Our Great American Journey (auch “The No Sleep Tour”) - 6 Wochen + Tornadojagd

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*Lupine

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Tag 2, 20.5.

Bei feucht-heißem Wetter, so wie es sich für den Süden gehört, standen wir auf und waren bereits um 9 Uhr abfahrbereit und fuhren dann in die Innenstadt von Cincinnati. Dort versuchten wir irgendwo, einen Bezugspunkt zum Entdecken der Stadt zu finden, zum Beispiel einen Parkplatz oder so, waren nach drei Runden um den gleichen Block jedoch ziemlich entnervt (hatten aber doch einiges von der Innenstadt gesehen).





Bis auf eine Parkuhr, bei der man für 1x drücken 10 Minuten gratis parken konnte (wer baut eine Parkuhr bei der man gratis parken kann!?  :zuck: ), fanden wir jedoch nichts. Schließlich fuhren wir etwas aus der Stadt heraus und parkten auf der heute menschenleeren Zufahrt zum Baseballstadion und konnten so zumindest die berühmte blaue, singende Brücke nach Kentucky und die schöne Skyline sehen.





Über die singende Brücke fuhren wir dann auch nach Kentucky (und das Metallgitter „sang“ tatsächlich beim Fahren) und schauten dort noch einmal die Skyline von Cincinnati über den Ohio River hinweg an.



Dann fuhren wir als nächstes nach Petersburg in Kentucky, wo wir das Creation Museum anschauen konnten. Only in America: irgendwelche reichen Christen haben hier ein nagelneues, hypermodernes Museum errichtet, was sich mit der Schöpfungsgeschichte aus der Bibel beschäftigt – und dafür wirbt, dass sie richtiger ist als die Evolution. Da in amerikanischen Schulen jeder Staat per Gesetz selbst festlegen kann, was von beidem (oder beides) gelehrt wird, gibt es nicht wenige Amerikaner, die überzeugt sind, dass Evolutionstheorie Quatsch ist. Nachdem wir von einem sehr ernst aussehenden Mann in eine Parklücke eingewiesen worden waren, liefen wir vorbei an Autokennzeichen aus aller Herren Staaten zum Eingang. Das Museum wirbt auf seiner Homepage auch damit, von 2/3 der amerikanischen Bevölkerung innerhalb einer Tagesfahrt erreichbar zu sein – entsprechend gibt es auch irre viele verschiedene Staatenkennzeichen.
Drinnen angekommen kauften wir Eintrittskarten und setzten uns dann zunächst in einen Einführungsfilm, „besonders geeignet für Kinder“. Der Film kann zusammenfassend eigentlich als ein Film „über die Lügen der modernen Wissenschaft“ bezeichnet werden, und wir schauten fassungslos zu. Der Inhalt in der Kurzfassung: ein junges Mädchen, Wendy, sitzt am Feuer und wundert sich über den Sinn des Lebens. „In der Schule bringt man uns bei, dass die Evolution die Wahrheit ist, doch man sagt doch auch, es gäbe einen Gott, - gibt es ihn denn nun?“ Da senken sich auf sie zwei Engel in weißen Malerlatzhosen herab, die „men in white“, sagen ihr sie hätten Antworten auf ihre Fragen und erzählen ihr zunächst die Schöpfungsgeschichte. Im Paradies lebten Adam und Eva voller Glück, „und es gab keine genetischen Mutationen“, alle waren glücklich, es gab keine Krankheiten und so weiter. Doch dann: Die Revolution! Die Erbsünde! Eva entschied sich, sich dem Wort Gottes zu widersetzen, von der verbotenen Frucht zu kosten. Der Bildschirm wurde rot, eine gruselige Schlange erschien, lautes Donnergrollen war zu hören, und Bilder von Tod, Verderben, Drogenmissbrauch, Naturkatastrophen, Krankheiten, Hunger, Geburtsschmerzen und einem Fleisch reißendem Wolf erschienen. Klar, ein Film für Kinder!  :never:



Weiter ging es im Film dann darum, dass man heutzutage ja überall (besonders in der Schule) Lügen erzählt bekommt, und dass einem überall die eigentliche, wahre Entstehung des Lebens, nämlich die Schöpfung durch Gott, zugunsten der Evolutionstheorie ausgeredet wird. Es wurde auch gesagt, dass die Erde eigentlich nur tausende von Jahren, nicht Milliarden von Jahren, alt ist, und dass wissenschaftliche Methoden, die eine uralte Erde belegen, allesamt falsch sind. So zum Beispiel die Altersbestimmung von Steinen mithilfe des radioaktiven Zerfalls. Es ging im Film auch gegen die Medien, die ja auch nur Lobby der Evolutionstheoristen sind und Quatsch erzählen. Im Großen und Ganzen ein sehr gehirnwäschiger und gruseliger Film, ob das so das richtige für Kinder ist, war sehr fraglich. Uns stand der Mund jedenfalls weit offen und wir begaben uns wie betäubt in die weitere Ausstellung des Museums. Dort wurde zunächst mal Gottes Wort gegen das der Evolutionstheoretiker gegenübergestellt, z.B. war bei den biblischen Stammbäumen immer eine Sintflutlinie eingezeichnet; Kohle entstand angeblich dadurch, dass sich nach der großen Sintflut die entwurzelten Bäume ablagerten; und auch die heutige Lage der Kontinente arrangierte sich während der Flut unter Wasser.



Das Museum war allerdings sehr schön und sorgfältig eingerichtet, es gab Räume in denen Adam und Eva zusammen badeten, es gab einen weißen Raum, der wohl das Leben mit Gott symbolisierten sollte, und lauter Urwälder, in denen Menschen mit Dinosauriern spielten (übrigens: die Dinos haben mit ihnen zusammen gelebt und wurden nur deshalb ausgerottet, weil man vergaß, sie auf die Arche zu bringen… uuups!  :lol: ) und so weiter.







Mein Lieblingsraum war der, in dem gezeigt wurde, was unsere Gottabgewandtheit heutzutage mit uns angerichtet hat: Jugendliche, die Killerspiele am PC spielten, Drogen nahmen, Sex vor der Ehe hatten und schwanger wurden, und Erwachsene bei Ehekrisen und im Streit. Schließlich waren wir dann fertig und gingen noch bei brütender Mittagshitze im wunderschön angelegten Garten des Museums spazieren.



