4 Wochen Los Angeles (inklusive einem kleinen Southwest-Ausflug) im Januar 2008

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*NickMUC

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Seit gestern bin ich aus LA zurück, einer Stadt, die viele Besucher nicht sehenswert finden, die manche sogar hassen, und die ich in diesem Januar besser kennen gelernt habe.
Ich habe dort abendlich ein kleines Reisetagebuch geführt, das ich – obwohl es kein Reisebericht im eigentlichen Sinne, sonder eher so etwas wie ein Blogg ist – hier portionsweise hochladen werde.

Vorausschicken muss ich, dass ich im Wesentlichen zum Fotografieren in LA war, und auch das fast nur downtown, also einem relativ kleinen Teil der Stadt. Insofern fehlen hier ganz viele Aspekte und touristische Sehenswürdigkeiten dieser riesigen Stadt. Und da das Ausarbeiten meiner Fotos noch Wochen dauern wird, bleibt dieser Bericht auch unbebildert. Trotzdem hoffe ich, dem einen oder anderen mit meinen (streng subjektiven!) Eindrücken ein bisschen Lesespaß zu bieten. Und gleichzeitig gebe ich überall da, wo es mir sinnvoll erschien, auch genaue Adressen an, sodass vielleicht das Ganze auch einen gewissen Nutzwert für diejenigen hat, die einen LA-Aufenthalt planen.

Im Voraus entschuldige mich für alle Verallgemeinerungen und bissigen Bemerkungen, die natürlich allesamt ungerechtfertigt sind und grundsätzlich nicht für Anwesende gelten, soweit sie sich auf bestimmte Personengruppen (z.B. Immigration Officers) beziehen.

Einfachheitshalber starte ich mit Tag 1:

Dienstag, 1. Januar 2008

Per Cityhopper geht’s von München nach Zürich – die 40 Minuten Umsteigezeit erweisen sich als reichlich, weil der Anschlussflug mit 30 Minuten Verspätung an den Start geht. Zu schade, dass ich mich in Zürich im Duty Free Shop nicht mit einer Ladung Havannas eindecken darf. Andererseits: solange das Embargo hält, rauchen mir die amerikanischen Zigarrenbanausen wenigstens nicht den guten Stoff weg. Der Flug ist mühsam wie immer, diesmal allerdings mit in-Seat-Entertainment. D.h.: ein kleiner Bildschirm, der so grottendämlich angebracht ist, dass er sich nicht so neigen lässt, dass man auch dann noch was sieht, wenn der Vordermann sich zurückklappt, zeigt – in meinem Fall – Ratatouille. Der verantwortliche Designer war vermutlich ein Zwerg... dann könnte es nämlich gerade so gehen, dass man vernünftig gucken kann. Ich gebe nach einer Stunde auf und widme mich meinem mitgenommenen Buch. Leider war auch  das Essen besonders mau. Falls mich jemand hört: nehmt nie, niemals, never ever das Rinderragout in einem Swiss-Flieger! Igitt. Interessant auch, dass es möglich ist, eine Pizza zu konstruieren, deren Belag kocht (wenn er auch frei von jeglichem lästigen Käsegeschmack ist), deren Boden aber halbroh und kalt ist.

Nach kaum 12 Stunden stehen wir dann auf dem Rollfeld in LA. Auf dem Rollfeld wohlgemerkt, denn der Vorgänger ist mit dem Ausparken wohl nicht klargekommen, also warten wir 20 Minuten, bevor wir andocken dürfen. 30 Minuten an der Immigration, zur Abwechslung mal wieder mit einem stinkigen Officer, der es schier nicht glauben mag, dass jemand freiwillig und alleine für 4 Wochen nur zum Vergnügen ins Land kommt. Mühsam verkneife ich mir den Hinweis, dass ich das wohl nicht täte, wenn alle Amerikaner so piefig wären wie er. Zur Abrundung hat auch der Zoll beschlossen, sich jeden Koffer einzeln anzuschauen. Wartezeit: weitere 45 Minuten in einer laaangen Schlange. Was in dem Koffer ist? Tja, Überraschung: Unterhosen, Socken, T-Shirts, Hemden... was man halt so braucht, wenn man freiwillig und alleine für vier Wochen.... der nette Zöllner glaubt mir und winkt mich weiter.

