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Autor Thema: Der große Schritt über den kleinen Teich - wie Mama das erste Mal Amerika erlebt  (Gelesen 40 mal)

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Ich weiß, es ist etwas spät. Und ich weiß auch, dass seit 2019 viel Wasser die Spree hinabgeflossen ist. Aber: Besser spät als nie - deshalb bekommt ihr jetzt mit viel Verspätung noch einen kleinen Reisebericht für das Jahr 2019 von mir.
Dieser handelt vom Nordosten der USA, u.a. Boston, Philadelphia und New York City.

02.10.2019

Aber weshalb kam es überhaupt dazu? Nun, mein kleiner Bruder hat beschlossen, dass er ein Auslandsjahr machen und sein Studium für ein Jahr am College of the Holy Cross in Worcester, MA fortsetzen möchte. Eigentlich wollte ich ihn dort ja gar nicht besuchen (habe ich mir zumindest eingeredet), aber meine mit leichter Flugangst belegte Mama wollte genau das ganz unbedingt. Ein Jahr ohne persönlichen Kontakt zum jüngsten Sohn war also Motivation genug dafür, sich doch mal wieder in ein Flugzeug zu bewegen und den festen Boden unter der Füßen für mehrere Stunden zu verlassen.
In der Planungsphase fragte sie mich dann, ob wir denn auch „mit diesem Doppeldecker da“ fliegen würden - gemeint war natürlich der A380 aus dem Hause Airbus. Also habe ich meine beliebteste Flugsuchmaschine angeschmissen und fand tatsächlich für nur geringen Aufpreis (aber auf Kosten eines zweiten Umstiegs) eine Verbindung von Berlin nach Dallas.
Dallas? Seit wann liegt das denn in Neuengland? Nun, gar nicht. Aber wenn man nun schon mal den Hüpfer über den Teich wagt, dann kann man ja auch gleich mal den Neffen / Cousin in seiner Heimat bei Dallas besuchen gehen. Und so begab es sich, dass sich das Reisegespann aus Mutter und Sohn am 01.10. des Jahres gegen 8 Uhr am Flughafen Tegel wiederfanden.
Pünktlich bestiegen wir das Flugzeug nach Paris und beinahe ebenso pünktlich landeten wir am so beliebten Pariser Flughafen Charles de Gaulle. Das Umsteigen klappte hier wunderbar und Mama fiel beim Anblick des riesigen Vogels, der uns über den Atlantik bringen sollte beinahe die Kinnlade herunter.


Der A380 der Air France in Paris

Die rund 9,5 Stunden an Bord vergingen dank des Bord-Entertainments, dem Essen und etwas dösen wie im Flug, meine Mama verbrachte ungefähr 90% der Zeit in der Luft ausschließlich vor der Anzeige, wo wir uns gerade so befinden.
Schließlich setze uns die Air France sehr sanft auf dem Atlanta Hartsfield-Jackson auf und wir konnten nach der recht zügigen Imigration mit dem vollautomatischen Zug zu unserem nächsten Gate fahren. Die 2,5 Stunden, die wir zum Umsteigen mitbrachten, reichten auch absolut aus. Den kleinen Hüpfer zum DFW ins Zentrum des Metroplexes aus Dallas, Fort Worth und diversen weiteren kleineren Städten verlief ohne weiteren Zwischenfall, weshalb wir gegen 22:00 Uhr Ortszeit vor der Choiceline unseres Mietwagenanbieters standen. Hier erwartete uns der gebuchte Chevrolet Silverado - ein Auto, womit man in Texas definitiv unter dem Radar fliegt. Der Pickup brachte uns dann mit einem kleinen Umweg über einen Target direkt zu unserer Unterkunft in Garland, unweit des Flughafens. Bis zu meinem Cousin wollten wir an diesem Tag nicht mehr fahren.


Unser Kleinwagen für Texas

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Und weil es so lange her ist, gibt es den zweiten Tag gleich hinterher. Der erste war ja eh nur Anreise...

03.10.2029
Jetlag-geplagt fiel die Nacht recht kurz aus, aber das ist auf Reisen ja eher selten ein Problem, sondern bietet nur Chancen, mehr vom Tag sinnvoller als mit Schlaf zu verbringen. Also stärkten wir uns kurz am eher überschaubaren Frühstücksbuffet und machten uns nach dem Auschecken schnell auf den Weg in Richtung Downtown Dallas.
Hier konnte ich meiner Mama ein bisschen was zeigen: Zielsicher parkte ich das Auto an einer Stelle, an der ich schon einmal geparkt hatte und wir stiegen in eine der kostenlosen Trams ein, um uns näher in Richtung Zentrum gondeln zu lassen.


Eine der kostenfreien, alten Trams

Dort angekommen spazierten wir durch die Häuserschluchten, liefen an der Heimat von Dirk Nowitzki’s Dallas Mavericks vorbei und stellten fest, dass Luka Doncic hier mittlerweile auch im Stadtbild das Team vollkommen übernommen hatte.


Na Halleluka!

Vorbei am Book Depository, der Elm Street, dem Founders Plaza und dem Dallas Museum of Art verbrachten wir den kompletten Vormittag schlendernd im tollen Herbstwetter. Erst gegen 14 Uhr brachen wir dann auf in Richtung White Settlement, denn es sollte gleich am ersten Tag ein vernünftiges Essen zum Mittag geben. Und was ist da in Texas besser geeignet als Angelo’s Bar-B-Que? Am Tresen orderte ich für mich eine gute Portion der verschiedensten Spezialitäten und versucht mit Hilfe der sehr netten Verkäuferin einen Sample-Platter für meine Mama zu organisieren - was auch wunderbar funktionierte. So gestärkt hätte ich es sicherlich auch mit dem Wächter am Eingang aufnehmen können, wäre mir nicht das bekannt Suppenkoma dazwischen gekommen.


Bärenhunger? Bärig gut?

Auch meiner Mama hat es sehr gut geschmeckt und pappsatt war sie obendrein auch noch. Also konnten wir uns nun ruhigen gewissen mitten ins texanische Nichts begeben, hat mein Cousin doch vor einiger Zeit ein neues Haus in einer Gegend erworben, in dem man mit dem Auto zum nächsten Nachbarn fahren kann. Unweit des Weltstädtchens Springtown wurden wir dann am frühen Abend freundlich empfangen und bekamen als Zeichen des herzlichen Wiedersehens direkt Brisket aus dem Smoker. Endlich mal wieder gutes BBQ!

Den Abend verbrachten wir recht unspektakulär mit vielen Erzählungen und dem Anprobieren von Mittelaltermode, denn mein Cousin wollte zumindest meine Mama am nächsten Tag nach Oklahoma auf ein Mittelalterfest mitnehmen.