Wir waren sehr zufrieden, das Museum besucht zu haben, und sinnierten noch lange darüber, dass eigentlich nur in Amerika eine so große Kirchenlobby existiert, die den Bau eines so teuer ausgestatteten Museums finanzieren könnte (und auch in Amerika eine so große Meinungsfreiheit herrscht, dass ein solches Museum möglich ist und in Schulen auch beide Theorien unterrichtet werden). Wir waren entsetzt über den Fanatismus – so fühlte es sich für uns, einen Atheisten und einen eher moderat gläubigen Christen, an – des Museums, aber dennoch half es uns, einen Einblick in eine ganz andere, konservativ-christliche Welt zu bekommen, und zu verstehen, warum diese Menschen sich so von der Evolutionstheorie bedroht fühlen. Das Creation Museum ist sehr zu empfehlen, für Christen wie für Nichtgläubige!  :daumen:
Als nächstes sollte es zum fast exakten Gegenstück, dem anderen Gesicht des konservativen Kentucky, gehen: Der Jim Beam-Destillerie.





Unterwegs hielten wir noch bei einem Post Office an, bei dem ich südliche Gemütlichkeit erfahren durfte, denn ich hatte vergessen den Schlüssel für mein Zimmer in  Middlebury abzugeben – und musste ihn jetzt mit der Post zurück schicken. Was ewig dauerte bei der Postangestellten.  :umherschau: Bei Jim Beam besorgten wir uns dann Tickets für eine Tour und schon ging es los:



In einem ersten Raum wurde erklärt, warum 97% der Bourbon Whiskey-Herstellung der USA im Bereich von Kentucky und Tennessee (Jack Daniels) passiert: weil hier ein besonderes Grundwasser zu finden ist, was viel Kalzium und wenig Eisen enthält. Auch für die Lagerung der mit fertigem Whiskey gefüllten Holzfässer ist das Klima in diesem Teil der USA entscheidend (denn die Fässer werden ohne Klimaanlage gelagert): durch das warme Klima, was allerdings doch Schwankungen im Jahresverlauf aufweist, ziehen sich die Fässer immer zusammen und dehnen sich wieder aus, wobei sie den Whiskey aufsaugen und wieder abgeben und damit auch Aroma übertragen. Unglaubliche 50% des gesamten Bourbon-Whiskeys der Welt werden von Jim Beam hergestellt (der Rest dann bestimmt von Jack Daniels oder so). Weiter wurde uns dann gezeigt, dass der Bourbon aus Mais, Malz und Roggen besteht, der gemahlen und vergoren wird.



Das passiert übrigens mit der originalen Jim Beam-Hefekultur, die seit Gründung der Destillerie 1795 von allen „Beams“ (den Besitzern des Familienunternehmens) einem Safe aufbewahrt und immer weitervermehrt wird und sogar über die Prohibition hinweg gerettet wurde. Sie haben angeblich sogar immer einen Würfel mit nach Hause genommen, falls die Destillerie abbrennt (da Hochprozentiges so gut brennt, hat die Fabrik auch ihre ganz eigene Feuerwache vor Ort). Als nächstes wird das ganze dann destilliert und dabei kommen „high wine“ und „low wine“ heraus, die beide sehr hochprozentig sind, 60-80 Prozent, wir durften daran riechen (Tränen in den Augen!). Außerdem sind die Flüssigkeiten noch weiß/transparent. Als nächstes wurden uns die Eichenfässer gezeigt, die innen angebrannt werden, was den Holzzucker karamellisiert, der dann in den Bourbon übergeht und ihn auch braun macht. Je länger es lagert, desto besser schmeckt es dann auch. Als nächstes wurden wir in den „echten“ Vergärungsraum geführt, in dem nicht nur kleine Schaubehälter, sondern die Riesenbehälter für die Produktion der Firma waren. Es herrschte eine ungeheure Hitze und man konnte seinen Kopf in die Öffnung eines der Behälter halten, aus dem ein Schwall warmer, gäriger und stinkender Luft kam.



Danach waren wir dann live dabei, wie ein Fass geöffnet wurde, und der braune Bourbon mit kleinen Kohlestückchen kam heraus.



In der Produktion wird anschließend gefiltert und dann, je nach Endprodukt, mit Wasser oder Geschmacksstoffen verfeinert und verdünnt. Im nächsten Raum wurden dann die Flaschen mit Bourbon ausgespült, abgefüllt und versiegelt.



Schließlich kamen wir dann in einen riesigen, urigen Holzschuppen, der aussah wie kurz vor dem Zusammenbrechen. Moderne, technische, klimatisierte Lagermöglichkeiten? Pustekuchen! Irgendein Typ klettert da ins Gebälk und holt ein Fass aus der hintersten Ecke, wenn es gebraucht wird! Wir standen in einem Lagerschuppen mit 20 000 Fässern, 1 Mio Gallonen, und es soll wohl auch Schuppen mit über 50 000 Fässern geben. Ein seltsames Gefühl, unterhalb von so vielen Litern Whiskey zu stehen, und ihn teilweise sogar auf sich herabtropfen zu lassen (leckende Fässer). Die Fässer machen teils ziemlich viel Verlust durch Verdunstung und Lecks, und nach 12 Jahren sollen in einem der Fässer statt 56 nur noch 9 Gallonen drin gewesen sein. Übrigens liegt direkt zwischen den Lagerhäusern eine Kirche einer Glaubensgemeinschaft, die Nichttrinker sind… angeblich würden sie sich am ständigen Whiskeygeruch aber nicht stören.  :lol:



Schließlich kam der spaßigste Teil der Tour, die Verkostung.



Jeder konnte sich mit einer Karte drei Sorten zum Testen aussuchen und einen kleinen Schluck in ein Glas füllen lassen. Jim Beam Honey – perfekt für mich, jung, mild, niedrigprozentig und SÜSS! (für Whiskeyliebhaber sicher nur Gepansche  :blecken: ). Dann probierten wir einen 8jährigen, der 60 Prozent hatte und ungefiltert und unverdünnt aus dem Fass kam – da wurde bestimmt nur die Kohle rausgefischt. Beim Riechen fiel uns hier schon die Nase ab, und als Heiko kostete, bekam er wässrige Augen – na so was, er ist doch sonst nicht so?!  :lachen07: Als ich selbst einen Schluck nahm, dachte ich, die Schleimhäute meines Verdauungssystems werden weggefressen.