Der erste echte Lichtblick auf amerikanischem Boden ist der Mann bei der Autovermietung (Hertz). Vermutlich Zufall, dass er aus Ungarn kommt. Nach einem äußerst halbherzigen Versuch, mir ein Upgrade zu verkaufen, gibt er mir zum Fullsize-Preis einen totschicken silbernen Mustang mit Satellitenradio und Pipapo. Ein ausgesprochen nettes Auto, mit dem man flott unterwegs ist, btw.

So jetzt aber... wider Erwarten finde ich freihändig und ohne vernünftige Karte in die Alvarado Street im Bezirk um den West Lake, nahe Downtown. Das Motel (America’s Best Value Inn, 906 S Alvarado St) ist nicht gerade das Ritz, aber absolut erträglich, die Neighbourhood ist, nun ja, räusper, vermutlich ganz OK – wenn man mal die normalen, touristischen Maßstäbe außer Acht lässt. Im Klartext: am Straßenrand stapelt sich der Müll, verdächtig viele Menschen schieben über und über beladene Einkaufswagen vor sich her (und das weit weg von irgendwelchen größeren Supermärkten) und gar mancher Karton auf dem Gehsteig scheint bewohnt. Mexi-Rap dröhnt aus Ghettoblastern (sic!) und... ach was soll’s, ich will ja hier nicht flanieren.

Die erste Nacht wohne ich (weil mein gebuchtes Zimmer vergeben ist) in einer „Suite“, die sich dadurch auszeichnet, dass im Zimmer eine dreiseitig verspiegelte Doppelbadewanne steht. Sehr anregend... ich versuche gar nicht erst, mir auszumalen, was die zu erwartende Clientel dieses Etablissements da so treibt.... schauder.... Beim Mexikaner um die Ecke (Rodeo, 2323 W Olympic Blvd) gibt’s noch einen ziemlich guten Chicken Salad und einen Icetea, dann geht’s früh und müde in die Heia.

Die Frage des Tages: Muss man eigentlich eine gewisse, angeborene Miesepetrigkeit mitbringen, um als Immigration Officer arbeiten zu dürfen oder wird man da angelernt?
Grüße,
Nick
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*NickMUC

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Mittwoch, 2. Januar 2008

Erstaunlicherweise ratze ich durch bis halbacht. Hoppala.... wo ist denn mein geliebter Jetleg, der mich normalerweise um 4.30 aus den Federn treibt? Na gut. Nach dem Umzug ins gebuchte Zimmer hüpfe ich ins Auto und fahre den Wilshire runter Richtung Ozean, da wird ja was zum Frühstück zu kriegen sein. Pustekuchen. Am Santa Monica Pier ist noch alles dicht, das einzige, was schon in Betrieb ist, sind die Rauchverbote. Die Santa Monikaner haben wirklich eine Klatsche. Auf dem Pier sind in regelmäßigen Abständen markierte Flächen, auf denen geraucht werden darf, so dass jeder Nichtraucher sicher sein kann, alle 200 Meter mal so richtig belästigt oder vergiftet zu werden. Nüscht wie weg hier. Bei Norm’s auf dem La Cienega (470 N) gibt es dann endlich Frühstück: Hot Oat Meal. Fein. Und bestimmt gesund. Dann schnell in meinen Mustang und ein Zigarillo entfacht. Let’s go downtown!

An der Ecke 6th und Main ist ein 6-Dollar-Flatrate-Parking, wo ich den Wagen beruhigt parke (mit einer 10.000 Euro schweren Fototasche im Kofferraum). Mit der Digi-Leica streife ich durch den Fashion und Jewellery-District, erstehe ein Gas-Zippo und ein kleines Messer zum Zigarillos-schnippeln. Mittags Lunch bei Clifton’s auf dem Broadway (648 S): der Laden ist sehenswert. Mit Spundholz verkleidete Wände, Sitzgelegenheiten in mehreren Ebenen, angelegt wie eine Hügellandschaft, Tannen, Bäume, Sträucher, ein offener Kamin, eine gigantische Scheibe eines gefällten Baumes, Rehe, die um eine Almhütte äugen – irgendwas zwischen Alpen und Alaska. Und aus dem Unterholz bricht lebensgroß ein kapitaler Elch. In’s Unterholz brechen möchte man angesichts der lauwarmen, fettigen Putenkeule, die meinen Lunch darstellt. Na gut, bei der Deko sei auch das großzügig übersehen.

