seine Sachen aus und verabschiedeten uns nach einem gemeinsamen Kaffeetrinken inklusive Kuchen von ihm.
Für die Nacht hatte ich uns in südlichen Teil Bostons einquartiert.
18.10.2019
Der Tag der Abreise. Der Tag, den man in keinem Urlaub erleben möchte. Der Tag, an dem die Gewissheit, dass man die USA wieder verlassen muss. Aber auch der Tag, an dem man sich wieder auf zu Hause und das eigene Bett freut. Und der Tag, an dem man die letzten Dollars auf den Kopf hauen kann.
Also fuhren wir nach dem Frühstück zunächst an den Pleasure Bay Beach, parkten das Auto dort und stiefelten ein wenig am Meer entlang bis hin zum Fort Independence. Das Wetter war zwar bewölkt und windig, aber trotzdem irgendwie schön.






Hier verbrachten wir eine gute Stunde, uns blieb aber noch immer ordentlich Zeit bis zum Rückflug, der um 19:04 Uhr abheben sollte. Deshalb verlängerten wir unseren Spaziergang auf die angrenzende Nachbarschaft und bestaunten noch einmal die schönen bunten Blätter, die auf den front porches stehenden Pakete diverser Zustelldienste und die eine oder andere bereits bestehende Halloween-Dekoration.




Nun fehlte es uns nur noch, unsere Portemonnaies von überflüssigen Geldscheinen zu befreien. Aus diesem Grund suchten wir den nächsten Target auf und füllten unseren Einkaufswagen mit allerlei Mitbring-Wünschen, Süßigkeiten und anderen Kleinigkeiten, bis auch die letzten Cents aufgebraucht waren.
So bepackt ging es noch einmal zurück ins Hotel, unsere Koffer abholen und umpacken, sowie ins Auto einladen. Nur eine winzig kleine Kleinigkeit hatte ich in unserer Planung übersehen: Der Weg zum Flughafen führte uns durch den Tunnel der I90 unter dem Boston Main Channel hindurch. Soweit kein Problem, wir haben beide glücklicherweise keine Platzangst oder andere Beklemmungszustände. Aber - und das ist ein sehr großes aber - die Rushhour hatte begonnen. Der Tunnel hat einen Fahrstreifen je Fahrtrichtung. Und die Zufahrt ist bei Stau wohl irgendwie limitiert. So ganz bekomme ich es heute nicht mehr zusammen, aber der Weg, für den ich 45 Minuten eingeplant hatte, kostete uns fast das doppelte.
Uns kam an dieser Stelle zu Gute, dass ich beim Fahren notfalls auch mal kreativ werden kann und mir auch eine Lücke im Verkehr schaffen kann, wo eigentlich keine ist. Dieses Verhalten mag ich überhaupt nicht, aber heute war das leider notwendig, denn trotz sehr großzügiger Puffer, die ich bei wichtigen Terminen (wie Langstreckenflügen) immer einbaue, kamen wir mit Abgabe des Autos, einchecken, Sicherheitskontrolle und Co quasi zum Boarding an unserem Gate an.
Diesen Stress hätte ich gerne vermieden.
Die letzte Herausforderung der Reise stellte dann der erneute Umstieg in Paris dar, doch entweder gab es hier eine neue Abkürzung oder wir haben anderweitig gezaubert, denn der sonst recht weite Weg innerhalb des T2 war heute in knapp 30 Minuten bewältigt, so dass wir ganz entspannt auf den Anschlussflug nach Berlin warten konnten.
Was ich damals noch nicht wusste: Das war mein letzter Flug mit Landung am TXL - einen Flughafen, den ich heute ein wenig vermisse. Wohnorttechnisch ist der BER für mich mittlerweile um Längen besser, aber die kurzen Wege, die dezentralen Sicherheitskontrollen, der Flug über Berlin - es hatte schon etwas. Gestartet bin ich noch einmal von TXL, aber seit August 2020 zeigen alle meine Bordkarten nur noch den BER als Start oder Ziel an.
Fazit:
Meiner Mama haben die USA sehr gut gefallen, sie hat sich richtig wohl gefühlt. Auch mir hat dieser nordöstliche Teil viele schöne Bilder im Kopf beschert und ich würde noch einmal im Herbst in diese Gegend fliegen. Aber: Der Südwesten bietet meiner Meinung nach bedeutend mehr Abwechslung an, zumindest wenn man an das Postkarten-USA denkt. Im historischen Kontext und was Städte anbelangt, nehmen sich beide Gegenden wohl nicht all zu viel.
Für eine nächste Reise in den Nordosten würde ich aber gerne NYC auslassen und eher Washington, die Niagarafälle und die Küste in den Fokus rücken wollen. Diese Fahrt stand eben doch mehr unter dem Zeichen des Familienbesuchs.