Schließlich probierten wir noch einen Mittelalten mit einem modrigen Geschmack. Na ja. Dann schleppten wir uns durch die Hitze zum Auto zurück und Heiko fuhr weiter, in der Hoffnung dass uns kein Sheriff abfing – betrunken war er zwar nicht, aber roch sicher doll nach Alkohol. Übrigens machten das alle anderen Besucher ganz genauso, ich frage mich, warum noch kein findiger Sheriff die Straße von der Destillerie zur Interstate als lukrative Bußgeldeinnahmequelle entdeckt hat.



Wir fuhren in einen Vorort von Louisville und aßen dort bei einer kleinen Imbisskette aus Cincinnati, Skyline Chili, ein Gericht, was auch in Cincinnati erfunden wurde: 5-Way-Chili. Ganz unten sind Spaghetti, dann kommt Fleischsoße, dann Bohnen, dann frische Zwiebeln und oben drauf ohne Ende Käseraspel. Ziemlich ekelig, und gleichzeitig ziemlich lecker.



Wir fuhren danach am Ufer des Ohio River nach Westen, dann nach Süden. Und während wir noch darüber diskutierten, wo das streng geheime Fort Knox, die Goldreserve der USA, hier nun eigentlich versteckt liegt, tauchte es links neben uns auf, ganz geheim, an der Autobahn.  :pfeifen: Von drei Zäunen geschützt und in einem fensterlosen Betongebäude lagen sie also, die Goldreserven der USA - im Wert von 6 Milliarden Dollar und damit die größte Goldreserve der Welt.



Wir bogen links ab und versuchten, noch ein Stück näher zu kommen, kehrten dann vor dem Eingang zum Sperrgebiet jedoch wieder um. So verlockend es auch war, am Zaun auszusteigen, ließen wir es bleiben, denn wir wollten nicht erschossen oder festgenommen werden.  :nixwieweg:



Als nächstes hielten wir dann in Elizabethtown an, zumindest am Ortsschild, und machten ein Foto.



Der gleichnamige Film (einer meiner Lieblingsfilme), der hier handelt, wegen dem wir den Abstecher gemacht hatten, wurde jedoch gar nicht hier gedreht (sondern in einer Kleinstadt in der Nähe), und so steuerten wir in der Gegend keine weiteren Ziele an und machten uns auf die längere Fahrt nach Süden.





Einige Zeit später erreichten wir die Staatengrenze von Tennessee auf der Interstate, und bereits kurz nach der Grenze wurden wir in den „richtigen Südstaaten“ willkommen geheißen: „Prepare to meet thy God. Ye must be born again. I believe in the Lord Jesus Christ.” Die Sonne ging während der Fahrt blutrot unter, und im Dunkeln erreichten wir Downtown Nashville und parkten in einem Parkhaus. Da wir noch Energie hatten, wo wir die auch immer hernahmen, tauschten wir Trekkingsandalen zu hübschen Schuhen und los ging’s!





Sobald wir die Ausgehmeile erreicht hatten, war alles voller Leute, überall waren offene Fenster, aus denen Livemusik drang, die Kneipen hießen „House of Country“ und „Honkey-Tonk“, es war warm und auf der Straße wurde von jungen Leuten Musik gemacht.  :gitarre:



Wir entschieden uns dann, in die super-volle (und es war Montag Abend!) „Tootsie’s“ Bar zu gehen, bestellten Bier und Cola und lauschten dem Sänger, der dem Klischee entsprechend einen Cowboyhut auf und eine Gitarre um hatte.



Die Musik war toll, die Kneipe war urig eingerichtet mit Prominenten-Unterschriften und angeklebten Dollarscheinen, und das Publikum war bunt gemischt wie man es nur selten sieht. Halb 1 hatten wir dann genug und fuhren in unser Motel – nur, um unterwegs festzustellen, dass es eine Extrastunde Schlaf für uns geben würde – denn wir hatten, ohne es zu wissen, eine Zeitzone überquert! Juhu!  :smiledance:
Liebe Grüße,
Rike


*sil1969

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@sil1969: Die Tagesetappen sind in der Tat so lang wie beim letzten Bericht, teilweise sogar noch länger (bzw. der Schlaf einfach kürzer - deshalb auch no sleep tour). Nimm dir ein Kopfkissen und ne Schlafmaske mit!  :lachen07:

O.k. Aber nur für nachts, tagsüber will ich ja was sehen.

In welchem Motel habt ihr denn in Nashville übernachtet? Empfehlenswert? Wir sind im April dort und ich suche noch nach "Erfahrungswerten".  :wink:
LG Silvia

*Lupine

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Hallo Sil,

in Nashville haben wir in irgendeinem Motel außerhalb des Stadtzentrums übernachtet, leider erinnere ich mich nicht mehr welches und weiß auch nicht, wo ich das nachgucken könnte - es war möglicherweise ein Super 8. Es war durchschnittlich sauber und günstig und gut, aber an mehr Details erinnere ich mich nicht. Sorry!

Liebe Grüße
Fredi
Liebe Grüße,
Rike


*Bluebell

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So,  ich habe jetzt 3  Monate frei genommen und komme mit  :urlaub:
Das mit dem Museum ist schon der Hammer . :bang:
Tolle Bilder und gute Beschreibung (Jim Beam), mal was anderes (das Museum).

*denise.marco

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Ich kann kaum erwarten wie es weiter geht.
Liebe Grüße
Denise

2007: Texas + New York
2009: Texas + Florida
2010: Texas
2011: Nordosten + Kanada
2013: Südwesten
2014: Chicago - Route 66 - Texas - Chicago
2017: Chicago - Yellowstone NP - Denver - Chicago

*Lupine

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Tag 3, 21.5.

Morgens machten wir uns nach Aufstehen um 8 und einem recht kargen cinnamon rolls-Frühstück erneut auf den Weg in die Innenstadt von Nashville. Auf der Fahrt dorthin fiel uns abermals der „Batman Tower“ auf, der eigentlich der Telekomfirma AT&T gehört, aber furchtbar ausseht – schaut euch die Bilder an.  :lol:





 In der Innenstadt parkten wir das Auto und schleppten uns durch die Hitze zum Kapitol von Tennessee, denn Nashville ist die Hauptstadt des Staates. Wir liefen eine Runde um das Gebäude herum und genossen den Ausblick in alle Richtungen, der sich uns vom Hügel bot, auf dem das Kapitol stand.





Es wurde übrigens im 19. Jahrhundert von Sklavenhand gebaut, ganz schön gruselige Vorstellung. Dann liefen wir weiter Richtung Innenstadt, aßen ein paar Cracker bei einem schön angelegten Brunnen und gingen dann zur Printer’s Alley, einer weiteren Ausgehmeile.