Die Downtown Area von LA fasziniert mich sofort: einerseits die gläsernen, futuristischen, glatten Skyscraper aus den 80er Jahren bis heute, andererseits die prachtvollen, aber oft recht heruntergekommenen, frühen Backstein-Hochhäuser aus dem Beginn des letzten Jahrhunderts, manche leer stehend, manche schon renoviert, die meisten aber – oft nur im Erdgeschoss genutzt als Verkaufsflächen für ein buntes Durcheinander aus Mode, Schuhen, Gold, Silber und Uhren, Elektronik, allerlei Kitsch und Kram aus Mexico und Hunderten von kleinen Bars, Cafes, Imbissen. Hier wird sehr deutlich, dass fast die Hälfte der Einwohner von LA aus dem hispanischen Raum kommt. Aber so sehr mich die Stadt auf Anhieb gefangen nimmt: fotografisch tappe ich noch im Dunkeln, es ist mehr ein Geknipse, irgendwie fehlt mir die Idee.

Am Nachmittag cruise ich zur Melrose, latsche einmal rauf und wieder runter und nehme einen Coffee Latte im Urth Cafe (8565 Melrose Ave). Das Urth gilt übrigens als Celebrity Spot, hier kann man angeblich auch mal Brett Pitt begegnen – aber der wohnt ja jetzt in Berlin. Bei den Urban Outfitters gibt es zwei V-Neck-T-Shirts für 20 Bucks, was den Waschtag um 4 Tage nach hinten verschieben sollte. Noch ein Tropical-Flavoured Ice Tea (schmeckt, als wenn man an einem Räucherstäbchen lutscht) und dann rolle ich entspannt (mit einer fetten Havanna im Maul) auf dem Wilshire Blvd Richtung Alvaredo St. Kurz vor dem  Meer bestätigt sich dann mein Verdacht, dass ich entspannt in die falsche Richtung gerollt bin. Kehrt Marsch. Kurzer Fotostopp am Olympic Blvd (Koreatown). Bin um 9.00 im Hotel, kaufe im benachbarten Supermarkt noch ein Flascherl Wasser (das leider komplett durchgefroren ist) und ein Tütchen Colesterol Free Fresh Natural Tropical Mix (statt Abendessen). Nacht!

Die Frage des Tages: warum stört sich eigentlich keine Sau in Los Angeles am Smog, am Benzingestank und den Qualmschwaden der städtischen Diesel-Busse? Und warum dann am köstlichen Duft einer Zigarre?
Grüße,
Nick
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*Westernlady

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Die Santa Monikaner haben wirklich eine Klatsche. Auf dem Pier sind in regelmäßigen Abständen markierte Flächen, auf denen geraucht werden darf, so dass jeder Nichtraucher sicher sein kann, alle 200 Meter mal so richtig belästigt oder vergiftet zu werden.

 :shock:

Neeee, oder  :shock: :lol:

*America_Crazy

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Hallo,

Wirklich sehr interessanter Reisebericht der super geschrieben ist. Ich bin dabei und freue mich schon auf die Fortsetzung.

America_Crazy



*NickMUC

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Neeee, oder  :shock: :lol:

Doch... echt!
Dafür ist aber am Strand von Santa Monica eigentlich alles verboten, Rauchen sowieso, aber auch das An- oder Ausziehen jedweder Kleidungsstücke, Musik, Alkohol natürlich sowieso... die Verbotsliste umfasste etwa 25 Punkte. Aber Venice ist nett ;-)

@ America-crazy: das freut mich, dass doch der eine oder andere mitliest ;-)
Grüße,
Nick
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*Susan26

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@ America-crazy: das freut mich, dass doch der eine oder andere mitliest ;-)

Über mich kannst du dich auch freuen, denn ich bin auch dabei - gefällt mir!!! ... und bei einer 4-Wochen-Tour haben wir ja noch viel Freude an deinen Aufzeichnungen  :D ... nur schade, dass es keine Bilder gibt  :wink:
Susan
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*grille

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Hallo,

ich bin auch mit dabei. :)
Scheint interessant zu werden. Wir waren auch schon in LA, waren aber auch nicht so begeistert  :oops:
Bin gespannt, was noch alles kommt.
Vielleicht verschlägts uns ja doch nochmal dorthin.

