Fr. 03.04.
Erneut weckt mich die Sonne aus dem Schlaf und ich bin kein bisschen traurig darüber, denn so bleibt mir viel Zeit für den Tag. Das Hotel stellt jedem Gast einen Frühstücksteller in den Kühlschrank, weshalb ich mich an keinerlei vorbestimmte Zeiten halten muss.
Zugegeben: Wirklich üppig ist das vorbereitetet nicht, weshalb ich es durch meine eigenen Sachen entsprechend ergänze, aber es ist auch irgendwo typisch amerikanisch.
Hmmm, endlich mal ein ausreichend üppiges FrühstückDie Sonne lacht mich an, als ich nur im Pullover bekleidet den Koffer ins Auto wuchte, dennoch entscheide ich mich dazu, die übrigen Dinge nur mit dicker Winterjacke einzuladen. -21°C zeigt das Thermometer heute früh an - es fühlt sich auch ziemlich kalt an, aber nicht so sehr, wie es die Temperaturen vorgehen. Auch muss ich mein Auto nicht von einer Eisschicht befreien, denn es ist nach wie vor sehr trocken.
Fairbanks ist heute mein Etappenziel und so mache ich mich erneut auf dem Highway 3 auf in Richtung Norden. Vorbei an wunderbaren Landschaften, die einen sehr weiten Fernblick ermöglichen, geht es über die „Jack Coghill Bridge to the interior“ über den Nenana River.
Endlose Weite und viel SonneKurz werde ich sehr neugierig, denn ich passiere die „Clear Space Force Station“ und frage mich, ob ich nun im Raumschiff Enterprise unterwegs sein müsste. Eine kurze Googlesuche sagt mir, dass es sich hier tatsächlich um den Weltraum handelt - die Aufgabe sei der Schutz nationaler Interessen im Weltraum sowie die Abwehr von Bedrohungen aus dem All. Nun ja, man lernt schließlich nie aus.
Für mich geht es ganz irdisch weiter auf der Straße und ich erreich recht zügig mein erstes Zwischenziel des Tages: Nenana. Nenana ist für mich der Inbegriff von Alaska, die vielen kleinen Holzhütten, die schneebedeckt von der Sonne beschienen werden, lassen mich gedanklich direkt wieder in das Eingangs erwähnte Buch fallen. Gefühlt müsste mir Max Gottschalk gleich hinter der nächsten Straßenkreuzung in die Arme laufen und fragen, wie es seinen Eltern im fernen Deutschland so gehe.
Doch dem ist nicht so, außer einem älteren Ehepaar, welches gerade in einen kleinen Supermarkt zum Einkaufen fährt, begegnet mir hier keine Menschenseele. Auch das Roughwoods Inn, ein kleines Café, hat zwar geöffnet, wirkt aber sehr leer. Ich schlendere noch ein wenig durch den Ort, staune über mehrere kleinere und größere Holzschnitzereien und steige irgendwann durchgefroren wieder in mein Auto ein.
Nenana - für mich das stereotype Dorf in AlaskaFairbanks ruft! Also geht es von Nenana wieder auf in Richtung Nordosten, wobei sich das Gelände wieder als deutlich bergiger erweist. An einem Parkplatz kurz vor Fairbanks halte ich noch einmal an, um den Blick streifen zu lassen. In der Ferne (und das ist hier wörtlich zu nehmen) zeigt sich unter anderem der Mount Hess, was einer Sichtweite von ca. 137km entspricht.
Ich kann mich nicht daran erinnern, in Deutschland jemals eine solche Sichtweite gehabt zu haben. Vergleich: Das ist wie von Frankfurt aus das Heidelberger Schloß zu sehen!Doch weiter im Text, respektive auf der Straße. Fairbanks begrüßt mich mit viel Sonnenschein, um 11:00 Uhr bin ich zum Einchecken aber noch deutlich zu früh im Hotel. Also lasse ich mein Gepäck dort zurück und beschließe zunächst ein paar Ecken der Stadt zu erkunden. Mit dem Auto geht es zum Museum of the North auf dem Campus der University of Alaska, in dem es eine Ausstellung zur Tierwelt und zur Geschichte des 49. Staats der USA gibt. In der oberen Etage befindet sich noch eine Kunstausstellung, die mich aber nicht ganz so in den Bann zieht wie die vielen ausgestopften und teilweise auch anfassbaren Exponate im Erdgeschoss. Auch das Gebäude an sich sticht mit seiner spannenden Architektur hervor.