Auch wenn die kleine Gasse jetzt völlig ausgestorben war, konnte man sich schon anhand der „Blues“-Schilder vorstellen, dass hier nachts ordentlich was los ist.



 Wir schauten auch kurz zum Fluss hin, an dem noch die Spuren einer kürzlich vergangenen Flut zu sehen waren. Dann ging es wieder zurück zum Auto und wir machten uns auf den Weg Richtung Westen – Richtung Memphis. Unser Eindruck von Nashville war mittelgut, nachts war die Stadt zum Ausgehen toll, tagsüber war die Stadt aber eher ausgestorben und auch leicht heruntergekommen.





In einem Vorort von Nashville aßen wir noch bei Prince’s Hot Chicken, empfohlen vom Reiseführer, wo es frittiertes Hühnchen geben sollte, eine typische Spezialität des Südens.



Der Laden sollte um 12 Uhr mittags aufmachen; wir waren 12:03 da – und schon standen wir am Ende einer langen Schlage und waren Bestellung Nummer 28.  :staunend2:  Der Laden sah innen aus wie ein jamaikanischer Imbiss, sehr familiär und urig, mit türkisen Wänden, Wachstischdecken, einer Oma die selbstgebackenen Kuchen verkaufte, laufendem Uralt-Fernseher und einer dicken schwarzen Mutti, die Bestellungen entgegennahm, fertiges Essen herausgab und dazu laut die Nummern krähte: „twennny-ooooooooone!“



Wir bestellten 2x halbes Hühnchen medium hot und bekamen eine halbe Stunde später unsere Tüte mit heißer Ware. Beim Aufmachen unser Tüte stellten wir jedoch fest, dass wir vier halbe Hühnchen drin hatten, und fragten uns schon, ob wir einen Bestellfehler gemacht hatten, oder aus Versehen noch mehr Essen bekommen hatten.  :kratzen:  Egal – wir waren hungrig. Als wir das klitschnass-fettige Hühnchen mit den Weißbrotscheiben und den sauren Gurken verspeisten, fiel uns dabei fast die Zunge ab und die Augen tränten ohne Ende – entweder medium hot war nicht für europäische Geschmäcker bestimmt, oder die falschen zwei halben Hähnchen in unserer Tüte waren vielleicht doch super hot hot.  :koch:



Wir hielten jedoch tapfer durch, denn das Fleisch war sehr zart und lecker. Gesättigt und mit noch zwei weiteren Hühnchenhälften im Gepäck verließen wir dann den Laden und fuhren weiter. Wir machten noch einen Abstecher mit einer Pferdezucht (alle Pferde, die beim Kentucky Derby antreten, stammen wohl von einem Pferd dort ab), und überlegten, ob wir sie besichtigen sollten. Es blieb jedoch bei einer Besichtigung des Souvenirshops, wo es seltsame Dinge wie Pferde-Lichterketten gab.  :doesig:



Unterwegs nach Memphis konnten wir überhaupt nicht aufhören, über die das überbordende grün der Region zu staunen, sicher auch weil wir so sommerausgehungert waren. Die sanften Hügel waren von dickstem Wald überwuchert, der in allen Grüntönen wunderschön strahlte, die Luft war dunstig und roch gut, als könne man sie essen.



Auf der Straße sah ich übrigens mein erstes Gürteltier, leider jedoch tot - und steif wie ein umgekippter Plastikdinosaurier. Wir hielten unterwegs beim Publix  an, um unseren Obstjieper zu befriedigen. Unterwegs zogen Gewitter auf und wir entschieden uns, diese schon mal etwas abzufangen und zu fotografieren. Wir verließen die Interstate, stellten uns auf einen Feldweg (fuhren uns dort im roten Schlamm erstmal schön fest) und warteten den Aufzug des schönen Gewitters ab.



Außerdem bekamen wir noch einmal Appetit auf Chicken und holten die triefenden Fetttüten von hinten vor, labten uns am restlichen Hühnchen – das übrigens wesentlich weniger scharf war, was dafür sprach, dass die ersten beiden Hühnchen überhaupt nicht unsere Bestellung gewesen waren – und sauten uns richtig ein.



Als es regnete, fuhren wir dann weiter, und der Wolkenbruch hörte erst einmal eine halbe Stunde lang nicht auf.
Erst 10 Meilen vor Memphis wurde der Regen dann langsam weniger und wir erreichten schließlich in einem Vorort unser Motel. Wir checkten bei einer supernetten Südstaatenlady ein, die erst einmal erfolglos versuchte, Heikos Namen auszusprechen.   :lol: Dann räumten wir unsere Sachen ins Zimmer, aßen superleckere Wassermelone und beobachteten abends noch heftiges Wetterleuchten. Später kamen dann wieder einzelne, große Tropfen vom Himmel, bevor es dann wieder anfing sturzbachartig zu regnen, was noch die ganze Nacht andauerte. Die Kaltfront, aus der es regnete, hatte übrigens am Tag zuvor in einem Vorort von Oklahoma City, Moore, einen schwere F5-Tornado verursacht, ein ganzes Viertel dem Erdboden gleichgemacht und einige Menschen getötet und verletzt, was uns abends beschäftigte. Nicht nur dass die Medien voll davon waren, auch ein paar Freunde von uns waren aktuell in diesem Gebiet zum Gewitterjagen unterwegs. Und nicht zuletzt sollte uns unser Weg in wenigen Tagen ja auch nach Oklahoma City führen…
Liebe Grüße,
Rike


*Olli2

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Also Root Beer ist ja eingentlich ein Grund nicht einzusteigen!  :D Tut mir leid, aber ich verstehe nicht, wie jemand das trinken kann. Dann lieber den Jim!!! :D  Ich mach mich klein und fahre mit.