Bis denne
Grille
Keine Zukunft vermag gutzumachen, was du in der Gegenwart versäumst (Albert Schweitzer)

*NickMUC

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@ Susan: ich werde mal schauen, ob das eine oder andere digitale Bild zur Illustration dienen kann... Die "richtigen" Bilder (rund 750) zu scannen, wird sich ziehen.
@ grille: willkommen an Bord des kleinen Mustang!
Grüße,
Nick
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*NickMUC

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OK, eigentlich sollte es ja erst morgen weitergehen, aber jetzt bin ich neugierig und will wissen, ob das mit den Bildern klappt.
Kleiner Bildnachtrag: die „Suite“ im Best Value Inn mit der bezaubernden Badewanne.



Donnerstag, 3. Januar 2008

Heute um 6.00 auf den Beinen... Duschen, mal ein frisches Set Wäsche und eins von den neuen T-Shirts, dann an die Arbeit. Schlag 7.00 parke ich vor dem Nachbarschafts-Diner auf der Alvarado St, nur um festzustellen, dass der erst um 8.00 aufmacht. Mexikaner, faule...! Also den Olympic Blvd hoch Richtung Downtown. Die Gunst meiner 6-Dollar-Parkgebühr schenke ich diesmal dem Parking an der 7th und Spring. Auf letzterer findet sich auch ein nettes Cafe (LA Cafe, 639 S Spring St), wo es einen exquisiten Kaffee und ein Müsli mit Joghurt und Erdbeben, Quatsch, nein: trotz Andreasgraben: Erdbeeren gibt. Außerdem das erste Frühstückszigarillo, bevor mein Marschprogramm startet: Spring hoch (nein, nicht hochspringen...), also die Spring St. hoch bis zur 2nd, dann rüber auf die Main, die wieder runter bis zur 9th, dann rüber auf die Hill, die wieder hoch bis zur 2nd, dann... etc. Kurz unterbreche ich das Auf und Ab bei einem mittäglichen Snack (Tom Ka Gai, sauscharf und sehr lecker) im Grand Central Market (1831 James M. Wood Blvd). Vom „Hintereingang“ des Grand Central Markets aus sieht man den Angel’s Flight, jene Schrägseilbahn, die vor rund 10 Jahren renoviert und wieder in Betrieb genommen und dann 2001 nach einem schweren Unfall wieder stillgelegt wurde. Momentan wird wieder für die Inbetriebnahme gearbeitet.



Fünf Rollfilme und rund 100 Digishots später habe ich dicke Füsse und es ist früher Nachmittag. Gegen die dicken Füsse habe ich mir neue Chucks für 30 Bucks spendiert, gegen den Nachmittag kann man wenig tun, aber immerhin rauche ich ein entspanntes, wenn auch etwas amerikanisch-fades 8-Dollar-Zigärrchen bei Art&Cigars (124 cW 2nd St) – inkl. einem spendierten Kaffee (Dankevielmals!), rede ein wenig mit einem netten Mit-Kunden, außerdem mit der Galeristin, die mich für den nächsten Donnerstag zum Gallery-Walk einlädt und plausche noch ein bisserl mit einem der ausstellenden Künstler. Nett. Als waschechter Profi habe ich natürlich meine Visitenkarten im Koffer und den im Motel. Blödmann, ich!

Aber immerhin habe ich jetzt das Gefühl, dass sich Downtown LA fotografisch in den Griff kriegen lässt. Vage wabert eine Idee durch mein Hirn, die auf eine Gegenüberstellung von „gestalteten“ 6x6-Bildern und blind geschossenen Digishots hinausläuft, erstere eher ruhig und Architektur-bezogen, letztere eher lebendig und mit Menschen drauf.

So – ein für heute letztes mal latsche ich die Spring St wieder hoch bis zur 7th, sattele meinen Mustang und reite (nach einem Zwischenstop im Motel zum Schuhe wechseln und Kaffee ausgießen) Richtung Hollywood, genauer auf die Melrose Ave, die ich nicht nur auf- sondern auch ab schlendere (wobei mein Schlendern langsam in Humpeln übergeht). Bei einem auf Argentinier gequälten Mexi (7229 Melrose Ave) esse ich ein Pollo Picante, dass ggf. ein Pollo, definitiv aber nicht picante ist, auch die Ähnlichkeit der als Vorspeise georderten Chorizo mit der einschlägig bekannten Wurscht beschränkt sich auf eine wohl zufällige Namensgleichheit. Die Frage der Waitress, ob ich auf meinen 20-Dollarschein noch Wechselgeld raus haben möchte, finde ich angesichts der 15,20-Dollar-Zeche ein bisserl dreist. Ich gebe ja gerne Tipp, aber doch keine 33%. Da sie mir nur 4 Dollar wiederbringt, lasse ich bloß noch zwei weitere liegen. Die Lokalität heisst übrigens Lala’s. Und so ist sie auch: lala.