Endlich mal ein Bär!
Blick in Richtung Süden, Fairbanks selbst liegt südöstlich des BildesIm Anschluss ruft mein Magen mich zur Ordnung - die Mittagessenszeit ist schon längst vorbei. Also führt mich google maps auf kürzestem Weg in Richtung Osten Fairbanks, wo ich endlich seit langer Zeit wieder einmal ein Orange Chicken bei Panda Express essen kann. Für mich ist das, zumindest in Kombination mit den super Greens und Chow Mein, noch eine der „gesünderen“ Fastfood-Optionen, auf jeden Fall aber eine sehr leckere.
Schräg gegenüber befindet sich ein großer Walmart, in dem ich mir für das Abendessen noch ein Sandwich und etwas Gemüse kaufe.
So gestärkt und auch für den Abend gut vorbereitet, fahre ich weiter nach Downtown. Hier stelle ich das Auto ab und lasse mich etwas durch die Straßen treiben, finde aber kaum geöffnete Läden. Kein Wunder: Abgesehen davon, dass ich eh noch vor der Tourismussaison da bin, ist aktuell natürlich auch noch Spring Break - viele Geschäfte, vor allem Souvenirläden, bleiben da einfach geschlossen. Davon lasse ich mir aber nicht die Laune verderben, sondern spaziere etwas am Chena River entlang, der sich durch die Stadt windet bevor ich ins Hotel zurückkehre und einchecke.
Sind das diese Eisbären, von denen alle immer reden? Mein Zimmer überzeugt durch seine Sauberkeit, es wirkt zudem sehr modern, aber es ist leider auch eiskalt. Der Grund zeigt sich schnell, denn die Klimaanlage läuft auf vollen Touren und lässt sich nicht abschalten. Der nette Portier nimmt sich der Sache an und stellt fachmännisch fest, das simpel die Batterien des Bedienteils leer seien. Als er diese - um eine schnelle Lösung bemüht - mit denen der Fernbedienung des Fernsehers tauschen möchte, bemerkt er, dass diese gar nicht vorhanden ist. Ein Umstand, der mich nicht aufgefallen ist, denn ich gucke so gut wie nie fern.
So muss er noch einmal nach unten und steht dann mit neuen Batterien vor mir - die Klimaanlage ist aus und der Raum wird wärmer. Ein Glück.
Am späten Nachmittag beschließe ich dann, dass ich noch den nahe gelegenen Pioneer Park besichtigen möchte. Hier gibt es im Sommer eine Art Freizeitpark mit unterschiedlichsten Buden, kleinen Museen und vielen Möglichkeiten zum spielen und toben für Kinder. Auch jetzt im Winter ist der Spielplatz gerappelt voll, das tolle Wetter lockt scheinbar auch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt alle Menschen aus ihren Häusern.
Ich kann mir viele der Attraktionen nur von außen ansehen, bin aber von dem kleinen Ort begeistert. Unter anderem laufe ich so über den Bordwalk der nachgebauten Gebäude des Fairbanks zu Goldrauschzeiten und fühle mich erneut in mein Buch versetzt. Unter anderem ist hier auch der letzte Schaufelraddampfer, der den Nenana River befahren hat, ausgestellt.
The last lady of the riverZurück im Hotel gibt es noch ein Abendessen, danach lese ich noch ein wenig und schreibe Postkarten in die Heimat bevor meine Augen sich schließen.
Während der Reise wurde ich immer mal wieder gefragt, wie denn die Temperaturen so seien. Für mich waren sie total okay, ich hätte es mir sogar noch etwas kälter gewünscht (die richtige Alaska-experience eben). Aber ab diesem Tag konnte ich zumindest mit einem Foto antworten:
...für ein T-Shirt. Ja - ein echtes Nummernschild. Hatte er hinten auch dran.