*Lupine

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 :lol: :lol: :lol:
Es wird keiner gezwungen, Root Beer zu trinken! Also kannst du dich gefahrlos an Bord begeben  :wink:
Ich glaube, es gibt irgendwie sowas wie eine Root-Beer-Schwelle. Als ich es das erste Mal gekostet habe, dachte ich auch "uääghghhs". Aber mit jedem Mal (und es wird einem nunmal von den Amis angeboten und dann trinkt man es ab und zu) wurde es dann besser und nach einem Jahr vermisse ich es hier zu Hause richtig.
Ich glaube, der Grund warum die Deutschen es ekelig finden, ist weil es nach Zahnarzt schmeckt. Die Amis können das nicht verstehen, offenbar wird ein solcher Geschmacksstoff bei denen beim Zahnarzt nicht verwendet.  :zuck:

PS: Hier ein witziges Bild, was bei meiner Willkommen-zurück Party entstanden ist. Ich hatte in Berlin Root Beer importiertes Root Beer aufgetrieben und "verabreicht". Die Reaktionen:
Liebe Grüße,
Rike


*Lupine

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Sorry, dass ich einen Tag ausgesetzt habe!  :oops: Dafür gibt's morgen gleich noch einen Eintrag.

Tag 4, 22.5.

Morgens standen wir wie geplant früh auf, um bereits um 8 Uhr am Tor des Elvis-Anwesens Graceland zu sein. Da wir weder die Zeit noch das Geld dafür aufwenden wollten, eine komplette Tour der Villa zu machen – so große Elvis-Fans sind wir dann auch wieder nicht – hatten wir im Internet herausgefunden, dass man von 8 bis 9 gratis an der Villa vorbei zum Grab von Elvis und seiner Familie gehen kann. Und genau das machten wir jetzt. Nach kurzer Rücksprache mit dem Wächter wurden wir hereingelassen, liefen durch den perfekt manikürten parkähnlichen Garten mit uralten Bäumen und waren tatsächlich die ersten an der Familiengrabstätte.



Der „Memorial Garden“ war rund angelegt mit einem Brunnen in der Mitte und kitschigen Säulen und das Gefühl, an Elvis’ Grab zu stehen, war schon ziemlich cool.  :lachen35:



Besonders witzig waren die zahlreichen skurrilen Geschenke aus aller Welt, die übrigens jeder hinschicken kann, und die aufgestellt werden, bis sie die Witterung oll aussehen lässt.



Auf der anderen Seite des Gartens konnten wir auch einen Blick auf Elvis’ Pool werfen.



Nach und nach gesellten sich weitere Touristen und Pilger zu uns, unter anderem ein Elvis-Double aus Deutschland im Rollstuhl…  :groove:



Auf dem Rückweg konnten wir noch einen ausgiebigen Blick auf die Villa selbst werfen, ein wirklich hübsches Haus.



An der Außenmauer des Grundstücks verewigten wir uns dann noch mit einem Edding, so wie es schon viele tausend Besucher vor uns getan hatten.
Dann fuhren wir durch absolut abgeranzte Viertel in die Innenstadt von Memphis. Angekommen am Lorraine Motel konnten wir es kaum glauben, dass dies hier wirklich das Museum über Martin Luther King sein sollte, weil die Gegend so aussah, als erwarteten uns hier jeden Moment Gangster mit Maschinenpistolen. Wir parkten auf einem verlassenen Grundstück neben den Überresten, Knochen usw., eines Tieres (hoffentlich  :lol:  ).



Wir kauften Tickets zum Museum, schauten einen Film über die Bürgerrechtsbewegung: zu Zeiten als die Benachteiligung von Schwarzen in den USA noch völlig normal war (getrennte Busse, getrennte Schulen, getrennte Warteräume…), setzte sich Martin Luther King (mit vielen anderen) dafür ein, dass das, was in der Unabhängigkeitserklärung versprochen wurde – nämlich gleiche Rechte für alle – auch umgesetzt wird. 1968 wurde er dann auf dem Balkon des Lorraine Motel angeschossen und verstarb dann im Krankenhaus.



In der Ausstellung im Gebäude gegenüber dem Motel, aus dem er übrigens auch erschossen wurde (sogar das Originalfenster war noch zu sehen) war sein Todestag minutiös nachgestellt.



Der Attentäter, irgendein Verrückter ohne klares Motiv, war nach dem Mord auf der Flucht und wurde übrigens nur deshalb nach 65 Tagen Suche geschnappt, weil er zwei verschiedene Pässe dabei hatte, was einem Beamten am Londoner Flughafen auffiel. Erst bei der danach folgenden zweiten Überprüfung stellte man fest, dass er international gesucht wird… er wurde schließlich zu 99 Jahren Gefängnis verurteilt. Man konnte auch das Motel selbst besichtigen und auf den Balkon steigen, auf dem er erschossen wurde. Selbst wenn es schon so viele Jahrzehnte her ist, war es doch ein ergreifendes Gefühl, auf der Stelle des Attentats zu stehen, zusammen mit dem dort abgespielten Gesang des Reverends, der bei seinem Beerdigungsgottesdienst ein ergreifendes Gospellied gesungen hatte.



Man konnte auch in sein Zimmer gucken, das angeblich noch im selben Zustand wie vor 50 Jahren gewesen sein soll.



Anschließend fuhren wir in die Innenstadt von Memphis, parkten für 5$ in einem Hochhaus und hatten sogar schon einen schönen Blick auf die Stadt und den Mississippi River, die Mutter aller Flüsse.



Gleich gegenüber lag das Peabody Hotel, unser nächster Stopp.



Wir betraten das Luxushotel und sicherten uns einen Platz am roten Teppich, um das Enten-Spektakel um 11 Uhr abzuwarten. Der vornehme Duckmaster erschien bald darauf und erzählte den versammelten Touristen in absolut feinstem Englisch die Geschichte der Enten:



In den 30er Jahren spielte ein Gast in diesem noblen Hotel dem Besitzer einen betrunkenen Streich und ließ Enten aus seiner Suite mit dem Fahrstuhl in die Lobby fahren und dann dort im Springbrunnen planschen. Dem Besitzer gefiel die Aktion besser als erwartet und so quartierte er die Federviecher in ihrer eigenen Suite ein. Seitdem fahren sie also täglich morgens um 11 mit dem Fahrstuhl und dem Duckmaster nach unten in die Lobby, planschen dann den ganzen Tag im Springbrunnen und werden um 5 Uhr nachmittags von ihrem Duckmaster wieder nach Hause gebracht. Der Duckmaster sagte auch, dass die Enten ihm böse seien, wenn zum Beispiel Sommerzeitumstellung ist, weil er dann für ihre innere Uhr „zu früh“ sei.  Das Spektakel war dann recht fix vorbei, der Duckmaster fuhr nach oben, kam mit seinen Enten wieder runter, die rannten über den roten Teppich zum Brunnen und planschten.