Danach noch die Abendzigarre, wiederum schlendernd, dann ab nach Hause. Mein  Stolz in Sachen LA-Ortskenntnis leidet ein wenig, weil ich – grrrrrrrrrrrrrrrrr – auf dem Wilshire falsch abbiege. Als ich ein Schild sehe, das vermerkt, hier beginne Beverly Hills, kommt mir das spanisch vor. Oder genauer: nicht spanisch. 180° Kehrtwende, so komme ich dann doch in die Alvaredo. Auf dem Motel-Parkplatz quetsche ich mich in die letzte Lücke, der Mann nach  mir muss leider draußen parken. Noch schnell die Tagesnotizen getippselt und dann: Klappe – die Dritte.

Die Frage des Tages: warum hat ein Motel 40 Doppelzimmer, aber nur 20 Parkplätze? Wird ja wohl keiner zu Fuß kommen...
Grüße,
Nick
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*mannimanta

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Als alter "LA-Nichtmöger" will ich mich gerne vom Gegenteil
überzeugen lassen. Bin dabei. :wink:

*AdorableFreak

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Hey,

ich bin auch dabei. Toller Schreibstil! :D

*NickMUC

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@ mannimanta: I'll do my best ;-) Allerdings bin ich bis heute nicht sicher, ob sich LA einem bei einem 2- oder 3-Tages-Besuch erschließt. Ich fand es bei meinen ersten Besuchen vor vielen Jahren auch scheußlich. Am Ende meines Reiseberichts werde ich versuchen, ein Fazit zu ziehen.

@ AdorableFreak: Freut mich, Danke!

Zum Tag 4 der Reise gibt es kein Bild – außer diesem einen, dass aber recht gut ahnen lässt, wie sich das Wetter entwickelt hat:



Freitag, 4. Januar 2008

„It never rains...“. Von wegen! Die von CNN schon für gestern angekündigten Wolkenbrüche finden nun heute statt. Was bleibt einem da außer Museen, Kino etc. (keine Lust) oder ein fröhlicher Rumfahr-Tag mit Shopping-Einlagen? Also zuerst wieder nach Hollywood, um bei Canter’s (419 N Fairfax Ave), dem kultigsten Deli von LA, einen warmen Haferbrei mit Bananen zu schlabbern, begleitet von einem häufig refillten Kaffee. Canter's sei jedem LA-Besucher als Frühstücks-, Lunch- oder Dinner-Lokalität an's Herz gelegt. Nicht unbedingt, weil das Essen so überragend ist (obwohl es schon gut ist), sondern vor allem, weil es ein ganz typisches Stück des alten Los Angeles darstellt, gelegen im Fairfax-District, einem traditionell jüdischen Viertel, in dem sich auch Synagogen und andere jüdische Einrichtungen finden, ebenso wie koschere Lebensmittelgeschäfte oder eben das Canter's (das es allerdings mit dem orthodoxen Judentum und dem koscheren Essen nicht so arg genau nimmt). Ein klassischer Deli, seit Jahrzehnten unverändert, groß, ein bisschen dunkel und mit einer hervorragenden angegliederten Bäckerei. Nach dem Oat Meal lenke ich dann den Mustang auf den Beverly Blvd in Richtung Macy’s/Bloomingdale’s, wo mich angesichts der Preise schier der Schlag trifft... da kaufe ich ja in München günstiger. Naja... Beverly Hills halt.

Also erst mal ein wenig cruisen: rüber zum Sunset (nach einem Zwischenstopp im Virgin Megastore zwecks Anschaffung von geeigneter Begleitmusik – u.a. zwei Scheiben von Robert Keen, meiner persönlichen Country-Neu-Entdeckung – sehr feine Musik!) und dann eben jenen Sunset komplett und bis zum bitteren Ende runter an den Pazifik (das zieht sich gewaltig, ist aber wirklich sehr schön anzuschauen, selbst bei Regen und führt einen durch die unterschiedlichsten Teile der Stadt), dort links nach Santa Monica und auf dem Pier ein Körbchen  lecker-scharfe Chicken Wings gespachtelt (Rusty’s Surf Ranch, Santa Monica Pier), was meine Lippen, die noch von der Tom Ka Gai von gestern etwas brennen, endgültig aufspringen lässt. Der Pier bei strömendem Regen ist nett, weil dann kein Mensch da ist. Ich spurte im Dauerlauf zum Wagen zurück, bin aber trotzdem pitschnass.