Im Brunnen wurden sie dann noch mit einem goldenen Serviertablett mit goldener Glocke gefüttert. (Und: als zwei Enten versuchten sich im Brunnen später zu paaren, scheuchte der Duckmaster sie natürlich gleich mit dem Stock auseinander  :lachen07: )



Danach ging’s auf die Beale Street, die Blues-Meile von Memphis. Die Atmosphäre war herrlich, mit schrägen kleinen Läden, Lokalen aus denen die Musik dröhnte und natürlich einigen Touristen.



Wir aßen in einem Restaurant ein paar Rippchen mit Mais für den kleinen Hunger zwischendurch und gingen dann in einen witzigen Laden, „Schwab“, der altes Spielzeug, Souvenirs, Kochzubehör, Kleidung, Schuhe, Verkleidungen und Süßigkeiten, aber auch alles sonst Erdenkliche führte. Sogar ein kleines Museum mit z.B. historischen Waagen war vorhanden.





Wir stöberten eine kleine Ewigkeit im Laden und kauften dies und das, und natürlich eine Elvis-Brille, bevor wir dann zum Mississippi-Ufer gingen.



Der Fluss war ein unglaublich breiter, reißender Strom mit schlammfarbenem Wasser und einer unvorstellbaren Strömung; das Frühjahrshochwasser war gerade erst vorbei. Wir wollten eine kleine Dampferfahrt auf dem Fluss machen und kauften Tickets, um auf der historischen Memphis Queen 2, einem Schaufelraddampfer (der jedoch nicht mehr schaufelt sondern jetzt anders angetrieben wird), einen Ausflug zu machen.



Um die Zeit bis zur Fahrt zu überbrücken machten wir noch einen Spaziergang durch die Hitze, und erreichten eine hübsche Straße in der Innenstadt.





Sehr toll saniert, mit einer alten Straßenbahn; doch auf den zweiten Blick waren auch hier viele Häuser verlassen und baufällig. Memphis hat sehr viel Charme und Charakter, doch man sieht, dass die Gegend recht ärmlich ist.



Schließlich gingen wir zurück zum Dock und auf unser Schiff. Dort wurden wir von einem herzlichen schwarzen Südstaaten-Opi begrüßt, der mit einem tollen Akzent die Tour kommentierte. Die Fahrt dauerte anderthalb Stunden und durch die Strömung waren wir vielleicht 20 Minuten nach links unterwegs, brauchten dann für die gleich lange Rücktour aber die restliche Zeit.



Wir fuhren unter ein paar Brücken hindurch, die auch die typische kantige Südstaatenbauweise hatten; und im Fluss kamen uns öfter mal große Baumstämme entgegen geschwommen…  :angst:



Der Tourguide sagte, wir seien seine „Geschichtsklasse“ und mit „y’all“ angeredet. Er erzählte uns verschiedene interessante Fakten über den Fluss und die Schiffe darauf.  :dozent:  So sagte er, wenn man eine Flusskreuzfahrt von hier bis nach New Orleans machen würde, hörte sich das schöner an als es sei, denn man habe 500 Meilen nur Wald links und rechts des Weges vor sich. Er sagte auch, der Mississippi sei der viertlängste Fluss der Welt, innerhalb der USA würden der Mississippi und der Missouri jedoch ab und zu mal die Ränge tauschen – wenn einer Niedrigwasser habe, mäandriere er weniger und sei dadurch kürzer. 1811/12 habe es in der Region ein Erdbeben der Stärke 8.9 gegeben, das einen solchen Riss in der Erde verursacht habe, dass der Mississippi River für einige Stunden rückwärts geflossen sei und erst nach drei Tagen (und das bei seinem Wasservolumen!) den Riss aufgefüllt habe. Über die schlammige Wasserqualität des Flusses erzählte er, man sage hier er sei „too thick to drink and too thin to plow“ – zu dick zum Trinken und zu dünn zum Pflügen.  :lol:  Die Schifffahrt profitiere aber sehr vom Fluss, denn ein Kahn könne das Äquivalent von 700 LKWs befördern. So ein Lastschiff habe außerdem einen Bremsweg von 2 Meilen! An Bord seien hauptsächlich weibliche Schiffsköche beschäftigt, die allerdings über 55 sein müssen – denn sie könnten a) besser kochen und b) seien unattraktiv für Männer, die monatelang einsam auf dem Schiff sein müssen. Auf dem Mississippi bei Memphis habe sich aber auch 1865 das schlimmste Schiffsunglück in der Geschichte der USA ereignet, bei dem auf einer Fähre 1700 Menschen umkamen, nachdem ein Kessel an Bord explodierte – und die Fähre hätte eigentlich nur 300 Menschen an Bord haben dürfen. Er erzählte auch historische Fakten über Memphis, z.B. dass die Ketten Holiday Inn und FedEx hier gegründet wurden und dass im Peabody Hotel Elvis seinen ersten Plattenvertrag unterzeichnet habe und fast alle Präsidenten der USA mal hier übernachtet hätten.

Nach all diesen Fakten, die er uns in seiner herzlichen Art erzählte, verabschiedete er uns dann mit dreimaligem „God bless you!“ vom Schiff.



Bevor wir Memphis dann verließen, fuhren wir noch beim Earnestine & Hazel’s vorbei, einem alten abgeranzten Lokal, das auch in „Elizabethtown“ vorkommt (deswegen der Abstecher). Dort war ein alter Barkeeper, der gerade Burger briet, ansonsten waren wir die einzigen Besucher und konnten uns umsehen – oben sah es aber eher nach einem besetzen Haus in Berlin-Neukölln aus als nach einer Bar…   :think: Dann verließen wir die Bar und die Stadt, mit tollen Erinnerungen und Erfahrungen im Gepäck.



Unsere Fahrt führte uns jetzt als erstes über den Mississippi nach Arkansas, und dann nach Norden entlang des Flusses Richtung St. Louis.







Nach der Hälfte der Strecke wechselten wir von der Interstate auf die Landstraße und hielten zum Sonnenuntergang noch an einem herrlichen Viewpoint über den Mississippi an. Der Weg dorthin war allerdings sehr abenteuerlich und führte mitten durch den Wald auf einen kleinen Berg. Der Ausblick entschädigte für die Strapazen: man konnte eine Biegung vom Mississippi sehen (langsam habe ich es satt, dieses Wort immer zu schreiben  :umherschau: ), der das rote Abendlicht reflektierte.



Dabei wurden wir von Monstermücken attackiert und auf der Weiterfahrt knallten so viele Insekten auf unsere Windschutzscheibe, dass es sich wie Regen anhörte.
Durchs dunkle Missouri fuhren wir dann noch etwas weiter, bis wir schließlich unser recht olles Motel in St. Louis erreichten und dann auch erledigt vom langen Tag in die Betten fielen.
Liebe Grüße,
Rike


*nordlicht

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Hier ein witziges Bild, was bei meiner Willkommen-zurück Party entstanden ist. Ich hatte in Berlin Root Beer importiertes Root Beer aufgetrieben und "verabreicht". Die Reaktionen:

Super Idee! Also die Fotoserie, nicht die Idee die Verwandten mit Root Beer zu traktieren.  :wink:

*sil1969

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Ich finde Root Beer nicht soooo schlecht. Ich müsste es nicht jeden Tag haben, aber so 2-3mal im Urlaub schon. Da gibt es auch Bonbons mit Root Beer-Geschmack.  :D

2012, als wir bei Freunden in Minnesota waren, gab es in einem Baumarkt kostenlos Root Beer mit einer Kugel Vanilleeis drin zum Probieren. Das war mir dann allerdings auch zu heftig!

Schöne Tour bisher.
LG Silvia

*Lupine

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@sil: Ja, der Root Beer Float. Auch nicht so mein Ding, ist wirklich zuviel des Guten...  :lol:

Weiter geht's, Liebe Freunde des Reisens!   :wink:


Tag 5, 23.5.

Morgens fuhren wir als erstes in die Innenstadt von St. Louis. Bei unserer Fahrt konnten wir schon von weitem das Wahrzeichen von St. Louis, den beeindruckenden Gateway Arch, den riesigen Metallbogen der den Aufbruch Richtung Westen symbolisieren soll, sehen.



Wir parkten wie immer in einem Parkhaus und liefen dann am schönen weißen State Capitol von Missouri vorbei zum Arch.



Die Innenstadt war wenig einladend und bestand aus einigen schnörkellosen Hochhäusern, aber der Park um den Arch herum war sehr schön und lag direkt am Mississippi. Das Wetter war leider heute sehr kühl (nicht einmal 60°F) und windig, so dass wir nicht besonders lange verweilten, und direkt in den Arch hineingingen. Dort gab es ein schönes kostenloses Museum über die West-Expansion der USA. St. Louis ist deshalb als „Gateway to the West“ bekannt, weil von dort aus die Goldsucher des Goldrausches starteten, weil Lewis und Clarke, die berühmten Entdecker des Westens der USA, von dort aus losgingen, und weil die zeitweilig einzige Eisenbahnlinie Richtung Westen durch diese Stadt führte.



Ein Freund von mir aus Middlebury, der aus St. Louis stammt, erzählte mir übrigens, dass die Stadt einst die Chance hatte, die gleiche Größe und Wichtigkeit wie Chicago zu erlangen, denn beide Städte entwickelten sich lange Zeit gleich. Doch dann setzte St. Louis wirtschaftlich auf Eisenbahn und Chicago auf etwas anderes, und dieses andere (was ich vergessen habe) war offenbar lukrativer und zukunftsweisender als Eisenbahn, und deshalb ist Chicago heute weltberühmt, und nicht das provinziell wirkende St. Louis.

Das Museum beschäftigte sich mit den Geschichten der Siedler, Soldaten, Minenarbeiter, Goldsucher, Ureinwohner, usw., die alle etwas mit der Westexpansion zu tun hatten. Der Gateway Arch selbst wurde schon 1968 gebaut, was uns sehr überraschte, da er zeitlos schön und modern aussieht.  :daumen: 





Als wir dann nach oben fuhren (übrigens zwang Heiko mich gegen meinen Willen,   :lol: denn gruselig sah das Ding schon aus  :zuberge:  ), konnte man auch beeindruckende Bilder von der Erbauung des Bogens sehen, mit lauter in der Luft hängenden Bauarbeitern. Nachdem wir Tickets gekauft hatten, stellten wir uns bei der Warteschlange für die „Tram“ an, die nach oben führte.



Schon das Warten vor den kleinen acht Türen, die die Größe von Katzenklappen hatten, hätte mich misstrauisch machen sollen.   :doesig: Als sich dann die Türen öffneten und wir in eine der acht Kapseln einsteigen durften, klappte uns allen die Kinnlade herunter (übrigens auch sehr schön auf der Rückfahrt zu sehen, als wir ausstiegen, wurden alle wartenden Besucher ganz bleich :lachen07: ): eine innen babyblau gestrichene, runde Kapsel mit einem Durchmesser von vielleicht 1.40 m und mit Platz für 5 (!) Personen erwartete uns.  :hilfe:



Wir nahmen mit zwei örtlichen Collegestudentinnen darin Platz und dann schlossen sich die Minitüren und wir zuckelten in unserem blauen Gefängnis nach oben – begleitet von einem zeitgemäßen 60er-Jahre-Quietschen, denn die Kapseln drehten sich immer in die Horizontale mit, während die gesamte Tram mit 8 Kapseln dran die Biegung nach oben fuhr.  :pray:



 Oben kamen wir dann in einen mit Teppich ausgelegten Flur mit gebogenem Boden und Schießscharten als Fenster links und rechts.





Der Ausblick war jedoch zugegebenermaßen wunderschön!







Die Rückfahrt war dann weniger schlimm, weil wir wussten, was uns erwartet.
Anschließend gingen wir ans Ufer des Mississippi, schauten den Schiffen beim langsamen Ankämpfen gegen die Strömung zu und aßen Funnel Cakes, auch so eine Südstaaten/Midwest-Spezialität. Das ist ganz normaler flüssiger Teig, der in heißes Öl gegossen wird und dabei dann eine nestartige Struktur ausbildet. Berge von Puderzucker drüber, fertig ist das heiße, fettige und natürlich süße Gebäck.  :dance:





Ich fand’s ganz lecker, Heiko war restlos begeistert und aß meine Reste gleich mit – und beim Essen nahmen wir sicher beide 5kg zu.
Dann fuhren wir weiter und aßen noch eine weitere lokale Spezialität: Deep Fried Tortellini. Im italienischen Viertel aßen wir die frittierten italienischen Nudeltäschchen und fanden sie ganz lecker, aber nicht umwerfend.



Auf dem Weg aus der Stadt fuhren wir dann noch zur Brauerei von Anheuser-Busch, wo alles von Budweiser bis Miller Light hergestellt wird.