Über den Santa Monika Blvd (nicht Freeway!) geht’s dann wieder Richtung LA, irgendwo sehe ich ein Target-Schild leuchten und biege in die Tiefgarage. 4 Boxershorts, eine Wrangler (19 Bucks), 6 Paar Crew Socks, 2 T-Shirts und einen Ersatz für meinen zuhause gebliebenen, weil nicht 110-V-tauglichen 3-Tage-Bart-Trimmer, sowie diversen Kleinkram später sitze ich wieder im Auto, der Nachmittag ist vorbei, Hunger habe ich nicht und, so stoppe und goe ich den Wilshire Richtung Hotel. Links und rechts und vorne und hinten heulen sich Polizei und Feuerwehr ihren Weg. Der Verkehr steht, vorzugsweise in 20 cm tiefen Pfützen, die Fußgänger schlagen Haken, wenn ein Auto vorbei rollt, die Fontänen sind beeindruckend, das Ganze nimmt ganz leise katastrophale Züge an. Die Kanalisation an den Straßen von LA ist nicht wirklich funktionell, im Nu staut sich das Wasser. Ich spurte durch den Wasserfall in mein Zimmer, es ist noch nicht mal 9.00 Uhr. Ich stelle beim Rasieren fest: Der Bart-Trimmer ist Scheisse! Naja, 9,50 $, watt soll’s. Der darf, wenn ich abreise, wohl weiter in Amerika wohnen. Ich nutze eine kleine Regenpause und spurte zum nahe gelegenen Lebensmittelgeschäft, wo ich Wasser, Orangensaft und ein Stück Käse erstehe (den extra pikanten Jack Cheese, der immerhin ein wenig an richtigen Käse erinnert).
Dinner im Motel, Tagebuch, CNN-Weather Channel... es soll nicht wirklich besser werden. Blöd.

Die Frage des Tages: warum haben die Sirenen der US-Cops soviel mehr Sexappeal als das deutsche Tatütata (das genau so klingt, wie die kackfarbenen Uniformen der deutschen Polizei aussehen – dafür gehört dem damaligen Stardesigner Herrn Oestergaard heute noch eins mit dem Schlagstock übergebraten)?
Grüße,
Nick
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*Susan26

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Hallo Nick,

Danke für die Bilder - jetzt gefällt mir das allen noch besser und ich kann mich jeden Tag noch ein Stückchen mehr freuen  :wink: (Auch die Fotos auf deiner Website sind klasse - kann man eigentlich von der Fotografie leben? ... ich finds toll!)
Auch wenn die Wolken nicht ganz so toll aussahen ... ich wär jetzt gern in LA, denn hier in Dresden sehen die Wolken auch nicht unbedingt besser aus  :(
Susan
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*NickMUC

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Hallo Nick,

Danke für die Bilder - jetzt gefällt mir das allen noch besser und ich kann mich jeden Tag noch ein Stückchen mehr freuen  :wink: (Auch die Fotos auf deiner Website sind klasse - kann man eigentlich von der Fotografie leben? ... ich finds toll!)
Auch wenn die Wolken nicht ganz so toll aussahen ... ich wär jetzt gern in LA, denn hier in Dresden sehen die Wolken auch nicht unbedingt besser aus  :(
Susan

Ach Susan, was tut man nicht alles, um anderen eine Freude zu machen ;-) Dankeschön! Und: nein, man kann nicht wirklich davon leben. Mein Geld verdiene ich hauptsächlich mit Grafik, bei der Fotografie bin ich schon froh, wenn sie nichts kostet...
Was die Wolken betrifft: ich wäre auch lieber immer noch in LA, vor allem, da punktgenau mit mir auch der Regen in München eingetroffen ist (nachdem's ja scheinbar den ganzen Januar schön und sonig war).
Grüße,
Nick
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*carovette

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Hallo,

ich habe den Reisebericht eben entdeckt - ich bin auch mit dabei. Wir sind ab 18.5 auch für wenige Tage in LA und ich bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht. Schön, dass auch ein paar Bilder dabei sind. Und: Dein Schreibstil ist klasse - toll zu lesen. Ich freu mich schon auf die Fortsetzung.
lg carovette





 

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