In dem historischen Gebäudekomplex in Kleinstadtgröße roch es nach Bier und die Backsteingebäude waren teils mit lustigen Figuren verziert, die Bierkrüge hielten. Sehr schön, und wenn wir mal mehr Zeit haben, lohnt sich hier sicher eine Brauereitour.





Bevor wir St. Louis verließen, hielten wir dann noch an einer lokalen Pizzakette an, Imo’s, um dort die berühmte St. Louis-Pizza zu essen: in Quadrate geschnitten und belegt mit einer Käseart, die es nur dort gibt: den Provel Cheese, eine Mischung aus Provolone, Swiss und Cheddar Cheese; er schmeckte richtig lecker, würzig und war unheimlich klebrig. Auch die Pizza war toll.  :essen:



Dann fuhren wir endlich weiter und machten uns jetzt auf der Interstate auf den Weg Richtung Südosten. Erstaunlicherweise war es noch nicht besonders eben, so wie ich mir die Plains vorgestellt hatte, sondern war eine Zeit lang noch sehr hügelig und auch recht bewaldet.



Ein Stück weit fuhren wir auch die Route 66, kamen durch Kleinstädte mit Wandmalereien und verrückten Shops, und erreichten schließlich Bob’s Gasoline Alley, ein tolles Sammelsurium an Schildern und Zapfsäulen (nur Bob war nicht da).





Unterwegs sahen wir noch „the world’s largest rocking chair“ (den weltgrößten Schaukelstuhl) und erreichten zu Sonnenuntergang Springfield, Missouri, wo es die „längste Fußgängerbrücke für Zugbeobachter“ gibt… Amerika…





Wir verweilten etwas auf der Brücke, nur einen Meter unter uns fuhren zahlreiche Güterzüge hindurch, aber ansonsten war die Stadt nicht sehr einladend. Direkt neben der Brücke in einem Park saß ein Obdachloser, der Fernsehen schaute (fragt uns nicht, wie und wo er den Fernseher angeschlossen hat  :zuck: ); und wir hatten Angst um unser Auto, deshalb verschwanden wir recht schnell wieder.



Im Dunkeln fuhren wir dann bis nach Joplin durch, und wollten in unser unterwegs per Internet gebuchtes Motel 6 einchecken. Während ein Auto aus Quebec vorfuhr (die sind echt überall, die Kanadier), wurden wir am Check-In von der Dame mit den Worten begrüßt, dass sie nichts mehr frei habe. „Ja ja, wir haben gebucht“, antworteten wir, doch dann sagte sie, unsere Buchung sei nach 6pm erfolgt und damit nicht garantiert, und sie seien überbucht, also müssten wir uns woanders ein Zimmer suchen. „Bitte?!“ Wir trotteten davon und wollten uns schon Alternativen suchen, doch dann rief sie uns aus der Tür hinterher: „Wait wait wait, come back!“ und gab uns doch noch ein Zimmer. Eine der anderen Reservierungen, so hatte sie entdeckt, sei noch nicht aufgetaucht und da es nach 6pm sei, könne sie dieser Person das Zimmer stornieren, da diese nicht mit Kreditkarte gebucht habe. Na gut, versteh einer die Motels und ihre Buchungsbedingungen, aber immerhin hatten wir unser Zimmer!  :abklatsch:
Liebe Grüße,
Rike


*NähkreisSteffi

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Hallo Rike,

super, dass Du wieder berichtest.

Leider hatte ich die Abfahrt verpasst. Habe aber eben alles nachgelesen.

Bis jetzt wieder mal eine tolle Reise.

Viele Grüße

Steffi

*Manwi72

  • Platin Member
  • Registriert: 30.04.2007
    Alter: 48
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  • 1.915
Hey, ich springe noch mit auf. Ich mag Reiseberichte die abseit der üblichen Routen führen sehr gerne. Mich würde mal interessieren, wieviele Meilen ihr an den einzelnen Tagen gefahren seid... Eure Tage hören sich an wie 48 Stunden, aber da merkt man auch wieder, dass man mit einigermaßem frühen aufstehen und guter Vorbereitung ganz viel machen kann. Am aufstehen scheiterts bei uns immer... zumindest bei meinem Reisebegleiter  :wink:
Viele Grüße, Manu

*Lupine

  • Bronze Member
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    Alter: 30
  • 272
Hallo Steffi, schön dass du zusteigst! Willkommen an Bord.  :D

Hallo Manu, ich liste mal die (nachträglich über Google Maps recherchierten) Meilen pro Tag der letzten Abschnitte auf:

Tag 1: 507 mi
Tag 2: 312 mi
Tag 3: 212 mi
Tag 4: 320 mi
Tag 5: 284 mi

Gute Anregung, ich werde die gefahrenen Meilen ab jetzt unter jeden Tagesabschnitt dazuschreiben.
Ich fasse es mal als Lob auf, dass du sagst bei uns wirken die Tage wie 48 h  :D :D :wink: Wir haben wirklich wahnsinnig viel gesehen. Es stimmt schon, mit frühem Aufstehen ist schonmal viel getan, auch wenn wir nicht jeden Tag super früh unterwegs waren - je nachdem, wann wir abends angekommen waren. Ich glaube, das frühste das wir aufgestanden sind, war ca. 4 Uhr, aber wir haben teils auch bis 10 Uhr gepennt.
Geplant haben wir allerdings auf dieser Tour sehr wenig, nur eben diese ersten Tagesabschnitte bis Oklahoma City, weil  danach  ja sowieso unsere Routenplanung von der Lage der Gewitter abhängig war. Wir hatten den Lonely Planet USA dabei und haben dann unterwegs oder einen Tag vorher entschieden, was am nächsten Tag gemacht wird. Fixpunkte waren eben nur die Anreise nach Oklahoma City und ein eine gebuchte Campsite im Yellowstone NP. Motels haben wir dann eben unterwegs mit mobilem Internet meist noch am selben Tag für Abends gebucht.
Allerdings muss ich auch dazu sagen: so viel zu machen ist auf Dauer wahnsinnig anstrengend und nicht jedermanns Geschmack. Uns hat es prima gefallen und wir würden es in den nächsten Jahren immer wieder so machen. Alle unsere Reisen haben diesen Charakter, egal in welches Land  :lol: Aber z.B. mit Kindern kann ich mir solche langen Fahrstrecken, die wir teils im Dunkeln nach einem anstrengenden Sightseeing-Tag zurückgelegt haben, nicht vorstellen.
Liebe Grüße,
Rike


 

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